Ciao - für Leute mit eigener Meinung
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| Userbewertung | 23 Erfahrungsberichte |
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Pro nach Paris günstiger wie ein Flug, kurze Fahrzeit, in der Regel sehr pünktlich und zuverlässig
Kontra Kein Stromanschluss in der 2. Klasse, teures Bord-Bistr
Detailbewertung
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Wie lautet seine Haupthypothese:
"Was schief gehen kann, geht auch schief!"
Wie wahr!
Und wenn man dann so richtig im Schlamassel steckt, hilft dann nur noch das Vertrauen in eine seiner vielen anderen Behauptungen:
Genug der Vorrede!
Mozarteum war mal wieder auf Dienstreise und es war einmal wieder eine solche, auf der sich wohl alles gegen ihn verschworen hatte. Andererseits hält dann das Chaos, wenn man es zulässt, doch auch noch ein paar schöne Momente bereit.
Schweissgebadet lasse ich mich in den auf der Karte für den Thalys reservierten Sitz fallen und hole erst einmal tief Luft. Ich habe das Gefühl zu stinken, doch ist mir das in dem Augenblick egal.
Ich warte ein wenig und die kühle Luft in diesem klimatisierten Zug sorgt für eine langsam einsetzende Entspannung.
Ich bin auf dem Weg von Gâre du Nord, Paris nach Hause.
Jetzt kann eigentlich nichts gravierendes mehr schief gehen und strecke Murphy in Gedanken den berüchtigten Finger entgegen.
Ich stelle die Rückenlehne etwas nach hinten, mache es mir bequem und denke an die Geschehnisse der letzten Tage …
******Dienstag
Eigentlich habe ich ja Urlaub um meinen Verpflichtungen als Elternvertreter der Realschule meiner Tochter bei der Feierstunde der Abschlussklassen nachzukommen, aber was soll ich machen, wenn am Tag darauf einer der sporadischen SAP-Workshops in der Unternehmenszentrale in Paris angesetzt sind. Klar, ich könnte fliegen, aber ich ziehe die Fahrt mit dem Zug vor.Also, ab zur Schule, Rede gehalten, ein paar Gespräche mit den Lehrern und dem Direktor geführt und dann schnell mit dem Taxi zum Bahnhof.
*****Was ist nun dieser Thalys?
1996 wurde der Hochgeschwindigkeitszug erstmals eingesetzt. Er ähnelt sehr stark dem nationalen französischen TGV und gehört der Firma "Thalys International" in Brüssel - einer Kooperation der Deutschen Bahn, der französischen Bahn SNCF, der Niederländischen Eisenbahnen und der der belgischen Staatsbahnen SNCB/NMBS. Hauptproblem dieser internationalen Strecken sind die unterschiedlichen Spannungssysteme der beteiligten Länder. So gibt es über 15 Züge, die vier Spannungssysteme einsetzen können und ca. 10 mit nur drei (diese verkehren dann nur in Frankreich, Belgien und den Niederlanden).Der Thalys könnte mit einer Geschwindigkeit von 320 km/h fahren, aber nur in Frankreich gibt es eine Bahntrasse die diese hohen Geschwindigkeiten zulässt. In den anderen Ländern kann er nicht mit voller Geschwindigkeit fahren.
Die Verbindungen:Der Fahrt mit diesem Zug ist reservierungspflichtig und hier gibt es - wie ich hörte - verschiedene Kontingente. So kann man auch bis kurz vor Abfahrt noch zum Normalpreis Tickets kaufen.
Die einfache Fahrt von Köln nach Paris koste 82 Euro.
Bucht man frühzeitig, kann man die Kosten auf 67 Euro reduzieren.
Ach ja - und vergesst die Bahn-Card, denn die gilt bei diesen internationalen Zügen nicht!
Also stehe ich um 14.00 auf dem Essener Hauptbahnhof und warte auf meinen IC nach Köln und geniesse das sonnige Wetter.
