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Erfahrungsbericht

für Thalys
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5 Sterne Murphy hat doch recht … Erfahrungsbericht mit Diamant-Prämierung Bericht mit Bildern
572 von 572 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro nach Paris günstiger wie ein Flug, kurze Fahrzeit, in der Regel sehr pünktlich und zuverlässig

Kontra Kein Stromanschluss in der 2. Klasse, teures Bord-Bistr

Detailbewertung

Pünktlichkeit:
Service
Freundlichkeit:
Sauberkeit:
Komfort:

Der Autor

mozarteum Seit 27 Dez 2000

Altes Ciao: Technikstümperei. Neues Ciao: grösseres Chaos mit neuen Herren ...Alles ist perfekter... mehr

324 Mitglieder vertrauen mir

Wie lautet seine Haupthypothese:
"Was schief gehen kann, geht auch schief!"
Wie wahr!
Und wenn man dann so richtig im Schlamassel steckt, hilft dann nur noch das Vertrauen in eine seiner vielen anderen Behauptungen:

"Hoffe nie auf Wunder, verlass Dich auf sie!"

Genug der Vorrede!
Mozarteum war mal wieder auf Dienstreise und es war einmal wieder eine solche, auf der sich wohl alles gegen ihn verschworen hatte. Andererseits hält dann das Chaos, wenn man es zulässt, doch auch noch ein paar schöne Momente bereit.

*****

Schweissgebadet lasse ich mich in den auf der Karte für den Thalys reservierten Sitz fallen und hole erst einmal tief Luft. Ich habe das Gefühl zu stinken, doch ist mir das in dem Augenblick egal.
Ich warte ein wenig und die kühle Luft in diesem klimatisierten Zug sorgt für eine langsam einsetzende Entspannung.
Ich bin auf dem Weg von Gâre du Nord, Paris nach Hause.
Jetzt kann eigentlich nichts gravierendes mehr schief gehen und strecke Murphy in Gedanken den berüchtigten Finger entgegen.

Erst einmal einen Schluck trinken und langsam vor sich hindösen … und dann zu Hause ein ausgiebiges Bad.
Draussen scheint wieder die Sonne und nichts erinnert an das Chaos des Vortages. In nicht ganz 4 Stunden werde ich in Köln sein und dann braucht es noch eine Stunde bis nach Essen…

Ich stelle die Rückenlehne etwas nach hinten, mache es mir bequem und denke an die Geschehnisse der letzten Tage …

******

Dienstag

Eigentlich habe ich ja Urlaub um meinen Verpflichtungen als Elternvertreter der Realschule meiner Tochter bei der Feierstunde der Abschlussklassen nachzukommen, aber was soll ich machen, wenn am Tag darauf einer der sporadischen SAP-Workshops in der Unternehmenszentrale in Paris angesetzt sind. Klar, ich könnte fliegen, aber ich ziehe die Fahrt mit dem Zug vor.
Mit dem IC/ICE bis Köln und dann mit dem Thalys nach Paris Gâre du Nord.
Fahrzeit incl. Umsteigen ca. 5 Stunden und genügend Zeit, mich auf die folgenden Tage vorzubereiten.
Mit dem Flugzeug wäre das in dieser Form nicht möglich und auch unter Kostenaspekten ist das eine recht sparsame Reisemöglichkeit.

Also, ab zur Schule, Rede gehalten, ein paar Gespräche mit den Lehrern und dem Direktor geführt und dann schnell mit dem Taxi zum Bahnhof.

*****

Was ist nun dieser Thalys?

1996 wurde der Hochgeschwindigkeitszug erstmals eingesetzt. Er ähnelt sehr stark dem nationalen französischen TGV und gehört der Firma "Thalys International" in Brüssel - einer Kooperation der Deutschen Bahn, der französischen Bahn SNCF, der Niederländischen Eisenbahnen und der der belgischen Staatsbahnen SNCB/NMBS. Hauptproblem dieser internationalen Strecken sind die unterschiedlichen Spannungssysteme der beteiligten Länder. So gibt es über 15 Züge, die vier Spannungssysteme einsetzen können und ca. 10 mit nur drei (diese verkehren dann nur in Frankreich, Belgien und den Niederlanden).

