Russland, Wissenswertes

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Urlaub am Ende der Welt-Sibirien

5  05.04.2004 (26.04.2004)

Pro:
Natur wie sie Gott erschaffen hat

Kontra:
Lange Anreise

Empfehlenswert: Ja 

uwekil

Über sich:

Mitglied seit:10.06.2003

Erfahrungsberichte:29

Vertrauende:7

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 67 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wie schon beschrieben war ich im Auftrag meiner Firma ein 3/4 Jahr in Russland genauer in Sibirien.
Sibirien,so groß wie ganz Europa ist im Westen der Inbegriff für Weite und Kälte,im Sommer kann es aber auch sehr heiß werden.
Es ist ein Land der unendlichen Weite.
Hügelketten werden zu Gebirgen,wieder zu Hügeln und erneut zu hohen Bergketten.
Eben noch Steppengras dann schon wieder glitzernde Birkenwälder,viele schwarzblaue Seen und dräge dahin fließende Flüsse.
Blau und Grün dominieren im Sommer im Winter geht alles in ein feines nuanciertes weiß über.

Da ich viele Freunde in Russland habe muß ich ab und zu einmal einen Freund besuchen dem ich es versprochen hatte und dazu nutze ich meinen Urlaub.So hat es mich im August 2003 14 Tage nach Ulan -Soljansk verschlagen,ein Dörfchen in der Nähe von Koljansk direkt am Baikal.Das Dorf besteht seit 67 Jahren und hat 378 Einwohner. Der Baikalsee ist einzigartig,mit bis zu 1620 m Tiefe ist er tiefte See der Welt und eines der größten Speißewasser-Reservoire der Erde,die ihn umgebenden Gebirgszüge sind mit dichten Wald bedeckt.

Von Berlin bis Moskau bin ich mit dem Zug gefahren dann weiter mit der Transsibirischen Eisenbahn.Die TSE wurde 1899 das erste mal befahren,1916 mit südlicher Umgehung vervollständigt.Die gesamte Strecke ist 9296 km lang.Der Zug besteht in der Regel aus 15 Wagen+1 Postwagen+1 Speisewagen.
Jeder Wagen verfügt über Kohleheizung,1 Samowar und hat 2 Waschräume mit WC.
Das Abteil 2. Klasse hat Platz für 4 Personen.
Von Ulan Ude bin ich dann noch gut 600 km mit einer AN 24 bis Koljansk geflogen,die letzten 234 km bis zu meinen Ziel mußte ich mit dem "Sibirien Taxi" meines Freundes mit fahren,dies war ein altes Beiwagenmotorrad mit der Typenbezeichnung "Molotov".Mir tut noch heute alles weh wenn ich nur daran denke,nichts für verwöhnte Wohlstandspopos.

Reisezeit ab Berlin bis Ulan Soljansk 5 Tage und 8 Stunden.
Reisepreis ca.300 € für eine Tour.
Man kann auch von Moskau bis Ulan Ude fliegen aber die Bahn ist sicherer und billiger.

