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Erfahrungsbericht

für Türkische Riviera
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1 Stern Kaffeefahrt in die Türkei (Nebensaison)
25 von 25 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Nein

Pro nur einmal übers Ohr gehauen worden

Kontra Flug, Ausflüge, Strand, Meer, Ferienort, Landschaft, Händler

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

musv Seit 9 Feb 2008

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Vorabwarnung


Unsere Reiseerfahrungen konnte fast niemand teilen. Die meisten Leute fanden die Türkei einfach nur toll. Vielleicht ist das von uns Erlebte auch nur die Normalität bei Türkeireisen, die von anderen Urlaubern einfach anders, positiver wahrgenommen wird. Unser Urlaub wurde zu einer Aneinanderreihung von kleinen Widrigkeiten und Gängeleien ohne wirklich positiven Höhepunkt.

Vorbetrachtung


Im Juni im Jahre unseres Herrn 2011 a.D. entdeckte meine Frau Groupon. Dort sprang uns ein Angebot entgegen: 1 Woche Urlaub in der Türkei für 300,00€, 5 Sterne-Hotel, Halbpension, inklusive 3 Ausflüge (Pamukkale, Antalya, Bootsfahrt). Der Ausflug nach Pamukkale soll 2 Tage dauern. Eintritt und Essen müsse man dort selbst bezahlen. Alternativ könne man das für 40 Euro Aufpreis noch inklusive haben. Mein letzter Pauschalurlaub liegt 10 Jahre zurück. Seitdem bin ich nur noch mit dem Rucksack durch die Welt gezogen. Meine Frau stammt aus einer anderen Ecke der Welt und kennt Pauschalreisen nach deutschem Ablauf überhaupt noch nicht. In der Türkei waren wir beide noch nie. Ziel für diesen Urlaub war deshalb mal:
  • sich um nichts kümmern (kein Reiseführer, keine Planung)
  • Entspannungsurlaub mit Sonne und Meer

Weitere Infos
  • Reiseagentur / Groupon-Anbieter: Sollymar aus Düsseldorf
  • Airline Hinflug: Corendon
  • Airline Rückflug: Sun Express
  • Hotel: Vera Mare in Bogazkent (42km östlich von Antalya, südlich von Serik, Achtung: Bogazkent hat ein umgedrehtes Häkchen im Namen über dem g, das kann scheinbar nicht bei ciao.de dargestellt werden. Es gibt etwas weiter im Landinneren noch einen Ort mit diesem Namen, aber ohne Häkchen über dem g.)

Die Highlights des Groupon-Gutscheins
  • Erlebe eine Woche im exklusiven 5-Sterne Hotel und erkunde paradiesische Landschaften rund um Antalya!
  • Willkommenscocktail bei einer Einweisung in das Ausflugsprogramm
    Erholung pur mit einer Übernachtung im Thermalhotel bei Denizli
  • Das Taurus Gebirge, der Besuch einer Knüpferei oder ein Spaziergang durch Antalyas Altstadt - unvergessliche Eindrücke sind vorprogrammiert
    Genieße die Schönheit der Türkischen Riviera

Konditionen
  • Gilt für 1 Woche Türkei inkl. Flug und 5 Sterne Hotel ('Siam Elegance' nach Verfügbarkeit oder ein vergleichbares Hotel derselben Kategorie in der Region Antalya oder Region Belek)
  • inkl. 3 Ausflüge (2 Tage Pamukkale, 1 Tag Antalya, 1/2 Tag Bootsfahrt)
  • Halbpension und Transfer

Reisetagebuch

1. Tag - Samstag: Abreise in Frankfurt

Der Flug sollte 11:00 Uhr losgehen. Gegen 8:30 Uhr erreichten wir den Flughafen. Beim Check-In bekamen wir die tolle Nachricht, dass die Maschine wegen eines technischen Defekts wieder nach Antalya zurückkehren musste. Erwartete Verspätung: ca. 4 Stunden. Netterweise bekamen wir pro Person einen Essensgutschein, den wir in jedem Restaurant am Frankfurter Flughafen am Abreisetag einlösen konnten. Nach Begutachtung des Preis-Leistungsverhältnisses verschiedener Restaurants investierten wir die Gutscheine in McDonald's und einen Flammkuchen. Überraschenderweise ging es dann "schon" gegen 13:30 Uhr los. Als das Flugzeug landete, und sofort setzte das von mir so verachtete Klatschen ein. Kein Mensch klatscht, wenn der Busfahrer bei der Endhaltestelle angekommen ist. Wieso dann im Flugzeug?

Am Flughafen wurden wir vom Reisebetreuer (perfektes Deutsch) von Sollymar abgeholt. Mit uns war noch ein Pärchen unterwegs, die ebenfalls über Groupon die Reise gekauft hatten. Der Reiseleiter fragte uns zuerst, ob wir die 2-Tages-Tour auf einen Tag verkürzen wöllten, Reiseprogramm wäre identisch. Ohne Ahnung und mit Schulterzucken stimmten wir zu. Weiterhin fragte er, ob wir gleich die 40 € / Person (Eintritte + Essen für den Ausflug) bezahlen wollen. Nein, wollten wir Dank der Ablehnung unserer Mitreisenden nicht.

