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Pro günstiger Preis, interessante Region mit vielen Sehenswürdigkeiten
Kontra Wetter war kühl, hohe Preise für Toilettenbenutzung
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es wird Zeit für meinen Bericht über die Reise, die mein Mann und ich vom 22.02. bis 01.03.2010 durch die Südtürkei unternahmen. Es war meine dritte Türkei-Reise und die zweite Türkei-Reise meines Mannes.Dazu kamen noch folgende Kosten:
- Reiserücktrittsversicherung für zwei Personen: 30 Euro
- Flughafenzuschlag für zwei Personen: 38 Euro – wir bezahlten aber 20 Euro weniger, also insgesamt 18 Euro.
Den Staat Türkei gibt es übrigens seit 1923 – davor war die heutige Türkei das Osmanische/Seldschukische/Byzanthinische Reich (Quelle: unser Reiseleiter H.).
An dieser Stelle muss ich auch Türkeiurlauber warnen, Steine aus der Türkei mitzunehmen. Das ist ausdrücklich verboten – wer zuwiderhandelt, wird bestraft (Gefängnis und hohe Geldstrafe). Die Türken haben viele historische Ausgrabungsstätten, die man auch besichtigen kann, auf die sie auch stolz sind – zu Recht. Heute sieht man noch viele alte, historische Steine. Und da die Türken nicht bei jedem Kieselstein definitiv sagen können, ob er historisch ist oder nicht, haben sie beschlossen, dass KEIN Stein aus ihrem Land entfernt werden darf.Welche Sprachen sollte man beherrschen, um in der Türkei zu reisen?
Mein Mann und ich haben festgestellt, dass viele Türken in den Gebieten, in denen Touristen reisen, deutsch sprechen. Kommt man in Gebiete, in die seltener Touristen kommen, ist es natürlich hilfreich, türkisch zu sprechen. Wir haben wenige Türken gesehen - außer den Reiseführern natürlich - die englisch sprechen.
Auf dem Flughafen in Stuttgart haben wir noch etwas Zeit. Das Einchecken am Sun-Express-Schalter geht schnell und problemlos. Heute streiken zwar diverse Lufthansa-Mitarbeiter, und einige innerdeutsche Flüge fallen aus – aber Sun Express ist nicht Lufthansa, Sun Express ist ein türkischer Ferienflieger – und unsere Maschine startet, wie geplant, um 9.35 Uhr nach Antalya.
Unsere Flugzeit beträgt zwei Stunden und 47 Minuten. Während des Fluges bekommen wir ein Essen – zwei warme Brötchen, Tomaten, Oliven, Gurkenscheiben, Aprikosen, Marmelade und Butter, auch Wurst und Käse. Eine Portion, die klein ist, aber ausreicht, denn in der Luft hat man sowieso nicht viel Hunger. Zum Trinken gibt es Kaffee und Mineralwasser, aber auch Fruchtsäfte oder Cola. Der Film „Bride Wars“ wird auf Bildschirmen, von denen einige über den Sitzen hängen, gezeigt – leider ohne Ton. Wir bekommen auch keine Kopfhörer, die wir in die dafür vorgesehenen Buchsen einstecken können – hätten wir gewusst, dass wir Kopfhörer brauchen, hätten wir die von zu Hause mitgebracht. Aber, was man nicht weiß….Ich lese in einem Buch – und mein Mann blättert in einer Zeitschrift. Oder wir unterhalten uns, und so geht die Flugzeit zügig vorbei. Mein Mann ärgert sich über die engen Sitze und, dass er zu wenig Beinfreiheit hat – aber wir fliegen ja nicht ewig in diesem Flugzeug.
Um 13.30 Uhr landen wir in Antalya. Die türkische Zeit ist der deutschen Zeit eine Stunde voraus – also heißt es hier: eine Stunde müssen wir unsere Uhren vorstellen. In Deutschland betrug die Temperatur fünf Grad, in Antalya beträgt sie 18 Grad, es ist also angenehm frühlingshaft – die Sonne scheint.Wir kommen schnell durch den Zoll, auch unsere Koffer sind problemlos in der Türkei gelandet, sie kommen auf einem Gepäckausgabe-Laufband im Flughafen von Antalya, und wir nehmen sie uns. Mit unserem Gepäck verlassen wir den Flughafen und finden einen H & H-Tours-Schalter (H & H-Tours heißt unser Reiseveranstalter) nur ein paar Schritte weiter. Wir geben unsere Namen an, sie werden auf einer Liste abgehakt, und wir werden zu einem Bus gelotst. Viele Busse stehen nebeneinander – moderne Reisebusse mit Klimaanlage, mit Sicherheitsgurte (in der Türkei gibt es allerdings keine Anschnallpflicht für Busreisende), aber mit bequemen Sitzen, und wir haben auch die Möglichkeit, Getränke im Bus zu kaufen.
Wir sind insgesamt 33 Leute in einer Reisegruppe. H. ist unser Reiseführer. Er redet wie ein Wasserfall, er kann den ganzen Bus unterhalten in vorzüglichem Deutsch. Mir kommt gleich der Gedanke: Ihn könnte ich mir perfekt als Moderator einer Fernsehshow vorstellen.Dazu sollte man noch wissen: Um Reiseführer in der Türkei zu werden, muss man drei Jahre lang studieren. In Istanbul gibt es einen derartigen Studiengang, man lernt zwei Fremdsprachen und sehr viel darüber, was man als Reiseleiter den Touristen erzählen muss – also Geschichte, Sehenswürdigkeiten und so weiter. Das haben mir schon mehrere Reiseleiter erzählt – und H. erzählt es im Bus auch wieder.
Als unsere Reisegruppe vollständig ist, fahren wir 45 Minuten nach Belek-Bogazkent in das Hotel Siam. Wir fahren entlang der Türkischen Riviera in Richtung Osten. Vorbei an vielen Orten mit Moscheen, mit Wohnhäusern, mit noch nicht fertig gebauten Häusern (es gibt ein Gesetz in der Türkei, dass Häuser, die ohne Baugenehmigung errichtet wurden und mindestens vier „Säulen“ und ein Dach haben, nicht so ohne weiteres abgerissen werden dürfen), die viele Satellitenschüsseln installiert haben. Auch sehen wir türkische Friedhöfe – und H. erzählt uns vieles über sein Land. Unter anderem, dass die Grabsteine auf türkischen Friedhöfen vorne beschriftet sind, während dann hinter einem solchen Grabstein das Grab ist, und die Gräber dort bleiben können, solange man sie dort haben will.Auch kommen wir immer wieder an Waldstücken vorbei, in denen Abfälle liegen (alles Mögliche eben, was die Leute wegwerfen).
