Zirkus Probst

Erfahrungsbericht über

Zirkus Probst

Gesamtbewertung (7): Gesamtbewertung Zirkus Probst

 

Alle Zirkus Probst Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Manege frei......

5  04.10.2004

Pro:
gute Unterhaltung

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

hawasie

Über sich:

Mitglied seit:27.11.2001

Erfahrungsberichte:180

Vertrauende:147

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 246 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Einleitung

Als ich noch in tiefster mecklenburgischer Provinz wohnte und meine Kindheit erlebte, hatte ich kaum Möglichkeiten, Tiere ausländischer Kontinente live zu sehen. Anders war es jedoch, wenn ein Zirkus in die Stadt kam. Er schlug sein Domizil in Teterow auf dem damaligen Sportplatz an der Seestraße auf. Lang ist es her und Erinnerungen an die DDR-Staatszirkusse
Busch, Berolina und Aeros sind irgendwie noch da, verblassen aber allmählich. 2 bis 8 Markt bezahlte der DDR-Bürger und wurde rund 2 Stunden mit einem atemberaubenden Programm begeistert. Diese Mischung aus Sägespäne- und Tiergeruch, ausländischen Menschen, einzigartiger Atmosphäre unter einem großen Zelt und vor allem – diese wunderschönen Tiere – Elefanten, Kamele, Bären, Löwen, Eisbären, Tiger, Pferde etc. faszinierten den kleinen Hardy und das hat sich bis heute eigentlich nicht geändert.

Die großen Staatszirkusse der DDR wurden nach der Wende schnell Geschichte. Abgewickelt wie man so sagt. Wer konnte, kam noch irgendwie woanders unter – die Tiere gingen meist in Zoo´s. Ein damals kleines Unternehmen überstand aber auch die Wende: der Zirkus Probst.

Ich glaube, mich erinnern zu können, auch diesen Zirkus in Teterow mal gesehen zu haben – allerdings nicht dort, wo die Großen gespielt haben, sondern auf dem Schulcamp , da der Zirkus damals nicht so groß war. Am letzten Wochenende gastierte Zirkus Probst hier bei uns am Wolzensee. Grund genug für mich a) mal wieder in den Zirkus zu gehen und b) mittels eines kleinen Berichtes ein bisschen Werbung für dieses Familienunternehmen zu machen *g*.

Geschichte

Der Gründer, Rudolf Probst, entstammt selbst einer Familie mit Tradition zur Akrobatik und der Arbeit mit Pferden. Nach dem 2. Weltkrieg setzte er sein Idee, ein eigener Zirkus, um und gründete den Zirkus Probst. Eigentlich sein Pech: er lebte und arbeitete in der sowjetischen Besatzungszone und gründete somit privat einen gewerblichen Betrieb. Das konnte nicht lange gut gehen. 1953 gab es in der DDR die erste Enteignung und wegen angeblicher Steuerhinterziehung auch gleich eine Gefängnisstrafe dazu. Warum ? Privateigentum sollte sowieso in dieser Größenordnung abgeschafft werden und sicher war Herr Probst mit diesem Unternehmen daher auch nicht das Aushängeschild für eine sozialistische Gesellschaft.

Als Rudolf Probst das Gefängnis wieder verlassen hatte, machte er was? Richtig – er gründete einen Zirkus namens Probst. Er hatte aber aus der ersten Enteignung gelernt und baute sein Zelt in den östlichen Nachbarstaaten auf. Internationale Beachtung erlangte in dieser Zeit v.a. die Tierdressuren. Der Zirkus Probst wurde besser und besser und wurde eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz zum vorherrschenden Staatszirkus in der DDR. Es kam, wie es unter DDR-Bedingungen kommen musste. 1973 wurde Rudolf Probst wieder enteignet. Auch diesmal reichte nicht nur die Enteignung, es gab noch eine Gefängnisstrafe oben drauf: 28 Monate. Der Grund: angeblich ein Zollvergehen: Herr Probst soll illegal einen Elefanten importiert haben. Seine Frau und seine 3 Kinder stehen plötzlich mittellos da, das Geld und der Fuhrpark werden vom Staat eingezogen. Was bleibt sind 5 Pferde. Monika Probst schafft es aber, sich bei einem polnischen Zirkus das notwendige Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.