In einem Reisebus mit einer weiteren Reisegruppe ging's zuerst zu einem imposant aussehenden Hotel in der Nähe Antalyas mit dem kreativen Namen "Titanic". Dort stieg die andere Reisegruppe aus. Wir verbliebenen vier Leutchen durften dann eine weitere Stunde Busfahrt genießen, bis wir nach einer Fahrt durch eine dunkle, fast unbewohnte Gegend im 42km entfernten Bogazkent östlich von Antalya ankamen. An der Rezeption wurde uns angeboten, unsere Halb-Pension auf All Inclusive (+ 20€/Person und Tag) oder Getränke inklusive (+15€/Person und Tag) zu erweitern. Die anderen wollten, wir lehnten dankbar ab.
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Das Hotel
Das Vera Mare reiht sich in die Hotelkomplexe in der Gegend ein. Sämtliche Hotels haben dort 5 Sterne. Eigenschaften:
  • gegenüber dem Speisesaal gibt's eine Art Lounge, wo abends je nach Tag Bingo, Live-Musik, Karaoke oder andere Aktivitäten stattfinden.
  • extra Restaurant (haben wir nicht getestet)
  • direkte Strandlage
  • gepflegter, schöner Außenbereich mit Swimming Pools, Parkanlagen und Spielplätzen
  • Spa-Bereich (Sauna, Swimming Pool, Türkisches Dampfbad, gegen Aufpreis: Massage, Beauty-Salon).
  • Animation (vermutlich nur in der Sommer-Saison)
  • Bowling, Billiard, Play-Station usw.
  • Auto-Vermietung, Foto-Service, Kiosk

Das Hotel macht einen soliden Eindruck. Beim direkten Vergleich mit bisherigen Luxus-Hotels (Hotel Internacional in Havanna, Kempinski in Sansibar) sind die 5 Sterne definitiv aber nicht gerechtfertigt. Nach meiner Beobachtung stellen die 5 Sterne bei türkischen Ferienhotels einen standardmäßig vergebenen Namensbestandteil und keine Qualitätsstufe dar. Die Hotels kommen zwar auf den ersten Blick alle imposant rüber. Aber spätestens bei näherer Betrachtung der Bauqualität, den Zimmern und dem ewig eintönigen Buffet ändert sich die objektive Wertung. Wir wechselten am 2. Tag unser Zimmer, da unsere Nachbarn in der ersten Nacht leider etwas lauter waren.
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Eigenschaften beider Zimmer
  • Standardzimmer mit Balkon, Doppelbett, leerem Minibar-Kühlschrank und hoteltypischen 70-er-Jahre-Teppichfarben
  • historischer TV (Standard Mitte 90-er Jahre) mit ein paar deutschen Sendern in schlechter Qualität
  • Bad mit Badewanne und Duschvorhang. An den Rändern der Badewannen beider Zimmer konnte man reichlich schwarzen Schimmel entdecken.
  • Zimmer waren ansonsten sauber und ordentlich.

Die Qualität ist vergleichbar mit durchschnittlichen Gästezimmern, die ich aus Privatunterkünften (je nach Land zwischen 10€ und 40€ / Nacht) oder durchschnittlichen Hotels (unabhängig der Sterne) kannte.Ach ja, an der Lobby konnte man die offiziellen Zimmerpreise bestaunen:
  • Doppelzimmer: 300 € / Nacht
  • Einzelzimmer: 150 € / Nacht

Was man für das Geld wohl noch alles extra bekommen muss, damit diese Preise auch nur ansatzweise angemessen wären...
2. Tag - Sonntag: Hotelaufenthalt, "Stadt"-Erkundung

Nach dem reichlichen und guten Frühstück (deutsch + kontinental, wir probierten auch einen frisch gepressten Orangensaft für 2€/Glas) besichtigten wir erst mal die Hotelanlage. Die ist echt schön gemacht. Es gibt mehrere große Außenpools, einen gepflegten Garten mit kleinen Holzbrücken, eine Poolbar und Spielbereiche für Kinder. Nach einem gepflegten Vormittagsschläfchen ging's dann bei regnerischem Wetter und ca. 17°C an die Erkundung des Ferienortes: Der Ferienort
Ich versuch mal Bogazkent zu beschreiben. In Mitten einer extrem langweiligen Einöde stehen ein paar Ferienanlagen (alle 5 Sterne natürlich) am Strand. Rundherum werden fleißig weitere Hotelkomplexe gebaut. Entsprechend sind die Straßen mit Schlamm überzogen. Der Müll an den Straßenrändern wird vermutlich auch außerhalb der Bauzeit vorhanden sein. In der näheren Umgebung gibt's einen kleinen gepflegten Platz mit Blumen und dem obligatorischen Kemal-Atatürk-Denkmal und haufenweise Leichtbauläden, wie man sie von den einschlägigen Grenzmärkten in Tschechien und Polen her kennt. Hinter den Läden kann man eine Unmenge an neugebauten Einheits-Einfamilienhäusern erspähen, die teilweise noch im Rohbauzustand sind. Die an manchen Gebäuden veranschlagten Kauf- und Mietpreise sind mitteleuropäisch, die Bauqualität definitiv nicht. Ein paar Straßenzüge sind schon bewohnt, der Großteil der Häuser steht noch leer.

Ein Stück weiter an einer Straße stolperten wir an einer weiteren Reihe von Standardhäusern im Rohbauzustand vorbei, die aber schon seit einigen Jahren wieder dem Verfall preisgegeben wurden. Riecht nach falscher Hoffnung auf einen touristischen Aufstieg Bogazkents und einer geplatzten Immobilienblase. Eine Go-Kart-Bahn, die aber vermutlich nur in den Sommermonaten betrieben wird, haben wir ebenfalls gefunden.

Abgesehen von den paar Touristen in der Nebensaison und den gelangweilten Händlern und Taxifahrern scheint das Nest zumindest außerhalb der Saison komplett ausgestorben zu sein. Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einen einzigen wirklichen Einwohner gesehen zu haben. Entsprechend fällt das Tag- und Nachtleben im Ort in der Nebensaison aus. Um alles Interessante in Bogazkent zu sehen, muss man das Hotel nicht verlassen. Der Ort taugt zum Einkauf von Knabberzeug, Getränken und frischem Obst, sofern man mit dem Hotelessen nicht zufrieden sein sollte. Auf die ganzen Plagiate von Markenklamotten und Schmuck geh ich später ein. Ein Reisebüro (leere Ladenbude mit Schreibtisch und Sofa darin) fanden wir auch. Ein schwyzerdütsch sprechender, durchaus nett wirkender Türke bot uns einige Touren an. Montag und Donnerstag hatten wir schon Touren, für Freitag hätte er die Land-und-Leute-Tour, auf der man die "wahre Türkei" abseits der Ferienorte kennenlernen könnte. Auf dem Bild dazu waren ein altes Steinhaus mit Holzdach sowie eine Frau, die grad mit Kuhmelken beschäftigt war, zu sehen. Das Ganze (Halbtagesfahrt) sollte 35€/Person kosten. Wir handelten schon mal auf 30€ runter und ließen unsere Entscheidung bis Mittwoch offen.

