Ciao - für Leute mit eigener Meinung
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Pro Technisch okay, finanzielle Abwicklung ohne Probleme
Kontra Die Camper sind schlecht ausgestattet, schmutzig und sinnlos beschmiert
Detailbewertung
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Reisen und fremde Länder sind für mich immer ein spannendes Erlebnis! Die Spannung steigt, je weniger ich von dem Ort, an den ich reise, weiss. Man hat durch Bücher, Fernsehberichte oder Zeitungsartikel eine wage Vorstellung, was einen so erwarten könnte, aber oft bekommt man eine falsche Vorstellung und hat noch nicht mal den Hauch einer Ahnung, was einen tatsächlich so erwartet.
Bevor ich mich entschloss längere Zeit nach Australien zu reisen, überlegte ich mir, wie ich diesen riesigen Kontinent wohl am besten, erlebnisreichsten und ungezwungensten bereisen könnte. Mit dem Mietwagen von Hotel zu Hotel oder große Teilstrecken einfach auslassen und überfliegen, diese Vorstellung gefiel mir gar nicht, weil ich kein Interesse daran habe, einfach nur die Highlights abzuklappern. Ich möchte zwischen den Zeilen lesen lernen, sehen und erleben, wie die Menschen fern ab der großen Highlights ihr Leben gestalten und die Ecken selbst ansteuern können, die man als Flugtourist nur schwer oder gar nicht zu sehen bekommt.
Ich möchte an den Stellen, die mich besonders interessieren verweilen können, solange es mir lieb ist, ohne auf die Uhr schauen zu müssen.
Nun las ich in einigen Reiseführern, dass Australien das Land der Camper ist und überall, selbst im Outback, günstige, gut ausgestattete Campingplätze zu finden sind. Was will man mehr? Ich beschloss meinen Mietwagen zu stornieren und gegen einen Camper einzutauschen. Mit einem kleinen Wohnmobil ist man einfach unabhängiger, weil man sein Bett und alles was man so braucht immer dabei hat. Außerdem dachte ich auch an die Kosten und stellt mir vor, dass man mit einem Camper keine Hotelkosten mehr hat.
"We believe in the experience of the roadtrip. It can change the way you see yourself, the world, and the world around you. It’s about getting something out of the journey itself, rather than worrying about how fast you can get to your destination; what’s the hurry? A roadtrip is a philosophy of life, a way of learning about yourself, an experience, a way to test yourself, a way to grow up…the possibilities are endless. Like life, your roadtrip is unique by how you shape it. "
Hört sich das nicht wunderbar an:-)?
Genau was ich suchte!
Nach einem langen Flug und rund 40 Stunden ohne Schlaf landeten wir endlich in Sydney. Der Schnee und die eisige Kälte Schwedens war vergessen, als ich auf einer Parkbank vor dem Flughafen in der Sonne saß. Neben mir Palmen und die ersten bunten Papageien. Ich wartete auf meinen Mann, dessen Koffer nicht so schnell auf dem Band gelandet war. Meine dicke Daunenjacke stopfte ich in meinen Rucksack und blinzelte ziemlich geschafft, aber überglücklich in die Sonne. Jetzt nur noch schnell den Camper abholen und dann steht ein paar unbeschwerten Wochen nichts mehr im Wege.
Per Taxi fuhren wir zur Abholstation, die ca. 10 km vom Flughafen entfernt war.
Das Büro von Wicked in Sydeny ist montags bis samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Sonntags geschlossen.
