Wagners Welten, Münchner Stadtmuseum

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Der Komponist hinter dem doppelten Vorhang

5  16.01.2004 (25.01.2004)

Pro:
Spannend gestaltet, guter Überblick über Leben und Wirken

Kontra:
Richard Wagner ist natürlich ein sehr spezielles Thema

Empfehlenswert: Ja 

Travelwriter

Über sich:

Mitglied seit:17.01.2003

Erfahrungsberichte:190

Vertrauende:79

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Wagner kennt nicht jeder und viele sind auch stolz darauf. Ich gebe zu, ich habe schon ein paar Wagner Opern live gesehen und so ging ich auf der Suche nach Neuigkeiten in diese Ausstellung über Wagner.

AUSSTELLUNG (17.10.2003 - 25.01.2004)

Vorausschicken möchte ich, daß diese Ausstellung viel überraschendes für mich bereit hielt, was vielleicht potentielle Besucher nach dem Lesen von diesem Bericht nicht mehr so empfinden können werden.

Gleich im ersten Raum fand ich mich in eine Traumwelt zurück versetzt, soviel "anders" war das Gezeigte. Da wäre zum Beispiel die übermannsgroße Statue eines Siegfrieds und zahlreiche fremdartig wirkende Bühnenbilder aus Opern von Wagner zu erwähnen.

Zur Auflockerung sah ich mir ein Video an, wo Melodien von Wagner in berühmten Kinofilmen aufgezeigt wurden. So sah ich Charlie Chaplin in seiner Parodie auf Adolf Hitler zur Musik von Richard Wagner mit der Welt spielen oder hörte den "Walkürenritt" beim Angriff einer amerikanischen Hubschraubereinheit auf ein vietnamesisches Dorf ("Apocalypse Now")

Als nächste mußte ich mich durch zwei Vorhänge kämpfen, die mich in einem schwach erhellten Raum führten. Hier erschallten zart Melodien von Wagner und auf einer Wand tanzten verschiedene Zitate. Das hatte schon seine Wirkung auf mich, vor allem weil ich nicht genau wußte was mich hinter den zwei Vorhängen erwartete.

Der nächste Raum war schon wieder hell wie der Tag und hatte etwas, was mich als Travelwriter schon immer faszinierte: eine große Landkarte. Auf dieser wurde gezeigt, wo Wagner überall gelebt und gewirkt hatte. Er war sehr viel unterwegs, wobei ein Teil seiner Reisen auch pure Flucht vor der Staatsgewalt waren.

Der etwas verwinkelt angeordnete Raum erzählte mir über die Schwierigkeiten die Wagner mit so manch anderen zeitgenössischen Komponisten hatte. So verehrte er zunächst Meyerbeer, betrachtete ihn später aber als furchtbar.

Auch die nächsten Räume waren durch doppelte Vorhänge von dem Hauptgang getrennt, so daß ich mich jeweils in abgeschottete Welten begab.

Die nächste Welt war dem "Fliegenden Holländer" gewidmet. In diesem Raum mit seiner Musik, seiner Dunkelheit und den sehr geheimnisvoll wirkenden Zeichnungen von Bühnenbildern reifte ihn mir erstmals der Gedanke ob Wagner mit seiner Musik versucht hatte den Wahnsinn einzufangen, ganz wie es Salvadore Dali mit seinen Bildern machte.

So wie mit dem "Fliegenden Holländer" ging die Ausstellungsleitung auch mit den anderen bekannten Opern von Wagner um. Jedesmal betrat ich ein abgeschotteten dunklen Bereich mit Musik und nur schwach beleuchteten Bildern. Dabei konnte ich diesen dunklen Bereichen durch Fenster auch in die hell erleuchteten Räume gucken. Museumsvoyeurismus pur: Man guckt wie andere Leute gucken.

Leider war ich am Vormittag und nicht am Nachmittag da. Den um 16:30 wird jeden Tag eine nicht jugendfreie Filmaufzeichnung eines rituellen Harakiri Doppelselbstmordes aus Liebe gezeigt. Natürlich kein echter Selbstmord, sondern eine Aufführung aus einem japanischen Theater. Wer sich also so etwas ansehen möchte, sollte erst am Nachmittag in die Ausstellung gehen.

Dieser Film war als Ergänzung zur Wagner Oper "Tristan und Isolde" gedacht, die ja ebenfalls recht dramatisch mit der Liebe umging.