Das Abendessen im Hotel fanden wir lecker. Es gab eine reichliche Auswahl an Käse, Fladenbrot, Salaten, Fleisch, Fisch und süßen Kuchen zum Nachtisch. Stil war kontinentales Standardhotelessen mit leicht türkischem Touch (Fladenbrot, Schaffleischanteil).

Halbpension Getränke
Ach ja, beim Frühstück ist Kaffee, Kakao und Fertigpulversaft (schmeckt chemisch) inklusive. Beim Abendessen muss man bei Halbpension logischerweise die Getränke dazukaufen. Ein kleines Glas Cola mit ziemlich wenig Kohlensäure kostet 2,50€. Außerdem kommt noch ein Kellner mit Weinflaschen auf einem Holzwägelchen vorbei. Die billigste Flasche türkischen Weines kostet 12,00€. Wir haben erst mal abgelehnt.
3. Tag - Montag: Ausflug in Schmuck- und Lederverkaufsshow, Kurzabstecher nach Antalya

Nach einem nahezu identischen Frühstück zum Vortag (ohne 2€-Orangensaft-Glas) startete gegen 8:30 Uhr unser Ausflug nach Antalya. Passenderweise war es kalt und regnerisch. Uns holte ein netter Fahrer mit Pkw, dafür aber komplett ohne Deutsch- oder Englischkenntnisse ab. Das andere Pärchen zog es vor, im Hotel zu bleiben. Wir fuhren zuerst wieder die knappe Stunde zum anderen Hotel, um dann dort in den Bus einzusteigen, in dem die restliche Reisegruppe schon eine Zeit lang auf uns warten musste.

Nach Abfahrt begann ein Reiseleiter, uns sofort über die wichtigen Dinge in der Türkei zu informieren. Er kam dabei recht schnell auf das Thema, dass die Türkei nach Italien und Indien der drittgrößte Goldverarbeiter der Welt sei. Er schwafelte dabei noch etwas über den aktuellen Goldpreis, Wertanlagen und welche Bedeutung doch echter Goldschmuck für die holde Damenwelt hätte. Außerdem wäre Goldschmuck in der Türkei ja viel billiger als in Deutschland (bei natürlich besserer Qualität in der Türkei), weil die Arbeitskräfte ja weniger Geld verdienen würden. Zusätzlich müssten Touristen keine Steuern zahlen. Und noch viel besser, man kann bei jedem Türkeiurlaub den dort gekauften Schmuck zurückbringen, noch etwas Geld draufzahlen und was Größeres mitnehmen. So hat man nach 20 Jahren einen wahren Goldschatz bzw. einen richtig großen Diamanten. Und von den Nachbarn würde man Bewunderung ernten, dass man sich schon wieder neuen Goldschmuck leisten konnte. Dabei verkündete er uns auch stolz, dass er schon diverse Male Goldschmuck im Wert von zig Tausend Euro am Zoll vorbei nach Deutschland geschmuggelt hätte. Ich ahnte Schlimmes.

Schmuckladen
Nach geraumer Fahrtzeit hielten wir an - nicht etwa in der Altstadt Antalyas sondern vor einem Glas-Beton-Bau, auf dessen Parkplatz sich schon diverse andere Reisebusse drängelten. Wir waren kaffeefahrtartig in einem Schmuckladen speziell für Touristen gelandet. Um unser Wohlergehen bemüht und hoch motiviert nahm uns eine Dame in Empfang, hielt in perfektem Deutsch ein paar weitere Vorträge, deren Inhalte wir schon teilweise aus dem Bus kannten und führte uns in den riesigen Verkaufsraum eine Etage darüber. Dort wurde uns zuerst das großzügige Angebot verkündet, unseren alten Goldschmuck reinigen zu lassen. Das Angebot nahmen wir an. Und sofort stürzte sich ein Verkäufer auf uns und half uns solange, bis wir ein paar Ohrringe gefunden hatten, die wir ganz nett fanden, obwohl wir eigentlich nie mit der Absicht in diesen Laden gingen, etwas zu kaufen.

Der Verkäufer führte uns in einen Nebenraum, ließ uns einen Apfeltee bringen und lief zur Höchstform auf. Da wir ganz besonders nett wären, und unsere Reisegruppe so gut mit dem Chef befreundet wäre, könne er uns einen ganz besonders günstigen Preis machen. Dazu bräuchte er aber die Genehmigung seines Chefs, der dann sogleich im Stübchen auftauchte. Vom Originalpreis 936,00 € rechnete er über ein paar Zwischenergebnisse runter und landete ohne jegliches Dazutun unsererseits bei 500,00 €. Ich sah mir in der Zwischenzeit die Ohrringe etwas genauer an und verglich:

Ehering meiner Frau:
- 750-er Gold
- 25 kleine Brillanten
- in Südamerika anfertigen lassen und dort auch gekauft für ca. 300 €

angebotene Ohrringe zum Vergleich:
- 750-er Gold, beide Ohrringe zusammen etwa 20% der Goldmenge des Eherings
- 5 Brillanten pro Ohrring, bei einem Ohrring war schon einer aus der Fassung herausgefallen
- auf der Rückseite sahen die Ohrringe ziemlich ungleichmäßig aus

Obwohl wir die Ohrringe gar nicht wollten, hörten wir uns zum Chef und seinem Verkäufer sagen, dass uns die Dinger maximal 200€ wert wären. Der Chef verließ daraufhin den Raum, der Verkäufer meinte, wir hätten ihn beleidigt. Nun gut, damit war das Verkaufsgespräch beendet. Wir fühlten uns fast ein bisschen schlecht.

