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Rocco, Hamburg

Erfahrungsbericht

für Rocco, Hamburg
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1 Stern Wenn die Gondeln Trauer tragen
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Empfehlenswert: Nein

Pro Das Essen war ganz ok

Kontra Service, Ambiente, Hygiene

Der Autor

MissVega Seit 28 Feb 2007

Jubiläums-Stammtisch in Hamburg am 8. September 2012! Auf ein Fünftes! Das solltet Ihr Euch nicht... mehr

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Freunde luden mich vor kurzem spontan ein, Freitag Abend zum Italiener Essen zu gehen. Es sollte Rocco sein, ein Szene-Italiener im Hamburger Schanzenviertel. Das Schanzenviertel hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem sehr beliebten, modernen und innovativen Viertel in Hamburg entwickelt. Es gibt eine Fülle kleiner, spezieller Läden, Kinos, Bars, Discos und Restaurants. Vom kleinen portugiesischen Café über den Sushi-Laden an der Ecke bis hin zu alteingesessenen Restaurants ist alles vertreten.

Nun also zu Rocco… der Laden ist ungefähr so italienisch wie Paella… also gar nicht. Man kommt herein und wird fast erschlagen vom allgemeinen Lautstärkepegel und zwar nicht mehr verrauchter, aber verbrauchter Luft. Bei Rocco ist es rappelvoll auf engem Raum. Die Gäste verteilen sich auf verschiedene Räume, sitzen aber mehr oder weniger überall wie die sprichwörtlichen Sardinen in der Dose. Meist muss man etwas warten, da alle Tische abends belegt sind (zumindest zur Haupt-Essenszeit der Deutschen, gegen 20:00 Uhr). Dies tut man neben der Theke mit einem halbvollen Glas Prosecco. Leider steht man dabei wahlweise den Kellnern im Weg oder nervt die direkt neben einem sitzenden Gäste mit seiner Präsenz. Viele Tische sind ungünstig platziert (unter Lautsprechern, direkt neben dem Tresen- und Küchenbereich, mitten im zugigen Eingangsbereich) und überall hat man nur sehr wenig Platz. Nach 15 Minuten bekommen wir einen Tisch im hinteren Teil des Restaurants zugewiesen. Rasch wird der Tisch von den Essensresten der Vorgänger befreit (Geschirr abräumen und einmal mit einem Handtuch über den Tisch wedeln) und wir dürfen uns zu fünft auf geschätzten 60x80 cm abgewetztem semisauberem Holztisch "ausbreiten". Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, sobald der Tisch mit fünf Gläsern und der gleichen Anzahl Teller und Besteck, inkl. Servietten, Salz- und Pfefferstreuer, Essig und Öl, Zucker, einem Schälchen Parmesan und einem Brotkorb vollgestellt wurde.

Aus allen Boxen dröhnt ziemlich laute Discomusik und der Gesprächs-Geräuschpegel versucht noch einen draufzusetzen, damit man sich wenigstens halbwegs verständigen kann. Eine flüssige, entspannte Unterhaltung ist unter diesen Umständen nicht möglich. Die Kellner brüllen einem beim Empfang ein "Buona Sera" entgegen und eilen flugs weiter Richtung (offener) Küche oder Gäste. Sie rufen sich auch gern über die gesamte Fläche des Ladens irgendetwas auf italienisch zu. Und sie sind permanent in Bewegung, rücken Stühle, rennen zum Antipasti-Buffet, wo sie eine Auswahl von Vorspeisen mit Schwung auf die Teller knallen, volle Gläser auf Tabletts balancieren und überschwappen lassen, die Teller fast auf den Tisch fallen lassen und dann auch schon wieder wegrennen, bevor man auch nur den Hauch einer Chance hat, evtl. mal etwa nachzubestellen oder auch nur zu fragen. Man mag sie gar nicht mit seinen Wünschen behelligen, weil sie darüber hinaus auch nicht den Eindruck erwecken, als würde sie das interessieren. Auf mich wirkte das Ganze ziemlich unprofessionell. Ein guter Kellner muss weder permanent rennen noch durch den ganzen Laden schreien. Dann hat er seinen Job nicht richtig im Griff und es wirkt auch nicht "italienisch" sondern einfach nur unzureichend. Ich habe zwischendurch mal meinen Puls gefühlt, weil ich durch diese ganze übertrieben dargestellte Hektik das Gefühl hatte, auch mein Puls müsse sich gen 180 bewegen.