Orte, die so aussehen, wie ich sie beschrieben habe, Abfallhalden, angefangene Häuser und viele Bäume und Grasflächen sieht man immer wieder, wenn man durch die Türkei fährt.Über das Hotel Siam in Belek-Bogazkent habe ich einen extra Bericht bei Ciao eingestellt. Das Einchecken geht schnell und problemlos – und gegen 16 Uhr gehen mein Mann und ich spazieren in die „Einkaufsmeile“ – also die Läden, die man vom Hotel aus sieht. Hier sprechen die Ladeninhaber deutsch. Man kann Wasserpfeifen, Schmuck, Ansichtskarten, T-Shirts und andere Souvenirs kaufen – aber auch stilles Wasser in Flaschen und andere Getränke, einige Lebensmittel – und auch eine Apotheke gibt es.
Mein Mann kauft eine Telefonkarte, mit der wir in öffentlichen Telefonzellen telefonieren können – auch nach Deutschland, und wir wundern uns, wie billig das ist. Wir können ziemlich lange mit meiner Mutter und der Mutter meines Mannes reden – wir können ihnen sagen, dass wir gut hier gelandet sind und dass das Wetter frühlingshaft ist.In einem kleinen Laden-Café gegenüber einer Moschee gönnen wir uns jeder ein Glas frisch gepressten Orangensaft. Das Laden-Café haben wir 2008 auch schon besucht und waren positiv überrascht, wie lecker und preisgünstig der frisch gepresste Orangensaft dort ist (wir zahlen pro Glas Orangensaft einen Euro, im Hotel zahlt man dafür 3 Euro). Unterdessen scheint der Inhaber gewechselt zu haben – aber der neue Inhaber presst uns einen genauso guten Orangensaft wie den, den wir 2008 dort getrunken haben. Man kann den Türken zusehen, wie sie den Orangensaft pressen. Viele Orangensaft-Verkäufer haben eine Maschine aus Metall, die von Hand bedient wird. Es erfordert Kraft und Geschick, den Orangensaft zu pressen – aber das Ergebnis ist einfach wunderbar.
Ab 18,30 Uhr gibt es Abendessen im Hotel Siam. Wir schlafen gut, auch wenn uns die niedrigen Betten, die Kälte und die Hellhörigkeit der Zimmer stören.Die Fahrt dauert einige Stunden, und H., unser Reiseleiter, hat viel zu erzählen. So beispielsweise einige Witze, wie folgenden: „Wer hat den Kupferdraht erfunden? – Antwort: Zwei Schwaben. Sie haben einen Pfennig gefunden – und beide haben daran gezogen, weil jeder von ihnen den Pfennig haben wollte….“
Weiterhin erfahren wir einiges über „deutsche Sprachfallen“. So ist es H. schon mal passiert, als er einer deutschen Reisegruppe Gewächshäuser in der Türkei zeigen wollte, nach dem richtigen deutschen Wort suchte und dann sagte: „Schauen Sie – hier sind Zuchthäuser“… Kein Wunder, dass er viele Lacher erntete…Wir fahren über türkische Landstraßen und wundern uns, wie wenig Verkehr dort ist. Wir sehen einige Werbeplakate mitten in einer trockenen Landschaft und Bergen (wir fahren durch das Taurus-Gebirge) – ja, die Idee, Werbeplakate aufzustellen, hat die Türkei wohl von den USA übernommen.
Ich lese im Bus, schaue aber auch auf die Landschaft. H. erzählt mal etwas, mal wieder nicht. Nun ja, immer kann er ja auch nicht reden, da wird er ja heiser.Ungefähr alle zwei Stunden machen wir Rast. Einmal an einem Gasthaus, das ich kenne. Da waren wir 2008 schon mal. Ich mache meinen Mann darauf aufmerksam – denn er war 2008 mit mir auch schon in der Türkei. Rechts vor der Gaststätte liegen Metallabfälle (Stangen und so weiter), außerdem kann man für 2 Euro eine Quarkspeise mit Honig und Mohn kaufen. 2 Euro sind nicht ganz billig, aber die Quarkspeise ist gut – und soll wohl ein türkisches Nationalgericht sein. 2008 habe ich mir schon mal dort eine solche Quarkspeise dort gekauft. Die heutige Quarkspeise teile ich mit meinem Mann (2008 habe ich das genauso gemacht). Natürlich kann man hier auch Souvenirs kaufen – vorwiegend Modeschmuck (beispielsweise den abergläubischen Schmuck mit den blau-weißen Plastikperlen, die Augen darstellen sollen, die die Träger des Schmucks vor Unheil bewahren sollen), Ansichtskarten und türkische Lesezeichen.
Und ein Mann kümmert sich nur um die Toiletten. Uns fällt auf – gegenüber 2008 – es gibt jetzt mehr Toiletten, für deren Benutzung man bezahlen muss in der Türkei. Preise von 20 bis 50 (Euro-)Cent pro Benutzung sind Standard. Natürlich muss man vor der „Sitzung“ den geforderten Betrag bezahlen. Oftmals muss man den Kopf schütteln, wofür man da so viel Benutzungsgebühr bezahlen muss. So auch heute. Ich gehe für 0,30 Euro (die ich vorher bezahlen musste) in eine Klo-Kabine, deren Tür nicht richtig schließt und stelle meinen Rucksack gegen die Tür, damit auch ja keine andere „Toiletten-Benutzerin“ hineinkommen kann.Draußen äußere ich meinen Unmut gegenüber dem Reiseleiter H., der gerade eine Zigarette raucht. Ich sagt: „Für das Geld, das dieser Mann für die Toiletten verlangt, könnte er sich darum kümmern, dass die Türen der WC-Kabinen richtig schließen – und nicht nur herumstehen und kassieren“.
H. nimmt das wohl irgendwie „persönlich“ – er eilt zu dem „Toilettenmann“ und sagt ihm, dass eine seiner Türen im Damenklo defekt ist, er die Türe reparieren solle – denn sonst hätten die (deutschen) Touristen eine schlechte Meinung von den Türken und ihren Toiletten…
Diese „Erscheinung“ der (teuer) zu bezahlenden Toilettenbenutzungen bemerkten mein Mann und ich 2003 in der Toskana (Italien) – und haben damals schon darüber den Kopf geschüttelt. Und jetzt ist die Idee der „bezahlbaren Toilettenbenutzung“ in der Türkei angekommen – zumindest in den Gegenden, die von Touristen besucht werden.
