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Pro imposanter Kuppelbau
Kontra siehe Text!
Schaut sie euch an auf dem Foto, die Mole Antonelliana mit ihrem kolossalen Kuppeldach und dem Turm noch obendrauf!
Um ganz ehrlich zu sein: Meine Turin-Tour in diesem Frühjahr habe ich Klaus-Alfred zu verdanken, der in seinen Berichten so anschaulich über diese Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten geschrieben hat, dass meine Neugier geweckt war!Jedes Jahr starte ich zu einer Tour in eine Stadt, die mir interessant erscheint. Meistens – das gebe ich hier ja zu – sollte diese mich anziehende Stadt auch ein berühmtes Opernhaus haben, das ich dann natürlich auch besuchen kann. Turin allerdings hat das nicht. O ja, ein Opernhaus hat sie schon, aber keines, das mich wirklich „angezogen“ hätte. Gleich vorweg: Ich hab es bei meinem Besuch auch nur von außen gesehen.
Turin als Städteziel ist, so glaube ich wenigstens, für uns Deutsche nicht so angesagt. Man nimmt die Stadt vielleicht während einer Fahrt durch das Piemont so nebenbei auch mit, aber „nur nach Turin?“ So habe ich auch in Deutschland keinen speziell für Turin geltenden Städteführer finden können, sondern lediglich im Zusammenhang mit z.B. dem Piemont. Deshalb musste ich mich mit einem englischen begnügen.Klaus-Alfred hat die berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Turin vortrefflich beschrieben, deshalb beschränke ich mich auf das Wahrzeichen der Stadt, die Mole Antonelliana.
Was das ist? Anfangs fragte ich mich das auch, und als ich es sah, wusste ich es immer noch nicht. Ich glaubte an eine Kirche, weil das Gebäude immerhin mit 167,5 m über alle anderen Gebäude hinausragt, und welch anderes Bauwerk hat schon einen so in den Himmel ragenden Turm? So ganz falsch lag ich mit meiner Annahme auch nicht, aber davon gleich nähere Einzelheiten.Insgesamt war ich vier Tage in Turin, sah die Mole Antonelliana jeden Tag, aber sie reizte mich nicht, sie näher zu betrachten. Es gibt in Turin so unendlich viel Interessantes und Schönes zu sehen, so dass ich mit diesen anderen Dingen vollauf beschäftigt war. Am letzten Tag dann schlenderten wir noch einmal die Via Po hinab, bogen in die Via Montebello ab und standen dann sehr schnell vor dem eigenartigen Gebäude mit seinem riesigen Turm, auf dem obendrauf noch einmal ein Turm steht. (Alle Architekturbeflissenen mögen mir diese Ausdrucksweise verzeihen, aber ich empfand den Turm schon von weitem als Turm mit Turm.) Und da sie nicht etwa solo auf einer großen Piazza steht, sondern umgeben von anderen Häusern, musste ich ganz schön den Kopf in den Nacken legen, um die Spitze des steinernen Prachtbaus auszumachen.
Inzwischen hatte ich mich natürlich ein bisschen mit dem Gebäude und seiner Geschichte befasst, so dass ich auch neugierig geworden war.Mit meinem Gedanken an die Kirche lag ich gar nicht verkehrt, denn der pavillonartige Bau war ursprünglich als Synagoge geplant, dann aber von der jüdischen Gemeinde abgelehnt und von der Stadt übernommen worden.
