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Mönchsleben auf dem Land

5  20.11.2000 (04.12.2000)

Pro:
Mönche gehören zum Alltag der thailändischen Gesellschaft

Kontra:
Keine

Empfehlenswert: Ja 

privily

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Erfahrungsberichte:259

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Dieser Beitrag soll Ihnen einen Einblick in das Leben der Mönche in den ländlichen Gebieten Thailands ermöglichen. Sie werden dadurch auch viel offener gegenüber den Buddhismus und dem Denken und Fühlen der Thais treten können. Die meisten Beobachtungen machte ich dabei in der kleinen Ortschaft Nong Chok, in der Nähe von Minburi, im östlichen Randgebiet der Region Bangkok. Dort gibt es noch viele intakte und genutzte Kanäle, die Klongs, wo sich auch zwei Wat befinden, die mir bei meinen Beobachtungen „Modell“ standen. Doch es waren nicht nur Beobachtungen, sondern auch viele Gespräche mit den Mönchen, den Anwohnern und Familienmitgliedern, um alles verstehen zu können.

Will man tiefer in die Kultur und den Charakter der Thais eindringen, ist es notwendig, sich mit ihrer Religion zu befassen. Der Buddhismus wird in den ländlichen Gebieten noch am meisten gepflegt, wo immerhin ca. 65% der Bevölkerung Thailands lebt. Der thailändische Buddhismus gehört zur sogenannten südlichen Schule, dem Hinayana-Buddhismus, dem auch die meisten Nachbarstaaten, außer Vietnam, angehören. Das Gegenstück zum Hinayana-Buddhismus, der z.B. in China, Japan und Vietnam gepflegt wird, ist der Mahyana-Buddhismus.

Noch immer wird der Buddhismus in der westlichen Welt fehlinterpretiert. Der Buddhismus ist keine Religion im eigentlichen Sinn des Wortes, sondern eher eine ethische Gesinnung und Philosophie. Dabei betet der Buddhist keinen Gott an, sondern strebt den Weg Buddhas an, um nach den Regeln des Buddhismus zu leben, und dafür später eine Erlösung zu erlangen, die ihm der Wiedergeburt anrechnet wird.

Der Wohnort-der Wat
Der Buddhismus wird in den vielen Klöstern, den Wats, von den Mönchen gepflegt und weitergegeben. Solch ein Wat ist in zwei Hauptbezirke unterteilt: der Wohnbereich der Mönche und der religiöse Bereich mit seinen Kultbauten. Den Wohnbereich bezeichnet man als Sangha, er kann je nach Größe des Klosters, aus einem oder mehreren Gebäuden bestehen. Außer der Wohnung des Abtes, dem Oberhaupt des Wat, sind alle Wohnungen schmucklos.

Wer Abt werden möchte, muß wenigstens zehn Jahre Mönch gewesen sein und sich dadurch Ansehen und Recht erworben haben. Er muß sich mit allen religiösen Angelegenheiten auskennen und zusätzlich Kenntnisse der Traditionen in seiner Gemeinde haben. Seine Ernennung erfolgt durch einen Ältestenrat. Die jüngsten Mönche (Bikkhu) leben zumeist in Gemeinschaftsunterkünften, ältere Mönche haben meist ein eigenes Zimmer, das oftmals auch als Meditationszelle (Kuti) bezeichnet wird. Die Halle (Sala) im Wohnbereich dient zugleich als Speiseraum, als Gebetshalle und als Unterrichtsraum, wo der Mönchslehrer die Tempeljungen Lesen und Schreiben lehrt. Hier befindet sich auch eine Küche. Manche Wats sind manchmal so klein, dass sie nur über ein einzige Häusergruppe verfügen.

Bis zu Beginn dieses Jahrhunderts hatte die Sangha noch größerer Bedeutung als heute. Früher waren die Klöster Schule, Krankenhaus, Altenheim und religiöses Zentrum in einem. Nach der Modernisierung des Staates blieb nur noch die religiöse Funktion der Sangha erhalten, auch wenn selbst heute noch vielen größeren Klöstern Schulen angegliedert sind, die eine nicht geringe Schülerzahl unterrichten. Dazu kommen zwei bedeutende buddhistische Universitäten in Bangkok.

