Tibet, Allgemeines

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Prämierter Erfahrungsbericht

Auf dem Dach der Welt

5  01.08.2012

Pro:
Blick in eine andere Welt

Kontra:
Hygiene, Knebelung der Tibeter

Empfehlenswert: Ja 

Mungi60

Über sich: Und auch ich mache natürlich beim Bücherfrühling mit :-)

Mitglied seit:30.07.2006

Erfahrungsberichte:212

Vertrauende:246

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Leider gibt es Vergütungen für irgendwelche Centprodukte, aber keine für aus für ausführliche Reiseberichte. Aber ist ja auch verständlich, dafür gibt es ja auch keine Sponsoren, eher dann schon für Fragebögen aller Art.
Aber dennoch will ich Euch diesen Bericht nicht vorenthalten, in der Hoffnung, dass er auch interessiert.
Eigentlich strebten wir (meine Freundin und ich) eine dreiwöchige Rundreise durch China an, da diese Reise aber auch ihr schulpflichtiger Sohn interessant fand, mussten wir um planen. Für China ist Juli und August keine glückliche Reisezeit, denn in der Regel ist es dort sehr heiß und vor allem unerträglich schwül, was wir in Peking gleich zu spüren bekamen. Da Tibet im Durchschnitt auf etwa 4000m liegt, und dort keine so hohen Temperaturen zu erwarten sind, wichen wir auf das Dach der Welt aus. Die beste Reisezeit in Tibet ist eigentlich im September und Oktober, da es zu dieser Zeit trocken und angenehme Temperaturen herrschen. Juli ist Regenzeit, die Temperaturen liegen etwa bei 22-24 Grad am Tage, in der Nacht gehen sie bis zu 10 Grad nach unten, allerdings eher auf den höheren Gefilden. Allerdings ist es auch so, dass es glücklicherweise fast nur nachts regnet. Wir hatten an 9 Tagen in Tibet nur einen Morgen, an dem es tagsüber regnete, und da waren wir mit dem Bus unterwegs. Ansonsten hatten wir meist sonniges Wetter mit den angesagten 22-24 Grad. Auf jeden Fall ist hier Sonnencreme, Kopfschutz und Sonnenbrille angesagt, da in dieser Höhe die UV Strahlen sehr hoch sind.
Unsere Reise begann in Peking, wo wir auch drei Tage verweilten. Da ich deswegen nicht speziell einen Bericht in der Chinakathegorie schreiben will, hefte ich diese Erfahrungen an diesen Bericht an. Wen es nicht interessiert, sollte die Zeilen überspringen oder die Chance nutzen mir ein Thema verfehlt zu verpassen.

VORBEREITUNGEN

Die zweiwöchige Rundreise haben wir über Tchibo und dessen Anbieter ATORA gebucht, über den ich in einem EXTRA Bericht Bezug nehmen möchte. Die Reise kostete mit zwei Visen 2049€ und fand vom 15.07.-28.07.2012 statt. Einzelzimmerzuschlag 320€. Die Zugreise bis zum Flughafen ist inbegriffen, sowie eine Krankenversicherung.
7 Wochen vor Reisebeginn mussten wir mehrere Blätter für die Chinavisen ausfüllen und diese zur Beantragung an den Veranstalter zu schicken. Das kann übrigens ganz schön in die Hose gehen, wenn man einen Beruf ausübt, der in China nicht gerne gesehen wird. Dazu gehören bestimmte Beamte, Geistliche, Journalisten, Angehörige des Militärs und ein paar andere. Auch bei uns war es ein nervöses Zeitspiel, ein VISA kam genau einen Tag vor Reisebeginn mit einem Kurier bei uns an. Das Visa war zuerst im Konsulat abgelehnt, aber dann über die chinesische Botschaft ausgestellt wurde.
Allerdings deute ich das nur so, die Infos waren da leider sehr rar. Auf jeden Fall kam das letzte gesondert mit einem Stempel aus Berlin. Über weitere Problematiken schreibe ich später noch.
Besondere Impfungen braucht man für diese Regionen keine. Allgemein sollte man die üblichen Impfungen aufbessern (Diphtherie, Wundstarrkrampf, Polio (wenn noch nicht erhalten) etc.), Hepatitis A+B ist sehr ratsam. (Ist ist auf jeden Fall ratsam beides zu nehmen, da paradoxerweise eine Art von Hepatitis von manchen Krankenkassen nicht bezahlt werden, aber beide zusammen. Diesen Hinweis gab mir im Vertrauen eine Arzthelferin. )
Auf jeden Fall sollte der Arzt gefragt werden, ob man auch Höhentauglich ist, das ist wichtiger als mancher denkt. Auch darüber werde ich mich später noch ausführlicher beschäftigen.


DIE REISE

Ich veröffentliche zuerst einmal eine Übersicht der Reise und gehe dann speziell darauf ein.
01.Tag Flug von Frankfurt nach Peking
02.-04.Tag Aufenthalt in Peking
05.Tag Peking – Flug nach Xining, mit der Tibetbahn bis Golmud (1920km)
06.Tag Mit der Tibetbahn weiter bis Lhasa
07.Tag Aufenthalt in Lhasa
08.Tag Mit dem Bus von Lhasa nach Gyantse (ca. 260km)
09.Tag Weiterfahrt von Gyantse nach Shigatse (ca. 100km)
10.Tag Aufenthalt in Shigatse
11.Tag Mit dem Bus von Shigatse nach Lhasa (260km)
12.Tag Aufenthalt in Lhasa
13.Tag Flug von Lhasa, über Chengdu nach Peking
14.Tag Flug von Peking nach Frankfurt


15.07. Es ging los, zuerst fuhren wir mit dem ICE nach Frankfurt zum Flughafen, wo wir bei AIR CHINA eincheckten. Um 20:35 startete das Flugzeug, etwa 9:20 später landeten wir in Peking. Der Service von Air China stimmte, das Essen war genießbar. Leider mussten wir noch über eine Stunde auf eine Teilnehmerin warten, weil sie den Ausgang nicht gefunden hatte. Danach (wir haben schon den 16.07.) ging es ohne Umschweife zum Kaiserpalast. Eigentlich wären wir lieber erst einmal zum Hotel gefahren, aber der chinesische Reiseführer meinte, es würde sonst zeitlich nicht reichen, da der Palast um 17 Uhr schließt. Anmerkung: Man hätte nur die Programmpunkte der nächsten Tage wechseln müssen, dann wäre dies kein Problem gewesen.
Der Kaiserpalast liegt auf einer riesengroßen Anlage, die reich verzierten Gebäude aus Holz haben insgesamt 9900 Räume. Enttäuscht hat mich sogleich, dass wir keinen einzigen davon von innen sehen konnten. Wir liefen von einem Gebäude zum anderen, und das bei 34 Grad und höchster Luftfeuchtigkeit. In drei Hallen konnte man einen Blick werfen. Die Toren waren offen, aber davor eine etwa 2-3m lange Reling gebaut. Und da tummelten sich die Leute drei Reihen hintereinander. Da verging uns die Lust nach der strapaziösen Anfahrt bald. Außerdem hatten wir schon wieder die Dame vom Flughafen verloren, das begann ja echt toll. Der Palast, der zum Weltkulturerbe gehört war die Residenz von 24 Kaisern. In der verbotenen Stadt durfte nur der Kaiser und seine Frauen, sowie die Diener wohnen, die andere Verwandtschaft wohnte außerhalb des Geländes. Die Mauer, die das Gelände umfasst ist übrigens fast 24km lang. Leider reichte uns auch die Zeit nicht mehr für das angeschlossene Museum. Das hätte man anders regeln können. Schade. Genießen ist anders.