Der Thalys könnte mit einer Geschwindigkeit von 320 km/h fahren, aber nur in Frankreich gibt es eine Bahntrasse die diese hohen Geschwindigkeiten zulässt. In den anderen Ländern kann er nicht mit voller Geschwindigkeit fahren.

Die Verbindungen:
Paris - Brüssel - Liège - Aachen - Köln
Paris - Brüssel - Antwerpen - Rotterdam - Den Haag - Amsterdam
Brüssel - Paris (Flughafen Charles-de-Gaulles)
Paris Disneyland - Brüssel - Antwerpen - Rotterdam - Den Haag - Amsterdam
Paris - Brüssel
Paris - Mons - Charleroi - Liège
Paris - Brüssel - Antwerpen
Paris - Brüssel - Gent - Brügge - Ostende
Marseille - Avignon - Valence - Brüssel - Antwerpen - Rotterdam - Den Haag - Amsterdam

Der Fahrt mit diesem Zug ist reservierungspflichtig und hier gibt es - wie ich hörte - verschiedene Kontingente. So kann man auch bis kurz vor Abfahrt noch zum Normalpreis Tickets kaufen.
Die einfache Fahrt von Köln nach Paris koste 82 Euro.
Bucht man frühzeitig, kann man die Kosten auf 67 Euro reduzieren.
Ach ja - und vergesst die Bahn-Card, denn die gilt bei diesen internationalen Zügen nicht!

*****

Also stehe ich um 14.00 auf dem Essener Hauptbahnhof und warte auf meinen IC nach Köln und geniesse das sonnige Wetter.
Doch dann die allseits gefürchtete Ansage: ca. 10 Minuten Verspätung.
Kurze Zeit später werden daraus 15 Minuten.
Kein Problem, denke ich, denn ich hatte 25 Minuten Aufenthalt in Köln, das reicht.
Mit 22 Minuten Verspätung verlässt der IC dann letztendlich den Essener Hauptbahnhof - das wird knapp!
Ich lasse mich im Bistrowagen nieder, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit am grössten, einen der Zugbegleiter zu erwischen und bestelle mir erst einmal einen Kaffee.
Es dauert auch nicht lange, bis ich nach meinem Fahrschein gefragt werde. Der gute Mann versichert mir, dass der Thalys in jedem Fall auf uns warten wird!
Sein Wort in Gottes Ohr!

Er hat tatsächlich gewartet und kaum, dass ich den Zug betreten habe schliessen sich die Türen und der Tahlys setzt sich mit zwei Minuten Verspätung in Bewegung.

Puh … noch einmal gut gegangen und meine anfängliche Sorge um eine weitere Chaosreise (siehe: mozarteum geht in die Luft …) scheint sich nicht zu bestätigen.

Ich lasse mich auf meinem Platz nieder, packe meinen Laptop aus und finde endlich die Musse den Saharabericht für Euch fertig zu schreiben.
Genau hier kommt einer der wenigen Punkte zum tragen, die mir an diesem Zug nicht gefallen: es gibt in der zweiten Klasse keinen Stromanschluss und so ist die Arbeitsmöglichkeit auf die Dauer der Haltbarkeit eines PC-Akkus beschränkt. Ich habe Glück: bei meinem Exemplar älterer Bauart hält er knapp zwei Stunden!

Also mache ich es mir in meinem Sitz bequem, packe den Laptop auf die Ablage (sie ist aus Metall und nicht aus Plastik!) und so vergeht die Zeit wie im Fluge.

Die Triebwagen dieses Zuges sind in einem dunklen Weinrot lackiert, das sich überall im Zug wieder findet. Die Waggons sind weinrot und grau, die Sitzbezüge aus weinrotem Stoff und in der 1. Klasse aus weinrotem Kunstleder - oder vielleicht doch aus richtigem Leder? Hierzu könnt ihr Euch am Ende des Berichtes ein paar Bilder anschauen. Alles ist - bis auf den Bistrowagen - mit Teppichboden ausgelegt und somit herrscht überall eine gedämpfte, gemütliche Stimmung. Es gibt ausschliesslich Grossraumwagen und die Sitzabstände sind so bemessen, dass man bequem sitzen kann und auch lange Beine finden unter dem Sitz des "Vordermannes" genügend Platz zum ausstrecken.

