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Erfahrungsbericht

für Samoa-West, Allgemeines
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5 Sterne Malo Tutoatasi o Samoa Bericht mit Bildern
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Der Autor

gudy2 Seit 23 Jun 2002

Ich werde nicht in euren Kreisen tanzen, weil ich eure Schritte nicht lernen will! Allen... mehr

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Liebe Leser(innen), heute möchte ich euch in den Süd-Pazifik entführen, auf eine Insel im Herzen der Südsee - Samoa.

Der Weg nach Samoa ist einfach, aber verdammt lang!
Ein Mal pro Woche besteht eine Verbindung von London nach Los Angeles und von dort aus, weiter nach Apia/Samoa mit Air New Zealand (Star Alliance). Der Flug dauert ca. 26 Stunden und nach London muss man auch erstmal kommen:-)

Die grüne Insel Samoa (in der Landessprache Malo Tutoatasi o Samoa) liegt mit einer Fläche von 2944 Km2 im südwestlichen Pazifik, verteilt auf mehreren Inseln.
Die beiden größten Inseln sind Savaiì und Upolu.
Die Hauptstadt Apia liegt auf Upolu, ca. 35 km entfernt vom internationalenn Fale'olo Flughafen .
Ost-Samoa gehört seit Februar 1900 zu den USA und darüber kann ich nur wenig berichten.
Weitere bewohnte Inseln West-Samoas sind Namua, Apolina, Manono und 5 unbewohnte, kleinere Inseln.
Im gesamten Staatsgebiet Samoas leben heute ca. 177.300 Menschen. Die Währung ist der Tala und die Staatsform eine parlamentarische Demokratie.

West-Samoa war von 1899 bis 1914 deutsche Kolonie
(Schutzgebiet:-)
Nach 1915 wurde es unter neuseeländsiche Verwaltung gestellt.
In den Jahren 1917/1918 schleppt ein neuseeländisches Schiff einen Grippevirus in Somoa ein, an dem Tausende von Isulanern starben.
Erst seit 1962 ist West-Samoa ein unabhängiger Staat.

Meine Reise in die Südsee begann im Januar 2007. West-Samoa war nur eine Zwischenstation, die ich zwangsweise 18 Tage genießen durfte, weil mein Schiff, dass mich zu den entfernteren Inseln der Südsee bringen sollte, nicht auslaufen konnte. Der Orkan "Tam" verhinderte die Weiterreise. Er peitschte das türkisgrüne Wasser zu hohen Wellen auf und bedachte das Inselparadies mit sintflutartigen Regenfällen.

So bezog ich erstmal, eines der typisch polinesischen Häuser, ein Fale, im Seipepa Travel Home.
Das Seipepa Travel Home ist ein urgemütlicher Platz, nicht weit von der Hauptstadt Apia entfernt, in einem kleinen tropischen Garten gelegen.

Die Häuser (Fales) in Samoa sind mit den Häusern, die man in der westlichen Welt so kennt nicht vergleichbar. Ein samoanisches Haus ist einfach nur eine Bodenplatte mit Stelzen auf denen ein Dach montiert ist. Außenwände gibt es nicht. Je nach Jahreszeit, kann man, in den regenreichen Wochen, zwischen den Stelzen geflochtene Matten herunterlassen. Diese Bauweise ist in ganz Samoa verbreitet und man findet kaum Häuser mit richtigen Wänden, außer Hotels oder Verwaltungsgebäude.
Familienleben, Feste, Trauer oder die Tagung des Familienrates - hier findet einfach nichts! hinter verschlossenen Türen statt.
Fales, bestehen meist nur aus einem Zimmer, egal wie groß die Fale ist, in dem die ganze Familie (mehrere Generationen) gemeinsam leben, schlafen, beten und ihre Zeit verbringen.

Neben den Fales werden die Toten im eigenen Garten begraben. Wenn eine Familie umzieht, werden die Toten wieder ausgegraben und mitgenommen. Oft sind die Gräber der schattigste Platz im Garten und somit wird das Frühstück meist auf der steinernen Abdeckplatte des Grabes serviert. Am Nachmittag spielen die Kleinkinder auf dem Grab und am Abend liegt oft die ganze Familie auf der kühlen Steinplatte.