17.07. An diesem Tag ging es auf einen Teilabschnitt der chinesischen Mauer nach Badaling, das ist etwa 70km von Peking weg. Es soll das bekannteste Teilstück sein. Insgesamt sollen es aber nur 4 oder 5 Abschnitte sein, auf der man die über 8850km lange Mauer begehen kann. Diese liegt in einer interessanten Gebirgslandschaft und ich bin erstaunt, wie steil die Abschnitte sind, wir kamen ganz schön ins Schwitzen. Aber es lohnte sich, man sollte sie sich auf jeden Fall anschauen. Der erste Bauabschnitt wurde schon im 7.Jahrh. vor Christus erbaut, was mich ebenfalls überraschte. Das letzte Stück wurde im 16.Jahrh. fertig gestellt. Die Mauer ist bis 8m breit und bis 9m hoch, also recht eindrucksvoll. Insgesamt kann man etwas über einer Stunde auf der Mauer gehen. Gesäumt wird der Weg zur Mauer von zahlreichen Restaurants und Geschäften. Die Chinesen wissen, wie man mit so einer Attraktion Geld verdienen kann. Allerdings kam unser Führer auf die Idee auch in einem der Restaurants dort zu essen. Es war leider das mieseste Mahl, das wir in China und Tibet zu uns nahmen. Schade, dass er es selbst nicht genossen hat, aber vielleicht gehörte es ja auch einem Onkel von ihm.
Vor dem Besuch der Mauer ging es noch in eine Jadeschleiferei, man will ja schließlich auch etwas an die Touristen bringen. Das angeschlossene Geschäft verkaufte ganz tolle Jadeprodukte, die aber nicht unbedingt etwas für meinen Geldbeutel waren. Aber sehenswert waren sie auf jeden Fall.
Wer Lust darauf hatte, konnte Abends noch in ein sehr bekanntes Theater gehen (Bilder von Roman Herzog und dem bekannten Physiker Stephen Hawking waren im Vorrang ausgehängt), wo Teile der Peking Oper gespielt wurden. Als „Rocker“ höre ich ja hauptsächlich andere Musik, bin aber immer mal für etwas Neues offen, so begleitete ich natürlich meine Freundin und dessen Sohn. Die Karte kostete dennoch stolze 40€, bei uns wäre das normal. Aber wir hatten noch Glück, denn als ich auf den Rängen eine Flasche Rotwein bestellte, fragte man uns, ob wir nicht auf einen Lagenplatz mit Tisch setzen wollten, da dort doch viele frei blieben. Da sagten wir natürlich nicht Nein und vier andere Teilnehmer folgten noch unserem Beispiel. Immerhin hätte dieser Platz 80€ gekostet und war nur wenige Meter von der Bühne weg. Die Oper ist für das europäische Gehör sehr gewöhnungsbedürftig, aber dennoch kann ich sagen, dass mir die 4 Teile davon recht gut gefallen haben. Von Dramatik bis Komik wurde da alles geboten, vor allem die Kleidungen der Künstler waren bemerkenswert. Sehr geholfen haben die englischen Übersetzungen, die auf einer Digitalwand rechts und linke der Bühne installiert waren. Ansonsten wäre das ganze ein wenig schwierig gewesen. Der Ausflug hatte sich auf jeden Fall gelohnt und ist zu empfehlen. Übrigens waren wir auch von dem chinesischen Rotwein sehr angetan, ich hatte nicht gedacht, dass man hier so ein gutes Tröpfchen bekommt.


18.07. Über der 22 Millionenstadt Peking, die übrigens nur die drittgrößte Stadt Chinas ist (Shanghai hat über 33 Mill. Einwohner!) schwebte wieder der Smog, wie jeden Tag. Der Reiseführer erzählte uns, dass jedes Auto einen Tag in der Woche stehen gelassen werden muss, um einen Kollaps in der Stadt zu vermeiden. Da die Leute hier immer mehr verdienen, wollen immer mehr Autos kaufen, doch die Erstzulassungen wurden auf 20000 pro Monat beschränkt, und diese werden ausgelost. Aber dennoch ist ein Chaos unvermeidlich. Der Nahverkehr ist übrigens sehr billig,
für ein paar Cent kann man mit dem Bus durch halb Peking fahren. Überrascht hat mich, als uns gesagt wurde, dass seit einigen Jahren motorisierte Räder (Moped, Motorrad, Roller) nur noch mit Elektromotor verkauft werden dürfen. Mittlerweile gehen wohl auch in China die Uhren anders, und man merkt, dass man doch etwas für die Umwelt machen muss. Überrascht hat mich auch, wie modern die Chinesen überall in Peking auf der Straße unterwegs sind. Die Mädchen tragen Hot Pants oder sehr kurze Röcke und zeigen oft sehr viel Bein. Aber das können sie sich auch leisten, denn Übergewichtige sieht man ihn China recht selten, dann eher schon ein dicker Bonze mit Jeep, dem Statusfahrzeug der Neureichen von China.
Heute besuchten wir den Platz des himmlischen Friedens, um den nicht nur die wichtigsten politischen Gebäude stehen, sondern mittendrin auch das Mausoleum von Mao Tse Tung, dessen balsamierte Leiche dort aufgebahrt ist. Es war unglaublich, wie viele Tausend Menschen in vielen Reihen nebeneinander standen, um den alten chinesischen Staatsmann zu sehen. Die meisten der patriotischen Chinesen trugen die Staatsflaggen als kleine Fähnchen oder Schildmütze, die man in jeder Ecke dort kaufen konnte. Schrecklich wie dieser Massenmörder dort noch verehrt wird. Wir suchten bald wieder das Weite, in dieser schrecklichen Schwüle hatten wir sowieso keine Lust dazu.
Übrigens war dann Nachmittags alles drum herum, vor allem die Straßen, abgesperrt, weil irgendein Staatsmann unterwegs war.
Wir fuhren allerdings weiter in einer der beiden denkmalgeschützten Altstädte von Peking. Der Rest besteht übrigens nur noch aus Wohnblocks und Hochhäusern. Aber auch diese Altstädte beginnt man abzureißen, man will sie neu, nach altem Muster wieder aufbauen. Die besuchte Altstadt war nicht besonders schön, aber gesehen sollte man sie schon haben. Mit Hutongs, ich würde sie als Fahrradkutschen bezeichnen, fuhren wir dann alle (26 Personen) zu einer chinesischen Familie, die in ihrem kleinen Haus ein Essen für uns vorbereitet hat, das übrigens recht gut schmeckte. Übrigens gibt es in diesen Viertel nur öffentliche Toiletten, da die Bewohner noch nicht in den Genuss von eigenen gekommen sind. Nase zu und durch.
Mittags ging es dann noch zum Olympiapark. Ich hoffte, dass wir eine der Sportstätten besichtigen könnten, doch leider fuhren wir nur zum fotografieren dorthin. Auch das hätte man sich sparen können.

