Weißrußland - Wissenswertes

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Weissrussland -Politik und die Auswirkungen -

4  20.11.2002 (21.11.2002)

Pro:
Interessant Kontrastreich

Kontra:
muss man selber Feststellen :  Sehr viele

Empfehlenswert: Ja 

Golovko

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Mitglied seit:17.11.2002

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 33 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet

Heute moechte ich der Politik des Landes einen Bericht widmen.
Weissrussland war eine von 15 Sowjetrepubliken der UdSSR, 1991 nach dem Zerfall der SU kamen - mehr oder weniger progressive Kraefte zur Macht, die versucht haben wenigstens etwas zu Reformieren und das Land noch vorne zu bringen. Leider hatten die 1995 die Wahlen verloren, es kam ein Populist - Herr Lukashenko zur Macht, ein ehemaliger Leiter einer Sowchose. Danach war der kurze Fruehling der Demokratie im Lande vorbei. Man sollte wissen, dass die Bevoelkerungsstruktur in W. in etwa der Struktur der Bundesrepublik entspricht, d.h. ca. 50% der Bevoelkerung sind Rentner. Das schlimmste daran ist, das die alle die "guten Zeiten" der Sowjetunion vermissen und die sind nun mal Wahlberechtigt. Nachdem Lukaschenko versprochen hat, die Renten zu erhoehen und "mit Korruption zu kaempfen" - kam er zur Macht.
Danach wurde das alte (unabhaengige) Parlament (durch Polizei) aufgeloest. Es wurde ein Marionettenparlament aufgestllt. Lukaschenko bekam alle Vollmachten. Justiz wurde untermauert. Privatisierung - mehr oder weniger - gestoppt. Lukaschenko regiert bis heute, in seinem ueblichen Sowjetkolchose-Stil - und, leider muss man es zugeben, hat immer noch eine Grosse popularitaet auf dem Lande.
Neulich hat er OSZE-Vertreter aus dem Lande verbannt (mit typisch sowjetischer Begruendung "wegen Spionage"). Er ist jetzt de facto isoliert, denn die EU will mit dem nix mehr zu tun haben. Und in den letzten Zeiten Russland auch. Praesident Putin pflegt eine herzliche Antipatie zu Lukaschenko.
Am schlimmsten zeigte sich diese komische Politik in der Wirtschaft des Landes. Wenn Ihr nach Minsk kommt, seht Ihr das das ein relativ grosser Wirtschaftsstandort ist - sehr viele Betriebe, - Maschinenbau, LKWs etc. werden hier produziert, 2 Mio.Bevoelkerung - aber: alles Staatlich. Und Marode.
Ein Besuch bei den Werken lohnt sich schon deshalb um den Stand der Dinge zu sehen.
Und die kleinen Privatbetriebe werden mit Steuern und anderen Mitteln einfach zertrampelt.
- Ich habe einen Bekannten gehabt, der einen kleinen Lebensmittelladen aufgemacht hat. Also, eigentlich hat er den erst dann aufgemacht, als in 6 Monaten alle Zulassungen und Genehmigungen dafuer erhalten hat (und jede einzelne kostet Geld, wenns schneller gehen soll - muss man was auf die Hand dem "Staatsdiener" was geben). Nun es war endlich soweit, er hat eroeffnung gemacht. In der ersten Woche bekam er einen Anruf. Die Stimme am Telefon sagte er spreche mit der Verwaltung des Praesidenten. Die haben ihn "gebeten" denen was zu "spenden", naemlich den ganzen PKW-Park des Praesidenten am dem Tag vollzutanken. Ohne Quittung. Und in der Woche danach nochmal usw. Und wenn man sich weigere wird der Laden von Amtswegen einfach geschlossen.
- Es ist die staatliche Mafia: die nehmen jemandem etwas im namen des Staates weg (es geht aber nicht in die Staatskasse) - und wenn man sich weigert, kommt das Finanzamt oder so.
Das ist auch einer der Gruende, warum die Anzahl privater Betriebe im Zeitraum von 1995 bis 2002 um 70% gesunken ist: die Leute wollen's nicht mitmachen.
Der Wirtschaft geht schlecht. Die Betriebe sind Marode. Der Durchschnittslohn wird vom Staat (!) festgelegt und betraegt jetzt ca. 100 EUR/Monat - etwa die Haelfte von 1995er-Wert. Und die Buchhalter erhalten allenernstes eine Anweisung, dass mehr Lohn - verboten ist (!). Aber natuerlich findet die Privatwirtschaft moeglichkeiten mehr zu bezahlen, z.B. fuerhen fast alle funktionierenden (privat)Betriebe eine Schwarzkasse.
Es ist ein komisches System, dass zum scheitern verurteilt ist. Und eigentlich wissen es alle - aber keiner kann sich dagegen Stellen: die, die es 1996-2000 versucht haben sind jetzt entweder im Asyl oder Tot (<- So geht naemlich Lukashenko gegen Opposition vor).
Dennoch ist es interessant, das Land zu besuchen, um wenigstens anzusehen, was eigentlich "Sozialismus" bedeutet. Natuerlich versuchen die den Touristen nur die besten Betriebe zu zeigen. Tipp: Besucht mal Minsker Automobliwerke (MAZ) und die Traktorenwerke (MTZ). Diese Betriebe sind Gross, aber die Technologie ist teilweise noch von der Vorkriegszeit.
Also, insgesamt, hofft die Wirtschaft, dass Lukashenko bald wie moeglich abkratzt. Diese Woche wurde er - zusammen mit Zimbabwes Diktator - auf die Liste der non-Grata Personen fuer den EU-Raum gesetzt. Endlich ein Zeichen!

Und im naechsten Bericht: Wirtschaft - ueberblick, Standorte und Zusammensetzung.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
SoundOfSilence

SoundOfSilence

21.11.2002 01:24

Ein sehr knappes hilfreich, denn Weissrussland besteht ja nicht nur aus Minsk allein.

JanaLipy

JanaLipy

20.11.2002 19:48

ich hätte noch mehr über das Land erfahren. Es muß sehr interessant sein über dieses Land zu schreiben.

Annna13

Annna13

20.11.2002 08:21

Für mich ein sehr interessanter Bericht. Spassiba. Grüße aus Sofia

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