Der Bot ist das heiligste Gebäude im Wat und gehört zum religiösen Bereich. Dort werden vor allem die Ordinationen abgehalten. Im Viharn thront die heiligste Buddha-Figur des Klosters. Der Viharn ist meistens ein hallenförmiges Gebäude, das den Mönchen und Laien als Stätte der Andacht und der Opferungen dient. In manchen (ärmeren) Klöstern kann der Viharn jedoch ganz fehlen und in manchen (reicheren) Klöstern gibt es sogar mehrere. Hier befinden sich auch eine Glocke oder Trommel, die dazu verwendet werden, um die Mönche oder die Gemeinde zu den Andachten oder anderen Gelegenheiten zusammenzurufen.

Fast jedes Dorf verfügt über einen Wat. Der Bau eines Klosters gilt als höchst verdienstvoll. Derjenige, der nichts spenden kann, hilft beim Bau mit. Natürlich fragt man sich als außenstehender Farang, warum die Thais mehr Zeit investieren neue Wats zu bauen, statt mehr alte und ältere zu renovieren. Bei der Bevölkerung besteht der Glaube, dass der Verdienst für die Renovierung eines Wat dem ursprünglichen Erbauer zugute kommt. Um jedoch einen höhe-ren Verdienst für sich selber zu erlangen, unterstützt man lieber den Bau eines neues Wat oder neuen Gebäudes. Viele Gläubige vererben nach ihrem Tod z.B. dem naheliegenden Wat Immobilien. Das können frei Grundstücke, Reisfelder oder auch Gebäude mit Land sein. Dadurch kann der Wat sein Areal entweder vergrößern oder z.B. das geerbte Land weiter verpachten, um aus den Einkünften den Unterhalt des Wat zu gewährleisten.

Einfluß eines Wat
Dorfklöster sind nicht nur religiöse Zentren, sondern auch kostenlose Herberge für die Alten, Waisen und Reisenden. Zudem stellen sie noch immer eine Alternative zum öffentlichen Schulsystem dar. Viele Bauernsöhne bleiben Mönch, um nach der 4-6 jährigen Grundschulzeit eine weiterführende Bildung zu erhalten. Auch wissen die Klöster am besten, welche sozialen Probleme in der landwirtschaftlichen Entwicklung auftauchen können. Die Klöster haben heute noch großen Einfluß auf das Dorfleben, sei es, schlechten Dorfklatsch aus der Welt zu räumen oder Dorfangelegenheiten mitzuregeln.

Die Ordination
Gemäß der Tradition soll jeder männliche Thai etwa mit Vollendung des zwanzigsten Lebensjahres, möglichst vor einer Heirat, für einige Zeit in den Mönchsorden eintreten. Im Volksglauben gewinnt man großen Verdienst, wenn man für einige Zeit Novize oder Mönch wird. Aber auch all diejenigen, die die Kosten der Ordination bestreiten oder unterstützen, erlangen großen Verdienst. Derjenige, der nicht Mönch geworden ist, gilt insbesondere in den kleineren Dörfern immer noch als unreif. Sein Ansehen ist nicht groß, da man ihn für unvollkommen hält. Durch Einführung eines „westlichen“ Schulsystems und einer modernen Arbeitswelt ist die Dauer für einen Aufenthalt im Kloster nicht mehr festgelegt, und kann einige Wochen, Monate oder ein ganzes Leben betragen. In den Großstädten soll schon jeder dritte Mann den Brauch nicht mehr folgen. Auch das Mindestalter von 20 Jahren hat keinen Bestand mehr. In vielen Klöstern sieht man zehn- bis zwölfjährige Jungen, die zunächst die schulische Ausbildung im Buddhismus im Wat beginnen, und im Alter von 15 Jahren als Novizen aufgenommen werden.