19./20.07. Von Peking flogen wir nach Xining, das ist die Hauptstadt der Provinz Quinghai und hat immerhin noch ca.2,3 Mill. Einwohner. Die Stadt ist recht modern und noch am wachsen. Von dort fuhren wir 80km zum Kloster Kumbum. Ehrlich gesagt, hätte man sich dieses auch sparen können, denn es ist verhältnismäßig klein und unbedeutend. Fotografieren war leider auch nicht erlaubt. Da wir danach noch 12 Klöster besuchten, werde ich darauf nicht näher eingehen. Von da ging es wieder zurück nach Xining zum Bahnhof. Von dort ging es in die Tibetbahn, die fast 24 Stunden bis zur tibetischen Hauptstadt Lhasa unterwegs ist. Im Bahnhof wurde mal wieder extrem kontrolliert, Taschen und Koffer wurden durchleuchtet, die Pässe und Visen angesehen. Selbst vor dem Einsteigen in die Waggons wurde
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Über den Weiten Tibets
noch einmal nach Pass und Zugkarte geschaut. Aber daran mussten wir uns in China gewöhnen, das war kein Einzelfall.
Zuerst war Chaos angesagt, weil die Reservierungskarten sehr schlecht organisiert wurden (Auch wieder ein Fehler von Atora?), kaum jemand war zusammen im Abteil, Familien und Paare wurden nicht nur auseinandergerissen, sondern auch zu Chinesen und Tibetanern gelegt worden. Das hätte man bestimmt anders regeln können. Aber es wurde das beste draus gemacht und durch das Tauschen der Tickets untereinander klappte es dann einigermaßen. In einem Waggon gab es 6 Betten, jeweils drei übereinander. Die Betten waren einigermaßen bequem, doch leider musste man auch die ganze Zeit auf den Betten sitzen, die Ausnahme war, wenn man im Speiseraum Abendessen oder Frühstück zu sich nahm. Das Essen war übrigens sehr gut, was mich überraschte. Die Toilette allerdings war ein Graus. Es handelte sich um die typischen Stehclos, wie man sie oft in China und später auch in Tibet antrifft. Erst einmal war der Wasserabzug so schwach, dass die braune Häufchen gleich unten liegen blieben, dann ging irgendwann mal im Wasserbehälter das Wasser aus. Es war nicht nur sehr unhygienisch, sondern stank auch noch ohne Ende. In Golmud, das war 1920km weiter, wurden dann Nachts die Toiletten mal gereinigt und die Tanks aufgefüllt worden. Aber an so Dinge musste man sich gewöhnen, wenn man unbedingt in solche Länder reisen wollte. Außerdem war es nur ein Vorgeschmack /Geruch, von dem was uns noch erwarten sollte.
Die Fahrt dauerte genau 23:30 und ging über stolze 2750km. Leider ist die Strecke teilweise etwas eintönig, dann aber wieder wunderschön. Man sieht die Steppen, auf den Dschinghis Khan mit seinen Mongolen unterwegs war, riesige Weiten im Dauerfrost. Alles eben und unglaublich großflächig. Man sieht kaum Zivilisation unterwegs, hier und da mal ein paar Hütten oder ein kleines Dorf, das war es dann aber schon. Und dahinter die hohen Berge. Erst da wird einem bewusst, wie weit es von der nächsten größeren Stadt Chinas bis nach Tibet ist. Vorher war das unvorstellbar. Wir fahren hoch bis zum Tangulapass, dieser befindet sich auf 5072 Höhenmetern! Das ist der höchste Punkt, über den eine Eisenbahnstrecke führt. Einerseits handelt es sich um eine interessante Fahrt, aber ein zweites Mal würde ich mir das vermutlich nicht antun. Im Zug selbst waren nur wenige Europäer, die meisten waren Chinesen, die aber nie negativ auffielen. Wenn jemand Englisch oder Deutsch konnte, machte er sofort auf sich aufmerksam und war stolz mit uns reden zu dürfen. In diesem Fall sind die Chinesen sehr kontaktfreudig und neugierig. Mittags kamen wir in Lhasa an und bezogen das recht gute Lhasa Gang Gyan Hotel.


21.07. Lhasa ist die größte Stadt Tibets und hat etwa 500000 Einwohner und liegt auf ca. 3700m. Sie hat auch heute noch eine sehr religiöse Bedeutung für die Tibeter, hier steht nicht nur die Sommerresidenz des Dalai Lamas, sondern auch der weltberühmte Potala Palast indem sich alle Grabmäler der Dalai Lamas befinden. Außerdem gibt es noch weitere bedeutende Klöster, auf die ich noch eingehen werde. Leider versucht man hier bewusst, die Tibeter zu unterwandern, denn man versucht immer mehr Chinesen hier anzusiedeln. Man kann selbst als Fremder sofort sehen, wo wer wohnt. Die chinesischen Stadtviertel sind neu, man sieht moderne Geschäfte und neue Wohngebäude. Die Tibeter leben im alten Stadtteil, dessen Charme aber wesentlich größer ist, als die der Chinesischen. Und genau dort befindet sich unser Hotel, mitten im tibetischen Geschehen.
Wir besuchen an diesem Tag das Kloster Drepung, die einstige Residenz des Dalai Lama, sowie die Klosteruniversität Sera. Beide befinden sich in der Nähe von Lhasa. Sera liegt etwa 3km von Lhasa weg, es gehört zu den „drei großen (Elite) Klöstern“ (Drepung, Ganden und Sera). Das Kloster hat eine Gesamtfläche von ca. 115000 qm, beinhalten 3 Fakultäten und eine große Versammlungshalle, die 4 Stockwerke hoch ist. Diese wird von 125 Säulen getragen. Am interessantesten sind die Fresken und Statuen des Klosters. Da wird eine beeindruckende Kunst gezeigt. Hier kann man auch die Mönche beim Debattieren zuschauen, was für einen Fremden nicht nur interessant, sondern auch ein wenig lustig aussieht. Jeweils drei Mönche diskutieren über religiöse buddhistische Themen, wobei da mit Hand und „Fuß“ geredet wird. Es geht heiß her, ohne dass die Männer dabei böse werden. Zwischendurch dachte ich, es handele sich hier um irgendwelche Kampfsportübungen. Aber wie mir gesagt wurde, gehören dieses Debatten zum allgemeinen Lehrplan. (Buddha sagt, dass man seine Lehren immer wieder überprüfen solle)
Und nervte, dass man in jedem geschlossenen Raum 30 Yuan (ca. 4,50€) fürs Fotografieren bezahlen sollte. Wenn ich mich erinnere, waren es 8 Räume. Leider sitzt in jedem davon ein gelangweilter Mönch, der die Räume beobachtet. Glücklicherweise sah er nicht alles, Mungi lässt sich nämlich nicht abzocken. Auf jeden Fall ein empfehlenswertes Kloster. Ich meine, dass es in diesem Kloster auch Sandmandalas gibt (Mandalas sind religiöse Bilder im Kreis, mal einfach ausgedrückt). In diesem Fall sind die Mandalas nicht aus Stoff oder Papier, sondern auf Sand. Drei Kreise liegend, mit einem Durchmesser von ca. 1,50m zeigen buddhistische Symbole und das in sehr vielen Farben. Die Bilder wurden aus eingefärbtem Sand hergestellt, und das bis ins letzte Detail.
Drepung ist das zweite der großen Klöster, das wir besuchten. Es liegt eindrucksvoll an einem Berghang. Früher waren hier einmal 10000 Mönche untergebracht, die über 20000 Leibeigene und 16000 Hirten verfügten ( Na ja, sag ich da nur, friedvoller Buddhismus...) heute sind es noch/wieder fast 1000. Auch hier musste man ganz schön in die Tasche greifen, wenn man fotografieren wollte, aber es sollte später noch schlimmer kommen. Drepung ist auf jeden Fall auch sehr sehenswert. Viele Räume mit Statuen, Dämonenmasken, und tollen Mandalas. Überall riecht es nach Räucherstäbchen oder nach Yakbutter, das die Pilger in Scharen mit Kannen bringen und in die Kerzenschalen eingießen. In diesen beiden Klöstern werden immer wieder Razzien durchgeführt, weil von hier die meisten Unruhen gegen die Chinesen ausgingen. Immer wieder gibt es hier Verhaftungen. Bei den Unruhen 2008 wurden hier alle Mönche verhaftet. Das Kloster ist übrigens schon über 600 Jahre alt.

