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Erfahrungsbericht

für Saigon / Ho Chi Minh City
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4 Sterne Ho Ho Ho Chi Minh!!
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Empfehlenswert: Ja

Pro Liebenswertes Chaos

Kontra Sozialismus als Kapitalismus

Der Autor

scherpe Seit 18 Apr 2001

Scherpe in ein paar Worten? Ausgeschlossen! Schaut Euch meine Meinung zu Nutella und Dr. Oetker... mehr

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Auf dem Weg nach Kambodscha bot sich ein Zwischenstop in Ho Chi Minh-Stadt an, dem früheren Saigon. Also habe ich mir 3 Tage vorher einen Lonely Planet-Reiseführer gekauft, beschlossen, daß ich drei Tage in Saigon bleibe und mich in das Abenteuer gestürzt.

Im folgenden werden vier Abschnitte geboten:
1. Allgemeines
2. Sehenswürdigkeiten
3. Shopping und Essen
4. Finale

1. Allgemeines
a) Ankunft
Im Regelfall wirst Du, oh Reisender, Saigon am Flughafen erreichen (hierzu mehr, wenn die entsprechende Kategorie eröffnet ist). Von dort ist’s ein Stück Wegs in die Stadt, der am besten mit dem Taxi absolviert werden sollte.
Die lokale Währung, Dong, wir zwar akzeptiert, bessere Preise gibt es allerdings in USD. Davon sollte man/frau reichlich kleine Scheine dabei haben. Geld tauschen kann man übrigens genausogut am Flughafen, die Tarife sind nahezu dieselben. Bloß nicht zu viel tauschen, denn das Geld wird man außerhalb Vietnams nicht mehr los und muß es dann nur wieder zurücktauschen. Oder in Krimskrams investieren (siehe dazu unten Shopping).
Jedenfalls sollte die Fahrt vom Flughafen nicht mehr als 5 USD kosten. Die Taxifahrer versuchen - wie jeder andere Händler im Land auch - einen jedesmal übers Ohr zu hauen, also vorher verhandeln...
Ganz Wagemutige können sich auch auf einem Motorrad in die Stadt fahren lassen. Der Verkehr ist allerdings schon vom inneren eines Taxis aus beunruhigend genug.

b) Unterkunft
Da Saigon inzwischen sehr gut auf den Tourismus eingestellt ist, sollte es kein Problem sein, ein Quartier zu finden. Die meisten befinden sich in der Gegend um die Straßen Pham Ngu Lao bzw. De Tham. Dort trifft sich auch die Backpacker-Community und allerlei Verkäufer und Taschendiebe, die davon profitieren wollen. Dort ist’s dann auch wirklich wie in einem Feriendorf, massig Geschäfte und Restaurants, die sich auf Rucksack-Ausländer spezialisiert haben. Trotzdem kann man hier sehr günstig wohnen.

c) Verkehr und sonstige Gefahren
Apropos: Wirklich, wirklich vorsichtig sein, denn Diebstahl ist hier wirklich ein sehr häufiges Delikt. Wie immer in solchen Gegenden Taschen immer auf der der Straße abgewandten Seite tragen und Geldbörsen o.ä. nicht in die Gesäßtasche stecken. Am besten Moneybelt o.ä. verwenden, sonst ist das Geld ganz schnell weg. Zur Sicherheit IMMER eine Kopie des Ausweises dabeihaben und das Original am besten im Quartier lassen.

Die Stadt selbst ist unglaublich quirlig, überall und zu jeder Tageszeit sausen Mopeds durch die Gegend, die das Fortbewegungsmittel Nr. 1 sind. Sehr, sehr vorsichtig und gleichzeitig sehr bestimmt die Straßen überqueren. Verkehrszeichen und Verkehrsrichtung sind bestenfalls Hinweise für die Beteiligten. Einfach loslaufen, so daß die Mopeds einen sehen, dann geht das. Autos halten übrigens nicht und weichen auch nicht aus, denen ist also Vorfahrt zu gewähren. Im übrigen kann man/frau kaum einen Meter zurücklegen, ohne daß einem diverse Dienstleistungen oder Waren, insbesondere „Motttobaaik“ angeboten werden. Auch wenn es sicherlich ein Erlebnis ist, auf einem Moped durch die Stadt zu rauschen, im Grunde lassen sich die „wichtigen“ sights auch zu Fuß erkunden.
Im übrigen empfiehlt es sich, die zahlreichen Angebote mit einem freundlichen Lächeln abzulehnen, das verhindert, daß die Anbietenden einen über eine längere Wegstrecke hinweg verfolgen.

d) Welchen Reiseführer?
Als Reiseführer empfehle ich uneingeschränkt den Lonely Planet Ho Chi Minh City (Saigon). Die Karten reichen für den Besuch in der Stadt aus, im übrigen gibt es überall umsonst City Maps. Der Reiseführer kann sehr günstig als Raubkopie in der Stadt erworben werden - hat natürlich den Nachteil, daß man ihn erst vor Ort lesen kann...

e) ÄÄh...
Beim nochmaligen Durchlesen klingt dieser Teil so negativ, ist aber eigentlich nicht so gemeint. Saigon hat Flair, der trotz der genannten Widrigkeiten sehr gut zu genießen ist.


