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Erfahrungsbericht

für Tryp Atocha, Madrid
2 Sterne Es gibt Hotels, die gibt es gar nicht. Bericht mit Bildern
1086 von 1086 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Nein

Pro Zentrale Lage, nettes Personal

Kontra Kalte Eier u.v.m.

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Service
Essen & Trinken
Atmosphäre
Sauberkeit
Behindertenfreundlichkeit

Der Autor

jaros Seit 9 Aug 2002

bitte unbedingt lesen: "Eine Welt ohne Geld " von raccoonX mehr

440 Mitglieder vertrauen mir

Zum Beispiel das "Tryp Atocha" in Madrid, das ich vom 19.09.2010 bis 24.09.2010 mit meiner Frau besucht habe.

Die ganze Reise hat sie wieder mal organisiert, d. h. im Internet gesucht, Preise verglichen und bei Otto Reisen, das als Vermittler für Glauch Reisen agiert, gebucht. Der Preis muss auch erwähnt werden, 987 Euro für den Hin- und Rückflug mit Germanwings ab Köln/Bonn, 5 Übernachtungen mit Frühstück in dem 4-Sterne-Hotel „Atocha Tryp“ und Reiseversicherung. Jaaa, Madrid ist teuer.

Meine Aufgabe bei solchen Städtereisen ist der „Reiseüberbau“ in Form vom Raussuchen, Ausleihen in meiner einmaligen Siegener Stadtbibliothek von Reiseführern. Ich muss sie dann natürlich lesen und das Interessanteste als Vorschlag für unsere Minireisegruppe (2 Personen) machen.

Das Hotel haben wir leicht gefunden. Der Weg führte über unendliche Korridore des Madrider Flughafens, über sehr viele Treppen, davon manche keine Rolltreppen der U-Bahn. Nach zweimaligem Umsteigen (Nuevos Ministerios und Tribunal), waren wir da, Metrostation Atocha, wirklich nur ein paar Schritte vom Hotel entfernt. Und die ganze Fahrt kostete 2 Euro pro Person. Also billiger bin ich noch von keinem Flughafen in eine Stadt gekommen.

Das Hotel steht an einer belebten Straße, Calle de Atocha, 83,
aber welche Straße in Madrid ist nicht belebt? Das ist eine andere Frage. Es gibt keine Straße, Gasse, was auch immer ohne mindestens zehn Kneipen und genauso viele kleine Lebensmittelgeschäfte. Etwas komisch fühlte ich mich, als ich realisierte, dass es nicht weit von dem Atocha Bahnhof steht, der Ort des schrecklichen Terrorakts war.

Während ich einchecke, erzähle ich, warum ausgerechnet Madrid. Also sagen wir, mein Hobby ist es, europäische Hauptstädte zu besichtigen, und das Museum Prado stand schon ziemlich lange auf meinem Wunschzettel.
Ehrlich gesagt, wer will schon nach Madrid? Was weiß man über diese Stadt? Tja, der Stierkampf? Ja. Interessiert mich aber aus ethischen Gründen nicht die Bohne.
Das Leben tobt in Madrid, das macht diese Stadt aus.

Ok, auf vielfachen Wunsch erzähle ich etwas wie ich eingecheckt habe. Ich sagte meinen einstudierten Satz: He reservado una Habitation. Die zungengepiercte nette Empfangsdame hörte mir aufmerksam zu, als wäre ich ein Schuljunge, und nickte zustimmend, wie eine gute Grundschullehrerin. Dann sprach sie aber… auf Spanisch, komisch, nicht? Irgendwas von desayuno (Frühstück). Und ich fast panisch, no, no, no spain porfavor, und sie, ok. Weiter ging es auf Englisch. Also Frühstück von 7:30 bis 10:30 Uhr.
"Unser Hotel hat 150 Zimmer, gehört zur Kette Sol Melia.
Teléfono de reservas: 01-802-12 17 23. Es liegt nur einige Gehminuten von dem Museo Thyssen-Bornemisza und Museo del Prado sowie des wunderschönen Plaza Mayor entfernt."

Nein, das hat sie nicht mehr gesagt, ich habe sie hier nur sprechen lassen, weil man attraktiven Frauen besser zuhört, und außerdem habe ich hier auf diese Weise einige trockene Fakten untergebracht, ha, ha.

Jetzt müssen wir den Aufzug finden, da sich unser Zimmer im fünften Stock befindet. Das war eine Weltreise: Es dauerte „eineminutefünfundzwanzig“ bis wir vor dem Lift standen. Das Hotel ist so verwinkelt, dass man am Ende glaubt, nicht das Zimmer, sondern die Grabkammer von Tutenchamun erreicht zu haben. Für Rollstuhlfahrer gibt es zahlreiche Rampen, die die Überwindung vieler Treppen ermöglichen.

Das Gebäude stammt angeblich aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Es ist schon ein stattliches Gebäude, sieben Stockwerke hoch. Die Lobby macht einen ordentlichen Eindruck, viel Marmor und Stuck, Ledersofas und Sessel, Internetecke.

