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Erfahrungsbericht

für SchwuZ, Berlin
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5 Sterne Get into the Groove! Bericht mit Bildern
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Empfehlenswert: Ja

Pro ich hatte eine absolut geile Nacht!

Kontra keins

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Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

Fantomiss Seit 20 Jun 2006

Und sollte ich vergessen haben, jemanden zu beschimpfen, dann bitte ich um Verzeihung! mehr

90 Mitglieder vertrauen mir

Wow. Was für ein Tag. Kann man mehr Achterbahn durchmachen? Er fing herrlich an, mit Küssen und Orgasmen und vielen schönen Worten, und irgendwann war ich kurz davor, größenwahnsinnig zu werden. Um mir kurze Zeit später und von einer Minute zur nächsten auf extrem unsanfte Art und Weise den Boden unter den Füßen wegziehen zu lassen. Was macht man, wenn man erfährt, wochenlang, monatelang nur belogen worden zu sein? Und wenn derselbe, nachdem er einem solches mitgeteilt hat, einfach wortlos verschwindet, während man selbst zwei Minuten lang versucht hat, auf dem Balkon wieder Luft zu bekommen?
Man wird weinen. Man wird schreien. Man wird die beste Freundin anrufen. Man wird "Arschloch" zum meistgebrauchten Wort der folgenden Tage machen. Man wird wieder weinen. Man wird wüten. Man wird sich benutzt fühlen. Man wird ihn verachten. All das habe ich gemacht. Und dann habe ich mich entschieden. Ich werde NICHT wie ein Häuflein Elend zuhause sitzen und mich bedauern, weil ich an das nächste in einer langen Reihe von Arschlöchern geraten bin, die seit Jahren mein Leben immer wieder zuverlässig erfreuen. Ich bin in den letzten 1 ½ Jahren so oft gestorben und habe am Ende doch überlebt, bin wieder aufgestanden und habe weitergemacht. Und ich werde NICHT zuhause sitzen und heulen. Ich habe in den letzten Monaten genug Tränen für ein ganzes Leben vergossen. Nein, ich werde ausgehen. Ich werde tanzen. Wozu lebe ich in der großartigsten Stadt, die dieses Land zu bieten hat? Begleitet mich, wenn ihr mögt…

Wie gut, wenn man eine Freundin hat, die in einer Bar arbeitet. So führt uns unser Weg zuerst nach Friedrichshain in die Stereo Bar, wo ich einen hervorragenden Sex on the Beach bekomme, und den Abend anschließend mit einem Wodka begießen muss, eiskalt, genau so wie er sein muss. Ein ganz dickes Danke an Karen, denn jetzt hab ich genau die richtige Laune… und wir wollten ja tanzen. Also los.

Von Friedrichshain müssen wir nach Kreuzberg zum Mehringdamm, zum Ort unserer Begierde, also erst in die U1 von der Warschauer Strasse zum Halleschen Tor. Als wir die Treppen zur U6 runtergehen höre ich, wie ein Idiot einen abfälligen Kommentar über mein Outfit ablässt (und glaubt mir, ich sehe heute so gut aus!). Normalerweise würde ich weitergehen und den Deppen nicht weiter beachten, aber im Anbetracht meiner Stimmung sehe ich dunkelrot. Und als ich mich umdrehe, steht eine dumme Glatze mit Bomberjacke vor mir - und ich raste aus. Dabei kann ich auch mein meistgebrauchtes Wort des Tages noch einige Male öfter benutzen, das alles auf dem Weg zur anderen U-Bahn, und ein paar Schritte weiter kommt mir eine junge Frau zu Hilfe, die mir lauthals beipflichtet und sich mit mir verbündet… Und ich kann nicht anders, als sie anzustrahlen und ihr dafür zu danken, dass sie meinen Abend gerettet hat.

