Home > Reisen > Europa > Slowakei > Sehenswürdigkeiten in der Slowakei > Slowakisches Paradies, Dedinky > Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht

für Slowakisches Paradies, Dedinky
5 Sterne Urlaub in Mittelosteuropa: das Slowakische Paradies Bericht mit Bildern
104 von 104 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Land und Leute - unvergleichlich schön; zweifellos auch: die übersichtlichen Reisekosten

Kontra Planung: die will schon selbst gemacht sein, Pauschalurlaube sind sicher bequemer

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Öffnungszeiten
Spaßfaktor

Der Autor

bojorix Seit 13 Jul 2000

aus nostalgischen Gründen zu Pfingsten ein Gedanke an den alles, wirklich alles überragenden... mehr

88 Mitglieder vertrauen mir

Ihr alle habt den Sommer 2010 bestimmt noch recht gut in Erinnerung. Es ging ganz verheißungsvoll los: Das Public-Viewing-Wetter war angenehm bis prächtig, die fußballerischen Darbietungen bei der Weltmeisterschaft erwiesen sich als aller Ehren wert – doch danach wurde es unschön. Tiraden, liebe Leserin, lieber Leser, die hier abstrakt und zudem sehr rückwärtsgewandt gegen Petrus zu richten wären, sollen allerdings im Folgenden ausbleiben. Vielmehr will ich erzählen, wie man auch bei mäßigen meteorologischen Bedingungen ganz wunderbar die Seele baumeln lassen kann – im immer noch, zumindest verhältnismäßig, wilden Mittelosteuropa, genauer in der Slowakischen Republik.

Das alles kam so: Der slowakische Teil der eher wenig ruhmreichen Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik war vor 1989/1990 ein beliebtes Reiseziel der Ostdeutschen, insbesondere derer, die partout nicht (schon wieder) an die Ostsee wollten oder keinen FDBG-Ferienplatz am Scharmützelsee, im Thüringer Wald oder sonstwo hatten ergattern können. Und ein Urlaub im Bruderland hatte wahrlich einiges zu bieten: Nicht nur kulinarische Köstlichkeiten für Kehle und Magen, sondern auch ein wunderschönes und geographisch überaus abwechslungsreiches Fleckchen Erde, in dem es sich zudem preisgünstig die verdienten Ferien verbringen ließ. Auch der gute bojorix hat von diesen Erfahrungen profitiert, freilich erst nach dem Mauerfall; von 1992-1994 ging es für ihn, kaum Grundschüler, drei Jahre am Stück mit den Eltern und dem verehrten Schwesterlein in französischen Automobilen (so weit waren die Segnungen der Wiedervereinigung dann doch fortgeschritten) zielgerichtet in den furchtbar wilden Osten, welcher der Modernisierung weit hinterherhinkte und erst gegenwärtig einen wirklichen Aufholprozess erlebt.

Dessen Rahmenbedingungen lassen sich an dieser Stelle freilich kaum angemessen diskutieren. Der slowakische Aufschwung finanziert sich (leider) auf Pump und über unvernünftig niedrige Unternehmenssteuern, wirkt zum Vorteil weniger, ganz besonders aber zum Nachteil von (ethnischen) Minderheiten. In einem Satz: Jene Urlaube waren dennoch überwältigend schön – das Land, die Leute, nicht zuletzt aber auch das Gedächtnis (welches bekanntlich insbesondere Schönes speichert) ließen die Ausflüge in die Slowakei lange, lange an mir nagen, weil ich es bis 2010 nie mehr schaffen sollte, weiter nach Osten als bis zur Prager Karlsbrücke vorzustoßen.

Schlachtpläne

Irgendwann rund um Silvester 2009 wurde in kleiner Runde beschlossen, das Zusammenfallen von Semesterferien (Ladies) und Urlaub (Gentleman) gewinnbringend zu nutzen und eine ausgewiesene Anti-Pauschalreise zu unternehmen. Zu viert wollten wir aufbrechen: Die Herzallerliebste, die eigene Person und ein eng befreundetes Ehepaar unseren Alters. Ganz oben auf der Agenda standen schwerpunktmäßig zunächst freilich andere Ziele als jene, die ich euch nachfolgend anpreisen möchte.