2. Sehenswürdigkeiten
Saigon hat viel, viel, viel zu bieten. Und gleichzeitig dann doch weniger als man denkt. Die Erwartungen sollten besser nicht zu hoch geschraubt werden, insbesondere die Museen sind doch eher kümmerlich. Trotzdem fand ich’s sehr interessant, weil’s einem doch so einen Einblick in die vietnamesische Seele und den amtierenden Sozialismus im Wandel gibt...
Die Öffnungszeiten sind sehr problematisch, da die meisten Sehenswürdigkeiten von 11.00 bis 13.30 (oder so ähnlich) Mittagspause machen (keine Ausnahmen möglich!). Es gilt also, früh aufzustehen und den Tag gut zu planen!


Nun also im Einzelnen...

a) War Remnants Museum
Ankaufstelle Nr. 1 in Saigon für alle Touristen, sehr überlaufen. Trotzdem überraschend wenige Exponate. Beschreibt den Krieg USA-Vietnam, überwiegend mit Photos. Erschreckend, beeindruckend. Zeigt einem sehr deutlich, wie sinnlos dieser ganze Krieg war. Natürlich ist die Darstellung ideologisch sehr gefärbt, aber als einigermaßen gebildeter Europäer kann man da schon hindurchsehen. Etwas störend: Die amerikanischen Touristen, die sehr oft vor einem Bild stehen und „Now, THAT’S a fake. It never was like this. No American soldier would do that!“ sagen. Tut mir leid, liebe Amis, tun sie aber doch. Besonders makaber: Der Teil der Ausstellung über die Agent-Orange-Opfer.
Eintritt 15.000 Dong.

b) Hôtel de Ville, Notre Dame Cathedral, Hauptpostamt
Das Hôtel de Ville ist heute Sitz des People’s Committee. Sehr schöne Fassade, direkt beim Hotel Rex gelegen. Ganz in der Nähe ist die Kathedrale und das wirklich sehenswerte Hauptpostamt. Davor unzählige Postkartenverkäufer. Auch lohnend.

c) Unification Palace
Auf den ersten Blick ein etwas häßlicherer Palast der Republik (!). Mit Führung im Inneren auf Englisch aber wirklich ganz spannend. Mit der Erstürmung dieses Palastes, der mitten in der Stadt liegt, war der Krieg dann vorbei. Hier riecht es richtig nach Geschichte. Eintritt mit Führung: 15.000 Dong. Hier gibt es das zu sehen, was sich der sozialistische Herrscher vor drei Jahrzehnten als Luxus vorstellte, sowie Hubschrauberlandeplatz, Kriegsraum mit Karten, bombensicherer Keller etc. Dazu im Untergeschoß eine ebenfalls mitinbegriffene Filmvorführung.

d) Museum of Vietnamese History
Bietet einen Überblick über die gesamte geschichtliche Entwicklung des heutigen Vietnam, vom Faustkeil angefangen. Nicht wirklich dramatisch aufregend, aber eine nette Abwechslung zu den sonstigen Vietnam-Krieg-lastigen Museen. 10.00 Dong Eintritt. Im Hof eine ganz witzige Water Puppetry-Show für 1 USD. Sollte man nicht auslassen. Direkt neben dem Zoo, der über Mittag auf ist - ein guter Ort, die lange Mittagspause zu überbrücken.

e) Jade Emperor Pagoda
Auf dem offiziellen Plan nicht als Touristenattraktion eingezeichnet, dank Lonely Planet aber gut besucht. Und ein wenig ab vom Schuß. Hat mir trotzdem sehr gut gefallen, dieser wirklich überladene chinesische Tempel. Witzig auch der Schildkrötenpool vor dem Tempel.

f) Museum von Ho Chi Minh City
Tja, das war wirklich das einzige Museum, das ich mir ganz hätte sparen sollen. Wirklich wenig zu sehen, aber es war auch gerade ein wenig im Umbau. Außerdem war ich an einem Sonntag da, und überall geisterten Hochzeitspaare durch die Gegend und wollten sich in und um das schöne Gebäude photographieren lassen. Dafür hat sich’s dann schon fast wieder gelohnt...

g) Sonstiges
Für mehr hat bei mir leider die Zeit nicht gereicht, zumal ich mich auch ein wenig durch die Stadt hab’ treiben lassen, um das „Gefühl“ für die Stadt in mich aufzunehmen. Sehr viel werden Ausflüge von diversen Agenturen angeboten (bei den Hotels sehr teuer, in den Backpacker-Gegenden etwas billiger). Besonders beliebt wohl: Flußdelta und Vietcong-Tunnel. Habe ich mir beides für das nächste Mal auf die Liste gesetzt...
Und wenn Zeit bleibt: Von hier unbedingt ein mindestens dreitägiger Ausflug nach Angkor in Kambodscha... Nichts, was ich bisher gesehen habe, läßt sich mit den dortigen Tempeln vergleichen...