Weniger angenehm für mich ist die Tatsache, dass es sich um einen Nichtraucherzug handelt (das gilt selbst im Bistro!), aber bei EINer Fahrtzeit von unter 4 Stunden von Köln nach Paris lässt sich das gut aushalten!

Nun, da der Akku seinen letzten Piepser getan hat, mache ich es mir bequem, stelle die Rückenlehne zurück und gönne mir mit ein wenig Augenpflege in dem klimatisierten Atmosphäre etwas Entspannung und bin pünktlich um 18.55 Uhr in Paris …

*****

So langsam fühle ich mich besser.
Mein Schweiss trocknet so nach und nach und vor meinem geistigen Auge erscheint eine duftende Tasse Kaffee …
O.K. warum nicht - also mache ich mich auf in den Bistrowagen
Es ist nicht viel los dort - was sicher auch an den heftigen Preisen liegt - und ich bestelle mir einen "kleinen Schwarzen".
Eigentlich bräuchte ich keinen mehr, als ich den Preis hörte, der meinen Kreislauf schon durch seine Nennung gefährlich in Aufregung versetzte: 2,60 Euro.
Das ist heftig.
Ein Blick auf die Speise- und Getränkekarte überzeugt mich dann, dass ich nicht träume und so mache ich ausgiebig Gebrauch von der kostenlos angebotenen Milch und dem Zucker.
Ausgleichende Gerechtigkeit.

Da ich "nur" zweiter Klasse reise müsste ich nun, im Gegensatz zu den privilegierten der 1. Klasse, meinen Becher selbst zu meinem Platz transportieren, aber ich entschliesse mich, ihn direkt hier zu trinken - es ist ja nicht so viel …
Die hohe Geschwindigkeit des Zuges noch hier in Frankreich ist kaum zu spüren. Kein schütteln oder rappeln … nur bei den vereinzelt durchfahrenen Tunnels verstärkt sich der Druck auf den Ohren …

Wieder wandern die Gedanken zurück …

*****

"Wenn Du denkst, es könnte nichts mehr schief gehen, dann bist Du auf dem Holzweg!" um diese Erfahrung könnte man den unerschöpflichen Schatz der Erkenntnisse Murphy's noch erweitern.

Ankunft in Paris: pünktlich.
Wetter: hervorragend - Sonne und über 30 Grad.

Jetzt nur noch schnell mit dem Taxi ins Hotel, danach ein kleiner Spaziergang, ein nettes Abendessen und anschliessend ein anregendes Pauderstündchen mit den anderen Kollegen aus ganz Europa …

Denkste!

Eine exorbitante Schlange erwartet mich am Taxistand und als ich dann nach fast einer Stunde Wartezeit auf dem Weg ins Hotel bin: Baustellen und Stau.
Eine weitere Stunde später, 30 Euro ärmer stehe ich endlich vor dem geplanten Hotel. Puh, geschafft.
Unnötig zu erwähnen, dass das Zimmer unter dem Dach liegt und die Klimaanlage nicht eingeschaltet ist …

*****

So langsam lässt auch die innere Spannung nach und ich spüre, dass auch der Kaffee die einsetzende Müdigkeit nicht mehr vertreiben kann. Der Lautsprecher verkündet gerade (auf französisch, niederländisch, englisch und deutsch), dass wir in wenigen Minuten in Brüssel eintreffen werden.
Noch 2 ½ Stunden bis Köln.

Eigentlich müsste ich ja über das Erlebte einen Bericht für Ciao schreiben, denke ich so für mich, aber ich habe absolut keine Lust, den Lappy auszupacken.

