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Erfahrungsbericht

für Slubice, Polen
5 Sterne Verrückt - aber cool
78 von 78 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Polen ist uns näher gerückt

Kontra Keines erkannt

Detailbewertung

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Art der Reise: Andere
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Der Autor

dik1609 Seit 4 Jun 2010

Ich bin 53 und bedanke mich für Lesungen, Bewertungen und Kommentare - Gegenlesungen sind... mehr

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Ausnahmsweise habe ich mir die Überschrift zu diesem Bericht nicht selbst ausgedacht, vielmehr entstammt sie einem Zitat. Der beste Sohn von allen nämlich hatte reichlich Zeit - und der Schreiber dieser Zeilen ebenfalls. Was nun anfangen mit all den Minuten, Stunden und Tagen? Der reisefreudige ältere Herr hatte eine Antwort parat: Wir fahren nach Polen! So sehr weit allerdings sollte es in unser östliches Nachbarland nicht gehen, weswegen wir uns auf den gut 400 Kilometer langen Weg nach Frankfurt/Oder machten, dort den Fluss querten und auch schon in Slubice waren.

Allgemeine Informationen (Wikipedia)

Slubice (Dammvorstadt) ist eine Stadt an der Oder im äußersten Westen Polens mit rund 17.000 Einwohnern. Bis 1945 gehörte das heutige Stadtgebiet als Dammvorstadt bzw. Gartenstadt zu Frankfurt. Heute befinden sich hier die wichtigsten Grenzübergänge zwischen Deutschland und Polen - für den Straßenverkehr die Autobahnbrücke der A 12 und die sogenannte Stadtbrücke über die Oder sowie für den Eisenbahnverkehr der Grenzbahnhof im nahegelegenen Stadtteil Kunowice. Slubice ist Standort des polnisch-deutschen Wissenschaftszentrums Collegium Polonicum.
Unsere Anreise

Vom östlichen Westfalen aus machten wir uns auf den Weg in Richtung Polen, fuhren an Hannover, Wolfsburg, Magdeburg und Berlin vorbei und erreichten schnell Frankfurt. Ich wusste noch, dass es eine Stadtgrenze gibt, die uns direkt nach Slubice führen würde. Also verließen wir die Autobahn an der Ausfahrt Frankfurt-Zentrum und entdeckten auch schon bald Hinweisschilder in Richtung Slubice, das wir nach der kurzen Stadtdurchfahrt und insgesamt knapp vierstündiger Anreise über die Stadtbrücke erreichten. Auf der Brücke kamen uns schon viele Menschen entgegen, die offenbar ihre normalen Einkäufe in Polen getätigt hatten - der Absturz des polnischen Zlotys macht das interessant. Grenzkontrollen übrigens gibt es nicht mehr, seitdem Polen Vollmitglied der Europäischen Union ist und auch das Schengener Abkommen unterzeichnet hat.

Der Polenmarkt

Wir kamen, nachdem wir die Oderbrücke überquert hatten, auf polnischem Gebiet in einem Kreisverkehr an und entdeckten sofort ein Schild, das uns in Richtung "Basar" lockte - genau dorthin wollten wir doch vorrangig! Es waren wirklich nur ein paar hundert Meter (über Kopfsteinpflaster), und schon hatten wir diesen Basar, im Volksmund auch Polenmarkt genannt, erreicht. Unser Auto stellten wir kostenlos am Straßenrand ab - dort, wo schon reichlich andere Kraftfahrzeuge, auch viele mit deutschem Kennzeichen, parkten. Konkrete Kaufvorstellungen hatten wir nicht - aber es machte schon Spaß, durch die Gassen dieses Basars zu laufen und sich anzuschauen, was da alles angeboten wurde. Textilien, Lebensmittel, Tabakwaren, Ersatzteile für Autos und Fahrräder, Schmuck, Uhren, Glas und Keramik -da gab es wirklich eine Menge zu sehen, das meiste davon zu sehr akzeptablen Preisen. Mitten in die kleinen und zumeist vor Ware überbordenden Verkaufsstände haben sich einige Dienstleister wie Frisöre (Herren: 4 Euro für den Haarschnitt!) und kleinere Imbiss-Stände eingenistet. Gekauft wurde von uns letztlich nichts, obwohl Sohnemann zwischenzeitlich großes Interesse an Angelzubehör bekundet hatte - irgendwie wollte er dann aber doch nicht. Dass ich als Raucher in Polen Zigaretten kaufen würde, war schon vor Fahrtantritt klar. Aber auf diesem Basar wollte ich diesbezüglich nicht zuschlagen, hatte ich doch immer wieder davon gehört, dass die Qualität der Tabakwaren hier nicht die gleiche sei wie andernorts oder, deutlicher formuliert, dass es hier oft nicht rauchbare Zigaretten gibt, weil der Inhalt des Papiers nur entfernt etwas mit Tabak zu tun hat. Übrigens: Natürlich ist die Unterhaltung mit praktisch allen Basar-Beschickern völlig problemlos in deutsch möglich.
Unser Mittagessen

Wir hätten uns durchaus am oder in der Nähe des Basars verpflegen können, wollten das aber nicht, sondern suchten in der Stadt ein Restaurant, von denen es einige leicht zu finden gibt. Wir landeten schließlich nach kurzer Autofahrt in einem Selbstbedienungs-Restaurant, in dem wir uns für kleines Geld aufs angenehmste stärkten, obwohl wir kein polnisches Geld dabei hatten und die Umrechnung der Preise in Euro doch arg zu unserem Nachteil gerundet wurde. Aber da gibt es keine Beschwerden, denn 2,50 Euro für ein paniertes Schnitzel mit Kartoffel-Beilage sind immer noch ein hervorragender Preis - und gemundet hat es auch!