Das Leben in der Fale war für mich zunächst ein bisschen ungewohnt, weil diese Häuser nicht unbedingt mit vielen Möbeln ausgestattet sind. Betten gibt es nicht. Man macht es sich auf einer Matratze bequem, wenn man so ein verwöhnter Europäer ist, wie ich.
Einheimische schlafen oft einfach auf dem Boden. Ich fand es absolut bewunderswert, in welchen Positionen die Insulaner schlafen können. Über der Matratze ist ein Moskitonetz angebracht, denn auf Samoa gibt es recht viele Mücken. Es besteht jedoch kein Malariarisiko!
Neben einer Matratze , gibt es maximal noch ein kleines Schränkchen, in dem man das Nötigste verstauen kann. Diese kleinen Schränkchen werden aber auch von Kakerlaken sehr geliebt!
Den Fehler irgendetwas Eßbares in der Fale aufzubewahren, sollte man tunlichst vermeiden! Tausende von Ameisen finden sehr schnell den Weg dorthin.
Die Einheimischen verstauen ihre Lebensmittel in Kühlschränken, aber ich hatte leider keinen.

Das Menschen daheim auf Stühlen oder an Tischen sitzen, ist eher ungewöhnlich. Das Leben der Samoaner findet meistens auf dem Boden im Schneidersitz statt.
Ein samoanisches Haus betritt man niemals mit Schuhen! Wobei mir auf Samoa auch kein Mensch mit "Schuhen" begegnet ist. Die Fußbekleidung der Insulaner besteht aus ganz einfachen Flipflops. Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge oder wer auch immer - alle tragen Flipflops! Diese einfachen Flipflops gibt es in wenigen verschiedenen Farben und Größen. Lustig ist es anzusehen, wenn sonntags vor der Kirche 100 Paar Flipflops stehen, sie fast alle gleich aussehen. Nach dem Gottesdienst zieht jeder irgendein Paar an und watschelt gemütlich nach Hause. Da begegnen einem plötzlich kleine Mädchen mit Größe 43 oder gewaltige Riesen mit Größe 36.
Wenn man ihnen sagt: He, ich glaube, deine Flipflops sind ein bisschen zu klein, dann lächeln sie und meinen maximal "och...das passt schon" und schlurfen weiter ihres Weges.

Die typischen Kleidung der Samoaner ist der LavaLava, der von Männern und Frauen gleichermaßen getragen wir.
Der LavaLava ist ein Wickelrock. Die Wickelröcke der Frauen sind farbenprächtiger, als die der Männer. Richtige Hosen sind mir auf Samoa fast nicht begegnet. Selbst die Polizeiuniformen bestehen aus einem dunklen LavaLava und weißen Hemden.

Oft wird Samoa die Wiege Polynesiens genannt! In der Tat sind in Samoa die alten Traditionen, ursprünglichen Lebensweisen und kulturellen Unterschiede, zu verschiedenen anderen Südseeinseln, deutlich merkbar.
Niemand lebt für sich allein. Alles wird im Familienverband geteilt, um das Leben bzw. Überleben aller zu sichern. Jede Großfamilie (Agia) hat ein Oberhaupt (Matai). Der meist männliche Matai ist nichts anderes als ein Familienhäuptling, der auch über alltägliche Dinge zu entscheiden hat, wie z,B, den Schulbesuch der Kinder, die Arbeitsverteilung im Haus und auf den Feldern, aber leider auch über Eheschließungen. Eine samoanische Familie besteht aus sehr vielen Mitgliedern und egal wo auf der Welt sich ein Familienmitglied auch befinden mag, größere Entscheidungen, die sein Leben betreffen, trifft immer der Matai!
Das Leben der Insulaner besteht aus Nehmen und Geben innerhalb seiner eigenen Großfamilie.
Vergessen wird niemand!

