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Erfahrungsbericht

für Südtirol
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5 Sterne Südtirol - Der Garten Eden in den Alpen
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Empfehlenswert: Ja

Pro wunderbare landschaften und gutes Essen

Kontra zu viel Durchreiseverkehr

Der Autor

masterfritte Seit 3 Mai 2000

masterfritte ist in seinem "richtigen" Leben ein erst vor wenigen Monaten fertig gewordener... mehr

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Das Meraner Land gehört zu Südtirol, jenem sonnendurchfluteten nördlichen Teil Europas, der an natürlicher Schönheit seinesgleichen sucht. Wer meint wegen der hohen Temperaturen nach Südeuropa reisen zu müssen ist einem gewaltigen Irrtum auferlegen, denn Bozen, nach meinem Wissen die Haupstadt Südtirols, ist definitiv der wärmste Punkt in ganz Europa über das ganze Jahr gesehen. Kein Wunder also, das einen regelrecht südeuropäischer Flair empfängt, wenn man denn dorthin reist. So wachsen neben den weitbekannten Südtiroler Äpfeln hier auch Orangen oder Zitronen an den Bäumen und es werden jedes Jahr mehrere Ernten eingefahren. Doch man kommt sicherlich nicht hierher, um Obst zu bestaunen.

Als erstes steht einem eine etwas längerwierige Anreise bevor, da, wenn man nicht gerade in Bayern oder Badem-Württemberg wohnt, eine ganz erklekliche Anzahl von Kilometern zusammenkommt. Wenn man etwa aus der Kölner Höhe anreist muss man je nach Verkehrsverhältnissen zwischen acht und zehn Stunden rechnen. Zu bevorzugen ist das Auto, da der Flieger wohl etwas übertrieben wäre. Die Bahn - die ich ja sonst gerne in Schutz nehme - ist wenig komfortabel, da die Brennerstrecke keine hohen Geschwindigkeiten zulässt. Hier sind etwa 11-13 Stunden je nach Verbindung einzukalkulieren. Außerdem - das weiß ich aus Erfahrung - strengt eine so lange Bahnfahrt (vielleicht noch über Nacht) mehr an, als eine Autofahrt, da die Züge sehr gut belegt, teilweise auch überbelegt sind. Es gibt eben keine Alternativroute nach Italien!
Es bieten sich mit dem Auto grundsätzlich vier verschiedene Anfahrtswege an, die ich deswegen beschreibe, weil sie teilweise durch landschaftlich traumhafte Gegenden führen und man dabei Südtirol im Prinzip bereits kennen lernen kann:

Variante 1 führt über den Reschenpass am Reschensee vorbei. Das ist jener berühmte Stausee, aus dem der Kirchturm des versunkenen Dorfes herausragt, welches bei der Flutung desselben für immer unter dem Wasser versank. Ein interessanter, aber auch irgendwie schauerlicher Anblick, denn um die heutigen Vorgänge im Unterwasserdorf ranken sich natürlich die wildesten Geschichten. Weiter geht es an einem Jahrhunderte alten Kloster vorbei, welches eine täuschende Ähnlichkeit mit der Kloster-Architektur aus Tibet besitzt. Die meisten können sich das jetzt sicherlich gut vorstellen. Schließlich durchfährt man den traumhaften Vinschgau. Im Prinzip ein langgestrecktes Tal, welches bis auf das letzte Fleckchen Erde landwirtschaftlich genutzt wird. Obstplantage reiht sich an Obstplantage. Dies ist aber keineswegs eintönig, da die einzelnen Parzellen übersichtlich sind und auch der wellige Talboden so manche Anpasssung fordert. Also nichts mit EG-flurbereinigter-Agrarlandschaft. Umrahmt wird der Vinschgau, wie das in den Alpen so ist, von steil, aber nicht erdrückend wirkenden, aufragenden Bergen.
Vom Vinschgau zweigen mehrere hochinteressante Täler ab. Zum Einen nach Süden das Martelltal. Eine enge Strasse windet sich durch die enge Talschlucht in Richtung größerer Höhen. Sobald die Straße an einigen Häusern endet befindet man sich auch schon mitten in der Natur und wer es ein wenig mit dem Wandern hat kann innerhalb einer Stunde die am Talschluss liegende Alpenvereinshütte erwandern (Name leider entfallen) und den dortigen Blick auf die Gletscherwelt genießen!
Zum Anderen gibt es das Schnalstal, welches sich weit nach Nordwesten vom Vinschgau wegzieht. Zuerst ebenso eng wie das Martelltal weitet sich der Talboden weiter oben regelrecht auf und läßt einen den Blick über saftige Talwiesen schweifen. Am Ende des Tales offenbaren sich die Bausünden vergangener Jahrzehnte: eine Ansammlung von Hotels, die klotzig die Landschaft verschandeln und im Sommer teilweise geschlossen sind, da hier alles auf Winter ausgerichtet ist. So führt denn auch eine Kabinenbahn (sehr teuer!) vom Talschluss auf die 3250 Meter hohe Grawand, die allerdings halbseitig durch ein riesiges Restaurant- und Servicegebäude verschandelt ist. Dieses hat dort seinen Platz, weil sich dort oben ein Sommerskigebiet befindet. Bin zwar kein Skiläufer, doch die Abfahrt kommt mir schon sehr kurz vor!
Viel lohnender ist es deswegen mal wieder per pedes diesen Berg zu erklimmen. Dabei bewegt man sich Abseits aller zivilisatorischen Einrichtungen und wird die eine oder andere Gemse zu Gesicht bekommen. Außerdem wird man dann an der Grenze zu Österreich einen wunderbaren Blick auf die Ötztaler Gletscherwelt genießen dürfen!
Die Variante 1 endet schließlich in Meran, auf das ich noch zu sprechen kommen werde.

