Über sich:Reisen und vor allem Südostasien, Internet und Städte sind meine Lieblingsthemen. Ich lese hier alle...
Mitglied seit:02.02.2000
Erfahrungsberichte:192
Vertrauende:76
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 49 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wen es geschäftlich nach Hongkong verschlägt, um als Besucher oder Aussteller an einer der Messen teilzunehmen, ist im Renaissance Harbour View Hotel gut aufgehoben. Ich war jetzt schon zwei Mal dort und weiß die Nähe zum Hongkong Convention and Exhibition Center sehr zu schätzen. Vom Hotelzimmer bis zu den Messehallen sind es zu Fuß vielleicht sechs Minuten. Als Anzug-und-Krawattenträger weiß man es auch sehr zu schätzen, dass man den allergrößten Teil des Weges in klimatisierten Bereichen zurücklegt. Auch Hongkong kann sehr heiß und schwül werden.
Mich werdet ihr wahrscheinlich wieder Mitte November auf der Cosmoprof Asia 2004 dort wieder finden.
Das Hotel gehört zur Marriott-Gruppe und man erhält auch Boni auf die Umsätze, die man dem Hotel beschert
**** Lage ****
Das Hotel liegt am Hafen von Wanchai auf der Hauptinsel Victoria. (1 Harbour Road , Wanchai) Wie schon erwähnt, grenzt das Messezentrum direkt ans Hotel. Entsprechend setzt sich die Klientel überwiegend aus Geschäftsleuten und Flugzeug-Besatzungen zusammen. Zu Fuß sind es auch nur ein paar Schritte zur Fähre auf die andere Seite, in das quirligere Kowloon. Man ist jedoch auch sehr schnell in der Innenstadt von Victoria und es ist ein echtes Erlebnis, nach Einbruch der Dunkelheit durch die tiefen Häuserschluchten zu bummeln, die bunt von den vielen Neonreklamen sind. Alle Geschäfte und Restaurants haben geöffnet. Noch um zehn, elf Uhr sieht man Büroangestellte in Anzug und Krawatte durch die Straßen wuseln, um nach Hause zu gelangen. Selbst um Mitternacht herrscht dort übrigens hektisches Treiben; die Fußgängerampeln lassen für Blinde durch lautes Rattern akustisch vernehmen, das man jetzt die Straße überqueren kann. Erholung nach einem anstregenden Tag auf der Messe ist somit natürlich kaum zu erlangen – Hongkong und vor allem Victoria sind anstrengend. Vom Erholungsfaktor der näheren Umgebung aus gesehen liegt das Hotel nicht gerade günstig.
Dafür befinden sich in der Nähe zwei Supermärkte, einer davon gehört zu der allen Asien-Reisenden bestens bekannten Kette Seven-Eleven. Man kann sich also auch recht preisgünstig mit Getränken, kleinen Snacks, Süßigkeiten oder Zeitungen versorgen. Auch ein paar billigere Restaurants als Alternativen zum teuren hoteleigenen Fresstempel sind in unmittelbarer Nähe.
Zwei Drittel der 860 Zimmer haben Blick über den Hafen und die Meerenge bis hinüber nach Kowloon. Da ich in Hongkong immer abends im Dunkeln ankomme, sind die Vorhänge im
Zimmer natürlich schon zugezogen. Einer der aufregendsten Momente für mich war es jedoch, als ich am ersten Morgen meines ersten Aufenthaltes nach dem Aufstehen den schweren Vorhang zurückzog und somit aus dem Panoramafenster einen wirklich Atem beraubenden Blick auf die Kowloon-Seite hatte, auf der auch schon längst riesige Wolkenkratzer die Szenerie bestimmen. Ich habe wohl fünf Minuten da gestanden und nur noch gestaunt, währen durch die dicken Scheiben nur sehr gedämpft das Tosen des Verkehrs dröhnte.
**** Das Hotel als solches ****
Die Rezeption befindet sich im ersten Stock, wo auch eine riesige Hotel-Lobby samt Bar und einer kleinen Bühne untergebracht sind. Der Check-In verläuft schnell und effektiv. Bis zu 1000 Hongkong-Dollar sind als Sicherheit für die Schließkarte und die Mini-Bar zu hinterlegen. Etwa zehn Angestellte befinden sich an der Rezeption und wickeln die Formalitäten ab. Schnell, aber wenig herzlich. Das passt jedoch ganz gut zu Hongkong, denn die Herzlichkeit und Offenheit, wie ich sie in Thailand, Indonesien oder auch Dubai sehr zu schätzen gelernt habe, fehlt einfach den Leuten in einer Stadt, in der man keine Hippies mag und wo, so böse Zungen, schon ein Hippie ist, wer die Krawatte ablegt. (Tatsächlich bin ich als Geschäftsreisender mit sehr viel mehr Höflichkeit behandelt worden als vor drei Jahren, als ich als Tourist in die Stadt gekommen war. Damals hatte ich mir die Achtung des Hotelpersonals erst ziemlich erarbeiten müssen – siehe auch mein Hongkong-Bericht. In Dubai war der Unterschied wesentlich geringer.)