Ich strecke die Beine aus, ignoriere den für mich selbst immer deutlicher werdenden Schweissgeruch, der aus meinen Klamotten kommt und bin einfach nur froh, dass sich niemand neben mich setzt. Die Augen fallen mir langsam zu und ich denke gerade noch daran, meinen Handywecker einzuschalten, damit ich in Köln Hauptbahnhof nicht vergesse auszusteigen …

***'

"Soll ich für Dich auch ein Taxi bestellen?" fragt mich mein englischer Kollege in der Mittagspause. "Dann brauchst Du nicht zu warten und wir können unser Meeting in Ruhe zu Ende bringen!"
Ich nicke und wir einigen uns darauf, um 17.00 Uhr Schluss zu machen, denn dann bleibt noch 1 Stunde Zeit für mich, den Bahnhof und für Andy und die Italienischen Kollegen den Flug zu erreichen.

Dann nahm das Chaos seinen Lauf …

1. Akt: 15.00 Uhr - es wird schlagartig dunkel und eine halbe Stunde später öffnen sich alle Himmelsschleusen und es schüttet.
Ein Blick aus dem Fenster fällt auf überschwemmte Strassen, auf denen sich die Autos nur noch im Schneckentempo vorwärts bewegen können.
Gott sei Dank sitzen wir im Trockenen.
Über eine Stunde schüttet es, begleitet von Blitz, Donner und den Sirenen von Einsatzfahrzeugen …

2. Akt: 17.00 Uhr - Zeit zum Bahnhof zu fahren. Ich warte am Empfang auf das bestellte Taxi, aber es kommt nicht. Die nette Dame erklärt mir, dass anrufen keinen Sinn habe, weil in den Taxizentralen niemand mehr ans Telefon ginge. Durch das Wetter seien alle Taxis belegt. Toller Service!
Sie macht mir dann den Vorschlag, die Metro zu nehmen. Zum Gâre du Nord sei es ja nicht so sehr weit.
Ich mache mich auf den Weg durch den - mittlerweile nicht mehr ganz so starken - Regen. Klar, dass ich keinen Schirm dabeihatte …
Nun stellt Euch vor: Es ist Feierabendverkehr, es war eine Woche lang brütend heiss und der Wolkenbruch hatte dafür gesorgt, dass auch in die Gängen der Metro Wasser eingedrungen war. Besser gesagt, die Luft hätte einer Sauna alle Ehre gemacht.
Schweissgebadet kämpfte ich mich durch die Menschenmassen zu meinem Zug, immer darauf achtend, die richtige Richtung einzuschlagen, denn ich wurde von den hastenden Menschen weiter getrieben - ein Richtungswechsel wäre schier unmöglich.
Die Züge waren absolut überfüllt und während der Fahrt gelang es mir nicht einmal, ein Taschentuch aus der Hosentasche zu nehmen, um mir den Schweiss, der mir aus allen Poren lief, abzuwischen …
Dann endlich: Geschaftt, ich war am Bahnhof.

3. Akt: 17.45 Uhr - Ich hatte noch 10 Minuten bis zur planmässigen Abfahrt meines Zuges und kramte schon einmal mein Ticket aus der Laptoptasche, um dann den richtigen Waggon mit meinem reservierten Platz anzusteuern.
Aber was war das?
Es war kein Zug da.
Dann die Durchsage: wegen eines Unglückes in St. Denis wären bis auf weiteres alle Züge Richtung Norden blockiert.
Bingo!
Was schief gehen kann, das geht auch schief!
Also kämpfe ich mich zur Thalys-Information durch und nach einer halben Stunde Wartezeit erklärt mir die nette junge Dame geduldig, dass die Züge auf jeden Fall fahren würden, aber wahrscheinlich erst in zwei oder drei Stunden …
Toll!

Mittlerweile war es 21.00 Uhr geworden, meine Beine schmerzen vom Stehen, denn der Bahnhof ist überfüllt mit mehr oder weniger ruhigen Fahrgästen, die auf ihre Züge warteten und eine kurze Überlegung führte zu dem Ergebnis, dass ich wohl erst am anderen morgen zu Hause sein würde.
Gut, also informiere ich erst einmal meinen Chef - ja, der sitzt häufig noch um die Zeit im Büro. Der fackelte gar nicht lange und verordnete mir eine weitere Übernachtung und organisierte mir ein Hotel. Auch das war anscheinend gar nicht so einfach, denn bis er mich zurückrief und mir die Adresse mitteilte verging auch eine gute halbe Stunde.

