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You’re my heart, you’re my…

3  03.09.2003

Pro:
Schöne Paläste, klasse Nachtleben, gute Shoppigsmöglichkeiten

Kontra:
wenig Grün, Verkehr, Smog, Hochhäuser

Empfehlenswert: Ja 

miss_varna

Über sich:

Mitglied seit:07.11.2002

Erfahrungsberichte:85

Vertrauende:76

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 168 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

…Seoul.

Fünf Monate habe ich in der südkoreanischen Hauptstadt gelebt, fünf Monate, die nun enden. Bevor ich in zwei Tagen abreise, nehme ich mir noch die Zeit, meine Eindrücke der letzten fünf Monate niederzuschreiben, bevor sie in den kommenden Wochen durch neue Eindrücke auf meinen Reisen überschattet werden.

Seoul ist nicht nur die Hauptstadt und somit das administrative Zentrum der südkoreanischen Republik, sondern mit geschätzten knapp 15 Millionen Einwohnern auch die mit Abstand größte Stadt des Landes, in der 25% der Gesamtbevölkerung wohnen – sogar 35%, wenn man die Vororte mitzählt.


Geschichte
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Seoul wurde 1394 gegründet und war über 500 Jahre lang die Hauptstadt der Yi-Dynastie. Sie wurde ursprünglich nach dem Feng Shui -Prinzip geplant und erstreckte sich nördlich des Flusses Han, umgeben von Stadtmauern.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Korea von Japan besetzt und Seoul wurde der Status der Hauptstadt abgesprochen, aber während der japanischen Besatzung wurde die Stadt von den japanischen Besatzern infrastrukturell erweitert und gewann an Bedeutung als administratives, Wirtschafts- und Finanzzentrum.
Nachdem Korea 1945 von der Besatzung befreit wurde, wurde auch Seoul wieder zur Hauptstadt erklärt. In den Jahren nach der Besatzung stieg die Bevölkerungszahl explosionsartig durch heimkehrende Koreaner, die während der Besatzung in anderen Orten bzw. Ländern verweilten.
Während des folgenden koreanischen Krieges wurde große Teile der Stadt zerstört und auch der Bevölkerungsanstieg kam zum Stillstand.
Nach dem Kriegsende wurde Seoul 1953 zur Hauptstadt Südkoreas erklärt und die Bevölkerungszahlen wuchsen wieder sehr stark und sehr schnell, so dass die Stadt ab den 1970ger Jahren auch südlich des Han-Flusses ausgeweitet wurde.

(Quelle: http://www.willi-stengel.de/die_geschichte_von_seoul.htm)


Stadtbild
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Der nördliche Teil der Stadt ist der ursprünglichere, in dem sich die Paläste und Stadttore, aber auch noch alte, traditionelle Häuser befinden. Doch auch vor dem Nordteil der Stadt hat der Bauwahn nicht halt gemacht, man sieht sehr viele Büro-Hochhäuser.
Im Süden der Stadt dominieren Hochhäuser das Gesamtbild – neben Bürohäusern gibt es hier viele Wohnviertel mit hohen, eng beieinander stehenden Plattenbauten. Was in den neuen Bundesländern mit Nasenrümpfen begegnet wird, gilt hier als chic.
Die Straßen sind oft vierspurig und trotzdem immer überfüllt, selbst nachts kann man hier im Stau stehen.
Insgesamt ist die Stadt sehr eng bebaut, es wirkt sehr gedrängt, wobei dieser Eindruck von den hohen Bauten noch verstärkt wird.
Was mich jedoch am meisten stört, sind die fehlenden Grünanlagen. Es gibt sehr wenige Bäume in den Straßen, und auch nur wenige Parke, die dann so klein sind, dass sie wochenends überfüllt sind. Naherholung gibt es im Großraum Seoul quasi nicht.
Positiv erwähnen möchte ich jedoch, dass die Stadt erstaunlich sauber ist, auch wenn die Menschenmassen anderes vermuten lassen.


Getting there & around
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Die wohl einfachste Möglichkeit, nach Seoul zu reisen, ist der Flieger. Täglich gibt es Direktverbindungen ab Frankfurt mit der Lufthansa, Korean Air und Asiana. Ein Hin- und Rückflug in der Economy kostet je nach Reisezeit um die 1.000€. Etwas billiger wird es auf einer Umsteigeverbindung z.B. über Amsterdam, da kann man unter Umständen um die 200€ sparen.

