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die Hauptstadt der Welt?

5  01.09.2004 (09.09.2004)

Pro:
historischer Boden, absolut sehenswert

Kontra:
fast zu clean um echt zu sein

Empfehlenswert: Ja 

pekru

Über sich: bis auf weiters ciao-fern

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Wer die USA als Urlauber besucht wird wohl kaum darum herum kommen, die Hauptstadt der USA zu besuchen, sofern er in der Nähe ist. So stand sie natürlich auch auf unserem Reiseplan. Wir kommen von New York, mit kurzem Stopp in Philadelphia, nach etwa sechs Stunden Fahrt in Washington an.


Geschichtliches

In jungen Jahren glaubte ich, dass Washington DC natürlich im gleichnamigen Bundesstaat liegen würde, möglicherweise dort sogar die Hauptstadt wäre. Was lag näher?
Aber weit gefehlt, denn der Bundesstaat mit dem gleichen Namen liegt ganz im Nordwesten der USA, etwa 3700 KM Luftlinie entfernt. Seine Hauptstadt heißt Olympia, während die größte Stadt wohl Seattle ist.

Zu Washington DC ist zu sagen, dass es kein eigener Bundesstaat ist. Vielmehr steht DC für District Columbia, welcher aus Landabtretungen der Staaten Maryland und Virginia etwa um 1795-1800 entstanden ist.

Washington war nicht immer amerikanische Hauptstadt. Erst ab 1800 wurde der Regierungssitz hierhin verlegt. Davor war es 1789 New York und von 1790 bis 1799 Philadelphia. Die letzte und bis heute gültige Verlegung ist eine Konzession an alle Bürger der nun vereinigten Staaten nach dem Bürgerkrieg, denn sie liegt genau in der Mitte der damaligen Nord- und Südstaaten.


Washington

Wir fahren den Potomac River entlang von Nordwesten her in die Stadt ein, um bei einer kurzen Vorab-Sightseeing-Tour auf unserem Weg zum Omni Shoreham Hotel die Stadt visuell zu genießen.

Kaum dass wir in die Virginia Avenue eingebogen sind, kommen wir auch schon am Watergate Hotel vorbei. Eigentlich ein hässlicher Bau, grau und dennoch geschichtsträchtig. Hier begann 1972 mit einem Einbruch in das Büro der Demokratischen Partei das was man später Watergate-Affäre nannte, und zwei Jahre später mit dem Impeachment zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Nixon führte.

Die Innenstadt, praktisch der Zirkel der Macht, erschlägt uns förmlich. Riesige weiße Bauten, vom Stil erinnern sie uns mehr an Griechenland, in denen Museen und alle möglichen Ministerien untergebracht sind, beherrschen das Stadtbild. Kaum dass wir sie gesehen haben, sind wir auch schon wieder vorbei. Es ist tatsächlich zu viel was hier auf engem Raum konzentriert gebaut worden ist, um es auf einmal zu erfassen. Leicht erschlagen kommen wir in unserem Hotel an. Im einem Restaurant auf der nahen Conneticut Avenue nehmen wir zu erstaunlich günstigen Preisen unser Abendessen ein!


Arlington

Am

Bilder von Washington DC
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Gräber in Arlington
nächsten Morgen erreichen wir per Bus den Arlington Friedhof. Kaum haben wir den Potomac River überquert, haben wir auch schon das Gebiet von Washington DC verlassen. Arlington liegt in Virginia.

Dieser wohl bekannteste Friedhof der USA ist wichtigen Persönlichkeiten und gefallenen Soldaten und deren Frauen vorbehalten. Er ist auf einem großen Hügel angelegt. Dieser wird vom ehemaligen Haupthaus des Herrensitzes von General Lee beherrscht.

War es bis vor Jahren jedem selbst überlassen welchen Grabstein er setzen ließ, so ist jetzt nur noch eine Art erlaubt. Ich denke, dass jeder schon einmal die scheinbar endlos langen Reihen der weißen Grabsteine, zumindest im Film, gesehen hat. Versucht man noch anfangs einige Namen zu lesen, so hören wir damit doch ganz schnell auf, zu beeindruckend ist die Stätte. Neugierde weicht Betroffenheit!

Direkt unterhalb des Herrenhauses auf dem höchsten Hügel liegt das Grab von Robert Kennedy, ganz allein und eher schlicht. Nicht weit davon das von John F. Kennedy, seiner Frau Jacqueline sowie zweier schon verstorbener Kinder.
Eine ewige Flamme gibt dem Grabmal etwas feierliches, obwohl dieser Eindruck bei dem Andrang schnell verschwindet.