Wir fahren weiter – noch Stunden. Auch den nächsten Rastplatz – er ist im Taurus-Gebirge – haben mein Mann und ich schon gesehen. Auch hier gibt es Souvenirs, Lebensmittel und Toiletten, für deren Benutzung man 0,20 Euro bezahlen muss. Allerdings sind hier alle Türen fehlerfrei – und auch die Toiletten sind sauber.H. erzählt uns im Bus einiges über seine Landsleute. So hängen die Türken ihre Wäsche gerne auf ihren Balkonen auf. Außerdem ist es in der Türkei üblich, dass man von einem Händler erst mal zum Tee eingeladen wird. Dass man danach etwas bei diesem Händler kauft, ist keine Pflicht!
In der Türkei gibt es vier Volksgruppen: die Türken, die Kurden, die Armenier und die Aleviten. H. ist Türke.
H. erzählt auch stolz, dass die Türkei einer der größten Zement- und Marmor-Produzenten der Welt sind.
Auch wie es mit dem Wehrdienst in der Türkei bestellt ist, weiß H. In der Türkei muss jeder Mann ab dem Alter von 20 Jahren einen Wehrdienst ableisten, solange er die türkische Staatsbürgerschaft hat. Man kann den Wehrdienst nicht verweigern. Türken, die im Ausland leben, können gegen Bezahlung eines Geldbetrages ihren Wehrdienst verkürzen.
In der Türkei gibt es übrigens wenige Eisenbahnen. Warum? Weil die Türken am liebsten den Bus nehmen, wenn sie längere Strecken fahren müssen.Wir fahren weiter über die anatolische Hochebene. Im Winter kann es dort sogar von minus 15° Grad bis minus 20“ Grad kalt sein, es kann auch mal Schnee liegen, die Straßen können glatt sein – aber, als wir unterwegs sind, bemerken wir nichts davon. Wir sehen nur einige Schneeflächen auf den Bergen des Taurus-Gebirges.
Ich liebe diese Landschaft! Das merke ich wieder, als ich im Bus durchfahre. Es sieht einfach wunderbar aus! Obwohl es draußen kühl ist, scheint die Sonne – und so sieht die Landschaft schön aus.Wir fahren durch die Stadt Denizli, das ist die Hauptstadt der Region Denizli. Mein Mann und ich sind auch schon 2008 mit dem Bus durch diese Stadt gefahren.
Gegen 14 Uhr erreichen wir das C+H-Hotel in der Region Denizli, nicht weit weg von Pamukkale, den Kalksinterterrassen. Im C+H-Hotel werden wir einmal übernachten – ich habe einen Extra-Bericht über dieses Hotel bereits eingestellt. Erst einmal essen wir zu Mittag dort, dann machen wir uns auf in die antike Stadt Laodizea, die wir besichtigen.Die Kalksinterterrassen von Pamukkale wurden 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Es handelt sich hierbei um die größte Kalk-Sedimentation der Welt. Die Berge, auf denen sich diese Kalksinterterrassen befinden, schauen aus, als habe man sie mit weißem Zuckerguss überzogen. Nur ist das kein Zucker – sondern Kalk. Diese Kalksinterterrassen sind circa 25.000 Jahre alt.
Es gab schon 11 Hotelanlagen auf diesen Kalksinterterrassen von Pamukkale (der Name kommt von „pamuk“ = Baumwolle). Diese Hotels wurden Anfang der 90er-Jahre abgerissen, denn man merkte, dass die Hotels und die Touristen den Kalksinterterrassen schadeten – und man wollte den Weltkulturerbe-Status nicht verlieren. Vor zwei Jahren durfte man übrigens noch barfuss auf den Terrassen herumlaufen – aber das ist jetzt verboten (Quelle für all diese Informationen: unser Reiseführer H.).Oberhalb der Kalksinterterrassen von Pamukkale befindet sich die antike Stadt Hierapolis, die ich 2004 und 2008 besichtigt habe.
In Laodizea verbringen wir zwei Stunden. Die Stadt Laodizea, so erzählt uns H., entstand 350 vor Christus. Laodizea müsste uns Deutschen eigentlich aus der Bibel – dem Neuen Testament – ein Begriff sein. Laodizea gehörte übrigens zur römischen Provinz Kleinasien – und der Apostel Paulus schrieb während seiner Reisen auch Briefe an die Gemeinden in Laodizea (Buch der Offenbarung in der Bibel, Neues Testament).Heute sind von Laodizea noch Teile von Säulen und Teile von Gebäuden übrig. Auch sieht man noch einige Straßen. Einige Kräne sind damit beschäftigt, die Bruchteile einiger Säulen aufeinanderzustapeln und so einige Säulen wieder herzustellen.
Besonders beeindruckend ist das Theater von Laodizea. Viele Städte hatten zu Zeiten der Römer ein Amphittheater, und der Eintritt war auch nicht teuer – manchmal musste man auch gar keinen Eintritt bezahlen.H. erzählt uns, wie in Laodizea zu Zeiten der Römer die Christen verfolgt wurden. Wurden Christen wegen ihres Glaubens gefangen genommen, so zog man ihnen ihre Haut ab, band sie dann an Pferdefuhrwerke und schleifte sie durch die Stadt – als Warnung für alle Leute. Oder sie wurden im Zirkus den Löwen vorgeworfen. Dennoch gab es genug Christen – und viele von ihnen waren schlau. Ein Mittel für Christen, sich untereinander erkennen zu geben, war das so genannte „Sonnenspiel“. Es wurde mit einem Kreis gespielt, den man in den Sand malte. Je nachdem, wie man die Spielzüge setzte, konnte man sich als Christ zu erkennen geben. Man malte dann mit Hilfe der Spielzüge das griechische Wort ICHTHYS, das – soweit ich weiß – „Fisch“ heißt und als Symbol der Christen gilt und damals auch schon galt.
H. zeigt uns das alles – er zeigt uns das „Sonnenspiel“, und wir sind total verblüfft über das, was er weiß. Er hat auch im Internet recherchiert und die Stelle, in der Laodizea in der Bibel vorkommt, gefunden – und liest uns alle Passagen daraus vor.Gegen 18 Uhr sind wir zurück im C+H-Hotel, wir essen zu Abend – und wir schlafen ruhig und gut.
Unser erster Stopp heute ist eine Teppichknüpferei in den Bergen oberhalb von Denizli. Mein Mann und ich waren 2008 auch schon mal dort und erkennen die Teppichknüpferei sofort. Einen Vorteil bietet sie auf jeden Fall: Man kann dort kostenlos Toiletten benutzen, die auch sauber sind. Also gehen alle Leute unserer Reisegruppe brav mit zur Besichtigung und lernen, wie man aus Seidenraupen Seide gewinnt, wie man Seidenfäden färbt und wie aus Seidenfäden mit flinken Handbewegungen der Teppichknüpferinnen wunderschöne Teppiche geknüpft werden.
