Home > Reisen > Europa > Deutschland > Alpen und Alpenvorland > Sehenswürdigkeiten in Alpen und Alpenvorland > Schloss Neuschwanstein > Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht

für Schloss Neuschwanstein
Nächsten Bericht ansehen "Unvergesslich!!"
4 Sterne Ein Schloß für die Ewigkeit - und alle Nationen! Bericht mit Bildern
56 von 56 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Nahe Geschichte, tolle Gegend

Kontra teurer Eintritt, nichts für "Nichtläufer"...

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Öffnungszeiten
Spaßfaktor

Der Autor

GrafenMark Seit 7 Mai 2001

Vielen Dank für die neuen BH!! - Gegenlesungen folgen. - Bevorzuge Berichte aus "Reisen... mehr

41 Mitglieder vertrauen mir

Da wir das "Königsticket" gekauft hatten, konnten wir beide Schlösser besichtigen: Zuerst Hohenschwangau, dann Neuschwanstein.

Einiges deckt sich mit meinem Bericht zu Hohenschwangau.
Deshalb werde ich nicht noch einmal schreiben, wie man anreist, wo man parkt und wie man die Tickets bekommt. Ebenso wenig die Preise derselben.
Hierzu möge der interessierte Leser in meinen anderen Bericht schauen. Vielen Dank!

Nachdem wir Schloß Hohenschwangau besichtigt hatten, hatten wir ca. 1 Stunde Zeit, um zur Führung durch Schloß Neuschwanstein zu kommen.

Das ist zwar recht lang, aber doch knapp, denn man muß ja noch zum Schloß hinauf. Wir hatten auch inzwischen ein wenig Hunger. So aßen wir schnell eine Bratwurst an einem Schnellimbiß.

Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte sich auf jeden Fall viel Zeit nehmen und dies auch bei der Buchung des Königstickets dazu sagen. Man kann mit der Kutsche, dem Bus oder zu Fuß hinauf gehen. Aber selbst, wenn man die Kutsche wählt, muß man von deren Haltepunkt unterhalb des Schlosses noch eine ganzes Stück laufen. Ebenso ist im Schloß einiges per Treppen zu bewältigen.
Wie schon im anderen Bericht erwähnt, gibt es hier Führungen für Behinderte, die mittwochs angeboten werden.


Die Geschichte
~~~~~~~~~~~

Ludwig II., seit 1864 König von Bayern, richtete folgende Zeilen im Mai 1868 an den verehrten Richard Wagner:
"Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen im echten Stil der alten deutschen Ritterburgen, und muss Ihnen gestehen, dass ich mich sehr darauf freue, dort einst (in 3 Jahren) zu hausen; mehrere Gastzimmer, von wo man eine herrliche Aussicht genießt auf den hehren Säuling, die Gebirge Tirols und weithin in die Ebene, sollen wohnlich und anheimelnd dort eingerichtet werden; Sie kennen Ihn, den angebeteten Gast, den ich dort beherbergen möchte; der Punkt ist einer der schönsten, die zu finden sind, heilig und unnahbar, ein würdiger Tempel für den göttlichen Freund, durch den einzig Heil und wahrer Segen der Welt erblühte. Auch Reminiszenzen aus ,Tannhäuser' (Sängersaal mit Aussicht auf die Burg im Hintergrunde), aus ,Lohengrin' (Burghof, offener Gang, Weg zur Kapelle) werden Sie dort finden; in jeder Beziehung schöner und wohnlicher wird diese Burg werden als das untere Hohenschwangau, das jährlich durch die Prosa meiner Mutter entweiht wird; sie werden sich rächen, die entweihten Götter, und oben weilen bei Uns auf steiler Höh, umweht von Himmelsluft."

(Das Zitat sollte eigentlich kursiv hier stehen, geht aber nicht...)

Neuschwanstein wurde auf Resten einer alten Burgruine errichtet, 1868 ließ Ludwig II. sie entfernen, eine Felskuppe absprengen und Wasserleitungen und eine Straße anlegen. Am 05. September 1869 wurde der Grundstein gelegt.

17 Jahre später war das Schloß noch immer nicht vollendet, dies sollte aus so bleiben. Hier erfuhr der König die bitterste Demütigung seines Lebens: er wurde in Abwesenheit für verrückt erklärt und am 12. Juni 1886 an den Starnberger See gebracht, zu Schloß Berg.

Bereits wenige Wochen nach seinem Tod wurde Schloß Neuschwanstein für die Öffentlichkeit zugänglich. Ab jetzt kommen jährlich tausende Touristen, um es zu besichtigen aus aller Welt. Es ist eines der bekanntesten Orte Deutschland.

Heute gehören alle Schlösser Ludwig II. (also Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof) der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.


Der Rundgang
~~~~~~~~~~~

