Thailand, Wissenswertes

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Mutige Frauen der Geschichte

5  09.03.2001 (01.03.2001)

Pro:
Interessantes Hintergrundwissen, auch Frauen sind stark

Kontra:
Keine

Empfehlenswert: Ja 

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Manchmal noch geringschätzig als "Hinterbein des Elefanten" bezeichnet, war und ist die thailändische Frau traditionell in der thailändischen Gesellschaft auch bestimmend. Während im westlichen Ausland die fehlende Emanzipation der thailändischen Frau angeprangert wird, gehen die thailändischen Frauen seit Jahrhunderten kämpferisch ihren eigenen Weg zur Emanzipation.

Der Fehler der meisten Kritiker gegenüber der thailändischen Gesellschaft und der Rolle der Frau in der Gesellschaft ist die fehlende, ausführliche Kenntnis der thailändischen Gesellschaft und der ausgewogenen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Pragmatisch, kämpferisch und ihrer Rolle bewusst, gehen die thailändischen Frauen traditionell ihren eigenen Weg. Somit muss die Bezeichnung "Hinterbein des Elefanten" als solche auch verstanden werden: Ohne diese kann der Elefant nicht laufen!

Am bekanntesten ist wohl ihre Majestät, die Königin Sirikit. Sie ist seit vielen Jahren, vorbildlich für viele thailändische Frauen, im sozialen und kreativen Bereich tätig. Ausserdem ist sie Präsidentin des Thailändischen Roten Kreuzes und unterstützt rund 150 private und öffentliche Wohlfahrtsverbände. Am bekanntesten ist ihr weltweit anerkanntes Support-Programm, das die traditionelle Handwerkskunst unterstützt, und damit schon viele Arbeitsplätze gesichert und gefördert hat.

Voe allem die Förderung sozial benachteiligter Frauen und Kinder liegen ihr am Herzen. Trotz aller körperlicher Anstrengungen und Krankheiten, setzt sie sich mit aller Kraft für ihre sozialen und kreativen Bereiche ein. Regelmässige Besuche und Inspektionen in ganz Thailand nutzt sie, um die Fortschritte der von ihr unterstützten Programme vor Ort zu überprüfen.

Hier sind einige weitere Frauen und ihre Taten beschrieben, die aus Eigenintiative und Selbstlosigkeit ihren ungewöhnlichen Weg zum Wohle ihrer Mitmenschen machten. Sie sind Bestandteil der thailändischen Gesellschaft und haben heute noch höchste Anerkennung.


Die Schwestern Muk und Chan

Rund 12 Kilometer nördlich von Phuket Town befindet sich, inmitten einer lebhaften Strassenkreuzung, das Wahrzeichen von Phuket, das den beiden Lokalheldinnen der Insel gewidmet ist: den Schwestern Muk und Chan. Unter deren kampfbereiten Führung hatten die Bewohner von Phuket die Burmesen zurückgeschlagen, die einmal versucht hatten, siamesisches Gebiet zu eroberen.

Seit Jahrhunderten hatten sich Siam und Burma fast kontinuierlich im Kriegszustand befunden. Nachdem die Schlachten zunächst nur in den nördlichen und zentralen Bereichen des Landes stattgefunden hatten, entsandten die Burmesen im Jahr 1785 eine Flotte, die Südthailand an sich reissen sollte. Gleichzeitig sollten der Norden und der Westen durch grosse Armeen angegriffen werden, um den Gegner in einem Vielfrontenkrieg zu erschöpfen.

Anfang Dezember 1785 setzte die Flotte unter dem Kommando eines gewissen Yiwun die Segel Richtung Takua Pa und Takua Thung, nördlich von Phuket. Beide Orte wurden aufgrund des unerwarteten Angriffes fast ohne Widerstand eingenommen. Die wenigen Soldaten und Regierungsbeamten versuchen einen sinnlosen Widerstand, wurden aber von den Burmesen getötet oder in die Flucht geschlagen. Einer der Geflüchteten mit dem Namen Phraya Pipit Phokhai, überquerte bei seiner Flucht einen Berg, der heute noch, obwohl mehr oder weniger unrühmlich Mount Prapipit, der Berg des Prapipit heisst.