Oben in einem Vorführraum bekommen wir jeder ein Getränk kostenlos – die meisten Leute trinken türkischen Cay (ausgesprochen: „Tschai“) – das ist ein Schwarztee, der, wie ich finde, nur in der Türkei wirklich gut schmeckt. Er wird in kleinen Gläsern serviert mit ein paar Stückchen Zucker, die man sich nach Belieben in den Tee werfen kann.Wir sehen viele Teppiche – wunderschön, allerdings wollen wir keinen Teppich kaufen – und so gehen mein Mann und ich in das Café neben dem Souvenir-Verkaufsraum (hier kann man türkische Souvenirs, beispielsweise Lesezeichen, Modeschmuck und Schals kaufen) und bestellen uns jeder einen Apfeltee. Der kostet pro Tasse 1,50 Euro, und wir können uns in Ruhe hinsetzen und auf unsere Reisegruppe warten.
Irgendwann gehen wir raus und amüsieren uns über sechs junge Hunde hinter einem Maschendrahtzaun, die mit ihrer Mutter spielen wollen.Eine Person unserer Reisegruppe kauft einen Teppich. H. erklärt uns mal im Bus, dass er dafür Provision bekommt – übrigens auch für Schmuck und Lederwaren, die Reisegruppen, die er betreut, kaufen. Er will ehrlich sein zu uns und sagt uns das.
Während wir bei Besichtigungen klare Zeitvorgaben haben – also beispielsweise „In 20 Minuten treffen wir uns am Bus“, scheint bei diesen Verkaufsevents unendlich viel Zeit da zu sein.
Auch in diesem Restaurant ist die Toilettenbenutzung kostenlos – wobei man bei türkischen Toiletten, wenn sie nicht in einem Vier-bis-Fünf-Sterne-Hotel sind, meist darauf achten muss, kein Papier in die Kloschüssel zu werfen. Dafür gibt es Eimer in den „Toilettenkabinen“. Wahrscheinlich verstopfen viele türkische Toiletten sehr leicht.
Wir fahren also nach Aphrodisias (liegt zwischen den Städten Denizli und Kusadasi). Auch das ist wieder eine alte, historische Stadt, von der nur noch Trümmer übrig sind. Teile von Säulen, Teile von Gebäuden. H erzählt uns, dass Aphrodisias einst als Künstlerstadt bekannt war. Es war eine reiche Stadt, die mit ihrem Reichtum protzte. Der Stadtname Aphrodisias kommt von der Göttin der Fruchtbarkeit – Aphrodite. Aphrodisias bekam zu Zeiten der Römer Aufträge von römischen Städte, für sie Sarkophage zu machen (Sarkophage waren Behälter aus Stein, in die man Tote legte).Bevor wir mit dem Bus weiterfahren, hat H. eine Überraschung für uns organisiert. Die Leute unserer Reisegruppe steigen in zwei „Waggons“, die jeweils von Traktoren gezogen werden. Und mit diesem „Traktorzug“ fahren wir ein paar Minuten zum Busparkplatz, wo unser Reisebus steht.
Die Stadt Kusadasi erreichen wir endlich, als es schon dunkel ist. Kusadasi heißt übersetzt „Vogelinsel“. Die Stadt mit 12.000 Einwohnern liegt an der türkischen Ägäisküste, in der Region Izmir (Quelle: unser Reiseführer H.). Unser Hotel – das Richmond Ephesus Resort – erreichen wir gegen 19.45 Uhr. Über dieses Hotel habe ich einen Extra-Bericht geschrieben und diesen auch bei Ciao eingestellt.Sirince ist ein kleines Dorf mit vielen Läden nebeneinander. Man kann hier Weine probieren und die dann auch kaufen. Das haben wir nicht gemacht. Der Name „Sirince“ kommt vom türkischen Wort „sirin“ – das heißt „niedlich“ (Quelle: H., unser Reiseleiter).
Mein Mann und ich gönnen uns jeder ein Glas Granatapfelsaft. Der Saft wird frisch gepresst, wir können zusehen, wie das passiert. Einfach einen Granatapfel halbieren, eine Hälfte auf eine „Maschine“ stecken, die von Hand betrieben wird und dann von Hand einen Hebel betätigen. Dazu sollte man Kraft haben. Der Saft schmeckt klasse, wir bezahlen einen Euro pro Becher.Auch in die Läden gehen wir. Ich finde einen farblich schönen Schal für 5 Euro. Die Ladenzeile in dem Dorf ist nicht sehr groß, es gibt leider nur eine überdachte Straße, die bei dem Regen sehr gut besucht wird. Auch die Toiletten hier sind kostenpflichtig, wobei ich am Ortseingang eine Toilette allerdings kostenfrei besuchen durfte, weil das Licht dort nicht funktionierte…
Nach zwei Stunden fahren wir zur Johannesbasilika. Das ist ein tolles, beeindruckendes Gebäude. Der Apostel Paulus lebte hier einmal. Es wurde überliefert, dass er hier auch seine Briefe an die Epheser schrieb (Quelle: Thomas Cook-Reiseführer Türkei – mit meinen eigenen Worten wiedergegeben). Auch das Gelände vor der Basilika ist sehenswert. Da gibt es einige alte Säulen und herumliegende antike große Steine.Wir essen zu Mittag im Restaurant Ümür (ich habe mir diesen Namen gemerkt). Dort gibt es Speisen vom Büffet, die gut schmecken: Salate, Speisen mit und ohne Fleisch, auch Nachtisch. Unsere Getränke müssen wir selbst bezahlen. 2 Euro kostet eine Dose Cola, 2 Euro kostet eine Dose Eistee. Und so weiter. Die Dosen mit den Getränken werden uns nach der Bestellung ziemlich lieblos auf die Tische „geschmissen“.
Das Highlight des heutigen Tages ist der Besuch von Ephesus. Bisher sind nur 12 Prozent dieser antiken Stadt ausgegraben. Jeder, der einmal Latein in der Schule hatte, wird sich an ein Bild der Bibliothek von Ephesus in seinem Lateinbuch erinnern.Ephesus kennt man aus dem Neuen Testament – Paulus schrieb Briefe dorthin (wie schon erwähnt). Diese antike Stadt ist beeindruckend. Die Bibliothek ist noch erkennbar – von ihr ist noch einiges erhalten. Außerdem führt uns H. zu einer früheren öffentlichen Toilette – da setzten sich die Besucher nebeneinander auf Steinbänke, in denen viele Löcher eingelassen waren.
