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Erfahrungsbericht

für St. Martins Umzug, Heide
5 Sterne St. Martin
123 von 123 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro eine schöne Veranstaltung

Kontra leider zu wenig Würstchen am Verkaufsstand vorhanden

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

Sylviane Seit 17 Aug 2001

***beLIEve ***Vielen Dank für ALLE Bewertungen! Bitte nicht böse sein, wenn ich derzeit nicht in... mehr

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Vor kurzem war es wieder einmal soweit, es war St. Martins Tag. Der 11.11. ein Tag, an dem die Martins Gans gegessen wird, in vielen Städten Martins Umzüge begangen werden. Doch warum eigentlich?
Da gibt es die Geschichte vom St. Martin. Diese erzählt von einem Soldaten, der in jungen Jahren zu einem Hauptmann wurde und eine starke Armee zu Pferde anführte. Die Soldaten waren ausgestattet mit warmen Mänteln, die auch zu ihrem Sold zählten. Sie sollten nicht frieren. Martin war ein ausgesprochen guter Soldat, forsch und wild und seine Mannen waren ihm treu ergeben. Eines Tages aber ritten sie in eine Stadt hinein und am Tor saß ein Bettler in Lumpen. Dieser wurde von Martins Mannen nicht beachtet, sie ritten, froh bald im Quartier zu sein, achtlos an ihm vorbei. Lediglich Martin sah den Alten und hörte, wie er zu ihm sprach, dass ihm so kalt sei und er fast erfriere. Da zögerte Martin nicht lange und teilte seinen warmen Soldatenmantel mit dem Mann. Dieser wollte ihm danken, doch flugs war Martin schon wieder davon geprescht auf seinem Pferd, den Kameraden hinterher. Nachts im Traum erschien Martin dann Gott und er beschloss, kein Soldat mehr zu sein. So ging er ins Kloster und lebte zurückgezogen und ruhig. Die Menschen aber schätzen ihn und wollten ihn zu ihrem Bischof machen als dieser starb. Da flüchtete Martin, der kein Bischof sein wollte und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Leute suchten ihn und fanden ihn nicht. Aber die Bauern denen der Gänsestall gehörte, die glaubten, ein Gänsedieb sei bei ihnen. Und jagten Martin aus dem Stall, da die Gänse ihn mit ihren Lauten verraten hatten. Auf der Flucht vor den Bauern traf Martin dann auf die Menschen, die ihn suchten und zum Bischof machen wollten. Nun willigte er ein und ein langer Fackelzug der Suchenden verfolgte ihn bis zu seinem Haus. So ward Martin Bischof.
Einen weiteren Fackelzug gab es, als St. Martin im Alter von 80 Jahren verstarb. Zu seiner letzten Ruhestätte folgten ihm die Menschen auch mit Fackelzügen. Seither gibt es am Martins Tag diese Umzüge mit Laternen und auch die Martins Gans wird an diesem Tage gern gegessen, die ihn ja sträflich verraten hatte.

Soweit die Geschichte um St. Martin. Ich möchte nun gern beschreiben, wie wir den St. Martins Tag hier in Heide begangen haben. Es ist ein Fest, das von unserer Gemeinde gebührend gefeiert wird. Ein christliches Fest zwischen Erntedank und Advent. Ein schönes Fest, das leider in meiner eignen Kindheit gar nicht so gefeiert wurde. Zwar kannte ich das Laternelaufen, aber die Geschichte um St. Martin ist mir erst vor ein paar Jahren bekannt geworden als ich selbst Kinder hatte.
Der St. Martins Umzug von Heide ist ein wunderschönes Fest, welches mit einer Andacht in der Kirche am späten Nachmittag beginnt. Hier kommen dann Jung und Alt zusammen, um an den St. Martin zu denken, der einst mit dem Bettler seinen Mantel teilte.
Man möchte daran erinnern, wie schön es ist zu geben und wie leicht man durch Teilen Not abwenden kann. Man möchte an St. Martin erinnern, der so selbstlos in seinem Tun gewesen ist.

Der St. Martins Umzug beginnt in Heide mit einer Andacht in der St. Jürgen Kirche. Diese liegt direkt am Marktplatz. Eine schöne nicht allgewaltige Kirche, aber reichlich Raum bietend für die Größe der Gemeinde. Für die Kinder waren extra Sitzkissen vorne vor dem Altarbereich aufgebaut worden, damit sie dort sitzen konnten und die Darbietungen während der Andacht von einer Ballettschule und dem Kinderchor besser sehen konnten. Für die Erwachsenen war Platz in den Kirchenbänken. Neben der Geschichte von St. Martin, die uns die Pastorin erzählt hat und der schauspielerischen Darbietung der Kinder der Ballettschule vom damaligen Geschehen wurden Laternelieder in der Kirche gesungen. Endlich einmal konnten auch meine beiden Kinder im Kindergartenalter tüchtig in der Kirche mitsingen und so wurde der Kirchgang für sie zum Ereignis. Auch das Gebet war ihnen durch die kirchliche Spielstunde, die sie nun zwei mal in der Woche besuchen nicht fremd und sie fühlten sich während der Andacht sehr wohl, gut aufgehoben vorne in den ersten Reihen, wo sie gut sehen konnten und miteinbezogen durch die Lieder, die sie kannten. Es war für Kinder und Eltern (und andere Erwachsene) eine gelungene Andacht. Ich beobachtete stolze Eltern mit Camcordern, die ihre Kinder während der Ballettschulaufführung filmten oder, die im Kinderchor sangen. Meilensteine in der kindlichen Entwicklung zum Erwachsenwerden auf Filmmaterial gebannt. Ich selbst hatte auf Grund der zu erwartenden Lichtverhältnisse keinen Fotoapparat dabei und verzichtete auf Bilder meiner Kleinen. Doch ich kann diese Filmerei verstehen, wenngleich ich dieses auch bei meinen älteren Kindern in einer Kirche noch nie getan habe. Doch wir werden moderner und die Kirche geht mit.