Der erste Blick auf das Dorf war überwältigend,ein riesen großer azurblauer See,nein Meer,umgeben von unentlichen Wäldern und dazu schöne alte Holzhäuser.
Das Dorf liegt liegt auf einer kleinen Anhöhe hat ca. 80 Häuser und eine Strasse die man im Sommer vor Staub nicht sieht und wehe es gibt Regen dann ist dies die reinste Schlammwüste.
Hier ist ein Haus bunter als das andere immer wenn es irgenwo Farbe gibt wird irgendwas angemalt und so wie es aussieht gab es die letzte Zeit viel Blau.
Oft habe ich gesehen das man für Gardinen die "Prawda"nimmt oder das Fische im Fenster getrocknet werden.
Ordnung sowie wir sie kennen kennt der Russe nicht da wird das was man gerade in der Hand hat und nicht mehr braucht dort fallen gelassen wo man steht.
Im Somer sieht man oft die alten Großmütterchen vor ihren Häusern sitzen ihre Bekleidung ist dann genau so bunt wie die Holzhäuser und fragt man sie nach den Alter erschreckt man sich das es so alte Menschen gibt.
Die Männer des Dorfes sind in der Regel alle ohne Arbeit und der Tagesinhalt besteht oft darin zu saufen und Wodka herzustellen welcher dann auf irgend welchen Wegen in die Großstädte geschmuckelt wird und so kommen dann immer ein paar Rubel in die Haushaltskasse.
Einen Laden oder eine Kneipe wird man hier nicht finden,der nächste Laden ist z.B. 234 km weg,deswegen wird Selbstversorgung ganz groß geschrieben.
Die Dorfkirche wurde zu Sowjetzeiten zu einen Schweinestall umgebaut heute ist sie wieder das was sie mal war und sie hat wunderschöne alte Ikonen und einen Popen der gerne mal einen über den Durst trinkt und irgend wie habe ich immer das Gefühl gehabt er ist der Schmuckelboss und im Nebenberuf war er auch noch der Dorfpolizist,welche eine Ironie.
Eine Schule gibt es noch ,aber es fehlen die Schüler denn die meisten jungen Leute verlassen fluchtartig diese Gegend.

Am ersten Abend wurde ich vom ganzen Dorf begrüßt,da man in dieser Gegend noch keinen Deutschen gesehen hat muß ich irgend wie etwas besonderes gewesen sein und so wurde beschlossen am nächsten Tag ein Dorffest aus zu richten.
Nun war es mir peinlich das so viele Menschen Ihr letztes geben für ein Fest,ein Fest für mich.Sollte man aber diese Gastfreundschaft abschlagen kann man gleich seine Koffer packen und zu Fuß nach Deutschland zurück gehen.
Nun wurde gefeiert,viel gegessen,viel getrunken,gesungen,gelacht und getanzt.
Für Neugierige es gab folgendes:
-Bortsch (rote Rübensuppe)*
-Soljanka*
-Hammelbraten**
-Fischsuppe*
-Brot**
-Speck
-eingelegte Gurken und Sauerkraut**
-Schweineeier(ist ein Kartoffelgericht hat mit den Eiern eines Schweines nichts zu tun) **
-Kwas*und,und.......dazu viel viel Wodka***
  • siehe meine Berichte,dort als Rezept vorhanden
  • * Rezept folgt
  • **Rezept folgt nicht,denn ich glaube in Deutschland würde man es nicht gerne sehen wenn Papa Schulze im Garten eine Distille aufbaut.
    Da ich schon Erfahrung habe beim trinken von selbstgemachten Wodka war ich diesmal vorsichtig und so war der nachfolgende Tag nicht "versaut" .

Gewohnt habe ich in der hier typischen Holzhütte,besser gesagt Holzhaus.
Das Haus ist 46 Jahre alt und noch immer gut in Schuß gewesen.
Es gibt zwei große Räume mit Ofen,ein großes Wohnzimmer,zwei Schlafzimmer,ein Abstellraum und eine Küche.
Ein Bad und ein WC sucht man im Haus vergebens,ein Klo gibt es auf dem Hof,dazu später mehr.
Ich durfte auf dem Ehrenplatz auf dem großen Ofen schlafen oder sagt man besser ein Bett was von unten Feuer bekommt.
Im Winter bestimmt schön aber mir war es im Sommer viel zu warm.
Ansonsten war alles sehr solide aber spartanisch eingerichtet,fast alles selbst gebaut,denn Ikea gibt es hier noch nicht.
Zum Inventar gehören noch 4 Katzen,2 Hunde,3 Ziegen, 7 Schafe,2 Kühe und 2Schweine.Einer der Hunde ein "Mops-Gedackelter-Dopermans-Pinscher"hat mich auf Schritt und Tritt verfolgt wiel ich den großen Fehler gemacht habe und habe ihn "Leckerlie" gegeben.