22.07.Über 270km ging es an diesem Tag über das tibetische Hochland, hinauf auf die Pässe Kampala (4800m) und Karola, der auf 5068m liegt bis zur Stadt Gyantse. Vorbei auch am heiligen See Nam Tso, der etwa zwei Drittel die Größe vom Bodensee hat. Hier handelt es sich allerdings um einen Salzsee, der mit 4718m der höchstgelegene der Welt ist. Den höchsten Berg, den wir in der nahen Nyanchen-Thanglha Kette sehen können ist auch der Nyanchen-Thanglha mit 7162m Höhe. Wir haben tolle Aussichten gesehen, zerklüftete und auch schneebedeckte Berge, immer wieder sahen wir Yak- und Schafherden. Auf den Parkplätzen versucht man allerdings schon von den Touristen zu verdienen, es werden überall Souvenirstände aufgebaut. Hier sind die Verkäufer erheblich nerviger, als in den Städten. Auch Bettler begegnen wir hier, vor allem auch Kinder, und diese lassen einfach nicht locker. Eine der wenigen negativen Erfahrungen mit den Tibetern, die wir gemacht haben.
Zwischendurch musste der Bus einen chaotischen Umweg nehmen, weil es auf der Hauptstrecke einen Erdrutsch gab. Chaotisch eigentlich nur, weil die ganzen LKW Fahrer, die dort unterwegs waren keinen Plan hatten, jedes Fahrzeug stand dem anderen im Weg herum, bis diese miteinander kooperierten, war eine Stunde um. Dabei wäre es so einfach gewesen.

23.07. Mit dem Bus, der übrigens immer viel Platz bot und klimatisiert war, fuhren wir ca. 100km weiter nach Shigatse, der zweitgrößten Stadt Tibets. Dort besuchten wir die zwei Klöster Ta Shi Lhun Po und Pekor Chode. Sie waren beide einen Besuch wert, aber die Fotografierpreise stiegen auf freche 75-125 Yuan pro Raum, das Filmen kostete sogar 1250-1500 Yuan.
Das Tashilhunpo ist der Sitz des Penchen Lama (Gegenpart von Dalai Lama) und wurde 1447 gegründet. Es zählt zu den größten Klosteruniversitäten im Land, hier werden buddhistische Gelehrten ausgebildet. Während der chinesischen Kulturrevolution wurden viele der dort ansässigen (5000-7000) Mönchen ermordet oder inhaftiert. Heute gibt es hier wieder über 800, davon sind 100 Novizen. Es ist das größte aktive Kloster in Tibet. Auch das Kloster wurde damals ziemlich zerstört, es wurde erst in den Achtziger Jahre wieder aufgebaut. Sehenswert sind darin die Grabstupas der ehemaligen Penchen Lamas (Oberhäupter), sowie riesige Buddhafiguren in mehreren Räumen. Die größte misst über 26m und ist die höchste in ganz Tibet. Sehr eindrucksvoll. Eine Stupa ist übrigens mit fast 250000 Juwelen und über 800 anderen Steinen bedeckt, über 600kg Gold wurde dafür verwendet. Das Fotografieren ließ ich aber.
Das Pelkor Chöde ist hauptsächlich bekannt wegen der großen Chörten, das ist ein buddhistischer Rundbau, in diesem Fall mit neun Stockwerken, in dem sich 108 Kapellen mit vielen Statuen und über 10000 Wandbilder befinden. Die ersten zwei Stockwerke haben uns gereicht, dafür hat man schon eine ganze Weile benötigt. Außerdem ist das Treppensteigen in 4200m Höhe kein großer Spaß. Aber es lohnt sich, sie anzusehen. Und auch hier befinden sich eindrucksvolle Buddhas, bei denen man viel zu viel Geld fürs Fotografieren verlangte. Schade, ich hätte sie euch gerne gezeigt. Bemerkenswert ist, dass das Klöster Mönche von drei verschiedenen buddhistischen Glaubensrichtungen beherbergt, das ist nicht üblich. Und wer Mandalas mag, ist hier am richtigen Platz, viele haben einen Umfang von über 8m.

24.07. Und wieder geht es zu einem Kloster, die Hin- und Rückfahrt ist 360km lang. Sakya heißt das Gebäude, das eher wie eine große Festung aussieht. Innen gibt es allerdings nichts Herausragendes, und vor allem nicht viel, zu besichtigen. Ich bin enttäuscht. Die Fahrt ist da etwas interessanter. Es geht wieder weit nach oben, nämlich über den 4207m hohen Tsuopass.

25.07.Den Tsangpo entlang, der Fluss der vom Himmel kam, geht es durch Schluchten wieder in Richtung Lhasa. Leider regnet es morgens, so dass die Sicht nach draußen sehr schlecht ist. Die Berge sind wolkenumhangen, es ist alles sehr trüb, doch gegen Mittag locker es sich wieder etwas auf. Wir besuchen in Lhasa noch die Sommerresidenz des Dalai Lamas. Sie ist umgeben von einem schönen Garten und beherbergt auch weltliche Dinge. Zum Beispiel ein Radio, das er von einem König geschenkt bekam, das Ding ist riesig. Außerdem ein modernes Bad der Fünfziger Jahre. Man sieht sein Bett und seine Besprechungs- und Meditationsräume. Nicht spektakulär, aber interessant.

26.07. Am drittletzten Tag kommen wir zu einer der Höhepunkte der Reise, nämlich zum Potalapalst, der zum Weltkulturerbe gehört. Schon von außen gehört er auf jeden Fall zu den imposantesten Bauwerken der Welt. Ganz steil hängt der Palast auf dem Berg. Schon früh morgens stehen Tausende von Leuten vorm Eingang. Leider bekommt man nur zwei Stunden Zeit für das Gebäude, in dem sich die Grabmäler der Dalai Lamas befinden. Diese sind sehr eindrucksvoll, alle vergoldet (Teilweise mit bis zu 3170kg Gold) und besetzt mit Tausender großer Edelsteine. Es geht aber zuvor steil die Treppen nach oben. Leider hat man nicht die richtige Sicht, oder man wird in den engen Räumen weitergeschickt. Ein ganz imposantes Baumal, aber dass man hier keine Zeit bekommt, ärgert mich. Der Eintritt kostet für Einheimische 5 Yuan, für uns Touristen 100. Allerdings brauchen wir nicht so lange zu warten, unser Guide sorgt dafür. Das Gebäude enthält über 1000 Zimmer, 10000 Kapellen und etwa 20000 Statuen. Davon sehen wir aber leider nicht sehr viel. Aber es lohnt sich dennoch, wer in Lhasa ist, kommt um diesen Besuch nicht herum.
Für die Pilger ist allerdings der Jokhang – Tempel wichtiger, es ist das größte Heiligtum des tibetischen Buddhismus. Für die tibetischen Buddhisten ist der Tempel so etwas wie Mekka für die Moslems, jeder will einmal dort gewesen sein. Dieser befindet sich an der Stirnseite des Barkorplatzes, auf dem sich auch der große Markt befindet. Der erste Besuch soll die Pilger vor einer schlechten Wiedergeburt bewahren, der zweite Besuch sorgt dafür, dass man der Erlösung näher ist und beim dritten Besuch tilgt man die Gifte der Seele. Ihr seht, die Tibetaner sind ganz schön abergläubisch, nicht nur gläubig. Und das merkt man sofort, so ein Gedrängel wie in diesem Tempel habe ich nur im Potala erlebt. In der Mitte befindet sich der Gebetsraum der Mönche, sowie eine größere Buddhafigur. Und außen herum befinden sich kleine Kapellen, in die die Pilger gehen und spenden. Wir haben das seinlassen, wir hätten Stunden gebraucht, bis wir das Gebäude verlassen hätten. Die Pilger machen diesen Weg pro Besuch dreimal, dafür brauchen sie garantiert einen halben Tag. Interessanter war der Gang ganz nach oben, denn da konnte man über Lhasa und dem davor liegenden Markt schauen. Dafür hatte es sich gelohnt.
Vor dem Tempel gibt es Rauchopfer, meistens werden Wacholderbüsche verbrannt. Und davor werfen sich die Pilger immer wieder auf den Boden, und stehen wieder auf, wie wir es öfters gesehen haben, selbst manche alte Leute machen das noch. Meistens tragen sie aber einen Lederschutz. Der Umrundungsweg beim Jokhang ist 800m lang. Glücklicherweise sind sie nicht auf dem heiligen Berg Kalashi, denn dort müssen sie mehrere km so umrunden.
Interessanter ist für uns allerdings der Markt, der ist riesengroß, und ist nicht nur am Barkorpaltz, sondern es gehen unzählige Straßen davon weg. Hier bekommt man alles, ob Waschmittel, Kleidung, Obst und Gemüse, Haushaltsartikel, Wandteppiche, Souvenirs in Massen, Gemälde in den anschließenden Galerien (sehr schöne übrigens) oder man geht zum Zahnarzt, bei dem man den Patienten zusehen kann. Davor stehen die Preise für neue Zähne etc. Freiwillig würde ich da allerdings nicht hingehen. Dazwischen taucht mal wieder eine Metzgerei auf, die sich in einer Art Garage befindet. Wenn man Glück hat, sieht man noch zwei Schweinehälften davor, das andere Fleisch hängt schon an den Harken. Kühlschrank? Fehlanzeige! Die Händler lassen eigentlich gut mit sich feilschen, sie sind in der Regel fair und ehrlich. Uns wurde sogar ein Fünfer Schein zurück gebracht, den wir versehentlich zuviel bezahlt haben. Wo hat man so etwas schon erlebt? Die Preise sind phänomenal billig, selbst die ersten Angebote der Händler könnte man sofort annehmen, für Einheimische wird es vermutlich noch ein wenig günstiger sein. Heißes Essen wird nicht angeboten, denn Feuer wird schon jedem am Eingang abgenommen, dafür sorgt Polizei und Militär. Selbst Taschen gehen durch eine Sicherheitskontrolle, man wird außerdem abgescannt. Überall sieht man Militärs mit Feuerlöscher auf dem Rücken, einige tragen Maschinenpistolen. Schutzschilder stehen oft daneben. Hier haben sich dieses Jahr, laut Internetangaben schon 14 Tibeter verbrannt. So etwas will man auf jeden Fall verhindern. Ist ja schließlich auch kein schöner Anblick für Touristen, von denen man eigentlich auch gar nicht so viele sieht. Aber ich denke, da sind auch etliche Chinesen dabei. Dennoch fühlt man sich auf dem Markt nie unwohl. Man hat sich wohl an den Anblick der Sicherheitskräfte gewöhnt.