Nach der Andacht ging es dann hinaus zum Umzug. Die Feuerwehr stand parat, um den Zug zu geleiten. Die jungen Feuerwehrleute hatten Fackeln dabei, die den Zug umrahmen sollten. Doch der Clou war natürlich St. Martin auf seinem Pferd. Den Mantel trug er stolz und sein Ross war ein wackerer Kaltblüter. Leider in brauner Farbe, kein Schimmel wie die Pastorin betont hatte in ihrer Geschichte. Dieses trug nun sehr zum Missfallen von Shari bei. Sie beschwerte sich bei mir, dass das hier nicht richtig sei, denn Martin hätte ja gar kein weißes Pferd. Mich wunderte das sehr, wie sie das so registriert hatte in dem Tumult der Kinder auf den Sitzkissen, dass sie doch so toll zugehört hatte. Vielleicht sollte man im kommenden Jahr die Passage mit dem weißen Pferd einfach rausnehmen, wenn wieder ein andersfarbiges Tier zur Verfügung steht. Doch das Pferd war toll, es war durch nichts aus der Ruhe zu bringen, nicht durch den typischen Geruch der brennenden Fackeln der Feuerwehr, nicht durch die vielen lärmenden Kinder, noch durch den wunderbaren Posaunenchor, der uns immer wieder nette Laternelieder spielte.
Wir zogen mit dem Zug hinter St. Martin her durch Heide. Es war nur eine kleine Runde. Wie ich hörte, waren die Umzüge sonst immer ein Ende länger gewesen und es hatte dann viele Eltern gegeben, die mit ihren Kindern dann abgebrochen hatten, weil die Kleinen nicht mehr mitkamen oder nicht mehr laufen mochten. In diesem Fall war die Runde gut zu schaffen und meine Kinder hatten viel Spaß daran mit ihren Laternen dem St. Martin zu folgen. An bestimmten Ecken wurde dann Halt gemacht und dem Posaunenchor gelauscht, der uns immer wieder auflauerte. Ich habe diese Menschen mit ihren Musikinstrumenten bewundert, wie schnell sie mit ihren Instrumenten von einem Punkt zum anderen gekommen sind, um uns wieder in feierliche Stimmung zu versetzen.
Nach dem Marsch traf man sich beim Gemeindehaus. Dort war schon alles aufgebaut für die kulinarischen Wonnen. So konnte man dort Würstchen kaufen, Kinderpunsch, Brezeln, Brötchen und einiges mehr an leckeren Kleinigkeiten. Leider waren die Würstchen so knapp bemessen oder die Anzahl der Umzügler so hoch, dass sie schon alle waren als wir an der Reihe waren. Das führte zu etwas Unmut bei meinen nun doch inzwischen recht hungrigen Kindern, denn Laternelaufen und Singen macht nun einmal Appetit.
So blieben wir dann noch eine Weile, um uns das kleine Lagerfeuer anzusehen, aber dann siegte der Hunger doch und wir machten uns mangels Würstchen auf den Heimweg.

Die Preise an den Verkaufsständen waren human und ich denke, dass der Überschuss im Erlös dann später der Gemeinde zu gute kommt. Insofern war es ein netter Gedanke, den Abend so ausklingen zu lassen. Es wurde von der Mehrheit auch gut angenommen und viele kauften sich eine Kleinigkeit an den Ständen.

Der Laternenumzug wurde natürlich in erster Linie von Familien wahr genommen. Denn Kinder lieben es nun einmal, Laterne zu laufen und das Dabeisein von St. Martin mit seinem Pferd war dazu noch ein großer Pluspunkt. Sie fanden es einfach spannend. Der Posaunenchor sorgte für die richtige Stimmung und ich bin gespannt, ob er in der Weihnachtszeit wohl irgendwo Weihnachtslieder schmettern wird, diese kann ich mir auch herrlich vorstellen mit der Posaune vorgetragen.
Doch nicht nur Familien waren dabei. Viele Menschen, die nicht mitzogen, blieben aber stehen und sahen dem Umzug zu. Es war schon ein Schauspiel, das viele begeistern konnte, aber vor allem für die Kinder das Highlight im November.

Ich gebe dem St. Martins Umzug von Heide gern alle Sterne. Es hat Spaß gemacht für Groß und Klein und dass wir keine Würstchen mehr abbekommen haben, haben wir auch noch verschmerzt. ;)
Ich freue mich aufs kommende Jahr, wo ich wieder mit meinen Kindern dabei sein werde und wir wieder dem Martin mit unseren Laternen durch die Stadt folgen werden.

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Kommentare

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  • arco1000 19.01.2008 18:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • togri 09.01.2008 09:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Arti25 29.12.2007 18:07
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Kjeldi 29.12.2007 06:47
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Woelfchen4 09.12.2007 14:26
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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