3. Shopping und Essen

a) Allgemeines
Noch (?) sind nahezu alle Sachen, die das Shopper-Herz begehrt, in Saigon recht billig. T-Shirts (Klassiker: Rot mit gelbem Stern) sind für 1-2 USD überall zu erwerben, billige Raubkopien von Büchern, CD’s, DVD’s, Klamotten, Koffern - alles, alles zu haben.
Wie immer gilt es, kräftig und freundlich zu handeln. 50% des ursprünglich geforderten Preises sind meist noch zu viel, aber akzeptabel. Allerdings haben einige Dinge auch Festpreise (allerdings nicht die Raubkopien und Klamotten, dort bis zum Umfallen feilschen!), so daß man auf einigen Ärger stoßen kann, wenn man auf Teufel komm’ raus feilschen will.
Die Qualität der Waren entspricht aber leider allzuoft auch dem Preis. Wirklich immer alles genau prüfen (Nähte, Stoff, Färbung etc.). Die Größenangaben sind frei erfunden, immer Anprobieren. Und einige Kopien sind manchmal gnadenlos schlecht. So wird aus Reebok gerne einmal Recbok, aus Converse Convese etc. Also aufgepaßt.

Nahezu jeder Verkäufer will sich mit dem Verkauf an Touristen sanieren, was ich übrigens in Ordnung finde. Im Ergebnis habe ich zumeist mehr gezahlt als ich eigentlich hätte müssen, hätte ich noch weiter gefeilscht. Aber 2 USD für ein T-Shirt sind für mich in Ordnung, auch wenn ich’s für einen hätte haben können. Für die Leute dort ist’s viel Geld.

b) Ben Thanh Market
Der alte Markt, ganz in der Nähe der Backpacker-Gegend. Eine Sehenswürdigkeit für sich. Hier gibt es ALLES - und man kann auch sehr gut und „local“ essen. Wirklich super. Allerdings sind die Verkäufer sehr aufdringlich, besonders bei dem Klamottenteil. Und: Taschendieb-Paradies!

c) Bung Tung Xeo Restaurant
In der Straße Ly Tu Trong, ein wirklich günstiges und wirklich gutes Restaurant, viele Vietnamesen essen auch dort. Im Grunde eine Art Biergarten mit Plastikstühlen, sieht ein wenig merkwürdig aus. Aber mein absoluter Favorit.
Neben wohl für Touristen eingeführten „Spezialitäten“ wie Skorpion und Schlange gibt es auch die traditionellen Gerichte. Besonders zu empfehlen (da hat der Lonely Planet Führer recht) ist das Hausgericht bo tung xeo: Rindfleisch, das man selbst am Tisch auf einem Kohlegrill brät. Großartig, und sehr günstig. Dazu Kokosnuß bestellen, auch günstig. Ein Essen hier kostet fast die Hälfte vom Essen in der Backpacker-Gegend und ist 100 x besser. Unbedingt ausprobieren! Nach dem Reiseführer soll auch das Seafood hier gut sein. Den Kaffee würde ich allerdings woanders trinken....

d) Lemon Grass Restaurant
Wer’s etwas feiner liebt, wird hier einen schönen Abend verleben können. Das Essen ist sehr, sehr gut, im Vergleich aber nicht wirklich billig. Etwas versteckt in einer Seitenstraße (Nguyen Thiep), aber doch so beliebt, daß manchmal kein Tisch zu bekommen ist. Der Banana Cake als Nachtisch ist dringend zu empfehlen! Nettes, ruhiges Ambiente. Besser nicht in kurzen, dreckigen Hosen und ärmellosen T-Shirt kommen....

4. Finale
Wie die meisten Finale hält auch dieses nicht, was der Titel „Finale“ verspricht. Dennoch kann ich nur jedermann und jederfrau dazu raten, Ho Chi Minh Stadt bzw. Saigon zu besuchen. Hier tobt das Leben, hier ist Asien noch Asien, hier gibt es noch Sozialismus, der zum Kapitalismus wird. Zum Besuch der Stadt genügen 3 Tage, wenn nur ein Eindruck gesammelt werden soll. Allerdings muß man dann auf viel verzichten, u.a. auf Ausflüge in die nähere Umgebung und ein genaueres Erkunden der Stadt.
Ich jedenfalls habe meine drei Tage in Saigon sehr genossen, habe sehr gut und günstig gelebt und eingekauft und werde gerne wiederkommen.

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Kommentare

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  • diorina100 15.01.2010 14:17
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • cathana 24.11.2009 14:03
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • esp1 19.07.2008 09:25
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    ich war schon vor acht jahren mal in saigon freue mich, dass ich es im nächsten jänner mal wieder dorthin schaffen werde. lg

  • Leo56 15.07.2006 08:44
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • HIMSweety 24.01.2005 08:55
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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