Was es sonst noch so gibt

Eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten Slubices ist das Kino Piast, das schon 1925 als "Film-Palast Friedrichstraße" eröffnet wurde. Das Kino, das auch eine kleine Bühne für Tanz und Theateraufführungen besaß, wurde nach den Plänen des Charlottenburger Architekten A. Rebiger errichtet und bot damals etwa 500 bis 525 Personen Platz. Bereits fünf Jahre später wurde das Kino geschlossen und die Gaststätte "Elyseum" eröffnete in dem Gebäude. Nach Umbauarbeiten und Modernisierungen erfolgte die Wiedereröffnung im Dezember 1937. Nach dem 2. Weltkrieg und der Bildung Slubices wurde das Kino verstaatlicht. Das Kinogebäude, heute in der ul. Jednosci Robotniczej 10 gelegen, wurde im März 2005 geschlossen, nachdem zuvor die ehemalige Kassenhalle des Gebäudes neben dem Kinobetrieb auch als Blumen- und Gemüseladen genutzt worden war.

Einen Blick wert ist auch das städtische Kulturzentrum SMOK, das auch von Studenten gern besucht wird. Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt richtet es unter anderem die "TranzVOCALE" aus, ein internationales Festival für Lied und Weltmusik.

Dass viele Touristen Slubice aus ganz anderen Gründen besuchen, ist ein offenes Geheimnis. In der Stadt nämlich gibt es eine ganze Reihe von Bars und Bordellen - über eigene Erfahrungen diesbezüglich kann ich allerdings nicht berichten.
Der Abschluss

Natürlich konnten wir Polen nicht verlassen, ohne getankt zu haben. In der Nähe der Oder-Brücke fanden wir eine Shell-Tankstelle, die die Benzin-Preise praktischerweise nicht nur in Zloty, sondern auch in Euro anzeigte. Zum damaligen Zeitpunkt kostete bei uns daheim ein Liter Superbenzin noch 1,58 Euro, hier mussten wir gerade einmal 1,29 Euro zahlen - das ist schon ein gewaltiger Unterschied. An dieser Tankstelle kaufte ich denn auch noch meine Zigaretten, wobei pro Person die Mitnahme von vier Stangen erlaubt ist. Auch hier ergab sich eine gehörige Ersparnis von etwa 20 Euro pro Stange im Vergleich zu Deutschland.

Interessant war, dass ich Benzin und Zigaretten mit einer Kreditkarte bezahlte, wobei mir der Preis in Zloty und Euro zum recht genauen Tageskurs angezeigt wurde. Als ich inzwischen meine Kreditkarten-Abrechnung erhielt, war die Rechnung komplett in Euro enthalten, was mir immerhin die Gebühr für den Einsatz beim Bezahlen mit einer Fremd-Währung ersparte.
Mein Fazit

Ja, ein wenig verrückt ist es schon, für nur wenige Stunden Aufenthalt gut 800 Kilometer mit dem Auto zu fahren. "Verrückt - aber cool", wie ein Freund meines Sohnes später meinte. Trotzdem hat uns dieser Tages-Ausflug viel Spaß gemacht, wobei wir bei einer eventuellen Wiederholung sicher auch etwas auf dem Polen-Markt einkaufen würden (außerdem würde mich dann ja das Frisör-Angebot enorm interessieren!). Erstaunt waren viele Bekannte darüber, als wir ihnen von unserer Fahrzeit berichteten, die pro Weg dank freier Autobahnen ohne Staus und Baustellen und bei Einhaltung aller Geschwindigkeits-Begrenzungen unter vier Stunden lag. Polen scheint uns also näher gerückt zu sein - und das durchaus auch im wörtlichen Sinn. Vor einigen Jahren noch habe ich mit einem Auto lange Zeit an der deutsch-polnischen Grenze gestanden, die heute eigentlich nur noch durch die Oder sichtbar ist. Schön, wie Europa zusammen wächst! Schade eigentlich, dass das zumeist nur genutzt wird, um billig Zigaretten oder Alkohol zu kaufen, wovon die vielen entsprechenden Geschäfte in der Stadt zeugten.

Schlusssatz

Leider habe ich an diesem Tag nicht daran gedacht, meine Kamera mitzunehmen. Deswegen gibt es leider auch kein Foto.

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Kommentare

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  • t.schlumpf 28.02.2012 03:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Wieder was gelernt

  • sakibr 15.02.2012 19:17
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Sh, lg

  • belli4charlotte 09.02.2012 17:22
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Sotairo 09.01.2012 18:15
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • chipad 04.01.2012 14:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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