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Erfahrungsbericht

für Trient, Italien
4 Sterne Italien für Einsteiger
50 von 50 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro nette Stadt

Kontra nicht besonders aufregend

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

MALUSE Seit 21 Sep 2002

------ Eine Ciao Umfrage hatte in dem Abschnitt 'höchster Bildungsabschluss' auch die Option... mehr

16 Mitglieder vertrauen mir

Sie denken daran, nach Italien zu reisen und endlich eines der Lieblingsländer der Deutschen kennen zu lernen? Wenn Sie Schockbehandlung mögen, fliegen Sie direkt in den Süden, nach Neapel oder Palermo, und werfen Sie sich dort ins Straßenleben, wenn Sie es jedoch lieber etwas gemächlicher hätten, wäre es vielleicht eine gute Idee, die Entdeckung des Landes in Trento (,Trient' auf deutsch, ich werde aber im folgenden Text den italienischen Namen benutzen) zu beginnen, etwa 140 km südlich der österreichisch-italienischen Grenze gelegen.

Es ist die erste ,richtige' italienische Stadt, Südtirol, wie die Deutschen die Gegend zwischen Brenner und (ungefähr) Bozen nennen, ist mehr österreichisch geprägt, was durch die Geschichte bedingt ist, sie wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg Teil Italiens. Viele Menschen dort sind zweisprachig, wer in den Staatsdienst will, muss eine (nicht einfache) Prüfung in Deutsch und Italienisch ablegen.

Das Tal des Flusses Adige (deutsch: Etsch), an dessen Ufern die Stadt Trento liegt, ist seit prähistorischen Zeiten besiedelt, eine der Hauptrouten des Bernsteinhandels führte hier hindurch. Die Römer bauten Straßen hier (die Römer bauten überall Straßen!), so dass die Legionen bequemer gen Norden ziehen konnten, um die transalpinen Gebiete zu erobern, im ersten Jahrhundert vor Christus gründeten sie ,Tridentum'.

Die Stadt hatte ihre Blütezeit im 16. Jahrhundert, bis dahin herrschte die gotische Architektur vor, dann wurden Renaissance Bauten hinzugefügt und im 18. Jahrhundert kamen barocke hinzu, heutzutage findet man eine Mischung dieser Stile zusammen mit Bauten der modernen Zeit, die jedoch selten gleich eindrucksvoll oder schön sind. Trento hat jetzt etwa 106 000 Einwohner und ist die Hauptstadt der nördlichsten Region Italiens, die Trento-Alto Adige heißt. (Alto Adige: deutsch: Hochetsch)

Wir wollen unseren Rundgang am Bahnhof beginnen, Sie können ihr Gepäck dort aufgeben und dann dem Zeichen ,i' zur Touristeninformation in der Via Manci (etwa 150 m entfernt) folgen, wo es kostenlos einen sehr guten Stadtführer auf deutsch gibt. Der Stadtplan verzeichnet 19 Paläste reicher Familien in der Stadt selbst, vier davon kann man gleich sehen, wenn man aus der Touristeninformation heraus kommt und auf die gegenüber liegende Straßenseite guckt. Es sind nicht einzeln stehende Gebäude, sie sind vielmehr in die Häuserzeilen integriert, vor jedem Palast steht eine Informationstafel mit Informationen in italienisch, deutsch und englisch.

Alles ist ordentlich und blitzeblank in Trento, nach Meinung von Italienern aus anderen Teilen des Landes ist das eine Folge der österreichischen Vergangenheit Norditaliens. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage, die herausfinden wollte, wie die Einwohner einer Stadt mit der Infrastruktur und den Dienstleistungen zufrieden sind, schnitt Trento bestens ab, nirgendwo sonst waren die Einwohner zufriedener mit ihrer Stadt.

Die meisten Straßen haben Pflastersteine, die Gehwege sind mit rosa und grauen Granitplatten belegt, passen Sie auf, wenn sie nass sind, können sie rutschig sein! Wir wenden uns nach rechts und gehen durch die Gallleria dei Partigiani auf den Platz Piazza Cesare Battisti und dort ins Caffè Marchiodi (sonntags geschlossen), eines meiner zwei Lieblingscafés in Trento. Für den Cappuccino, die Kuchen, die Gebäckstücke (,brioche' genannt) würde ich nicht mein Leben geben, aber ich freue mich jedes Mal wieder auf die Gelegenheit, mich daran zu laben!

Gestärkt gehen wir nun durch die Via Simonino und werfen einen Blick in das Geschäft Frizzi e Lazzi (super Name!) auf der linken Seite, das Wachskerzen in den abartigsten Formen anbietet; niemand staunt mehr über Kerzen in der Form von Blumen oder Obst, aber haben Sie schon mal Kerzen in der Form von Süßigkeiten oder Parmesan-, bzw. Gorgonzolascheiben gesehen? Denken Sie sich was aus, Frizzi e Lazzi haben schon eine Kerze draus gemacht!

Wir sind jetzt im Herzen der Fußgängerzone, elegante und teure Geschäfte zeigen, dass Trento keine arme Stadt ist, allerdings finde ich, dass es für die Größe der Stadt eigentlich wenige Geschäfte gibt, in einer deutschen Stadt vergleichbarer Größe gibt es mehr. Jetzt nach rechts, bitte, in die Via Oriola, dort kommen wir an meinem zweiten Lieblingscafé vorbei, der Pasticceria Bertelli (montags geschlossen). Im Gegensatz zu dem, was sonst in Italien Sitte ist, kann man zuerst essen und trinken und dann bezahlen, anstatt sich zuerst einen Kassenbon (scontrino) an der Kasse zu holen, man findet das sonst nur in kleinen Bars in Dörfern.