Der Rückweg zum Bus führte über einen Silberschmuckverkaufsraum (für die, die sich Gold und Brillanten nicht leisten können) und ein Souvenirabteil (für die, die sich den Silberschmuck nicht leisten können) nach draußen. Komischerweise waren wir die ersten im Bus. Neben uns saß ein junges Pärchen mit Kind. Die Frau kaufte gleich mehrfach.

Vergeudete Zeit im Schmuckladen: mehr als eine Stunde

Lederladen
Es folgte eine weitere gemütliche Busfahrt durch eine verregnete, graue, unspektakuläre Landschaft. Unser Busfahrer war sichtlich begeistert von der Kauflust einiger Businsassen (fette Provision), meinte, dass wir die Geldbeutel offen lassen mögen und schwenkte zum nächsten Thema über: Leder. Kleine Brötchen backen wollte er nicht. Also fing er gleich damit an, dass ja in Deutschland die eingängigen Lederjackenmarken wie Gucci, Armani, usw. viel zu teuer wären. Die würden aber alle in der Türkei produziert werden. Nur machen die schlauen Türken nicht an jede Jacke den Markenannäher ran sondern verkaufen die ganz selbstlos ohne den Markenpreisaufschlag an die lieben Touristen. Nach diesen und weiteren tollen Infos erreichten wir den nächsten großen Glas-Beton-Kasten. Eine genauso nette Dame wie im Schmuckladen nahm uns in Empfang und führte uns in einen für eine Modenschau präparierten Raum. Das Licht ging aus, eine hippe Musik ging an. Und schon startete die coole Modenschau unter moderatem Applaus unserer Reisegruppe. Zugegeben, die Mädels sahen nicht schlecht aus, deren Klamotten waren bis auf die Jacken (wirkte wie russischer Stil, nur eben in billig) ebenfalls ganz nett.

Als das Licht wieder anging, stürzten sich sofort die Verkäufer auf die einzelnen Pärchen. Eine Etage tiefer war der Verkaufsraum. Zur Stimmungsauflockerung gab's erst mal Getränke. Die bestanden zu unserer Verwunderung aus Raki und Rotwein. Ich probierte beides. Die Verkaufstante war indes fleißig und hochmotiviert daran, meine Frau mit Lederjacken einzudecken. Um die Zeit rumzukriegen, spielten wir mit. Etwa die 20. Jacke sah dann so ähnlich aus wie eine, die meine Frau schon zu Hause hatte. Die Tante witterte die Euroscheine und begann die Preisverhandlung. Von etwa 2.200€ (?!?) ging sie erst mal auf 1200€ runter. Da wir aufs Klo mussten, kürzten wir den Kuhhandel etwas ab und meinten, dass wir die Jacke auch für 500€ nicht nehmen würden. Zurück vom stillen Örtchen den Ausgang suchend, unternahm die Verkaufstante noch einen letzten Versuch und wollte uns die Jacke für die genannten 500€ andrehen. Das war selbst für meine shoppingsporttreibende Frau zu viel. Wir wollten nur noch raus. Leider war das nicht so einfach. Wie sich herausstellte, war der Ausgang in einem verspiegelten Seitengang des Verkaufsraums, vor den sich auch noch ein Angestellter mit sperrender Wirkung postierte. Man konnte also nicht einfach mal zufällig den Laden verlassen.

Im Bus freute sich die junge Familie neben uns über ihr neues Schnäppchen aus dem Lederladen.

Vergeudete Zeit im Lederladen: ca. eine Stunde

Mittagessen (Essen inklusive, Getränke extra)
Nach erneuter kurzer Busfahrt hielten wir vor einer riesigen Halle, in der uns das Mittagessen serviert war. Als wir dort ankamen, drängten sich schon geschätzt 200-300 Touris an die Tische. Zur Auswahl gab's vegetarisch (Fladenbrot), Köfte mit Schaf oder mit Hähnchen. Da ich kein Schaf mehr wollte, nahm ich Hähnchen. Dumm nur, das Schaf-Köfte war bis auf das Fleisch identisch zum Hähnchen-Köfte. Und so hatte ich in der öligen Soße auch wieder den alles durchdringenden Schafgeschmack. Ein Miniglas Cola (ohne Kohlensäure) kostete 3 Euro. Insgesamt war das Essen wenig, unspektakulär und fettig.

Gegen 15:30 Uhr (!!) erreichten wir dann doch noch Antalya. Unterwegs schwärmte der Reiseführer noch von seiner 240m²-Luxuswohnung und dass man im Leben 3 Dinge benötigt: Einen Deutschen unterm Hintern (BMW, Mercedes, Audi), einen Schweizer am Arm (Rolex), das dritte hab ich vergessen. Ich weiß jetzt zumindest, wie er das finanziert. Überhaupt wäre Antalya die Boom-Region schlechthin, da ja alle dort kaufen, bauen und leben wollen. Die Bauern, die durch den Landverkauf zig Millionen verdienen, wüssten gar nicht, was sie mit der vielen Kohle anstellen sollten.