Beim Check-out erhält man dann sein Pfand zurück, wenn alles in Ordnung ist. Passt aber auf, wenn ihr später im Zimmer die Fernsehprogramme ausprobiert. Mein Kollege muss da wohl den gebührenpflichtigen Porno-Kanal erwischt haben und beim Check-Out wollten sie den gesamten Film bezahlt bekommen. Ich habe dann den Leutchen schon mit einiger Mühe klar machen müssen, dass das wohl ein Versehen war, denn wer schaut sich schon für eine Minute einen Porno an? Und dann den ganzen Film löhnen? Ein dezenter Hinweis darauf, dass wir nicht zum ersten Mal in dem Hotel waren und es auch noch andere Alternativen in Hongkong gäbe, war dann jedoch überzeugend genug.
Diese Schließkarte, mit der man sein Zimmer öffnet und die Elektrizität im Zimmer in Gang setzt, ist auch zugleich der Motor für den Fahrstuhl. Betritt man nämlich den Lift, passiert erst einmal gar nichts, wenn man auf die Knöpfe drückt. Einer der Fahrgäste muss erst einmal die Karte in den Schlitz stecken, um den Fahrstuhl zu aktivieren.
**** Die Atmosphäre im Hotel ****
Diese ist natürlich gedämpft, gediegen, reichlich förmlich, vielleicht ein wenig spießig. Mein Bruder würde das als „Absteige für Geschäftsleute“ bezeichnen. Auf den Gängen wandelt man auf dicken blauen Teppichen, die jeden Laut verschlucken, und gedämpfte Musik auf diesen Gängen sowie im Fahrstuhl vermitteln ein Gefühl von Ruhe. Ein bisschen habe ich gemerkt, dass ich da schon selbst einige Unarten annehme. Da es sich ja nun mal durch den Umstand, dass ich rein geschäftlich dort bin, so ergibt, dass ich nur in Anzug und Krawatte dort herumlaufe, habe ich mich dann und wann schon dabei ertappt, auf die Touristen herabzublicken, die sich dorthin verirrt haben, auch wenn sie sich ähnlich gepflegt kleiden und geben, wie ich das selbst vor drei Jahren getan habe. Es ist einfach alles auf zahlungskräftige Geschäftleute und Offizielle abgestellt. Dieses Gefühl der Überheblichkeit vergeht jedoch sehr schnell, wenn man mal schnell auf ein Bierchen in die Hotelbar geht und dann umgerechnet 17 Euro dafür los wird...
Für die Entspannung gibt es ein Fitnesscenter inkl. Massage. Dieses befindet sich, eingebettet in die Wolkenkratzer, auf einer Freifläche, auf die man vom 11. Stockwerk gelangt. Das ist schon eine feine Sache. Swimming-Pool und eine Gartenlandschaft, die von allen Seiten von Hochhäusern umgeben ist und sich selbst auf dem Dach eines Hauses befindet. Von dort hat man auch Zugang zu den anderen Hotels in unmittelbarer Nachbarschaft. Vor allem nachts ein tolles Erlebnis. Umgerechnet 90 Euro für eine Stunde Massage, die mir nach zehn Stunden Messestand sicherlich gut getan hätten, habe ich mir dann aber doch abgeschminkt.
**** Die Zimmer ****
War ich bei meinem ersten Aufenthalt im November 2002 noch ganz angetan, war ich letztes Jahr ein wenig erschüttert: 2000 Honkong-Dollar (222 Euro) pro Nacht und als erstes schleppen sie mich in ein Zimmer, in dem es faulig und moderig aus dem Bad riecht. Aufpassen, Leute! Ansonsten sind die Zimmer zweckmäßig und ca. 25 m² groß. Wie schon erwähnt, aktiviert man die Elektrizität mit der Schließkarte. Neben den Schaltern im ganzen Raum befindet sich am Bett ein Switchboard, so dass man vom Bett aus sämtliche Lichter löschen und Radio und Fernseher ausschalten kann. Telefone befinden sich direkt am Bett und an der Toilette, damit man auch immer erreichbar ist. Beim Spülen läuft stets blaues Wasser nach. Desinfizierungsmittel und WC-Erfrischer sind also schon im Wasserkasten enthalten, um geruchsmäßig die Erinnerung an den letzten Toilettengang schnell verblassen zu lassen.