Es ist nur eine U-Bahnstation, die wir fahren, aber zum Laufen doch etwas weit, und endlich sind wir am Mehringdamm und nur noch wenige Meter von unserem Ziel entfernt:

~~~ Das Schwuz ~~~

Der Name deutet es ja bereits an. Ist es politisch korrekt, Schwulenclub zu sagen? Das ist mir ehrlich gesagt egal, weil ich es nicht negativ meine, und weil es jeder so sagt. Ich war hier schon bestimmt zwei Jahre nicht mehr und hoffe doch, dass ich es noch finde… denn ich erinnere mich noch, dass der Eingang doch etwas tricky zu finden ist, weil man erst durch ein Café durch muss, und an dessen hinterem Ende, ein paar Treppen rauf, ist dann der eigentliche Eingang zum Keller, zum Schwuz. Und wir finden den Weg.


SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH
Mehringdamm 61
10961 Berlin
Tel. +49-30-629088 - 0


Zwei ledergepolsterte Schwingtüren öffnen sich vor uns, nein, genau genommen hält sie uns ein netter und hübscher Kerl auf, der das selbe Ziel hat, an der Kasse werden wir beiden Mädels angestrahlt und erhalten von einer fantastisch aussehenden Transe unsere Stempel. Links sind gleich die Klos, und aus denen schallt uns gerade Nena entgegen. "Ich hab heute nichts versäumt, denn ich hab nur von Dir geträumt…" und sofort fühle ich mich gut. Denn wenn ich exzessiv tanzen will, tu ich das am besten zu 80s Pop. Also nix wie die Treppen runter, unten bekommen wir noch einen Flyer in die Hand gedrückt, holen uns an der Bar schnell ein Becks und bahnen uns zu den Klängen von "I love Rock'n'Roll" unseren Weg zur "Haupttanzfläche"…

Ein Lied lang noch kurz umgucken, am Bier nuckeln, und wir erfreuen uns an den vielen tanzenden Kerlen, derer es in heterolastigen Clubs eher wenige gibt, da die Herren der Schöpfung doch eher Tanzmuffel sind - und bei manchen ist das auch besser so. (Nicht jeder hat ein gutes Körpergefühl…und von Takt wollen wir gar nicht reden) Und dann los, mitten rein in die brodelnde Menge, die Stimmung ist phantastisch und ich fühle mich so was von wohl…
I wanna be the one to walk in the sun.
Oh, girls,
They wanna have fun...
Oh, girls,
Just wanna have
That's all they really want.....
Some fun....
Das ist doch der perfekte Soundtrack für diesen Abend. Und ich soll noch einige Male von der Musik überrascht werden… Aus Gruftiezeiten kenne ich 80er-Abende eher wavelastig, mit viel Depeche Mode, The Cure und so… aber hier: Eine irre Mischung mit Sachen, die man unter "normalen" Umständen (aber was ist schon normal?) eher als Geschmacksverirrungen der 80er Jahre betiteln würde. Oder wer erinnert sich noch an Sandra, die Frau von Michael Cretu (ja, der mit "Enigma"), die mit "Maria Magdalena" mal einen riesen Hit hatte? Wir werden mit "Hi!Hi!Hi!" beglückt (und da ich im zarten Alter von etwa 10 bis 12 Jahren mal Sandra-Fan war, ich gestehe, besitze ich dieses tolle Lied sogar noch als original Vinyl-Single….hach, da werden Erinnerungen wach…) Oh, oder Taylor Dayne:
"Tell it to my heart
tell me I'm the only one
is this really love or just a game…"
Dabei muss ich mal kurz an das Arschloch denken, aber ich denke nicht daran, mir den Abend verderben zu lassen. Und tanze mit vollem Körpereinsatz weiter…zu Abba "Take a chance on me"…verdammt, ich LIEBE Abba! Da bin ich schon als kleines Mädel immer wie eine Wilde durchs Wohnzimmer gehopst… und was wäre der Abend ohne Madonna???
"I was beat incomplete
I'd been had, I was sad and blue
But you made me feel
Yeah, you made me feel
Shiny and new

Like a virgin
Touched for the very first time
Like a virgin
When your heart beats
Next to mine"