Die internationalen Flüge landen fast alle auf dem noch relativ neuen International Airport in Incheon, einem Vorort westlich von Seoul. Es gibt neben Taxis eine Menge Expressbusse, die den Flughafen mit verschiedenen Punkten in Seoul verbinden. Aufgrund der angespannten Verkehrssituation muss man für die Fahrt in die Innenstadt mindestens eine Stunde und für das Taxi noch ca. 70.000 Won (= 55€) kalkulieren.

Innerhalb von Seoul bewegt man sich am besten mit der U-Bahn fort. Das Netz ist gut ausgebaut, die Züge verkehren sehr regelmäßig und sind sehr sauber. Eine Stadtfahrt kostet 700 Won (ca. 0,55€), Tickets gibt es in jeder Station am Schalter oder am Automaten. Es empfiehlt sich der Kauf einer Karte für 10.000 Won, bei der man ein Guthaben von 11.000 Won erhält. Vor Betreten der Bahnsteige muss man durch Schranken gehen, die sich durch Einstecken eines gültigen Tickets öffnen. Nach der Fahrt muss man das selbe Ticket auch wieder an der Schranke durchschieben, dann wird es entwertet bzw. der Betrag für die Fahrt abgezogen.
Die U-Bahnkarten sind auch alle in Englisch beschriftet, ebenso wie die Stationsnamen in den Bahnhöfen – bei denen sieht man zusätzlich noch, welches die vorherige und welches die nächste Station ist. Auf einigen Linien gibt es auch in den Waggons Displays, die auf koreanisch und Englisch die nächste Station ankündigen.
In den Bahnhöfen gibt es auch Umgebungskarten, auf denen man sehen kann, welchen Ausgang man am besten nehmen sollte.

Autofahren kann ich in Seoul nicht empfehlen, da der Verkehr sehr stark ist und man sehr viel im Stau steht. Erschwerend kommen der Fahrstil der Koreaner und die für mich immer noch verwirrende Beschriftung hinzu – auf Richtungsweisern

Bilder von Seoul
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Fliegender Haendler in Insa-Dong
wird meist nur die nächste große Kreuzung angezeigt, aber nicht die gröbere Richtung. Wenn man nicht weiß, ob die Kreuzung x, y in der Richtung liegt, in die man will, ist man schon aufgeschmissen.

Wenn man mit der U-Bahn nicht dahin kommt, wo man hinwill, sollte man ein Taxi nehmen, von denen es hier zahlreiche gibt. Einige fahren zwar sehr rasant (wenn es der Verkehr mal erlaubt, wird das schamlos ausgenutzt!), aber übers Ohr gehauen hat uns noch nie jemand, obwohl wir ja offensichtlich keine Einwohner sind. Bei den Taxis unterscheidet man zwischen den silbernen und den schwarzen Taxis: Die schwarzen sind etwas bessere (komfortablere) Wagen, dafür ist der Tarif tagsüber auch doppelt so hoch. Tagsüber zahlt man im silbernen Taxi für 30 Minuten Fahrt (8 km) ca. 8.000 Won, es ist also ein erschwingliches Vergnügen.


Übernachten/Wohnen
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Hotels gibt es in Seoul reichlich, davon sehr viele in der Luxuskategorie: Hyatt, Mariott, Shilla, Lotte, Sheraton – mit entsprechenden Preisen, wohlgemerkt. Für Normalsterbliche gibt es aber auch Novotel, Holiday Inn oder Best Western, sowie einige Hotels, die keiner Kette angehören.

Für Langzeitaufenthalte sind vielleicht auch Serviced Residences interessant, was eine Symbiose aus Hotel und Wohnungen ist. Wir leben in einer solchen, in den Fraser Suites, aber es gibt noch andere, wie z.B. Co-op.

Wer in Seoul wohnen will, der sollte wissen, dass das Mietniveau sehr hoch ist. Viel schlimmer ist dabei aber, dass gerade von Ausländern gerne verlangt wird, die Miete für 2, 3 Jahre auf einmal im Voraus zu zahlen.
Überall in der Stadt entstehen neue Wohnviertel, die mich stark an Berlin-Hellersdorf oder –Marzahn erinnern, aber hier der größte Hit sind. Wohnungen in den hohen, durchnummerierten Plattenbaublöcken sind schwer in!
Wer nicht auf die Plattenbauwohnkultur steht, sollte sich in Hannam-dong umsehen, dem Viertel in der Nähe vieler Botschaften und Itaewon, dem Ausländerviertel (da in der Nähe der Yongsan Army Base der amerikanischen Streitkräfte gelegen) – hier kann man kleine Häuser, teilweise sogar mit Garten, mieten. Für 150m² plus kleinem Garten sollte man aber ruhig 5.000€ pro Monat einkalkulieren.