Doch dann die allseits gefürchtete Ansage: ca. 10 Minuten Verspätung.
Kurze Zeit später werden daraus 15 Minuten.
Kein Problem, denke ich, denn ich hatte 25 Minuten Aufenthalt in Köln, das reicht.
Mit 22 Minuten Verspätung verlässt der IC dann letztendlich den Essener Hauptbahnhof - das wird knapp!
Ich lasse mich im Bistrowagen nieder, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit am grössten, einen der Zugbegleiter zu erwischen und bestelle mir erst einmal einen Kaffee.
Es dauert auch nicht lange, bis ich nach meinem Fahrschein gefragt werde. Der gute Mann versichert mir, dass der Thalys in jedem Fall auf uns warten wird!
Sein Wort in Gottes Ohr!
Puh … noch einmal gut gegangen und meine anfängliche Sorge um eine weitere Chaosreise (siehe: mozarteum geht in die Luft …) scheint sich nicht zu bestätigen.
Ich lasse mich auf meinem Platz nieder, packe meinen Laptop aus und finde endlich die Musse den Saharabericht für Euch fertig zu schreiben.Also mache ich es mir in meinem Sitz bequem, packe den Laptop auf die Ablage (sie ist aus Metall und nicht aus Plastik!) und so vergeht die Zeit wie im Fluge.
Die Triebwagen dieses Zuges sind in einem dunklen Weinrot lackiert, das sich überall im Zug wieder findet. Die Waggons sind weinrot und grau, die Sitzbezüge aus weinrotem Stoff und in der 1. Klasse aus weinrotem Kunstleder - oder vielleicht doch aus richtigem Leder? Hierzu könnt ihr Euch am Ende des Berichtes ein paar Bilder anschauen. Alles ist - bis auf den Bistrowagen - mit Teppichboden ausgelegt und somit herrscht überall eine gedämpfte, gemütliche Stimmung. Es gibt ausschliesslich Grossraumwagen und die Sitzabstände sind so bemessen, dass man bequem sitzen kann und auch lange Beine finden unter dem Sitz des "Vordermannes" genügend Platz zum ausstrecken.Weniger angenehm für mich ist die Tatsache, dass es sich um einen Nichtraucherzug handelt (das gilt selbst im Bistro!), aber bei EINer Fahrtzeit von unter 4 Stunden von Köln nach Paris lässt sich das gut aushalten!
Nun, da der Akku seinen letzten Piepser getan hat, mache ich es mir bequem, stelle die Rückenlehne zurück und gönne mir mit ein wenig Augenpflege in dem klimatisierten Atmosphäre etwas Entspannung und bin pünktlich um 18.55 Uhr in Paris …*****
So langsam fühle ich mich besser.Da ich "nur" zweiter Klasse reise müsste ich nun, im Gegensatz zu den privilegierten der 1. Klasse, meinen Becher selbst zu meinem Platz transportieren, aber ich entschliesse mich, ihn direkt hier zu trinken - es ist ja nicht so viel …
Die hohe Geschwindigkeit des Zuges noch hier in Frankreich ist kaum zu spüren. Kein schütteln oder rappeln … nur bei den vereinzelt durchfahrenen Tunnels verstärkt sich der Druck auf den Ohren …
*****
"Wenn Du denkst, es könnte nichts mehr schief gehen, dann bist Du auf dem Holzweg!" um diese Erfahrung könnte man den unerschöpflichen Schatz der Erkenntnisse Murphy's noch erweitern.Ankunft in Paris: pünktlich.
Wetter: hervorragend - Sonne und über 30 Grad.
Denkste!
Eine exorbitante Schlange erwartet mich am Taxistand und als ich dann nach fast einer Stunde Wartezeit auf dem Weg ins Hotel bin: Baustellen und Stau.*****
So langsam lässt auch die innere Spannung nach und ich spüre, dass auch der Kaffee die einsetzende Müdigkeit nicht mehr vertreiben kann. Der Lautsprecher verkündet gerade (auf französisch, niederländisch, englisch und deutsch), dass wir in wenigen Minuten in Brüssel eintreffen werden.Eigentlich müsste ich ja über das Erlebte einen Bericht für Ciao schreiben, denke ich so für mich, aber ich habe absolut keine Lust, den Lappy auszupacken.