Scheinbar unaufhaltsam bewegte sich die burmesische Flotte nun in Richtung Phuket, nach Thalang. Die Bewohner begannen, Barrikaden zu errichten, da der Gouverneur soeben verstorben und ein Nachfolger noch nicht ernannt war. In diesen Wirren traten schliesslich die Schwesten Muk und Chan auf den Plan.

Die beiden waren die ältesten Töchter eines ehemaligen Gouverneurs der Insel und seiner malaiischen Frau. Beide waren geachtet wegen ihrer hohen Stellung und Ausbildung in vielen Disziplinen. Mit lokalen Beamten organisierten sie den massiven Widerstand und kämpften selbst an vorderster Front, wo sie großen Mut bewiesen und dem Feind furchtlos gegenüber standen, wie in den Chroniken vermerkt wird. Sie täuschten den Besatzern vor, dass es in Thalang vor Soldaten nur so wimmelte, indem sich alle Frauen als Männer verkleideten. Unter ihrem Kommando wurden auch die in der Stadt vorhandenen Kanonen und Musketen in Stellung gebracht und abgefeuert. Die Schlacht um Thalang dauerte einen ganzen Monat (von Dezember 1785 - Januar 1786). Vom Widerstand überrascht und von den Anführerinnen geschockt traten die Burmesen den Rückzug an.

Aufgrund ihrer Heldenhaftigkeit wurden den Schwestern vom König Ehrentitel verliehen. Muk ( = Perle) wurde nun Sri Sundara oder Si Sunthorn genannt, was soviel bedeutet wie "Göttin der Schönheit"; Chan (= Dattelpflaume) tauschte ihren wenig angenehmen Namen gegen den Titel Deva Krasattri oder Thep Krasattri ein und wurde so zur "Kriegerin der Götter". Beide hatten bis zum Tod wichtige Aufgaben im einem Ministerrat zu erfüllen.

Erst im Jahre 1810 konnte die Stadt bei einer zweiten Attacke von den Burmesen eingenommen werden. In üblicher Art und Weise, die die Burmesen schon zuvor bei der Schlacht um Ayuthaya gezeigt hatten, wurde sie völlig geplündert und die Einwohner in die Gefangenschaft verschleppt.

Das Heldendenkmal zeigt heute die beiden Schwestern in Überlebensgrösse, mit gezücktem Schwert und mannhafter kurzer Frisur, so wie sie zu ihren Lebzeiten in Mode war. Die Statuen sind nach Nordwest ausgerichtet, die Richtung, aus der die Burmesen nach Phuket vorgedrungen waren. Zu feierlichen Anlässen schmücken die Einwohner von Phuket das Denkmal mit frischen Blumengirlanden und Räucherstäbchen. Dem unwissenden Touristen dient das Monument eher als unverwechselbarer Orientierungspunkt.


Die Heldin Khun Ying Mo

Im Zentrum von Nakhon Ratchasima (Khorat) befindet sich die Bronzestatue der lokalen Heldin Khun Ying Mo, kurz Mo oder Thao Suranari genannt. Sie wird von den Einheimischen noch heute sehr verehrt und um Glück angerufen, denn Mo war es, die die Einwohner im Jahre 1826 vor den einrückenden loatischen Truppen rettete.

Damals, während der Regierungszeit von Rama III., war das Königreich von feindlichen Mächten bedrängt. Nicht nur die Burmesen, sondern auch die Laoten bereiteten einen Eroberungskrieg gegen Siam vor.

Die laotischen Einheiten überschritten den Mekong und eroberten unter der Führung des laotischen Prinzen Chao Anuwong von Vientiane den Nordosten. Der Prinz war Herrscher von Vientiane und einst ein Vasall des thailändischen Königs Rama III. Chao Anuwong hatte sich von seinem siamesischen Verbündeten nicht gebührend geachtet gefühlt und befand sich ausserdem im dem Irrglauben, die Briten würden bald Siam angreifen. Der ehrgeizige Prinz Anuwong wollte ihnen zuvorkommen.

Seine Truppen eroberten mit List und Leichtigkeit die Stadt Khorat, in der sich praktisch nur ältere Menchen, Kinder und Frauen aufhielten. Die jungen und kräftigen Männer halfen beim Aufbau Bangkoks und der Verteidigung gegen die Burmesen. Die Stadt wurde von den Soldaten besetzt und andere Truppenteile marschierten weiter Richtung Saraburi, wo ihr Vormarsch jedoch von den Thais gestoppt werden konnte.

