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Erfahrungsbericht

für Portugal, Reiseerlebnisse
Nächsten Bericht ansehen "Algarve, Lissabon und..."
5 Sterne Es muß nicht immer die Algarve sein
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Empfehlenswert: Ja

Pro wunderschöne Landschaft, nette Menschen

Kontra --

Der Autor

Tarantella

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Als ich auf Fragen nach unserem diesjährigen Urlaubsziel antwortete, daß wir nach Portugal fliegen würden, war die Reaktion jedesmal gleich: "Ach wie schön, die Algarve ist ja auch eine wunderbare Gegend." Und jedesmal erntete ich verständnislose Blicke, wenn ich erwiderte: "Nein, es geht nicht an die Algarve. Wir fahren an die Costa Azul". Und so ließ ich die Kollegen einfach stehen, und wir machten uns auf den Weg in Richtung Lissabon.

Flughafen Düsseldorf. Es war bereits angekündigt, daß sich der Abflug in Richtung Lissabon um ca. 1/2 Stunde verzögern würde, deshalb haben wir uns auch zunächst keine Gedanken gemacht, als wir im Flugzeug saßen und warteten und warteten und warteten. Als dann die Durchsage kam, daß sich der Start aufgrund technischer Probleme weiter verzögern würde, wurde ich schon unruhiger. Die Tatsache, daß es sich dabei "nur" um ein Kommunikationsproblem handelte, half auch nicht viel, vor allem, als kurz nach dem Anlassen der Motoren Kerosingeruch in der Kabine auftrat. Doch die Unruhe legte sich sofort, als der Flieger abhob und sich in die Lüfte erhob. Ich genoß den Flug und den Blick auf die Wolkendecke, die auf der einen Stelle wie das ewige Eis, woanders wie kleine Wattebäusche und an wiederum einer anderen Stelle wie ein japanischer Zen-Garten aussah, kunstvoll geharkt und fein durchstrukturiert. Kurz gesagt, mir ging es richtig gut, ganz im Gegensatz zu meinem Freund, der sich zwei Tage zuvor leicht verkühlt hatte und ein Taschentuch nach dem anderen vollschniefte. Als dann beim Landeanflug auf Lissabon sein linkes Ohr vorübergehend den Geist aufgab, war seine Stimmung natürlich komplett am Boden, aber glücklicherweise kamen mit der Landung sowohl das Gehör als auch seine Stimmung wieder, und so setzten wir uns gutgelaunt in unseren Mietwagen und fuhren in der Dämmerung über die 17 Kilometer lange Brücke Vasco da Gama in Richtung Palmela, wo wir etwas außerhalb für eine Woche eine gemütliche kleine Quinta unser Zuhause nannten.

Daß die Costa Azul vom Tourismus noch weitgehend unberührt ist, wußten wir bereits aus dem Reiseführer, doch als wir nach unserer Ankunft in einem kleinen Straßencafe frühstücken wollten und nur mit Mühe und Not sowie Händen und Füßen zwei Kaffee und zwei Sandwiches mit Schinken und Käse bestellen konnten, wußten wir, daß wir bei unserer nächsten Reise einen Portugiesisch-Sprachkurs gemacht haben würden. Nach dem Frühstück haben wir dann die nähere Umgebung erkundet. In Quinta do Anjo, einem kleinen Ort westlich von Palmela, haben wir 5000 Jahre alte Grabräume entdeckt, die in die Felsen gehauen waren. Nun ja, sagen wir mal so, wir haben uns als Entdecker gefühlt, da wir nicht damit gerechnet haben, etwas so altes hier zu finden und auch nur ein kleines Hinweisschild am Ende der Ortschaft auf diese Grabstätte hinwies. Es war schon ein seltsames Gefühl, vor diesen Felshöhlen zu stehen, die nicht abgesperrt waren. Wir konnten uns vollkommen frei bewegen und hätten sogar die Gräber betreten können.