Antalya
In Antalya bekamen wir dann etwa anderthalb Stunden Zeit für den selbständigen Stadtrundgang. Ich weiß, dass die einzige, wirkliche Sehenswürdigkeit ein altes Tor (Hadrianstor) aus der Römerzeit ist. Gefunden haben wir's trotz der überschaubaren Größe der Altstadt Antalyas nicht. Stattdessen stolperten wir im Nieselregen in einen der massenhaft kleinen Läden. Meine Frau fand irgendwelche Schwammsteine zur Abrubbeln der Hornhaut. Der Händler erblickte das freudestrahlend, lud uns ein und servierte uns schneller einen Granatapfeltee als wir überhaupt ein Wort sagen konnten. Die Steine schenkte er uns (1. Alarmsignal "freundlicher Türke" missachtet.) Draußen fragten dann ein paar ältere Damen unseren Händler in seinen historischen Klamotten, ob sie ihn mal fotografieren dürften. Er nahm dafür 1 € (2. Alarmsignal missachtet). Der Granatapfeltee war echt lecker und so quatschten wir mit der Schwester des Händlers (3. Fehler), die in Wien aufgewachsen war, während der Händler inzwischen den Tisch mit verschiedenen Teesorten, Teppichen, Parfümen und diversen anderen Müll vollstellte. Wir blieben freundlich (4. Fehler) und versuchten eigentlich nur etwas Tee zu kaufen. Eifrig stellte der Händler verschiedene Pakete zusammen, wollte zuerst 20 TL, dann 40 TL und für alles 100 TL haben. Dabei versicherte die Frau, dass die ganzen Sachen reine Naturprodukte von hoher Qualität wären. Durch meine Dummheit beim Umrechnen (5. Fehler) verließen wir den Laden mit 2 Schwammsteinen, 1 Kosmetiktüte und 300g Granatapfeltee für 50 TL (20 €). Draußen angekommen wurden wir uns erst der vielen Dämlichkeiten bewusst, die wir gerade begangen hatten. Das Lehrgeld von 20€ war verkraftbar, ich ärgerte mich aber noch den restlichen Abend über mich selbst.

An Sehenswürdigkeiten gibt's in Antalya neben dem o.g. Tor noch die malerische Bucht mit Yachthafen, die bei schönem Wetter ganz gut aussehen muss. Dann fährt noch 'ne alte Nürnberger Straßenbahn rum (Nürnberg = Partnerstadt). Ein paar Ruinen stehen auch noch da. Deren wirkliches Alter ist allerdings schwer einzuschätzen. Vermutlich neuzeitliche Nachbauten.

Und tatsächlich hatten wir nach dem Altstadtrundgang noch reichlich Zeit. In der Touri-Ecke fanden wir noch ein Ledergeschäft. Erster Preis hier für die gleichen Modelle der Lederjacken aus obigem Touri-Laden: 280 €, d.h. etwas mehr als 10%. Qualität und Design war gleich.

Im Bus tauchte dann die junge Familie neben uns mit zahlreichen Beuteln bestückt wieder auf und strahlte: "Bei den Preisen muss man einfach kaufen." Das Pärchen war leider keine Ausnahme im Bus. Irgendwie begann ich zu begreifen, warum die Türken so konsequent und gern an Touristen Geld verdienen. Gegen 20:00 Uhr kamen wir wieder im Hotel an.

Beim Abendessen verzichteten wir auf Cola. Ich ging auf die Suche nach nichtschaffleischhaltigen Speisen, was gar nicht so einfach war. Der Nachtisch bestand aus ca. 10 Sorten Kuchen, die sich aber in Wirklichkeit auf ca. 2 Sorten zurückführen ließen.

4. Tag - Dienstag: Hotel, Markt im Hotel

Ein Blick aus dem Fenster verriet uns: Es war kalt, nass und grau. Nach dem Frühstück und einem ausgedehnten Vormittagsschlaf mit deutschem Unterschichten-TV machte ich mich daran, das türkische Dampfbad zu testen. Das war ziemlich kühl, nach einer halben Stunde wurde es mir zu kalt. Nach einem kurzen Sprung in den stark chlorhaltigen Pool und einer heißen Dusche ging's wieder zurück ins Zimmer bis zum Abendessen. Für den Spa-Bereich gibt's Extrahandtücher, die man allerdings als Halbpensionstourist zusätzlich bezahlen muss. Ich verwendete heut erst mal mein Badetuch vom Hotelzimmer. Leider verschwand das auf mysteriöse Weise, als ich unter der Dusche stand.

Das Abendessen war sehr vergleichbar zum Vortag. Ich hab die Erkenntnis gewonnen, dass ich kein Schaffleisch mehr ersehen kann.

Marktstände im Hotel
Gleich neben dem Speisesaal konnte man heute die tollen türkischen Produkte auch im Hotel erwerben, ohne sich schutzlos in die türkische Wildnis begeben zu müssen. Der Pulvertee (garantiert echtes Naturprodukt, siehe Antalya-Ausfahrt) kostete hier nur 5€/100g. Ansonsten bekommt man auch den gleichen Tee in einem Miniladen am zentralen Hauptplatz (siehe Stadtrundgang) für 3€/1kg. Den restlichen Schnickschnack haben wir uns gar nicht weiter angesehen.

5. Tag - Mittwoch: Hotel, Strand, Markttag

Der erste Tag mit Sonne. Standardfrühstück. Ich beginne, den etwas wässrigen Kaffee mit Milch und Kakao zu einer Art Cappuccino zu mixen.


Strand
Nach einem Vormittagsschläfchen ging's an den Strand, den eigentlichen Sinn der Reise. Tja, selbst dieser erhoffte kleine Höhepunkt war eine Enttäuschung. Die Fakten:
  • dunkelgrauer Sand durchmischt mit Streifen, bestehend aus Algen, Plastikflaschen, Schuhen, Plastiktellern und diversen anderen Gegenständen
  • Näher zum Wasser hin wandelte sich der Sandstrand schlagartig in einen Steinstrand.
  • Trotz der Steine war das Wasser ungewöhnlich trüb.
  • Im Wasser selbst störte mich der gelbe Schaum.
  • Wassertemperatur: angenehme 21°C, damit wärmer als die Luft

Mein Ziel war damit erfüllt. Ich war mal im Meer baden. Aufgrund des gelben Schaums bewegte ich mich dann relativ schnell zur Dusche.
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Markttag
Markttag in Bogazkent bedeutet, dass die ganzen Ladenbesitzer der umliegenden Orte ihre Waren (hauptsächlich die üblichen Klamottenplagiate, Handarbeit, etwas Tee und Obst) in mobile Stände auf den Marktplatz bringen. Meine Frau fand eine "handgemachte" Tischdecke, die uns die Verkäuferin für 25 € verkaufen wollte. Wir handelten auf 10 € runter (beider Leute Schmerzgrenze). Glücklicherweise hatten wir kein Geld dabei, und der Geldautomat in der Nähe weigerte sich, Euro auszuzahlen. Die handgemachte Tischdecke fanden wir bei der Pamukkale-Ausfahrt noch in diversen Souvenirläden wieder - auch für 10€.