27.07. Morgens beginnt der Tag schon ganz schön übel, im Hotel geht weder Strom noch Wasser, das mit einer elektrischen Pumpe befördert wird. Nicht gerade frisch fahren wir zum Flughafen nach Lhasa, wo wir eigentlich nach Peking fliegen wollen.machen aber überraschenderweise einen Zwischenstopp in Chendru. Dort müssen wir zuerst wieder das Flugzeug verlassen und mit anderen Passagieren wieder einsteigen. Doch da beginnt das Unheil, die Maschine fliegt nicht weg, niemand weiß vorerst warum. Nach zwei Stunden heißt es, wir sollen das Flugzeug erneut verlassen, da es keine Landeerlaubnis in Peking, wegen eines Unwetters gibt. Dann noch einmal ins Flugzeug, nach einer Stunde endlich die Meldung, Peking gibt Landeerlaubnis. Wir waren schon angeschnallt, der Motor wurde begann zu laufen, dann kommt die Meldung, Peking hat den Flughafen dicht gemacht. Der Flug wird gecancelt. Wir wissen, jetzt wird es eng für uns, da wir am gleichen Tag um 14 Uhr wieder nach Frankfurt fliegen wollen. Mittlerweile ist es aber schon nach 2 Uhr nachts. Das Hotel in Peking können wir auf jeden Fall schon mal vergessen. Es gibt Verhandlungen mit den Flugbegleitern, man bietet uns einen Weiterflug um 11 Uhr an. Allerdings müssten wir ja schon um ca. 11 Uhr in Peking einchecken. Wir lehnen ab. Mittlerweile drehen einige Chinesen durch, von wegen kein Gesicht verlieren, von uns Europäern (mittlerweile gesellen sich noch zwei Deutsche und eine Belgierin hinzu) hört man kein lautes Wort. Leute, die Chinesisch sprechen sagen, dass Stimmung gegen uns gemacht wird, man befürchtet eine Bevorzugung der Ausländer. Es wird immer prekärer. Drei unserer Gruppe setzen sich noch einmal mit der Fluglinie auseinander und schaffen es doch tatsächlich, dass wir einen Flug um 8 Uhr bekommen. Erst einmal ist alles gerettet, doch auch dieses Flugzeug kommt mit einer Verspätung von über einer Stunde weg. Auf jeden Fall schaffen wir es gerade noch in Peking einzuchecken (die Zeit wurde für uns etwas erweitert) und tatsächlich sitzen alle 28 Europäer im Flieger. Huch, noch einmal Dusel gehabt. Mit einer halben Stunde Verspätung kommen wir am 28.07. Abends an. Aber die 30 Minuten interessieren uns nicht mehr. Der Urlaub ist beendet.


KURZE GESCHICHTE TIBETS

Bewusst werde ich nur einen Teil der Geschichte Tibets hier veröffentlichen, nur damit den Lesern hier klar wird, was in diesem Land derzeit läuft, und woher das alles kam.

Um 1723 rief Tibet die Chinesen zu Hilfe, weil sie große Probleme mit den einfallenden Mongolen hatten. China nutzte diese Hilfe allerdings gleich aus und errichtete ein Facto Protectorat über Tibet. Sie setzten das weltliche Parlament ab und ernannten den 7.Dalai Lama zum Oberhaupt über Tibet. Damit begann die Zeit der religiösen Herrschaft in Tibet. Zuerst einmal unter der Kontrolle Chinas.
Doch im 19.Jahrh. versuchten auch die Russen und Engländer ihren Einfluss in Zentralasien zu vergrößern. Russland gelang es, mit diplomatischen Geschick Fuß in Lhasa zu fassen, die Engländer setzten sich 1904 mit Gewalt durch und zwangen die Tibeter zur Kapitulation. Doch bis 1911 setzten sich wieder die Chinesen gewaltsam durch. Nach dem Sturz der Quing Dynastie im gleichen Jahr, verließen die Chinesen allerdings wieder das Land und zum ersten Mal seit langer Zeit wurde 1913 Tibet wieder unabhängig, der damalige Dalai Lama wurde wieder zum Oberhaupt.
Die Chinesen ließen den Tibetern aber keine Ruhe und marschierten 1950 wieder dort ein, um anscheinend die indisch- chinesische Grenze zu sichern. China verleibte sich Tibet ein, ohne dass die Vereinten Nationen rührten. Ihnen war das kleine Land nicht wichtig genug. 1951 wurde das Land zur VR China eingegliedert.
Als der damalige, im Prinzip auch der jetzige, Dalai Lama seinen Widerstand gegen die chinesischen Truppen nicht beenden wollte, marschierte die Armee 1959 erneut ein, der Dalai Lama floh mit über 80000 Tibetern nach Indien, wo er Exil beantragte und erhielt. Aus dem Land Tibet wurde ein Polizeistaat und 1965 zur autonomen Region Tibet ausgerufen. Das Territorium Tibets wurde zu dieser Zeit halbiert, Osttibet (Kham) gehörte von nun an zur Provinz Sichuan. Es begann die Zeit der Kulturrevolution, in der 6000 Klöster zerstört und die Tibeter zu Chinesen erklärt wurden.
Erst 1978 bekamen die Tibeter wieder einige Sonderrechte zugesprochen, und zwar ein Mitspracherecht bei der Verwaltung, Finanzen, sowie dem Kultur- und Gesundheitssektor. Das einzige Sonderrecht war allerdings nur die Ausnahme der Ein Kindregel. Zu dieser Zeit wurden auch wieder viele Klöster neu aufgebaut, und zwar mit dem Geld der tibetischen Gläubigen. Das Bildungssystem musste aber dennoch von den Chinesen übernommen werden, dazu kamen Ansiedlungen von Chinesen, um Tibet zu unterwandern. 1987 kam es dann regelmäßig zu antichinesischen Demonstrationen, bei der viele Tibeter verhaftet und in Arbeitslagern gesteckt wurden. Erstmals wurden diese Ausschreitungen nicht nur von den Mönchen, sondern auch von der Bevölkerung veranstaltet. Auch kurz vor der Olympiade 2008 kam es wieder zu Ausschreitungen. Der Dalai Lama schlug vor, Tibet den Status und das System von Hongkong zu geben, aber das wurde von der chinesischen Regierung abgelehnt.

