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Erfahrungsbericht

für Türkei, Reiseerlebnisse
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3 Sterne Gastfreundschaft in der Türkei
67 von 67 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Eine schöne Sitte.

Kontra Es gibt keine Garantie.

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

negendank Seit 21 Nov 2003

Der Neuerwerb meiner Digitalkamera beschäftigt mich auf besondere Weise, denn Bilder haben ja... mehr

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Die Türken sind stolz auf ihre Gastfreundschaft. Das hat leider schon zu Mißverständnissen geführt und deshalb gebe ich eigene Erfahrungen weiter. Zu allererst gibt es keinen Rechtsanspruch auf Gastfreundschaft – weder in der Türkei noch in irgendeinem anderen Land auf der Welt. Deshalb ordne ich diesen Bericht unter den Reiseerlebnissen ein. Ja – falls man mal in die Lage kommt...?!

Die Ausnahme
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In der Türkei gilt es als menschenunwürdig, im Freien übernachten zu müssen. Es gilt sehr wohl als menschenwürdig, für ein Hotelzimmer zu bezahlen.

Nehmen wir mal an, der Fremde kommt auf ein Dorf, es ist schon dunkel und es befindet sich weit und breit kein Hotel in der Nähe. Ja dann und nur dann ist irgendjemand moralisch dazu verpflichtet, den Fremden bei sich unterzubringen. Meistens gibt es eine Diskussion darüber, wer dieser „jemand“ sein soll. Diese Art der Gastfreundschaft gilt genau für eine Nacht. Am nächsten Morgen wird man dem Fremden auf die eine oder andere Weise begreiflich machen, wie er weiterkommt.

Fälle dieser Art sind selten geworden. Sobald das Dorf eine Sehenswürdigkeit bietet, hat schon jemand eine Pension aufgemacht und solange in der Pension noch Zimmer frei sind, entfällt die Verpflichtung.

In die Lage kommt man am ehesten dann, wenn man sich verlaufen oder verfahren hat. Das wäre dann ein Dorf, das sich touristisch nicht lohnen würde. Am nächsten Morgen wird man freiwillig seinen Weg fortsetzen. Es gibt ja nichts Interessantes.

Persönliche Sympathie
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Auch in der Türkei sind Sympathien individuell unterschiedlich verteilt. Jeder sucht sich seine Freunde selbst aus. Es ist jedoch richtig, daß ein Türke seine persönliche Sympathie durch Gastfreundschaft unterstreicht.

Die besten Chancen hat ein Reisender, der türkisch gelernt hat, öffentliche Verkehrsmittel nutzt und auf die Weise eine Rundreise unternimmt. So bekommt er nämlich die maximale Anzahl von Gesprächspartnern und da kann schon einmal der Richtige dabei sein. Diese Beschreibung trifft auf mich zu und deshalb habe ich einschlägige Erfahrungen.


Dabei gelten einige Spielregeln. Der Gastgeber entscheidet darüber, wieweit die Gastfreundschaft reicht.

Muß man sich revanchieren?
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Wenn der Gast Wünsche äußert, dann darf der Gastgeber im Gegenzug auch Wünsche äußern. Es gibt einen Trick bei der Sache. Ich tue nach außen hin so, als ob ich wunschlos glücklich sei. Das stimmt zwar nicht, doch muß ich dem Gastgeber meine Wünsche ja nicht auf die Nase binden. Dann muß ich mich für nichts revanchieren.

Sonst schon und dann sagt mir der Gastgeber ganz genau, was er als Gegenleistung möchte. Das kann alles bedeuten. Entweder eine Leistung in dem Sinne, daß ich für den Gastgeber arbeite. Oder ein bestimmtes Geschenk, wobei der Gastgeber ganz genau sagt, was das sein soll. Oder ein verlorener Kredit. Der Gastgeber „leiht“ sich von mir Geld, wobei ich genau weiß, daß er das Geld nie wieder zurückzahlt. Das steht keineswegs im Widerspruch zur Sympathie. Auch unter Freunden gilt das Prinzip von Leistung und Gegenleistung. Nun tue ich so, als ob mir die materiellen Dinge völlig unwichtig wären. Ja dann steht allein der Mensch im Mittelpunkt und dann darf ein Türke auch keine Forderungen stellen. Dafür sagt er mir, wann der Tag meiner Abreise gekommen ist und an dem Tag muß ich wirklich weiterreisen.

Auch deshalb verbessern sich die Chancen auf einer Rundreise. Wenn ich dem Türken sage, daß ich überhaupt nur eine Nacht bleibe, dann muß er sich nicht viele Gedanken machen. Sonst müßte er das Maß seiner Sympathie in eine Anzahl von Übernachtungen umsetzen. Es gibt Leute, die damit ein Problem haben.

Die türkische Wohnung
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Diese gliedert sich in zwei Teile. Es gibt einen Männerteil und einen Frauenteil. Was passiert, wenn jemand unerlaubt die Grenze überschreitet? Ein Mann bezieht Prügel und eine Frau wird sexuell belästigt.

