Sao Tome & Principe, Allgemeines

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Sao Tome – Insel am Äquator

5  17.01.2002 (18.01.2002)

Pro:
freundliche Menschen, intakte einmalige Natur, viele kleine unerwartete Erlebnisee

Kontra:
nichts (maximal die eingeschränkte Ereichbarkeit)

Empfehlenswert: Ja 

toum-toum

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Mitglied seit:12.01.2001

Erfahrungsberichte:11

Vertrauende:2

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Sao Tome – Insel am Äquator

Sao Tome e Principe – viele werden fragen, was ist das oder wo liegt das. Sao Tome e Principe ist wirklich ein eigenständiger Staat in Afrika. Die Inseln liegen fast genau auf dem Äquator 300km westlich von Gabun.. Sie sind wirklich nicht sehr groß. Sao Tome ist ca. 45 mal 25km und Principe ist noch kleiner ca. 18 mal 8km. Obwohl die Inseln sehr klein sind, sind sie doch sehr gebirgig. In Sao Tome ist der höchste Berg etwas über 2000m hoch. Selbst in Principe ist die höchste Erhebung über 900m. Das Klima ist subtropisch, wobei die Klimaunterschiede trotz der kleinen Abmessung sehr groß sind. Auf Sao Tome fallen im Süden über 5000 mm Regen, während im Nordosten gerade mal 600 mm fallen. Dieses Phänomen kommt von dem über 2000m hohen Berg. Die Wolken regnen sich am Berg ab und in seinem Windschatten fällt kaum noch Regen.

So hat man auch auf kleinstem Raum unterschiedliche Vegetation. Während im Süden und im Zentrum die Insel vom Regenwald bedeckt ist, trifft man im Norden auf savannenähnliche Landschaft mit großen Baobabs. Der Regenwald auf Sao Tome zählt wohl zu den intaktesten der Welt, da Holzindustrie keine Rolle spielt.
Wie kommt man nun auf die Idee, in so ein unbekanntes Land zu reisen. Ich bin immer auf der Suche nach Ländern, die vom Tourismus noch etwas verschont geblieben sind und man auf eine freundliche Bevölkerung trifft (kommt auch von meinen Radreisen).

Ich hatte bei Lonely Planet schon einige begeisterte Berichte gelesen. Ansonsten findet man wenige Informationen über diesen Staat. Ein Jugoslawe gab mir noch ein paar Tips; und das war es. Ich wollte einer Freundin Afrika nahebringen, und so wählte ich das Ziel – angeblich freundliche Bevölkerung,, nicht so groß und doch interessant. Eigentlich plante ich, auch auf Grund der Größe, das Fahrrad mitzunehmen. So kann man ein Land einfach erkunden und doch unterwegs jederzeit anhalten. Leider fliegt nur die portugiesische Airline nach Sao Tome und dort kann man ein Fahrrad nur im Hartschalenkoffer mitnehmen. Klar wir hätten es drauf ankommen lassen können und versuchen die Räder einfach so einzuchecken, aber das Risiko war mir zu hoch. So kamen wir auf die Idee Tretroller (scooter aber luftbereift) mitzunehmen. Naja, die beste Idee war es nicht, auch wenn es uns die Kontakte auf der Insel sehr erleichtert hat (aber mehr dazu später).

So ging es Ende Mai via Lissabon und Sal auf den Kapverdischen Inseln nach Sao Tome. Der Landeanflug war schon spektakulär. Die Landebahn ist relativ kurz und so fliegt man direkt übers Meer an. Kurz vor dem Aufsetzen glaubt man, das Meer greifen zu können. Ansonsten fielen gleich die hohen Berge und der grüne Dschungel auf.