Rudolf Probst wird entlassen – sein Leben war und bleibt : der Zirkus. Was macht er? Wieder richtig ! Er gründet 1981 einen Zirkus – natürlich den Zirkus Probst. Baute ihn Stück für Stück wieder auf und wurde wieder besser und besser. Das Verhältnis zwischen der DDR-Obrigkeit und dem Zirkusinhaber schien entspannter – es war aber wirklich vielleicht nur der Schein. Der Zirkus durfte wenigstens in kleineren Orten sein Zelt aufschlagen.

Mit der Wende wurde der Zirkus erst einmal größer – ein neues Zelt, in dem 1.800 Besucher Platz finden, wurde gekauft. Die DDR-Probleme waren weg – dafür neue : nicht nur die angespannte allgemeine finanzielle Situation sondern auch die stetig steigenden Kosten für den Stellplatz, Strom, Wasser, Versicherung, Treibstoff etc. machen dem Unternehmen zu schaffen.

Bekannt wurde der Zirkus Probst v.a. mit seinen Haustiernummern. Es ist schon selten u.a. eine Kuh in der Manage zu sehen *g*. Beim Internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo gab es dafür 1992 gleich 2 Preise. 1998 gab es für Rudolf Prost noch eine Auszeichung : die Ernst Renz Plakette für sein Lebenswerk und seinen Einsatz für den klassischen Zirkus.

Der Zirkus heute:

70 Menschen aus 8 Nationen sind derzeit beim Zirkus Probst beschäftigt. 100 Tiere reisen mit. 85 Wagen umfasst der Konvoi aus Wohn-, Spezial- und Tierwagen, die von 22 Zugmaschinen von Ort zu Ort gefahren werden. 80 bis 90 Städte besucht der Zirkus jährlich bei einer Spieldauer pro Ort von 2 bis 14 Tagen, je nach Größe der Stadt. Der Zirkus Probst bleibt seinen Wurzeln treu und gastiert vorrangig in den neuen Bundesländern. Er gehört mittlerweile zu den 8 größten Zirkusunternehmen in Deutschland. Sein Winterquartier befindet sich bei Magdeburg – in Staßfurt.

Das Programm:

Nach wie vor wird im Zirkus Probst die Live-Musik groß geschrieben. Das Orchester sitzt über dem Eingang für die Artisten. Die Musiker kommen aus der Ukraine und begrüßen die Besucher.

Informativ werden wir von Herrn Bleßmann, der auch Geschäftsführer des Unternehmens ist, durch das Programm moderiert. Im ersten Teil erleben wir die Gruppe „Alexandros“, deren Herkunftsland Rumänien ist und mit einer gekonnten Schleuderakrobatik der 9 Artisten ein erstes Staunen beim Publikum hervorzaubert. Danach kommen schon erstmalig Tiere – laut Programm nennt sich die Nummer „Kamel Freiheit“. Für diese Tierdressur ist Rüdiger Probst verantwortlich – der Mann, der später auch mit den Tigern wiederkehrt. Neben Kamelen und Lamas können wir auch Elenantilopen und Zebras in der Manege bewundern oder anders : ein kleiner Hauch Afrika schwappt rüber. ( Gut, die Lamas wohnen eigentlich woanders *g* ).
Es sind jetzt nicht nur die Tiere – es wurde auch eine Akrobatengruppe mit eingebaut. Der Höhepunkt : ein Salto Mortale über 4 Kamele hinweg.

Jetzt muss etwas umgebaut werden. Wie es meistens so ist, tauchen dann Clowns auf – auch beim Zirkus Probst. Sie kommen vom Moskauer Staatszirkus und schaffen es tatsächlich, uns ein Lachen zu entlocken. Na ja – so ganz nicht mein Ding – den Kindern gefällt es umso besser. Wir erleben anschließend wieder Artistik – ein durchhängendes Seil oder auch Schlappseil genannt, dass von einer jungen Dame Namens Jessika beansprucht wird. Erstaunlich, wie man darauf gehen kann und noch erstaunlicher, auch noch mit einem Einrad darüber fährt und damit alles stimmt, nebenbei auch noch mit Keulen und Ringen jongliert.

Nun gibt es Pferde und das gleich massenhaft: Mercedes Probst präsentiert ihre Pferde. Große und Kleine…..Ponys und Andalusier. Alles auf spanisch choreographiert – dazu die passende Musik vom Liveorchester – wunderschön. Neben Handstandäquilibristik ( was man alles so auf Händen machen kann *wunder*) gibt es dann noch die bekante und beliebte Haustierrevue und u.a. laufen da die Schweinchen durch die Manege . Na gut – nur laufen ist nicht, ein paar Kunststückchen müssen sie der Mercedes Probst schon zeigen, sonst gibt es keine Leckerli.