Erwähnenswert ist auch ein großes Theater, das 25.000 Leute fasst – und in dem auch heute immer noch Vorführungen im Rahmen diverser Festivals aufgeführt werden (Quelle: Thomas Cook-Reiseführer Türkei – mit meinen eigenen Worten wiedergegeben).In Ephesus gibt es einige zahme Katzen. Sie kommen herbei, wenn Reisegruppen durchgeführt werden. Die Katzen miauen und betteln um Futter. Eine Dame aus unserer Reisegruppe hat eine Tüte mit Sachen vom Hotelfrühstück dabei. Was genau sie dabei hat, weiß ich nicht. Sie kann zumindest mit der Tüte einer Katze eine Freude machen, die sich sofort auf den Inhalt stürzt…
Unsere Reisegruppe stellt sich zu einem Foto auf. Interessant ist hier, dass die Fotos nicht von erfahrenen Fotografen gemacht werden, die einen Blick dafür haben, wie ein Gruppenfoto zu sein hat, so dass jedes Gruppenmitglied zu sehen ist. Nein, die Fotos werden von irgendwelchen Amateuren gemacht, die eine Kamera haben, schnell ein Foto schießen, dann irgendwohin flitzen, das Foto entwickeln und dann eine Reihe Abzüge davon machen. Pro Abzug (Format: DIN-A-5) wollen sie 3 Euro haben. Dafür stürmen sie unseren Bus, bevor wir weiterfahren und zeigen uns das gemachte Foto und kassieren auch gleich 3 Euro pro Foto. Dieses Foto will ich nicht, denn vor mir stand eine Frau mit Turmfrisur, und ich bin kaum zu sehen.Unser letzter Halt dieses Tages ist die so genannte „Artemision“. Das war der Standort des Artemis-Tempels, viel ist davon nicht mehr zu sehen. Nur noch ein paar Trümmer.
Wir übernachten wieder im Hotel Richmond Ephesus Resort in Kusadasi.Heute ist der Tag sonnig und schön. Zunächst einmal fahren wir zur Strandpromenade der Stadt Kusadasi, dann weiter, circa 50 Kilometer nach Izmir.
Izmir hieß früher mal „Smyrna“ – und ist heute mit 5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Türkei (nach Istanbul und Ankara). Nach den „üblichen“ türkischen „Aussichten“ (Städte, Häuser, angefangene Häuser, Satellitenschüsseln, Bäume, Wiesen, manchmal Abfälle im Wald) erreichen wir nach circa einer Stunde Izmir. Wir befinden uns in einem Häusermeer. Unser Busfahrer fährt uns zu einer Fähranlegestelle. Denn wir wollen mit der Fähre ans andere Ufer fahren – in die Nähe der Altstadt.H. besorgt die Fahrkarten für die Fähre und türkisches Salzgebäck, das schon einen Tag alt ist (aber immer noch gut schmeckt, ich hab’s probiert) und verteilt es an uns. Damit sollen wir die Möwen während der Schifffahrt füttern. Das tun wir auch. Die Möwen sind ganz wild auf unsere Brocken türkischen Salzbrots, das wir ins Meer werfen, und stürzen sich eifrig drauf. Manchmal fangen sie die Brocken schon während des Fluges.
Unsere Fahrt mit der Fähre dauert von 11 bis 11.30 Uhr. Am anderen Ufer angekommen, bummeln wir ein bisschen über die Strandpromenade (H. sagt, die Strandpromenade heißt „Kordon“). Die gefällt uns gut. Natürlich sind viele Leute unserer Reisegruppe wieder auf der Suche nach einer Toilette. Am besten findet man eine, wenn man irgendwo einen Kaffee trinkt. Allerdings sollte man folgendes beachten: in Izmir sind nicht viele Café- oder Restaurant- oder Ladenbesitzer bereit, den Euro als Zahlungsmittel zu nehmen – sie wollen lieber türkische Lire haben. Mein Mann und ich trinken gemeinsam mit einem anderen Ehepaar eine Tasse Kaffee in einem netten Lokal.Nachdem wir auf der Strandpromenade ein bisschen Zeit zur freien Verfügung hatten, treffen wir uns mit H. am so genannten Konak. Das ist das „Herz“ von Izmir, ein großer Platz, auf dem ein Uhrenturm steht. Und wenn man sich in der Innenstadt von Izmir verläuft, kann man nach „Konak“ fragen, die Leute wissen, wo der Platz ist, und können einem den Weg dorthin zeigen.
Auf dem Platz sehen wir übrigens Hunde, die offensichtlich niemandem gehören und ganz zahm sind. Die türkische Regierung hat solche streunenden Hunde irgendwann mal „eingesammelt“, sie untersucht und impfen lassen und sie wieder frei gelassen. Viele von ihnen fühlen sich unter Menschen sicher. Wir sehen einen Hund, der mitten auf dem Konak-Platz friedlich schläft.Heute wollen wir hier Geld umtauschen. Denn wir bekommen jetzt Zeit zur freien Verfügung in der Altstadt und sollen uns mit türkischen Lire selbst etwas zu essen kaufen, was wir wollen. Wie gesagt, die türkische Währung wird hier in Izmir lieber gesehen als der Euro. H. sammelt von jedem von uns Geld ein, geht auf eine Bank und tauscht dann alles um. Mein Mann und ich bekommen für 10 Euro 20 türkische Lire. Andere Leute unserer Gruppe haben mehr Geld umgetauscht.
Es ist jetzt 13.55 Uhr und wir haben bis 16.30 Uhr Zeit. Zuerst einmal laufen wir unserem Reiseführer H. hinterher. Er kennt sich aus und will in ein türkisches Café, in dem es guten Mocca gibt. Dort will er Mocca trinken und eine Wasserpfeife mit Apfelgeschmack rauchen. Das interessiert uns.Es gibt sehr enge Gassen, einige andere sind ein bisschen breiter, ein Laden neben dem anderen, völlig vollgestopft mit Waren. Dazwischen gibt es die eine oder andere Imbissbude. Wir sehen Dinge, die wir aus Deutschland nicht kennen. Beispielsweise Kostüme für Jungen, die beschnitten werden sollen. Für sie können ihre Eltern hochwertig verarbeitete, bunte, auch mit Glitzereffekten versehene Anzüge kaufen – natürlich mit Kopfbedeckung inklusive -, damit sie am Tag der Beschneidung, der auch für viele ein großes Fest ist, wie kleine Prinzen ausschauen. Die Beschneidung – so weiß H. zu berichten – findet bei kleinen Jungs im Alter von sieben oder acht Jahren statt. Man kann sie heutzutage in Krankenhäusern vornehmen lassen.