Die Ordination eines Mönches wird von einem sogenannten Mönchrat, den ältesten Mönchen eines Wat, vorgenommen. Der Zeitraum der Ordination ist meistens zwischen den Monaten Juli und Oktober. Dies ist auch die Zeit, wo sich die Mönche zu religiösen Schulungen zurückziehen. Für die Ordination muß eine bestimmte Zeremonie abgehalten werden, die vorher eingeübt wird und wie folgt abläuft:

Der junge Mann bereitet eine Schale vor, auf der Räucherstäbchen, Wachskerzen und Blumen liegen. Diese übergibt er seinen Eltern oder älteren Verwandten. Dabei kniet er sich vor ihnen hin und verbeugt sich in der Haltung der Verehrung mit gefalteten Händen vor ihnen. Dadurch erweist er ihnen Respekt und unterrichtet sie von seiner Bereitschaft, in die Ordination zu gehen. Anschließend erfolgt ein zeremonieller Abschiedsgruß mit folgendem Inhalt: „Ich bitte darum, das alle Taten, die ich in Gedanken, Handlungen oder Worten gegen sie gewendet habe, gnädig zu vergeben“. Nachfolgend verabschieden sich die Eltern oder Ältere und der junge Mann verbeugt sich nochmals mit gefalteten Händen bis zum Boden.

Einen Tag vor dem Eintritt ins Kloster findet große Aufregung statt. Nachbarn und Verwandte bringen Geschenke und Spenden, meistens Geld, vorbei, um zu unterstützen und Verdienste zu erwerben. Gemeinsam wird alles hergerichtet und das Essen vorbereitet. Der angehende Mönch war vorher für einige Zeit als Laie ins Kloster eingetreten, um zu lernen, wie er in Pali Fragen beantworten muß, die ihm die älteren Mönche bei der Ordination stellen werden. Zur Zeremonie gehört auch das Schneiden der Haare, der Augenbrauen und des Bartes. Danach wird er ganz in Weiß eingekleidet, das Symbol der Reinheit.

Am Nachmittag vor dem Tag der Ordination schreitet der Kandidat, meistens mit anderen Kandidaten, in einer Prozession durch die Ortschaft. Gegen Abend erfolgt nicht nur das gemeinsame Essen, sondern auch die Tham Khwan-Zeremonie. Khwan, der persönliche Geist, soll dadurch gestärkt werden, damit der Kandidat die Zeit im Kloster durchhält. Mit Absprache des Wats kann dann die Uhrzeit der Ordination festgelegt werden. Der Kandidat begibt sich zu einer Prozession vor seine Haus zum Wat. Er muß auf dem Weg zum Wat in seinen gefalteten Händen eine Kerze, Räucherstäbchen und eine Lotosblume tragen. Dies symbolisiert eine Verehrungsgeste. Mitgeführt werden die acht Requisiten eines Mönches: die Almosenschale, den herkömmliche Rock, das Übergewand, das Schultertuch, den Gürtel, das Rasiermesser, die Nadel und den Wasserfilter. Außerdem bringt man Roben und andere Gaben für den zukünftigen religiösen Lehrer des Kandidaten und den Mönchen.

Im Bereich des Bot, der Gebetshalle, angekommen, umschreitet die ganze Prozession dreimal im Uhrzeigersinn den Bot. Der Kandidat, der bereits vor dem Eintreten in den Bot-Bereich abgestiegen ist, geht zu einem der Grenzsteine vor dem Bot, erweist diesem seine Verehrung und spricht eine Pali-Formel. Dieser Grenzstein symbolisiert den Wohnort eines Schutzgeistes, der besänftigt werden muß. Danach erhebt er sich und geht in das Bot. Beim Betreten des Ordinationsraumes im Bot wird der Kandidat vor seinen Eltern oder seinem Förderer an der Hand geführt. Freunde und Verwandte folgen ihnen. Während sie hintereinander schreiten, sind sie alle mit einem lockeren Baumwollfaden in der Hand verbunden. Dieser Faden symbolisiert praktisch eine Art Verdienstleistung, damit jeder den gleichen Anteil an Verdienst erhält.

