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Erfahrungsbericht

für U-Bahn, Hamburg
Nächsten Bericht ansehen "Die Hochbahn in den Hafen..."
5 Sterne Über und unter den Straßen von Hamburg Bericht mit Bildern
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Empfehlenswert: Ja

Pro Dichter Takt, zum Großteil außerhalb des Tunnels auf Brücken und Viadukten

Kontra teils lange Tunnelstrecken, vor allem auf der U1 - aber ist das nicht das Markenzeichen einer U-Bahn?

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Preis-/Leistungsverhältnis
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Der Autor

andreasloy Seit 10 Nov 1999

Bis 03.06. am Bodensee (genauer gesagt in Wasserburg) +++ Bin 34 Jahre alt, Bürokaufmann und gehe... mehr

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Nachdem ich euch in den letzten Tagen einige Sehenswürdigkeiten von Hamburg vorgestellt habe, komme ich heute zur letzten Sehenswürdigkeit - der U-Bahn. Ihr werdet jetzt sicher zu Recht fragen - was ist an einer U-Bahn sehenswert? Das ganze drumherum - denn die Hamburger Hochbahn, wie sie auch genannt wird, hat eine Gesamtlinienlänge von 89,4 km - davon verlaufen nur 32,1 km im Tunnel. Der Rest (stolze 57,3 km) auf 407 Brücken und Viadukten sowie auf anderen Fahrwegen, in der Regel Rampen zu und von den Tunneln. Ich gliedere diesen Bericht wie folgt:

1. Die Linien
2. Die Ringlinie
3. Mit der U-Bahn unterwegs
4. Technik
5. Was erreiche ich wie?
6. Fazit

Alles einsteigen, Türen schließen selbstätig, Vorsicht bei der Abfahrt ;-)

*** 1. Die Linien ***

Die U-Bahn verkehrt auf drei Linien:

U1: Ohlstedt bzw. Großhansdorf - Volksdorf - Wandsbek Gartenstadt (U2) - HBF - Jungfernstieg - Kellinghusenstraße (U3) - Ohlsdorf (S1/S11) - Norderstedt Mitte

U2: Wandsbek Gartenstadt (U1) - Barmbek (U3) - HBF - Messehallen - Schlump (U3) - Hagenbecks Tierpark - Niendorf Nord

U3: Mümmelmannsberg - Billstedt - HBF - Landungsbrücken - Sternschanze (S-Bahn) - Schlump (U2) - Kellinghusenstraße (U1) - Barmbek (U2)

Umsteigemöglichkeiten zu den anderen U-Bahn-Linien sowie teilweise zur S-Bahn bestehen in der Innenstadt an mehreren Stellen. Am Jungfernstieg sind die Stationen der U1 und U2 durch eine Verbindungs-Passage erreichbar, die Haltestellen am Hauptbahnhof teilen sich in HBF-Nord (U2) und HBF-Süd (U1, U3) auf - sie sind über die Kirchenallee erreichbar. Es empfiehlt sich aber, anderweitig umzusteigen. An vielen Stationen gibt es P+R-Plätze. Der Zugang ist über Treppen, teilweise auch über Rolltreppen und Aufzüge möglich.

*** 2. Die Ringlinie ***

Ein "Muss" für jeden Hamburg-Besucher ist eine Fahrt mit der ab 1906 erbauten und 1912 eröffneten Ringlinie (28 km, davon 7 km im Tunnel und 8 km auf eisernen oder steinernen Viadukten), die vom HBF über Landungsbrücken - Kellinghusenstraße nach Barmbek führt bzw. in der Gegenrichtung über Mundsburg nach Barmbek. Wer ausreichend Zeit hat, hier ein Programmvorschlag:

