Piazzale Michelangelo, Florenz

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Wozu kommen diese Schweine nach Florenz ?

5  16.10.2001

Pro:
Die Aussicht

Kontra:
die Touristen

Empfehlenswert: Ja 

tbiegel

Über sich: Auf zu Silber, auch wenn es noch lange dauert... Ich berichte über digitale Fotografie, Reisen, Muse...

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... so der Schriftsteller Hermann Hesse in seinem Tagebuch-Eintrag vom 21. April 1901 über eine deutsche Reisegruppe auf dem Piazzale Michelangelo (Hermann Hesse: Italien, Suhrkamp-Taschenbuch Nr. 2607, S. 116), die von Florenz und seinen Sehenswürdigkeiten wenig Kenntnis haben: „Natürlich war eine deutsche Gesellschaft da, sehr ‚feine‘ Leute, die alle Kirchen von Florenz miteinander verwechselten (die Synagoge für San Lorenzo etc.!) und Witze über den Sonnenuntergang machten. Wozu kommen diese Schweine nach Florenz ?“

Solche Frage, trotz der barschen Formulierung, ist durchaus gerechtfertigt angesichts der Touristenscharen (=Kulturbanausen), die mit den Reisebussen hinauf gekarrt werden, um für ein paar Minuten die Aussicht genießen zu können.
Die vielen Touristen und die damit vorhandenen Souvenirläden sind aber auch der einzige Nachteil dieses Ortes. Entschädigt wird man mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt.

Die Aussicht und der Blick auf Florenz ist grandios. Im Westen der Blick auf das Arnotal mit dem Ponte Vecchio, im Nordwesten der Dom, im Hintergrund die Hügelkette mit Fiesole (bei klaren Wetter unschwer zu übersehen wegen des auffälligen Campanile), die Uffizien und Palazzo Vecchio, den Blick im Osten schweifen lassen hin zu Santa Croce, der kupfergrünen Kuppel der Synagoge, um schließlich ostwärts im Arnotal sich in der Ferne zu verlieren...

Die Blicke sind so schön, da versagte sogar mein Fotografenherz. Lediglich eine Nachtaufnahme kann ich bieten auf meiner Homepage, aber keine Panoramaansicht am Tage. Wenn man sich mit der Stadt verbunden fühlt, ihren Flair mag, kann man dort nur stehen, genießen und alles andere um sich herum vergessen, sogar die Touristen.
Inne halten, tief durchatmen, spätestens hier realisiert man, wo man sich eigentlich befindet, kein Traum, sondern wunderschöne Realität.

Wie kommt man hin ?
Wie immer in Florenz: zu Fuß ! Vom Stadtzentrum aus sind es ungefähr dreißig bis vierzig Minuten, wenn man den Ponte Vecchio überquert hat und sich dann Richtung Osten wendet, ist man von Touristenströmen befreit. Diesen Fußweg jenseits der touristischen Pfade südlich des Arno sollte man auf sich wirken lassen, zumal auch einige Sehenswürdigkeiten auf dem Weg liegen.
Nachdem man den Ponte Vecchio passiert hat, geht es nun links die Via de‘ Bardi entlang, an der Piazza Santa Maria Soprano verläßt die Straße das Arno-Ufer. An der Piazza de‘ Mozzi befindet sich der gleichnamige Palast, an der Straßenecke ein neoklassizistisches Gebäude: das Bardini-Museum. Stefano Bardini (1836-1922) trug als Antiquitätensammler eine umfangreiche Privatsammlung zusammen, die der Stadt hinterlassen wurde. Man kann Objekte aus etruskischer und römischer Zeit bestaunen (Vasen, Kapitelle, Brunnen u. ä.), Teppiche aus Indien, Waffen, Münzen, aber auch Kunstwerke von Donatello, de Maiano u. a.
Von nun an heißt die Straße Via di San Niccolò, die zur gleichnamigen Kirche führt. Bereits im 12. Jahrhundert erwähnt, wurde sie im 14. Jahrhundert im gotischen Stil renoviert. Eine Marmorhand links vom Eingang zeigt den Wasserstand der Überschwemmung des Arno im Jahre 1557 an.
Der Innenraum besteht aus einem einzigen Kirchenschiff, von Michelozzo stammen ein Holzkreuz und der Heiligenschrein in der Sakristei.
Kein anderer als Michelangelo hat sich in einer Zelle unter dem Glockenturm versteckt, als 1530 kaiserliche Soldaten in Florenz eindrangen. Er hatte sich immerhin für die Stadt eingesetzt und an einer Befestigungsanlage gebaut.
Nach rechts geht es nun die Via San Miniato al Monte hinauf. Durch das gleichnamige Stadttor führt ein Weg zur Kirche San Miniato al Monte, ein wunderschönes romanisches Kleinod (siehe auch hierzu mein Bericht hier).
Aber wir wollen ja zum Piazzale Michelangelo, deswegen folgen wir der Straße nicht vollständig, sondern halten uns etwas links. Auf dem Weg zum Piazzale stieß ich auf ein Schild, das zu einem Rosengarten unterhalb des Piazzale führte. Weder in Reiseführern noch in Plänen wird er erwähnt, man sollte dem Schild folgen und auch diese Gartenatmosphäre genießen. Schließlich nähern wir uns dem Platz von unten. Nachdem ein paar letzte Treppenstufen erklommen sind, sieht man eine Kopie des Davids in Bronze von Michelangelo, die Aussicht auf die Stadt aber ist viel schöner. Laßt Euch nicht von den Touristen stören, einfach nur das Auge schweifen lassen...

