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Erfahrungsbericht

für moto, Bremen
5 Sterne Ein kleiner Schritt aus dem Dorf hinaus.
69 von 69 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Originalität, Auswahl, Geschmack, Bedienung

Kontra Hat Sonntags mittags manchmal zu - ausgerechnet, wenn ich in Bremen bin!

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Der Autor

HilkMAN Seit 3 Apr 2001

HP: http://lidude.net - Hier: Spieleberichte ohne Angabe der Packungsgröße! -- Gegenlesungen? Son... mehr

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Unter GroßstadtbewohnerInnen wird Bremen oft als Dorf belächelt. Nun ist das natürlich totaler Quatsch. Zwar weist Bremen keine U-Bahn und keine Wolkenkratzer auf, aber der ÖPNV braucht sich hinter dem anderer Großstädte nicht zu verstecken, und auf die Hochhäuser lege ich ebenfalls keinen gesteigerten Wert. Und es gibt derartig schöne Ecken da, dass sich ein Besuch immer mal lohnt.

Eine dieser Ecken liegt unmittelbar an der Weser, genauer gesagt an der Schlachte. In einem schön renovierten Lagerhaus oder sowas befindet sich seit einer Weile nämlich das "moto". In seinem Selbstverständnis handelt es sich dabei um ein "modernes chinesisches und japanisches Restaurant, Café, Bistro und Teehaus". Aber das täuscht. Im moto gibt es vor allem authentische taiwanische Küche zu entdecken und zu genießen.

Ich habe mich an anderer Stelle bereits über die Authentizität der sogenannten China-Restaurants in Deutschland ausgelassen, das will ich hier nicht wieder tun. Tatsache ist, dass ich abgesehen von einem ziemlich schwachen Hongkong-Restaurant in Düsseldorf noch keinerlei auch nur halbwegs echtes chinesisches Restaurant in Deutschland entdecken konnte (und ich habe schon viele durchprobiert). Bis ich eben vor einigen Wochen zufällig das moto entdeckte. Wie nahezu jedes "China"-Restaurant, das unsere Gaumen und Mägen mit angedickter Soße, wild durcheinandergewürfelten Gemüsesorten und der unvermeidlichen sogenannten "Buddhistischen Fastenspeise" traktiert, behauptete ein Hinweis in der Speisekarte, dass hier Originalgerichte serviert würden. Normalerweise ist das eine ermüdende Lüge - wie sehr ich doch überrascht war, als es sich hier als die reine Wahrheit herausstellte.

Doch allein ein genauerer Blick in die Speisekarte ließ Großes erhoffen. In allen anderen angeblich chinesischen Restaurants werden die Speisekarten ja eins zu eins voneinander abgeschrieben (und die Gerichte unterscheiden sich meist auch nicht weiter). Hier hingegen ist alles anders. Kein einziges der Standardgerichte findet sich hier, stattdessen eine reichhaltige Auswahl von Dingen, die die vielseitige taiwanische Küche, die wiederum stark von der chinesischen und teilweise auch von der japanischen beeinflusst ist, zu bieten hat. Etwa die Hälfte der Gerichte sind vegetarisch, wobei sich (vielleicht einzigartig in Deutschland?) auch die verschiedensten traditionellen Fleisch- und Fischimitate finden. Diese habe ich in Taiwan zur Genüge gegessen und in diesem Fall ignoriert, aber auch so habe ich noch eine umfangreiche Auswahl gehabt. Suppen, Salate, Gemüse, Fleisch, Fisch - und so gut wie alles schmeckt genauso, wie ich es aus Asien kenne (als ich in einem Fall Kochbananen auf der Speisekarte entdeckte, war ich ein wenig überrascht - aber in der Tat, das ist eine Eigenkreation der Familie, die das Restaurant betreibt. Das muss natürlich erlaubt sein). Dieses Restaurant macht nicht die geringsten Zugeständnisse an westliche Gaumen. Für normale WesteuropäerInnen mag das zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, aber wer sich unvoreingenommen darauf einlässt, kann hier eine der vielseitigsten Küchen der Welt erleben. Einige Sachen sind, wie in Deutschland üblich, persönlich gemeint, das heißt, dass Ihr einen Teller mit einem Gericht vor Euch gestellt bekommt. Andere Dinge, die hier meist als Vorspeisen oder Kleinigkeiten deklariert sind, lassen sich sehr gut teilen, wie die Salate zum Beispiel (die nicht so ganz unserer Vorstellung von Salaten entsprechen. Wer wissen will, wovon ich rede, soll zum Beispiel mal den ganz ausgezeichneten Spinatsalat bestellen). Wir haben bei diversen Besuchen eine ganze Reihe von Gerichten durchprobiert, und alle waren klasse. Daher spreche ich mal keine einzelne Empfehlung aus.

