Prosciutto, Wien

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Prosciutto, Wien

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Prosciutto im Prosciutto

4  24.06.2012

Pro:
Besonders feine italienische Speisen aus frischen Zutaten in bester Qualität, alles hausgemacht

Kontra:
Keine Speisekarte, nur schwer lesbare Kreidetafeln, die persönliche Empfehlungen nötig machen .

Empfehlenswert: Ja 

pinkdawn

Über sich: Freue mich sehr über die vielen tollen Bewertungen und freundlichen Kommentare. Bei mir muss übrige...

Mitglied seit:26.05.2008

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Vertrauende:126

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Und es begab sich, dass unser aller vielgeliebter Chefredakteur, nennen wir ihn F., und ich wieder einmal auf Reportage waren. Der Weg führte uns diesmal in den 9. Wiener Gemeindebezirk zum Interview mit einer gerichtlich zertifizierten Sachverständigen, die in ihrer Eigenschaft als Psychiaterin schon viele – auch prominente – Kriminelle untersucht hat.

Nachher wollen wir uns noch kurz zusammensetzen und ein wenig über das soeben Gehörte reden.
Aber wohin? Wir sind beide mit diesem Stadtteil von Wien nicht besonders vertraut.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

F.s Blick schweift über die Fuchsthallergasse, in der wir uns befinden, und wird bald fündig. Direkt neben uns befindet sich ein eher unscheinbares, kleines, aber gemütlich wirkendes italienisches Restaurant.
„Prosciutto“, liest er. „Was ist damit? Bleiben wir gleich da? Ich bin dir sowieso noch eine Einladung zum Essen schuldig.“
Ach ja, beim letzten Redaktionsstelzenessen lag ich ja im Spital …
„Ja, sieht gut aus.“

Es ist knapp nach 18 Uhr. Normalerweise esse ich eher später am Abend. Diese Gewohnheit teilen offenbar viele mit mir. Denn das „Prosciutto 2“ ist noch leer. Außer uns sind keine Gäste dort. Das Lokal hat erst aufgesperrt.

Wer sich jetzt wundert, warum ein Lokal „Prosciutto 2“ heißt, dem sei gesagt, dass damit ein zweijähriger Schinken gemeint ist. Mit Prosciutto 1 wird einjähriger Schinken bezeichnet.

Der Wirt – Andrej Macko, wie ich später auf der Homepage des „Prosciutto 2“ erfahre – begrüßt uns freundlich. Mit der Platzwahl gibt’s kein Problem – alle sechs Tische stehen zur Wahl.

Ein Rotwein-Spritz? Nicht mit meinem Wein …!

„Ein Aperitif? Vielleicht ein Prosecco?“, fragt der Wirt.
Mir ist eher nach einem guten, gehaltvollen Rotwein. Und F. entscheidet sich überhaupt für ein Bier. Durstig bin ich aber schon auch. Und so frage ich nach einem roten Gespritzten (in Deutschland Schorle genannt, glaube ich).
„Nein“, der Wirt schüttelt entschieden den Kopf, „das gebe ich Ihnen nicht.“
Ich verstehe zuerst nicht. Dann wird mir klar: Hier werden nur sehr edle Tropfen angeboten, kein billiger Schankwein, der mit Soda- oder Mineralwasser verdünnt werden könnte, ohne seine Qualität entscheidend einzubüßen. Nobel geht die Welt zugrunde …

„Ich schlage Ihnen einen Kompromiss vor“, sagt der Wirt schließlich, „ich bringe Ihnen ein Achtel Rotwein und dazu eine Karaffe Wasser.“
Damit bin ich einverstanden.
Er schlägt mir einen Merlot vor.

