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Die kleine, feine Nachbarin
Pro recht hübsch, internationales Flair
Kontra nichts wirklich spektakuläres
*** Die Stadt 横浜***
Yokohama ist noch jünger als das sowieso schon so hypermoderne Tôykô, also wer das alte Japan sucht, ist hier falsch. Tatsächlich scheint es eine Art Konkurrenz zwischen Tôkyô und Yokohama zu geben: Yokohama baute die Yokohama Bay Bridge, damals die größte Brücke Japans, und Tôkyô legte mit der Rainbow Bridge eins drauf. Tôkyô baute mit dem Rathaus das höchste Gebäude Japans, und Yokohama legte mit dem Landmark Tower eins drauf. Damit wären schon die spektakulärsten Sehenswürdigkeiten genannt. Den
*** Landmark Tower ***würde ich am ehesten empfehlen, denn von seiner Aussichtsplattform im 71. Stock kann man mit größerer Wahrscheinlichkeit den Fuji sehen als vom Tokyoter Rathaus aus: Näher dran und weniger Smog. Im Vordergrund ist die Stadt flach, weiter hinten wächst sie die Hügel hoch. Das ergibt ein abwechlungsreicheres Panorama als das völlig flache Tôkyô. Es ist auch mal ganz nett, von oben auf eine Hubschrauber-Landeplattform zu schauen, die tief drunten auf einem 20stöckigen Hochhaus liegt. Ungefähr der 50.-70. Stock ist vom "Nikkô Royal Park Hotel" belegt, wahrscheinlich das teuerste der Stadt. Kein Wunder, bei der Aussicht! Aber natürlich ist es nicht nur teuer (um 20,000 Yen die Nacht, wenn ich mich recht erinnere), sondern auch erstklassig. Wer nicht das Geld hat, dort zu übernachten, sollte sich via U-Bahn zur Station Sakuragichô begeben, um den Tower zu besuchen, und in den 71. Stock fahren.
*** Minato Mirai 21 ***Das Viertel um den Landmark Tower wurde in den 80er Jahren im Hauruckverfahren auf künstlichem Neuland hochgezogen und heißt Minato Mirai 21. In dem Namen stecken "Japan", "Zukunft" und das 21. Jh. Die späten 80er waren in Japan eine extreme Hochkonjunkturphase, in der die utopischen Visionen einer durch Technik verbesserten Welt wucherten... und die man später als "Bubble Economy" bezeichnete, weil sie wie eine Seifenblase schnell wuchs und dann plötzlich zerplatzte. Der "große Knall" sorgte dafür, daß Minato Mirai irgendwie unfertig wirkt: Vorbei am Landmark Tower und seinem marmorglänzenden Einkaufszentrum steht ein weiteres Nobelhotel, dessen eigentümliche Form gern mit einem geblähten Segel verglichen wird (symbolhaft für die Hafenstadt, die in die glorreiche Zukunft aufbricht - mich erinnert es eher an einen aufgestellten Zitronenschnitzen), daneben ein Messezentrum... und dann scheinen die breiten Straßen im Nichts zu enden.