Die Einreise verlief ohne Probleme (Visa bekamen wir am Flughafen). Uns empfing subtropische Luft – schwül und warm. Am Flughafen fallen einige alte Propellermaschinen auf. Und schon kommt man in Kontakt mit der Geschichte Sao Tomes sowie Afrikas. Sie sind die Relikte der Luftbrücke nach Biafra in Nigeria. Dort hatte sich der östliche Landesteil 1967 unabhängig erklärt (Republik Biafra) und es kam zum Bürgerkrieg, der 2 ½ Jahre dauerte. Besonders die Kinder in Biafra hatten unter dem Krieg zu leiden (über eine Million Leute starben in diesem Krieg). Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt richteten eine Luftbrücke ein und versuchten unter Einsatz ihres Lebens den Menschen zu helfen. Übrigens flogen dort unter anderem Katholiken und Protestanten aus Irland gemeinsame Einsätze.
Damals war Sao Tome noch portugiesische Kolonie. Nun zur Geschichte von Sao Tome.

Sao Tome wurde 1469 von den Portugiesen entdeckt und 16 Jahre später besiedelt. Sklaven wurden nach Sao Tome gebracht und innerhalb kürzester Zeit wurde Sao Tome zum größten Zuckerproduzenten in Afrika. !530 kam es zu einer erfolgreichen Revolte der Sklaven und die meisten Plantagenbesitzer flohen aus dem Land. Trotzdem blieb Sao Tome ein wichtiger Umschlagplatz für Sklaven aus dem Kongo nach Amerika. Im 18ten und 19ten Jahrhundert errichteten die Portugiesen große Kaffee- und Kakaoplantagen. Auch wenn die Sklaverei 1875 abgeschafft wurde, wurden die Plantagenarbeiter in einer sklavenähnlichen Abhängigkeit gehalten. Die meisten Plantagenarbeiter kamen von den Kapverdischen Inseln, Mosambique und Angola. Dies kann man auch heute noch an der unterschiedlichen Hautfarbe, von schwarz bis helles kakaobraun, sehen. Es kam mehrmals zu Aufständen, die aber blutig niedergeschlagen wurden. Einer der schlimmsten war 1953 als sich die Plantagenarbeiter weigerten, auf den Farmen zu arbeiten. Über 1000 Menschen wurden erschossen (und das 1953). Als das faschistische Regime in Portugal 1974 die Macht verlor wurde Sao Tome 1975 in die Unabhängigkeit entlassen.

Da die Portugiesen Angst vor Repressalien hatten, flohen die Meisten. So war nur noch ein Doktor im Land und fast keine qualifizierten Arbeitskräfte. Da sich das Land sehr an Angola anlehnte, war das Land auch eng mit dem Ostblock verbunden. Trotzdem waren die Haupthandelspartner Portugal und Holland. Nach dem Niedergang des Ostblocks öffnete sich das Land mehr dem Westen.. 1991 wurden erste freie Wahlen abgehalten. Das Land ist politisch stabil und das Hauptaugenmerk der Regierung liegt auf der Verbesserung der ökonomischen Situation.

Das Land ist noch sehr von der Hilfe von anderen Staaten abhängig. Das Bruttosozialprodukt beträgt 290US$ pro Kopf, wobei ca. 30% allein ausländische Hilfe ausmacht. Die Hauptexportgüter sind Kaffee und Kakao. Die Erträge sind von 30 000 Tonnen vor der Unabhängigkeit auf derzeitige 6 000 Tonnen zurückgegangen. Die Regierung versucht durch Privatisierung diesen Niedergang zu stoppen. Weitere Hoffnungen sind Erdölförderung und zunehmender Tourismus. Das als kleine Einleitung.

Wir fuhren vom Flughafen in die Stadt und nisteten uns für 35US$ in einem Hotel ein. In Sao Tome ist Unterkunft verhältnismäßig teuer. Selbst die einfachsten Pensionen kosten 25US$. Alles andere ist sehr preiswert. Transport ist extrem billig und ein Mittagessen bekommt man für 1 bis 2US$. Wir schauten uns erst einmal in der Stadt um. Für meine Freundin war es ja das erste afrikanische Land. Sie staunte über den lebhaften Markt und was man alles so kaufen konnte. Am Strand kamen die Fischerboote rein, wo der Fisch von Frauen gleich aufgekauft wurde, um ihn woanders gleich wieder zu verkaufen. Da wir sehr gern Fisch essen, bestaunten wir die unterschiedlichen Fischarten. Thunfisch war der Arme-Leute-Fisch., zwei ca. ½ Meter lange Fische kosteten ½ US$. Wir haben auch nie in den Restaurants Thunfisch bekommen. So verschieden ist die Welt. In einer Bank wollte ich Dobras tauschen, wurde aber mit meiner kurzen Hose nicht reingelassen. In einer kleineren Bank klappte es dann, und wir wurden mal wieder Millionär. Die Hauptstadt von Sao Tome ist sehr angenehm, nicht so eine Monsterstadt wie in vielen anderen afrikanischen Staaten. Es hat Kleinstadtflair (40000 Einwohner). Es gibt dort noch viele Villen aus der portugiesischen Ära, an denen aber der Zahn der Zeit nagt (vielleicht vergleichbar mit Kuba).