In der Ordinationshalle werden danach alle Geschenke abgelegt und man setzt sich. Der Kandidat zündet zunächst zur Verehrung Buddhas eine Kerze an und verbeugt sich. Dabei steht das Podest mit der Buddhastatue vor ihm, darunter sitzt die Versammlung der Älteren. Die Kerze hat auch eine Symbolik. Sobald die brennende Kerze an ihrem vorgesehenen Platz gesteckt wird, wird sie als Vorzeichen für das Mönchsleben gedeutet. Steht sie aufrecht, wird er der Religion lange dienen. Neigt sich die Kerze ein wenig, was meistens der Fall ist, wird er nicht sehr lange im Orden verbleiben. Je stärker sie sich neigt, desto kürzer wird sein Aufenthalt im Kloster sein. Jetzt erfolgt die Übergabe der gelben Mönchsgewänder. Der Kandidat muß sich vor den älteren Mönchen niederhocken und das Gewand mit beiden Händen hochhalten. Nun muß er mit lauter Stimme in Pali den Ältestenrat um seine Ordination als Novize bitten. Wird die Zustimmung erteilt, geht er hinaus, um sich umzuziehen. Dabei wird ihm geholfen. Danach kommt er zurück, um sein Gelübde abzulegen, was wieder von einem älteren Mönch entgegengenommen werden muß. Danach muß er die Mönchsversammlung bitten, im Orden aufgenommen zu werden. Er überreicht dazu dem Obermönch die Almosenschale, der sie ihm dann mit einer Schlinge über die Schulter hängt.

Zwei ältere Mönche nehmen sich dann seiner an und er wird in die Nähe des Rates geführt. Dort muß er vorgeschriebene Fragen in Pali mit Ja oder Nein beantworten. Diese Prozedur wurde vor der Ordination als Laie geübt. Sollte doch mal eine Frage falsch beantwortet werden, wird die Frage einfach wiederholt, damit der Kandidat die Frage richtig beantwortet. Da es für die jungen Menschen oft schwer ist, alles auswendig zu lernen, ist der Rat in dieser Beziehung geduldig. Danach wenden sich die beiden fragenden Mönche vom Kandidaten ab und teilen dem Rat mit, dass der Kandidat bereit sei. Erst jetzt wird der Kandidat vom Rat in den Orden aufgenommen. Die Zeit seiner Ordination wird genauestens notiert, da oftmals mehrere Mönche gleichzeitig ordiniert werden. Nun beginnt der neue Mönch, die Geschenke an die älteren Mönche zu verteilen, und er selbst empfängt ebenfalls Geschenke von Freunden und Verwandten.

Das Leben als Mönch
Ein junger Mann ist jetzt Mönch geworden und muss sich nun anderen Regeln unterwerfen. Er muss insbesondere eine innere Ruhe finden und lernen unterwürfig sein zu können. Be-scheidenheit und Zurückhaltung sind die zu erlernenden Tugenden. Nach der Ordination kann der junge Mönch auf Wunsch im Wat bleiben, in dem er ordiniert wurde, oder er hat auch die Möglichkeit, in einem anderen Wat aufgenommen zu werden. Gewöhnlich bleiben die Mönche, die längere Zeit in einem Wat verbleiben möchten, in der Nähe ihres Wohnortes oder Geburtsstätte. Den meisten ist der Wat am Wohnort auch vertrauter. Mancher der jungen Männer war schon in seiner Kindheit für kurze Zeit Novize.