Sehenswürdigkeiten
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*** Gyeongbokgung-Palast***

Der Palast war über 200 Jahre lang Königsresidenz. Er fasste rund 500 Gebäude, bevor er während der Invasion der Japaner 1592 größtenteils zerstört wurde. Erst unter König Gojong wurde der Palast wieder renoviert und fasste Ende des 19. Jahrhunderts wieder 200 Gebäude. Die japanische Besatzung hat abermals viel zerstört, so dass heute nur noch 10 Gebäude erhalten sind. Seit 1995 wird der Palast aber wieder so erbaut, wie er während der Epoche von König Gojong aussah – die Restaurierungsarbeiten sollen 2020 abgeschlossen sein.
Zu erreichen ist der Palast per U-Bahn (Station Gyeongbokgung) und von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 1.000 Won.

***National Folk Museum***

Das National Folk Museum befindet sich auf dem Grund des Gyeongbokgung-Palastes und zeigt Gegenstände des täglichen Lebens der Koreaner im Laufe der Zeit.
Dienstags geschlossen, Eintritt 1.000 Won.

***Changgyeonggung & Changdeokgung***

Der Changgyeonggung-Palast wurde schon 1104 errichtet in der Goryeo-Dynastie und diente dem König Taejo der Yi-Dynastie als Wohnsitz, solange der Gyeongbokgung-Palast noch gebaut wurde.
Täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt 1000 Won.

Der Changdeokgung-Palast ist gleich daneben gelegen. Hier werden gratis Führungen angeboten, die auch den Secret Garden einschließen – um 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr gibt es auch englischsprachige Führungen, die gut eine Stunde andauern. Eine Tour kann ich nur bedingt empfehlen, da man die Führer teilweise sehr schlecht versteht und auf Fragen kaum eingegangen wird. Wenn die Gruppe mehr als 8 Leute fasst, würde ich von einer Teilnahme abraten, da man durch die Größe der Gruppe dann nicht mehr alles sehen kann, was gezeigt wird.
Geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr, Montags jedoch geschlossen. Eintritt 2.000 Won.
U-Bahn Station Anguk

Es gibt zwar noch einige mehr Paläste in Seoul, aber ich bin der Meinung, dass es auch reicht, sich die beiden hier genannten anzusehen.

***Jogyesa***

Jogyesa ist der größte buddhistische Tempel in Seoul, in der Nähe des Gyeongbokgung-Palastes gelegen. Sehr schön ist ein Besuch Anfang Mai, in der Zeit um den Geburtstag Buddhas (offizieller Feiertag): Es gibt eine große Prozession abends, bei der selbst gebastelte und sehr schön verzierte Lampions zum Tempel gebracht werden, wo sie mit einem Zettel von Wünschen versehen an der Decke des Tempels und in dem Vorgarten des Tempels angebracht werden – ein herrlicher Anblick!
Rund um den Tempel gibt es auch viele Läden mit buddhistischen Waren (Kleidung, Buddha-Figuren, Kerzen, etc.) Achtung, wenn Ihr etwas seht, was Euch sehr stark an ein Hakenkreuz erinnert: Die ist ein altes buddhistisches Symbol!

***Namdaemun***

Südlich der City Hall, des Rathauses, ist das Große Südliche Tor, Namdaemun, gelegen, welches einst Seouls zentrales Stadttor war.
Heute findet man in seiner Umgebung einen Markt.

***Dongdaemun***

...ist das östliche Pendant von Namdaemun, das Große Östliche Tor. Auch hier findet man in der unmittelbaren Umgebung einen Markt sowie ein großes Stadium.

***War Memorial***

Das wohl beste Museum in Seoul beschäftigt sich mit den Kriegen Koreas, bis zu dem Koreanischen Krieg des letzten Jahrhunderts.
Geöffnet von 9.30 bis 18 Uhr, Eintritt 2.500 Won, U-Bahn-Station Samgakji.

***Olympic Stadium & Olympic Park***

Zu den olympischen Sommerspielen in Seoul 1988 wurde im Süden der Stadt das olypmpische Stadium erbaut. Sehenswerter ist jedoch der olympische Park mit vielen Skulpturen und dem Olympic Cultural Center.