Den restlichen Tag verbrachten wir in der Sauna (diesmal wärmer).

Beim Abendessen verfolgte ich eine neue Taktik. Am Buffet legte ich erst mal einen kleinen Klecks auf meinen Teller, um die Speise auf Schaffleischexistenz und die restlichen Sachen auf akzeptablen Geschmack zu testen. Die Speiseauswahl reduzierte sich daraufhin drastisch. Am Tisch kamen wir mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch. Denen wurde eine Reise nach Perge angeboten für 45€/Person (Halbtagesausflug, 16 km nördlich von Antalya). Sie kümmerten sich dann um Alternativen. Im privat organisierten Sammeltaxi würde sich das Ganze auf ca. 15€/Person inklusive Eintritt verringern. Bisher wären sie schon ca. 10 Leute. Wir hatten Interesse, uns der Gruppe anzuschließen. Geplant war die Fahrt für Freitag.

Türkischer Abend im Hotel
Wie in jedem guten 5-Sterne-Hotel, gibt es auch im Vera Mare einen Folklore-Abend. Eintritt war 6€/Person. Alsbald hüpfte eine Gruppe junger Männer und Frauen auf die Bühne und tanzten nicht sehr schnell und auch nicht sonderlich synchron in verschiedenen Outfits. Nachdem sich bei den Besuchern gewisse Ermüdungserscheinungen breitmachten, kam der Höhepunkt der Show. Eine blonde, leichtbekleidete und ziemlich attraktive Bauchtänzerin gab ihr Können zum Besten. Da hätte ich durchaus auch noch länger zuschauen können. Leider verabschiedete sich die Dame nach ca. 10 min und wurde von der Anfangstanzgruppe abgelöst. Gesamteindruck: durchwachsen. Die Bauchtanzshow war ok, da wir sowieso nichts Besseres zu tun hatten, den Rest hätten man sich sparen können.

6. Tag - Donnerstag: Ausflug in eine Teppichverkaufsshow, Kurzabstecher nach Pamukkale

5:15 Uhr startete unsere Reise zum Partnerhotel in Antalya. Das andere Pärchen hatte wieder keine Lust auf Shopping. Der Bus am Partnerhotel wartete schon auf uns. Dann ging sie los, die weite Fahrt ins Innere der Türkei, wo wir unterwegs "das wahre Leben und die wahre Türkei" erblicken konnten. Die bestand aus osteuropäisch wirkenden leicht heruntergekommenen Ghetto-Blöcken und billig zusammengeschusterten Läden in den Städten und einer ziemlich langweiligen Einöde dazwischen. Nicht mal die Berge strahlten eine Faszination aus. An dem Punkt waren wir glücklich, die 60 € für die Land-und-Leute-Tour gespart zu haben.

Unser Reiseführer erläuterte uns inzwischen den Ablauf der zweitägigen, auf einen Tag verkürzten Ausfahrt. Zuerst würden wir eine Pause an einem Rasthof einlegen, wo wir frühstücken könnten. Anschließend geht's in die Teppichknüpferei (!#? wtf?) und danach nach Pamukkale. Unser offizieller Reiseplan vom Reisebüro las sich dagegen noch so: "Am zweiten Tag besuchen wir auf der Rückreise eine Teppichknüpferei, sofern wir noch genug Zeit haben." Gut, damit wurden halt mal wieder die Prioritäten geändert. Das sollte sich auch nicht ändern lassen, nachdem ein markanter Dieselgeruch den Bus durchdrang und wir ungeplanterweise einen Zwischenstopp in der "wahren Türkei" am Straßenrand einlegen mussten. Während der Busfahrer überlegte, ob der den kaputten Schlauch vor Ort reparieren will, oder ob sich lieber gleich ein neuer Bus auf den Weg machen sollte, versuchte ich mit unserem Reiseführer zu diskutieren, ob man denn den Teppichladen aus Zeitgründen nicht weglassen könne. Nein, konnte man nicht, der Chef hätte was dagegen (Ach!?).

Gegen 10:30 Uhr Ortszeit reihten wir uns auf dem Parkplatz zwischen den anderen Unmengen an Bussen ein. Lemmingartig folgten wir brav in das große Verkaufsgebäude. Psychologisch geschickt zeigten sie uns erst, wie aufwändig die manuelle Herstellung eines Teppichs ist. Dafür braucht man ca. 13 Monate, obwohl die 2 Frauen mit ihren krummen Rücken wirklich eine atemberaubende Geschwindigkeit beim Knoten hinlegten. Die kriegen übrigens so um die 300 € im Monat. Wie viel die netten Herren bekommen, die die Touris über den Tisch ziehen, weiß ich nicht. Wird aber wohl 'ne ganze Menge mehr sein. Sonst könnte man sich da den dicken BMW, Mercedes oder Audi (siehe Antalya-Rundfahrt) nicht leisten. Im nächsten Raum erläuterte man uns die Seidenproduktion. Wir erfuhren u.a., dass die chinesische Seide minderwertig sei. Nur die türkische Seide wär das Nonplusultra in der Welt. Weiter ging's in einen abgetrennten Raum, in der uns ein älterer Herr in perfektem Deutsch ein paar tolle Geschichten erzählte, die bei genauerer Analyse psychologisch perfekt ausgearbeitet waren. Hatte fast was von amerikanischem Wahlkampf. Tee gab's natürlich auch. Sämtliche Teppiche (aus Seide, armenisches Muster, eingeknotetes Abendmahlmuster mit Rechtschreibfehlern) wurden als Sensation dargestellt. Versand nach Deutschland ist kostenlos, bei den Steuern galt dasselbe wie im Schmuckladen. Über Preise wurde nicht gesprochen. Die gab's dann nur im persönlichen Gespräch, wenn man Interesse bekundete. Der "Wert" einiger Teppiche soll wohl bei über 10.000 € gelegen haben. Wer's glaubt...