Man beginnt den bei den Dienerzimmern. Hier kann man einen Blick in recht dunkle, sparsam eingerichtete Räume erhaschen.

Über eine Wendeltreppe gelangt man ins 3. Obergeschoß. Das 2. ist nie fertig gestellt worden.

Die Vorhalle trennt die Wohn- von den Repräsentationsräumen des Königs. Sie ist geschmückt mit farbigen Malereien. Die schmiedeeisernen Lüster wurden in München angefertigt.

Man gelangt nun in den Thronsaal. Stufen aus Carrara-Marmor führen zu Apsis, die den Thron aus Gold und Elfenbein umschließen sollten. Jedoch blieb sie leer, nach dem Tod des Königs wurden alle Arbeiten eingestellt.
Die Gemälde zeigen u. a. die 12 Apostel, außerdem das 4. Schloß, Bug Falkenstein, welches nie gebaut wurde.
Der große Lüster stellt eine byzantinische Krone dar, ist aus Messing und trägt 96 Kerzen. Mittels einer Winde kann der 18 Zentner schwere Leuchter zum Reinigen und Wechseln der Kerzen herunter gelassen werden. Der Mosaikfußboden besteht aus mehr als 2 Mio. Steinchen. Der Saal ist 15 m hch und 20 m lang.

Ein Blick hinaus bietet einen der schönsten Momente: bayerisches Alpen, der Alp- und der Schwansee, Schloß Hohenschwangau (das "alte" Schloß).

Weiter geht es ins Speisezimmer. Hier finden sich Szenen aus der Wartburg (welche Ludwig II. besucht hat) zur Zeit des sagenhaften Sängerkrieges (ca. 1207). Richard Wagner, von Ludwig verehrt, hat dieses Thema in der Thannhäusersage als Vorlage für eine seiner Opern gewählt.
Gemalt wurden sie von Ferdinand Piloty aus München.
Speisen wurden mittels Sepseaufzug aus der Küche herausgeholt.
Der Tafelaufsatz ist aus vergoldeter Bronze. Der Sockel ist aus Carrara-Marmor.

Ludwig II. besaß eine Vorliebe für prunkvolle Schlafzimmer. So ist das im Schloß Neuschwanstein mit Eichenholzschnitzereien ausgestattet: am Baldachin des Bettes, am Waschtisch, am Lesestuhl und and er Mittelsäule.
Wandgemälde zeigen Szenen aus der Sage "Tristan und Isolde", die Vorhänge und Bezüge sind in Bayerischblau, der Lieblingsfarbe des Königs, mit dem bayerischen Wappen, dem Schwan und dem bayerischen Löwen bestickt.
Am Waschtisch ist ein Wasserkran in Form eines Schwans. Hier gibt es fließendes Wasser, es wird das natürliche Gefälle des Berges ausgenutzt.
Aus dem Fenster erhält man einen Blick auf die Pöllatschlucht mit dem dahinter liegenden Säuling-Massiv (2045 m ü. M.), dem Wasserfall und der Marienbrücke.

An das Schlafzimmer grenzt das Betzimmer, eine Hauskapelle im neugotischen Stil. Am Altar ist ein wertvolles Elfenbeinkruzifix. Bilder und Fenstermalereien zeigen Ausschnitte aus dem Leben Ludwig IX.

Weiter geht es in das Ankleidezimmer des Königs. Es ist das einzige Zimmer ohne Holzdecke. Das Deckengemälde erweckt den Eindruck einer offenen Laube.
Wandgemälde zeigen Bilder aus dem Leben des Minnesängers Walther von der Vogelweide (1170 - 1230). Ein Bild zeigt wieder ein Wagner-Thema: über dem Ofen "Die Meistersinger von Nürnberg".
Vorhänge und Kissenbezüge sind aus violetter Seide, mit dem Pfauenmotiv bestickt.

