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Erfahrungsbericht

für Vals
5 Sterne Vals Sie etwas Entspannung brauchen...
149 von 149 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro So wird die Garlicpress wieder erträglich

Kontra Muss man immer erst unerträglich sein?

Der Autor

garlicpress Seit 28 Mrz 2000

Wieder zu Hause, aber noch nicht so richtig hier... mehr

50 Mitglieder vertrauen mir

Anfang Januar 2002 - es ist Winter und die Welt ist grau-in-grau, bitterkalt, unfreundlich. Es soll ja Menschen geben, die zu dieser Jahreszeit aufblühen, aber meine gute Laune gedeiht nur bei höheren Temperaturen. Ich muffle vor mich hin, hab keine Lust auf garnix, was Ihr auch daran erkennt, dass meine Berichteflut zu einem kläglichen Rinnsal verkommen ist. Meinem Honey allerdings stinkt meine Stimmung langsam mehr als das Wetter draussen und drum schmeisst er mich aus dem Haus! Naja, ganz so brutal ist es (er) natürlich nicht; er buchte lediglich in geheimer Absprache mit meiner Freundin ein Kurzaufenthalt in Vals.

Und so kamen wir zwei alten Damen - schliesslich melden sich mit 38 doch so die ersten Zipperlein - wieder einmal zu einem Wellness-Wochenende allererster Güte.

Das Besondere an Vals ist nämlich die "Felsentherme"; eine sehr moderne Version eines Thermalbades des Architekten Peter Zumthor, der auch für das Kunsthaus Bregenz verantwortlich ist.

DAS BAD
Die neue Felsentherme wurde aus dunkelgrauen Gneisplatten, die nur 2 km vom Bad entfernt abgebaut wurden errichtet. Das aussergewöhnliche ist, dass diese Platten (rund 60'000 an der Zahl) nicht als Abdeckungen verwendet wurden sondern zu Treppen, Säulen und Kammern geschichtet wurde. Damit wurde eine sehr spezielle Optik erreicht, die gleichzeitig elegant und urtümlich anmutet.

Im Hauptteil des Bades gelangt das Licht wird durch riesige Panoramafenster mit Ausblick auf die gegenüberliegenden Bergweiden und Felswände in's Innere. In den einzelnen Bädern wurden je nach Thema individuelle Lichtquellen installiert; so dringt im Dampfbad gelbliches Licht aus kleinen quadratischen Löchern in der Betondecke; das Eisbad ist mit einem kalt-blauen Unterwasserscheinwerfer versehen und im Hauptbecken fallen Lichtsäulen durch die blaugefärbten Oblichter.

Die Beckenwände und -böden sind ungekachelt, aus verschiedenfarbigem eingefärbtem feinem Beton gefertigt. Auch hier unterstützt die Farbgebung die Art des Bades; das Feuerbecken ist in einem warmen Rostrot gehalten, das Blütenbad in einem heiteren Ockerton.

Sämtliche Armaturen in den Duschen sind riesig gross und in 'altem' Industriestil gehalten, mit grossen Hebeln, deren Betätigung richtig Freude macht.

Die Garderoben sind ganz in bordeaux-rotem Holz gebaut und mit schwarzen Ledervorhängen von der Eingangs- und der Badzone abgetrennt.

DIE BÄDER
Rund um das quadratische Hauptbecken sind im Innern von riesigen quadratischen Säulen, die einzelnen Erlebnisbäder angeordnet. Ein Feuerbad (42°) und sein Pendent, das Eisbad (14°), ein Blütenbad mit ätherischen Ölen und Blütenblättern angereichert, eine Trinkquelle und das Klangbad in welchem seltsam sphärische Musik, die auf Steinen gespielt wird, ertönt.

In einer weiteren Säule befinden sich Duschen einer ungewohnten Dimension - ein immenser Wasserstrahl klatscht aus gut 4m Höhe auf die Schultern und den Rücken und löst jegliche Verspannungen.

Durch eine Schleuse gelangt man in's Aussenbad, das bei angenehmen 36° (Sommer 30°) einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende, karge Bergwelt bietet. Im Sommer stehen hier auch Liegen für ein Sonnen- und Luftbad zur Verfügung; jetzt im Januar ist es da doch eher zu kalt für...

