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RAMESVARAM - TRAUMSTRAND AM ENDE DER WELT
Pro wunderschöne Insel, ruhig, abseits der Touristenwege
Kontra alles sehr einfach
Es gibt noch recht viele Orte in Indien, die fernab der touristischen Routen liegen, in denen Reisende für Aufsehen sorgen und wo man noch viel vom traditionellen Leben der Menschen mitbekommen kann.
In Tamil Nadu, dem südöstlichsten Bundesstaat des riesigen Subkontinents findet man solche Städte und Dörfer noch recht zahlreich. Zwar ist es schon wieder einige Zeit her, dass ich diesem wunderschönen Stückchen Erde einen Besuch abstatten durfte, viel dürfte sich aber seitdem nicht geändert haben. Insgesamt vier Wochen sind wir durch diesen Bundesstaat gereist sind. Dies hatte rein praktische Gründe:Von dort flüchteten wir gerade vor dem anscheinend nicht enden wollenden Regen. Dies taten wir nur ungern, sind die Ortschaften in den sich urplötzlich aus der flachen Landschaft erhebenden Nilgiri-Bergen doch ein idyllischer Platz, in denen es nicht nur atemberaubende Naturschauspiele wie riesige Nadelbaumurwälder und herrliche Panoramen gibt. Langzeitreisende, die zwar die indische Küche schätzen aber sich mal wieder auf ein Honigbrötchen oder etwas Käse zum Frühstück freuen, werden dort so rare Luxusgüter wie Käse und Milch finden. Aber dies wäre schon wieder eine Geschichte für sich.
Unser Ziel war Ramesvaram, eine kleine, kaum erwähnenswerte Insel, auf die wir nur wegen eines Informationsblattes der Tourist Information aufmerksam geworden sind. Zumindest damals bekam man in den zahlreichen Büros der Touristeninformation in Madras sehr gute Materialien über das Land.Die Anreise ist nur per Bus aus Madurai möglich, dem Verkehrsknotenpunkt neben Madras. In wenigen Stunden schafft man es ohne umzusteigen auf den Busbahnhof von Ramesvaram. Na ja, das drückt es nur unzulänglich aus. Mehr als eine kleine Hütte auf einem staubigen Platz, auf dem ein einziger Bus – nämlich unserer – steht, findet man nicht vor. Taxis oder Rikschas sieht man keine im Ort, dafür ist er einfach zu klein. Die wenigen hundert Meter bis zum Hotel gehen wir zu Fuß, zusammen mit einer Gruppe Indern, die bepackt mit Bündeln und Kisten vom Einkauf aus der Stadt zurück sind.
Große Auswahl an Hotels gibt es in Ramesvaram nicht. Das es überhaupt Herbergen gibt ist allein dem Umstand zu verdanken, dass der Ort wegen der Tempelanlage Pilgerstätte für gläubige Hindus ist.Die Tempelanlage
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Der Ort besteht eigentlich nur aus einer viereckigen Tempelanlage, um die ein paar Wohnhäuser, Restaurants und Unterkünfte für die Pilger gebaut wurden.
Wie so viele große Tempelkomplexe in Südindien besteht auch dieser aus quadratisch angeordneten Mauern mit riesigen Toren. Die Tore sind pyramidenförmig erbaut und stellen religiöse Szenen aus den hinduistischen Schriften wie dem Ramayana dar. So erzählt jeder dieser Tempeltürme eine Geschichte, die, wenn man sie lesen kann, recht interessant sind. Normalerweise sind die zahlreichen in den Stein gemeißelten Figuren bunt angemalt, so dass man beeindruckt auf die bunten, im Sonnenlicht leuchtenden Bauten schaut.
Manche dieser Anlagen haben mehrere dieser hintereinander angeordneten Mauerringe. Natürlich haben auch die inneren Mauern diese schönen Tore. Die Anlage in Ramesvaram gehört zu den kleineren im Bundesstaat Tamil Nadu. Trotzdem ist sie eine Reise wert.
Überall laufen dickleibige Hindu-Priester herum und viele bieten einem eine Führung an. Im Gegensatz zu buddhistischen Mönchen, die ebenfalls sehr erfreut über Besucher in ihren Heiligtümern sind, erwarten sie hierfür auch eine großzügige finanzielle Entschädigung. Nicht etwa für den Tempel oder die Gemeinde, nein, für sich selber natürlich. Manchmal wussten wir nicht wer die größeren Gauner sind, die Händler auf der Straße, die von uns oft ein vielfaches des normalen Preises verlangten oder die Hindu-Priester, die ihre Hilfe nur anbaten, wenn es ordentlich Bakschisch gab.
Jeden Morgen gegen 4.00 Uhr und abends gegen 18.00 Uhr erschallen von den hohen Türmen des Tempels Gebetsgesänge der Priester. In der ersten Nacht in unserem Hotel mit Blick auf den Tempel, dachte ich noch, ich erlebe einen Albtraum. Aus quäkenden Lautsprechern, die auf jedem Tor der Anlagen angebracht waren, ertönten für ein europäisches Ohr wenig unterhaltend klingende Gesänge. Die nächtliche Uhrzeit tat ihr übriges. Das Echo der einzelnen Lautsprecher brach sich an den gegenüberliegenden Türmen und machte alles noch schrecklicher. Nach 30 Minuten war alles vorbei – zumindest bis zum nächsten Morgen.Im Juli findet ein großes Tempelfest statt. Leider waren wir nicht zur richtigen Zeit da, so dass wir dieses nicht bewundern konnten. Dann kommen Pilger aus ganz Indien und bei Prozessionen stechen sich Menschen Nadeln durch die Haut und lassen sich geißeln.