Mich irritiert, dass es hier keine Speise- bzw. Getränkekarte gibt. Später lese ich auf der Homepage des Lokals, dass die Speisen hier alle täglich frisch gekocht werden und teilweise täglich wechseln, weil immer frische, saisonale Zutaten verwendet werden. Und dass es sich mit den Weinen ähnlich verhält. Es sind nur wenige, aber dafür edle, sorgsam ausgesuchte Weine im Angebot. An den Wänden des Lokals hängen einige schwarze Tafeln, auf denen mit Kreide das aktuelle Angebot an Speisen und Weinen verzeichnet ist. Der Merlot ist, soweit ich mich erinnere, mit € 5,00 für 1/8 l der teuerste unter den Weinen. Aber er ist sein Geld wert – abgesehen davon, dass es ja auch gar nicht mein Geld ist …

Er kommt in einem blitzenden, eleganten Weinglas, duftet herbaromatisch mit einigen Fruchtnoten und schimmert in samtigem Rubinrot – ein Wein, den man langsam, in kleinen Schlucken genießt: voller Geschmack, trocken, aber vielfältig in seinen Geschmacksnuancen mit einer erlesenen Herbe im Abgang. Als Fan von trockenen, herben Rotweinen bin ich zufrieden mit dieser Wahl. Und das kohlensäurefreie Trinkwasser passt auch gut dazu – in Wien kommt das Leitungswasser außerdem ja großteils aus Alpenquellen und schmeckt entsprechend frisch und gut.

Prosciutto im Prosciutto

Bei der Auswahl der Speisen berät uns der Wirt wieder.
F. und ich sind sich bald einige: Prosciutto mit Melone. Wenn man schon in einem Restaurant ist, das Prosciutto heißt …

Der Wirt begibt sich hinter die Theke und beginnt bedächtig – oder sollte ich sagen andächtig? - den Prosciutto zu schneiden.
Später lese ich im Internet, dass die über 70 Jahre alte mechanische Prosciutto Maschine das Herzstück des „Prosciutto 2“ ist. Damit schneidet der Wirt persönlich seinen bevorzugten Prosciutto San Daniele hauchdünn auf …

Der San Daniele Prosciutto kommt aus Friaul und stammt von ganz bestimmten Schweinerassen, die unter ganz bestimmten, vorgeschriebenen Bedingungen gehalten werden müssen. Finde ich auch etwas dekadent. Erinnert mich an die Kobe-Rinder in Japan … Wenn die Schweine im jugendlichen Alter von ca. 9 Monaten ihr Leben lassen, geht die Prozedur erst richtig an: Der Schinken wird in die Form einer Mandoline

Bilder von Prosciutto, Wien
  • Prosciutto, Wien Prosciutto1 - Prosciutto, Wien
  • Prosciutto, Wien Prosciutto3 - Prosciutto, Wien
  • Prosciutto, Wien Prosciutto4 - Prosciutto, Wien
  • Prosciutto, Wien Prosciutto5 - Prosciutto, Wien
Prosciutto, Wien Prosciutto1 - Prosciutto, Wien
Das "Prosciutto 2" in Wien ist ein kleines italienisches Lokal, in dem man dem Wirt beim Kochen zuschauen kann.
gebracht, geduscht, massiert, gebürstet, luftgetrocknet, eingesalzen … Sie ruhen dann zumindest 1 Jahr. Der echte San Daniele trägt ein Siegel, das bestätigt, dass er aus San Daniele ist und unter den strengen Richtlinien erzeugt wurde.

Bald steht ein Teller mit dieser Köstlichkeit vor uns, nebst einem Körbchen mit weißem Brot. Wir lassen es uns schmecken. Der Prosciutto ist ein Gedicht – von allererster Qualität. Die Melone ebenfalls: frisch, saftig, süß – ein Genuss. Da kann es kaum noch besser werden …

Die Toskana lässt grüßen

Als Hauptgang stellt uns der Wirt vor die Wahl: Pasta, Fisch – auch ein Sirloin Steak wäre zu haben. Das finde ich allerdings auf keiner Tafel verzeichnet.

F. hat sich als Hauptspeise für einen Fisch entschieden. Der Wirt empfiehlt ihm eine Dorade in der Salzkruste. Mir steht der Sinn eher nach Pasta. Diese wird hier natürlich frisch im Haus gemacht und ist in vielfältigen Variationen erhältlich.

Das mit den Tafeln, auf denen die Angebote geschrieben stehen, ist halt so eine Sache – je nach Sitzplatz kann man nicht alle Tafeln sehen. Man müsste also aufstehen und im Lokal herumgehen, um sie zu lesen. Außerdem habe ich Probleme, das Geschriebene zu entziffern – einerseits durch die relativ kleine und nicht immer leicht zu lesende Schrift, andererseits weil mir nicht alle italienischen Küchenausdrücke vertraut waren.