Plan war es nämlich ursprünglich, mit Mietwagen (außerhalb der Rechnung), Zelt (dieses: dito) und knappem Budget (pro Nase hatten wir 300 bis 350 Euro veranschlagt) zehn Tage in der Slowakei zu verleben und dabei insbesondere das kleinste Hochgebirge der Welt, die berühmte Hohe Tatra, zu erwandern. Gleich vorweg: Daraus wurde so nichts. Wir trollten uns zwar einige Tage im Umfeld des Gebirgszuges und unternahmen unverwüstlich auch zwei Anläufe, in seine Höhen vorzustoßen, scheiterten aber an Nebel, Kälte und überhaupt Feuchtigkeit von allen Seiten. Alles, was weit über 1600 Höhenmeter hinausgeht, muss folglich in die Zukunft verschoben werden – nun ja, wir sind sämtlich noch relativ jung.

Der Anlauf

Der Autor dieser Zeilen hatte sich – ganz Historiker - gleich nach dem Jahreswechsel bei seinem Herrn Vater alle noch verfügbaren Unterlagen aus den fast 20 Jahre zurück liegenden Urlauben erbeten und damit so manche verschüttete Erinnerung aufgefrischt. Ein wirklich gut sortierter Reiseladen in Halle verkaufte für (nicht ganz billige, aber gut investierte) 20 Euro zudem einen Reiseführer – Verlag M. Müller - für die Slowakei, der sich über alles Erwartbare hinaus vorzüglich bewähren sollte, mit vielen guten Hinweisen aufwartete und bis ins hinterletzte Nest brauchbare Empfehlungen gab, nur ganz selten irrte (und dann auch nur, weil sich seit der Drucklegung die Erde eben weiter gedreht hatte).

Um die eigentlich heiße Phase der Planungen drückte sich der Autor dieser Zeilen dann aber. Als die anderen Wäsche wuschen und bügelten, dies und das zusammenpackten, eiserne Rationen schnürten, letzte Einkäufe erledigten (Kohletabletten – zum Glück nicht benötigt; aber Pflaster, Aspirin, Batterien und anderes mehr), hatte ich mich in den Westen der Republik, genauer in eine größere Domstadt, absentiert, um dort noch einen Vortrag zu halten und meinen Personalausweis zu verlieren. Die Rückreise gestaltete sich ein wenig schwierig, weil die Deutsche Bahn in ihrer grenzenlosen Weisheit beschloss, den letzten Regionalzug ab Göttingen nach Halle nicht warten, sondern dem nur um wenige Minuten zu späten ICE vor der Nase davonfahren zu lassen. Geschenkt! Es wurde zwar eine kurze Nacht im Hotel und ein hektischer Folgetag, aber am wiederum folgenden Tag, einem Sonntag, konnte es um 6 Uhr in der Frühe endlich losgehen.

Absprung und Landung

Ein Kaffee aus der Thermoskanne, ein Kippchen – mehr ist zu solchen Uhrzeiten leider nicht zu machen. Aber wir wollten ja alle Hürden auf dem Weg ins etwa 800 Kilometer entfernte Herz der Slowakei, den Südwesthang der Hohen Tatra, möglichst reibungslos absolvieren. Was sich, dies nebenbei, auch nicht als großes Problem erwies: Die Ladies schlummerten seelenruhig auf den Rücksitzen des bis unters Dach beladenen Ford Mondeo Turnier, vorn gab es bis weit über Dresden hinaus freie Fahrt, so dass unser Frühstück schon tief in Polen stattfinden konnte. Nach Osten ging es bis Kraków, von dort nach Süden und – überraschend früh – schon um drei Uhr war die Reise bewältigt.

Wir bezogen den zuvor als Basiscamp avisierten Zeltplatz in Liptovský Mikuláš, erfreuten uns an dem dort gebotenen, erfreulich hohen Standard aller Einrichtungen – und ließen den lieben Gott für einen langen Sonntagabend lang einen guten Mann sein. Hier erwies sich zum ersten Mal, wie geschickt der zweite, praxisorientiert-pragmatische männliche Part unseres Quartetts den Leihwagen bepackt hatte. Neben einem Benzinkocher und Kochgeschirr in mehrfacher Ausfertigung, einer Axt und vielem anderen nützlichen Handwerkszeug hatte er in einer Aussparung an der Seite des Kofferraums Tabak und einen Flachmann mit gut gelagertem Sherry deponiert, der sich hervorragend mit dem kurz hinter der Grenze erworbenen Wein und Pils vertrug.