Dann machten wir einen Ausflug mit unseren Tretrollern zu einem ca. 8km entfernten Strand. Unterwegs wurden wir von den Leuten immer freundlich begrüßt und unsere Roller bestaunt. Schon da merkte ich, daß die Insel sehr bergig ist. Der Strand war ein einsamer langer Sandstrand. Allerdings ist die Brandung in Sao Tome, mit Ausnahme der Nordseite, sehr stark. Wir lagen am Strand als plötzlich ein pfeifendes Geräusch zu hören war, ein Schatten auf uns zukam und dann knapp neben uns etwas einschlug. An die Gefahr, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, hatte ich natürlich nicht gedacht. Aber die Nüsse waren eine willkommene Erfrischung und mit der Zeit wurden wir auch immer besser im Öffnen von Kokosnüssen.

In der Nähe gibt es die Boca do Inferno. Das ist ein Loch im vulkanischen Gestein, welches unterirdisch mit dem Meer verbunden ist. Durch die Brandung wird das Wasser in diesen Kanal gedrückt und schießt durch das Loch bis zu 30 m in die Höhe. Dort haben wir ein paar relaxte Stunden verbracht.

Unser nächstes Ziel war die Südspitze der Insel, von wo aus man auf eine kleine Insel übersetzen kann, wo der Äquator verläuft. War ein verständlicher Wunsch meiner Freundin (für mich die x-te Äquatortaufe). Mit einem Buschtaxi ging es zum Südzipfel der Insel. Natürlich bekamen wir die besten Plätze gleich neben dem Fahrer (ob wir wollten oder nicht). Die Taxis riechen immer etwas nach Alkohol, da ein beliebtes Getränk Palmwein ist, der dann in Kanistern in diesen Taxis transportiert wird. Die Straße geht bergauf, bergab durch dichten Dschungel. Schon da sahen wir, daß Sao Tome wirklich einen sehr intakten Urwald besitzt. Dann öffnete sich der Dschungel und wir konnten einen senkrechten Vulkankegel sehen, der 600m senkrecht in die Höhe schoß. Durch Erosion ist nur noch der Schlot stehengeblieben. Und kurz vor unserem Ziel sah ich dann etwas, was ich schon aus Uganda kannte – Holzroller für den Lastentransport, wirklich vollkommen aus Holz gemacht, aber mit so einem Buschtaxi kann man ja nicht einfach anhalten.

In Porto Allegre erfuhren wir, daß demnächst ein Boot zur Insel übersetzt. Dort existiert ein Hotel, welches zu einer Tauchbasis ausgebaut werden soll. Man wartet nur noch auf einen Arzt. In der Zwischenzeit wurden wir von Kindern etwas angebettelt. Ich war doch etwas überrascht, daß ich auch hier auf Bettelei treffe, aber im Laufe der Reise verstand ich den Grund. Mit Rucksack reist kaum jemand in dieses Land. Die meisten Touristen (auch wenn es nicht viele sind) buchen eine Komplettreise für 7000 DM aufwärts für 2 Wochen. Sie wohnen dann in den wenigen, sehr exklusiven Hotels (Übernachtung über 100US$), fahren einen Mitwagen (50US$ aufwärts) und verteilen, um Fotos zu machen, meine geliebten Kugelschreiber oder Geld. Klar wissen die Einheimischen die Preise von den Hotels und bei einem Bruttosozialprodukt von 350US$ pro Jahr, ist das natürlich für sie unvorstellbar. Allerdings war die Bettelei immer freundlich und nie aufdringlich (nicht wie ich es Jemen oder Senegal kannte). Später ließ man uns auch in Ruhe, da sich auf der Insel schnell herumsprach, das da zwei Weiße mit Rucksack und Roller unterwegs sind, die auch noch zelten.