Der Wirt schlägt mir ein paar Saucen bzw. Pesti (sagt man so?) vor. Ich nehme schließlich ein grünes Pesto mit – ich glaube – Safran und Pinienkernen. Rucola und so manches andere war, wenn ich mich richtig erinnere, auch noch dabei. Ich bin ja überhaupt ein Fan von Rucola – in jeglicher Form.

Der Wirt bietet mir an, das Ganze noch mit einer Garnele zu toppen, was ich aber ablehne, weil ich Meeresfrüchte und dergleichen nicht esse. Bei dem Gedanken, dass die armen Viecher in heißes Salzwasser geschmissen werden und dort qualvoll verenden, vergeht mir nämlich der Appetit …

Während sich der Wirt an die Arbeit macht – er kocht in einer Schauküche hinter der Antipasti-Vitrine auf einem Gasherd, man kann ihm, wenn man will, beim Kochen zusehen -, schaue ich mich ein wenig im Lokal um. Das wirkt wie ein Lokal irgendwo in der Toskana oder der Emilia Romagna.

Die Atmosphäre ist eher gemütlich und leger als gediegen und elegant. Tische und Sessel sind aus dunkelbraunem Holz, die Wände weiß. Alles wirkt einfach, vielleicht teilweise ein bisschen improvisiert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass offene Küchen gerade in so kleinen, feinen Restaurants selten sind. Und Schauküchen bedingen halt, dass da Gewürze, Kochgeschirr, diverse Flaschen und Fläschchen usw. herumstehen. Diese Kombination von Theke und Gastraum erinnert mich an den typischen Wiener Heurigen.

Auf den Tischen, die mit einem weißen Tischläufer bedeckt sind, stehen kleine Kerzen in roten Gläsern.

Lokale mit leerem Gastraum sind mir genauso unangenehm wir überfüllte. Im Lauf der Zeit finden sich aber zum Glück doch noch erste Gäste ein. Ein älterer Herr nimmt an der Theke Platz, um sich einen Drink zuzuführen, ein gepflegtes Pärchen im mittleren Lebensalter sitzt bald am Tisch neben uns.

Das Restaurant hat nur einen einzigen Gastraum mit bestenfalls 18 Plätzen.

Durch die kleine Dimension und die starke Persönlichkeit des Wirts, ist die Atmosphäre sehr persönlich. Manche mögen das. Ich selbst fühle mich fast wohler in der Anonymität eines größeren Restaurants, in dem man nicht das Gefühl hat, sich nur flüsternd oder zumindest sehr leise unterhalten zu dürfen. Ich stöbere gern lang in Speisekarten, bevor ich meine Wahl treffe und muss nicht unbedingt beraten werden oder Empfehlungen erhalten. Ich weiß meistens genau, was ich will. Wenn mir etwas unklar ist, frage ich eben.

In Shopping Centers bevorzuge ich auch immer die Shops, wo man sich in Ruhe umschauen kann, ohne dass gleich eine Verkäuferin (Verkäufer gibt’s ja bei Mode und Kosmetik nicht) auf einen zuschießt mit einem süßlichen „Kann ich Ihnen behilflich sein?“ Aber die Menschen sind verschieden. Während ich gern meine Ruhe hab beim Auswählen von Kleidung, Kosmetika oder Speisen, lässt sich mein Freund lieber vom Personal beraten, obwohl ich dann immer Mühe habe, ihn davon abzuhalten, sich die teuersten Sportschuhe aufschwatzen zu lassen, die nicht immer die besten sind … Man verzeihe mir diesen Exkurs, aber ich versuche zu erklären, für wen dieses kleine italienische Lokal geeignet ist und für wen eher nicht so sehr … Ich persönlich habe es nicht so gern, wenn mir ein Wirt oder Kellner rasch aufzählt, was alles zu haben ist und ich mich dann hastig entscheiden muss.

