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Don't mess with TEXAS!
Pro Groß, aufregend, Texas-Size
Kontra Teuer, heiß
Einer meiner ältesten Freunde hat das große Glück, bei IBM als Systementwickler zu arbeiten. Im Rahmen dieser Tätigkeit reist er mehrfach im Jahr für ein paar Tage bis Monate in die USA, um Nachhilfe zu erteilen. Meist verschlägt es ihn dabei an sonnige Plätze wie Miami Beach oder ähnliches. 1998 mußte er für ein halbes Jahr nach Austin/Texas und fragte mich (mehr scherzhaft), ob ich ihn nicht mal besuchen wolle. Und wie ich wollte!
Im Juni 1998 habe ich mir meine damalige Freundin geschnappt, habe ein Ticket bei Delta Air erstanden und bin losgeflogen. Die erste Etappe lautete Stuttgart - Atlanta. Dort bekam ich einen ersten Eindruck von der vielgepriesenen Größe Amerikas. Ein Flughafen, der so groß ist, daß die einzelnen Terminals mit einer U-Bahn-Linie verbunden sind und die Flugzeuge im Abstand von 10 Sekunden starten. Sehr beeindruckend. Von dort ging es mit Verspätung weiter nach Dallas. In Dallas gab es eine längere Wartezeit, die wir für eine kurze Zigarettenpause im Freien nutzten. Rauchen während des Fluges war leider nicht gestattet, in öffentlichen Gebäuden in den USA herrscht ebenfalls Rauchverbot (von sogenannten „Smoking-Launches“ abgesehen, die allerdings mehr einer Räucherkammer gleichen und selbst hartgesottenen Rauchern die Freude an ihrem Laster nehmen). Nach der Zigarettenpause wollten wir wieder den Flughafen betreten, mußten davor jedoch durch den Security-Check. Der Metalldetektor reagierte mit Freude (oder wie man den Summton auch sonst deuten mag), der nebenstehende Polizist (Cop) weniger erfreut. Seinen Anweisungen gehorchend leerte ich meine Taschen und startete einen erneuten Versuch. „Möööööp“. Nächste Anweisung: „Jacke aus“. Nächster Versuch: „Möööööp“. Ein paar Mööööps später flanierte ich dann in der Unterhose auf dem Dallas Airport durch die Kontrolle. Endlich ohne „Möööp“. Daher der erste USA-Tip: Zieht Euch einen zeigbaren Slip an! Von Dallas ging es dann in die texanische Hauptstadt, Austin.Austin ist, wie erwähnt, die Hauptstadt von Texas. Dies ist auch das einzige, was sie zumindest tagsüber ist. Eine triste Hochhauswüste, in die Menschen nur zum Arbeiten kommen. Shopping ist eigentlich ausgeschlossen, da es in der Innenstadt so gut wie keine Läden gibt. Einziger Höhepunkt (im wahrsten Sinne) ist das Capitol von Austin, das in seinen Ausmaßen 2 Meter höher als das Capitol von Washington ist. Damals amtierte dort noch der jetzige Präsident Bush jun., der uns allerdings nicht begegnete. Das Capitol selbst ist megainteressant; dort wird die gesamte Geschichte des Lone-Star-Staates Texas erzählt und den Helden von Alamo still gedacht.