WAS SOLLTE MAN BEI DIESER REISE BEACHTEN


Für diese Reise wird das chinesische Visum verlangt, das man in der Regel auch bekommt. Aber die Reisegesellschaften müssen schon vorher das Geld für die Reisen bezahlen, bekommt man das Visum nicht, steht man im Regen. Das ist aber nicht alles, denn das Visa für China reicht nicht aus, um nach Tibet zu gelangen, denn da wird das Tibet Permit benötigt, dass man erst dort ausstellen kann. Wenn man Pech hat, wird, wie erst dieses Jahr im Mai und Juni, eine Region für Ausländer gesperrt und die Reiseagentur ist gezwungen, die Reisetour zu verändern. Vielleicht haben sie auch noch Pech, dass ihr Land inzwischen den Dalai Lama empfangen hat, denn dann können sie die Reise gleich vergessen. Wie sagte so bezeichnend der chinesische Reiseführer in Peking? „Sie haben Glück, dass ihr Land nicht den Dalai Lama empfangen hat, denn sonst wären sie nicht hier“. Klare Worte!
Derzeit dürfen Bürger mehrere Nationen Tibet nicht betreten, dazu gehören Norwegen, Österreich, Großbritannien, Südkorea und Indien.
Ein ganz großes Problem ist die Höhe, in der wir uns in Tibet befinden. Lhasa liegt auf 3850m, Shigatse sogar auf 4200m. Auch bei Ausflügen befinden wir uns ständig auf durchschnittlich 4000m. Mit der Tibetbahn kommen sie maximal auf 5078m, bei Ausflügen auf einen Pass mit 5068 Höhenmeter. Und dies schlaucht gewaltig, das kann sich keiner vorstellen, der noch nie auf diesen Höhen war. Man hat eigentlich keine Möglichkeit sich zu akklimatisieren, was ich an dieser Reise kritisiere, denn eigentlich sind mindestens drei Tage dafür notwendig. Doch bei 60 HM in Peking geht es nach mit dem Flieger nach Xining auf 2200 HM, dann an einem Tag mit der Tibetbahn gleich auf über 5000 HM. Das Resultat: Kopfschmerzen, Höhenkrankheit und Schlaflosigkeit. Und keiner gibt dir Hilfe, was du dagegen machen kannst. In Peru haben wir immerhin Cocablätter erhalten, die auch wirklich halfen und auch legitim waren. Hier gibt dir niemand Tipps, außer man solle mindestens 4l trinken. Quatsch mit Soße, sage ich da nur. Da wäre ich ja ständig auf der Toilette gewesen, und auf diese werde ich auch gleich eingehen. Ich hatte zwar keine Höhenkrankheit, doch wegen der Klimaanlagen, die man bei der Schwüle in China benötigte, bekam ich Kopfschmerzen und Fieber. Glücklicherweise war das an einem Tag weg. Doch die Höhe setzte auch mir zu, nicht nur dass ich nach 10 Treppen fix und fertig war, ich konnte fünf Tage hintereinander (dreimal etwa 2-3 Std. zweimal gar nicht) nicht schlafen. Ich war fix und fertig. Meine Freundin hatte drei Tage Fieber, ihr Sohn mal einen Tag kräftige Kopfschmerzen. Und da hatte fast jeder in der 25köpfigen Gruppe etwas davon abbekommen.
Das nächste Problem ist die Hygiene, bei der man auch einiges beachten sollte, um keinen Durchfall zu bekommen. Das Wasser ist in der Regel schlecht, ungekocht sollte man es nicht einmal zum Zähne putzen benutzen. Dafür gibt es auch in jedem Hotel Wasserkocher. Sofern er auch funktioniert. Ich benutzte es allerdings dennoch, hatte aber Glück, den sogenannten Dünnpfiff erst einen Tag nach Ankunft in Old Germany zu bekommen.
Die Hotels auf der Reise waren ganz passabel, wenn man von einem mal absieht. Wenn sie auf eigene Faust reisen wollen müssen sie in der Regel mit Hotels in Tibet rechnen, die kein fließendes Wasser haben und vor allem, bei denen die Bettwäsche, wegen des Wassermangels einmal im Jahr oder gar nicht gewaschen wird. Kein Witz!
Die Toiletten sind das nächste Manko. In den guten Hotels und guten Restaurants kein Problem, aber die öffentlichen sind ein Graus, und um die kommen sie bei einer Rundreise nicht drum herum. Die Toiletten sind in der Regel offen und haben keine Türen. Nicht nur innen, sondern auch außen. Darinnen kann man den Leuten beim Scheißen (Sorry) zusehen. Man hockt sich nieder und macht seine Sache in einen Abfluss. Wenn man Glück hat, geht auch die Spülung die die Sache wegschwemmt. Aber oft ging das Wasser nicht, ich brauche ihnen nicht zu erklären, wie es darinnen aussah und wie hoch der Gestank war. Ich bewundere alle Frauen, die diese Toiletten benutzt haben, ich war heilfroh ein Mann zu sein, das größere Geschäft konnte ich mir glücklicherweise aufheben. Aber wehe, du hast Dünnpfiff, dann bist du hoffnungslos verloren. Tja, die Tibeter kennen da kein Schamgefühl. Ich frage mich, wie viele der Leser jetzt noch nach Tibet reisen wollen. Ach ja, Toilettenpapier gibt es keins...... gg
Auszug aus dem Reiseführer zum Thema Ärztliche Versorgung: „Sitzt man bei einem Arzt, heißt es mit Händen und Füßen, sowie einem Lexikon (mittlerweile auch Translator) zu erklären, was man hat. Normalerweise wird man nicht sonderlich gründlich, wenn überhaupt, untersucht, sondern der Arzt fragt, und man sollte möglichst präzise Antworten geben können. Am einfachsten ist es, wenn man eine halbwegs passende Selbstdiagnose stellen kann und möglichst viele Symptome seiner Krankheit von sich aus erwähnt. Wer ernsthaft krank ist, sollte ohne Umschweife sofort nach Chengdu oder Kathmandu ausfliegen, wo es jeweils Kliniken mit internationalem Standard gibt.“ Noch Fragen?