Und als ich die ersten Töne von Kim Wildes "Keep me hangin on" höre, bin ich gar nicht mehr zu halten, mittlerweile sind wir irgendwie bis vors DJ-Pult gedrängt worden, was mir ganz recht ist, weil ich meine Tasche, die jetzt, weil unser beider Jacken drin sind, doch langsam schwer wird, vor dasselbe legen kann und sie dabei im Auge behalte. Der Himmel ist eben doch manchmal ein Ort auf der Erde, da muss ich Belinda Carlisle einfach Recht geben. Ich glaube, wir sind schon längst beim zweiten Bier, und wir haben unsere Sachen einmal komplett durchgeschwitzt. Das jedoch ist mir bumsegal, außerdem schwitzen hier alle… lasst Euch gesagt sein: Es ist tierisch warm da drin, also wenig anziehen oder die Garderobe nutzen…
So langsam stelle ich denn auch fest, dass neue Schuhe zum Tanzen einfach nur bedingt geeignet sind, und es fühlt sich nach einer ersten Blase unterhalb des kleinen Zehs an. Was solls. Drei Lieder weiter sind meine Füße abgestumpft und ich mache weiter.
"Well I hear the music, close my eyes, feel the rhythm
Wrap around, take a hold of my heart
What a feeling, bein's believin'
I can't have it all, now I'm dancin' for my life
Take your passion, and make it happen
Pictures come alive, you can dance right through your life"
Irgendwann kommt auch mal ein Lied, das ich nicht kenne, auch egal, einfach vom Rhythmus weitertreiben lassen… An meine Jugend in den 90ern erinnern mich dann solche Dinge wie "Crucified" von den mittlerweile fast vergessenen "Army of Lovers" - ein schrecklich-schrilles Stück… und absolut geil :)
Paula Abdul singt "Straight up" (das ich als Teenie auch mal so richtig gut fand - und tanzbar ist es allemal) und Madonna beglückt uns mal wieder, dieses Mal mit "Into the Groove", wobei mir einfällt, dass ich mit Rebecca (Name von der Redaktion nicht geändert) schon lange mal "Desperately seeking Susan" anschauen wollte… ich liebe diesen Song!
"She´s a maniac, maniac on the floor
And she´s dancing like she´s never danced before
She´s a maniac, maniac on the floor
And she´s dancing like she´s never danced before" (Das ist übrigens von Michael Sembello, nicht von Alexander…)
Die DJanes, gegen die Hitze mit großen Fächern bewaffnet und einer schicker als der andere (woher kriegen die diese Perücken?) haben ebensoviel Spaß, wie die Masse, die sie beglücken - und das richtige Händchen für Tanzflächenfüller.
"Voulez-vous
Take it now or leave it
Now is all we get
Nothing promised, no regrets
Voulez-vous
Ain't no big decision
You know what to do
La question c'est voulez-vous"
Gibt es jemanden, der zu ABBA nicht tanzen kann? Oder Madonna? Oder Alphaville?

Und wisst Ihr, was das Schönste daran ist? Wir können hier mit unseren Hintern wackeln, die Hüften schwingen und die Haare werfen - es gibt keine dummen Anmachen. Dabei flirte ich mit Blicken immer wieder mit einem hübschen dunklen Kerl, der eine zeitlang neben mir tanzt, aber eben einfach nur um des Spaßes Willen…
Das dritte Bier ist in der Zwischenzeit auch unterwegs durch unsere durstigen Kehlen, und nach dem erfolgreichen Vorglühen zu Beginn des Abends reicht das dann auch, um mich in einen angenehm betrunkenen Zustand zu versetzen.


Die Preise sind übrigens für das Bier (und ich geh davon aus, der Rest ist auch ok) durchaus moderat. Für zwei Becks haben wir jeweils 5,60 Euro bezahlt, ergo gibt es eins für 2,80 Euro, für Clubpreise also in einem angemessenen Rahmen.
Es gibt auch mehrere Bars, die, an der wir der Einfachheit halber waren, verteilt, soweit ich das überblicken konnte, nur Bier (verschiedene Sorten, der Großteil trinkt aber Becks oder Becks Gold) und Cola unters durstige Publikum. Dieses besteht übrigens nicht ausschließlich aus Männern, ein paar beste Freundinnen hüpfen da schon rum, aber der Männerüberschuss ist logischerweise enorm :) Für uns Mädels bedeutet das natürlich nur gucken, aber das kann ja auch viel Freude bereiten, zumal ich an diesem Abend logischerweise nicht das geringste Bedürfnis zu Männerbekanntschaften habe. Aber feiern kann im Schwuz natürlich jeder, ob homo oder hetero, ob Männlein oder Weibchen. "Men only" gibt es meines Wissens nie, und das Publikum ist ein bunt gemischtes.