Wir starten am HBF mit der U2 in Richtung Barmbek. Die Fahrt verläuft kurz noch im Tunnel, taucht dann aber nach dem Berliner Tor ins Freie. Noch ein kurzer Tunnel, und ab Lübecker Straße geht es oberirdisch nach Barmbek. Dort in die U3 umsteigen - an den Haltestellen "Saarlandstraße" und "Borgweg" kann man einen Abstecher in den Stadtpark machen. Wer weiterfährt, sollte sich spätestens jetzt einen Platz in Fahrtrichtung Rechts suchen. Zwischen den Stationen "Epperndorfer Baum" und "Hoheluftbrücke" bietet sich dort ein Blick auf den Isebekkanal, der in die Außenalster führt. Bei der Station "Schlump" taucht der Zug wieder in den Tunnel - jetzt unterfährt er den Sternschanzenpark und später noch das Gelände des FC St. Pauli und Heiligengeistfeld, wo mehrmals im Jahr der Hamburger Dom (Volksfest) stattfindet. Abgesehen von einem kurzem Hochbahnabschnitt zwischen Sternschanze und Feldstraße bleibt der Zug bis zu den Landungsbrücken im Tunnel.

Halt, noch nicht aussteigen - noch habt ihr einen guten Sitzplatz und könnt ebenfalls in Fahrtrichtung Rechts nun einen freien Blick auf die Hafenanlagen und die Elbe geniessen. Nach der Station Baumwall sieht man die Speicherstadt mit ihren Backsteinbauten und am Rödingsmarkt könnt ihr nun aussteigen, denn die Weiterfahrt über Rathaus zum HBF verläuft nur noch im Tunnel. Und bei der Rückfahrt zu den Landungsbrücken könnt ihr jetzt - diesmal in Fahrtrichtung links - wieder den Hafen sehen, zumindest sofern gerade kein U-Bahn-Zug entgegen kommt. In Fahrtrichtung rechts blickt man in einige Häuser - die Hochbahn verläuft hier in Höhe des 3./4. Obergeschosses einiger Häuser. Unter uns befinden sich übrigens gerade Hauptstraßen oder Parkplätze, und ich denke gerade an die Wuppertaler Schwebebahn ;-)

Wer natürlich zu Fuß zum Hafen möchte, sollte nun den Fotoapparat zur Hand nehmen - auch für Nicht-Nahverkehrsfreunde sicher ein schönes Erinnerungsfoto. Denn auf dem Weg zum Hafen lässt sich die Hochbahn sehr gut fotografieren, vielleicht sogar mit einem Fleet im Hintergrund?

*** 3. Mit der U-Bahn unterwegs ***

Bei einer Fahrt mit der U-Bahn wird es im Wagen desöfteren dunkler und dann wieder heller - nein, nicht nur die Tunnelabschnitte sind daran schuld. Auch die Wagenführer, die das Licht immer wieder an- und abschalten. Ein Fahrer fuhr am Rödingsmarkt die Kurve am Mönkedamm runter in den Tunnel zur U-Haltestelle "Rathaus" zunächst ohne Licht ein. Das war schon ein mulmiges Gefühl, kann ich euch sagen. Die Geschwindigkeit der U-Bahn/Hochbahn beträgt bis zu 80 km/h, am Mönkedamm deutlich weniger. Teilweise gibt es sehr lange Tunnelabschnitte zwischen den Stationen - so vom Stephansplatz zur Hallerstraße - ich dachte der nimmt gar kein Ende mehr. Die Taktzeiten sind kundenfreundlich: selbst Samstag (Sonnabend) nachmittag alle 5 Minuten, am Sonntag alle 10 Minuten, in Schwachlastzeiten alle 15 Minuten.