ALLGEMEINE EINDRÜCKE


1959/1960 fand die Befreiung Tibets durch die Chinesen statt. Befreiungssäulen sieht man in jeder größeren Stadt auf den großen Plätze. In Lhasa zum Beispiel unweit des Potalapalastes.. Genau genommen stimmt dies sogar. Eine Kaste von 150000 Mönchen und Nonnen beherrschte in über 6000 Klöstern das Land. Die Abgaben der Menschen waren so hoch, dass sie stets unter der Armutsgrenze lebten. Das ganze Geld wurde in die Klöster gesteckt, für den Fortschritt wurde dabei nichts getan. Fremden war der Zutritt nach Tibet verboten, man hatte Sorgen dass diese den Buddhismus verwässern würden und es durfte ihnen nicht einmal Nahrungsmittel verkauft werden. Dies kann sogar in Heinrich Harrers Buch „7 Tage in Tibet“ nachgelesen werden.
Aber ich mache dennoch nicht den Fehler, das alles so einseitig zu sehen. Die Chinesen sind und waren alles andere als ein humanes Volk, dass andere Völker retten will. Es ging dabei einzig um die die militärische Vormachtstellung, denn an Tibet grenzt u.a. das starke Indien. Und in Tibet gibt es, neben einem anderen chinesischen Kanton, die meisten Bodenschätze, die das Land der Mitte dringend benötigt.
Viele Klöster werden heutzutage wieder von den Herrschern aufgebaut. Aber auch dies geschieht aus Kalkül. Peking merkt, dass man durch Tourismus viel Geld verdienen kann, und auch der Nebeneffekt ist wirkungsvoll. Das religiöse Leben der Tibeter wird damit langsam aber sicher zerstört, die Menschen werden sich zum Nachteil verändern. Das sieht man in jedem Land, das die Chance hat, mit Tourismus mehr zu verdienen. Aber keine Sorge, die Tibeter werden dabei nur die Krümel abbekommen, denn bis heute erhalten sie nur die Billigjobs in den Städten wie Lhasa oder Shigatse. Ich war erschüttert, dass ich selbst Frauen als Bauarbeiter gesehen habe, und das waren keine Ausnahmen. Und diese hatten nicht nur Besen in der Hand sondern auch Schlaghämmer, um den Asphalt einer Straße aufzureißen. Selbst gesehen in Lhasa und auch fotografiert.
Das Land wird beherrscht von den Militärs, in Lhasa ist das besonders extrem. Überall sieht man Polizisten und Soldaten in der Innenstadt von Lhasa. Daneben stehen Schutzschilde, einige laufen auf dem Marktplatz in Barkhor mit Maschinenpistolen umher, einige tragen auf dem Rücken Feuerlöscher. In Shigatse sah ich einen als Wasserwerfer umgebautes Feuerwehrfahrzeug, das mit zwei Miltärs auf dem Dach bestückt war. Allerdings scheinen sich die Leute daran gewöhnt zu haben, und ich muss zugeben, es wirkte gar nicht mal so provozierend auf mich, man scheint das alles hinzunehmen. Aber was für eine Chance haben sie sonst? Angeblich sollen die Chinesen mit den Tibetern in Lhasa gut auszukommen, wurde uns gesagt, und auch im Internet liest man solche Aussagen. Wie die Wirklichkeit aussieht, weiß ich nicht. Nach Angaben einer Tibetinitiative sollen sich dieses Jahr schon 14 Menschen in Tibet verbrannt haben. (2009 waren es insgesamt 26!) Diese Protestaktionen gibt es also noch immer.
Mir ist auch aufgefallen, dass viele Tibeter Mundschutz tragen. Wegen der Sonne, sagte man mir auf Anfrage. In Wirklichkeit werden die meisten wegen des Staubes getragen. Allerdings tragen viele junge Leute auch in geschlossenen Räumen Mundschutz, was mich etwas stutzig machte. Ich recherchierte, und siehe da, ich las, dass die Tibetaktivisten außerhalb des Landes in der Regel Mundschutz bei ihren Protestaktionen tragen, mit der Aufschrift Free Tibet. Da kann man sich also mal Gedanken darüber machen, ob es auch in Tibet nicht eine Art von Protest bedeutet.
Das ist mal die eine Seite, aber verlassen wir mal die einseitige Berichterstattung und widmen uns den Klöstern und ihren Mönchen. Es ist unglaublich, wie religiös sich die Tibeter auch heute noch präsentieren, die Religion steht in dessen Leben noch ganz oben. Nirgends habe ich so viele betende Leute gesehen, und das nicht nur in den Klöstern. Um ihre Seele zu reinigen werfen sich die Tibeter auf den Boden und stehen wieder auf, und legen dabei einige Meter zurück. Dasselbe wird ja auch am heiligen Berg Kalashi gemacht, dessen Umrundung mehrere Kilometer dauert. Bei einer Umrundung werden die Sünden eines Jahres erlassen, das kann soweit gehen, dass die Sünden sogar für die kommenden Leben vorab getilgt werden. Je nachdem, wie viele Runden man um den Berg zurück legt. Hallo Katholiken, kommt das Euch nicht bekannt vor? Ein Glück müsst ihr nur zur Beichte gehen, ich würde vorschlagen, dies auch bei uns einzuführen. Wie wäre es mit Umrundungen des englischen Gartens in München? Da wäre doch Platz dafür. Und danach zur Freude gleich ein Maß Helles. Das wäre doch was, oder?
Spaß beiseite, in Tibet geht es noch einen Schritt weiter mit der Anbetung der Götter. Überall heißt es, es gibt keine Götter beim Buddhismus, warum habe ich sie aber alle kennen gelernt? Der Buddha der Barmherzigkeit, der Buddha der Kraft und Energie, Buddha der Weisheit u.s.w. Ok, sagt der Buddhist, das sind nur Reinkarnationen Buddhas, aber es handelt sich dennoch um die gleichen Götzenverehrungen, wie wir sie auch im Katholizismus kennen. Ich denke, da liege ich nicht falsch! Diese Reinkarnationen sieht man in allen Klöstern mehrfach abgebildet, entweder auf gemalten Bildern oder als mehr oder weniger große Figuren.
Und die Menschen kommen massenweise in all die Klöster, die es noch gibt. Jeder hat eine Kanne Yakbutter in den Gefäßen oder Plastiktüten. Diese wird dann in große Schalen und Gefäße geleert, damit die Kerzen weiter brennen. Auch dies erinnert mich an das Kerzen aufstellen in den katholischen Kirchen. Der Eintritt für die Klöster beträgt für die Touristen zwischen 30 Yuan und 100 Yuan (1€ liegt derzeit bei etwas 7,3 Yuan). Einheimische müssen für die Klöster allerdings nur 1-5 Yuan bezahlen, was ich absolut für richtig halte. Denn so hat auch jeder die Möglichkeit ein Kloster zu betreten. Aber dann wird kräftig gespendet. Und ich kann gleich vorweg sagen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Die Gläubigen werfen die Scheine nicht nur in große Glasbehälter in der Größe großer Aquarien, sie legen sie vor den Buddhas ab, klemmen sie zwischen Glasvitrinen oder legen sie einfach nur auf einen Sims. Es liegt überall Geld herum, und das in allen Räumen. Man muss fairerweise erwähnen, dass es sich hauptsächlich um kleine Scheine handelt, aber ich habe auch zwischendurch einige 100 Yuan Scheine gesehen. Das Geld liegt förmlich auf der Straße. Das ist nicht alles, die Klöster verlangen von den Touristen, dass sie für das Fotografieren bezahlen. Das Geld wird aber nicht auf einmal an der Kasse verlangt, das Bezahlen erfolgt pro Raum. Und das kann zwischen 10 Yuan, in der Regel 30 Yuan, oder unverschämterweise bis zu 125!!!!! Yuan sein. Manchmal gibt es in den Klöstern bis zu 10 solcher Räume. Das Drehen mit einer Filmkamera kann bis zu 1800 Yuan kosten. Eine Abzocke, wie ich sie bisher noch nie erlebt habe. In den Gebetsräumen, sowie im ganzen Potala Palast ist das Fotografieren übrigens ganz verboten. Wir wurden alle wütend. Das heißt doch im Klaren, fotografieren ist nicht erwünscht, aber wer reich ist, kann uns bezahlen. Welch eine Doppelmoral!
In jedem Raum sitzt bequem und gelangweilt ein Mönch, manch einer murmelt Gebete vor sich hin, spielen entweder auf ihren I-Phones (keine Ironie oder Übertreibung, das ist wahr!), zählen vor den Gläubigen die Geldbündel oder fegen das Geld auf. Ihr glaubt es nicht? Ich habe 24 Zeugen. Mönche sind natürlich auch Menschen, und natürlich müssen die Scheine Abends zusammengelesen werden, aber muss dies vor all den Gläubigen und Touristen sein?
Und dann der Höhepunkt, ich meine es war im Kloster Depong. Security bewachen einen Chinesen (klar erkenntlich in Tibet), der in Mülltüten die Kohle abholt. Wir haben selbst gesehen, wie der letzte verschnürt wurde. Natürlich finde ich es ok, dass die Klöster Steuer bezahlen, aber nach Infos im Internet und vor Ort (Ein Tibeter erzählte es uns im Vertrauen, die genaue Quelle behalte ich für mich) behalten die Chinesen 60% des Geldes ein. Mittlerweile bauen sie Klöster wieder auf, die sie noch 1959 und 1960 zerstört haben. Man ist darauf gekommen, dass man damit gut Geld verdienen kann und das religiöse Leben der Tibeter damit erheblich stören kann. Unglaublich? Nein, wahr!
Die Klöster sind unterwandert mit Spitzeln der Polizei, und das nicht nur unter den Mönchen, sondern auch unter den Gläubigen. Mit Hilfe eines Tibeters haben wir einen etwa 22-23jährigen Chinesen als Spitzel ertappt. Gelangweilt saß er neben uns am Boden, eine Schildmütze auf und verfolgte uns eine Weile nach. Ehrlich gesagt, wäre mir der junge Mann gar nicht aufgefallen, bevor ich den Tipp bekam. Aber es stimmte eindeutig, denn dieser bewegte sich immer in der Nähe des Reiseführers, spendete nichts und die Sehenswürdigkeiten wurden auch nicht beachtet.
Aber aus sonst treibt dieser Buddhismus seine Blüten, denn die armen Leute werden von Grund auf eingeschüchtert. Ein Beispiel gefällig? Einer Gläubigen wurde von einem Mönch erzählt, dass ihre Großmutter als Hund wieder auf die Welt kam, weil sie zu wenig betete und spendete. Von diesem Tag an, fütterte die gläubige Frau die Hunde in ihrer Nähe, betete und spendete besonders viel, damit sie die Oma wieder auf den rechten Weg bekam.
Vergisst den Lightbuddhismus in Europa, werdet wach, der wahre Buddhismus sieht anders aus, er ist keinen Deut besser wie der Katholizismus im Mittelalter. Götzenverehrung, Einschüchterung der Gläubigen und Ablass der Sünden durch Buße. Für uns alle war dies erschreckend.
Im Übrigen wird immer wieder erwähnt, wie toll die Tibeter zu den Tieren seien, denn unter den 5 Geboten des Buddhismus steht u.a. : Töte keine Lebewesen. Das machen sie auch nicht, und sie gehen mit Sicherheit besser mit Tieren um, als beispielsweise die Chinesen. Aber die Nomaden im Hochland würden ohne das Yakfleisch verhungern, denn in diesen Höhen wächst nichts. Die Tibeter lassen die Tiere töten und essen sie dennoch, nicht nur die Nomaden. Der Metzger hat natürlich dann einen unehrenhaften Beruf.
Nichts desto Trotz hege ich eine große Sympathie gegenüber dem heutigen Dalai Lama, der in Indien im Exil lebt. Er scheint mir ein besonnener, intelligenter und realistischer Mann zu sein. Wie ich gelesen habe, hatte er schon als Jugendlicher auf Vorschlägen des Lamas Kyabie Thuggsey Rinpoche gehört, die den Buddhismus in seiner jetzigen Form zu ändern und mehr soziale Kompetenz reinbringen. Leider kam es nicht mehr dazu. Der Buddhismus wird zwar als tolerant angesehen, doch wo bleiben die sozialen Einrichtungen, wie sie bei den christlichen und auch islamischen Lehren zu finden sind? Mittlerweile gibt es einige wenige Einrichtungen, die an Klöster angeschlossen sind. Und genau das wollte der Dalai Lama. Ich finde, dass er auch selbst sehr kritisch und ehrlich ist. Immerhin gibt er selbst zu, dass er ganz ohne Fleisch nicht auskommt. Des weiteren kritisiert er seine tibetischen Mönche mit den Worten: „Ich habe den Eindruck, dass buddhistische Mönche und Nonnen viel über Mitgefühl reden, ohne jedoch konkret etwas dafür zu tun.“ Schade, dass er weit weg ist von Lhasa, ich denke, so ein Mann würde dem tibetischen Volk sehr gut tun.
Übrigens sind auch die Bestattungsformen sehr interessant. Die Reichen bekommen meistens eine Bestattung in den Stupas, das sind geschlossene Grabmäler, die einfachen Leute erhalten die Luftbestattung. Der Leichenzerteiler schneidet die Leiche in kleine Teile und legt sie für die Geier aus. Was übrig bleibt, wird noch einmal zerstampft und noch einmal ausgelegt. Wehe, da bleibt dann noch etwas übrig, denn das wäre ein schlechtes Omen. Seebestattungen erhalten Bettler und Menschen ohne Angehörige. Auch hier werden die Teile zerstückelt und den Fischen zum Fraß vorgeworfen.
Kriminelle erhalten eine Erdbestattung, damit die Geister und Dämonen von der Erde verschwinden. Das es jedem noch einmal klar ist, das war nicht so, dass ist heute noch der Fall.