Durch die "angeborene" Offenheit, die schon durch das Leben in einer Fale entsteht, weiss jeder immer alles vom anderen. Das Leben der Menschen scheint nach festen gesellschaftlichen und familiären Regeln und Normen zu verlaufen. Einzelbesitz gibt es eigentlich nicht und dass scheint mir den Individualismus stark einzugrenzen. Ob das gut und richtig ist, einfach oder besonders schwierig, werde ich nicht beurteilen, denn mein europäisches Denken ist für die Insulaner genauso unfassbar, wie umgekehrt.
Unterm Strich kann ich nur sagen, dass ich nie offenherzigeren, freundlicheren, lebenslustigeren und fröhlicheren Menschen begegnet bin!

Die Uhren der Südsee ticken anders als in Europa.
Niemand ist in Eile und wenn der Bus, der um 14 Uhr kommen soll, erst um 16 Uhr kommt, dann stört das absolut niemanden. Vielleicht hat der Busfahrer einen Freund getroffen, vielleicht hatte er zwischendurch ein bisschen Lust zu tanzen oder zu singen oder vielleicht ist er auch nur in einer kleinen Strandfale eingeschlafen, weil ihm so danach war. Böse ist ihm niemand, wegen der Verspätung! Wem das Warten auf den Bus zu langweilig wurde, der geht einfach wieder nach Hause und versucht es am nächsten Tag nochmal.

In Apia, der Hauptstadt West-Samoas, findet man eine Vielzahl unterschiedlicher Autovermietungen. Im Vergleich zu europäischen Mietpreisen ist das Leihen eines Mietwagens sehr günstig! Man zahlt ca. ein Drittel des gewohnten deutschen Preises.
Obwohl ich immer wieder gehört habe, dass man einen Internationalen Führerschein benötigt, um einen Wagen zu leihen, kann ich das nicht bestätigen. Ich habe einen Wagen geliehen, mit meinem alten, abgelaufenen Personalausweis. Da ich seit Jahren in Schweden lebe, darf ich gar keinen deutschen Personalausweiss mehr besitzen, aber irgendwie war das, seit 8 Jahren abgelaufene, Ding in meiner Tasche und mit den alten, grauen, deutschen Führerscheinlappen, bekommt man vielleicht in Afganistan noch einen Leihwagen.

Die Hauptstraßen in Samoa, sind zum größten Teil geteert und gut befahrbar. Es gibt eine gut ausgebaute Küstenstraße, auf der man fast die ganze Insel umrunden kann. Die Rund dauert ca. 7-8 Stunden - je nachdem, wie oft man anhält. Natürlich ist sie auch in 4 Stunden zu schaffen, aber dann entgeht einem so einiges.
Auf der Fahrt, die sich wirklich lohnt, passiert man Kokosnussplantagen, die noch aus der deutschen Kolonialzeit stammen, wunderschöne Wasserfälle, kleine Dörfer, grüne Berge und sehr schöne weiße Strandabschnitte.

Noch ein paar Worte zu Autofahren auf Samoa:

Überall ist beim Fahren äußerste Vorsicht geboten! Sollte es zu einem Unfall kommen, bei dem Menschen zu schaden gekommen sind, ist es sinnvoll und gesetzlich erlaubt, weiterzufahren! Natrürlich darf man keine Fahrerflucht begehen, sondern muss sich auf dem schnellsten Weg zur nächsten Polizeistation machen, um den Vorfall zu melden. Wer glaubt Hilfe leisten zu müssen, oder den Vorfall an Ort und Stelle zu klären, kann damit rechnen, von den Verwandten des Geschädigten angeriffen zu werden!
Auch hier besteht ein völlig anderes "Denken", als wir es in Europa gewohnt sind!
Überall, in ganz Samoa, laufen Tiere auf den Straßen rum! Die meisten Großfamilien sind Selbstversorger und halten Tiere, wie Geflügel, Schweine, Pferde oder Kühe. Diese Tiere sind nie eingezäunt und laufen frei herum.
Es gibt auch eine Vielzahl von streunenden Hunden, die manchmal einfach auf die Fahrbahn laufen.
Von Nachtfahrten ist dringend abzuraten!!!