Wie man es von einem Zirkus kennt – gibt es 2 Teile. Dazwischen ist eine Pause von ca. 20 Minuten, in der man u.a. die Tierschau besuchen, sich mit einem Kamel ablichten lassen oder sich verpflegen kann. Und nun ist gerade Pause.

Während der Pause ist man dabei, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken oder salopp gesagt, einen Käfig hinzuzaubern. Wer sich im Vorfeld informiert hatte, wusste, nun kommen die Katzen. Rüdiger Probst präsentiert seinen Stolz – 9 wunderschöne sibirische Tiger. Wenn man diese imposanten Tiere schleichen sieht und auch sieht, wie sie fauchen, fragt man sich echt oder gespielt? Und irgendwie wie einem anders, wenn ein tiefes Grollen einer Tigers durch die Manege hallt . Die Tiger wurden alle im Zirkus geboren und mit der Flasche aufgezogen. 45 kg Rindfleisch samt Knochen haut sich so ein Tier pro Woche hinter. Kein Wunder, dass es ein ausgewachsenes Männchen auf 300 kg bringt. Für mich steht fest : mit Herrn Probst würde ich jetzt nicht tauschen wollen. Für mich eigentlich der Höhepunkt des Zirkusbesuches.

Was kommt noch? Akrobatik unter der Manegenkuppel, Pferde mit Frau Probst und noch ein bisschen mehr. Dann ist Schluss und wie immer, die Zeit wie im Fluge vergangen. Wir danken den Mitwirkenden mit reichlichem Applaus und hoffen, dass der Zirkus Probst in ein oder zwei Jahren wieder vorbeischaut.

Fazit :

Früher, als Kind, war ich im Zirkus immer zweimal. Einmal in der Vorstellung und tags darauf während der Vorstellung noch einmal in der Tierschau. Ich fand es spannend, wie die Tiere auf ihren Auftritt vorbereitet wurden und manchmal stand man plötzlich neben den großen Dickhäutern *g*. Die Zeiten sind vorbei. Aber auch wir waren ein 2. Mal dort. Nämlich am Samstagvormittag. Der Zirkus Probst öffnete von 10 bis 12 Uhr seine Pforten zum „Tag der offenen Tür“. Gelegenheit , mal ein bisschen hinter die Kulissen zu schauen, kostenlos die Tierschau zu besuchen, Proben der Artisten in der Manege zu verfolgen . Eine gute Idee, die dort initiiert wurde.

Wer etwas Geld sparen möchte, geht mit seinen Kindern am 1. Tag in die Veranstaltung. Bei einem Vollzahler ist ein Kind gratis dabei oder man nutzt im Vorfeld die Gutscheine, die in fast allen größeren Einkaufsmärkten ausliegen um ein paar Euro zu sparen.

Bilder gibt es diesmal keine. Fotografieren und filmen ist ja verboten. Aber wer will geht auf die Hompage des Zirkus Probst: http://www.circusprobst.com/.

Hier findest Du alles rund um den Zirkus. Etwas zur Geschichte, die aktuellen Tourneedaten, die Eintrittspreise, das Programm und auch ein paar Bilder von diesem Programm etc.


Für uns ging ein gelungener Familienabend zu Ende. Es hat allen Spaß gemacht und wir sind wieder da, wenn es heißt: Manege frei im Zirkus Probst

Euer Hardy

PS: Nach unten schiel.... Wie war der Zauberer ?????????
Da war keiner, aber wenn da einer gewesen wäre, dann wäre er sicher...........
Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Women_of_the_Tigers

Women_of_the_Tigers

14.03.2005 16:44

da hast du aber einen sehr schönen Bericht über diesen Zirkus geschrieben. War früher auch oft im Zirkus, heute hab ich dafür leider zu wenig Zeit :-( VLG Tanja

Mark_Oh

Mark_Oh

07.01.2005 23:40

Wow du kennst diesen Zirkus ja richtig gut! Ich bin nicht so der Fan von sowas, aber wems gefällt :)

Mundi1

Mundi1

03.01.2005 20:53

Ein Hauch von Romantik! lg Mundi

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 4032 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (4%):
  1. Mark_Oh
  2. BelgischePommes
  3. aquarius2
und weiteren 8 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (96%):
  1. enomis1
  2. hammi79
  3. Wiciejowski
und weiteren 234 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Verwandte Tags für Zirkus Probst