Das Nutzvieh ist dazu da um hier auch in schlechten Zeiten zu überleben denn einen Aldi etc. gibt es hier nicht und so ist man hier auf Selbstversorgung angewiesen.
Zum Überleben gehöhrt auch ein Boot und das dazu gehörige Angelzeug.

Mein Freund Igor (46) ist Hubschrauberpilot,verheiratet mit Maria (45) und beide haben 5 Kinder im Alter von 20,18,12,8,4 Jahren.Die Ältesten,zwei Jungen,sind zur Zeit bei der Armee. Die 3 Mädchen sind noch bei Mama und Papa zu Hause.Im Haus leben noch Opa und Oma beide 69 Jahre alt.
Igor verdient im Monat ca. 500 € aber das hängt vom Wetter ab und so kann es sein das es auch mal nichts gibt.

Mich hat hier die so unbeschreiblich schöne Natur begeistert,eine Natur die der Mensch noch nicht vernichtet hat, aber man beginnt auch hier die gleichen Fehler zu machen wie die restliche Menschheit. So habe ich gesehen wie am Strand Autos gewaschen werden sogar mit Ölwechsel.Man schmeißt alles in den See was man nicht mehr braucht,die Abwässer werden natürlich auch in den See geleitet.
Ein Dorfbewohner hat mir gesagt das das Militär seine Panzer im See reinigt und alles in ihn schmeißt was es nicht mehr braucht,aber keiner sagt hier etwas weil es halt normal ist und die etwas sagen werden belächelt.
Wenn man aber sonst einen Blick hat für schönes kann man sich gar nicht satt sehen,hier gibt es Vögel die ich nur aus Bilderbüchern kenne.
Angeln macht hier keinen Spass,denn sobald man die Angel ins Wasser wirft ist schon ein Fisch dran und keiner unter 3kg,na gut es waren auch kleinere.
Meine Freizeit habe ich dazu genutzt um zu sehen und zu lernen wie die Leute hier über die Runden kommen und so habe ich gelernt wie man Kühe melkt,wie man Käse und Butter herstellt,wie man Fisch haltbar macht ,wie man kocht und......
Viel Zeit habe ich auch in den wunderschönen Wäldern verbracht und man sagte mir hier wachsen Pilze solche großen soll ich noch nie gesehen haben.

Wie groß der See ist habe ich erst gesehen als mich mein Freund zu einen Flug mit genommen hat.
Als ich den Hubschrauber gesehen habe,eine alte MI8,wollte ich doch lieber am Boden bleiben aber mir fiehl keine Ausrede ein.
Dieses Ding sah aus als wäre es aus Schrotteilen zusammen gebaut,20 Jahre alt und soviel Flugstunden das man sie schon gar nicht mehr zählen kann.
Bei meinen Flug waren noch anwesend 8 Leutchen,1 Schwein,2 Schafe und unzählige Kisten,Pakete und Behälter.
Es ging von(?) bis nach Barakutsch ein Nest mit ca. 800 Einwohnern,wir sind ungefähr 500 km an der Küste entlang geflogen.
Ich sage Euch so richtig habe ich gar nichts von der schönen Natur gesehen denn meine ganze Konzentration hat das Fluggerät in Anspruch genommen.Ich habe gesehen wie sich die Nieten bewegten,ich habe gesehen wie die Bodenbleche sich bewegen,es hat an allen Ecken gezogen,der Gestank war unerträglich und Lärm das mir noch heute die Ohren weh tun.
Meine Mitflieger hat dies alles nicht gestört und ihr Glaube an die russische Technik hat mich begeisert.Was ich jedoch gesehen habe war das der Baikal so klar ist das man denken könnte er wäre mit Leitungswasser gefüllt und die Wälder sind so dicht das man denken könnte es wäre eine zusammen hängende Baumkrone.