Links der Ponte Vecchio, den Kopf leicht nach rechts wendend sieht man den Palazzo Vecchio, den Dom, dahinter San Lorenzo, der Hintergrund wird gebildet durch die Hügel der Toskana mit Fiesole und Settignano (siehe auch mein Bericht über eine Wanderung in der Rubrik „Toskana“), der Blick weiter nach rechts läßt die Kuppel der Synagoge ins Blickfeld rücken, dann verliert sich der Blick im Lauf des Arno.
Die Stadt Florenz liegt dem Betrachter zu Füßen !

Zur Entstehungsgeschichte der Platzanlage

Der wunderschöne Aussichtspunkt ist der kurzen Zeit Florenz’ als Hauptstadt zu verdanken. In den Jahren 1865 bis 1871 war Florenz Hauptstadt Italiens, man benötigte Platz für ca. 20.000 Angehörige des neuen Staates. Die urbane Entwicklung von Florenz befand sich noch auf dem Niveau des 16. Jahrhunderts, Florenz war zu klein, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein.
Der namhafte Architekt und Städteplaner Guiseppe Poggi bewahrte die Stadt vor einem Chaos, ein solcher Aussichtspunkt entsprach dem damaligen Zeitgeist. Nicht alles wurde schließlich nicht verwirklicht, da Rom wieder Hauptstadt wurde. Andererseits hatte man an die Pläne Poggis angeknüpft und sie fortgeführt, trotz der Rezession am Ende des 19. Jahrhunderts.
Ursprünglich sollte der Platz zu einem Gesamtkomplex zusammengefaßt werden inklusive der Kirchen Monte alle Croci und San Miniato al Monte. Als Zentrum sollte ein Michelangelo-Museum entstehen. Beispielsweise sollten Michelangelos vier Sklaven aus den Boboli-Gärten (damals in der Grotta Grande eingemauert) hierher gebracht werden. Sie kamen später in die Galleria dell‘ Accademia (siehe mein Bericht hier), denn Poggis Plans scheiterte an den zuständigen Behörden. Auch die anderen Gipsabgüsse kamen nur schleppend voran. Aus dem Museumsbau wurde schließlich ein Café.
Geblieben ist der Platz. Auf ihn befindet sich eine Kopie des berühmten Davids von Michelangelo, quasi zu seinen Füßen liegen ihn vier seiner eigenen Kunstwerke: die Allegorien „Tag“ und „Nacht“ sowie der „Abend“ und der „Morgen“, alle zu finden in der Grabkapelle von Lorenzo dem Prächtigen, also in der Neuen Sakristei von San Lorenzo. Ein Grund mehr, nicht die Synagoge mit San Lorenzo zu verwechseln, dem aufmerksamen Ciao-Leser dürfte das aber nicht passieren !

Soweit 'mal wieder ein Bericht über eine Florenzer Sehenswürdigkeit. Mein Appell: Bitte kein Schwein sein und San Lorenzo mit der Synagoge verwechseln. Um dies zu vermeiden, wird auch über den jüdischen Tempel ein Bericht von mir erscheinen, San Lorenzo kann bereits nachgelesen werden.
Wer es nicht abwarten kann ;-) Die Synagoge hat eine grünliche Kuppel, liegt östlich, San Lorenzo mit der roten Kuppel befindet sich vom Piazzale Michelangelo aus gesehen eher Richtung Westen, hinter dem Dom, weitere Unterscheidungsmerkmale folgen noch...

Kleiner Tip: Meines Erachtens sollte der Platz besucht werden, wenn man schon ein wenig länger in Florenz verweilte. Die Aura des Ortes erschließt sich erst nach einem längeren Aufenthalt, für Tagestouristen m. E. nicht geeignet !
Ansonsten liegt in unmittelbarer Nähe die Kirchen San Francesco al Monte und San Miniato al Monte, auch diese lohnen eine Besichtigung.

Einen kleinen visuellen Eindruck erhält man unter:
http://home.nexgo.de/tbiegel/italien/interest/piazza/frame.htm


(c)Thomas Biegel 16. Oktober 2001
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
lobito2003

lobito2003

15.03.2008 17:38

Super-Bericht, schade, dass der angegebene Link nicht mehr aktuell ist - Gruß lobito

otto0816

otto0816

02.12.2001 01:47

Was würde H. Hesse erst zu den heutigen Formen des Tourismus sagen, Gruß Jörg

missmelly

missmelly

20.11.2001 17:30

Da bekommt man richtig Fernweh!

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