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Tannenhof, Königswinter

Erfahrungsbericht

für Tannenhof, Königswinter
2 Sterne Werden hier Essen und Gäste in Fett ertränkt?
150 von 150 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Nein

Pro Angebot, teils und früher Geschmack und Portionsgröße

Kontra Lage, Atmosphäre, Fettgeruch, keine Internetseite

Detailbewertung

Essen & Trinken
Preis-/Leistungsverhältnis
Atmosphäre
Service
Anbindung
Auswahl

Der Autor

Magistix Seit 26 Jul 2001

"Glück bleibt, wo es sich wohlfühlt" .:|:. Ich lese gerne persönliche Erfahrungen, die sich auf... mehr

253 Mitglieder vertrauen mir

Der Tannenhof in Königswinter hebt sich namentlich nicht sonderlich von den einigen Gaststuben mit deutscher Küche in der Umgebung ab. Auch die Lage direkt an der A3 und ICE-Strecke Siegburg-Frankfurt im kleinen Ortsteil Bellinghausen ist alles andere als ein positives Merkmal. Gäste haben dennoch den Weg über Jahrzehnte reichlich den Weg nach Bellinghausen in den Tannenhof geführt, weil man dort über mehrere Generationen nun schon gutes Essen zu ordentlichen Preisen in rustikalem Ambiente geboten bekam. Auch ich war dort in meiner Kindheit und Jugendzeit öfters zu Gast und nun letztes Wochenende nach langer Zeit einmal wieder. Anlass, dem Tannenhof eine aktuelle Betrachtung zukommen zu lassen.
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Ort, Zeit, Publikum und andere sachdienliche Informationen

Der _Tannenhof_ liegt alles andere als zentral. Der Königswinterer Ortsteil Bellinghausen liegt irgendwo im nirgendwo weit genug weg von den beliebten Wanderwegen des Siebengebirges und fernab den Zentrumsorten Oberpleis, Ittenbach, Oberdollendorf oder Thomasberg/Heisterbacherrott als dass sich dorthin trotz zwei größeren Schildern an Kreuzungen kein Fremder jemals einfinden wird. So wunderte es mich herzlich wenig, als wir am Wochenende den zu Weihnachten verschenkten Brunch mit Mutter, und Lebensgefährten einlösten, dass wir rund herum nur altbekannte Dorfgesichter sahen. Durchschnittsalter dürfte beim Brunch, das um 10 Uhr beginnt und gegen 12 Uhr endet, knapp um die 60 Jahre gelegen haben.

Doch fangen wir vorn an. Der Tannenhof leistet sich nicht nur den fragwürdigen Luxus der wenig zentralen Lage, er ist auch sonst bisher äußerlich nichts fürs Auge. Der Parkplatz, ist derzeit noch eine öde Kieswüste und grenzt direkt an den Autobahndamm an. Im hinteren Teil stand bis vor kurzem ein alter Speisewagen, der nun abtransportiert ist. Die bisher verrottend anmutende Ecke soll, wie auch der gesamte Parkplatz in der nahen Zukunft neu angelegt werden Das Restaurant an sich thront am Hang und zeigt wenig Auffälligkeiten. Allerdings ist es nicht sonderlich behindertengerecht, da man über eine Treppe und ein gewisses Labyrinth ins Innere kommt.

Die Gaststätte bietet nicht nur unzählige Ecken und Räume, Stuben genannt, sondern zudem auch noch einen riesigen Fest- und Veranstaltungssaal in der eher gelegentlich Kommunionen und Weihnachtsfeiern abgehalten werden können. Das Restaurant selbst ist 5 Tage die Woche mittags und abends geöffnet; Dienstag gibt es nur Mittagstisch. Die Karte ist reichhaltig an traditionellen Gerichten. Insbesondere für Fleischgerichte und in den entsprechenden Jahreszeiten Gans- und Wildgerichte hat der Tannenhof seit vielen Jahren einen sehr guten Ruf.

Bis heute freuen sich die Gäste auf reichhaltige Portionen zu Preisen beginnend um 10 Euro bis 18 Euro, Beilagen und Gemüse bereits inklusive. Die Getränkepreise waren lange moderat. Bei unserem Besuch am Wochenende stellte ich erstaunt fest, dass man nun stolze 2 Euro für 0,3l Apfelschorle berappen darf. Günstig kann ich das nicht nennen. Ähnlich würde ich auch die Speisepreise als allenfalls angemessen denn preiswert bezeichnen. Der Tannenhof ist auf keinen Fall mehr am unteren Ende der Preisskala und müsste sich von dem Ambiente und der Qualität daher auch meiner Meinung nach mit einer Gaststätte Otto in der näheren Umgebung messen lassen.