Aber Wagner war auch politisch tätig. So beteiligte er sich an den Unruhen 1848/1849 und wurde deshalb steckbrieflich gesucht. Einen Steckbrief mit seinen Daten konnte ich persönlich in Augenschein nehmen, wobei mir besonders das Vokabular dieser Zeit amüsierte. So schrieb man damals statt Personenbeschreibung das zugegebenermaßen interessanter wirkende Wort "Signalement".

Im letzten Raum des Stockwerkes widmete sich die Ausstellung den Frauen von Wagner. Man vermutet, daß Frauen die Musen seiner Werke waren. Darunter auch recht hübsche, obwohl ich bei seiner Musik manchmal das Gefühl hatte, seine Musen müßten alle ausgesehen haben wie bayrische Sennerinnen oder hamburger Matronen.

In dem Teil über seine Frauen zeigte man auch einige Kleidungsstücke von Wagner und seiner Frau. So sah ich erstmals das Barett in Original, mit dem man ihn auf den meisten Abbildungen antreffen kann. Oder jene schmalen hochgeschlossen Schuhe seiner Frau, die ich bisher nur aus den Zeichnungen von Wilhelm Busch kannte.

In der Ausstellung wird auch über die Todesursache von Wagner spekuliert. So glaubt man, daß er einen Herzinfarkt erlitt, kurz nach einer Eifersuchtsszene mit seiner Frau. Angeblich schien Wagner ein zu großes Interesse an einem der Blumenmädchen aus einer seiner Opern gehabt zu haben.

Aber nun ging es mit mir runter in den ersten Stock wo es gänzlich unromantisch wurde. Hier wurde das Verhältnis Wagners zum Antisemitismus und zum Nationalsozialismus thematisiert.

Die Ausstellung erklärte mir recht plausibel, daß Wagner kein Deutschtümler im Sinne des Nationalsozialismus war, vielmehr träumte er von einer deutschen Kunst ganz ohne Politik.

Aber die Sache mit dem Antisemitismus verstärkte sich durch diese Ausstellung. So las ich einige Passagen aus Texten, wo er sich recht abfällig über diese Volksgruppe ausdrückte.

Im selben Raum sah ich auch jeden Menge Fotos von Theaterspielerinnen und Theaterspieler, die in Wagner Opern Furore gemacht hatten. Allerdings waren das Bilder aus dem 19. Jahrhundert und ich war baff, wie gar schrecklich man damals in diesen Rüstungen aussah.

Im nächsten Raum ließ sich die Ausstellungsleitung etwas tolles einfallen. Schon von weitem hatte ich den Eindruck ich würde nun auf eine Loge zugehen und tatsächlich hatte man den Raum so gestaltet, daß man wie von einer Loge auf eine Computeranimation eines Theaters gucken konnte. Dazu spielte man Musik aus der "Götterdämmerung". Eine sehr eindrucksvolle Sache.

In den nächsten Räumen wurde vor allem das Verhältnis Wagners zum bayrischen König Ludwig II thematisiert, der ja ein großer Verehrer von Wagner war und einen Teil seiner Schlösser mit Bühnenbilder aus Wagners Opern ausstatten ließ. Ich selbst hatte ja schon in seinen Schlössern die eine oder andere künstliche Grotte aus "Tannhäuser" oder den Saal aus "Meistersinger von Nürnberg" bewundert.

In den letzten beiden Räumen ging man noch auf Bayreuth und dem "Ring des Nibelungen" ein. Bayreuth war und ist ja das Zentrum der Festspiele rund um Wagner, obwohl auch München sich sehr gerne als Stadt Wagners bezeichnet.

Der "Ring des Nibelungen" ist vielleicht nicht das bekannteste Stück von Wagner, sicherlich aber das längste. Es wird gewöhnlich auf vier Abende verteilt gespielt.

An Hand von zahlreichen Bühnenbildern wurde die Handlung dieser Oper relativ gut erklärt und in einem kleinen Kinosaal gab es auch Ausschnitte aus Bayreuth zu erleben.

Aber alles hat ein Ende. Die längsten Wagner Opern, dieser Bericht und natürlich auch das Leben Wagners. Kurz vor dem Ausgang konnte ich noch einen Blick auf die Totenmaske Wagners werfen und auf eine sogenannte "Fremdenliste". Das war eine Liste, wo aufgezählt wurde, wer zum Zeitpunkt von Wagners Begräbnis in welchem Hotel Bayreuths gewohnt hatte. Las sich wie ein Who is Who der Musikszene von damals, es war sogar jemand von meiner Heimatstadt dabei.