Die letzte halbe Stunde des Drei-Stunden-Aufenthalts war dann für das Mittagessen reserviert. Bei den anderen war das inklusive. Da wir Diskussionen bezügliche der 40-Euro-Pauschale (siehe Ankunft und Gutscheinkonditionen) vermeiden wollten, verzichteten wir auf das durchaus nicht üppige Mahl.

40 Minuten später so gegen 14:30 Uhr kamen wir tatsächlich bei den Kalkfelsen an. Den Eintritt von 8€/Person bezahlten wir wieder selbst. Damit wären theoretisch 32€ auf das Mittagessen entfallen. Ein Glück, dass wir die 40€ nicht bei unserer Ankunft in der Türkei abgedrückt haben. Nun gut, unser Reiseführer wollte uns 2 1/2 Stunden zur Verfügung geben. Der Mehrzahl unserer Reisegruppe war das zu viel. Wir mussten uns mit 2 Stunden begnügen.

Kurzinfo zu Pamukkale: Für die Erkundung des gesamten Areals benötigt man grob geschätzt mind. 3 Stunden. Es gibt einiges (Kalkfelsen, Ruinen, Theater, Thermalbad) zu entdecken. Im richtigen Licht bei Sonnenuntergang sehen die Wasserbecken wunderschön aus. Allerdings sieht man dem Gebiet die Zerstörungen durch den Massentourismus (siehe Wikipedia) stark an. Es gibt außerdem noch ein Thermalbecken (35°C), indem man es sich für ein paar Stunden gut gehen lassen könnte. Leider hatten wir dafür keine Zeit mehr. Pamukkale ist als Ganztagesausflug sehr gut geeignet, wenn man auch den ganzen Tag in Pamukkale verbringen kann.

Wir erreichten nach ca. 2 Stunden wieder als Letzte den Bus und ernteten bereits böse Blicke der anderen. Gegen 22:30 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel.

7. Tag - Freitag: Hotel

Beim Frühstück sprach mich das ältere Ehepaar vom Dienstag an. Ihre Tour nach Perge mussten sie bereits am Donnerstag machen, da eine Frau aus ihrer selbstorganisierten Gruppe bei der Antalya-Tour Schmuck für mehrere Tausend Euro (Preis - nicht Wert) erworben hätte. Der würde heut angeliefert werden.

Beim Bummel durch die dörfliche Einöde trafen den Schweizer Türken im Pseudoreisebüro wieder. Vermutlich hatte er die Hoffnung aufgegeben, dass wir ihm doch noch eine Reise abkaufen. Durch die Erlebnisse des vorangegangenen Tages waren wir einfach froh, dass wir die "wahre Türkei" nicht kennenlernen wollten.

Das Tagesprogramm war das übliche: Ladenbummel, Schlafen, Pool, Abendessen

8. Tag - Samstag: Hotel, Strand, Rückflug

Die Sonne strahlte bei tiefblauem Himmel und angenehmer Temperatur. Gleich nach dem Frühstück legten wir uns an den Strand und tankten die ersehnte Mittelmeersonne. Auf den Badespaß verzichtete ich (siehe oben: gelber Schaum) von vornherein.

Irgendwann wurde es dann Zeit, die Heimreise anzutreten. Beim Check-Out bezahlten wir noch die 9 Euro für Saft, Cola und Badetuch. Für ein Trinkgeld sah ich keinen Anlass. In der Warteschlange am Flughafen trafen wir den größten Teil der Reisegruppe des Partnerhotels wieder. Der Einheitslook aus Jack-Wolfskin-Jacken, Prada-/Louis-Vuitton-Handtaschen und gleich aussehenden Jeanshosen der Marken Hilfiger, Dolce & Gabbana, Boss versetzte unser Gesicht in eine Mischung aus Grinsen und Verachtung.Der Flug hatte diesmal nur eine Stunde Verspätung. Mit einem äußerst unsanften Krachen setzten wir auf deutschem Boden auf. Ich war der Einzige, der klatschte...

Fazit und Nachbetrachtung

  • Wir wollten eine Woche Gammelurlaub - nichts planen, um nichts kümmern. Das wurde es auch - irgendwie.
  • Absolut nervig waren die unverschämten Shoppingtouren vor allem deswegen, dass man bereits genervt und müde an den eigentlichen Sehenswürdigkeiten ankommt und überhaupt keinen Bock mehr hat, sich noch irgendetwas anzusehen. Sowieso hat man bei den eigentlichen Ausflugszielen aufgrund des Shoppingvorprogramms nicht mehr ausreichend Zeit.
  • Vom Begrüßungscocktail und dem Bootsausflug haben wir nur auf dem Groupon-Gutschein gelesen.
  • Das Hotelessen war am Anfang ok. Mit jedem Tag konnte ich den eintönigen Geschmack und die Hammeldominanz im Essen immer weniger ausstehen. Mehr als eine Woche find ich unerträglich.
  • Bogazkent ist zumindest außerhalb der Saison der absolute Horror. Langweilig, tot, dreckiger Strand. Als einzigen Lichtblick könnte man die Busverbindungen nach Serik und Belek ansehen.
  • Antalya haben wir nur anderthalb Stunden bei Regen erleben dürfen. Die Altstadt kennt man vermutlich nach 2 Stunden auswendig. Eventuell gibt es ein pulsierendes Nachtleben, das wissen wir nicht. Meine Neugier, das kennenzulernen, hält sich jedoch mittlerweile arg in Grenzen.
  • Es war mein erster Besuch in der Türkei. Ein weiterer Besuch ist definitiv nicht geplant. Ich konnte mich weder für das Land noch für die Leute erwärmen. Auch kulinarisch und kulturell war das, was wir in der Türkei erleben durften, kein Höhepunkt.