Variante 2 führt aus dem Inntal herauf durch das vielen sicherlich bekannte Ötztal. Bei meiner ersten Durchreise war ich regelrecht enttäuscht, da ich mir von diesem berühmten Tal mehr Schönheit versprochen hatte. Aber die war denn nicht so gegeben. Die Orte sind alle sehr kommerzialisiert und bettenburgenmäßig aufgebaut. Der Hauptort Sölden brilliert schließlich mit einem überirdischen Parkhaus - ein Parkhaus in den Bergen, eine schlimmere landschaftsplanerische Sünde kann es wohl kaum geben. Also weiter zum Timmelsjoch, welches uns den Übergang nach Südtirol eröffnen soll. Diese Straße ist mautpflichtig, was aber einzusehen ist, da sie unter großen Bemühungen instand gehalten werden muss. Durchquert man hier doch wirklich hochalpines Gelände! Der Scheitelpunkt ist denn auch über 2500 Meter über dem Meer und so ist der Pass auch nur in den Sommermonaten geöffnet. Erst in Italien wird das ganze erst zur Genusstour. In engen Kehren windet sich ein winziges Sträßchen durch wilde Berglandschaften. Die Landschaft ist auch hier einfach umwerfend schön. Man landet schließlich in St. Leonhard im Passeiertal.

Variante 3 führt über denn Jaufenpass, nicht ganz so hoch wie das Timmelsjoch. Da ich ihn noch nicht gefahren bin kann ich auch nicht mehr darüber berichten. Auch er entlässt einen in St. Leonhard im Passeiertal.

Dies ist wahrlich eine kleines aber lebendiges Örtchen, was einer Besichtigung bedarf. Eng gedrängt tummeln sich hier die Häuser auf dem letzten ebenen Flecken im Tal. Folgt man nun dem Passeier in Richtung Meran, so kann man wieder wildromantische Landschaften genießen, die überaus eindrucksvoll sind und wofür die deutsche Sprache viel zu platt ist, um sie nur annähernd zu umschreiben. Man muss einfach dort gewesen sein! Irgendwann ist Meran erreicht.

Variante vier schließlich führt uns über den Brennerpass. Entweder man nimmt die gut ausgebaute und nicht gerade preisgünstige Autobahn oder man läßt Zeit Zeit sein und befährt die alte Brennerstrasse, um der Hektik des Transitverkehrs zu entgehen. So schön letztere auch ist, so sehr offenbart sie uns den Wahnsinn, den diese Brenerautobanh in dieses sonst so wunderschöne Tal gebracht hat. Neben den vielen Brückenbauwerken ist es die nicht endend wollende Blechlawine, die sich 365 Tage im Jahr von Norden nach Süden und von Süden nach Norden quält. Insbesondere die LKWs, die Dank EG-Subvention die Milch von Bayern nach Italien fahren, um sie dort in Tüten zu packen und diese Tüten wieder in einen bayerischen Supermarkt zu stellen. Man darf nicht darüber nachdenken..... Man erreicht schließlich Bozen und über eine weite Tallandschaft, deren Schönheit ihresgleichen sucht, ebenfalls Meran!