Die 14 Tage mußte ich meine europäischen Gewohnheiten ablegen,dies ging übers essen,trinken,waschen ,aufs Klo gehen bis hin zum heimischen TV.
Ich wollte nach der Feier so behandelt werden wie alle anderen und so kann ich ja mal den Speiseplan auf schreiben der sich nie geändert hat,jeden Tag das gleiche.
Frühs:1 Glas Tee,Brot,Butter,Speck,Honig
Mittags:Suppe oder Grütze
Abends:Suppe,Brot,Speck,Tee
Fleisch oder Fisch gab es nur am Wochenende.
Gewaschen wurde sich in der Regel im Freien am Brunnen oder direkt im See.
Ja das Klo war so ein Ding,ich mußte es mit "Sie"anreden damit es nicht zusammenfällt oder man einbricht.Es war eine selbstgebaute Hütte die schief und krumm in der Natur stand,zum Glück konnte man sitzen aber lange hielt man das nicht aus bei den Fliegen im Sommer und im Winter weiß ich nicht wie die es machen????Um das ganze "Sch...haus" wuchsen wunderschöne Weintrauben aus denen wird auch Wein gemacht aber ich hatte immer eine Ausrede wenn ich ihn kosten sollte.
Ja wer sonst Wohlstand gewohnt ist für den ist schon ein Blumsklo Luxus.
Luxus ist auch das man inder Regel12 Stunden Strom hat,Luxus ist das jeder 12. einen TV besitzt mit dem man auch bei etwas Glück Radio Peking empfängt.

Hierher sollte man alle schicken denen es bei uns zu gut geht und die immer noch meckern,die denen schon alles zu Kopf gestiegen ist voran unsrere Politiker egal wie ihr Name ist oder aus welcher Partei sie sind ,vieleicht kommen sie zur Realität zurück?!


Leider haben wir noch kein Geruchsinternet sonst könntet Ihr richen wie der Duft von unverbrauchter Natur ist es fehlt hier unser Wohlstandsduft und an die Stille Nachts muß man sich auch erst gewöhnen,Nachts spricht nur die Natur.

Oft frage ich mich auch was passieren würde wenn es plötzlich einen großen Knall geben würde und die Verhältnisse würden sich umkehren,ich glaube der Russe würde sich ganz schnell an den Wohlstand gewöhnen aber würden wir klar kommen????

Am vorletzten Tag hatte ich noch das Glück eine größere Reise mit einen Motorboot mit zu machen.Das Boot war zwar Altersschwach aber es ging trotzdem nicht unter.
Unser Kapitän hat uns wunderschöne Stellen gezeigt,Stellen an die sonst kein Tourist kommt.
Es ist ein schönes Erlebniss bei +35 Grad im kühlen,glasklaren Wasser zu baden und nach den baden selbstgemachte Fischsuppe zu essen und diese noch am Lagerfeuer.
Wenn man dann noch das Glück hat freilaufende Bären zu sehen dann wird man diesen Tag immer vor sich haben wenn man wieder in Old Germany ist.

Nun geht irgend wann auch mal die schönste Zeit vorbei und der Tag des Abschiedes naht.
Ich habe am letzten Tag alles verschenkt was ich so an Luxusgütern noch hatte.So bekamm Oma mein Shampo,Opa meine Rasiercreme,Papa mein Rasierwasser,Maria meine Seife und die Kinder alle Süßigkeiten die ich noch hatte.
Für uns hat dieser Kram keinen Wert aber hier ist das wirglich Luxusware.

Ich danke dir Mütterchen Russland für die schöne Zeit und ich verspreche dir ich komme wieder.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ytraveller

ytraveller

23.09.2008 13:25

Ich war selbst schon in Sibirien, habe auch Berichte darüber geschrieben und kann gut nachvollziehen, was du dort erlebt hast. Danke für diesen tollen Bericht. LG, Stephan

oLeG.h

oLeG.h

03.07.2004 20:22

super, danke für dein bericht.

kissa

kissa

25.06.2004 11:57

sehr schöner Bericht, super Abenteuerurlaub, ist bestimmt nichts für Schwächlinge, aber so eine Gastfreundschaft, Zusammenhalt und Mitgefühl gibt es bestimmt nicht so oft. Und ich denke, das der Autor so was nie vergessen wird.

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