Die Leute drängen sich durch die Gassen. Es sind nicht nur Touristen aus dem Ausland – nein, auch viele Türken kaufen hier ein.In den Gassen in Izmirs Altstadt kann man ansonsten Stoffe kaufen, Gewürze, Haushaltswaren und vieles andere. H. findet „sein“ Café und viele aus der Reisegruppe folgen ihm. Das Café ist klein und sehr gemütlich. Es hat Holzbänke, die mit gewebten Teppichen belegt sind, damit sich die Gäste wohlfühlen. Wir trinken fast jeder einen Mokka aus kleinen Tassen – der, so meine ich mich zu erinnern – vier türkische Lire kostet. Dazu reicht man uns türkisches Konfekt – durchsichtige, bunte Würfel, die süß schmecken. Diese Würfel kennen wir, man kann sie in vielen Souvenirshops kaufen.
Damit wir es noch gemütlicher haben, kommen einige Musiker in den Raum. Es ist toll, wie sie trommeln und Banjo spielen und dazu singen, das gibt Stimmung, und wir klatschen. H. raucht derweil seine Wasserpfeife mit Apfelgeschmack und lässt später die Pfeife kreisen. Ich will die Pfeife nicht rauchen, ich habe Angst, dass mir schlecht wird.Mein Mann und ich verabschieden uns – wir wollen noch ein bisschen durch die Gassen bummeln – und vor allem: eine Toilette suchen (in dem türkischen Café, in dem wir waren, gibt es keine). Die gibt es in einer Seitenstraße – für 0,75 türkische Lire bekommen wir hier ein Stehklo, das sicherlich schon mal bessere Zeiten gesehen hat… Sauber ist es nicht, aber okay… Aber hier heißt es: Augen zu und durch… zumal das „Bedürfnis“ ziemlich stark ist…
Die Sonne scheint, es ist aber kühl, mein Mann und ich bummeln durch die Gassen. Es gibt viele von ihnen – mal enge, mal weniger enge. In einer Imbissbude, die uns sauber erscheint, bekommen wir türkisches Fladenbrot (Pide) und „Ayran“ – das ist türkischer Joghurt. Wir bezahlen 3 türkische Lire (also 1,50 Euro) pro Portion, der Preis ist okay, und wir werden satt.Mitten in einer breiteren Gasse sehen wir einen Türken, der Backwaren verkauft. Wir kaufen zwei Mohnbrötchen für zusammen 1,25 türkische Lire.
Izmir ist eine Universitätsstadt, und wir kommen auch an einigen Buchhandlungen vorbei, die Fachliteratur verkaufen. Mein Mann und ich bummeln also durch die Gassen, die Stadt ist sauber, aber immer wieder liegen Zigarettenstummel auf dem Boden. Außerdem sind viele falsch parkende Autos abgestellt – wir erkennen das an den Strafzetteln, die eifrige Polizisten vorne an den Autos hinter den Scheibenwischern anbringen.Und solche falsch parkende Autos werden einem Laden zum Verhängnis, der plötzlich anfängt zu brennen. Brauner Rauch quillt aus einer Seitenstraße, zwei Feuerwehrautos sind auch schon da – aber eines von ihnen kommt nicht zum Brandherd, weil viele Autos am Rand der Gasse geparkt sind und die das zweite Feuerwehrauto nicht durch die Straße fahren kann. Alle Menschen, die den Qualm sehen, entfernen sich aus der Altstadt.
Ein Laden brennt – und das Feuer greift wohl schnell über auf andere Läden. Ein Feuerwehrauto allein kann den Brand noch nicht löschen. Mein Mann und ich mutmaßen, dass jetzt mehrere Geschäfte brennen, denn wir sehen eine große schwarze Rauchwolke, die sich hinter dem Konak-Platz in die Luft erhebt…. Da brennt nicht nur ein Laden, denken wir, nein, da brennt mehr! Da gehen gerade einige Existenzen in Flammen auf…Mein Mann und ich stehen auf einer Fußgängerbrücke, die zur Hafenpromenade führt und beobachten mit Entsetzen den schwarzen Rauch. Wir sehen auch immer wieder gelbe Flammen schlagen. Wer uns sehr verwundert, sind die Türken. Sie scheint der Brand nicht zu interessieren. Sie gehen über die Fußgängerbrücke, sie gehen durch die Hauptstraße – so als sei da gerade nichts. Brennt es etwa öfter in Izmir, so dass die Türken bereits schon gegen Brände jeglicher Art „immun“ sind? Wir wissen es nicht.
Auch H., den wir am Busabfahrtsplatz treffen, reagiert „cool“, als wir ihm erzählen, dass ein Laden in der Altstadt begann zu brennen und wir mitbekamen, dass ein Feuerwehrfahrzeug erst mal nicht zum Brandherd durchkam – wegen der vielen oft falsch parkenden Autos. Er nimmt diese Information ganz gelassen und bemerkt später, dass die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle hat, denn aus der schwarzen Rauchwolke ist eine weiße Rauchwolke geworden. Das heißt, dass die Feuerwehr mit ihrem Löschwasser den Brand löschen kann – denn der weiße Rauch ist Wasserdampf.Um 16.35 Uhr fahren wir mit dem Bus zurück nach Kusadasi in das Hotel Richmond Ephesus Resort. Im Bus trinken wir Raki – das ist türkischer Schnaps (die Türken sagen „Medizin“ dazu – und nehmen das gegenüber ihrem Glauben zum Islam oft als Grund, dieses alkoholische Getränk trinken zu dürfen) -, denn einer unserer Mitreisenden hat heute Geburtstag. H. hat das mitbekommen und eine Flasche Raki und Plastikbecher organisiert. So können wir auf das Wohl des „Geburtstagskindes“ anstoßen, während das Häusermeer von Izmir langsam vor unseren Augen verschwindet…
Was übrigens genau am 26. Februar 2010 in Izmir in der Altstadt gebrannt hat und wie hoch der Schaden ist, konnten wir bis heute nie herausfinden.Damit uns im Bus die Zeit nicht langweilig wird, beantwortet H. Fragen zur Türkei, die wir ihm stellen. Beispielsweise: Wie funktioniert das Schulsystem in der Türkei (Antwort: acht Jahre muss man in die Schule gehen, es gibt gemischte Klassen in der Türkei), wie sieht es aus mit den Karrierechancen für Frauen (Antwort: Heutzutage stehen den Frauen in der Türkei viele berufliche Möglichkeiten offen – so sind beispielsweise 60 % aller Beamten in der Türkei Frauen), wer kann als Muezzin agieren und die Moslems in die Moscheen rufen (Antwort: Ein Türke spricht mit dem Muezzin und kann den Ausruf dann von der Moschee aus machen. Es gibt fünf Ausrufe pro Tag)?