Meran ist wohl den meisten ein Begriff, zumindest dem Namen nach. Es liegt genau am Treffpunkt von Vinschgau und Passeier. Da sehr bekannt legt man hier auch auf einen entsprechenden Flair einigen Wert. Nicht umsonst hat man ja auch einen Ruf als Kurort zu verteidigen. Dementsprechend gestalten sich auch viele Personen auf der Flaniermeile des (zu) lebendigen Städtchens. Feiner Zwirn beherrscht hier die Promenade. Deswegen erregte ich auch einiges an Aufsehen, als ich eines Tage die Stirn besaß in voller Hüttentourmontur, in der Absicht die umliegenden Berge zu erklimmen, dort langzumarschieren. Manche schauten mich an, als wäre ich gerade mit einem Ufo gelandet oder irgendwo entlaufen. Dennoch ist es in Meran sehr schön und man kann sehr gut essen und in schönen Cafes den Tag verbummeln. Rundherum bieten sich dutzende von Möglichkeiten die Gegend zu erkunden.
Da sind die unzähligen Törgelkeller in den kleinen Örtchen. Was ist törgelen? Genau kann ich es nicht übersetzen. Es beudeutet aber ungefähr dieses: gemütlich zusammenzusitzen und sich den Südtiroler Rotwein zu Gemüte zu führen. Obwohl Weintrinker bin ich denn doch mehr der Freund der übrigen Spezialitäten beim Törgelen: da wäre das beinharte, aber superleckere Südtiroler Kräuterbrot, was sehr an einen Fladen erinnert. Aber eben an einen harten! Und zum Schluss die Krönung des Ganzen: echter Südtiroler Schinken. Das ist der Wahnsinn in Tüten, da wird der Vegetarier zum Sünder!! Wenn der wirklich nach Original Brauchtum hergestellt ist, dann ist der geschmacklich für mich durch nichts anderes auf der Welt zu überbieten!! Probiert es aus!

Wer viel ißt,, der muss sich auch noch etwas die Beine vertreten. Da bieten sich die gemütlichen Waalwege an. Waal, was ist denn das schon wieder?? Waale sind die alten Wasserkanäle, die früher und teilweise noch heute, die Obstplantagen etc. bewässerten. Diese schlängeln sich an den Hängen entlang und garantieren einen gemütlichen Spaziergang, denn sie dürfen aus hydraulischen Gründen ein bestimmtes Gefälle nicht überschreiten. Es gab früher sogar Wächter an diesen Kanälen, da Wasser kostbar war (und ist) und natürlich bezahlt werden musste. Ergo versuchte man natürlich als Obstanbauer auf den windigsten Wegen Wasser aus dem Waal abzuzweigen. Es ist halt überall gleich. Ohne Kontrolle läuft nichts!

Ach ja: bin dauernd mit dem Auto unterwegs auf den Varianten! Klar, aber nur zum hinkommen und leider auch zum wieder wegfahren. Dort unten sollte man sich den öffentlichen Südtiroler Verkehrsbetrieben (SAD) anvertrauen. Die Busse sind modern, die Preise viel geringer als in Deutschland (was einen in Italien schon wundert) und die Fahrer freundlich. Und, kaum zu glauben: sie verkehren superpünktlich!! Alle wichtigen Zielorte werden in einem festen Taktfahrplan mehrmals am Tag angefahren. Selbst in das kleinste Tal kommt man mit dem Bus! Also: Busfahren und die Umwelt schonen!


So, ich habe viel geschrieben und doch kann dieser Text nur in Bruchstücken Südtirol (oder zumindest den Teil davon, den ich beschrieben habe; es gibt ja schließlich noch die Dolomiten etc.) beschreiben. Man muss einfach hinfahren und selbst sehen. Es ist unglaublich wie schön, einzigartig und abwechslungsreich eine Landschaft sein kann!!

Fahrt einfach mal hin!

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Kommentare

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  • karina3000 27.04.2005 20:56
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • hans1967 18.07.2002 12:08
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Steinbach 18.10.2001 15:18
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Dein Bericht hat mir richtig Lust auf Südtirol gemacht, ich werde nächstes Jahr einfach Hinfahren und dann auch einen Bericht schreiben hoffentlich bin ich auch so Begeistert.

  • mkirra 07.09.2001 13:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Toller Bericht, nix auszusetzen

  • RedWing51 02.08.2001 23:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    weil ich ja ein halber "Südtiroler" bin und mir dein Bericht sehr gut gefällt muss ich ihn auch "leider" so bewerten! :) Wing

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