Bevor wir nun einen Blick auf Austin bei Nacht werfen, kurz ein paar Worte zu Texas im Allgemeinen: In Amerika ist alles groß, in Texas größer (Texas alleine mißt schon ca. 800 x 1.000 Meilen!!!). Es gibt bei allen gängigen Maßeinheiten die Bezeichnungen „Large“ (klein), „Big“ (groß) und „Texas Size“ (ziemlich groß!). Die Texaner fühlen sich eigentlich nicht als Amerikaner, sondern eben als Texaner (wie bei uns die Bayern...). Der Ausspruch „Don't mess with Texas“ (Hände weg von Texas) ist an jeder Ecke zu sehen, ebenso die texanische Flagge.Stürzen wir uns nun in das Nachtleben von Austin: Beginnen sollte die Nacht bei Einbruch der Dämmerung mit einem Besuch der Congress-Bridge. Dort ist die größte Fledermauskolonie der Welt beheimatet. In der Dämmerung verlassen 2.500.000 Fledermäuse die Brücke und machen sich auf Beutejagd. Über 2 Stunden kommt ein endloser Schwarm aus den Pfeilern der Brücke und verteilt sich in alle Himmelsrichtungen. Die Tierchen fressen jede Nacht mehrere Tonnen Insekten, weshalb man auch im weiten Umfeld von Austin keine Angst vor Mosquitos haben muß. Nach diesem beeindruckenden Erlebnis ist ein kleiner Imbiss in einem der zahlreichen „Diner“ angesagt. Doch Vorsicht: In den USA gilt die Regel „wait to be seated“, was bedeutet, daß man nach Betreten eines Restaurants an der Tür stehen bleibt und wartet, daß jemand vom Service einen empfängt und einen Tisch zuweist. Wer sich einfach so an einen freien Tisch setzt, wird als sehr unhöflich empfunden und meist total ignoriert. Dies ist uns gleich am ersten Tag passiert, als wir in ein völlig menschenleeres Restaurant gingen und uns einfach gesetzt haben. Die Kellnerin würdigte uns keines Blickes und reagierte auch nicht auf unsere Fragen.... Da ist die Stimmung bei einem der zahlreichen B-B-Q's schon besser. B-B-Q steht für Barbecue und bedeutet einfach Unmengen von Fleisch zu absoluten Dumpingpreisen in Picknick-Atmosphäre. (@jabberwocky666) Solchermaßen gestärkt geht es nun ab in die City. In Austin gibt es nur zwei Straßen, in denen das Leben regelrecht tobt. 4'th Street: Hier ist das Mekka der Schwulen und Lesben (die sich in den USA nicht nur outen, sondern feiern!). Eine Bar neben der anderen, viele Diskotheken und überall Table-Dance. Die schwul/lesbische Gesellschaft ist ungemein herzlich und nimmt auch Heteros gerne auf. Die andere Straße ist die 6'th Street. Diese Straße wird auch als Wiege der Countrymusik gerühmt, in jeder Kneipe gibt es Live-Acts von bekannten und unbekannten Gruppen, immer umsonst! Ein absolutes Muß für den Aufenthalt in Austin!
Wie bereits erwähnt, bietet Austin bei Tag nicht viel. Daher ist ein Mietwagen zur Erforschung der Umgebung unerläßlich. Doch welche Möglichkeiten hat man?Shopping: Einkaufsmärkte für den täglichen Bedarf gibt es in der Peripherie von Austin. Die texanischen Supermärkte sind sehr beeindruckend, da wirklich groß. Wir waren hauptsächlich bei Randall's und bei Walker, beide sind gigantisch! Endlose Reihen mit Lebensmitteln aus der ganzen Welt, Packungsgrößen, wie man sie bei uns nie zu sehen bekommt und Preise, von denen wir nur träumen können. Wieder Achtung: Die Preise in den Läden sind immer ohne Tax (=Steuer). Zum Einkauf kommen also je nach Produkt und Bundesland noch 6 - 11 % Tax hinzu. Wer richtig shoppen will (Kleidung u.ä.), der muß ein gutes Stück fahren: Ca. 70 Kilometer von Austin (in Richtung San Antonio) ist ein großes Outlet-Center mit Werksverkauf von fast allen gängigen Marken. Dort habe ich z.B. Nike-Schuhe für 20 $, Nike-Shirts für 6 $ und Lee-Jeans für 12 $ erstanden - in Deutschland ein Traum.... Die Ladenöffnungszeiten sind ebenfalls traumhaft, jeder größere Supermarkt hat 24 Stunden geöffnet, auch wenn nachts um 3.00 Uhr meist gähnende Leere herrscht. Der Service ist überall großartig, die Einkäufe werden verpackt und ans Auto gebracht - ohne Aufpreis.