Als Mönch hat er nicht nur die Ordensregeln und die buddhistischen Regeln zu erlernen, sondern muss vorwiegend Verdienste erwerben. In den ersten Tagen muss sich der junge Mönch erst einmal in seiner vertrauten und doch neuen Umgebung einrichten. Dabei helfen ihm natürlich die älteren Mönche, wobei mit älteren Mönche diejenigen gemeint sind, die beschlossen haben für immer im Wat zu leben, und nicht, dass es sich nur um alte Mönche handelt. Spätestens am zweiten Tag, nach der Ordination, muss ein Mönch ausziehen, um Almosen zu empfangen. Es ist seine Pflicht, dies zu tun. Die Thailänder bezeichnen diese Tätigkeit als Prot Sat, wörtlich übersetzt: „Barmherzigkeit den Kreaturen erweisen“. Die Gläubigen (Kreaturen) haben durch die Abgabe von Essen und Geschenken die Möglichkeit, Verdienst zu erwerben. Der Mönch nimmt die Rolle eines Priesters an, der durch die Annahme der Almosen diesen verdienst ermöglichst. So muss der Spender bei dem Mönch seinen Dank mit einem Wai aussprechen, dass er seine Gaben annimmt und nicht umgekehrt muss sich der Mönch bedanken. So erhalten die Mönche den größten Teil ihres Essens nur durch diese Almosen, den sie dann gemeinsam im Wat gemeinsam verspeisen.

Der Tag eines Mönch
Der Tagesablauf eines Mönches ist von vier Dingen bestimmt: Almosen sammeln, Medita-tion, Gebete und Studium der buddhistischen Schriften. Die Mönche stehen in der Regel bereits gegen vier Uhr morgens auf. Geweckt wird die Mönchsgemeinde durch das regelmäßige Anschlagen einer Glocke im Wat. Durch das Glockengeräusch werden nicht nur die Mönche geweckt, sondern auch die umliegenden Bewohner. Die Gläubigen haben dann etwa drei Stunden Zeit, bevor die Mönche an bestimmten Stellen stehen werden, um die Speisen zu empfangen. Der Reis, die Hauptspeise, muss dabei immer frisch gekocht sein, damit man Verdienste erwirbt. Dabei werden meistens bessere Speisen gespendet als man selber isst.

Nach dem Aufstehen erfolgt die Morgentoilette und das Waschen am Kanal oder im Waschraum. Danach sieht man die Mönche innerhalb des Wat-Breiches. Sie tragen ihre Roben so, dass ihre rechte Schulter frei bleibt. Wenn sie den Wat verlassen, sind die Schultern immer bedeckt. Nun erfolgt das Lesen und Erlernen von buddhistischen Schriften. Diese Übungen dienen auch dazu, die buddhistischen Texte auswendig zu lernen. Das Rezitieren solcher Texte erfolgt meistens gemeinsam. Anschließend erfolgt der Weg der morgentlichen Almosensammlung. Auf dem Land gehen die Mönche hintereinander zu einem bestimmten Platz, wobei der rangshöchste Mönch vorne geht und der jüngst ordinierte Mönch ganz hinten. Die Mönche, deren Wat am Kanal nur schwer zu erreichen ist, kommen mit einem Boot, meistens mit zwei Mönchen besetzt, zu den am Kanal liegenden Häusern. In einer Metropole wie Bangkok ist dies kaum möglich, so dass die Mönche sich trennen, und einzeln losgehen, um Almosen einzusammeln, und sich dann wieder vereinen, um gemeinsam zum Wat zurückzukehren. Mönche, die z.B. wegen Krankheit nicht mitgehen können, lassen sich meist durch einen Tempeljungen vertreten.

Gemäß den buddhistischen Regeln darf ein Mönch keine Speisen oder andere Gaben nehmen, wenn sie nicht von jemanden überreicht oder angeboten werden. Wer, im seltesten Falle, sich gegen die Regeln benimmt und keinen Respekt zeigt, dem kann durchaus sie Annahme seiner Spende verweigert werden. Mit einem Wai bedankt sich der Spender beim Mönch. Der Spender sollte auch nicht den Kopf eines Mönches überragen, sondern möglichst sich bei ihm mit einem Wai tiefer verbeugen. Dies ist eine Geste der Achtung.