Außer JFK ist nur ein einziger anderer Präsident nämlich William Howard Taft hier begraben. Alle anderen Präsidenten wurden in den Staaten aus denen sie ursprünglich kamen beerdigt.

Obwohl Arlington nur Amerikanern vorbehalten ist, liegt hier auch ein deutscher Kriegsgefangener, der auf natürliche Weise starb, begraben. Warum das so ist, das konnte uns niemand erklären.

Last - in einem ganz entfernten Teil, hinterste Ecke rechts gibt es noch Gräber von Südstaatlern und ehemaligen Sklaven.


Vom Lincoln Memorial bis zum Capitol

Eine weit ausladende Treppe führt hinauf zum Monument. Die sechsunddreißig Säulen versinnbildlichen die Anzahl der Staaten die zur Zeit der Errichtung die Union bildeten. Alles erinnert mehr an einen Tempel in Griechenland als an ein Gebäude auf amerikanischen Boden.

In einer weiten, nach vorne offenen Halle, sitzt Abraham Lincoln auf hohem Stein ganz in Marmor. Man erzählt uns, dass seine rechte Seite, - die Hand locker, das Bein relaxed, das Auge sieht in die Ferne - den gütigen Landesvater darstellt. Während seine linke Seite - das Bein zurückgezogen und gespannt, die Hand zur Faust geballt, das Auge scharf nach unten blickend - den zornigen Staatsmann zeigt.

Dreht man ihm den Rücken zu, fällt der Blick auf den Obelisk und das dazwischenliegende Gewässer. Dies ist der Moment, wo mir Forrest Gump in den Sinn kommt! Die Szene in der er für seinen Vietnameinsatz geehrt werden soll und seine Freundin im Wasser entdeckt, die Ehrung sausen lässt und zu ihr ins Wasser springt. Die genau wurde hier gedreht!

Links vom Wasserbecken befindet sich das Vietnam Memorial, eine Mauer aus schwarzem glatten Stein, auf der alle amerikanischen Gefallenen des Vietnamkrieges verewigt worden sind. 54.000 Namen in kleinen Lettern. Wir beobachten davor stehende Schulkinder, die mit Papier und einen Bleistift einen Streichabdruck von einzelnen Namen machen. Ein Lehrer erzählt uns, dass das Namen von ehemalige Bewohner ihrer Stadt oder gar Angehörige waren, die sie auf diese Weise mit nach Hause nehmen.

Wir kommen zum bereits erwähnten Obelisken, der als Washington Memorial die Erinnerung an den ersten Präsidenten der USA wach halten soll! Er ist bemerkenswerte 168 Meter hoch und ganz aus Ziegelsteinen gemauert. Damit ist er auch das höchste jemals aus Ziegelsteinen errichtete Bauwerk.

1600 Pennsylvania Avenue, die weltbekannte Anschrift des Weißen Hauses, falls jemand mal einen Brief an Bush schreiben will! In der Umgebung wird überall gebaut. Sicherheitsmaßnahmen, wie man uns sagt. Das ganze Gelände ist von einem Bauzaum umgeben, der mit grünem Tuch bespannt ist. Nur durch einen Schlitz im Zaun ist es möglich, ein paar Bilder zu machen.

Weiter in Richtung Capitol schließt sich The Mall an. Hier befinden sich die großen Museen. Da man sie nicht alle an einem Tag besuchen kann, will ich sie zumindest hier erwähnen. Es sind das Museum of American History, of Natural History, das Hirshhornmuseum, das wie ein gelandetes Raumschiff aussieht mit dem Skulpturengarten, und letztlich das riesige Aquarium.

Mich interessiert besonders das Air & Space Museum. Vom Wright Flyer bis zur Raumkapsel ist hier alles ausgestellt. Der Anzug mit dem Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat ist ebenso zu sehen, wie viele Raumfahrtexponate.

Für alle Museen in Washington gilt übrigens, dass der Eintritt frei ist. Hier könnte ich mich tatsächlich tagelang aufhalten!

Ganz am Ende der Mall, vorbei am Botanischen Garten, liegt das Capitol, das auf Bildern fälschlicher Weise oft für das Weiße Haus gehalten wird. Ein monumentales Gebäude, dass aber leider auch völlig von Bauzäunen umgeben ist. Alles im Mai 2004 im Dienste der äußeren Sicherheit.

Vom Lincoln Memorial bis zum Capitol liegen alle Gebäude in einer großartigen Parklandschaft, grün und saftig. Wären da nicht die vielen Baumaßnahmen, könnte es geradezu idyllisch sein!