Durch eine künstliche angelegte Tropfsteinhöhle, am Wintergarten vorbei, kommt man ins Wohnzimmer. Es ist ein großer Saal mit durch Säulen abgeteilte kleinere Sitzecke, dem sog. Schwaneneck. Thema der Wandgemälde ist eine Lohengrin-Sage, von der Richard Wagner zu seiner Lohengrin-Oper inspiriert wurde.
Die Türen des großen Bücherschrankes zeigen Bilder von Ferdinand Piltoy aus den Sagen Tristan und Isolde, Parzifal und Siegfried. Im Erker steht eine große Blumenvase aus Nymphenburger Majolika in der Form eines Schwanes, dem Lieblingstier des Königs. Der Leuchter ist aus vergoldetem Messing mit 48 Kerzen. Die Bezüge und Vorhänge sind aus hellblauer Seide und mit Schwanenmotiven bestickt.

Im Arbeitszimmer finden wir romanischen Stil, entsprechend dem Vorbild zum Schloß Neuschwanstein, der Wartburg.
Alle Holzarbeiten sind wie in der gesamten Königswohnung in astfreier Eiche ausgeführt von der Firma Pössenbacher und Ehrengut aus München. Auch hier ist Thema der Gemälde Thannhäuser und den Sängerkrieg auf der Wartburg. Vorhänge und Bezüge sind aus grüner Seide und handbestickt mit dem bayerischen Rautenwappen ind Gold und Silber.

Das einfacher gehaltene Vorzimmer zum Arbeitszimmer war für den Adjudanten des Königs. Die Vorhänge und Möbelbezugsstoffe sind aus blauem mit Goldfäden durchzogenen Wollstoff. Hier findet man schon zu Ludwigs Zeiten eine elektrische Rufanlage.

Vorletzte Sehenswürdigkeit ist der Sängersaal. Es ist eine Mischung aus dem Festsaal der Wartburg und dem dortigen Sängersaal. Die Gemälde sind der Parzifal-Sage entnommen. Die meisten sind Werke von Prof. Spieß und Ferdinand Piloty, beide aus München. Über den beiden Türen neben der Bühne ist das Wappen der Wittelsbacher mit der Inschrift "Ludwig II., König von Bayern, Pfalzgraf". Es ist der einzige Hinweis im ganzen Schloß auf den Erbauer! (Die Büste in der Vorhalle wurde erst 1988 aufgestellt.)

Als Ludwig II. noch lebte, wurde der Sängersaal nie benutzt. Erst 1933 - 1939 gab es Konzerte. Seit 1969 nun ebenfalls wieder. Informationen erhält man dazu bei der Gemeinde Schwangau.

Abschluß bildet die Schloßküche. Sie ist vollständig erhalten und bietet einen schönen Einblick in die damalige Arbeitsweisen der Köche und Mitarbeiter. Das Gewölbe ist aus poliertem Stuck-Granit. Sehr fortschrittlich war damals fließendes kaltes und heißes Wasser und vollautomatischen Drehspießen für Wild- und Geflügelgerichte: durch die aufsteigende heiße Luft des Feuers im Ofen wurde eine Turbine angetrieben, die den Spieß drehte. (Übrigens eine Erfindung Leonardo da Vincis.)
Der Rauch des großen Ofens in der Mitte wurde unterirdisch abgeleitet und wärmte z. B. das Geschirr im Plattenwärmer. Bereits 1884 wurde das Schloß zentral vom Keller bzw. Erdgeschoss durch Warmluft beheizt. Die Öfen sind in Nebenräumen zur Küche, Holz wurde durch Lastenaufzüge hochgeschafft.

Nun geht es wieder hinaus. Man kommt nun in das 2. Obergeschoß, welches immer noch im Rohbau ist, man sieht das Mauerwerk, welches aber nun als "normal" anzusehen ist. Hier sind u. a. eine Caféteria, ein Saal, in dem man sich ein Video ansehen kann über Ludwig II. und einem Souvernirshop. Hier findet sich allerlei nettes, wichtiges und Dinge, die die Welt nicht braucht, aber zahlreich kauft!