Freilich gibt es nach dem ersten Gelage eines Urlaubs selten ein freudiges Erwachen, doch der kommende Tag bot wirklich fiese Überraschungen. Bei unserem Ausflug nach Štrbské Pleso, einer auf 1500 Meter gelegenen Touristenstadt im Herzen der Hohen Tatra (Strecke vom Zeltplatz aus: etwa 30 Kilometer), sahen wir nämlich – nichts! Nebel verhinderte eine Sicht von über fünf Metern, wir schlenderten also um den namensgebenden See und vertilgten abschließend unser erstes, absolut köstliches Mahl, auf das die Rückkehr ins Tal und nach kurzer Rundreise und einigen Einkäufen der Besuch in einer wirklich schönen Therme folgte.

Nun war guter Rat teuer – was tun angesichts der neblig-trüben Aussichten, die sich auch in der Prognose nicht änderten? Im Tal war es wunderbar und recht mild, doch unser Geist strebte ganz ernsthaft nach Höherem, nach Metern in der Senkrechten, nach langen Touren über Stock und Stein. Euer bojo hatte schon im Vorfeld ins Gespräch gebracht, er würde gern das Slowakische Paradies wiedersehen, einen Nationalpark südöstlich der Tatra, in Richtung Ungarn gelegen. Beim Aufstehen hatten wir die Berggipfel der Tatra vor Augen, die Sonne schien, der (selbst mit einem Handfilter gekochte) Kaffee, die Hörnchen und der einheimische Räucherkäse schmeckten. Ich gestehe es, wir brachen mit großer Wehmut auf – ohne aber zu ahnen, dass der Abschied zwar nicht endgültig, im Ergebnis aber konsequent sein sollte. Als wir am Mittag am neuen Ziel – dem Campingplatz Dedinky, oberhalb des Ufers eines malerischen Stausees - eintrafen, schüttete es bereits wie aus Kübeln, das Bild war in der Tatra, sie war in Sichtweite geblieben, kein anderes. Also aßen wir: fantastische Knoblauchsuppe und vorzügliche Rippchen, tranken auch zwei Gläser des Roten (für sechzig Cent das Glas!), unternahmen zum Abend (es klarte auf) auch noch eine erste, sehr schöne, sehr knackige Wanderung, um anschließend wieder ins Kneipchen einzukehren und Skat zu kloppen, bis die Schwarte krachte (Tag 1).

Erst der folgende Tag geriet denn zur Nagelprobe, denn die erste längere Wanderung stand an. Nach dem steilen Aufstieg über Leitern und Stiege (dafür ist das Slowakische Paradies berühmt – der Norden noch mehr als der Süden, in dem wir zunächst verweilten) musste sich die übergroße Mehrheit eingestehen, dass der Autor dieser Zeilen einen unbedeutenden teaminternen Wettkampf um das Bergtrikot gewonnen hatte – weil er aus Trotz den in allen Karten als solchen ausgewiesenen Abstieg gewählt und am Zielort, einer Alm mit Freikoppel und allerlei lustigen Tieren, bereits vier große Bier vom Fass (!) für zusammen wenig mehr als zwei Euro (!!) bestellt hatte. Fortan wanderten wir stundenlang durch schöne Wälder, querten mehrmals unsere eigene Route, erklommen die Ursprünge wohlschmeckender Quellen, picknickten sehr romantisch im Flussbett, naschten Walderdbeeren und kehrten nach einer Rundtour auf dem Plateau über steile Abstiege zurück ins Tal. Dort kam es zwar zu ersten Konflikten (Ansage, ganz bestimmt nicht vom Autor: „Es wird nicht Bus gefahren, wir ziehen durch, dies ist kein Muschi-Urlaub.“), die aber alsbald geglättet werden konnten, weil im „Heimatdorf“ in einer Gaststätte eingekehrt wurde, in welcher die Wirtschaft Forelle von solch vorzüglicher Qualität kredenzte, dass alle Mühsal des Tages rasch vergessen war. Kinder, glaubt mir bitte: Das war ein fast fürstlicher Hochgenuss, in Kombination mit dem Panorama auf den Stausee und die umliegenden Höhenzüge, eingedenk des Weines, den wir für 6 € pro Flasche ausgeschenkt bekamen, eine nahezu unvergessliches kulinarisches Erlebnis.
Beim Absacker in der Stammkneipe offenbarte ein reichlich alkoholisierter Einheimischer zudem, die wahre Pracht des Slowakischen Paradieses sei der Norden (aus dem er stamme), erst dort gelange das dichte System enger Schluchten und hoher Leitern zu wahrer Schönheit, der Süden sei dagegen Kinderkram. Und obwohl man Besoffenen nicht glauben soll, entschieden wir spornstreichs und einstimmig, dem netten Rat zu folgen – immerhin hatte uns Dedinky gefallen, aber gerade der Zeltplatz mit seinen übersichtlichen Badöffnungszeiten (08.30 – 08.45 Uhr) doch noch einiges an noch nicht erschlossenem Potential geboten. (Tag 2)
Umzug nach Podlesok