Dann kam der Arzt, und wir setzten zur Insel über. Die See war sehr rauh und es fing an leicht zu regnen. Da bemerkte ich, daß der Arzt eine mir vertraute Sprache sprach, nämlich Russisch. Ich sprach ihn auf Russisch an, und er erzählte mir, daß er aus der Ukraine kommt und hier für eine portugiesische Hilfsorganisation arbeitet. Er betreut verschiedene Dörfer und machte heute eine Visite auf dieser Insel. Er lud mich ein, falls ich in Sao Joao dos Angolares vorbeikomme, ihn zu besuchen. Daraus sollte sich noch eine schöne Geschichte ergeben.

Da es regnete, beschlossen wir doch auf das Zelt zu verzichten und uns im Hotel einzuquartieren. 60US$ pro Person für Übernachtung und Vollverpflegung klingen zwar viel, aber die Zimmer waren wirklich sehr komfortabel und das Essen war phantastisch. Was ich gut fand, daß ein Teil des Geldes für soziale Einrichtungen, wie Schule, Stromgenerator etc. an die Menschen von der Insel geht. So profitieren auch die Menschen der Insel davon und verzichten auf Bettelei.

Zuerst ging es natürlich zum Äquator. Auf einem schlammigen Dschungelpfad erreichten wir eine weiße Stele, die den Äquator markiert. Die Freundin mußte eine Äquatortaufe über sich ergehen lassen. Danach erstiegen wir noch den höchsten Punkt der Insel, wo ein Leuchtturm steht. Der Wärter ließ uns auf den Turm steigen, von wo aus wir einen herrlichen Blick hatten.

Dann durchstromerten wir die Insel kreuz und quer und fanden wieder zwei Löcher, wo das Wasser unterirdisch durch die Brandung heraus gedrückt wird. Das eine Loch war noch viel besser als das Loch, welches wir schon gesehen hatten. Es war eine Mischung aus Wasser und Luft, welches aus dem Loch gedrückt wurde. So muß es in der Hölle sein; ein Fauchen und Stöhnen bevor die Gischt 20 m hoch in den Himmel schießt. Das verleitet natürlich zum Spielen. So wanderten Kokosnüsse, Palmwedel etc. in das Loch und wurden dann hoch in die Luft gepustet – Männer sind eben kleine Kinder. Natürlich gingen wir auch baden und Schnorcheln, aber die Brandung ist doch sehr heftig und man muß schon aufpassen. Verglichen mit dem Roten Meer ist die Unterwasserwelt auf Sao Tome nicht so toll, auch wenn man viele Fische sieht; aber wer das Rote Meer kennt, wird dieses wohl als viel interessanter einstufen.

Nach 1 ½ relaxten Tagen verließen wir die Insel. Den Rückweg traten wir mit unseren Tretrollern an. Dadurch, daß es sehr bergauf und bergab ging, konnten wir die Roller nur zum bergab rollen benutzen. Trotzdem genossen wir, daß man überall anhalten kann und die Natur bestaunen kann oder mit den Menschen sich unterhalten kann. So konnten wir unterwegs an sehr einsamen Stränden unseren Gedanken nachhängen, Kokosnüsse essen und baden gehen. In Sao Tome gibt es relativ viel Schlangen. Unterwegs sahen wir dann eine 2m lange schwarze Kobra, die aber schon mit einer Machete getötet worden war. Da es etwas regnete mussten wir bergab doch sehr vorsichtig fahren.