Wieder draußen hat man noch die Möglichkeit, zur Pöllathschlucht zu gehen, etwa 20 Min. Fußweg. Dort befindet sich die Marienbrücke über die Schlucht. Pöllath ist ein Gebirgsbach, der den 45 m hohen Pöllathfall speist. Die Brücke ist freitragend und für damalige Zeiten eine technische Meisterleistung. 1866 wurde die Konstruktion der Königsfamilie an MAN in Auftrag gegeben. Nach der Mutter von König Ludwig II., Königin Marie, wurde sie Marienbrücke genannt.

Wenn man weiter über die Brücke geht und ein Wanderer ist, kommt man nach ca. 3 Stunden durch Serpentinen zum Jagdhaus auf dem Tegelberg, heute ein Berg-Gasthaus.

Wir waren noch nicht bei der Brücke geschweige denn am Jagdhaus...


Das war's
~~~~~~~

Die Führung dauerte ebenfalls ca. 45 Min. und war sehr interessant. Man konnte auch hier Fragen stellen.
Was mich immer etwas stört, sind die vielen Besucher der einzelnen Führungen. Eh dann alle in einem Raum angekommen sind, dann gehen nicht alle sofort durch...

Es ist auch hier nicht gestattet, innen Fotos zu machen.

Es lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch hier. Man sollte genug Zeit einplanen, um beide Schlösser anzusehen.

Alles ist sehr ordentlich und gepflegt. Auch hier wird ständig restauriert.


Nachsatz
~~~~~~~

Es ist sehr schön von innen und man bekommt einen Eindruck von der Schwermütigkeit des Königs. Es ist alles recht dunkel, wer Wagner kennt, weiß, daß die Opern eher "schwer" sind, eben passend zu Ludwig II. Mir persönlich gefallen Linderhof und Herrenchiemsee aus diesem Grund besser: sie sind beide heller und freundlicher. Aber man muß es sehen!
Die Gegend ist schon sehr schön, ich liebe Berge. Bei Sonne gigantisch, aber sicher auch reizvoll mit Nebel... Geheimnisvoll eben! Wie schon Ludwig II. sagte "Ein ewig Rätsel werde ich bleiben!"

Nun noch einige Fotos. Sie benötigen keine Erklärung...

****************************************​************
Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!

Bilder

für Schloss Neuschwanstein
Neuschwanstein
von GrafenMark GrafenMark

Bewerten Sie diesen Erfahrungsbericht

Wie hilfreich ist dieser Bericht für Sie? Leitfaden zum Bewerten

Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors

Anstatt dem Mitglied eine negative Bewertung zu geben, bitte daran denken:

  • Helfe diesem Mitglied durch nützliche Tipps

  • Melde einen Missbrauch wegen unerlaubter Kopie oder anderer Gründe an das Ciao Support Team.

Aktiviere die Funktion für negative Bewertungen

Kommentar schreiben

 Kommentar abgeben  Kommentar abgeben

JavaScript sollte aktiviert sein, um eine Bewertung oder einen Kommentar abgeben zu können.

Kommentare

Haben Sie eine Frage zu Schloss Neuschwanstein? Frage stellen
Vorherige Seite Nächste Seite Seite 1 von 12 | 1 - 5 von 58 Kommentaren
  • nicki28 09.11.2008 01:10
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • manuelmama 03.02.2008 15:17
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Am meisten haben uns die hohen Parkgebüren gestört. LG Sabine

  • RalfiKoeln 26.06.2007 21:46
    Bewertete diesen Bericht als
    hilfreich
  • MarloweFF 02.11.2006 20:25
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Leo56 26.10.2006 11:37
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Habt ihr also Zeit dafür gefunden, die Bayern-Schlösser zu besichtigen. Ach, ich war dort mit meinen Kindern vor etwa 15 Jahren, vielleicht sollten wir mal wieder hinfahren. Schön, und für dich ein BH, sobald möglich

Vorherige Seite Nächste Seite Seite 1 von 12 | 1 - 5 von 58 Kommentaren

Mehr Berichte

für Schloss Neuschwanstein

Ähnliche Angebote

für Schloss Neuschwanstein
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.