Wir schleichen am FBI-Gebäude vorbei (man weis ja nie!), um am späten Nachmittag per U-Bahn in unser Hotel zurückzukehren.


Verkehrsmittel

Wie bei jeder anderen amerikanischen Großstadt ist der Autoverkehr je nach Uhrzeit gigantisch. Jedoch haben wir nie einen Stau wie etwa in New York erlebt. Dass mag zum Teil daran liegen, dass die großen Hauptstrassen mehrspurig durch die großzügig geplante Hauptstadt geführt werden. Da zeigt es sich was es wert ist, wenn eine Hauptstadt quasi auf der grünen Wiese erstmals als solche geplant wird.

Allerdings fängt auch die Metro, kreuzartig durch die Stadt verlegt, viel auf. Vom Weißen Haus bis zum Zoologischen Garten gerade mal in sechs Minuten. Das ist rekordverdächtig! Dabei sind die Preise moderat. 1,35 USD sind für amerikanische Verhältnisse nicht viel. Wer die U-/S-Bahn als Hauptreisemittel benutzen will, man kommt wirklich überall hin, der kann für 11 USD ein 24 Stunden-Ticket kaufen.


Soziales

Dass man für Museen und Zoo, also öffentliche Einrichtungen, keinen Eintritt bezahlen muss, das habe ich schon erwähnt. Als Hauptstadt der USA hatte man allerdings auch ein besonders aufwendiges Hilfsprogramm für bedürftige Menschen entwickelt (es sollten keine Bettler vor den Augen der gesamten Welt zu sehen sein). Das hatte sich herumgesprochen, und Washington schien das Mekka der homeless People zu werden. Heute muss man als Bedürftiger gemeldeter Einwohner sein, denn sonst wird man gnadenlos von der Straße geholt, bzw. der Stadt verwiesen.
So hart das auch ist, in Washington scheint es deswegen keine Bettler zu geben. Wir haben jedenfalls keine gesehen.


Fazit

Washington ist eine Stadt bei der es sich lohnt, sie zu besuchen. Wer nicht nur die Nähe der Macht spüren will, wird sich mehrere Tage in den vielen Museen aufhalten können, ohne dass er eins ein zweites Mal besuchen müsste.

Die Stadt ist erstaunlich weitläufig, wobei große Grünanlagen, Parks und Gewässer Erholung bieten.

Wer sich ein bisschen mit amerikanischer Geschichte befasst hat, wird schnell erkennen, dass er sich hier auf historischem Boden befindet. Dass hier immer noch, und gerade besonders in dieser Zeit, am Rad der Welt ein wenig weiter gedreht wird, kommt als Kitzel dazu.

Eine Stadt, die man sich per U-Bahn erschließen kann, was praktisch und preiswert ist!

Von mir eine Empfehlung zum Besuch!

Die Hauptstadt der Welt? Sicher nicht, auch wenn mancher das dort so sehen mag!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
EICC

EICC

16.08.2006 16:51

sehr gut gemacht. habe jahrelang in baltimore, maryland gelebt und washington dc war sehr oft unser ausflugsziel...............lg eva

skyfly777

skyfly777

11.04.2006 04:01

**excellent**! D.C. ist eine sehr schöne Stadt, die allerdings auch ihre Schattenseiten hat! Einerseits bekomme ich prompt Sehnsucht! (HEIMWEH!!!) Aber.....na ja, lassen wir das besser mal offen.... Kenne ja beides sehr gut! Mir, (uns) gefällt es aber im "Evergreen State", (ebenfalls eine Bezeichnung für den Bundesstaat Washington) besser, als eben in D.C.! Wir wohnten zwischen Seattle und Olympia.....LG Gabi

kopfnickachica

kopfnickachica

02.12.2005 20:46

Echt ein gelungener Bericht! Habe dort bzw.(in Oakton,Virginia) 25min mit dem Auto entfernt von DC als Au Pair gearbeitet. War echt ne schöne Zeit und die Stadt ist mein 2. Zuhause geworden, habe immernoch Fernweh. War deswegen auch letzte Weihnachten dort. *schwärm* . Ach übrigens Arlington liegt in Virginia nicht in Maryland wie du geschrieben hast. Und abends laufen schon viele Obdachlose herum, die immer Fragen "Can u give me some change?" . Besonders wenn man die F Street weiter östlich geht am Convention Center vorbei, oder wenn man Chinatown bis zum Ende durchgeht. Gruß Jenny

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