So erreichten wir am späten Abend Monte Mario, ein kleines Fischdorf. Dort fragte ich, ob wir am Strand unser Zelt aufbauen dürfen, was natürlich kein Problem war. Im Nu war das ganze Dorf versammelt. Ein Zelt sahen sie zum ersten Mal, Gekicher, Staunen, Oohs und Aaahs. Dann entdeckte ich, daß es in diesem Dorf die bekannten Holzroller gibt. Ich bot den Leuten an, daß sie gerne unsere Roller ausprobieren dürfen. Was nun kam, war ein kleines Volksfest. Jeder wollte die Roller ausprobieren. Ich durfte die Holzroller ausprobieren. Oh Gott, die waren gar nicht so einfach zu fahren. Als ich dann noch Fotos zeigte, wie ich lebe, von meinen Hobbys Klettern etc. und meiner Familie gab es kein Halten. Ich durfte die die Leute fotografieren, wie ich wollte. Da ich immer ein Blitzlicht verwende (die schwarzen Menschen kann man fast nur mit Blitzlicht fotografieren, um wenigstens etwas Kontur in den Gesichtern zu haben), sorgte jeder Blitz für Jubelstürme. Jeder wollte fotografiert werden und das Aqui, Aqui (Hierher) klingt mir jetzt noch in den Ohren. So ging es mehrere Stunden. Wir waren dann doch etwas froh, als wir endlich in unserem Zelt allein waren. So konnten wir uns in einem nahen Fluß waschen und etwas Essen kochen.

Am nächsten Morgen begleiteten uns die Leute noch eine ganze Wegstrecke. Unsere Roller wurden immer wieder bergauf geschoben, um in einem Affenzahn dann den Berg hinabzusausen. Ich versprach ihnen, die Fotos zu schicken. Über den russischen Arzt habe ich ihnen dann die Fotos zukommen lassen. Der Arzt schrieb mir, daß die Bilder richtige Jubelstürme ausgelöst haben (war auch für mich schon, doch mal eine Rückmeldung zu erhalten, daß die Bilder soviel Freude bereiten). Unterwegs trafen wir auf drei Kinder mit zwei Säcken Kokosnüssen. Zu dritt und mit den Säcken rasten sie mit dem Holzroller zu Tal – verrückt.

Unterwegs besuchten wir noch eine Olivenfarm und eine Olivenölfabrik. Natürlich wieder großes Hallo. Dort konnten wir auch noch einmal diesen 600m hohen Vulkanschlot in Ruhe betrachten – er ist wirklich imposant. Ich konnte der Freundin auch Kakao und Kaffeesträucher zeigen.

Ich wollte noch von einem kleinen Berg, wo eine alte, verfallene Rocca (Name von Plantagenresidenzen) stand, bessere Fotos von dem Vulkanschlot machen. So stiegen wir auf den Hügel und hatten einen schönen Blick. Da kam ein Mann auf mich zu und verlangte Geld von mir, wenn ich fotografieren will. So etwas lehne ich grundsätzlich ab und verzichte lieber auf die Bilder. Als er das merkte, fragte er mich aus welchem Land ich komme. Ich erklärte ihm, daß ich aus Deutschland komme und auf einmal sagte er, ich darf auch ohne Geld fotografieren, wenn ich wirklich Deutscher bin. Nun interessierte mich aber sein Gesinnungswandel. Also hakte ich nach. Da erklärte er mir, daß öfters Franzosen mit ihren Jeeps hier hochfahren, obwohl es Privatgrundstück ist und ohne zu fragen, alles, auch Menschen ablichten und sich immer etwas als Kolonialherren aufführen. Das machte mich dann doch etwas nachdenklich.

Übrigens erlebte ich später wirklich solche Franzosen. Mit Stereoanlage voll aufgedreht fuhren sie direkt an den Strand, gingen mit lautem Geschrei baden und dann kam der Höhepunkt, mit abgepacktem Trinkwasser duschten sie sich. So eine Flasche Trinkwasser kostet fast 1US$, möchte nicht wissen was die Einheimischen in diesem Augenblick dachten.

Da wir doch etwas müde waren, fuhren wir das letzte Stück nach Angolares per Anhalter auf einem Traktor mit. Trampen war auf Sao Tome nie ein Problem. Wenn kein Buschtaxi da war, wurden wir immer ohne Probleme von anderen Fahrzeugen (hauptsächlich Laster oder Traktoren) mitgenommen. Auch wenn ich ihnen wenigstens ein Teil des Geldes geben wollte, was uns ein Buschtaxi gekostet hätte (und das kostet für uns schon fast nichts), wurde es doch oft abgelehnt.