FAZIT

Trotz der Kritik war es die Reise wert. Wir hatten Einblick in ein Land, wie wir es nicht kennen, in ein Land das uns völlig fremd ist, eine Kultur, die wir wohl nicht verstehen können. Das Militär und den kommerziellen Buddhismus erschütterte uns, aber wir trafen unglaublich nette und ehrliche Menschen in Tibet. Sie sah selten so viele Menschen lächeln. Allein das war für uns eine Reise wert. Ich würde den Tibetern wünschen, dass es ihnen irgendwann mal besser geht. Aber sie trösten sich durch ihre Religion, es ist nur ein Durchlauf zum nächsten, besseren Leben. Gut, wenn man so etwas auch glauben kann, denn somit wird es zum Trost.
Des Weiteren sahen wir eine tolle Landschaft und eine umwerfende Kunst in den Klöstern. Jedem sollte aber im Klaren sein, dass man dort in eine andere Welt kommt, und das könnte auch bedeuten, dass man wegen des schlechten Wassere Keime einfängt, sich Krankheiten auf den Toiletten hält, oder die Auswirkungen der Höhe den Urlaub versauen können. Ich habe es dennoch nicht bereut! Zu erwähnen wäre noch, dass es in Tibet unheimlich billig, das Essen in der Regel recht gut (Buffet oder mehrere Speisen von drehenden Glastisch) und auch das Bier genießbar ist. Es gibt sogar sehr guten chinesischen Rotwein, was mich überraschte. Insgesamt benötigte gerade mal etwas über 200€ in zwei Wochen, wobei bestimmt 30-40€ an Souvenirs drauf gingen.. (Wir hatten übrigens Halbpension)
Der Aufenthalt in Peking hat mich etwas enttäuscht, ich denke, man hätte ein interessanteres Programm gestalten können. Auch das Eine oder andere Kloster hätte man sich sparen können, vielleicht hätte man einen anderen Programmpunkt hineinlegen können. Aber insgesamt gesehen, hat sich der Trip auf jeden Fall gelohnt.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
flubber

flubber

05.04.2014 14:52

BH und LG

Gitte456

Gitte456

07.12.2013 11:25

Waaaaaaaaaaaahnsinnsbericht....

crxbabe

crxbabe

22.11.2013 10:44

Da könntest du ja schon fast ein Buch draus machen ;) Tibet ist und bleibt für mich jedenfalls sehr interessant!

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