Das Ambiente wäre denn auch in etwa so wie im alten Otto. Nur das auf den ersten Blick nicht sonderlich renoviert wurde. Eher grau und dunkel war es im Innern des Tannenhofes. Die dicken Glasleuchten erhellen die Eiche rustikal eingerichteten Räume. Teil sind diese mit altbackener Deko zugestellt. Die Tischdecken atmen ebenso den Chic von 1980 wie auch manches Geweih oder die eisernen Garderoben, die sich bei beinahe jedem Sitzeck finden. Das ganze ist nicht mehr sonderlich charmant und das Rustikale auf der Kippe zu altbacken im negativen Sinne. Ich mag urige Restaurants und Kneipen, gerne auch Jägerklausen et cetera. Der Tannenhof aber wirkt so langsam von der Einrichtung und dem ersten Eindruck her negativ auf mich. Es könnte eine liebevolle Auffrischung gut vertragen, von den Stühlen über die Wandpaneele, Balkenfarbe und das Beleuchtungskonzept bis hin zur Tischwäsche.

Bevor ich mich dann jetzt so langsam unserem neuerlichen Besuch zuwende, möchte ich vorab noch kurz auf die Örtlichkeiten zu sprechen kommen. Diese liegen nicht gut beschildert im Stubendickicht versteckt. Wer sich bei dem emsig umherlaufenden Personal erkundigt, wird an den Eingang geschickt, von wo es in den Keller und dort in saubere und rein zweckmäßige Verrichtungsstätten geht.
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Unser Besuch im Tannenhof - aktuelle Eindrücke

Unter der Woche habe ich im Internet die Seite vom Tannenhof gesucht. Egal wie viel ich suche, ich finde nur eine Telefonnummer. Eine Internetpräsenz gibt es auch nach Recherche vor Ort im Tannenhof nicht. Immerhin finde ich die mir bekannte Adresse und eine Telefonnummer per Gelben Seiten sofort. Unter der Ortsnummer erreiche ich unter der Woche mittags einen freundlichen Mann, der mir problemlos einen Tisch auf meinen Namen für den Sonntagsbrunch für vier Personen reserviert.

Also fuhren wir am Sonntag pünktlich gegen 10 Uhr vor auf den beinahe vollen Parkplatz und gingen in die Gaststube. Diese erreicht man über eine Treppe. Man findet zwei Türen und ein verblichenes Schild, das einen zur zweiten Tür führt. Tritt man ein, sieht man sich im Innern direkt der Küchentür gegenüber. Ich war erst einmal überfragt, weil ich niemanden sah, der mir nun Auskunft über meinen Tisch hätte geben können. Die zweite Tür hätte uns direkt zum Thekenbereich geführt, wo ich sicher auch jemanden zwecks Auskunft gesehen hätte. Da diese Tür aber zugeschlossen ist, geht das nicht.

Schließlich erkannte man eine Bedienstete, die uns den Gang entlang an vielen noch freien Tischen links und rechts einem Gang entlang geradeaus wies. Dort kam uns eine alte Dame entgegen, die man als Seniorchefin erkannte und wohl den Durchblick hatte. Immerhin wurde uns mit wenigen Worten der Weg nahe des Buffets gewiesen. Dieses ist für den Brunch direkt in einer Art Flurraum etwa in der Mitte zwischen den verschiedenen Stubenräumen gelegen, kann also aus vier Zugängen betreten werden.

Als wir, keine fünf Minuten nach dem offiziellen Start, hierher vorbeikamen wimmelte alles nur so voll Leuten. Erste Feststellung: Obwohl der Laden gut gefüllt aber nicht voll war, erwies sich die Organisation nicht ganz als optimal. Der Platz des Buffets im Flur war ob der Menschen(masse) ein wenig eng. Positiv aber die Auswahl. Vom puren Frühstücksbuffet mit Marmelade, Schokocreme, Wurst- und Käsesorten, Lachs und Fisch ging es weiter zu warmen Zwiebel-Champignons, Rührei und Speck. Doch auch Suppen, Salate, Pasteten, Spinat-Kartofffeltaler und einige warme Gerichte wie Schnitzel und Spinatlasagne standen zur Auswahl.

Wir setzten uns erst einmal und ließen den direkt hinter unserem Rücken sichtbaren Ansturm über das Buffet ziehen. Auf dem Tisch stand eine Kanne Kaffee. Als diese leer war, kümmerte sich von der Bedienung bis nach über einer Stunde niemand darum. Dann erst kam die Frage, ob man noch eine Kanne wünschen würde. Nun, der Brunch hat einen Pauschalpreis von derzeit 13 Euro pro Person. Das ist dahingehend erwähnenswert, als dass darin ein Begrüßungssekt / Orangensaft sowie Kaffee und das Buffet inklusive ist. Früher war dies unter 10 Euro zu haben, als das Buffet aber sich mehr auf Frühstück und nicht auch noch Mittagessen und sogar Nachtisch, wie Grütze, Pudding, Gries mit Kirschen und Himbeer- sowie Waldbeerkuchen umfasste. Insgesamt geht der Preis auch in der Nachbetrachtung in Ordnung.