Wenn wir am Ende der Straße nach links und gleich wieder nach rechts abbiegen, gelangen wir auf den Domplatz, der unweigerlich Touristen von nördlich der Alpen zu Entzückensschreien veranlasst; als ich das letzte Mal in Trento war und hinter einer Gruppe deutscher Touristen herging, erinnerte ich mich an meine Reaktion, als ich ihn vor vielen Jahren zum ersten Mal sah, er sieht so südlich aus, so italienisch! Nachdem ich nun fast das ganze Land kenne, weiß ich, dass er sehr nördlich aussieht für die Leute aus Süditalien, mehr österreichisch-deutsch als italienisch, ein weiterer Beweis dafür, dass alles relativ ist.

Östlich des Domes befindet sich der Palazzo Pretorio, einstmals die Residenz des Erzbischofs und jetzt das Diözesan Museum, das den Domschatz ausstellt (eine Besuch wert, wenn Sie Freude an feinen Gold- und Silberarbeiten haben). Die beiden anderen Seiten des Platzes flankieren Häuser mit Fresken auf der Fassade, drei Cafés laden die Touristen ein sich nieder zu lassen und den barocken Neptunbrunnen in der Mitte des Platzes zu bewundern, wenn Sie schon genug konsumiert haben, können Sie auch einfach auf den Stufen des Brunnens sitzen und das Leben auf dem Platz an sich vorbei ziehen lassen.

Der Domplatz ist die ,Gute Stube' von Trento, hier finden wichtige Ereignisse statt. Ich hörte - und sah - einmal eine Blaskapelle, die in Südtiroler Trachten Songs der Beatles spielte, ein unvergessliches Erlebnis, wie Sie sich vielleicht vorstellen können! Der Dom gefällt mir nicht besonders, das Innere ist gotisch, der Altar barock, es wirkt düster und uneinladend, eine der Kirchen, die man vergessen hat, sobald man wieder draußen ist.

Jetzt gehen wir wieder in die Via Manci, wo wir bei der Touristeninformation unseren Rundgang begonnen haben (ohne Kaffeepause brauchen wir dafür nur gut fünf Minuten), wir folgen der Straße, die leicht ansteigt und uns in wiederum fünf Minuten zum Stadtschloss Castello di Buonconsiglio (wörtlich: Schloss des guten Rates) führt. Es ist offen von 9-13 and 14-17.30 Uhr (montags geschlossen) und kostet 5 € (reduziert 2.50) Eintritt. Die Dauerausstellung zeigt eine reichhaltige Sammlung gotischer religiöser Kunst (wunderbare Madonnen mit Kind aus Holz), Kunstwerke aus Silber, Porzellan, Münzen, kunstvolle Kachelöfen, geschnitzte Holztruhen, die früher, vor der Erfindung von Kleiderschränken, zur Aufbewahrung von Kleidung dienten und eine Sammlung von Gemälden aus verschiedenen Epochen. Häufig finden im Schloss Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen statt.

Besonders empfehlenswert ist der Besuch das Torre Aquila (Adlerturm), in dem sich ein kleiner Raum befindet, dessen Wände mit gotischen Fresken bedeckt sind, die die zwölf Monate zeigen, jedes ,Bild' ist etwa 1x1,50m groß. Wunderbar, muss man gesehen haben! Wie lebte man so in feudalen Zeiten? Die Adligen amüsierten sich damit, in feinen Gewändern herumzulaufen, neckische Spiele in schönen Gärten zu spielen oder in den Wäldern mit Falken auf Jagd zu gehen während die einfache Landbevölkerung für ihr Wohlergehen arbeitete. Die Perspektive war in der Malerei noch nicht erfunden worden, die Größe der Figuren hängt von ihrer Wichtigkeit ab.

Was die Fresken so faszinierend macht, sind die Details, ein Hund, der einen Hasen jagt, Mägde, die Kühe melken und Käse machen, Männer, die Heu zusammenrechen oder Weintrauben ernten, junge vornehme Herren und feine Fräuleins, die kokett Schneebälle aufeinander werfen. Ich hab's nicht so mit Souvenirs, aber ich habe mir zwei Poster gekauft (von den Monaten August und September) für je 2,50 €, leider habe ich nicht Platz genug zu Hause, um die zwölf Poster von allen Monaten aufzuhängen! Die Besucher des Torre Aquila bekommen einen sehr guten Audio-Guide, der auch auf deutsch erklärt.

Von wo auch immer in Trento man seinen Blick erhebt, sieht man die Berge, die die Stadt umgeben, Trento liegt in einem Talkessel, schön im Frühjahr, wenn die Berggipfel noch Schneehauben tragen und in den Gärten und Parks der Stadt schon die Frühlingsblumen blühen, schwülheiß und schwer erträglich im Hochsommer.

Wir brauchen etwa zehn Minuten zurück zum Bahnhof, der ganze Rundgang hat nur einige Stunden gedauert, Sie können ihn als Appetitanreger für das restliche Italien betrachten; Verona und der Gardasee sind eine Stunde mit dem Zug entfernt, Venedig drei, dort können Sie dann den Hauptgang beginnen . . .

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Kommentare

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  • Caktus 15.11.2009 11:21
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    TRENTO CENTRO! :-) Schöner Bericht...Finde Trento einfach klasse!!! :-)

  • store_troll 14.02.2007 18:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • berti.r 07.07.2006 13:51
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Naseweis24 01.07.2006 19:43
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • elguwi 22.03.2006 06:36
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Ich habe dort nur wenige Stunden verbracht (Übernachtung auf der Weiterreise nach Venedig). Der Bericht ist derart aussagekräftig, dass ich sagen kann, ich wäre dort gewesen. BG elguwi

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