Dorade in Salzkruste und Pasta

Wie nicht anders zu erwarten, sind auch unsere Hauptgerichte gelungen. Die Dorade – das klingt wie ein südländischer Frauenname, ist aber, wie uns der Wirt erklärt, eine Goldbrasse (Sparus aurata), gehört zur Familie der Barsche, ist demnach also ein Raubfisch mit scharfen Zähnen und war schon in der Antike ein beliebter Speisefisch aus dem Mittelmeer. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Goldbrasse)

Der Fisch wird fast schon zelebriert – er ist relativ groß und kommt in einem schwarzen Kochgefäß und ist wirklich vollkommen bedeckt mit einer schneeweißen Salzkruste. Seine Form ist aber noch gut erkennbar.
Der Wirt zerteilt den Fisch vor unseren Augen sehr flink und gekonnt. Das hat er sichtlich nicht zum ersten Mal gemacht.

Der Fisch hat ein ganz weißes Fleisch, das sehr zart aussieht. F. isst dazu Kartoffeln und etwas Gemüse. Ich weiß jetzt nicht mehr, ob er spontan gesagt hat, das ist der beste Fisch, den er je gegessen hat oder einer der besten. Allerdings waren doch noch einige Gräten drinnen.

Gart man Fisch oder Geflügel in so einem Salzmantel, werden sie saftig und aromatisch. Verwendet wird meist grobes Meersalz, das mit Eiklar und Wasser vermischt wird und als ca. 1 cm dicken Paste auf den Fisch aufgetragen wird. Der Fisch wird dann im Backofen eine halbe Stunde lang gegart. Beim Anrichten wird die Salzkruste dann behutsam zerschlagen. Ob die Dorade wirklich ganze 30 Minuten im Backrohr war? Ich habe nicht den Eindruck, dass seit unserer Bestellung so viel Zeit vergangen ist.

Meine Pasta schmeckt auch lecker und kommt mir sehr gehaltvoll vor. Offenbar wurden da entsprechend nahrhafte und natürlich auch wohlschmeckende Zutaten genommen. Den Spaghetti sieht man an, dass sie hausgemacht ist – und schmeckt es auch. Das Pesto ist liebevoll zusammengestellt und gewürzt.

Die Speise, die mir zunächst wie eine bessere Vorspeise erscheint, ist erstaunlich nahrhaft, aber trotzdem nicht belastend. Vielleicht hätte ich mir noch einen Salat dazu bestellt, wenn die Bestellung der Speisen nicht so – für mich – irritierend und hastig gewesen wäre und ich eine Speisekarte vor mir gehabt hätte.

Inzwischen ist F. auch zum Weißwein – passend zum Fisch - übergegangen.

Zu guter Letzt eine Panna cotta

Nachdem wir unsere Speisen verzehrt haben, fragt uns der Wirt, ob wir noch Dolci haben wollen. F. winkt ab – seine Brasse war ja wirklich ein ziemlich großes Ding. Der Wirt zählt einige Dolci auf: Tiramisu, Sorbetto und Panna cotta sind darunter, das weiß ich noch. Für Tiramisu schwärme ich nicht so, das ist mir zu üppig. Aber für Panna cotta bin ich immer zu haben, überhaupt wenn sie mit Früchten garniert ist und der Tag – wie dieser – heiß ist.

Und diese Panna cotta ist nicht nur ein äußerst appetitlicher Anblick, sondern auch ausgezeichnet. Sie ist mit Erdbeeren dekoriert und schmeckt sehr lecker – süß, aber nicht zu süß, sahnig-vanillig mit der kühlen Glätte der Gelatine, wie sie sein soll. Dieses Dessert kann ich nur wärmstens empfehlen.

Was das „Prosciutto 2“ sonst noch bietet

Tja, was gäbe es sonst noch über das „Prosciutto 2“ zu berichten?
Man kann es für Feiern für bis zu 24 Personen (sitzend) mieten und dort unter dem Motto „Kochen mit Freunden“ auch selbst gemeinsam ein 5-gängiges Menü kochen, wobei der Wirt helfend beisteht. Diese Attraktion ist für 10 bis 18 Personen geeignet. Das Lokal ist dann „geschlossene Gesellschaft“.
„Beispielsweise kochen dann die Männer bei einer Betriebsfeier für die Damen“, erzählt Wirt Andrej Macko.
Auf dem Beispielfoto für das „Kochen mit Freunden“ sind von den 5 Speisen allerdings eine mit Flusskrebs und eine mit Garnele … Da wäre ich wohl nicht auf meine Rechnung gekommen.