Adresse:
Als unser Taxi in einen alten Fabrikhof einbog, ahnte ich noch nichts böses. Ich sah viele schrottreife Camper und dachte, dass ja auch die ausgemusterten Fahrzeuge irgendwo ihren Paltz finden müssen. Ich war so überglücklich, endlich in der Sonne gelandet zu sein, dass mich nichts aus der Ruhe zu bringen scheinen konnte. Ich hatte keine Lust die Sonne wieder zu verlassen und bat meinen Mann, den Papierkram im Büro alleine zu erledigen. Ich setzte mich auf einen klapperigen Stuhl vor dem Büro und fragte mich dann doch irgendwann, wo denn die Camper stehen würden, die vermietet werden. Rund 40 schrill, bunt bemalte Camper standen kreuz und quer auf dem Fabrikhof. Mein Mann ließ sich aber verdammt viel Zeit in diesem Büro, dachte ich und da mir langweilig wurde, machte ich einen kleinen Spaziergang durch die ausrangierten Schrottautos. Was mögen die alles gesehen haben? Wo mögen die schon überall rumgefahren sein, bevor sie hier ihr Ende fanden? Ich sah zwei Monteure unter den Autos liegen, die bestimmt noch gute Teile aus den Schrottcampern bauten, bevor sie eingestampft wurden. Ein gutes Lager an Ersatzteilen kann viel Geld sparen.
Mein Mann kam einfach nicht mehr aus diesem Büro und ich fragte mich, wo er wohl bleibt. Da fiel mir ein ganz besonderes Angebot von Wicked ein, dass ich kurz vor der Abreise gelesen hatte. Wer seinen Camper nackt abholt, braucht den ersten Miettag nicht zu bezahlen. Wohl wissend, dass mein Mann ein sehr sparsamer Mensch ist, wollte ich dann doch mal lieber nachsehen. Der wird doch nicht etwa......! Ich öffnete die Tür zum Büro und staunte nicht schlecht über das, was sich meinen Augen bot. Nein, mein Mann war voll und ganz bekleidet, aber das Büro sah viel eher aus, wie die Wohnstätte eines Messies. Im vorderen Bereich stapelten sich alte Stühle, Matratzen, Kissen, Bettwäsche, kaputte Tische, Autoreifen, Stoffe, Zeitungen und schmutziges Geschirr und im hinteren Bereich gab es eine Holztheke, vor der mein Mann mit unzähligen Zetteln stand. Unser Camper kommt gleich aus der Garage:"Rief mir mein Mann zu." Ich ging wieder an die frische Luft und wartete. Mitarbeiter von Wicked schoben alte, nicht mehr fahrtüchtige Camper hin und her. Auf den meisten Fahrzeugen waren wirklich komische Bemalungen. Diese Bemalungen waren nicht lustig, witzig oder künstlerisch wertvoll, sondern eher einfach nur doof. Einig Wagen hatte man mit saudummen, geistlosen Sprüchen versehen, wie z.B. "Besauf dich, dann hast du schöne Träume" oder "Wenn du viel Geld hast, ist dein Pimmel immer lang genug". Nur gut, dass diese Camper in die Schrottpresse kommen, dachte ich, während ich auf unseren Camper wartet. Ich döste in der Sonne, als mir eine junge Frau offenbarte, dass unser Camper nun vor dem Eingang steht. Ich bog, in freudiger Erwartung um die Ecke, gefolgt von der jungen Frau. Vor mir stand so ein Teil, von dem ich gedacht hatte, dass es zum Ausschlachten und Verschrotten auf dem Parkplatz stand. Die junge Frau sah mein Gesicht und begann laut zu lachen und ....nein, sie sind wirklich witzig diese Aussies. Sie haben den Schalk im Nacken und machen gerne ihre Witzchen. Du hast mich jetzt wirklich erschrocken, lachte ich mit ihr. Ich habe wirklich gelaubt, das wäre jetzt mein Camper....ha ha ha.
Das ist dein Camper! Wie?
Es war mein Camper! Ein Camper auf der Basis eines Mitsubishi Minibusses, mit 100.000 km auf dem Tacho. Alter, PS, oder andere Nebensächlichkeiten konnte man nicht mehr herausfinden. Ach ja, er fuhr mit Normalbenzin und hatte eine Handschaltung. Der durchschnittliche Verbrauch lag zwischen 8 und 10 Litern.
Als ich die Tür des Campers öffnete stieg mir ein beißender Geruch entgegen, den ich nicht weiter beschreiben möchte. Erlaubt mir die kurze Anmerkung, dass ich den Eindruck hatte, als wenn sich kurz vorher jemand in dem Wagen übergeben und eingenäßt hätte. Das Auto war unglaublich dreckig. Der Wagenhimmel bestätigte meine Geruchsvermutung.