Achja, die anderen Bars haben natürlich noch jede Menge andere Getränke, und im hinteren Teil des Kellers gibt's noch eine andere Tanzfläche, wo etwas neuere Sachen laufen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns dort, wo wir waren, bombastisch gut amüsiert haben, dachten wir nicht daran, unseren Platz auf der Tanzfläche zu verlassen.

Die Klos sind übrigens echt in Ordnung und außerdem haben sie ganz lustige rote Holz-Doppeltüren, die man mit einem großen "Riegel" verschließt. Also müssen auch die Leute keine Angst haben, die sich sonst davor fürchten, sich in Klos einzuschließen und dort jämmerlich verenden zu müssen.

Bestandsaufnahme nach ungefähr drei Stunden Tanzen, nur einmal unterbrochen, um Bier zu holen: Blasen an den Füßen, völlig verschwitzte Klamotten, mehr als 1000 verbrauchte Kalorien, eine Endorphinausschüttung, die mich das Arschloch vergessen lässt und Spaß Spaß Spaß. Das war eindeutig die richtige Entscheidung. Und das Schwuz wird mich sicher bald mal wieder sehen, immer am ersten Samstag im Monat ist besagte Party namens "bump!", bei der die aktuellen Hits im Koffer bleiben und alles im Zeichen der Vergangenheit steht… vor allem bei meinen geliebten 80ern.

Danke, liebes Schwuz für die tolle Nacht. Ich komme wieder.

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Das Schwuz bietet natürlich noch mehr. Einen Überblick bietet die Website www.schwuz.de, und die Rubrik "Partys" verrät, was sich abspielen wird, eine kurze Beschreibung verrät beim Anklicken das Wesentliche. Mal gibt es R'n'B und HipHop (urgs! Ohne mich!), mal ist es eher Gitarren-Indie-lastig (wäre auch mal eine Überlegung wert) und am 4. Freitag im Monat gibt es L-Tunes, die Lesbenparty. Einfach mal gucken.
Und wers beim "DragShooter" unter die ersten 5 des jeweiligen Monats schafft, kriegt 2 Freikarten fürs Schwuz.
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Ich muss notgedrungen den Großteil des Nachhausewegs barfuss zurücklegen, weil mir meine Füße in den Schuhen immer wieder kleine Schmerzensschreie entlocken, und ich gehe wie auf rohen Eiern, was zudem sicherlich reichlich doof aussieht. Am Alex verabschiede ich mich in der S-Bahn von Rebecca und hoffe, unterwegs nicht einzuschlafen und am Ende auf dem Abstellgleis wieder aufzuwachen. Als ich an meiner Station aussteige folgt mir irgend so ein Kerl, der mich schon die ganze Zeit angegafft hat. Kaum bin ich aus dem Bahnhof, dackelt er neben mir her und kommt auf die absurde Idee, ich könnte ihm meine Telefonnummer geben und ihm meinen Namen verraten. Oh Mann. Vergiß es! Ich lasse ihn stehen und trotte mit schmerzenden Füßen die Stufen in den 3 1/2ten Stock nach oben. Warum muss es das oberste Stockwerk sein? Es ist das Beste!
Es ist halb sechs. Über Berlin geht die Sonne auf.

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von Fantomiss Fantomiss

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Kommentare

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  • ICWfC 26.04.2009 11:04
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Demelza 23.08.2007 09:58
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Schade, daß Berlin so weit weg ist.

  • sannahschnuffi 01.08.2007 15:14
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Oh ja, dieses Gefühl, mal ausnahmsweise nicht (schlecht) angebaggert zu werden, kenne ich auch, seitdem ich mal mitgenommen worden bin. Zum Arschlochvergessen sicherlich auch gut geeignet ... Nur: Ich würde dann den Gitarren-Indie-Abend bevorzugen. Hier in der Provinz Halle gibts meist nur Charts Richtung Black - da tanz ich nicht so gerne drauf ...

  • All2401 29.07.2007 20:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • cordila 29.07.2007 15:05
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    GENIAL! Auf dass du die "Arschloch-Zeit" schnell hinter dir lassen kannst.

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