***World Cup Stadium***

Neueren Datums ist das World Cup Stadium, welches extra für die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 erbaut wurde. Ein Besuch ist eher enttäuschend, das Stadium wirkt sehr klein und die Ausstellung zur WM zeigt zwar viele schöne Photos, aber die Erläuterungen dazu sind alle auf koreanisch. Auch einen Souvenir-Shop sucht man hier vergeblich, dafür findet man WM-T-Shirts auf den Märkten schon für läppische 2.000 Won.
Im Stadium gibt es dafür einen Carrefour-Hypermarkt sowie ein Multiplex-Kino.

***Korean Folk Village***

Nicht in Seoul, sondern in Yongin gelegen ist das Korean Folk Village, welches auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Auf sehr großem Areal im Freien gelegen kann man sehen, wie die Koreaner früher gewohnt und gearbeitet haben. Dabei wird einem auch gezeigt, wie Papier oder Bambusprodukte hergestellt wurden und darf sein Geschick auch probieren. Es gibt auch einige Darbietungen, von koreanischer Hochzeit bis zu artistischen Vorstellungen. Für einen Besuch sollte man einen ganzen Tag einplanen.
Der Eintritt kostet 10.000 Won. Zu erreichen ist das Korean Folk Village am besten von Suwon aus, von wo aus ein kostenloser Shuttlebus bis zum Folk Village fährt. Nach Suwon kommt man aus Seoul mit der U-Bahn, Fahrtzeit ca. 1 Stunde.


Leibliches Wohl
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Restaurants gibt es in Seoul nicht nur an jeder Straßenecke, sondern auch dazwischen – eine schier unglaubliche Fülle! Mir ist immer noch unverständlich, wie so viele Restaurants existieren können: Für ein Essen zahlt man meist unter 5.000 Won (ca. 3,50€), die Mieten sind hoch und in den Restaurants arbeitet sehr viel Personal – von der starken Konkurrenz ganz zu schweigen. Trotzdem sind die Gerichte immer frisch und viele Restaurants auch immer voll.

Koreanische Restaurants findet man ohne sie zu suchen. Allerdings ist es üblich, dass in einem Restaurant meist nur eine Spezialität serviert wird – z.B. nur Bulgogi, nur Bibimbap, nur Mandus oder nur sea-food. Empfehlenswert ist, bei fehlenden Koreanisch-Kenntnissen nach einem Restaurant zu suchen, in dem es entweder eine englische Karte gibt („Tourist Restaurant“ – Aufkleber an der Tür) oder eine Karte, auf der die Gerichte mit Photo abgebildet sind.

Aber auch westliche Küche kann man in Seoul genießen, wobei die meisten westlichen Restaurants italienische sind. Die meisten westlichen Restaurants gehören Ketten an, z.B. Spaghettia, Pizza Hut, Agio, Mad for Garlic, Bennigan’s oder TGI Fridays. In Gangnam-Gu und Apgujeong im südlichen Teil der Stadt findet man die meisten westlichen Restaurants, darunter auch einige luxuriöse. Auch im Seoul Finance Center in Jongno-Gu kann man im Untergeschoss gut essen.

Liebhabern der indischen Küche möchte ich das Restaurant DAL im Art Center Seojong in Jongno-Gu empfehlen: Das Preisniveau ist zwar etwas gehoben (Hauptgericht um die 20.000 Won), aber der indische Koch ist wirklich jeden Won wert!

Fast Food findet man an jeder Ecke, ob nun McDonald’s, Burger King oder KFC.

Einen großen Boom haben die Kaffee-Ketten wie Starbucks erlebt, man findet verschiedenste Vertreter der Branche in allen größeren Straßen. Vermissen wird man jedoch Straßencafés, wie man sie aus Europa kennt – die gibt es hier nicht, dazu fehlt einfach der Platz.


Nachtleben
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Auch Nachtschwärmer kommen in Seoul voll auf ihre Kosten! Die Koreaner feiern sehr gern, zu gern, und gehen fast jeden Tag noch auf die Piste – ob es nun unter der Woche ist, oder am Wochenende.

Sehr beliebt ist hier das Karaoke, und die Koreaner sind auch erstaunlich gute Sänger! Allerdings ist es hier üblich, in einer Gruppe zum Karaoke zu gehen und dort einen eigenen Raum zu mieten.