4. Akt: 22.00 Uhr - der Kampf um ein Taxi hatte begonnen. Irgendwie schien es auf einmal in Paris keine Taxis mehr zu geben und die Warteschlange wuchs und wuchs. Nach einer halben Stunde Wartezeit hatte sich ungefähr die Hälfte der Schlange vor mir "abgearbeitet" und nach etwas über einer Stunde sass ich dann ziemlich fertig im Taxi zum Hotel.
Es ging ins Mercure, direkt hinter dem Boulevard Haussmann, und das liess man sich dann auch mit 175 Euro pro Nacht reichlich bezahlen.
Egal.
Was macht man nun, wenn man für zwei Tage Klamotten eingepackt hat und nun da steht, völlig durchnässt von Regen und Schweiss?
Den Koffer ausgepackt, ein T-Shirt und eine Unterhose rausgekramt und einmal mit Duschgel im Waschbecken durchgewaschen, das ganze dann vorsichtig in den Hosenbügler zum trocknen gepackt, geduscht und dann aus den restlichen Klamotten was tragbares rausgesucht, die Klimaanlage voll aufgedreht und dann auf den Weg zum nächsten Restaurant gemacht.

******

Irgendjemand stösst mich vorsichtig an.
"Polizeikontrolle, Ihren Ausweis bitte!" eine Dame in Zivil hält mir Ihren Dienstausweis unter die Nase.
Ich hatte gerade so schön geschlafen!
Na ja, wir waren mittlerweile schon kurz vor Aachen und jeder Fahrgast wurde kontrolliert und wurde gebeten, sein Gepäck zu identifizieren. Seit einiger Zeit ist jeder Reisende aufgefordert, sein Gepäck mit seinem Namen zu kennzeichnen und bekommt, falls das nicht geschehen ist, von den Zugbegleitern die entsprechenden Anhänger, bevor man einsteigen kann. Wer sein Gepäck nicht über den Sitzen sondern im Gepäckregal direkt an der Tür abgelegt hatte, wurde freundlich gebeten, die Polizisten zu begleiten.
Auch der Farbige nebenan bekommt nach kurzer telefonischer Überprüfung seinen Ausweis wieder zurück.
Ich bin völlig kaputt.
Ich nehme mein Handy und rufe erst einmal meinen Chef an, dass ich jetzt glücklich im Zug sitze, aber heute mit Sicherheit nicht mehr im Büro auftauchen werde.
"Wir sehen uns Montag, schönes Wochenende" verabschiedet er sich, nachdem er sich den Rest der Geschichte angehört hatte.

Obwohl ich nur den Kaffee getrunken hatte, verspürte ich doch so langsam ein gewisses Bedürfnis und machte mich auf den Weg zur Toilette.
Gut, der Zug an sich ist peinlich sauber und er wird auch vor jeder Fahrt gründlich aufgeräumt und gesäubert, aber das Klima in der kleinen, sehr warmen Kabine war nicht sehr angenehm …
Es stinkt und man hat das Gefühl, das alles klebrig ist - eine typische Zugtoilette eben.
Dennoch: ansonsten habe ich noch nie irgendwelchen Abfall auf dem Boden oder volle Abfalleimer gesehen, wenn ich im Thalys gereist bin!

*****
Frisch geduscht und mit einer grossen Pizza und einem halben Liter Rotwein im Bauch falle ich dann gegen 1 Uhr todmüde ins Bett. Die Klimaanlage läuft auf vollen Touren, aber das stört mich jetzt absolut nicht mehr …

Bevor ich mich dann am anderen Morgen über das recht ordentliche Frühstücksbuffet hermache, lasse ich mir vom Büro noch eben die Abfahrtszeiten des Thalys durchgeben. 9.55 Uhr … nö, das ist mir zu früh und danach fährt er alle zwei Stunden.
Zeit genug noch einen kleinen Bummel zu den Galéries Lafayette und über den Boulevard Haussmann zu machen. Vielleicht findet sich ja eine nette Kleinigkeit um meine Stimmung etwas anzuheben.
Denkste!
Die Hemden sind unbezahlbar und unsagbar hässlich, die Krawatten ebenso und der Gürtel, der mir gefiel, hatte bei weitem nicht die Länge, die für meinen Astralkörper erforderlich wäre …

Na gut, also gönne ich mir noch in Ruhe einen Kaffee, beobachte die Passanten und mache mich dann auf den Weg ins Hotel.