Übrigens haben wir in Izmir sehr viele Frauen mit Kopftuch gesehen. Über Antalya würde ich sagen: die Hälfte der türkischen Frauen läuft mit Kopftuch herum, die andere Hälfte nicht. Es scheint wohl von Region zu Region unterschiedlich zu sein, wie viele Frauen mit einem Kopftuch herumlaufen.Rufe diverser Muezzins, die die gläubigen Moslems zum Gebet riefen, haben wir auch während unserer Reise oft gehört – und H. hat es organisiert, dass wir eine Moschee in Denizli kurz vor dem Mittagsgebet besichtigen dürfen. Die Moschee ist schön innen verziert, es gibt kaum Stühle, man soll sich auf den Teppichboden setzen. Vor dem Betreten der Moschee muss man die Schuhe ausziehen, die Frauen sollen ein Kopftuch tragen. Wer kein Kopftuch hat, kann sich vor dem Eingang ein Kopftuch ausleihen.
Der Hausmeister der Moschee ist verärgert, weil jemand aus unserer Reisegruppe erst zu spät seine Schuhe ausgezogen hat – so sind Spuren auf einem Teppich zu sehen. Darüber diskutiert er mit H. auf Türkisch.Die Toilette vor der Moschee dürfen wir benutzen. Die Benutzung kostet 0,20 Euro für eine Steh-Toilette ohne Papier und ohne Spülung. Der Benutzer soll nach Erledigung seiner Bedürfnisse das in einer kleinen Kanne bereitstehende Wasser in das Abflussloch gießen.
In einem Restaurant am Salcer-See nehmen wir unser Mittagessen ein. Es gibt Speisen vom Büffet.Über den See weiß H. folgendes: Der Salcer-See ist berühmt-berüchtigt in der Türkei. Eigentlich schaut er ganz nett aus, und man könnte die Küste am Salcer-See als Touristenorte ausbauen. Allerdings meinen viele Türken, dass auf diesem See ein Fluch liegt. Der See enthält viel Salz und schon viele Leute sind dort ertrunken – unter anderem viele Kinder. Wohl wegen des Salzgehalts kamen die Leichen nicht nach oben und liegen noch im See. Der See ist 300 Meter tief, es wird empfohlen, dort nicht zu schwimmen.
Aber dort ist unser Restaurant. Das Essen schmeckt gut – Getränke müssen wir, wie immer bei den Mittagessen, selbst bezahlen. Kommt man aus dem Restaurant, gibt es zahme Hunde, die auch an den Menschen hoch springen, um sie zu begrüßen. Einige Leute finden das nicht gut, weil sie dadurch erschreckt werden.Wir haben noch Zeit, zum Strand zu gehen, bevor der Bus weiterfährt. Am Strand gibt es einen Mann, der in eine Art türkischen bunten Webteppich gekleidet ist und eine Kappe trägt und ein Kamel hat. Er fragt uns, ob wir nicht auf seinem Kamel reiten wollen. Aber wir haben keine Lust dazu. Einen Herrn unserer Reisegruppe kann er jedoch überreden. Dieser will sich nur auf das liegende Kamel setzen, damit man ein Foto von ihm macht. Aber, kaum sitzt er auf dem Kamel, erhebt sich dieses und fängt an zu laufen. Der „Reiter“ muss versuchen, sich festzuhalten, damit er nicht vom Sattel rutscht. Wir lachen darüber, denn wir finden das lustig. Der Kamelbesitzer will fünf Euro für den Ritt haben, die er auch bekommt.
Am Abend erreichen wir das Hotel Siam in Belek, in dem wir am Anfang unserer Reise bereits eine Nacht untergebracht waren. Diesmal bekommen mein Mann und ich ein Zimmer, in dem vor uns starke Raucher untergebracht waren, und versuchen erst mal zu lüften. Über das Hotel Siam in Belek-Bogazkent habe ich bereits einen Extra-Bericht bei Ciao eingestellt.Antalya ist reizvoll – nicht nur wegen seiner Märkte und der Altstadt. Nein, in der Nähe von Antalya gibt es Skipisten – und gleichzeitig hat man die Möglichkeit, im Mittelmeer zu baden. Welche Stadt bietet das schon?
Zuerst allerdings besichtigen wir eine Schmuckfabrik, die auf einer breiten Hauptstraße liegt. Auf dieser Straße gibt es viele solcher Firmen, in denen Touristengruppen Schmuck- und Lederwaren kaufen können. Eine modern gekleidete Türkin, die hervorragend deutsch spricht, zeigt uns einige Abteilungen der Schmuckfirma. Anschließend haben wir Zeit, uns den Schmuck in den Verkaufsräumen anzusehen und eventuell das eine oder andere Schmuckstück zu kaufen. Währenddessen werden uns Getränke serviert.Ich habe eine Kette dabei, die meine Schwester S. (+ 2005) im Jahre 2004 in der Türkei kaufte – auch während solch einer Fabrikbesichtigung, die aber gerissen ist. Und ich frage, ob man die Kette reparieren kann. Das wird auch gemacht – gegen eine Zahlung von 5 Euro. Das finde ich wirklich okay. Ich kaufe noch einen goldenen Kettenanhänger dazu, der mir gefällt. Auch hier ist der Preis von 60 Euro für mich in Ordnung. Die Dame, die mich bedient, will Barzahlung – in einem Vorraum ist ein Bankautomat der Denizli-Bank, da kann ich das Geld abheben. Die Denizli-Bank verlangt, als ich in Deutschland bin, 4 Euro fürs Abheben an ihrem EC-Automaten in Antalya. Ich finde die Bankgebühren von 4 Euro in Ordnung (Ich vergleiche die Bankgebühren mit Großbritannien, die sind dort nämlich höher. Schon 1996 bezahlte ich in London 8 D-Mark – also 4 Euro – Bankgebühren).
Anschließend gehen wir gleich in eine Lederfabrik. Hier gibt es erst mal eine Modenschau. Unsere Reisegruppe wird gefragt, ob nicht jemand von uns jetzt gleich als Model auftreten möchte. H. meldet sich und noch ein Herr – sie beide bekommen Jacken angezogen, die sie auf dem Laufsteg präsentieren. Dazwischen gibt es noch andere Models – alle probieren wunderschöne Lederjacken, Ledermäntel, Lederhosen. Mein Mann und ich wollen keine Ledersachen kaufen und setzen uns nach der Modenschau im Verkaufsraum auf Ledersofas – zusammen mit anderen Mitgliedern unserer Reisegruppe, die ebenso nichts kaufen wollen. Wir nehmen die angebotenen Getränke und geben Kommentare ab zu diversen Ledersachen, die andere Mitglieder unserer Reisegruppe anprobieren.Eigentlich sind wir – zur Förderung der Lederverkäufe – sehr unproduktiv und werden von einigen Angestellten gebeten, den Verkaufsraum zu verlassen und uns draußen aufzuhalten. Das ist eine gute Idee, draußen ist es warm – und bei der Lederfabrik ist ein Souvenirshop, den wir besuchen. Es gibt türkische Teller, Lesezeichen, Gürtel und vieles mehr.