In Angolares nisteten wir uns in einer alten Rocca ein, die von Künstlern betrieben wird. Sehr einfach eingerichtete Zimmer, die aber einen sehr romantischen Flair ausstrahlten (und mit 20US$ für uns beide auch preiswert). Wir hatten einen herrlichen Blick aufs Meer. Auf einer traumhaft romantischen Terrasse aßen wir vorzüglich. Einige Stunden später fühlte sich meine Freundin nicht mehr so wohl, naja etwas Magen verstimmt. Aber wir hatten in der Stadt schon Fisch als Essen bestellt. So mußte ich für zwei Personen essen. Der Magen hing fast in den Kniekehlen. Auf dem Rückweg schaute ich noch bei dem Arzt vorbei. Seine Frau war froh wieder mal mit jemand anders Russisch zu sprechen. So vergingen 2 Stunden und wir verabredeten uns für den nächsten Tag. In der Nacht ging es dann der Freundin sehr schlecht, Fieber, Durchfall, Erbrechen. Für eine Malaria waren wir eigentlich noch nicht lang genug im Land. Ich ging alles durch, aber die Symptome paßten zu keiner Krankheit.

Am nächsten Tag schaute ich dann bei Anatoli und Jana (den russischen Ärzten) vorbei und erzählte, daß es der Freundin nicht gut geht (obwohl es ihr am Morgen schon besser ging). Sie überredeten mich, daß wir in ihr Haus ziehen. Wir untersuchten sie noch einmal, und Anatoli meinte auch, daß es sich um eine Magenverstimmung handelt. So gaben wir ihr Mineralsalze und noch eine die Kreislauf stärkende Spritze und ließen sie im Bett sich ausruhen.

Ich war mit den Beiden zu einem Portugiesen zum Mittagessen eingeladen. Er lebte schon seit über 50 Jahren auf der Insel und ist Koch. Früher hatte er ein kleines Restaurant betrieben. Das Essen war ein Gedicht, auch wenn es viel zu viel war. Was mich aber mehr beeindruckte, war seine Wohnung. Man fühlte sich in den Anfang des 20 Jahrhunderts zurück versetzt. Alte Möbel, ein Königsbild und andere alte Fotos an der Wand erregten mein Interesse. Ich fand heraus, daß der spätere Ministerpräsident von Portugal Mario Soares während des Salazarregimes in Portugal hier bei diesem Mann von 70-74 im Exil lebte. Sein Foto hing handsigniert an der Wand. Soares war verantwortlich, daß die Überseeprovinzen in die Unabhängigkeit entlassen wurden. So kommt man immer wieder mit der Geschichte in Berührung.


Fortsetzung unter Alles mit T Sao Tome Teil2

PS: Tinka hat recht mit den Absätzen. Habe ich noch schnell gemacht. Im Word ist alles klar strukturiert, aber wenn ich cut and paste ist leider alles futsch. Entschuldigung, jezt ist er besser lesbar.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Wombaer

Wombaer

27.01.2006 12:03

Heute war auf Spiegel Online ein Reisebericht zu Sao Tomé, der in mir das Fernweh geweckt hat. Von Sao Tomé habe ich noch was gehört, obwohl ich schon einigermaßen rumgekommen bin. Da kam Dein Bericht gerade recht, er ist sehr informativ und macht richtig Lust, dieses kleine Paradies zu entdecken.

ProfBingo

ProfBingo

19.10.2005 18:50

Ein sehr gut strukturierter Erfahrungsbericht, welcher nicht nur Land und Leute gut beschreibt, sondern ebenso auf politische, historische, kulturelle und ökonomische Aspekte eingeht. Daneben fehlen nicht eine Reihe von ganz praktischen Reisetipps, welche man zu diesem Reiseziel ansonsten nicht findet.

mjk25

mjk25

22.08.2005 20:19

super bericht von dir.hatte dieser tage erst was in der bild über dieses land gelesen.grüße aus dresden mario

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