Die Fahrgastinfo gestaltet sich wunderbar - im regulärem Betrieb gibt es offenbar an jeder Station Matrixanzeigen, die einem verraten in wievielen Minuten die nächste U-Bahn kommt bzw. fährt (in 3/2/1 Minuten, fährt sofort), Anschlüsse an Punkten außerhalb der Innenstadt sind meist sofort - ich hätte nie gedacht dass die zuvor eingefahrene U3 an der Kellinghusenstraße die U1 trotz 5-Minuten-Takt abwartete. An den Haltestellen befinden sich auch Infobildschirme, in der überwiegend Werbung gezeigt wird, aber auch "Achtung, U-Bahn fährt ein". Diese Infobildschrime habe ich allerdings nur in den Tunnelabschnitten gesehen. An jeder Station gibt es übrigens Pfeile, die auf einen Kurzzughalt hinweisen - ob ein Kurzzug oder ein größerer Zug kommt, sieht man auf den Matrixanzeigen. Auf ihnen wird auch Hochbahn-Werbung ("Historischer Zug") oder Fahrgastinfo (Bauarbeiten) im Wechsel mit den Linieninfos (Fahrtziel, über ...) angezeigt. Die Leitstelle hat ebenso wie der Fahrer die Möglichkeit in die Wagen zu sprechen - die Verständlichkeit ist hoch. Die Haltestellenansagen kommen vom Band nach Verlassen der Stationen, sind auch recht gut zum Verstehen und weisen auch auf Übergangsmöglichkeiten (Umsteigehinweise) hin.

Die Fahrzeuge verfügen über nicht allzu bequeme Sitze (etwas hart), stumme Infobildschirme mit Nachrichten und Werbung ("Fahrgastfernsehen") - allerdings nur an einzelnen Stellen, also nicht aufdringlich. Desweiteren gibt es Notruf-Sprechstellen zum Fahrer. Der Zugang mit Kinderwägen und Rollstühlen ist meinen Beobachtungen zufolge an jeder Türe (ebenerdiger Einstieg) gegeben, manche Türen öffnen sich nach Freigabe durch den Fahrer per Knopfdruck, manche muß man aufschieben. Das geht aber ohne allzu großen Kraftaufwand. Nach dem "Zurückbleiben bitte" schließen sich die Türen automatisch. Die Züge sind zwischen den einzelnen Wagenteilen nicht durchgängig.

An Wagentypen gibt es die DT2, DT3 und DT4. Die DT4 sind die neuesten Züge, welche seit Januar 1999 ausgeliefert und seit Mai 1999 eingesetzt werden. Innerhalb der Fahrzeugflotte gibt es noch weitere Unterteilungen wie DT 2.4, DT 2.5, DT 3.1 usw., welche allerdings nur einen wirklichen Fan interessieren. Die Züge des Typs DT1 sind bereits seit 1991 nicht mehr im Einsatz, mit Ausnahme eines Museumszuges.

Die größten Tunnelabschnitte, die auch die Innenstadt unterqueren, sind:

U1: Klosterstern - Jungfernstieg - HBF Süd - Wandsbek Markt - Alter Teichweg (insgesamt 15 Stationen)
U2: Lutterothstraße - Jungfernstieg - Berliner Tor (insgesamt 10 Stationen)
U3: Rathaus - Berliner Tor - Burgstraße (insgesamt 5 Stationen)

Die Hamburger Hochbahn ist im HVV-Tarifgebiet (Hamburger Verkehrsverbund), für die U-Bahn reicht der Großbereich Hamburg. Jedem Touristen empfehle ich ein Tagesticket (für die Gruppe bis 5 Erwachsene 7,40 EUR, für einen allein 4,45 EUR, die Einzelkarte Nahbereich 1,45 EUR), es gibt auch Kurzstreckenfahrscheine. Die am Dammtor-Bahnhof ausgegebene Karte des HVV wurde ausgegeben durch die S-Bahn Hamburg GmbH, die wo ich mir am Baumwall aus dem Automaten zog von der Hamburger Hochbahn AG.