In den zwei Dampfbädern, dem "Schwitzstein" und dem "Dampfstein" lässt es sich ebenfalls wunderbar entspannen. Jedes der Bäder ist durch schwarze Ledervorhänge! in drei Räume unterteilt, wobei jeweils der hinterste Raum der wärmste und dampfreichste ist. Nur wenig Licht dringt aus den quadratischen Lichtschächten in der Decke und so setzt oder legt man sich auf die warmen, glattpolierten schwarzen Steinquader und lässt sich Geist und Haut durch die aromatischen Dämpfe aufweichen. Eine eiskalte oder (in meinem Falle) kühle Dusche, weckt nochmals kurz auf, bevor man sich dann in den Ruheräumen auf den eleganten Holzliegen niederlässt, durch die quadratischen Fenster wieder die Berwelt bewundert und ruht, etwas liest oder (in meinem Falle) tief schläft.


DAS THERAPIE/KOSMETIK-ANGEBOT
Dem eigentlichen Bad und wieder im Zumthor-Teil, sind weitere Wohlfühl-Abteilungen angeschlossen; eine Therapieabteilung, die klassische Massagen anbietet, aber auch mehr oder minder exotische Behandlungen wie Shiatsu, Thalassobehandlungen, Meditationssitzungen, und Wickel, Bäder und Packungen mit allen nur vorstellbaren Ölen, Aromen, Blüten - Sogar Massageöle mit Blattgoldfetzchen werden angeboten. Auch kosmetische Behandlungen wie Peelings, Gesichtsbehandlungen, Cellulitewickel usw. stehen auf dem Programm.

Die 'normalen' Behandlungen sind preislich durchaus i.o.; so kostet z.B. eine 50-minütige Ganzkörpermassage SFr. 90 (61 EURO); die exotischeren Angebote, die für mich persönlich auch etwas sehr esotherisch angehaucht klingen, sind dann doch SEHR teuer. Für die 90-minütige Ching Yang Massage (die mit den Goldpartikeln) werden satte SFr. 245 (166 EURO) verlangt.

Wir sind durchaus für Massagen zu haben und buchen auch diesesmal wieder je eine 50-minütige Ganzkörpermassage mit Aromaöl, nach denen wir uns jeweils für ein Stündchen oder so auf's Ohr legen. Ich war insgesamt schon 4 mal in Vals und wurde von verschiedenen Therapeuten/innen massiert; die Massagen waren immer sehr professionell und wohltuend. Die "Valser Bürstenmassage" ist nur etwas für Kenner/innen; man wird tatsächlich mit recht harten Bürsten abgerubbelt und leuchtet nachher rot wie ein Krebs; mir persönlich war's zuwenig entspannend, aber wer's mag...

Weiter stehen Saunas, Solarien und ein Fitnessraum zur Verfügung, die aber nicht in der 'neuen' Therme integriert und daher weniger spektakular sind.

Nicht zu vergessen: auch Spaziergänge und Wanderungen in der fantastischen Bergwelt sind Teil der Erholung (und erst noch gratis).

UNTERKUNFT
Wir zwei Faultiere haben ein Zimmer im Hotel Therme, das direkt dem Bad angeschlossen ist, gebucht. Das ermöglicht uns, in den (zur Verfügung gestellten) Latschen und Bademänteln, direkt vom Zimmer in's Bad zu fallen. Morgens zwischen 07:00 und 11:00 sowie Mittwochs und Donnerstag zwischen 22:00-24:00 Uhr steht das Bad exklusiv den Hotelgästen zur Verfügung. Dann ist es natürlich einiges ruhiger als an einem schulfreien Samstagnachmittag!

Andererseits ist das Hotel Therme das teuerste Haus am Ort; SFr. 165.- pro Person im Doppelzimmer; 185.- im Einzelzimmer. Etwa 20 Zimmer wurden ebenfalls von Peter Zumthor neu gestaltet; diese sind sehr wunderschön eingerichtet in einem spannenden Mix von ultramoderner Raumgestaltung; modernern Möbelklassikern (Eileen Gray etc.) und antiken Webteppichen. Hierfür ist dann pro Person und Nacht nochmals ein Zuschlag von SFr. 40.- fällig. Die anderen Zimmer sind zwar renoviert aber doch sehr bieder im 60-er-Jahre-Stil (schweres Holz, rosa Teppichboden etc.) eingerichtet.

Es gibt jedoch im Ort verschiedene Hotels und viele Ferienwohnungen jeglicher Preisklasse; die Attraktion "Felsentherme" hat einige Hoteliers dazu ermuntert, ihre Hotels zu modernisieren und z.B. das Hotel Garni Schnyder verfügt über liebevoll individuell gestaltete Zimmer (mit Frühstück) zu moderaten Preisen (ab 69.00 pro Person).