Catering für Partys außerhalb des Lokals werden ebenfalls angeboten.

F. hat gefragt, was der Wirt für ein Menü z. B. bei einer Betriebsfeier pro Person verlangen würde. Er hat gesagt, 50 Euro ohne Getränke.

Eine besondere Attraktion gibt’s für BesucherInnen der Wiener Volksoper, die sich in nächster Nähe befindet – nämlich ein sogenanntes Volksopern-Menü, bestehend aus einem Glas Prosecco, einer Vorspeise, einem Pasta-Gericht und einem Dessert. Dieses Volksopern Special kostet € 25 – aber nur mit dem Volksopernticket am Tag der Vorstellung.

Ich habe mir im Internet einige Kritiken angeschaut über das „Prosciutto 2“. Sie waren alle positiv bis euphorisch und priesen das Lokal als typischen „Italiener ums Eck“ oder gar „Geheimtipp“. Besonders hervorgehoben wurde öfter der Antipasti-Teller. Ich bekam Lust, den einmal auszuprobieren bei einem nächsten Besuch. Auf der Homepage steht, man kann sich die Vorspeisen aus der Vitrine selbst zusammenstellen. Ich fürchte aber, dass da sehr viele Meeresfrüchte, Muscheln, Tintenfische usw. dabei sein könnten, die ich – wie erwähnt – nicht esse. Außerdem ist mir auch unklar, ob man so einen doch recht reichlichen Vorspeisenteller als Hauptspeise essen kann oder eben nur als Vorspeise.

Was so ein Vorspeisenteller kostet, kann ich ebenfalls nicht sagen. Es gibt ja keine Speisekarte und so weiß ich nicht, ob das nach Gewicht, Sorte oder Portion verrechnet wird oder ob es da vielleicht auch einen Einheitspreis gibt, was ich, wie ich das Lokal einschätze, jedoch eher nicht glaube.

Ein letztes „Fluchtachterl“ noch vom herrlichen Merlot. Dann machen wir uns auf den Weg.

Was mein Begleiter bezahlt hat, weiß ich nicht, da ich da gerade auf der Toilette war. Die ist übrigens eher naja … sehr naja sogar. Etwas geräumiger, etwas schöner und moderner und auch etwas sauberer wäre auf jeden Fall kein Nachteil. Aber das Lokal ist halt insgesamt nicht sehr groß.

Fazit

Das „Prosciutto 2“ ist nicht jedermanns Sache – die meisten werden sich aber dort wohlfühlen, denke ich. Besonders jene, die eine urig-persönliche, eher gemütlich-legere Atmosphäre mit persönlicher Beratung bei der Speisenauswahl schätzen.

Die Qualität der Speisen ist erstklassig. Sie sind frisch, schmackhaft und mit großer Sorgfalt zubereitet.
Der Merlot war vom Feinsten.

Mich persönlich stört am meisten, dass man mehr oder weniger nur über – preislich unklare - Empfehlungen des Wirts bestellen kann, da keine Speisekarte vorhanden ist und die Aufschriften auf den Kreidetafeln nicht leicht lesbar sind. Manche Empfehlungen waren auf den Tafeln auch gar nicht vorhanden wie das Sirloin Steak. Man bestellt dann also etwas, ohne zu wissen, was es kosten wird. Nach dem Preis zu fragen, würde aber irgendwie den Eindruck erwecken, man müsse sparen oder so. Zumindest war es bei unserem Besuch so, dass wir ausschließlich über mündliche Empfehlungen bestellt haben. Der Vorteil dabei: Individuelle Wünsche können berücksichtigt werden. Der Wirt hat zwar auf die Tafeln hingewiesen, aber die waren wie gesagt nicht sehr gut lesbar.

Dass das kleine Lokal ein Raucherlokal ist, finde ich als Nichtraucherin nicht optimal. Gerade wenn so frische, gute Speisen serviert werden, die von einem feinen Aroma leben, sollte der Geschmack nicht durch Zigaretten- oder anderen Rauch beeinträchtigt werden.