Ich strecke die Beine aus, ignoriere den für mich selbst immer deutlicher werdenden Schweissgeruch, der aus meinen Klamotten kommt und bin einfach nur froh, dass sich niemand neben mich setzt. Die Augen fallen mir langsam zu und ich denke gerade noch daran, meinen Handywecker einzuschalten, damit ich in Köln Hauptbahnhof nicht vergesse auszusteigen …***'
…"Soll ich für Dich auch ein Taxi bestellen?" fragt mich mein englischer Kollege in der Mittagspause. "Dann brauchst Du nicht zu warten und wir können unser Meeting in Ruhe zu Ende bringen!"
Ich nicke und wir einigen uns darauf, um 17.00 Uhr Schluss zu machen, denn dann bleibt noch 1 Stunde Zeit für mich, den Bahnhof und für Andy und die Italienischen Kollegen den Flug zu erreichen.
1. Akt: 15.00 Uhr - es wird schlagartig dunkel und eine halbe Stunde später öffnen sich alle Himmelsschleusen und es schüttet.
Ein Blick aus dem Fenster fällt auf überschwemmte Strassen, auf denen sich die Autos nur noch im Schneckentempo vorwärts bewegen können.
Gott sei Dank sitzen wir im Trockenen.
Über eine Stunde schüttet es, begleitet von Blitz, Donner und den Sirenen von Einsatzfahrzeugen …
3. Akt: 17.45 Uhr - Ich hatte noch 10 Minuten bis zur planmässigen Abfahrt meines Zuges und kramte schon einmal mein Ticket aus der Laptoptasche, um dann den richtigen Waggon mit meinem reservierten Platz anzusteuern.
Aber was war das?
Es war kein Zug da.
Dann die Durchsage: wegen eines Unglückes in St. Denis wären bis auf weiteres alle Züge Richtung Norden blockiert.
Bingo!
Was schief gehen kann, das geht auch schief!
Also kämpfe ich mich zur Thalys-Information durch und nach einer halben Stunde Wartezeit erklärt mir die nette junge Dame geduldig, dass die Züge auf jeden Fall fahren würden, aber wahrscheinlich erst in zwei oder drei Stunden …
Toll!
4. Akt: 22.00 Uhr - der Kampf um ein Taxi hatte begonnen. Irgendwie schien es auf einmal in Paris keine Taxis mehr zu geben und die Warteschlange wuchs und wuchs. Nach einer halben Stunde Wartezeit hatte sich ungefähr die Hälfte der Schlange vor mir "abgearbeitet" und nach etwas über einer Stunde sass ich dann ziemlich fertig im Taxi zum Hotel.
Es ging ins Mercure, direkt hinter dem Boulevard Haussmann, und das liess man sich dann auch mit 175 Euro pro Nacht reichlich bezahlen.
Egal.
Was macht man nun, wenn man für zwei Tage Klamotten eingepackt hat und nun da steht, völlig durchnässt von Regen und Schweiss?
Den Koffer ausgepackt, ein T-Shirt und eine Unterhose rausgekramt und einmal mit Duschgel im Waschbecken durchgewaschen, das ganze dann vorsichtig in den Hosenbügler zum trocknen gepackt, geduscht und dann aus den restlichen Klamotten was tragbares rausgesucht, die Klimaanlage voll aufgedreht und dann auf den Weg zum nächsten Restaurant gemacht.
Irgendjemand stösst mich vorsichtig an.
"Polizeikontrolle, Ihren Ausweis bitte!" eine Dame in Zivil hält mir Ihren Dienstausweis unter die Nase.
Ich hatte gerade so schön geschlafen!