Frauen dürfen den Mönch nicht berühren. Entweder müssen sie ein Tuch oder Tablett vor dem Mönch hinlegen, von dem der Mönch die Gaben entnehmen kann oder sie hält ihm ein Tablett entgegen, von dem es der Mönch selber nimmt. Für einen Mönch stellt es eine Sünde dar, während seines Zölibats willentlich oder unwillentlich den Körper einer Frau zu berühren. Und dieses Verbot erstreckt sich auch auf Frauen. Nach der morgentlichen Rückkehr zum Wat nehmen die Mönche gemeinsam das Essen ein.

Bis zur Mittagszeit können viele Aufgaben wahrgenommen werden. Sei es das Auswendig lernen buddhistischer Schriften, der Empfang von Gläubigen oder Unterweisungen von älteren Mönchen. Die Nachmittage dienen der Selbstfindung und einem zeitlichen Freiraum. Einige Mönche schlafen aber auch, einige meditieren oder erledigen Aufgaben, die zum Erhalt des Wats notwendig sind. Nach drei Monaten (oder längerer Zeit) verlassen die meisten Mönche das Kloster wieder.

Die Tempeljungen
Im Thai werden die Tempeljungen als Lu Sit bezeichnet. Der Luk Sit ist im Grunde ein Knabe von etwa acht oder neun Jahren, der dem Mönch Arbeiten abnimmt. Als Gegenleistung bekommt er Religionsunterricht und wird im Lesen und Schreiben unterwiesen. Da sich viele Eltern in den ärmeren Regionen trotz Schulpflicht eine Schule kaum leisten können, werden viele Tempeljungen in den Klöstern aufgenommen. Der Mönchslehrer übernimmt dabei die Rolle des Lehrers und des Erziehers. Deshalb nennen die Tempeljungen ihren Mönchslehrer auch Luang Pho oder Luang Pu, was ehrwürdiger Vater oder ehrwürdiger Großvater bedeutet.

Der Tempeljunge hat die Möglichkeit im Wat zu wohnen, oder, wenn seine Eltern oder Verwandten nicht so weit wohnen, jeden Abend zu einer Familie zu gehen. Den Tempeljungen wird, wegen ihres geringen Alters, viele Freiheiten gelassen.Die Aufgaben eines Tempeljungen sind zum Beispiel die Wohnungen fegen, das Geschirr zu spülen, das Essen vorzubereiten oder auch, sofern vorhanden, den Garten zu pflegen. Die Tempeljungen dürfen erst dann essen, wenn die Mönche mit ihrem essen fertig sind; wobei auch hier oft ein Auge zugedrückt wird. Sie leben meistens nur wenige Monate im Wat.

Weibliche Mönche
Die etwa 10.000 Klosterfrauen werden „maetschi“ genannt. Sie unterliegen anderen Regeln als die Mönche, ihnen ist auch der Umgang mit Geld gestattet. Daher übernehmen die maetschi oftmals die Bewirtschaftung von Mönchssiedlungen. Die meisten Klosterfrauen kümmern sich auch zunehmend um die Pflege älterer Menschen und Waisenkinder.

Die Zukunft des Mönchstums
Thais, die mehr auf Drängen der Familie als aus eigener Überzeugung Mönch geworden sind, wandeln das Bild des Mönchstums. Durchaus kann man, wenn auch nur vereinzelt, rauchende Mönche sehen oder Mönche mit einem Walkman in der Hand. Auch gab und gibt es Mönche, die gegen elementare Mönchsregeln verstoßen haben (Wahrsagerei, Völlerei, keine sexuelle Enthaltsamkeit, Lotterieverkauf). Wenn die gesellschaftliche religiöse Entwurzelung ihren weiteren Weg geht, so wird die ursprüngliche Lehre keine eindeutige Chance erhalten. Die Kritik in Thailand wird lauter und die Diskussionen in der Gesellschaft immer größer. Man muss abwarten, wie sich alles entwickelt.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
privily

privily

22.11.2000 09:32

Vielen Dank an alle für das Lob. Würde mich freuen, wenn Ihr entsprechend alle Beiträge von mir lesen würdet, und entsprechend bewertet. Hilft mir auch festzustellen, wo ich noch was zu verbessern habe. Danke!

Manu1111

Manu1111

20.11.2000 22:37

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