Zurück zu den Anfängen: Die jüdische Gemeinde betraute 1860 den schon sehr bekannten Architekten Alessandro Antonella mit dem Bau einer Synagoge in der Stadt, und da der Bauplatz ziemlich klein und eng war, sollte Antonella von vornherein in die Höhe bauen, was er dann auch tat.1863 wurde mit dem Bau begonnen, der allerdings erst 1888 vollendet wurde. Die riesige Kuppelkonstruktion gilt bis heute als das Äußerste, das in traditioneller Bauweise ohne Eisenbeton hergestellt werden kann. Die gewaltigen Ausmaße der Kuppel konnte Antonella erreichen, indem er die ziegelgemauerten Wände mit Lisenen verstärkte und dadurch bei einer verhältnismäßig großen Leichtigkeit eine hohe Stabilität erzielte. Mit einer Höhe von 167,5 m war die Mole bei ihrer Fertigstellung 1888 das höchste Gebäude der Welt. Bis heute – so habe ich gelesen – ist die Mole immer noch das höchste in Ziegelmauertechnik ausgeführte Bauwerk der Welt.
Der Baustil ist nicht so ganz rein; ein bisschen Neoklassizismus, ein bisschen Neogotik und viel Fantasie.Wie anfangs gesagt, war das Bauwerk geplant als Synagoge, aber als Synagoge ist es nie genutzt worden. Wegen der immensen Baukosten kam es zwischen dem Architekten und der jüdischen Gemeinde zum Streit, so dass sich die Bauherren vom Architekten trennten, aber dafür die Stadt einsprang, so dass Antonella weiterbauen durfte und konnte und immer weiter in den Himmel zu bauen schien. 1888 war der Bau dann endlich fertig.
Was sollte nun die Stadt mit dem gigantischen Gebäude anfangen? Sie errichtete 1895 ein Museum des Risorgimentos (im 19. Jh. die italienische Einigungsbewegung).Und heute ist das von allen Punkten der Stadt zu erblickende Bauwerk wieder ein Museum, das italienische Filmmuseum, das von den Anfängen des italienischen Films bis in die Gegenwart in liebevoller Detaildokumentation hochinteressante Einblicke gewährt.
Filmgeschichte interessiert mich auch, und das war auch der Grund dafür, mich in einer ziemlich langen Menschenreihe vor der Kasse anzustellen. So viele Menschen wollten ins Filmmuseum? Ich war erstaunt, merkte dann aber etwas später, dass nicht die Filmgeschichte die Menschen hier so interessierte, sondern der gläserne Aufzug, der bis in die Kuppel zu einer großen Aussichtsplattform hinaufführt. Auf die Stadt Turin wollte ich nun auch sehr gern hinabgucken, zumal herrlicher Sonnenschein die Luft ziemlich klar machte und damit die Chance gestiegen war, die schneebedeckten Berge der Alpen am Horizont sehen zu können.Die Aufzugauffahrt hat sich allemal gelohnt. Für mich war es ein Erlebnis, in einem gläsernen Kasten ohne Aufzugschacht an riesigen Stahltrossen in die gigantische Kuppel gezogen zu werden. Und die Aussicht von dort oben auf die Stadt war ebenfalls gigantisch!
Meine Zeit war ziemlich eingeschränkt, da ich am Nachmittag schon wieder zum Flughafen musste, aber unbedingt noch einen Gang durch das Filmmuseum machen wollte.Unten angekommen, merkte ich erst, wie warm es inzwischen geworden war. Beim Weggehen musste ich immer wieder zurückschauen auf dieses gewaltige Gebäude, zu dem ich nun durch den Besuch ein etwas „freundlicheres“ Empfinden gewonnen hatte. Ich persönlich mag mich mit der Spitze auf der Kuppel (dem Turm auf dem Turm) nicht so sehr anfreunden: Er „kratzt mir allzu sehr an den Wolken“, und ich empfinde diesen schlanken Turm oben auf dem gewaltigen Kuppeldach einfach zu sehr „aufgesetzt“.
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Lambertus2008 22.10.2008 10:51
Traumelfenkind 28.02.2008 21:47
semper_ad_maiora 30.10.2005 03:39
Ich bin aus Turin und habe dein Kommentar ganz schoen und interessant gefunden...und natuerlich freue mich, dass meine Stadt dir gut gefallen hat! Ciao!
surround999 17.09.2004 16:27
Gothicman1 17.09.2004 12:02