Wieder kein Taxi zu kriegen … sch …
Also packe ich meine Sachen und mache mich zu Fuss auf den Weg zum Gâre St. Lazare und reihe mich in die Schlange der wartenden Taxibedürftigen ein.
Nach einer Stunde ist es geschafft: ich sitze im Taxi.
Noch 50 Minuten bis zur Abfahrt - das reicht.

Ich marschiere zum Fahrkartenschalter für den Thalys und - wen wundert's noch - reihe mich in der Schlange der Wartenden ein.
Vielleicht kann ich ja meine Ticket von gestern Abend umtauschen, hoffe ich, denn - und jetzt zitiere ich ausnahmsweise einmal:

"Thalys hat Entschädigungsregeln eingeführt, nach denen die Kunden im Falle von Verspätungen eine Entschädigung erhalten. Diese Entschädigungen gelten außer im Falle von höherer Gewalt für Verspätungen von mehr als 30 Minuten. Genauer gesagt: Wenn der Thalys am Zielort mit einer Verspätung von mehr als 30, 60 oder 120 Minuten eintrifft, bieten wir jeweils 20, 50 oder 100% des betreffenden Streckenpreises als Entschädigung an.
Immer unter der Voraussetzung, dass der zu erstattende Betrag mindestens 5€ beträgt.

Wichtiger Hinweis:

Thalys kann von der Pünktlichkeitsgarantie bei schwerwiegenden und längerfristigen Störungen des Verkehrsbetriebs ab Zeitpunkt der Bekanntgabe der entsprechenden Informationen zurücktreten."
Quelle: www.thalys.de

Wie sagte schon Murphy so treffend: "Du stehst immer in der falschen Schlange!"
Genau!
Die Nervosität steigert langsam zur Ungeduld …
Noch 7 Minuten bis zur Abfahrt!
Unglaublich!
Die Dame am Schalter nimmt mein Ticket zurück, schaut einmal kurz in eine Liste und meint dann, dass ich für den Umtausch 10 Euro bezahlen müsste.
Egal, immer noch billiger als ein neues Ticket und ob ich denn den Zug noch erreicht.
Sie nickt.
Noch 3 Minuten.
Kreditkarte …
Unterschrift …
Noch zwei Minuten …

Da, das Ticket! Endlich!
Und jetzt schnell zum Zug!

Kurz bevor der Zugbegleiter die Tür schliesst, bin ich da …
… und ich habe es geschaftt!

Schwitzend quäle ich mich durch 5 Waggons zu meinem Platz …

Schweissgebadet lasse ich mich in den auf der Karte für den Thalys reservierten Sitz fallen und hole erst einmal tief Luft. Ich habe das Gefühl zu stinken, doch ist mir das in dem Augenblick egal.

*****

In sechs Wochen muss ich wieder nach Paris …

… und ich werde wieder mit dem Thalys fahren!

Danke für Euer Interesse

Euer mozarteum


Bilder

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Gâre du Nord
von mozarteum mozarteum

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Kommentare

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  • krimifan66 18.03.2012 07:53
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Besnders hilfreicher Bericht.

  • Cuchulainn1981 26.02.2012 15:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • MaeusleXXL 10.02.2012 05:31
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Super informativ berichtet...

  • Katzimoto 31.01.2012 20:24
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    So, jetzt habe ich dir auch das schönste Sonderticket mitgebracht :0)

  • Katzimoto 30.01.2012 21:23
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Der Bericht kann uns nicht abschrecken, so eine Fahrt ist schon lange geplant und irgendwann werde ich das auch machen - bis Köln sind wir ja schon öfter gekommen, irgendwann werden wir statt nach Frankfurt oder München weiter nach Paris brausen. Komme morgen wieder :0)

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