Wir erfahren, dass sowohl in der Schmuckfirma als auch in der Lederfirma einiges von unserer Reisegruppe gekauft wurde. Einige Leute kamen mit Kaufabsicht in die Türkei, sich dort eine Lederjacke oder etwas anderes zu kaufen – und wurden fündig.H. hat uns schon mal erzählt, dass er verheiratet war und einen Sohn hat. Seine geschiedene Frau wohnt in Antalya und hat dort ein Restaurant. Dort nehmen wir heute unser Mittagessen ein. Der Ort ist romantisch – auf einer Dachterrasse mit Blick aufs Mittelmeer. Die Getränke bezahlen wir – wie immer – selbst, der Preis fürs Mittagessen ist, wie so oft, im Reisepreis enthalten.
Bedauerlich finden wir, dass wir H.’s Frau nicht sehen, sie ist nicht da. Der Sohn lebt übrigens bei ihr.Nach dem Mittagessen zeigt uns H. die Altstadt von Antalya. Wir fahren zu den Wasserfällen, die wunderschön sind, wir bummeln durch die Gassen der Altstadt. Überall gibt es Straßenhändler, die Postkarten und Lesezeichen und Modeschmuck anbieten. Zur großen Freude meines Mannes gehen wir nicht auf den Touristenmarkt in Antalya, den mochte er schon vor zwei Jahren nicht, da die türkischen Händler oft laut schreiend ihre Waren feilbieten – auch mit Sprüchen wie: „Darf ich Ihnen etwas aufschwatzen?“, „Darf ich Ihnen etwas andrehen?“ – oder: „Kommen Sie, kommen Sie, kaufen Sie!“
Nach dem Spaziergang mit H. durch die Altstadt haben wir noch Zeit zur freien Verfügung. Mein Mann und ich gehen durch einige Straßen und die wunderschöne Strandpromenade entlang. Dort gibt es noch kleine Lebensmittelläden, die wir übrigens oft in der Türkei gesehen haben. Mein Mann und ich kaufen uns jeder ein Eis in einer Waffel.Die Benutzung der Toiletten in Hafennähe kostet 0,50 Euro – wobei ich da nicht meckern will, der Zustand der Toiletten ist erstaunlich gut, da habe ich schon Schlimmeres gesehen…
Um 16.45 Uhr treffen wir uns zu einer Hafenrundfahrt. Über einen schmalen Holzsteg kommen wir auf ein Schiff, auf dem Schiff können wir auch Getränke kaufen. Eine 0,5-Liter-Flasche mit stillem Wasser kostet einen Euro.Die Hafenrundfahrt macht Spaß, wir sehen viel, wir befinden uns oben an Deck und beobachten, welche schönen Muster die fast schon untergehende Sonne auf das Meer zaubern. Im Meer selbst sehen wir Unmengen von Quallen. H. erzählt ein paar Witze, und wir genießen den Ausblick aufs Meer und auf Antalya.
Abends ist geplant, dass wir einen so genannten „Club-Abend“ (dieser ist übrigens im Reisepreis enthalten) genießen sollen – einen Show-Abend mit Bauchtanzvorführungen, Tänzen und ähnlichen Attraktionen, während es ein Abendessen gibt. Alles findet in einem Restaurant in Antalya statt. Jedoch wollen viele Leute unserer Gruppe an diesem Event nicht teilnehmen, denn wir wissen: Heute Nacht müssen wir sehr früh aufstehen, da wir morgen zeitig nach Hause fliegen werden. So organisiert H. einen Bus, der die Leute, die nicht an dem Club-Abend teilnehmen wollen, ins Hotel Siam nach Belek fährt. Mein Mann und ich sind dabei, und nehmen dann auch dort ein Abendessen ein. Danach gehen wir um 21 Uhr schlafen.Um 3 Uhr fährt der Bus zum Flughafen – H. unterhält uns im Bus mit Witzen und Informationen und erklärt uns, dass wir eine seiner letzten Reisegruppen waren. Er ist jetzt über 40 Jahre alt und möchte in seinem Leben beruflich etwas anderes machen. Was genau, das verrät er uns nicht.
Er dankt uns dafür, dass wir so eine tolle Reisegruppe waren. Viele von uns haben für ihn und den Busfahrer noch Trinkgeld in Briefumschläge gesteckt – meistens mit ein paar persönlichen Zeilen darüber, wie zufrieden wir waren.Vor dem Flughafen in Antalya heißt es Abschied nehmen von H…. Traurig sind wir schon, auch wenn wir erst mal beschäftigt sind mit Einchecken. Die Koffer werden durchleuchtet auf dem Flughafen, unser Handgepäck wird sogar doppelt durchleuchtet. Gegen 6 Uhr fliegen wir mit Sun Express wieder nach Stuttgart – bekommen eine Mahlzeit und sehen den Film „Nachts im Museum 2“ ohne Ton. Ich lese ein Buch.
Nach 8 Uhr erreichen wir den Flughafen in Stuttgart – und nach 11 Uhr sind wir mit dem Zug an unserem Wohnort. Es ist immer noch kalt in Deutschland, kälter als in der Türkei – und wir sind müde. Wir sind allerdings auch gut gelaunt, denn die Reise hat uns gut gefallen.H. war ein toller Reiseleiter, der uns sehr viel erzählte und erklärte. Unser Bus war modern und sicher – und die Hotels waren gut.
Das Wetter war nicht immer gut – aber dafür kann der Reiseveranstalter nichts. Auch wegen der Preise für die Toilettenbenutzung und wegen der Verkaufsveranstaltungen will ich keine Sterne abziehen.Bleiben für mich also 5 Sterne für diese Südtürkei-Reise und eine Empfehlung!
Vielen Dank fürs Lesen und Bewerten!
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olsenbande 04.11.2011 17:47
Der Brilli ist durchweg verdient
Janny18 11.10.2011 19:53
Dana16w 27.08.2011 17:18
kleenerknuffi 14.04.2011 16:48
Verdientes Glitzersteinchen. Liebe Grüße, Bine.
Klares BH