Etwas widersprüchlich ist der Charakter des Lokals. Einerseits wirkt es fast "beislartig", wie man in Wien sagt, also leger, etwas improvisiert, einfach und gemütlich, andererseits ist dort nicht einmal ein ganz normaler Schankwein zu bekommen, wie er in Italien in jedem Lokal, das ich kenne, erhältlich ist, sondern es gibt nur sehr edle, teure Weine. Das finde ich ein bisschen übertrieben.

Die Atmosphäre ist am späteren Abend sicher besser, wenn das Lokal voller ist und auch Musik gespielt wird, wie ich auf der Homepage gelesen habe. Eine angenehme, leise Musik habe ich nämlich vermisst, da wir anfangs alleine im Gastraum waren und ich das Gefühl hatte, wir könnten uns nur ganz leise unterhalten, um nicht im ganzen Lokal gehört zu werden.

Ja, ein Wort noch zur Homepage – sie ist recht gut gestaltet und zeigt viele informative Fotos vom Lokal (innen und außen), einigen Speisen und dem Wirt. Etwas irritierend erscheint mir der Text, der im Stil so eine Art Mischung aus IKEA und Jamie-Oliver-Jargon ist. Der Leser / die Leserin wird abwechselnd mit „Ihr“ und „Euch“ angesprochen – z. B.: „Ich koche vor Euren (sic!) Augen in meiner offenen Küche Gerichte aus der italienischen und mediterranen Küche.“

Außer dem groß geschriebenen „Ihr“ und „Euch“, das es eigentlich nur in der mittelalterlichen Schriftsprache gibt – vergleiche „Nachbarin, Euer Fläschchen“, wie in Goethes (hab ich den nicht oben schon zitiert?) „Faust“ das vom bösen Geist bedrängte Gretchen im Dom flüstert -, finden sich auch noch einige andere orthografische Fehler in diesem Text, was wohl daran liegen könnte, dass der Wirt, wie ich mich zu erinnern glaube, aus Slowenien stammt und deutsch als Fremdsprache spricht.

Empfehlen würde ich das Lokal allen, die eine gehobene italienische Küche mit frischen Zutaten schätzen und sich die Qualität auch etwas mehr kosten lassen.

Ich gebe dem "Prosciutto 2" vier von fünf Sternen, weil das Essen sehr gut ist. Für die mangelnde Speisekarte - bei der ohnehin geringen Auswahl würde auch ein kopiertes Blatt Papier mit dem leserlich geschriebenen aktuellen Speisenangebot genügen - und die kleine, unattraktive Toilette ziehe ich einen Stern ab.

Prosciutto 2

Fuchsthallergasse 12
1090 Wien

Tel.: +43(676)4049029

www.prosciutto2.at

Öffnungszeiten:

Mo – Sa 18 – 24 Uhr, Sonntag auf Anfrage

Wie kommt man hin?

Das Lokal befindet sich direkt hinter der Volksoper.
Es ist leicht mit der U-Bahn erreichbar: U6, aussteigen bei Währingerstraße-Volksoper, dann ist man in drei, vier Minuten dort.

Allgemeines

Das Lokal ist behindertenfreundlich (rollstuhlgerecht), kinderfreundlich (Kindersessel vorhanden) und ein Raucherlokal.

Für eine Hauptspeise muss man etwa zwischen 7 und 13 Euro zahlen.

Da das Lokal sehr klein ist, empfiehlt sich eine Reservierung.

© DMK 6/12

PS: Ich entschuldige mich für die diesmal teilweise nicht so gute Qualität der Fotos - ich hatte keine Kamera dabei. Sie entstanden nur mit meinem BlackBerry. Außerdem konnte ich auch nicht ständig alle Speisen usw. fotografieren – das wäre bei diesem halbberuflichen Essen unpassend gewesen. Aber ich denke, die Fotos reichen, um sich einen ersten Eindruck von diesem Lokal zu machen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
GoldenerFelsen

GoldenerFelsen

22.05.2013 17:04

Sollte es nur Schinken geben wäre das Lokal nichts für mich.

t.schlumpf

t.schlumpf

20.11.2012 02:33

Schnarchnase lässt grüßen ;o)

Leuchttuermin

Leuchttuermin

12.07.2012 13:16

jetzt hab ich Schmacht!!!

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