Pubs gibt es auch eine Menge, wobei ich an dieser Stelle den Irish Pub „Murphy’s“ in Jongno-Gu und „3 Alleys Pub“ lobend erwähnen möchte. Der „3 Alleys Pub“ liegt in Itaewon hinter dem Hamilton Hotel und gehört einem Deutschen, Günni. Hier findet Mittwochs ein deutscher Stammtisch statt, und überhaupt hat es sich zu einem beliebten Treffpunkt der expats entwickelt. Trinkgelage sind aber nicht wirklich billig, für ein Bier muss man ab 5.000 Won rechnen, für Cocktails 8.000 Won.

In Itaewon vergnügen sich viele expats, was auch durch die nahe Lage zur amerikanischen Kaserne Yongsan bestimmt ist. In Itaewon gibt es einige gute Clubs, wie z.B. das Helios oder Hollywood Basement.

Wer sich lieber nicht mit betrunkenen amerikanischen Soldaten vergnügen mag, sollte nach Hongdae ausweichen, der Gegend um die Hongik-Universität: Hier reiht sich ein Club neben dem anderen, in dem auch mal ausländische DJs gastieren und GI’s kein Einlass gewährt wird. Liebhabern von House Musik kann ich MI ans Herz legen, wer Trance bevorzugt, sollte in JokerRed gehen, und für Anhänger von alternativer Musik ist HodgePodge geeignet. In den Clubs zahlt man in der Regel 10.000 Won Eintritt, was ein Getränk einschließt. Einmal monatlich, am letzten Freitag des Monats, gibt es in Hongdae ein Special, bei dem man ein Ticket für 15.000 Won erwirbt, mit dem man eine Vielzahl von Clubs besuchen kann. An den Tagen ist dann auch der Teufel los! Sehr empfehlenswert.


Shopping
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Ich hätte nie gedacht, wie gut man in Seoul shoppen kann – und habe bei der nun bevorstehenden Abreise auch ein kleines logistisches Problem....

Fangen wir mal bei Lebensmitteln an: Die Dichte von Convenience Stores wie Seven Eleven, LG 25 oder Family Mart, die teilweise Tag und Nacht geöffnet sind, ist sehr groß – in ihnen kann man das nötigste kaufen. Für größere Einkäufe empfehlen sich Carrefour oder Kim’s Club, in denen es auch viele non-food-Artikel gibt. Diese Hypermärkte findet man bevorzugt in Wohngegenden. Lebensmittel sind hier insgesamt etwas teurer als in Deutschland, z.B. komischerweise der Reis, oder auch Kosmetika, Wein und ganz besonders Käse, wenn man denn überhaupt welchen findet.

Kaufhäuser gibt es auch viele, in jedem Viertel eins, ob nun Lotte Department Store oder Hyundai Department Store. Hier bekommt man zwar vieles, aber das Preisniveau ist allgemein etwas höher. Während des Schlussverkaufes kann man aber gute Schnäppchen machen!

Elektronik gibt es en masse im Yongsam Electronics Market nahe der am. Kaserne oder im Techno Mart – letzterer ist etwas kundenfreundlicher, da er sich in einem 12stöckigem Gebäude befindet. Hier sind einzelne Händler beherbergt, die ihre Stände hier haben – man muss also von Stand zu Stand, Etage zu Etage gehen, und Preise vergleichen, was mangels Preisschildern nicht so einfach ist. Aber Handeln ist erlaubt, allerdings mögen viele nur Barzahlungen annehmen. Das Preisniveau ist erstaunlich hoch, Digicams und Computer sind oft teurer als in Deutschland, nur Mäuse scheinen hier billiger zu sein.

Märkte gibt es auch in Namdaemun und Dongdaemun, aber nicht so wie man es aus Europa kennt, mit Ständen im Freien. Nein, vielmehr ist es eine Ansammlung von Händlern in sog. Kaufhäusern. Hier kann man viel gefälschte Markenklamotten kaufen, oder auch fake Uhren. Auch Itaewon ist ein guter Umschlagplatz dafür.

Ansonsten gibt es genug Läden mit schöner, moderner Kleidung, die auch nicht zu teuer ist. Koreanische Marken sind z.B. Eigenpost (netter Name, was?) und WHOA, die hippe Klamotten zu guten Preisen anbieten, die auch qualitativ überzeugen. Sehr oft werden Waren reduziert, um Platz für neue Waren zu schaffen, und dann kann man schon mal ein T-Shirt für 5.000 Won oder eine kurze Hose für 15.000 Won bekommen.

