Portugal, Wissenswertes

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Das große Lehrbuch der Portugalogie

5  01.09.2001

Pro:
Portugal ist ein schönes Land .  .  .

Kontra:
.  .  . aber auch ganz schön weit weg .

Empfehlenswert: Ja 

Ciaoline

Über sich:

Mitglied seit:14.12.2000

Erfahrungsberichte:50

Vertrauende:27

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 89 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ja, ich bin unter die Lehrbuchautoren gegangen. Das heißt: Hier könnt ihr was für eure Bildung tun, so wie ich es tat als ich neulich drei Wochen lang als Korrespondentin in Portugal unterwegs war. Und weil es darüber einiges zu erzählen gibt, habe ich eben dieses bescheidene Büchlein verfasst. Der vollständige Titel des Werkes lautet übrigens:

"Die wesentlichen Aspekte der Portugalogie in ihrem Facettenreichtum anhand einer Synthese aus Empirismus und lektürisch erworbenem Wissen in Symbiose mit analytischem Denken aus Sicht einer heranwachsenden touristisch tätig gewesenen Person".
Untertitel:
"Informationen über Portugal, die es wert sind, gewusst zu werden und somit wissens-wert sind".

Hört sich das kompliziert an? Oder protzig? Nö, es ist ja auch eigentlich alles ganz einfach.

*räusper* Nun ja. Wie gesagt, das Buch befasst sich mit der Portugalogie (= Leere, äh Lehre, die sich mit Portugal beschäftigt) Begründet wurde diese neuartige Wissenschaft von mir selbst, ihr dürft mich also durchaus als genial bezeichnen. In diesem ersten Kapitel folgt nun ein kleiner Überblick, der euch mit der Thematik im Groben vertraut macht.


1. Wer /Was /Wo ist überhaupt Portugal?

Wie einige von euch vielleicht schon wissen, ist Portugal ein kleines Land im Südwesten Europas. Es liegt auf der Iberischen Halbinsel am/ im Atlantischen Ozean und wirkt im Vergleich zu seinem gewaltigen Nachbarn Spanien wirklich sehr zierlich. Schlagt doch mal den Atlas auf Seite wasweißich auf, da könnt ihr euch das angucken. Sieht das nicht fies aus, wie das große dicke Spanien das niedliche kleine Portugal an den Rand der Halbinsel (die ja sowieso schon sehr klein ist, weil es eben nur eine HALBE Insel ist *gröl*) quetscht? Tatsächlich nimmt Portugal nur etwa ein Sechstel der Fläche der Iberischen Halbinsel ein. Ziemlich ungerecht, aber über das Wesen der (Un-)Gerechtigkeit diskutieren wir ein anderes Mal.
Immerhin gibt es noch ein paar Inselchen, die Portugal sein Eigen nennen darf. Madeira ist eine davon und dann sind da ja auch noch die Azoren (das ist da, wo das schöne Wetter herkommt...). Die portugiesische Hauptstadt ist übrigens Lissabon oder Lisboa, wie die Einheimischen sagen.

2. Einheimische? Wer wohnt denn da?

In Portugal leben etwa 11 Mio. Menschen, hauptsächlich Portugiesen (so nennt man die "Ureinwohner", aber eigentlich auch alle anderen, die in Portugal zu Hause sind. Das solltet ihr euch notieren, das ist wichtig...).
Zwei besonders nette Bewohnerinnen sind übrigens Flora und Fauna. Sie haben einiges zu bieten. Flora präsentiert sich mit Zitrusfrüchten aller Art, Oliven- und Mandelbäumen, Korkeichen, Pinien, Mimosen, Wein, Feigenbäumen und und und...
Fauna protzt u.a. mit Eidechsen, niedlichen Stechinsekten und streunenden Hunden, die sympathisch wirkende Touristen gern vom Strand nach Hause begleiten... Weiterhin kann man viele komische Vögel entdecken. Damit meine ich jetzt nicht die Portugiesen (na, wisst ihr noch was das ist?), sondern tatsächlich die kleinen Piepmätze mit Schnabel und Federn.