Selbst Eheleute können sich das Betreten ihres Teils gegenseitig verbieten. Das hängt von der Qualität ihrer Beziehung ab. Dabei ist die Frau in der Regel die Schwächere. Ja, wenn sie die Kraft hat, um ihren Mann zu verprügeln, dann kann sie ihren Teil für sich haben. Das schaffen die wenigsten. Und umgekehrt. Wenn die Frau in den Männerteil kommt, dann kann ihr der Mann zwischen die Beine greifen. Das muß er nicht tun und wenn er ein guter Ehemann ist, dann wird er seinen Sex auch anders bekommen. Okay, unter Eheleuten ist das manchmal etwas locker.

Unter Fremden und ganz besonders bei der Einladung ausländischer Gäste ist das jedoch sehr streng. Wenn ein türkischer Mann eine ausländische Frau zu sich ins Haus bittet, dann sollte schon das Alarmglöckchen klingeln. Er bringt sie nämlich in den Männerteil und dort kann er mit ihr machen was er will. Eine Frau darf annehmen, daß sich diese Art der „Gastfreundschaft“ mit sexuellen Absichten verbindet.

Wenn dagegen eine Frau eine andere Frau einlädt, dann ist das völlig harmlos.

Nun bin ich ein Mann und werde von einem anderen Mann eingeladen. Natürlich weiß ich nicht, wie der seine Wohnung einteilt. Es kam schon vor, daß ich versehentlich die falsche Tür genommen habe und fast ins Frauengemach gelaufen wäre. In so einem Fall werde ich ersteinmal unmißverständlich verwarnt. Diese Warnungen habe ich sehr ernst genommen. Wenn nicht, dann wäre Gewalt noch das kleinere Übel. Ein Türke erzählt von dem Vorfall und dann wäre ich absolut das Charakterschwein und könnte mich an so einem Ort nie wieder blicken lassen. Soweit habe ich es nie kommen lassen. Das Frauengemach ist auf türkisch immer noch der Harem. Wenn ein fremder Mann dort eindringt, dann ist aber richtig der Teufel los! Das wäre einer der schlimmsten Fehler, die man in der Türkei überhaupt machen kann.

Wegen der Zweiteilung von Wohnungen wäre es praktisch, wenn es auch zwei Eingänge gäbe. In älteren Häusern ist das auch so. Männer und Frauen haben jeweils für sich einen Eingang. Leider herrscht katastrophaler Wohnungsmangel und vor allem die Ärmeren haben eine sehr kleine Wohnung, die nur einen Eingang zuläßt. Dann gibt es eine Notlösung. Der Mann erklärt seine gesamte Wohnung zum Harem. Dann darf er sicher sein, daß seine Frau keine Männer in die Wohnung läßt. Eine Türkin ist normalerweise so erzogen, daß sie es von sich aus nicht tun würde.

Vor vielen Häusern steht eine Bank neben dem Eingang. Diese Bank soll den fehlenden Männerteil ersetzen. Ein männlicher Tourist kann tatsächlich dazu eingeladen werden, sich auf diese Bank zu setzen. Im äußersten Notfall kann er darauf schlafen. Ich halte das für unbequem und nehme mir lieber ein Hotelzimmer.

Gut zu wissen: es gibt Wohnungen, die als Ganzes Harem sind, weil die Frau sonst nicht einmal zur Tür hinaus könnte. Oftmals gibt es Sitzgelegenheiten draußen und ein männlicher Gast muß sich damit zufrieden geben.

Sitten und Gebräuche
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Im Prinzip entscheidet der Hausherr darüber, was ein Gast darf oder nicht darf. Es gibt aber Dinge, die in der Türkei sehr einheitlich gehandhabt werden.

Vor dem Betreten einer Wohnung zieht man seine Straßenschuhe aus und läßt sie vor der Haustür stehen. In der Wohnung zieht man stattdessen Pantoffeln an. Das liegt vor allem an der Verwendung kostbarer Teppiche, die nicht beschmutzt werden sollen. Das gilt natürlich nicht für den Tagelöhner in der Lehmhütte. Dem dürften die Schuhe egal sein. Dafür ist die ganze Hütte ein einziger Harem und als Mann kommt man ohnehin nicht hinein.

Zur Begrüßung gehört unbedingt ein Glas Tee. Das ist ein gesellschaftliches Muß. Es wäre schon sehr unhöflich, das erste Glas abzulehnen. Man wird allerdings gefragt, ob man einen weiteren Tee möchte und weitere Fragen darf man mit ja oder nein beantworten. Mir wurde mehrfach gesagt: wenn ein Mensch einen anderen einlädt und keinen Tee anbietet, dann ist er kein Türke. Okay, es gibt auch nationale Minderheiten, die es vielleicht anders machen. Sonst muß man immer mit Tee rechnen.

Zur ordentlichen Begrüßung gehört auch ein Duftwasser. Das riecht entweder nach Rosen oder nach Zitronen oder nach einer Mischung aus beidem. In einem heißen Land könnte der Fremde ja geschwitzt sein und man möchte andere nicht mit seinem Schweißgeruch belästigen. Es gehört sich einfach, daß man dieses Duftwasser auch annimmt.