Schuhe hingegen kann man nur schwer kaufen – Frauenschuhe sind nur sehr selten aus echtem Leder, Männerschuhe zum Schnüren haben oft noch einen Reißverschluss an der Seite, und auch die Größen stimmen nicht mit den europäischen überein. Wer unbedingt neue Schuhe braucht, sollte auf importierte zurückgreifen, für die man allerdings leicht 200€ hinblättern kann. Sportschuhe hingegen sind überhaupt kein Problem, es gibt zahlreiche Nike, Puma und Adidas-Läden mit guten Preisen.

Souvenirs kauft man am besten in Insadong, wo es auch zahlreiche Galerien gibt.


Meine Meinung
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Und wie gefällt mir Seoul? Dies kann ich schwer auf den Punkt bringen....

Positiv gefällt mir das U-Bahnnetz, die Restaurantdichte und die Shoppingmöglichkeiten, und ich gehe auch gerne in den Palastgärten spazieren. Auch das Nachtleben kommt hier nicht zu kurz, Kinos gibt es viele.

Negative Punkte gibt es leider mehr. Am meisten stört mich, wie überfüllt die Stadt ist: Die Hochhäuser stehen dicht an dicht, man wird auf Gehsteigen ständig geschubst und angerempelt, weil einfach kein Platz ist, und der Verkehr ist ein Graus. Hinzu kommt, dass es nur sehr wenig Grünflächen gibt und man hier kaum Sport im Freien treiben kann. Fahrradfahren auf der Straße gleicht Selbstmord und macht durch den Smog keinen Spaß, Joggen kann man nur im Park, aber muss dort mehrmals im Kreis laufen, da die Parks so klein sind. Und wer sich am Wochenende einmal außerhalb der Stadt erholen will, muss schon sehr früh aufstehen und sich auf dem Weg machen, weil Tausende andere Einwohner die gleiche Idee haben. Da stellt sich die Frage, wie hoch der Erholungseffekt ist, wenn man früh aufstehen muss und stundenlang im Stau steht, bevor man endlich an den überfüllten Naherholungsgebieten ankommt. Das Leben in Seoul ist also nicht so empfehlenswert.

Für den Besucher dürften diese Punkte allerdings keine so große Rolle spielen. Für Touristen ist die Stadt sicherlich interessant, und dürfte bei einem Aufenthalt von 5-7 Tagen auch nicht langweilig werden. Interessant ist sie, aber ein must-see? Nein, das nun wirklich nicht. Wer gerade in der Nähe ist oder auf einem Flug irgendwohin einen Zwischenstopp in Seoul einlegt, sollte die Stadt nicht verpassen. Ob aber Seoul allein die Reise wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Grundsätzlich abraten kann ich keinem – ich empfehle die Stadt daher weiter, mit mittelmäßigen 3 Sternen – aber in Anbetracht der vielen Städte, die viel schöner sind, ist mehr nicht drin.

***INFO: 1 € = ca. 1.300 Won***

Miss Varna für Ciao, o3.09.2003, 11:45 MEZ
Seoul, 18:45 Ortszeit

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
aswie

aswie

15.12.2004 17:34

Das hat mich doch schon mal einen mächtigen Schritt weitergebracht. Mir hat es vor allem gefallen, das es eine ausgewogene Mischung zwischem Poitivem und Negativen ist. Das macht Lust auf mehr Beiträge zu diesem Thema von dir.

negendank

negendank

26.10.2004 22:55

Dieser Bericht umfaßt alles, was ich als Tourist wissen möchte. Der Einwand wurde schon erwähnt. Ja, wenn mich der Weg zufällig dorthin führen würde. Dem ist nicht so. Und dennoch: so ein Bericht mitsamt den Photos macht es möglich, sozusagen eine Reise im Geist zu unternehmen. VLG - Olaf

Thomas_Hannover

Thomas_Hannover

06.06.2004 12:39

Schöner Bericht. Seoul ist genau das Gegenteil von Hannover.... ;-) Also perfekt für mich! Hier vielleicht noch Tipps für andere die auch mal hin wollen. Flug ab vielen deutschen Städten über Paris nach Incheon für 749.- www.airfrance.com Flug mit Korean Air (Partner Airline) 86 cm Sitzabstand! Hotel habe ich unter www.korearooms.com gebucht.

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