Informationen auch im Internet unter http://www.hochbahn.com

*** 4. Technik ***

Ein paar technische Details noch, die ich dem Buch "Eisenbahn-Erlebnisreisen" von Rolf L. Temming (1989) entnommen habe:

Die Hamburger U-Bahn wurde von vornherein als eine elektrisch angetriebene Bahn angelegt, mit seitlichen Stromschienen, die oben und seitlich durch Kunststoffprofile gegen Berührung gesichert sind. Der Stromabnehmer gleitet unter ihnen entlang. Es gibt einen Wagen der ersten Generation, der durch Ergänzung der Technik dem heutigem Stand angepaßt und fahrfertig ist. Die modernen Züge mit einem Gerippe in Leichtbauweise, das mit rostfreiem Stahlblech verkleidet ist, bestehen aus 2er- oder 3er-Einheiten.

*** 5. Was erreiche ich wie? ***

Wie kommen Besucher der Hansestadt mit der U-Bahn am schnellsten zu ihrem Ziel? Hier meine Tipps:

Binnenalster: Jungfernstieg (U1, U2)
Außenalster: Klosterstern (U1), HBF-Nord und Uhlandstraße (U2)
Stadtpark: Borgweg und Saarlandstraße (U3)
Speicherstadt: Baumwall (U3), Messberg (U1)
Miniatur-Wunderland, Gewürzmuseum, Hamburg-Dungeon: Baumwall (U3)
Hafen, Alter Elbtunnel, Fischmarkt: Landungsbrücken (U3)
Ohlsdorfer Friedhof (große Grünanlage!): Ohlsdorf (U1)
Planten un Blomen: Stephansplatz (U1), St. Pauli (U3)
Reeperbahn: St. Pauli (U3)

*** 6. Fazit ***

Die Hamburger U-Bahn ist schon etwas besonders, vor allem wenn sie es sogar in das oben genannte Buch "Eisenbahn-Erlebnisreisen" geschafft hat. Das Abfahren der Ringlinie ist anzuraten, das gesamte Netz braucht man selbst als Nahverkehrsfreund nicht unbedingt. Aber auch wer nur schnell von A nach B kommen möchte, ist mit der U-Bahn gut bedient. Im Innenstadtbereich ist sie sehr gut ausgelastet, auch in den Außenbezirken füllt sie sich schnell. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke - die schönsten aber wohl zwischen Rödingsmarkt (Speicherstadt) und Landungsbrücken (Hafenanlagen).

© Andreas Loy

PS: Was sollen denn die Öffnungszeiten und der Spaßfaktor hier???

Bilder

für U-Bahn, Hamburg
Im Bereich der Haltestelle Baumwall
von andreasloy andreasloy

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Kommentare

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  • HappyMaster 31.08.2005 10:10
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Hehe super.. hab' den Bericht eben nochmal gelesen (konnte mich an den alten eh nicht mehr erinnern). Oder sind "nur" die Bilder neu? Nicht schlecht! :)

  • Jolanda_Tendrop 30.06.2005 19:31
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Hamburg ist eine wirklich sehr schöne Stadt

  • Der-Steppenwolf 28.11.2004 10:18
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Gut ... nur die erste und einzige Ringlinie Hamburgs wird erst im Jahre 2008 eingeführt.

  • HappyMaster 20.07.2004 18:57
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Hallo Andreas! Na da würde ich doch sagen ist das ganze mal ein richtig besonders hilfreicher Bericht geworden. Großes Lob. Sehr viel Insider-Wissen wie mir scheint. Kenne mich in Hamburg leider überhaupt nicht aus, aber hast du alles sehr schön beschrieben. Ein paar Bilder und Illustrationen würden das ganze vielleicht noch veranschaulichen, aber sonst supa. Gruß, Matthias :}

  • muscle 06.07.2004 12:43
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Aus diesem Bericht spricht wieder mal ganz deutlich Dein Hobby, ich würde eine U-Bahn Fahrt nie unter solchen Aspekten vornehmen ;-)

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