Nun, die Schlange vorm Buffet lichtet sich und es geht auf mit Rührei, Champignons und Speck. Der erste Gang schmeckt. Das Ei schön locker, die (Dosen-?)Champignons schön angeröstet und dank der Zwiebeln richtig lecker, guter geräucherter Schinkenspeck in Scheiben wurde gebraten. Dazu eine Scheibe Brot und der Kaffee kann beginnen. Auch beim nächsten Rundgang mit Fisch, Lachs, frischen Brötchen vom Bäcker und einer Variation von der Aufschnittplatte fühlt sich mein Gaumen wohl. Nach einer kleinen Pause geht es dann noch mal an das hart gekochte Ei (weich gekochte konnte ich nicht entdecken) und so langsam in etwas Warmes.

Hier kommt der erste Rückschlag. Die Spinatlasagne schmeckt im Gegensatz zu den wirklich leckeren Röstis gar nicht. Sie ist mehlig und erinnert mich am Mondamin. Meine Frau wiederkäut derweil ein Stück Schnitzel, dass auch einfach nur abgebraten und fettig frittiert wurde, aber sonst nach nichts schmeckt. Mittlerweile hängt ein schwerer Dunstschleier von Fett in der Luft. Er setzt sich nach und nach auch in unseren Haaren und Kleidern fest, wie wir noch später und selbst abends feststellen werden.

Dem gemütlichen "Frühstück" tut das weiter keinen Abbruch. Nach gefühlten Ewigkeiten kommen die leicht pampigen und hektischen Bedienungen vorbei und klauen einen Teller, von dem man noch gerade den letzten Rest isst. Oder sie kommen eine ganze Weile nicht, so beispielsweise als der leicht lange liegen gebliebene Camembert und meine Spinatlasagne beinahe unangetastet liegen bleiben.

Letztlich futtere ich mich weiter gut gelaunt ob der lieben Gesellschaft durchs Buffet und finde einiges Leckeres. Besonders hevorzuheben der sehr gute Nachtisch, der schließlich alles abrundet. Die Kuchen sind einsame Spitzenklasse und ein gelungener Schlusspunkt auf die Menüfolge. Die folgende Wartezeit, bis sich jemand der Rechnung annimmt, stört dann nur wenig.

Wir gehen schließlich zufrieden aber miefig davon. Es bleibt das Gefühl, dass die gezeigte Küche nicht mehr ganz mit der Konkurrenz mithalten kann. Die großen Portionen, die auch mein Kollege am Wochenende dort noch gekriegt hatte, werden ordentlich, aber nicht besonders lecker und pfiffig zubereitet. Das Ambiente drumherum ist auf keinen Fall über Zweifel erhaben. Der Tannenhof kann vielleicht noch mit den Aktionswochen bei Wild und Gänsen punkten. Ob der dunklen Räumen und den nach dem Essen einstellenden Frittenbudengeschmack im Mund aber, werden wir dort wohl wieder einige Zeit nicht mehr einkehren. Geräuchert hält totes Fleisch länger. Im Fettdampf aber hält man sich als Gast dann doch nicht so gerne auf.
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Das Fazit - Tannenhof kann, muss man aber nicht besuchen

Der Tannenhof am Rande des Siebengebirges kann man, muss man aber nicht besuchen. In angestaubtem Ambiente funktioniert der einstig gute Familienbetrieb mit deutscher Küche heute nicht mehr sonderlich reibungslos. Herzlich sind die Betreiber noch. Doch das Personal schon schläft ein wenig und ist zu uns nicht immer freundlich gewesen. Das Essen beim Buffet war teils gut, der Nachtisch sehr gut. Allerdings blieb uns am Tag ein Geschmack im Mund, der an eine gute Frittenbude erinnert. Eine Assoziation, die man auch ob des Fettschwalls in der Luft kriegen könnte. Insgesamt bietet es dann nichts, was ich nicht an anderer Stelle ähnlich oder besser kriege. Lage, Atmosphäre, Speisen und Preise - letztlich spricht dann doch nichts für den Tannenhof und doch nur Weniges dagegen.
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[Vielen Dank für das aufmerksame Lesen sowie die lieben Kommentare, Februar 2009]

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Kommentare

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  • jockel2001 06.07.2011 10:42
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • XxAnGeLxX 17.12.2009 23:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • sunrise67 17.12.2009 19:20
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    sehr hilfreich
  • meerline77 18.08.2009 09:28
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • jasmin0815 23.06.2009 19:53
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