Yokohama brüstet sich gern mit der einzigen Chinatown Japans, aber die verblaßt, wenn man mal in China selbst, in Hong Kong, Singapur, Soho oder Frisco war. Davon abgesehen ist Yokohama einfach eine nette Stadt, die deutlich luftiger ist als Tôkyô und, des vorgenannten internationalen Flairs wegen, dem Besucher die Orientierung besonders erleichtert: Immer wieder finden sich zweisprachige (Japanisch/Englisch) Hinweisschilder. Die Städteplaner haben sich auch deutlich mehr Mühe gegeben als die der Hauptstadt (in der man sich eher fragt, ob es dort überhaupt Städteplaner gibt und wenn ja, was sie genommen haben), die Stadt hübsch zu machen, ob das nun die dekorativen Kanaldeckel sind oder die Uferpromenade.Die ach so berühmte Hafenbrücke habe ich mir gespart (kostet Eintritt, und was sehe ich da außer Wasser, Schiffe, Docks und Ladekräne?), dito die Hafenrundfahrt. Nein, außer Landmark Tower und Chinatown empfehle ich ganz etwas anderes:
*** Sogô, Diamond und Porta ***In der Nähe des Hauptbahnhofs steht eine Filiale des Kaufhauses Sogô, die sich rühmt, das größte Kaufhaus der Welt zu sein. Die Lebensmittelabteilung ist ein Fest für jeden, der japanisches Essen liebt oder es kennenlernen will. Wie in den Lebensmittelabteilungen aller Kaufhäuser gibt es allenthalben Probierhappen, so daß man viele japanische Lebensmittel für lau kennenlernen kann. So mancher Tourist hat sich da regelrecht durchgefressen, so daß man mittlerweile bei Ausländern etwas vorsichtig geworden ist. Meine Bitte: Freßt Euch ruhig durch, aber versucht wenigstens, so zu tun, als ob ihr echtes Kaufinteresse hättet, und wenn es schmeckt, kauft auch mal etwas. Sonst kriegt man als Langnase bald überhaupt nichts mehr angeboten.
Das Untergeschoß des Kaufhauses geht fast nahtlos über in eine unterirdische Ladenpassage, die unter dem Bahnhof wiederum in eine andere mündet: Diamond und Porta heißen die beiden, sind bestens klimatisiert, blitzblank sauber, dem Auge angenehm und wahre Labyrinthe. Gut, daß es allenthalben Übersichtspläne gibt. Zusammengenommen mit Sogô laufen sie jeder Einkaufsmeile, die ich bisher gesehen habe, locker pfeifend den Rang ab. Wahrscheinlich haben die Obermotze in Tôkyô noch nicht gemerkt, daß Konkurrenz nicht immer höher, schneller und weiter sein muß, denn die Hauptstadt hat dem nichts gleichwertiges entgegenzusetzen. Ich bin keine große Einkäuferin vor dem Herrn, aber diesen kombinierten Konsumtempel halte ich trotzdem für die Hauptattraktion von Yokohama. Das liegt sicher auch an den vielen Restaurants aller Preisklassen und Provenienzen, die sich in diesem Labyrinth verbergen. Aber auch bloß in die Schaufenster zu luuren, ist hochinteressant, denn obwohl das Angebot zumeist scheinbar "westlich" ist, ist es doch, wenn man genau hinschaut, sehr japanisch.
*** Hinkommen ***
*** Fazit ***
Yokohama ist eine nette Stadt, nicht gar so häßlich wie viele andere - ich hatte immer das Gefühl, dort etwas freier atmen zu können als in der Hauptstadt. Es ist aber nichts, was man gesehen haben muß. Yokohamas Vorteil ist, daß man hier diverse Aspekte des modernen Japan - Bauwahn, Zukunftsoptimismus, Konsum - auf engerem Raum und geballter erleben kann als in Tôkyô und dabei weniger von den Massen erdrückt wird.*) Der Text enthält hin und wieder japanische Zeichen in Klammern, um die Orientierung in japanischen Karten/auf Hinweisschildern zu erleichtern. Manche Browser können diese nicht korrekt anzeigen. Falls also nur Zeichensalat zu sehen ist: Einfach ignorieren!
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PlanetSab 15.03.2005 19:46
Tischtennis 01.12.2003 00:58
glockenkind 07.07.2003 12:07
ich finde deine berichte sehr schön geschrieben und spannend. von diesem ort (über den ich vorher nicht viel gehört hatte) habe ich jetzt eine ziemlich konkrete vorstellung. daher: sehr hilfreich + danke!
Wavecamper 05.07.2003 13:20
Bei mir gehts in ca. 6 Wochen auch nach Yokohama... dein Bericht hat mich zumindest etwas seelisch & moralisch darauf vorbereitet :)