Wer mittags kommt, kann übrigens aus einer kleinen Mittagskarte wählen. Die fünf Gerichte auf dieser sind sehr preisgünstig und nicht allzu riesig dimensioniert, so dass Ihr sehr gut noch eine Kleinigkeit dazu ordern könnt. So kommt Ihr zum gleichen Preis wie für ein Hauptgericht zu einer etwas größeren Auswahl.

Das Restaurant selbst ist übrigens nicht besonders spektakulär eingerichtet. Auch das ist sehr authentisch - die ganzen goldenen Drachen, die hierzulande zur Standard-Restaurantausstattung gehören, sind in Taiwan oder China völlig unbekannt. Und so müsst Ihr im moto auf simplen, aber keineswegs unbequemen Holzstühlen oder -bänken Platz nehmen. Das Restaurant besteht aus zwei Teilen, die durch einen schmalen Flur miteinander verbunden sind. Im vorderen Teil ist ein Tresen, von wo Ihr immer gut gesehen werdet - wenn Ihr nicht so viel Zeit habt, aber vielleicht noch mal was zu trinken nachbestellen wollt, solltet Ihr hier Platz nehmen. Im hinteren Teil hingegen seid Ihr näher an der Küche dran, was dem Besuch auch wieder ein wenig Authentizität verleihen kann. Diese ist nämlich durch eine Art Milchglasscheibe vom Restaurant getrennt, durch die Ihr Gelegentlich ein loderndes Feuer sehen oder ein lautes Brutzeln vernehmen könnt. Das macht gleich noch mal Extra-Appetit.
Die Toilette erreicht Ihr über eine Treppe, die von dem Durchgang abgeht. Es ist dringend zu empfehlen, sich den Weg dorthin genau einzuprägen, denn da unten im Keller ist es etwas unübersichtlich und Ihr wollt ja nicht verlorengehen. Die Treppe sieht ein wenig abgenutzt aus, aber an den Toiletten selbst habe ich nichts zu beanstanden.

Auch die Getränkeabteilung der Karte ist einen zweiten Blick wert. Die Getränkeauswahl der meisten Restaurants in Deutschland ist ja ziemlich standardisiert. Ich kann normalerweise allenfalls am Vorhandensein von Jasmintee merken, dass ich mich in einem China-Restaurant befinde, ansonsten unterscheidet sich die Karte in dieser Rubrik kaum von der anderer Restaurants. Aber auch hier geht das moto eigene Wege. Zu den Dingen, die bei einem Taiwanbesuch am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben, ist sicherlich die schier unendliche Auswahl an Softdrinks, die meist auf Tee- oder auf Milchbasis beruhen und denen Fruchtsirup, Obst oder sonstwas hinzugefügt wird. Sozusagen das Nationalgetränk Taiwans ist der Perlen-Milchtee, ein gesüßter Milchtee, in dem sich gut erbsengroße schwarze Kugeln aus Tapioka befinden. Dieser Tee wird samt der Perlen durch extrabreite Strohhalme getrunken. Ich bin selbst nicht so superbegeistert von dem Zeugs, aber es gehört zu Taiwan wie die Cola zu Amerika oder das Bier zu Deutschland. Den Perlen-Milchtee auf der Speisekarte zu finden, war dementsprechend eine große Freude für mich - aber leider war er gerade nicht erhältlich. Da ihn in Deutschland so gut wie niemand kennt, traut sich wohl niemand so recht da ran, was vielleicht auch verständlich ist. Aber ich denke, dass viele Leute die Getränkekarte möglicherweise auch gar nicht bis zum Ende lesen, weil sie keine großen Überraschungen mehr erwarten. Probiert Euer Glück also ruhig mal! Wenn die moto-Besatzung gerade an Tapioka herangekommen sein sollte, habt Ihr vielleicht ja mehr Glück als wir.