Auch die weitere Umgebung von Palmela lohnt sich zu entdecken, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, daß in Portugal ein Wegweiser nicht unbedingt bedeutet, daß bei der nächsten großen Kreuzung der nächste Hinweis folgt, welche Richtung man einschlagen sollte. Das war nämlich unser Problem, als wir über Setubal in den Arrabida-Naturschutzpark fahren wollten. Noch am Stadtrand prangte ein relativ großes Hinweisschild, doch kaum hatten wir die Stadtgrenze passiert, brach das Chaos über uns herein. Nicht nur, daß ohne Vorankündigung der rechte Fahrstreifen plötzlich zur Rechtsabbiegerspur wurde, nein, es gab keinen Hinweis mehr, was wo wie wann warum weshalb weswegen wie auch immer...., kurz gesagt, wir hatten uns verfahren, und es gab keine freie Parklücke, die wir ansteuern und von der aus ich die Straßenkarte hätte studieren können. Denn eins hatte ich vergessen zu erwähnen: der Mietwagen wurde von mir gesteuert, da mein Freund nicht die nötige Fahrpraxis hat. Da er auch im Kartenlesen nicht gerade ein Weltmeister ist, blieb uns also nichts anderes übrig, als auf gut Glück weiterzufahren und zu hoffen, daß uns der Stand der Sonne die richtige Richtung weisen würde.

Irgendwie haben wir es dann doch geschafft und Setubal hinter uns gelassen, und schon eröffnete sich uns ein Blick, bei dem wir ins Schwärmen gerieten. Eine kurvenreiche Küstenstraße, links unter uns das tiefblaue Meer, rechts über uns golden-orangefarbene Felsen und dazwischen die diversen Grüntöne von Erdbeerbaum, Steineiche, Myrte und Heidekraut. Unbedingt einen Besuch wert ist das kleine Fischerdörfchen Portinho da Arrabida, obwohl der Weg von der Bergstraße hinunter zum Hafen nicht jedermanns Sache sein dürfte: solch eine enge und vor allem steile Straße gibt es wohl kaum ein zweites Mal, und den ganzen Weg hinunter habe ich gebetet, daß uns kein Wagen entgegenkommt, denn dann hätte einer von uns die gesamte Strecke im Rückwärtsgang zurücklegen können, und das hätte für mich gewiß den Tod durch Herzinfarkt bedeutet! Dennoch lohnt sich die Fahrt hintunter, denn der natürliche Hafen schmiegt sich wirklich malerisch an die Küste an. Wer möchte, kann mit einem Fischerboot aufs Meer hinausfahren, um Delphine im freien Meer zu beobachten. Das scheiterte bei uns selbstverständlich an den fehlenden Portugiesisch-Kenntnissen, und so ließen wir Portinho da Arrabida nach einem langen Spaziergang wieder hinter uns. Jedoch nicht, ohne einen Fahrer abzuwarten, der die Bucht ebenfalls per PKW auf der steilen Bergstraße verlassen wollte und direkt vor uns fuhr. Möge die Macht mit uns sein, dachten wir uns und hofften dennoch, daß uns auch diesmal niemand auf diesem Straßenstück begegnen möge. Wenn ich bis dahin geglaubt hatte, das schlimmste läge nun hinter mir, so mußte ich doch bald erkennen, daß das wahre Grauen noch vor mir lag. Waren wir bis dahin auf der Bergseite unterwegs, so folgte nun die Fahrt auf der Talseite, nur leider noch höher gelegen. Für meine Höhenangst war das natürlich überhaupt nichts, obwohl ich als Fahrerin ja nicht direkt über dem Abgrund schwebte. So nutzte ich die nächstbeste Gelegenheit, die Küstenstraße zu verlassen und auf sicherem Wege wieder zurück nach Palmela zu fahren.

Was wir sonst noch so erlebt haben, ist in meinem Bericht "Auf den Spuren der Römer" in der Rubrik "Portugal - Wissenswertes" zu lesen.

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Kommentare

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  • Dr.Claudia 27.07.2006 20:37
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Kerstin_Henke 28.11.2005 13:15
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • rasjoshua 19.10.2001 14:56
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Wuschel111 24.06.2001 18:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • katja1177 10.05.2001 23:18
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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