Da sind wir. Dir Tür öffnet sich mittels einer Magnetkarte. Und… hier fängt das Abenteuer an. Die nächste Folge kommt nächste Woche um die gleiche Zeit. Da ich meine Leser nicht so lange warten lassen kann, geht es sofort weiter.

Die Überraschung ist dem Hotel gelungen. Ich vergebe ihm sofort den Preis für das schlechteste 4-Sterne-Hotel, das ich bis dato gebucht habe. Und hier, meine Damen und Herren, die Begründung des Preiskomitees:

Numero 1:

Die Möbel, ganz schön verwohnt, brauner Hochglanz, so ziemlich 70er Jahre mäßig.
Punkt 2.

Schmutzige Wände. Vielleicht hat sie ein Rockstar mit Schuhen beworfen? Wenn dem so wäre, könnte die Hotelleitung eine entsprechende Infotafel neben den Flecken anbringen. Dann hätte ich nicht zu meckern. Müsste aber wahrscheinlich einen Aufpreis für das besondere Zimmer bezahlen, also doch lieber nicht.
=== Randziffer 3 ===
Abstehende Fußleisten an den Wänden und dem Einbauschrank. Wenn man zu nahe dran gestanden hätte, hätte man sich sogar verletzen können.
=== Ziffer 4 ===
Schimmel im Badezimmer. Lecker, lecker. Genau gesagt, waren die Fugen der Badewanne betroffen. Das Bad hat also trotz Fenster Schimmel gefangen. Von dem Fenster hatten wir auch kein Nutzen, da wir nicht exhibitionistisch veranlagt sind. Unsere Innenhofnachbarn hätten dann viel zu gucken gehabt. Es könnte aber ein ganz netter Raum daraus werden, da gänzlich verfliest mit Marmor- oder Marmorähnlichen Platten.
=== Keine Idee was ich hier schreiben soll, also einfach 5 ===
Eine funzelige Leselampe am Bett mit stolzer 8-Watt-Leistung war dem Lesevergnügen nicht dienlich und hat den Namen nicht verdient.
6

Befleckte Matratze in meinem Bett. Der Fleck schimmerte munter durch das Laken durch. Sorry, ich habe das Foto leider gelöscht. Auf solche Andenken verzichte ich gern.
7

Der Zimmerkühlschrank - wie vom Sperrmüll - machte einen unordentlichen Eindruck. Die sogenannte Minibar bestand aus einem Mars-Schokoriegel. Punkt. Dazu die üblichen Getränke in Dosen, 2 Euro pro Dose.
8

Der Blick aus dem Fenster. Das war der Hammer. Ein „toller“ Innenhof. Ich denke, Gefangene haben vielleicht einen besseren Blick. In einem Reisebericht habe ich gelesen, dass man in diesem Hotel die Zimmer von der Innenhofseite bevorzugen sollte, da es ansonsten sehr laut von der Straße wird.
Ich glaube, das wäre nicht wirklich schlimm. Ich könnte das Straßenleben wenigstens genießen. Dazu muss ich noch sagen, dass inmitten des Quasi-Innenhofes (wir waren schließlich im fünften Stock) die Bedachung einer Anlage stand, die ein Aufzug oder eine Klimaanlage hätte sein können. Weiß ich nicht, es war aber laut.
9

Im Zimmer selbst war es auch nicht leise. Gegen Mitternacht lärmte die Hotelklimaanlage, die mit einem Rumoren startete und mit einen Gepolter ihren Arbeitzyklus beendete.
=== 10 ===
Das Hotelzimmer verfügte über einen innovativen Rauchmelder, mit einem blinkenden roten Licht. Gepaart mit dem Punkt 9 machte das das Einschlafen zu einen unvergesslichen Erlebnis. Alpträume vorprogrammiert.
11

Das Hotel hat keinen Fitness-, Wellness-, Sauna-, Schwimmbadbereich. Das einzige, was es für die Fitness tut, ist eben seine Verwinkelung, die zu viel laufen zwingt.
Auch sonst keine Infomappe. Das einzige in dieser Art war ein Kugelschreiber mit dem Hotelwerbeaufdruck in Folie original verpackt. Als ob jeder Hotelgast geil auf dieses Zeug wäre. Pfff!!!
Also ich muss sagen, er liegt ziemlich gut in der Hand, der spanische Kuli in meiner d0eutschen Schreibstube. Lol.
=== 12 ===
Ein kleiner Röhren-Fernsehapparat, schlecht eingestellt, dadurch kein guter Empfang. An deutschen Sendern gab es ARD, VOX, RTL. Es reicht. Im Urlaub gucke ich lieber Fernsehen des jeweiligen Landes. Radiosender gab es keine im Angebot.
Das Zimmer

an sich war eigentlich nicht klein. Sauber im Sinne gereinigt war es auch, kann ich nicht sagen. An zentraler Stele das Bett natürlich mit zwei Nachttischen. Ein Minischreibtisch mit einem Stuhl für zwei Personen, der Fernseher auf einem Kühlschrank in einem Schrank und der Einbauschrank sind schon das ganze Mobiliar. An weiteren Besonderheiten gab es noch ein Badezimmer mit Badewanne und Bidet. Nicht zu vergessen - einen Telefonapparat gab es dort auch. Ich frage mich nur wozu? Luxusausstattung für ein 4-Sterne-Hotel? Als Cremeseite und Duschbad gab es zwei Spender mit der Marke Lux darin. Als Begrüßung gab es Pröbchen von L´Oreal Paris.