Na ja, wir waren mittlerweile schon kurz vor Aachen und jeder Fahrgast wurde kontrolliert und wurde gebeten, sein Gepäck zu identifizieren. Seit einiger Zeit ist jeder Reisende aufgefordert, sein Gepäck mit seinem Namen zu kennzeichnen und bekommt, falls das nicht geschehen ist, von den Zugbegleitern die entsprechenden Anhänger, bevor man einsteigen kann. Wer sein Gepäck nicht über den Sitzen sondern im Gepäckregal direkt an der Tür abgelegt hatte, wurde freundlich gebeten, die Polizisten zu begleiten.
Auch der Farbige nebenan bekommt nach kurzer telefonischer Überprüfung seinen Ausweis wieder zurück.
Ich bin völlig kaputt.
Ich nehme mein Handy und rufe erst einmal meinen Chef an, dass ich jetzt glücklich im Zug sitze, aber heute mit Sicherheit nicht mehr im Büro auftauchen werde.
"Wir sehen uns Montag, schönes Wochenende" verabschiedet er sich, nachdem er sich den Rest der Geschichte angehört hatte.
*****
Frisch geduscht und mit einer grossen Pizza und einem halben Liter Rotwein im Bauch falle ich dann gegen 1 Uhr todmüde ins Bett. Die Klimaanlage läuft auf vollen Touren, aber das stört mich jetzt absolut nicht mehr …
Na gut, also gönne ich mir noch in Ruhe einen Kaffee, beobachte die Passanten und mache mich dann auf den Weg ins Hotel.
Wieder kein Taxi zu kriegen … sch …Ich marschiere zum Fahrkartenschalter für den Thalys und - wen wundert's noch - reihe mich in der Schlange der Wartenden ein.
Vielleicht kann ich ja meine Ticket von gestern Abend umtauschen, hoffe ich, denn - und jetzt zitiere ich ausnahmsweise einmal:
Wichtiger Hinweis:
Thalys kann von der Pünktlichkeitsgarantie bei schwerwiegenden und längerfristigen Störungen des Verkehrsbetriebs ab Zeitpunkt der Bekanntgabe der entsprechenden Informationen zurücktreten."Wie sagte schon Murphy so treffend: "Du stehst immer in der falschen Schlange!"
Genau!
Die Nervosität steigert langsam zur Ungeduld …
Noch 7 Minuten bis zur Abfahrt!
Unglaublich!
Die Dame am Schalter nimmt mein Ticket zurück, schaut einmal kurz in eine Liste und meint dann, dass ich für den Umtausch 10 Euro bezahlen müsste.
Egal, immer noch billiger als ein neues Ticket und ob ich denn den Zug noch erreicht.
Sie nickt.
Noch 3 Minuten.
Kreditkarte …
Unterschrift …
Noch zwei Minuten …
Kurz bevor der Zugbegleiter die Tür schliesst, bin ich da …
… und ich habe es geschaftt!
Schweissgebadet lasse ich mich in den auf der Karte für den Thalys reservierten Sitz fallen und hole erst einmal tief Luft. Ich habe das Gefühl zu stinken, doch ist mir das in dem Augenblick egal.
*****In sechs Wochen muss ich wieder nach Paris …
… und ich werde wieder mit dem Thalys fahren!…
Danke für Euer InteresseEuer mozarteum
Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors
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Cuchulainn1981 26.02.2012 15:11
MaeusleXXL 10.02.2012 05:31
Super informativ berichtet...
Katzimoto 31.01.2012 20:24
So, jetzt habe ich dir auch das schönste Sonderticket mitgebracht :0)
Katzimoto 30.01.2012 21:23
Der Bericht kann uns nicht abschrecken, so eine Fahrt ist schon lange geplant und irgendwann werde ich das auch machen - bis Köln sind wir ja schon öfter gekommen, irgendwann werden wir statt nach Frankfurt oder München weiter nach Paris brausen. Komme morgen wieder :0)
Besnders hilfreicher Bericht.