ESSEN/TRINKEN
Das Hotel Therme verfügt über zwei Restaurants, das Lukullus in welchem eine sehr anspruchsvolle Küche zelebriert wird. Es wird täglich ein neues Abendmenu mit 4-6 Gängen serviert. Pro Gang stehen jeweils mehrere Varianten zur Auswahl, meist eine Fisch-, eine Fleisch und eine vegetarische Option. Das Diner kann 'Als Ganzes' aber auch à la carte genossen werden. Im ebenfalls dem Hotel zugehörigen Restaurant Chessi werden vorwiegend Bünder Spezialitäten serviert.

Das kleine Dörfchen Vals verfügt aber über eine Vielzahl von trendigeren oder urchigeren Restaurants und Bars, die fast jedem "Gluscht" (Appetit) etwas bieten. Auf einem Rundgang durch das alte Dorf mit seinen wettergeschwärzten Holzhäusern lassen sich interessante Entdeckungen machen.

Vom vielen Nichtstun hungrig geworden, haben wir uns jeweils im Laufe des Nachmittags einem guten Glas Wein aus der Bündner Herrschaft und einem Salsiz (würzige Bündner Trockenwurst, ähnlich Salami), etwas Bündnerfleisch (luftgetrocknetes Rindfleisch, dünn gehobelt) und einigen Bergkäsehäppchen gewidmet; ein durchaus empfehlenswertes Vergnügen.

LAGE
Vals liegt am hintersten Ende des Valsertals im Kanton Graubünden. Der eigentliche Dorfkern besteht aus drei Dutzend alten, windschiefen, schwarzen Holzhäusern vor denen jeweils malerisch eine Katze auf dem Brennholz vor der Türe schläft. Rundherum stehen relativ viele Neubauten, die zu einer grossen Zahl Ferienwohnungen sind. Es wurden jedoch offensichtlich schon früh strenge Bauvorschriften erlassen, sodass diese modernen Häusr nicht so negativ hervorstechen. Insbesondere dass alle Gebäude mit Schieferdächern versehen sind, lässt ein einheitliches Bild entstehen.

Wie fast alle Ortschaften in der Schweiz, ist auch Vals sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar nämlich per Bahn (SBB und Rhätische Bahn) via Chur nach Illanz und dann mit dem Postauto (alle 30 Minuten) nach Vals; Fahrkarten gültig für die gesamte Strecke können an allen Stationen bezogen werden. Mit dem Auto fährt man ebenfalls über Chur Richtung Disentis bis Ilanz. In Ilanz folgt man der Bergstrasse nach Vals.

Das Valsertal ist ein enges, unwirtliches Tal, welches nach beiden Seiten schroff in die Höhe steigt; Im Sommer ist dies eine beliebte Wandergegend, die Wanderungen für alle Fitnessgrade anbietet; im Winter steht ein kleineres Skigebiet in Vals selbst zur Verfügung; für Anspruchsvollere ist die "Alpenarena" Flims-Laax-Valera innert kurzer Zeit mit dem Postauto erreichbar.

RESULTAT
Die Knoblauchpresse und deren Freundin sind komplett erholt, geistig leicht umdämpft (wir behaupten vom Dampfbad, eventuell ist daran ist aber auch der Wein nicht ganz unschuldig) und wieder partnerschaftstauglich.

WICHTIGES IN KÜRZE
Generell ist Vals für alle geeignet. Die Therme selbst eignet sich nur bedingt für Familien, da es kein eigentlicher Wasserpark für Kiddies ist. Freunde, Freundinnen und Partner ist die ideale Begleitung. SEHR beliebt auch als Geschenk für Frischverliebt-/verlobt/verheiratete oder Paare die endlich mal ein kinderfreies Wochenende geniessen können.

INFORMATION
Generell
www.vals.ch (alles über Vals, Hotels/Ferienwohnungen buchen)
www.therme-vals.ch (Felsenbad & Hotel Therme; Infos, Preise, Reservationen)
www.sbb.ch (Fahrplan Bahnen und Postautos)

Thermespezifisch
Wintersaison: Mitte Dezember - Ende März
Sommersaison: Anfang Juni bis November
Öffnungszeiten: Mo: 11:00-21:.00; Di-So 11.00-20.00
Preise: Erwachsene/Kinder 28.00/18.00
Ticketreservationen sind empfohlen; Dies kann entweder online (bis max. 6 Tickets) oder telefonisch (0041 81 926 8961) erfolgen


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Kommentare

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  • Freie_Radikale 28.07.2003 16:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • billigautos.de 19.01.2003 19:51
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    der bericht ist so umfassend und live dabei, dass man sich die Reise beinahe sparen kann ;->

  • PrinzessinChemo 17.01.2003 22:46
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • pampe 30.10.2002 11:28
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Harry_Cane 17.09.2002 12:04
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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