Die ca. 10 cm dicke Matratze (3Teile) war ganz schmutzig und völlig zerrissen.
Der Boden war voller Sand, Dreck und toter Insekten. Die Gardinen, die den Fahrerraum zum Schlafraum abteilten, hingen an einer dickeren Wäscheleine und rochen ziemlich unangenehm.
Nicht nur von innen war dieses Auto ein echter Schock. Von außen, war dieses Gefährt ziemlich peinlich. Nein, ich habe überhaupt keine Probleme mit älteren, gut erhaltenen, technisch einwandfreien Autos, aber was Wicked sich auf seine Camper sprüht, ist selbst für hart Gesottene, etwas schwer zu verkraften. Unser Auto war nicht umlackiert, es war schlicht beschmiert. Man hatte beim Bemalen wohl etwas zu tief in den Farbtopf geguckt. Rund ums Auto liefen Farbtränen herunter und die Bilder, die man darzustellen versuchte, waren völlig bescheuert. Unseren Camper zierten breit grinsende Hasenköpfe und ein lila Elch mit Gartenharken-Geweih. Vielleicht kennt ja jemand diese blutrünstige Zeichentrickserie "Happy tree friends". Die Gestalten auf unserem Camper waren der Serie nachempfunden.
Die versprochenen Fliegengitter waren mit Bitumen von außen in die Fenster geklebt. Schlimmer waren jedoch die Sprüche, die den Wagen zierten.
In meinem ersten Anfall von Entsetzen, habe ich sie erst gar nicht registriert.
Die Miniküche war nur von außen, durch öffnen der Heckklappe zu erreichen.
Das Gasbrenner durfte nur auf der Wiese benutzt werden.
Die Spüle, die an einen 10 l Wassertank angeschlossen war, war okay. Besteck und Geschirr habe ich doch lieber gleich aus dem Auto entfernt. Von sowas esse ich nicht. Das Besteck war so schmutzig, dass Gabeln, Messer und Teelöffel in einem Klumpen zusammenklebten.
Klimaanlage hatte der Camper nur während der Fahrt. Es gab keine Klimaanlage im Schlafbereich, wo sie eigentlich wichtiger gewesen wäre.
Von Schlafbereich kann man aber im Grunde auch nicht wirklich sprechen.
Der Innenraum war so klein, dass jede Person einen Schlafplatz von ca. 55cm mal 1,65 cm hatte. Um sich im Camper bewegen zu können, musste man die Tischplatte abbauen. (z.B. beim Anziehen)
In der Hitze Australiens macht sich die fehlende Klimaanlage schnell bemerkbar. Man kann den Motor nicht auf einem Campingplatz einfach laufen lassen, um ein bisschen Kühlung von der Klimaanlage aus dem Fahrraum zu bekommen. Fliegengitter sind eine gute Idee, auch wenn man sie einfach nur mit Bitumen in die Fenster klebt. Man muss die Fenster zum Schlafen öffnen, weil die Hitze im Camper, durch den Motor, der zwischen den beiden Sitzen seinen Platz hat, verstärkt wird. Nach langen Fahrten wirkt der Motor im Innenraum, wie eine zusätzliche Heizung. Er braucht Stunden, um bei Außentemperaturen um 40 Grad, abzukühlen.
Wirklich Pech hat der, der auf seiner Reise in den australischen Regen kommt.
Uns ist es passiert, dass es nachts angefangen hat zu regnen. Dann haben die Fenster keinen zusätzlichen Regenschutz und es regnet unvermittelt ins Bett.
Schwierig ist auch die Erreichbarkeit der Küche bei schlechtem Wetter. Man muss eben immer raus, um an die Küche zu kommen. Dabei wird man oft ziemlich nass. Einen Kühlschrank hat die Miniküche nicht, aber eine Kühlbox. Wir haben sie meistens nur für Getränke und Obst genutzt.
In unserem Camper war durch Platzmangel und fehlender Belüftung das Schlafen eine echte Tortur. Nachdem wir dann die Campingmöbel (kleiner Tisch und 2 Stühle) ausgepackt hatten, die so schmutzig waren, wie der Rest des Campers, sind wir umgestiegen auf Hotels, Motels und Campinghütten.