Alkohol ist in der Türkei nicht verboten. Der Genuß alkoholischer Getränke gilt allerdings als Männersache und es wäre schon sehr ungewöhnlich, wenn ein Türke in Gegenwart von Frau und Kindern trinkt. Alkohol wird meistens in Form von Rakı getrunken und dazu gibt es spezielle Lokale, in denen man nur Männer unter sich sieht. Wenn der Gast von sich aus den Wunsch nach Alkohol äußert, dann muß er auch bezahlen. Vielfach läßt sich der Gastgeber selbst einladen.

Mit dem Rauchen verhält es sich wie bei uns in Deutschland. Der Hausherr entscheidet.

Oftmals wird man zur Übernachtung eingeladen und sieht keinerlei Betten. In der Türkei geht das viel einfacher. Es gibt einen großen Schrank. Darin befinden sich Bettzeug und Matratzen. Diese werden einfach auf den Boden gelegt. Es muß jeder selbst wissen, ob er sich darauf wohlfühlt.

Falls man ein richtiges Bett will, dann wäre das ein Grund, um in einem anständigen Hotel zu übernachten.

Übrigens gibt es nur zwei Dinge, die man nicht ablehnen darf: den Tee und das Duftwasser. Alles andere darf man sehr wohl ablehnen.

Nun möchte ich noch einen weiteren Punkt erwähnen.

Nachbarschaftshilfe
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Diese wird hauptsächlich von Frauen organisiert. Sie laden sich nicht nur gegenseitig ein, sondern sie helfen sich auch gegenseitig bei der Hausarbeit. Oftmals kochen sie gemeinsam und verteilen das Essen auf mehrere Familien.

Einmal erlebte ich einen Glücksfall. Innerhalb von 30 Minuten stellte die Hausfrau 20 verschiedene Gerichte auf den Tisch. Das konnte sie nur schaffen, weil ihr Nachbarinnen geholfen hatten. Nun hatte ich die völlige Freiheit, nach meinem persönlichen Geschmack zu entscheiden. Also bediente ich mich aus Schüsseln, die schon einmal sehr lecker aussahen. Die gesamte Menge hätte ich ohnehin nicht geschafft und das war auch nicht vorgesehen.

Wenn die Frauen so zusammenarbeiten, dann ist das eine schöne Sache. Das klappt aber nicht immer. So war ich einmal bei einem anatolischen Bauern zu Gast und der hatte nur zwei Dinge anzubieten: Fladenbrot und Tomatensuppe. Da kann man auch einmal Pech haben. Gegessen wird das, was auf den Tisch kommt. Wenn der Fremde nicht essen will, dann kann er es ablehnen. Tja – dann bleibt der Mensch eben hungrig.

Bei der türkischen Gastfreundschaft ist genau das ein Risiko. Als Ausländer weiß man nie im Voraus, ob und wieweit die Frauen ihre Nachbarschaftshilfe im Griff haben. Manche können das sehr gut. Manche überhaupt nicht.

FAZIT

Ich wollte mal auf den Fall eingehen, daß jemand in die Türkei reist und in den Genuß dieser Gastfreundschaft kommt. Dabei wollte ich vor allem darauf hinweisen, daß bestimmte Regeln gelten, die unbedingt eingehalten werden müssen.

Da ich mehrfach eingeladen war, weiß ich auch, daß die Qualität dieser Gastfreundschaft vom persönlichen Willen des Gastgebers abhängt. Das Spektrum meiner Erfahrungen reicht von Null bis fünf Sterne. Die fünf-Sterne-Gastfreundschaft wird wahrscheinlicher, wenn man gar nicht so lange bleiben möchte. Dafür muß man eine bittere Pille in Kauf nehmen. Man reist genau dann ab, wenn es am besten geschmeckt hat. Da kann man seinen Gastgeber mit Lob überschütten. Das war ja wirklich super – leider leider muß ich jetzt weg, denn mein Urlaub ist zu Ende und ich muß mich mal wieder bei meinem Arbeitgeber blicken lassen.

Deshalb gebe ich den mittleren Wert von drei Sternen. Und eine Empfehlung: wenn man in die Lage kommt, kann man das ruhig einmal testen.

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Kommentare

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  • yesup 08.01.2012 20:15
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Londonfootball 03.06.2007 17:12
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • skyfly777 09.11.2005 23:01
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Was den Tee, (Chai) betrifft, so habe ich den immer abgelehnt, aber nur, weil ich mich statt dessen für einen Raki entscheiden konnte, was ich dann mit Begeisterung getan habe. Übrigens, mit Fladenbrot und Tomatensuppe wäre ich vollkommen zufrieden gewesen! :-) LG Gabi

  • C3PO-oh 30.10.2005 12:04
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • mozarteum 30.10.2005 10:40
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    interessante einblicke ... .-) ... lg mozarteum

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