Freizeitparks: Es gibt sehr viele gute Parks. Wir waren z.B. in San Antonio „Waterworld“ und „Six Flaggs over Texas“. Waterworld ist ein riesiger Wasservergnügungspark mit vielen Möglichkeiten (und tollen Truthahn-Keulen!!), Six Flaggs ein Achterbahn-Vergnügungspark. Dort gibt es 6 verschiedene Achterbahnen, darunter eine, die Rückwärts durch Loopings fährt und natürlich den Rattler, eine Achterbahn aus Holz (!!!) mit über 2 Kilometern länge und über 80 KmH schnell.Houston: Diese Stadt lebt von der Raumfahrt, deren Spuren man überall entdecken kann. Keine Kneipe ohne Autogramme und Bilder der Astronauten. Ansonsten gibt es in Houston zwei große Events im Jahr: Funcartreff (mit gar unglaublichen Autos, bei denen dem TÜV schlecht würde) und Gay-Parade, eine Schwulen/Lesben Parade, bei der die ganze Stadt mitzieht und die herrlich frivol ist. Der Umzug alleine dauert ca. 4 Stunden!
Galveston Island: Der Strand von Houston. Ein herrlicher Strand mit extremer Sonnenbrandgefahr. In unmittelbarer Nähe: Moody Gardens, 2 Stahl/Glas-Pyramiden mit einem tropischen Garten und vielen darin lebenden Tieren. Sehr sehenswert!Fredricksburg: Eine deutsche Stadt mitten in Texas! Der „Stadtfriedhof“ ist voller deutscher Inschriften von Siedlern, die hier ihr Leben lassen mußten. Auch sonst ist die Stadt komplett deutsch oder zumindest das, was sich die Amerikaner darunter vorstellen. Sauerkraut in jeder Kneipe, Volksmusik in jedem Laden - einfach herrlich!
Laredo: An der mexikanischen Grenze gelegene Westernstadt. In Verbindung mit einem Trip nach Mexico empfehlenswert, sonst aber recht weit entfernt.Zu guter Letzt noch ein Tip für den kleinen Hunger zwischendurch: Alle paar Meilen entdeckt man am Straßenrand ein Schild von McDonalds, Burger King, Wendys, Kentucky Fried Chicken und ähnlichem, meist sind 3 oder 4 Vertreter der Schnellrestaurants in unmittelbarer Nachbarschaft. Empfehlenswert ist nur Wendy's, alleine wegen den tollen Ofenkartoffeln. Zum Mac geht eigentlich kein Amerikaner. Sehr empfehlenswert ist ein Frühstück bei IHOP (International House of Pancakes) - Unmengen zu essen zu einem kleinen Preis. Die Unmengen sind übrigens kein Problem; bei Resten auf dem Teller fragt die Bedienung sofort, ob man ein „doggie-bag“ (Hundetüte) wolle, um die Reste mitzunehmen. Das ist in den USA üblich und durchaus sinnvoll.
Leider steht der Dollar derzeit auf einem recht hohen Kurs und macht somit die USA fast unerschwinglich teuer. Solltet Ihr jedoch trotzdem die Mittel oder die Möglichkeit haben, so kann ich Euch einen Besuch von Texas nur wärmstens empfehlen.Carpe Noctem, Euer Jabber
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DoriScully 02.02.2005 18:59
Hey, wie wär's denn mit ein paar netten Urlaubsfotos? ^_~ Inzwischen steht der Dollarkurs ja zumindest für Ausflüge in die Staaten für uns Europäer recht erfreulich... dann kann die Reise ja quasi losgehen ^_~ In diesem Sinne - liebe Grüße und ein WON'T MESS WITH TEXAS! ** DoriScully
Mondkind2357 09.07.2004 02:46
scan-some 18.03.2004 18:54
Wikinger123 02.11.2003 02:10
Schöner Bericht! | Texas sollte man wohl mal selbst erlebt haben, vielleicht komme ich da irgendwann auch mal hin... | @ "Daher der erste USA-Tip: Zieht Euch einen zeigbaren Slip an!" : In den USA gelten Slips bei erwachsenen Männern schon fast als abnorm; besser kommen da Boxershorts. | Kleine Ergänzung zum Bericht aus anderer Perspektive: http://www.zeit.de/archiv/2001/04/200104_texas.neu.1..xml