Also Geld sparen, weil man ja kein Hotelzimmer mehr braucht, kann man getrost vergessen.
Wem es nichts ausmacht, von der australischen Bevölkerung komisch angeguckt zu werden, weil auf deinem Auto vorne ein Aufkleber, gleich unter der Windschutzscheibe prangert, mit dem sinnigen Spruch " Wenn du mal soweit bist, dass deine Eier blau und haarlos sind und dein Pimmel nur noch nach unten gucken kann, dann hast du hoffendlich wenigstens was zu erzählen" und auf der Rückseite deines Campers zu lesen ist, "Kauf mir einen Drink und ich werde dir ein paar Lügen erzählen", wer vielleicht nur 30 km in die nächste Kneipe fahren will, um sich so richtig die Kante zu geben und danch eine Übernachtungsmöglichkeit im Auto braucht oder wem egal ist wo und wie er schläft, isst und sich aufhällt, dem kann ich Wicked Campers bedingt empfehlen.
Wer allerdings ein winziges Minimum an Bequemlichkeit, Sauberkeit und Komfort braucht, um zumindest frei atmen zu können, dem rate ich dringend ab!
Wenn man auf seiner Reise von seinem Camper so peinlichst berührt ist, dass man ihn nicht auf normalen Parkplätzen abstellen, sondern ihn lieber im Gebüsch verstecken möchte, dann mindert das, in meinen Augen die Reisequalität. Man glaubt es kaum, aber es gibt noch schlimmere Sprüche auf den Campern. Das härteste, was mir zu Ohren kam, waren 2 junge Mädchen, die auf Campingplätzen abgewiesen wurden wegen ihres Wicked Campers, mit der Begründung, dass man an Prostituierte nicht vermietet. Durch diese Erfahrung habe, ich mich schon immer entschuldigt, bevor man mir irgendeinen Kommentar stecken konnte. Das ist ein Mietwagen. Ich komme aus Europa und hatte keine Ahnung wie der Camper aussieht. Dann erntete ich immer nur ein mitleidiges Lächeln.
Den Spruch unter der Windschutzscheibe habe ich mit einem Küchenmesser entfernt. Der war nur aufgeklebt, aber mit dem Rest musste ich durch Australien fahren.
Ich würde nicht mehr bei Wicked Campers mieten, denn die Preise sind nicht wirklich günstiger als bei anderen Vermietern. Rechnet man die Hotelübernachtungen dazu, wird es viel teurer, als bei anderen Vermietern, die Camper anbieten, in denen man wirklich schlafen kann.
Zum Abschluss möchte ich hier noch ein paar Vorschläge für australische Camper Vermieter hinterlassen, die günstig sind und kleine, aber sehr gut ausgestattete Fahrzeuge haben. Einige konnte ich mir näher ansehen, weil man auf so einer langen Strecke durch Australien eben auch viele Menschen trifft, die ähnliche Reisevorstellungen haben, wie man selbst.
www.britz.com.au/
(Verschiedene Modelle, große Auswahl, teurer, aber einige Modelle mit Sehhöhe, Kühlschrank oder auch Toilette und Dusche)
www.wickedcampers.com.au/
ist eine Adresse, die ich mir nicht mehr an tun würde. Obwohl.....die Reise, die durch den Camper ein paar Startschwierigkeiten hatte, ist dann doch noch so richtig schön geworden. Wir haben einfach versucht aus dem, was wir hatten, das Beste zu machen. Klappt eigentlich immer!Noch dauert es ca. 5 Wochen, bis ich wieder daheim bin.
Ich hoffe, dann ist in Schweden wenigstes Frühling!
Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors
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Cybersyssy 10.04.2011 07:49
Australien ist der Hammer
Velu1961 28.02.2011 13:41
BH von mir, lg Sylvia
hr.biernot 28.09.2010 21:42
das Grauen hat doch einen Namen.....
Race 25.09.2010 21:34
Wie immer toll beschrieben. Die üblen Umstände, sind allerdings äh!. Gruß Bernadettk