Auf ging es also am kommenden Morgen, mit dem Auto ist es etwa eine Stunde bis in den Norden des Paradieses, der Reiseführer offenbarte auch zwei Zeltplätze und eine Art Feriensiedlung als mögliche Anlaufpunkte. In letzterer speisten wir zu Mittag (schon wieder: herausragend, gerade die Knoblauchsuppe), bekamen aber keine Unterkunft, obwohl wir auf ein Plätzchen an einem Ausgangspunkt zu vielen Wandertouren insgeheim spekuliert hatten. Der laut Reiseführer nächst gelegene Zeltplatz existierte nicht mehr, aufgrund der hoffnungslos versifften sanitären Einrichtungen kam auch Schwarzzelten nicht infrage – und so blieb uns Podlesok als Anlaufpunkt, ein Ort direkt am Einstieg zur legendären Sucha Belá, dem wohl prächtigsten begehbaren Flusstal des Paradieses. Check in, Zeltaufbau – all dies braucht Zeit, die Knochen waren zudem vom Vortag noch reichlich müde, unter dem Strich hatten wir mehr als 30 Kilometer erwandert. Also verblieb nur noch, ein Nacktbad im kalten Fluss zu nehmen – der Zeltplatz verfügte ganz zweifelsfrei über eigene Zugänge, wer weiß, wer sie mit Zäunen garniert hatte – und das Abendbrot zu bereiten, einem Abend am Lagerfeuer zu zelebrieren. (Tag 3)

Solcherlei Formen des Krafttankens erwiesen sich als gelungene Präparation für das an Dramatik kaum zu überbietende Folgende. Bereits kurz nach acht Uhr saßen alle unmittelbar Beteiligten (kalt) geduscht, gestiefelt und auch sonst guten Mutes am Frühstückstisch und nahmen Anlauf für den großen Sprung in die Schlucht. Auch hier bleibt eigentlich nur der wehmütige Blick zurück: eine derartig schöne Wanderung muss mensch eigentlich selbst erlebt haben. Über Stock und Stein, über Stiege, Sprünge und Leitern ging es bergan durch ein enges Tal mit weit in den Himmel schießenden Felshängen, der Wald atmete, der kleine Fluss, der einst diese Furche gegraben hatte, spülte mal als Rinnsal, mal als Bächlein um die Wanderschuhe. Lag ein Abschnitt mit zu erklimmenden Leitern vor uns, musste ab und an gewartet werden – Zeit genug für ein Küsschen hier oder ein Foto für die bucklige Verwandtschaft dort. Dass es zwischendurch einen heftigen Platzregen gab, nach welchem sich der Himmel sofort wieder öffnete, ignorierten wir angesichts der Naturschönheiten nonchalant.