Eine Stärke des Renaissance Harbour View Hotels ist es, dass ihr außer euren Klamotten und einer Haarbürste wirklich nichts mitzubringen braucht. Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürste (allerdings mit harten Borsten), Seife, Bademantel, Badelatschen, Bügelbrett und –eisen sind vorhanden. Diesen Service habe ich nicht in jedem Geschäftshotel kennen gelernt. Mit Grausen denke ich da an das völlig überteuerte World Trade Center Hotel in Dubai, aber dieser Schuppen wird ja jetzt eh abgerissen.
Neben dem obligatorischen Schreibtisch, mehreren Sesseln, einem Cocktail-Tisch und Minibar befinden sich in den Zimmern auch Anschlussmöglichkeiten für Laptops. Dafür fallen Gebühren ab 60 HK-Dollar (7 Euro) an; Internet-Nutzung kostet pro Tag 160 – 210 HK-Dollar (17,50 – 23 Euro). Selbstredend, dass sich auch Faxgeräte auf den Zimmern befinden. Als Zugabe gibt es dann kostenlos jeden Morgen „The Standard“ als tägliche Zeitungslektüre, ein reines Wirtschaftsblatt. Nee, als Tourist würde ich mich dort wohl nicht so wohl fühlen...
Die Minibar habe ich wie üblich nicht mal angerührt. Der Wasserkocher und kostenlos Wasser, Teebeutel (Lipton), Kaffeepulver, Milchpulver und Zucker machen das jedoch auch ziemlich überflüssig.
Auf deutschsprachiges Programm braucht man im Fernsehen nicht zu verzichten. Die Deutsche Welle lässt sich dort empfangen, was ich schon in Thailand auch in einfacheren Hotels festgestellt habe.
In den Zimmern befinden sich auch noch Safes, die man mit einem vierstelligen Code programmieren kann. Man muss also nicht restlos alles in den Safe an der Rezeption geben.
Raucher denken bitte daran, beim Qualmen unbedingt die Klimaanlage laufen zu haben, am besten auf einer höheren Stufe. Sonst könntet ihr den Rauchmelder und Feueralarm auslösen und für kostspieliges Durcheinander sorgen.
**** Das Frühstücksbuffet ****
Davon solltet ihr nur Gebrauch machen, wenn ihr euer Zimmer mit Frühstück bucht / buchen lasst. Kostet nämlich 173 HK-Dollar (ca. 20 Euro). Dafür ist es sehr reichhaltig, auch wenn ich im letzten Jahr Reis vergeblich gesucht habe. Der hält nämlich am meisten fit, wenn man einen Zehn-Stunden-Tag ohne Zeit fürs Mittagessen vor sich hat. Es ist völlig westlich orientiert. Brötchen, Butter, Konfitüren, verschiedene Arten von Wurst, viel Obst , Müsli und Cornflakes bieten jedoch ein reichhaltiges Angebot. Ich habe stets Cornflakes und Müsli mit viel Obst als Vorspeise genommen und dann zu den gebratenen Nudeln oder Wurst-Brötchen gegriffen. Das hat dann so einigermaßen über den Tag geholfen.
Die obligatorischen Fruchtsäfte fehlten natürlich auch nicht. Kaffee und Tee wird von den Kellnern gebracht bzw. nachgefüllt. Auch diesen Service kenne ich nicht aus allen Restaurants. (Das Frühstücksbuffet im Best Western Hotel Olimpia in Imola / Italien, ist ein prima Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.)
***** Zusammenfassung *****
Insgesamt kann man das Renaissance Harbour View sehr empfehlen, wenn man sich geschäftlich in Hongkong aufhält, namentlich anlässlich einer der vielen Messen im Hongkong Convention and Exhibition Center. Geschäftsleute werden die Einrichtungen im Hotel und Zimmer sehr zu schätzen wissen, da man das Zimmer problemlos in ein Büro verwandeln kann. Die nötige Infrastruktur ist vorhanden und die Atmosphäre ist diskret und verschwiegen. Man ist auch abends schnell mal auf einen Sprung in der City. Was mir jedoch ganz einfach fehlt, ist eine gewisse Herzlichkeit und Persönlichkeit, die andere Kongresshotels oder Hotels für Geschäftsreisende (in anderen Teilen der Welt) doch viel mehr bieten.
Ich glaub nicht, dass ich je nach Hong Kong komme, aber sofern ich es doch noch schaffe, fahre ich bestimmtnicht in diese "Geschäftsleute Absteige" *g* Saludos, Escritora
22.03.2005 21:16
Toller Bericht. Aber "Krawatte ab und schon ein Hippie" find ich ziemlich heftig. Dabei ist es doch ohne viel bequemer (hab ich gehört) :-) Gruß bine.
20.03.2005 15:26
Ich glaub nicht, dass ich je nach Hong Kong komme, aber sofern ich es doch noch schaffe, fahre ich bestimmtnicht in diese "Geschäftsleute Absteige" *g* Saludos, Escritora
12.08.2004 10:40
Wie immer - klasse Bericht