Sehenswertes:

Eigentlich ist die ganze Insel sehenswert!
Wer in Apia ist, sollte den gediegenen Markt, gegenüber des Busbahnhofes nicht verpassen, denn der ist bestückt mit Südsee pur!
Hier kann man sich landestypische Kleidung schneidern lassen! Wer länger in der Südsee bleiben muss, sollte dies unbedingt tun! Auf dem Markt gibt es landestypische Früchte und Gemüse, wie Ananas, Papaya, Brotfrucht, Kokosnüsse, Kochbananen, Taro oder Orangen, aber auch bunte Stoffe, handgeschnittenen Tabak, Kettchen aus Muscheln, Südseemusik, Macheten, neue Flipflops und eines der ungewöhnlichsten Restaurantes, die ich je gesehen habe.
Für europäische Verhältnisse sind die Preise enorm günstig!

Kneipen sind mir in Samoa nicht begegnet, dafür aber ein McDonalds in Apia:-)
Einige größere Hotels bieten "Südseeabende" mit polynesischen Tänzen, Feuerschluckern und leckerem Buffet an.
Wirklich wärmstens zu empfehlen wäre hier das Hotel Aggie Grey`s in Apia, in dem es jeden Mittwoch wunderschöne einheimische Tänze, Musikdarbietungen und ein Umu-Buffet gibt. Ein Umu ist ein traditioneller Erdofen. Man gräbt ein Loch, in das man heiße Steine legt. Das Fleisch oder Gemüse wird in Blätter eingewickelt und dannach deckt man alles mit Bananenblättern ab. Weitere Steine dienen zur Beschwerung der Nahrungmittel. Durch die Hitze verlieren die Blätter ihren Saft und ergeben eine wunderbare Würzmischung. Nach einigen Stunden hat das Fleisch seinen typisch rauchigen Geschmack und ist sehr zart.

Für besonders sehenswert halte ich die wunderschönen Wasserfälle Samoas, in deren klare Seen, man ungestört schwimmen kann. An manchen Stellen ist das Gestein so glatt geschliffen, dass man, wie auf einer Rutschbahn ins Wasser gleiten kann.

Noch ein paar Worte zu Fa'a Samoa!

Unter Fa'a Samoa verstehen die Einheimischen die klaren, traditionellen Regeln, überlieferte Werte und Hirarchien innerhalb einer Großfamilie. Die wichtigsten Personen dieser Insel waren und sind, die ca. 14.000 bis 15.000 Familienhäuptlinge, aus denen die Parlamentsmitglieder gewählt wurden und die bis 1992 das alleinige Wahlrecht hatten. Sie gelten als Wächter der samoanischen Lebensweise, was einigen jungen Insulanern gar nicht gefällt. Durch Medien und westliche Schulbildung, rückt immer mehr ein freiheitliches Gedankengut in ihre Köpfe und der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung des eigenen Lebens. Dieser Zwiespalt nährt den Auswanderungswunsch vieler junger Samoaner und ihr Reiseziel, mit der Hoffnung auf ein freieres Leben, ist oft amerikanisch Samoa, als Sprungbrett für die USA, Neuseeland oder Australien.
Der krasse Unterschied zwischen der eigenen Kultur und dem Auswanderungsland, bring viele jedoch wieder zurück nach Samoa, denn Fa'a Samoa ist doch eine Sache, die man verdammt vermissen kann!

Herzliche Grüße und vielen Dank für eure Lesungen und Bewertungen! Gudrun

Bilder

für Samoa-West, Allgemeines
Samoa
Mein Fale im Seipepa Travel Home
von gudy2 gudy2
Samoa

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Kommentare

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  • momo40 14.10.2010 15:31
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Celsius-Monster 09.01.2010 18:10
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • GerhardReus 18.07.2009 07:32
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Glowhand 01.05.2009 19:25
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Mungi60 19.03.2009 07:40
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    So ein Land würde mich auf jeden Fall auch reizen, was mit der Pünktlichkeit angeht, bin ich wohl inzwischen zu sehr deutsch. Wobei ich bei 10-20min Verspätung auch keine Probleme habe, Preuße bin ich ja schließlich auch nicht! :-) BH muss ich nachreichen! Gruß Achim :-)

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