3. Wie erfolgt die Kommunikation?

Ja, auch im fernen Portugal hat man über die Jahrtausende hinweg etwas entwickelt, das sich "Sprache" nennt. Logischerweise quatscht, tratscht und plaudert man hier portugiesisch. Manch einem kommt das Portugiesische vielleicht ein bisschen spanisch vor. Allerdings klingt Portugiesisch nicht wirklich spanisch, viel mehr erinnert es an Polnisch mit einem Hauch Französisch. Es könnte allerdings genauso gut Arabisch oder Chinesich-rückwärts sein.
Jedenfalls gibt es im Portugiesischen viele Zisch- und Nasallaute, die Betonung liegt meistens auf der vorletzten Silbe, manchmal auch auf der letzten (z.B. wenn das Wort auf l oder r endet). Abweichungen werden mit Akzentzeichen gekennzeichnet. Vokale, die vor einem n oder m stehen oder eine Tilde tragen (also ~), werden nasal ausgesprochen. "s" und "z" am Wort-Ende (und an haufenweise anderen Stellen auch...) werden als "sch" gesprochen.
Konntet ihr mir folgen? Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm, weil man sich in Portugal auch ruhig auf englisch verständigen kann, oft sogar auf deutsch.

Trotzdem stelle ich euch mal ein paar Vokabeln vor, die ihr ja bis zum nächsten Mal auswendig lernen könnt (wenn ihr das tätet, würde ich euch als Streber bezeichnen). Die Aussprache hab ich in Klammern geschrieben, die ist allerdings sehr stark eingedeutsch und nicht zu vergleichen mit dem wahren, geheimnisvollen Klang der portugiesischen Sprache...

Sim (sing) = "Ja"
Não (nau) = "Nein"
Se faz favor (s fasch fa´wor) = "Bitte"
Obrigado/obrigada (ubri´gadu/ubri´gada) = "Danke" (das eine dürfte die männliche, das andere die weibliche Form sein...)
Bom Dia ("bong ´dia") = "Guten Tag" (aber ab 12 Uhr mittags sagt man "Boa tarde", = "Guten Abend")
Olá (o´la) = "Hallo" (gleichzeitig ist das aber auch der portugiesische Name für "Langnese")
cerveza (ßer´wehscha) = "Bier" (ein äußerst wichtiges Wort...)

Das reicht fürs Erste. Ich bin ja selbst ziemlich unkundig, was das Portugiesische betrifft. Okay, ich hab zwei oder drei Bücher darüber durchgeblättert und jetzt weiß ich halt doch ein bisschen. Aber sprechen kann ich's deswegen noch lange nicht. Naja, ganz interessant ist es allemal.

3. Was gibt's denn sonst noch für tolle Sachen in Portugal?

Oh, Portugal hat viel zu bieten... Deshalb lässt sich die Frage natürlich nicht mit einem Satz beantworten. Vor meiner Reise wusste ich eigentlich ziemlich wenig über das Land, mir fielen ja nicht mal Klischees oder typische Sehenswürdigleiten ein. Bei Frankreich z.B. denkt man an Baguettes, Wein, den Eiffelturm und vielleicht noch an Käse.

4. Und was gibt es nun Typisches in Portugal?

Moment, nicht so ungeduldig, dazu komme ich ja jetzt.
Also, die Portugiesen waren/sind ein Fischfangvolk und besonders stolz auf ihre Sardinen, vor allem an der Algarve. Es werden natürlich auch andere Formen von Fisch angeboten. Nun ja, das ist nicht so mein Ding...

Wo wir grade bei kulinarischen Köstlichkeiten sind: Zu gutem Essen gehört natürlich auch guter Wein (das finde ich zwar nicht, aber der Spruch ist trotzdem toll). In Portugal gibt es sogar grünen Wein. Zumindest heißt er so. Aber der "vinho verde" ("´winjo ´werde" = "grüner Wein") ist gar nicht wirklich grün. "Grün" ist in diesem Fall nämlich nur ein Synonym für "jung, frisch". Beim "vinho verde" ist höchstens die Flasche grün, ansonsten gibt's ihn in rot und weiß, wie jeden anderen popeligen Wein auch. Ich hab dann auch mal ein Schlückchen "vinho verde" gekostet, aber ich bin eh kein Alkohol-Fan, deswegen hat es mir weder geschmeckt, noch kann ich beurteilen, ob da irgendwas anders ist als bei "normalem" Wein. Es war ziemlich sauer, naja. Dann gibt's natürlich auch den berühmten Portwein aus dem Raum Porto, der war eher süß, aber den mochte ich auch nicht.

Zum Nachtisch gibt's dann wohl Marzipan, denn dank der vielen Mandelbäume gehört auch das zu den portugiesischen Traditionen. Das ist schon eher nach meinem Geschmack.