Das Essen: Erstmal fällt die Auswahl schwer, da der gesamte Raum nur durch Kerzen erleuchtet wird, und das heißt hier, eine Kerze pro Tisch. Einerseits gut, so kann man nur erahnen, wann Wände und Decke das letzte Mal frische Farbe gesehen haben (ich schätze, so zwischen 1983 und 85, aber ich will mich da nicht allzu genau festlegen), andererseits blöd, weil man so auch nur erahnen kann, was wohl auf der Speisekarte steht. Ich bin etwas verwundert, dass bei diesem angeblich so beliebten Kult-Italiener fast nur die ganz klassischen und altmodischen Gerichte auf der Karte stehen. Von einfallslosen Spaghetti Bolognese bis hin zu Pizza Margarita fühle ich mich auch hier wieder an die 80er Jahre erinnert. Standard- Vor-, Haupt- und Nachspeisen, nur die Spaghetti mit Lachs fallen vielleicht ein ganz klein wenig aus dem Rahmen. Meine Pizza Rucola war ok, allerdings mit dem stumpfen Messer, welches zur Pizza gereicht wurde, kaum zu schneiden. Auch der Salat war lecker, aber auch hier: nicht mehr als Mittelmaß. Die Preise sind ok (Hauptgerichte zwischen € 6,50 und 12,-), es könnte für diese Durchschnittsküche zwar etwas weniger sein, aber es ist noch im Rahmen, da alles zumindest frisch zubereitet wirkt. Der Rotwein kommt in etikettlosen Halbliterflaschen daher und schmeckt nach "Vino di Casa", nicht doll.

Die sanitären Anlagen gehören dringend gewartet und gesäubert, ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, aber das war weit unter Durchschnitt und einem zahlenden Gast nicht zuzumuten. Wenn schon die Toiletten, die jedermann zugänglich sind, nicht saubergehalten werden, wie mag es dann in der Küche gehandhabt werden, wo nur das Personal Zugang hat? Lieber nicht weiter drüber nachdenken…

Fazit: Ich halte dieses Restaurant für weit überschätzt, weder Service, noch Speisen noch Ambiente konnten mich überzeugen. Man wird in einem lauten, vollen Raum mit viel zu lauter, unpassender Musik beschallt, fühlt sich von den Kellnern ignoriert bis notdürftig versorgt, kann sich in dieser hektischen Atmosphäre überhaupt nicht entspannen, geschweige denn unterhalten, bekommt dafür bestenfalls eine Mamma Miracoli-ähnliche Küche und billigen Wein vorgesetzt und muss sich dann noch mit sehr fragwürdigen hygienischen Anlagen zufrieden geben. Warum und woher Rocco seinen Kultstatus hat und warum der Laden immer voll ist, erschließt sich mir überhaupt nicht. Es ist weder authentisch italienisch, noch gemütlich, noch lecker noch wird man gut und zuvorkommend bedient. Aber vielleicht darf man das nicht laut sagen, wäre ja vielleicht uncool, Rocco uncool zu finden. So szene-orientiert bin ich dann zum Glück doch nicht, da gehe ich lieber in einen Laden, wo ich mich unterhalten kann, ein Grundgefühl von Sauberkeit vorherrscht, sich die Kellner unter dem Wort "Service" etwas mehr vorstellen können, als mir auf dem Weg nach draußen ein "Ciao, Bella" ins Ohr zu brüllen und wo ich innovative italienische Küche auf der Karte finde und nicht nur Pizza Funghi und Spaghetti Napoli. Weiterzuempfehlen an junge Leute, die nicht viel Wert auf Umgebung, Essen und Service legen, dafür auf volle Läden und laute Musik und die gerne mal bei "Rocco" gewesen sein wollen, damit sie sagen können, sie sind bei Rocco gewesen und wurden ganz toll italienisch begrüßt und bedient. Ok für alle, die von der italienischen Küche nicht viel erwarten und darauf hoffen, den ein oder anderen B-Promi zu sichten (an "meinem" Abend war Blümchen Jasmin Wagner da). Für alle anderen: Lieber in ein gutes Restaurant gehen oder zu Hause mit Mamma Miracoli Spaghetti kochen.

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Kommentare

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  • Deluxe879 15.03.2011 19:54
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Da wird es mich mit Sicherheit nicht rein verschlagen.... lieber griechisch *g* LG

  • nadine1978 10.08.2010 15:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Biomasse 14.06.2010 18:49
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • thomas_kretschmer 28.02.2010 17:53
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • xXMegamiXx 12.01.2010 11:44
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Du gehst zu nem Italiener und isst nach deinem Salat noch ne Pizza MIT Salat DRAUF? Du bist höchst seltsam. Genau wie der Laden, den du hier beschreibst.

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