Die Wertsachen konnte man in einem Safe im Schrank verstecken. Die Kleiderbügel im Schrank noch ganz altmodisch, ohne den Haken, also diebstahlsicher. Es gab keine ordentliche Decke für das Bett, nur ein dünne. Zum Glück war es warm im September, so dass ich ohne eine Decke schlafen konnte.

Frühstück


Gut, ich beende die Aufzählung, weil ich Hunger bekam. Es ist Zeit zum Frühstück. Der Frühstücksraum ist nicht allzu groß, es stehen Tische sogar im Eingangsbereich. Es zieht aber wie die Hechtsuppe, also verzichten wir auf ein 2-Personen Tischlein und setzen uns an eins für vier Gäste. Ich habe nämlich gelesen, dass es in Spanien unschicklich ist, sich zu jemandem zuzusetzen. Ich spekuliere aber auch weiterhin, dass die anderen Hotelgäste das wissen und am besten, wenn sie selbst Spanier sind. Sie kennen schließlich ihre Landesbräuche. Smiley.

Meistens war der Frühstücksraum gut gefüllt. Einmal habe ich erlebt, dass manche Gäste in der angrenzenden Bar gegessen haben. Wenigstens gab es da echte Fenster. In dem Frühstücksraum gab es zwar welche, aber auch in Richtung Innenhof… Das Essen wurde schnell nachgeliefert. Was für Gäste habe ich in dem Hotel erlebt? Meistens ruhige, einige Rentnergruppen aus Deutschland, Italiener auch, Dänen. Businessleute mit den obligatorischen Laptops. Ich habe die ganzen 5 Tage kein Kind in dem Hotel erlebt. Na gut, Ferien gab es keine, aber überall in Europa?

Das Büffet


war wirklich reichlich. Es gab gute Rühreier, heiße Würstchen und Bacon, Kartoffelomelett, mehrere Wurst- und Schinkensorten, Lachs. Dazu portioniertes Müsli in mehreren Geschmacksrichtungen, viele Käsesorten, sogar echter Mozzarella. Außerdem Croissants, Kuchen, Teilchen. Nur die kalten gekochten Eier haben mich gestört. Das waren keine Partyeier, die sind wenigstens bunt. Nein, ganz einfach erkaltete Hühnereier. Musste das sein? - frage ich mich.
Nun zum Obst: Äpfel, Birnen, Pflaumen und Orangen als Frischobst. In kleinen Schälchen wurden Melonen, Wassermelonen und Weintrauben in Stückchen serviert. Joghurt in mehreren Sorten gab es auch. An Gemüse lediglich Tomaten.
Es gab sogar die madrilene Spezialität, Chocolate con Churros (Schmalzgebäck), aber ohne die dickflüssige heiße Schokolade. Kaffee gab es in Kännchen am Tisch, oder Espresso aus zwei Automaten und koffeinfrei als Pulver. Es gab auch automatische Orangenpresse. Mehrere Saftsorten. Mineralwasser meistens ohne Kohlensäure. Milch kalt und warm, Sojamilch gab es auch.

Besonders geschmeckt und gefallen haben mir diverse kleine Brötchen, die man aufknacken musste, um in das weiche Innere vorzudringen. Toastbrot gab es jede Menge, Baguetten auch, aber das Aufschneiden von solchem Gebäck fand ich in diesem Hotel unhygienisch. Man musste sie nämlich mit bloßer Hand aus einem Behälter holen. Konfitüren gab es einige Sorten, auch als Diätversion in verpackten Portionen. Honig genauso. Mangelware war Schokocreme. Nur am ersten Tag habe ich welche gesehen. Gerne genommen wurde auch Olivenöl fürs Brot. Butter und Margarine genauso. Rosinen und trockene Aprikosen für Müslifan. Nur unser gutes deutsches Brot wurde nicht angeboten. Smiley.

Fazit, auf Spanisch: resultado


Zentrale Lage, nettes Personal (Dienstmädchen mit stilvollen Schürzen, Kellner in einer Art Frack), gutes Frühstück, impossantes Gebäude mit einer tollen Fassade - das spricht für das Hotel. Das absolut katastrophale Zimmer – dagegen. Für mich ist das kein 4-Sterne-Hotel. In dem jetzigen Zustand: absolut überteuert.

Bilder

für Tryp Atocha, Madrid
P1030074[1] - Tryp Atocha, Madrid
Mars, so einsam...
von jaros jaros
P1030074[1] - Tryp Atocha, Madrid

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Kommentare

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  • waugl 02.06.2012 13:53
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • dortmunder2012 01.06.2012 21:46
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Zeitzeuge16 30.05.2012 21:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Carolaiin 29.05.2012 21:06
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Schreckse42 29.05.2012 20:31
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    SH trotz - oder gerade wegen - des Igitt-Faktors. Sehr guter Bericht!

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