Noch was: Für jemanden, der aus Göttingen in eine Großstadt kommt, sind die Preise in Restaurants immer eher schockierend. Aber ich kann dem moto auch hier nichts vorwerfen, denn sie befinden sich für Bremer Verhältnisse keineswegs am oberen Limit. Auf der Mittagskarte geht es bereits für unter sechs Euro los, und die normalen Gerichte kosten meist unter zehn. Teuer wird es allenfalls dadurch, dass alles so verlockend klingt und Ihr neben Euren Hauptgerichten versucht sein werdet, noch ein paar Kleinigkeiten dazu zu ordern. Aber das lohnt sich auch allemal.

Die Bedienung ist sehr freundlich und aufmerksam, wenngleich etwas zurückhaltend. Und sie spricht sowohl Chinesisch als auch Deutsch (was in deutschen China-Restaurants eine absolute Seltenheit ist). Die Familie, der der Laden gehört, lebt seit Jahrzehnten in Deutschland, stammt aber tatsächlich aus Taiwan. Warum sie damit nicht noch ein bisschen mehr Werbung macht und stattdessen nur mit chinesischem und japanischem Essen wirbt, ist mir nicht ganz klar geworden, aber das soll mal ihr Problem sein. Ich hoffe jedenfalls, dass dieses Restaurant noch wesentlich bekannter und beliebter wird, damit das Beispiel eventuell in der Zukunft Schule macht und auch in anderen Städten originalchinesisches Essen zugänglich wird.

Das moto befindet sich an der Schlachte 22 (nahe der Ecke Ansgaritränkpforte). Es ist so mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos zu erreichen (Haltestelle Am Brill, z.B. Straßenbahnlinien 2 und 3). Nach eigenen Angaben ist es täglich von 12-24 Uhr geöffnet. Aber Achtung! Im Winter ist es dennoch Sonntags erst ab 17 Uhr offen, wie ich neulich mal schmerzlich feststellen musste (das steht nicht mal auf der Visitenkarte, sondern ich habe es erst hinterher von der Website erfahren) Wer ganz sicher gehen will, kann ja vorher anrufen (Tel. 302113).

Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat aus den Pressestimmen bringen, die Ihr auf der aufwendig gestalteten, aber etwas unübersichtlichen (und länger nicht mehr aktualisierten) Homepage des Etablissements (zu finden unter www.moto-bremen.de) nachlesen könnt: "Hier kehrt man ein, um Gäste aus Berlin oder London zu beeindrucken." (Prinz)
In der Tat. Bremen hat mit dem moto einen weiteren Schritt in die erste Liga der wirklich großen Städte gemacht. Wer dort ist und mal ein Restaurant kennen lernen will, das es vergleichbar vermutlich in Deutschland nirgendwo anders gibt, sollte unverzüglich ins moto pilgern. Wer es einmal kennt, kommt sowieso wieder.


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Kommentare

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  • Veedra 27.05.2004 22:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • carmen 25.05.2004 11:08
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Ich dachte schon, ihr habt da einen Ableger von Mr. Moto hier in L.E. - das ist aber eine Sushi Bar. gruß, carmen

  • BillMaplewood 17.05.2004 13:10
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • denali 16.05.2004 11:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • k_jacobi 15.05.2004 10:22
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Das waer ja fast ein Grund fuer mich, meine Frau auf ihrer naechsten Fahrt nach Bremen zu begleichen.

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