Wäre das eine Wagner Oper, wäre jetzt Pause. Wer nach der Pause die Oper noch nicht verlassen hat, kann im 2. Akt ein paar weiterführende Details über die Ausstellung lesen:

LAGE

Die Ausstellung wurde im Fotomuseum veranstaltet, daß mit dem Münchner Stadtmuseum ein Gebäude teilt. Erreicht hatte ich ich das Stadtmuseum zu Fuß. Hätte ich öffentliche Verkehrsmittel gewählt, wäre ich wahrscheinlich mit der U-Bahn bis zum Marienplatz gefahren und wäre die Straße zwischen dem alten Peter und der Buchhandlung Huggendubel ungefähr fünf Minuten runter spaziert.

PARKEN

Vor dem Stadtmuseum befanden sich einige normale Parkplätze am Straßenrand, die trotz sonntäglichen Vormittag nahezu alle belegt waren.

EINTRITT

Der Eintrittspreis betrug für mich 7,50 Euro (Vollpreis) was ich zunächst als geschmalzen empfand. Die Gestaltung der Ausstellung stimmte mich dann später etwas milder.

Als Eintrittskarte bekam ich einen formlosen Computerausdruck. Der ermäßigte Eintritt hätte 4,00 Euro gekostet.

GARDEROBE/FOTOGRAFIEREN

Die Garderobe lag etwas versteckt in einem anderen Teil des Gebäudes und war kostenlos. Leider war sie an diesem Tag (Sonntag) überbelegt und ich konnte dir Garderobefrau nur nach hartnäckigem Zureden meine Jacke übergeben.

Meinen Fotoapparat behielt ich bei mir, was sich aber sinnlos erwies. Das Fotografieren war in der Ausstellung nicht gestattet.

GASTRONOMIE

Eine eigene Gastronomie entdeckte ich nicht, obwohl es im Stadtmuseum ein eigenes Cafe geben soll. Allerdings entdeckte ich auf der anderen Seite des Innenhofs ein öffentliches Cafe, das von vormittag bis in die Nachtstunden offen hält.

TOILETTEN/MOBILITÄT

Die Toiletten waren solala und für Rohlstühle meiner Meinung nach nicht geeignet.

Die Ausstellung selbst betrat ich über einen Aufzug. Leider befinden sich mittendrin Stufen, hier müßte man als Rollstuhlfahrer fragen, wie man diese umfahren kann.

MUSEUMSSHOP

Der Museumsshop befand ich gleich neben der Kasse und bot neben allerlei hochpreisigen Bücher über Kunst, Fotografie, Mode usw. auch einen Ausstellungskatalog zu 28 Euro an. Er enthielt im wesentlichen Fotos von den Ausstellungsgegenständen, sowie einige Erklärung und auffallend viele Zitate.

AUDIOGUIDE/FÜHRUNGEN

Ein Audioguide wurde nicht zur Verfügung gestellt. Führungen werden von der Münchner Volkshochschule am Freitag (16:00), Samstag (15:00) und Sonntag (11:00) gegen eine Gebühr von 6 Euro angeboten.

RESÜMEE

Ich erfuhr einiges über den Menschen Wagner und verstand auch seine politischen Absichten besser. Besucher, die sich nicht für Wagner interessieren, wird die Ausstellung nichts bringen, es sei denn, sie können sich an der doch sehr speziellen Gestaltung der Ausstellungsräume erfreuen.

KONTAKT/ÖFFNUNGSZEITEN lt. Website
Ausstellung vom 17.10.2003 - 25.01.2004

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Tel: ++49 (89) 233 22370
Fax: ++49 (89) 233 25033

DI bis SO 10:00-18:00 Uhr
MO geschlossen


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
AsmodinaHamburg

AsmodinaHamburg

20.12.2004 22:32

Sehr schön! und sehr interessant! Mal was anderes. Gefällt mir :o) Gruß Asmodina

Clandestina

Clandestina

25.01.2004 16:16

Ring DES Nibelungen !!!!!!!!!!!!!!! Aber bitte!!!!!!!! Ich war natürlich auch da und total fasziniert. Tage hätte ich dort verbringen können! Besonders im nachgebauten Theater, wo besonders der "Jahrhundertring" (ich habe den komplett auf DVD, eine echte Rarität)überwältigend dargeboten wurde. Ansonsten lauer Empfang, aber herzige Wächter, die mir immer gute Ratschläge gaben. Ciao! Clandestina

ursand

ursand

22.01.2004 10:33

interessanter beitrag über einen komponisten, den ich sehr gern höre ;-), lg uschi

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