Beim EssenMit der Sauberkeit hat man es oft nicht so sehr in Indien. Die Tische werden nicht nach Benutzung gründlich gereinigt. Meist werden die auf dem Tisch liegenden Reste des Vorgängers einfach nur mit einem fettigen Lappen oder einer Art Kratzer weggewischt. Aber man gewöhnt sich mir der Zeit an alles. Teller und Besteck werden nicht benutzt, stattdessen wird das Essen auf einem Bananenblatt serviert und mit den Händen zu sich genommen.
Jeder in einem indischen Schnellrestaurant hat seine Aufgabe. Es gibt Jungen, die für das Abräumen des Geschirrs und „Reinigen“ der Tische zuständig sind. Ältere Männer verteilen entweder den Reis oder die Currys und der wichtigste Mann überhaupt sitzt an der Kasse. Wenn man eine Bitte hat sollte man beachten, dass man diese auch an die dafür zuständige Person richtet. Ansonsten kann es sein, dass man jemanden mit einer für ihn zu niedrigen Arbeit beauftragt und dieser sich gekränkt fühlt. Oft wartet man dann vergebens.Das Essen ist recht günstig und kostet nur ein paar Rupien, eine Mahlzeit nicht mehr als einen EUR. Wir sind im Ort scheinbar die einzigen weißen Touristen und eine kleine Sensation. Schon bei unserem ersten Besuch in der Gaststätte stehen immer zwei Kellner in unserer Nähe und beobachten jede unserer Bewegungen, immer zur Stelle, wenn wir einen Wunsch haben könnten. Dies mag auf Europäer recht aufdringlich wirken, in Indien ist dies einfach höflich. Klar, dass wir ein paar Rupien Trinkgeld gaben für soviel Aufmerksamkeit.
Trinkgeld gibt man in Indien nicht für eine bereits erhaltene, sondern für eine in der Zukunft gewünschte Leistung. So auch in einem Restaurant. Wir brauchten uns also nicht zu wundern, dass beim nächsten Mal nicht zwei, sondern gleich vier Kellner um uns herumstanden. Ein kurzes aufblicken und schon war jemand da, um unseren Wunsch entgegenzunehmen.Zum Strand
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Ramesvaram liegt auf einer Insel, von der zahlreiche Sandbänke – die sogenannte Adams-Bridge – bis nach Sri Lanka führen. Nach der indischen Mythologie hat diese der Affengott Hanuman zusammen mit einem Heer aus Affen angelegt, damit der Gott Rama nach Sri Lanka konnte um seine Frau Sita aus den Händen des Dämons Ravannah zu befreien. Christliche Inder erzählen eine andere Geschichte zur Entstehung dieser Sandbänke. So soll Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies vor lauter Frust nach Sri Lanka gegangen sein. Um auf die benachbarte Insel zu gelangen, hat er Steine ins Meer geworfen auf den er nach Sri Lanka gehen konnte. Deswegen auch der Name.
Der Bus ist brechend voll und wir werden neugierig angeschaut. Zwei junge Mädchen mit wunderschönen dunklen, langen Haaren stehen in meiner Nähe, lächeln mir zu und flirten ein wenig. Etwas verwundert lächle ich zurück, sind doch indische Frauen normalerweise recht schüchtern und zurückhaltend gegenüber weißen Männern. Ein weiterer Fahrgast bietet sich sofort als Dolmetscher an, um die Neugier der beiden zu befriedigen.
Der Bus hält irgendwo an einer Sanddüne, alles steigt aus. Wir sind am äußersten Zipfel der Halbinsel, die hier nur noch aus einem ca. 50 m breiten Sandstreifen besteht. Links ist eine wunderschön blau leuchtende Lagune, rechts das recht stürmische offene Meer. Es gibt nicht den Hauch von Schatten, da nirgends auch nur eine kleine Palme steht. Es ist deshalb wichtig ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtfaktor zu verwenden.Wir sind die einzigen Menschen, die hier auf die Idee kommen zu baden. Inder würden nicht auf die Idee kommen freiwillig im Meer zu baden, schon gar nicht in einem Badeanzug oder Badehose. So ernten wir oft verständnislose Blicke von vorbeikommenden Indern, die nicht verstehen können was, die drei Weißen in den Wellen herumhüpfen. Für uns war es aber ein riesiger Spaß.
Wir überlegten noch in der ruhigen Lagune etwas zu schwimmen, entschieden uns aber zum Glück dagegen. In dieser gibt es zahlreiche Haie, wie wir später erfuhren, die regelmäßig Menschen angreifen.Am Ende der Welt
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Ganz am Ende der Insel stehen die Reste einer Stadt. Der Wind pfeift um die Ruinen einer aus Korallen erbauten Kirche. Die Wellen türmen sich meterhoch am Strand auf und zerschellen an den aus dem Wasser ragenden Bauten. Ganz so, als wollten sie auch noch die letzten steinernen Zeugen der alten Stadt am Strand verschlingen.
In den 50er Jahren hat ein Sturm einen Großteil der Halbinsel weggespült, u. a. diese Stadt, die jetzt völlig verlassen aus dem Wasser ragt. Der Ort wirkt apokalyptisch auf uns, als wären wir am Ende der Welt und am Horizont, hinter den sich bedrohlich aufbauenden wellen, scheint ein tiefer Abgrund zu sein.
Fischer trocknen Fisch vor Ihren Hütten, überall liegt trotz des starken Windes, der durch seine Lautstärke ein Gespräch nur schreiend zulässt, ein Gestank nach altem Fisch in der Luft. Mehr gibt es hier nicht zu sehen.
Fazit
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Ciao-Ranitzki 05.06.2002 16:32
thaifreundin 07.03.2002 15:08
pham 01.03.2002 12:42
carnuntum 25.02.2002 18:00
Rotermohn 08.02.2002 19:01
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