Wissenswertes


Die billigen Preise für das ganze Reisepaket in der Nebensaison kommen zustande, weil das türkische Tourismusministerium fleißig subventioniert, um die Hotels über den Winter in Betrieb zu lassen. Weiterhin kann man davon ausgehen, dass viele Touristen bei den Shoppingtouren ein Vielfaches des Reisepreises in der Türkei lassen und Deutschland damit in einer durchaus beachtlichen Höhe Produktpiraterie subventioniert.
Umtauschkurse (Ende November 2011)

  • offiziell: 1€ ~ 2,45 TL (Teelöffel)
  • Preis ist in Euro ausgewiesen, man will in TL bezahlen: 1€ = 2,50 TL
  • Preis ist in TL ausgewiesen, man will in € bezahlen: 1 € = 2,00 TL
Verkaufsmasche bei den Shoppingausflügen
  • Die Türken in den Verkaufsshows sprechen perfekt Deutsch (sind meist in D-A-CH aufgewachsen.) Im Gegensatz zu den Türken in Deutschland lassen die Verkaufsprofis in der Türkei meist keinerlei Dialekt oder Akzent erkennen und sind psychologisch geschult.
  • Ein Verkäufer pro Kunde. Die Kunden müssen solange "betreut" (bearbeitet) werden, bis sie den Laden verlassen. Die Verkäufer dürfen in dieser Zeit keine anderen Kunden bearbeiten.
  • Motto: Dass man die Sachen weder will noch braucht, spielt keine Rolle. Es gibt nur die Frage nach dem Preis.
  • Der Anfangspreis wird erst mal so exorbitant hoch angesetzt, dass jede angemessene Preis wie eine unverzeihliche Beleidigung klingen würde und jegliches Runterhandeln trotzdem noch zu einem Preis führt, der ca. 10x zu teuer ist.
  • Man bekommt auch am Vormittag bei den Shows Alk angeboten (Rotwein, Raki). Das lockert der Geldbeutel. Bei Google findet man zahlreiche Infos zu dieser Masche.
  • Die Fälschungen von Jack Wolfskin, Adidas, Nike, Hugo Boss, D&B usw. sind auch den vermeintlich niedrigeren Preis nicht wert. Das merkt man vor allem an der Passform und der schlechten Verarbeitungsqualität.
Schwank am Rande

Unsere Mitreisenden zogen es vor, an den Ausflügen nicht teilzunehmen. Zuerst versuchten die Hotelangestellten sie per Telefon zu erreichen, später wurden Ihnen Zettel unter die Tür durchgeschoben. Zu guter Letzt wurden ihre Türkarten gesperrt, so dass sie sich an der Rezeption melden mussten. Für das Fehlen bei den Ausflügen sollten sie noch eine Strafe zahlen. Es ist durchaus interessant, dass man bei diesen Geschäftsgebaren noch von Urlaub spricht.

Reisetipps

  • Man braucht nicht zwangsläufig Lira. Euro werden zumindest in den Touristenregionen der Türkei scheinbar besser akzeptiert als türkische Lira. Euro kann man auch an diversen Geldautomaten abheben, sofern diese funktionieren. In sämtlichen Touristenregionen werden auch alle möglichen Arten von Karten akzeptiert.
  • Um der Gängelei von Verkaufsshows zu entgehen, sollte man unbedingt die Ausflüge selbst organisieren:
    -> Nach Pamukkale empfehle ich ein Mietauto.
    -> Antalya sollte unabhängig vom Ferienort mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.
    -> Perge ist am preiswertesten im Sammeltaxi (oder auch Mietauto).
  • Auch wenn man Kaffeefahrten mag, man bezahlt in den organisierten Touren in die Schmuck- und Lederburgen den 10-fachen Preis gegenüber den Touriläden direkt in Antalya. Man kann den aufdringlichen Verkaufsversuchen widerstehen. Aber das ist durchaus nicht einfach.
  • Freundlichkeit beim "Verkaufsgespräch" ist ein Zeichen von Schwäche. Nur ein klares und bestimmtes "Nein" ohne freundlichen Blick schafft Fakten.
  • Pamukkale ist echt ein wunderschöner Ausflug. Am besten kommt man am frühen Vormittag an und bleibt bis zum Sonnenuntergang. Badesachen nicht vergessen!
  • Falls man schönes Wetter hat, kann man auch im November noch bequem im Meer (ca. 21°C) baden gehen.
Türkei in der Nebensaison als Billigpaket mit Ausflügen - für wen
  • Rentner, die mal rauskommen und nicht nur Kaffeefahrten in Deutschland machen wollen.
  • Leute und Familien mit kleinen Kindern, die einfach mal für 'ne Woche zu Hause nicht selbst kochen, saubermachen, aufräumen, denken wollen. Allerdings sollten die sich genau überlegen, ob sie an den Ausflügen teilnehmen wollen. Die Shoppingtouren dürften durchaus anstrengend, langweilig und nervig für die Kleinen werden.
  • Raucher: Zigaretten und Tabak sind billiger in der Türkei.
    .
    So, ich geh jetzt erst mal 'n Döner essen. Prost und Güle Güle!

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Kommentare

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  • calimero1111 13.02.2012 11:16
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Ist ja echt übel, aber GENAU SO hab ich mir Türkei-Urlaube vorgestellt und war daher noch nie dort. :-)

  • calimero1111 13.02.2012 11:02
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    alles drin

  • schmidi123 12.02.2012 21:28
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Noch ein BH für diesen tollen und vor allem hilfreichen Bericht...

  • duderally 01.01.2012 14:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • esp1 23.12.2011 09:01
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    wirklich eindrucksvoller bericht. ab und an habe ich mit dem gedanken gespielt, auch mal so eine günstige türkeireise im winter zu machen, hab aber schon vermutet, dass es genauso ablaufen wird, wie von dir beschrieben und das hielt mich ab davon. aber es gibt sicher einen markt dafür. lg

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