Drei Stunden sollten für den imposanten Aufstieg durch die Sucha Belá eingeplant werden – ein unter dem Strich unvergessliches, schier unersetzliches Erlebnis gerade für junge Familien, aber auch für alle, die den Zenit überschritten zu haben glauben und ein letztes großes Achtungszeichen setzen möchten. Oben angekommen, gönnten wir uns Wasser (bitter nötig), „Kosmonautennahrung“ (gezuckerte Kondensmilch „Tatra“ aus der Tube) und ein Kippchen (aus Prinzip), dann folgte eine beschwingte Plateauwanderung mit Einkehr (Knoblauchsuppe, was sonst), ein steiler Abstieg und der Rückweg über schmale Stiege und über allerlei Wurzelwerk am Rande eines Flusses, der es seinerseits auf bis zu 30 Meter Breite brachte. Für die Vollendung der Rundwanderung musste schließlich ein Rückweg von einer Stunde eingeloggt werden – laut Jury ein Fehler der kartenzuständigen Herren, obwohl die Karten auch anders hätten gelesen werden können: geschenkt!

Allerdings hatten sich bojo und sein männlicher Mitstreiter vorgenommen, mal einen Abend solo on tour zu gehen – in stilechtem Outfit (Ballonseide, Achsel-Shirt, Gürteltasche, Wanderhut), welches aber bildlich leider nicht bewiesen werden kann. Vor dem Aufbruch ging es gemeinsam mit den Ladies noch zum Abendbrot (Langos – sehr lecker, aber etwas karg), dann folgte der Aufbruch ins Ungewisse, ins am Vortag auf der Fahrt erspähte „Hostinec“ (Kneipe) des Nachbarortes, einen Katzensprung auf der Landstraße entfernt. Ich will keine Heldenstory zum für zwei Personen legendären Abend im Dörfchen Hrabušice spinnen (die Liebste grollt mir bis heute), aber vielleicht das Folgende gestehen: Als wir aufbrachen, schien die Sonne, als wir gegen Mitternacht zurück kehrten, goss es aus Kübeln in Form eines sehr, sehr heftigen Gewitters, welches fast die ganze Nacht andauern sollte – die im Zelt gelagerten Klamotten waren nass! Jedenfalls meine Person wirkte zudem wie ein begossener Pudel und hatte sich sichtlich übernommen, nachdem uns in zwei Kneipen nach Schluss des Zapfhahns (auf Kosten des Hauses!) noch so mancher Schnaps spendiert worden war und wir uns mit Händen und Füßen mit den Einheimischen über Fußball, europäische Integration und die Rolle der Roma im Dorf verständigt hatten. Glaube ich jedenfalls. (Tag 4)

Was feststeht: Der folgende Tag war für die unmittelbar involvierten Herren kein Zuckerschlecken, wir nahmen neues Quartier noch weiter östlich, verbrachten zwei Tage in Klausur (einer gemieteten Hütte), brachen dann wieder nach Westen auf und verlebten drei weitere, regnerische Tage in der Niederen Tatra, ohne einem Gipfelsturm, der seinen Namen verdient hätte, nahe zu kommen.

Nachlese

Vier Tage hatten wir im Slowakischen Paradies zugebracht – jeweils zwei auf zwei verschiedenen Zeltplätzen, im Norden und im Süden dieses herrlichen Fleckchens Erde. Die Kosten für jenen Spaß hatten sich in sehr überschaubaren Rahmen gehalten (Dedinky: für vier Personen inklusive Auto und Zelt: 16 € pro Tag, Podlesok: selbiges Paket 18 €), Speis und Trank waren selbst zu tragen, aber auch äußerst preiswert, selbst der Saufabend kostete uns zusammen keine fünfzehn Euro (inklusive Kippen, so erstaunlich das klingen mag). Auch die über den Rahmen der vier hier intensiver beschriebenen Tage hinausreichenden Unternehmungen waren problemlos gestaltbar, die Kosten sind wirklich begrenzt, besondere Sprachkenntnisse nicht notwendig (im Ernstfall helfen Hände und Füße; die meisten Menschen können sich aber auf Deutsch oder Englisch gut verständigen), hilfreich ist ein guter Reiseführer aus dem Fachhandel oder ein annähernd aktuelles Navigationsgerät. Wenig geht zudem über das Gefühl, sich einen Urlaub ganz und gar selbstständig und nach Tagesform organisieren zu können: Die Slowakei bietet hierfür aufgrund der kurzen Wege, des ordentlichen Straßennetzes und der Sehenswürdigkeiten an nahezu jeder Ecke hervorragende Bedingungen, gerade das Slowakische Paradies ist für unsere Ansprüche noch annähender unberührt, dafür aber sehr gut erschlossen.