Gerade in Lissabon wird mit viel Elan und Dramatik der "Fado" praktiziert. Fado ist ein meist klagender Gesang, der nichts mit Folklore oder Volksliedern zu tun hat. An der Algarve wird der Fado oft "modisch aufgepeppt" für die Touristen, denen es oft an Verständnis für das Weltschmerz-Gesinge mangelt. Das stand zumindest im Reiseführer, ich selbst hab nicht soviel Fado-Gesang gehört. Vielleicht es das schade, vielleicht auch nicht...

Überall in Portugal zu finden sind die "Azulejos" (ich glaub das spricht man "Asulehdschosch", so ähnlich jedenfalls...). Das sind handbemalte Fliesen, und sie hängen in Kirchen, an Häusern, an Brunnen oder dienen als Straßenschilder. Außerdem gibt es sie in jedem gut sortierten Souvenirladen. Dort findet man auch viele andere Kunsthandwerk-Erzeugnisse aus Porzellan oder Keramik: Lampen, Schüsseln und den portugiesischen Glückshahn, der auch auf vielen Postkarten zu entdecken ist.

5. Wie bezahlt man in Portugal?

Wenn man dann in so einem Lädchen eine schöne Kachel oder sonstiges gefunden hat und als Andenken mit nach Hause nehmen will, muss man sie natürlich erst einmal bezahlen. Ja, auch in Portugal ist Diebstahl verboten.
Momentan ist die portugiesische Währung noch der Escudo. Ein Escudo entspricht im Prinzip einem Pfennig. Um in DM umzurechnen muss man also kein großer Mathematiker sein. Einfach den Betrag durch hundert teilen. Oder noch simpler: zwei Nullen "wegdenken" oder das Komma um zwei Stellen nach links verschieben. Um in Euro umzurechnen muss man also dementsprechend durch 200 teilen. Nicht ganz so leicht, aber bald sowieso überflüssig, weil es den Euro ja dann auch in Portugal gibt... Schade eigentlich, die Escudo-Münzen und -Scheine sehen wirklich hübsch aus.

6. Wie ist das Wetter in Portugal?

Hübsch ist auch die Sonne, die da scheinet am Horizont... (wie poetisch..). Dementsprechend ist es meist schön warm, Pelzmäntel, Pudelmützen und ähnliches können also zu Hause bleiben, wenigstens im Sommer. Meistens weht ein frischer Wind, dadurch kommt einem die Hitze nicht ganz so unerträglich vor, gerade im Norden ist es teilweise fast schon kalt. Trotzdem sollte man natürlich aufpassen, das man sich keinen Sonnenbrand holt...
So, das soll's zum Wetter gewesen sein, das ist ja nun kein allzu spannendes Thema. Ich könnte euch jetzt tolle Klimadiagramme auswerten oder die durchschnittliche Niederschlagsmenge berechnen lassen, aber ich will euch ja nicht allzu sehr überfordern. Kommen wir also zu einem anderen anstrengenden Thema...

7. Was gibt es zur Geschichte zu sagen?

Portugal hat schon einiges erlebt in seinem langen Leben als Land.

Eine ganze Weile lungerten Kelten, Iberer und andere Banausen auf der Iberischen Halbinsel herum. Um 200 v. Chr. kamen dann auch noch die Römer, die Spinner und blieben bis 414 n. Chr. Es folgte das Westgotische Reich. Im Jahre 717 machten sich schließlich die Araber in Portugal breit. 1143 wurde Afonso Henrique erster König Portugals, seither sind die Landesgrenzen unverändert. 1249 wurden dann die Araber endlich aus Portugal vertrieben.
Hier noch einige weitere Daten:

1386 schworen sich England und Portugal im Vertrag von Windsor ewige Treue.
1419 wurde Madeira entdeckt, 1427 die Azoren.
1498 war Vasco da Gama der erste Europäer, der auf dem Seeweg Indien erreichte, 1500 entdeckte Pedro Alvares Cabral Brasilien.
Von 1580 bis 1640 stand Portugal unter spanischer Herrschaft (König Philip II).
1668 erkannte Spanien Portugals Unabhängigkeit erneut an.
1715 endete dann der Krieg zwischen Spanien und Portugal (Spanischer Erbfolgekrieg) mit einem der Friedensverträge von Utrecht.
1755 zerstörte ein Erdbeben Lissabon und viele algarvische Städte. Etwa 30.000 Menschen starben.
1822 wurde Brasilien unabhängig.
Am 5. 10. 1910 wurde in Portugal die Republik ausgerufen.
1916 trat Portugal an der Seite der Alliierten in den 1. Weltkrieg ein.
1933: Neue Verfassung, Staat ohne Parteien und Parlamentarismus, von Ministerpräsident Salazar zur Diktatur ausgebaut.
1974: "Nelkenrevolution" durch "Bewegung der Streitkräfte"
Von 1974 bis 1976 erfolgte die Entlassung der Überseeprovinzen in die Unabhängigkeit.
1976 gab es die erste demokratische Verfassung in Portugal.
1986 trat Portugal der EG/EU bei.
1996 wurde Jorge Sampaio Staatspräsident.