Khun Ying Mo, die Gattin des stellvertretenden Gouverneurs, erwies sich in dieser Situation als mutig und weitsichtig. Sie schlug einen riskanten Plan vor, der von allen Verantwortlichen als der wohl einzige Weg angenommen wurde. Um die mögliche Verschleppung und Versklavung nach Laos zu verhindern, wurde kein lokaler Widerstand aufgebaut, sondern man verhielt sich gegenüber den feindlichen Soldaten, die sie nach Laos abführten, sogar sehr entgegenkommend.

Die gefangenen Männer wurden unter scharfer Aufsicht gehalten, die Frauen dagegen konnten sich ziemlich frei bewegen, mussten aber Küchendienste leisten und den Soldaten die Nächte verschönern. Eine der Frauen war Mo, die Gattin des stellvertretenden Gouverneurs von Khorat. Sie erkannte bald, dass die Eroberer so selbstsicher ihrer Macht waren, dass sie nicht im Traum daran dachten, dass ihnen die gefangenen Frauen etwas anhaben oder gar gefährlich werden könnten.

Am dritten Tag der Entführung organisierte sie listenreich ein Fest für die loatischen Soldaten, die selbstsicher im weiteren Verlauf betrunken gemacht werden konnten. Nun sollte der Plan von Khun Ying Mo ausgeführt werden. Heimlich und unbemerkt konnte sie mit einigen anderen Frauen die männlichen Thais befreien. Mit viel Glück konnten sie sich zudem mit Messern, Stöcken und einigen Waffen der betrunkenen Soldenten bewaffnen. Bei einem Überraschungsangriff konnten die meisten der betrunkenen Soldaten überrascht und getötet werden. Der Rest wurde problemlos in die Flucht geschlgen. Im Siegeszug führte Mo ihre Leute nach Bangkok, um dort vor den möglichen weiteren Angriffen der laotischen Truppen sicher zu sein.

In Bangkok wurde sie von König Rama III., der vorab von den Geschehnissen erfuhr, mit höchsten Ehren empfangen. Sie erhielt den Titel Thao (= Lady) Suranari und wurde in den Adelsstand erhoben, wo sie unter den Namen Khun Ying Mo bekannt wurde. Die Thais unternahmen alsbald einen Gegenfeldzug und konnten die laotischen Hauptstadt Vientiane einnehmen. Der geschlagene Prinz Chao Anuwong floh daraufhin nach Vietnam.

Bis heute wird Khun Ying Mo von den Thais sehr verehrt, ganz besonders natürlich in Khorat. Viele Frauen sehen in ihr ein Paradebeispiel für weibliche Emanzipation und Stärke. Immerwährend sieht man am Sockel der im Jahre 1934 errichteten Statue, in dem sich auch die Asche der verstorbenen Nationalheldin befindet, Blumenkränze und andere Gaben der Bevölkerung. In der letzten Märzwoche wird zu Ehren von Khun Ying Mo das zehntägige Thao Suranari-Fest begangen. Geschmückte Umzüge und Musikveranstaltungen werden ihr zu Ehren abgehalten.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
total20

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09.08.2001 17:10

war mal wieder interessant bei dir zu lesen.kann deinen beitrag voll und ganz bestätigen.Bin mit einer thai 7j.verheiratet ;-)))

sevenar

sevenar

08.05.2001 14:19

Es ist immer wieder interessant etwas von Dir zu lesen. Ich konnte auch schon öfters die Erfahrung machen, dass Frauen in Thailand selbstbewußt sind, darüber aber nicht viel reden. Tschüß Sven

Weighardt

Weighardt

17.03.2001 22:49

Das kenne ich auch aus Indonesien: Die Frauen haben sehr wohl ihre Domänen, in denen sie auch geachtet und respektiert werden, und das ist nicht nur die Küche. Sehr wohl sind sie ausgesprochen emanzipiert, bekennen sich aber 100%ig zu ihrem Frau-Sein und übertreiben nicht gleich so, wie das bei uns zu Lande leider der Fall ist. In Thailand habe ich nicht so die Einblicke wie Du, kann mir aber vorstellen, was du meinst.

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