Einige Worte zu den Reisekosten: Wer gern in Kaufhallen einkauft, muss mit Preisen etwas unterhalb des Niveaus rechnen, das wir von hier kennen, Benzin ist etwa ein Viertel billiger. Für eine Übernachtung in einem Doppelzimmer in einer der zahlreichen privaten, zum Teil aufwendig renovierten Pensionen sollten zehn bis zwölf Euro pro Nacht und Nase eingeplant werden, Hotelbetten sind entsprechend teurer, Genaues dazu vermag ich aber nicht zu berichten. Es lohnt sich übrigens fast immer, in die zum Teil urigen Gaststätten einzukehren, eine Suppe kostet etwa einen Euro (unbedingt zu empfehlen: die wirklich abwechslungsreichen Knoblauchsuppen), Hauptgerichte zwischen drei und sieben Euro, ein halber Liter gezapftes Pils zwischen 0,65 und 0,90 Euro, ein Glas Wein bewegt sich in eben jenem Rahmen, Desserts gibt es gleichfalls annährend gratis – vier Personen werden für 20, höchstens 25 Euro lässig satt.

Wir haben nicht nur die vier Tage im Slowakischen Paradies, sondern den gesamten Urlaub trotz des miesen Wetters sehr genossen, reichlich Kraft getankt für den anstrengenden Endspurt bis zum Jahresende 2010, wirklich wunderbar ausspannen können. Wir haben gelacht, gut gegessen und getrunken, abends stets ein wenig zu lange beieinander gesessen – dafür sind aber alle vier Beteiligten noch näher als zuvor zusammen gewachsen.

Alles in allem, liebe Freundinnen und Freunde: Die Slowakei ist, was Lebensart, Land und Leute angeht, eines der aus meiner Sicht schönsten Länder der Erde. Sie legte mit ihrer Schönheit, mit ihrer romantischen Wildheit und ihren ganz und gar nicht westeuropäisierten Menschen den Grundstein für das, was man wirklich Urlaub nennen kann. Manchmal braucht es zweifellos ein dickes Fell, um alles zu ertragen, was um einen herum geschieht – aber es lohnt sich! An jeder Ecke, an jedem Winkel, auf jedem Steig und auch jedem Berg. Mein ernsthafter Rat: Hinfahren, solange das Gebotene noch in seiner urigen Form existiert, sonst verpasst ihr was!


Bilder

für Slowakisches Paradies, Dedinky
PICT4809 - Slowakisches Paradies, Dedinky
Blick vom Rand des Paradieses auf die Hohe Tatra: Das war das eigentliche Ziel!
von bojorix bojorix
PICT4809 - Slowakisches Paradies, Dedinky

Bewerten Sie diesen Erfahrungsbericht

Wie hilfreich ist dieser Bericht für Sie? Leitfaden zum Bewerten

Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors

Anstatt dem Mitglied eine negative Bewertung zu geben, bitte daran denken:

  • Helfe diesem Mitglied durch nützliche Tipps

  • Melde einen Missbrauch wegen unerlaubter Kopie oder anderer Gründe an das Ciao Support Team.

Aktiviere die Funktion für negative Bewertungen

Kommentar schreiben

 Kommentar abgeben  Kommentar abgeben

JavaScript sollte aktiviert sein, um eine Bewertung oder einen Kommentar abgeben zu können.

Kommentare

Haben Sie eine Frage zu Slowakisches Paradies, Dedinky? Frage stellen
Vorherige Seite Nächste Seite Seite 1 von 23 | 1 - 5 von 111 Kommentaren
  • mr.matze 12.04.2012 16:46
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    bh

  • Wolfi1973 06.01.2012 13:09
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Dede87 06.01.2012 13:05
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • travelgirl 30.10.2011 09:04
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    *bhnachreich*

  • Der-Steppenwolf 16.09.2011 21:23
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
Vorherige Seite Nächste Seite Seite 1 von 23 | 1 - 5 von 111 Kommentaren