Ich hätte gern noch mehr erwähnt, aber dafür reicht wohl unsere Zeit nicht. Außerdem wollen wir es mit unserem Wissensdurst nicht übertreiben. Und zu viel Geschichte ist ja auch ungesund (ja, man muss alles in Maßen statt in Massen genießen...).

8. Gibt es berühmte Portugiesen?

*grübel*
Da fällt mir zunächst mal der Entdecker Vasco da Gama (1469-1524) ein, nach ihm ist in Portugal wohl in etwa jedes zweite Gebäude benannt. Heinrich der Seefahrer (1394 – 1460) ist eine ebenso wichtige Persönlichkeit, von ihm findet man viele Denkmäler. Außerdem wäre da natürlich noch der Dichter Fernando Pessoa (1888 bis 1935), der ja bei Ciao durch Seelenwanderung oder ähnliches seine Wiedergeburt erlebt hat *g*.
Vielleicht kennt ihr, liebe Schöler ja noch mehr herausragende Persönlichkeiten aus dem Raum Portugal. Also, wer sich eine gute Note verdienen will, kann sich ja melden.

Diesem Aufruf ist als erster der liebe Ulman gefolgt. Er hat mir von einem gewissen Luis Figo erzählt, der bis vor kurzem noch der teuerste Fußballer der Welt war. Bisher kannte ich diesen Herren gar nicht, man lernt eben nie aus... Danke Ulman, so ist's brav.

9. Ist ein Portugal-Besuch zu empfehlen?

Na klar! Immer doch! Es lohnt sich auf jeden Fall, mal vorbeizuschauen. Also, vor ein paar Tagen haben wir unsere zahlreichen Fotos entwickeln lassen. Wenn ich könnte, würde ich sie euch zeigen. Ihr würdet vor Neid erblassen, jawohl. Die Bilder selbst sind ja schon atemberaubend, aber in der Wirklichkeit, live und in Farbe ist der Anblick von schönen Stränden, netter Natur, himmelblauem Himmel usw. natürlich noch besser, toller und überhaupt... *angeb**schwärm*.
*räusper* Aber das nur am Rande.

10. Was hat die Ciaoline eigentlich so in Portugal getrieben?

Also, die ersten beiden Wochen habe ich es mir an der Algarve gutgehen lassen, die letzte Woche ging's in Richtung Norden, das war etwas stressiger... Aber davon erzähl ich euch vielleicht das nächste Mal. Also zügelt gefälligst eure Neugier.

So, und damit meine lieben Schüler vor Langeweile nicht Gift und (Portu-)Galle spucken, soll es das für heute gewesen sein. Ich hoffe, ich konnte euch einen hübschen kleinen Einblick in das Wesen der Portugalogie geben. Wenn ihr noch etwas ergänzen oder anmerken möchtet, dann blättert mal um, da könnt ihr was rein kritzeln. Auf diese Weise könnt ihr mir helfen, mein tolles Lehrbuch zu bereichern und außerdem verteile ich für besonders kluge Bemerkungen auch gerne Extra-Einsen. Aber macht ja keine Tintenkleckse! Hausaufgaben gibt's diesmal ausnahmsweise nich, weil ihr alle so brav wart.
Also, bis demnächst, wenn ich zum Thema "Algarve" philosophiere...
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
nicolesunny

nicolesunny

07.02.2005 16:33

Hallöchen! Ich liebe Protugal und war schon mehrmals dort. Die Einheimischen sind einfach sehr nett und freundlich. Ich werde wohl wieder dorthin fahren. tschüssi, Nicky

Ingenieuse

Ingenieuse

03.06.2002 03:07

*lach* Nun komme ich ja auch nicht drum herum den Bericht zu lesen, aber es hat sich gelohnt. Nun warte ich auf die Geschichte mit dem Aschenbecher ;-), an Infos dürfte es Dir ja nicht fehlen. Ich hoffe Ihr seid gut nach Hause gekommen, lieben Gruß, Meike

helmut.agnesson

helmut.agnesson

26.05.2002 12:39

du ahst ja mi einem orginellen schreibstil einiges rübergebracht

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