Pashupatinath Tempel, Kathmandu

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Pashupatinath Tempel, Kathmandu

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Heiligtümer und Tempel, man stolpert fast drüber

5  28.03.2009 (29.03.2009)

Pro:
Kulturhistorisch sehr wertvoll !

Kontra:
Man darf nicht zart besaitet sein !

Empfehlenswert: Ja 

picassoweiblich

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Mitglied seit:15.03.2009

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"Wenn einer eine Reise tut....!"

Nachdem ich die Berichte von tepu und Yju2001 zu diesem Thema gelesen habe, brenne ich darauf, das Terrain um den Tempel Pashupatinath auch mal aus meiner Sicht zu beleuchten. Ich habe mir damals ständig Notizen gemacht, um sie später zu Hause aufzuarbeiten. Die Reise in die Berge war das eine, aber die Besichtigung von Kathmandu etwas ganz anderes.


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=== Erläuterungen vorweg ===

Wir, das sind:
- Jürgen, mein Mann
- Susanne, unsere damals 25 jährige Tochter
- Lutz, mein Cousin
- Manfred und Dorothea, ein befreundetes Ehepaar

Im April 2006 reisten wir für 24 Tage nach Nepal, um an einer Trekkingtour zum Basislager am Mount Everest teilzunehmen und auf dem Weg zwei 5000er zu besteigen. Veranstalter war der DAV Summit-Club. Wir hatten zwei englischsprachige Guides in den Bergen. Wir waren zur Zeit der großen politischen Unruhen in Nepal. Die Berge blieben relativ unberührt davon. Allerdings waren in der Stadt Ausgangssperren und Streiks an der Tagesordnung. Der Beauftragte des Clubs, Dr. Shashi Mala, organisierte nach der Rückkehr aus den Bergen die Besichtigungen für uns und gab uns den deutschsprachigen Guide Manni zur Seite, der uns zwei Tage zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt brachte. Seine Erklärungen decken sich nicht gänzlich mit anderen Berichten die ich danach zu den Sehenswürdigkeiten gelesen habe, aber da die Götter so vielfältig sind, sind es auch die Geschichten und Überlieferungen. Auch die Schreibweise der Eigennamen und die Erklärungen der Gottheiten sind sehr verschieden. Also, stört euch nicht daran....


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=== Wir besichtigen Pashupati ===

Die ersten Rhesusaffen tummeln sich auf den Wiesen, und ich staune, wie nah sie uns kommen. Auf einem betonierten Platz mit einer hohen Mauer mit Nischen bleiben wir stehen. Die verkleideten Männer, die hier rum sitzen, sollen Sadhus sein. Ein Sadhu ist ein heiliger Mann, erklärt Manni, mit langen Haaren und Bart. Er spricht mehrere Sprachen, ist sehr weise und bereits weit gereist, um sich zu bilden. Sie reiben Asche auf ihre Haut, bemalen ihre Körper und tun nichts weiter, als zu beten, so sagt er. Da Shiva Hasch geraucht hat, dürfen es die Sadus als Privilegierte auch. Deswegen scharen sich hier abends gerne die Jugendlichen um sie, um mit ihnen Hasch zu rauchen. Manni sagt, dass sie sich gerne für ein paar Rupien mit Touristen fotografieren lassen. Es soll Glück bringen. Jürgen und Susanne feuern mich an. Ich opfere wirklich 20 Rupien und setze mich zwischen zwei „Heilige“, wobei ich diesen ganzen Spuk für Unsinn halte.
Das Alter der „Heiligen“ lässt sich nicht schätzen, allerdings erscheint mir der linke Sadhu, der im Schneidersitz sitzt, kleiner und älter als der rechte. Beide haben ihren Bart mit einem Knoten verkürzt und tragen nur einen Lendenschurz. Ihre Körper sind schmutzig grau von Asche. Der rechte Sadhu hat eine Frauenhandtasche über der Schulter, eine Perlenkette um den Hals, Ohrringe und eine dicke fette Uhr am Arm. Die beiden sehen außerdem aus, als könnten sie ein Bad gebrauchen, und nebenbei gesagt möchte ich nicht wissen, ob es vielleicht irgendwo in den Haaren, die verfilzt und zu einem Knoten aufgesteckt sind, oder am Körper krabbelt. Sie lehnen sich richtig schön an mich ran, und die anderen lachen. Der Große legt mir auch noch seine Hand segnend aufs Haupt – na wenn’s jetzt nichts wird.

In einer Nische sitzt noch so ein heiliger Mann, der aber wesentlich vorteilhafter aussieht, weil sauberer. In seiner Haltung liegt Würde und Eleganz. Er lächelt, als ich ihm meinen Fotoapparat zeige, hebt seine rechte Hand zum Gruß mit der Handfläche zu mir. Seine linke Hand ruht auf seinem Oberschenkel, Daumen und Zeigefinger bilden einen Kreis. Er trägt ein rotes, langarmiges Oberhemd und einen orangefarbenen Wickelrock. Sein braunes Haar ist sauber, gekämmt und reicht wellig fast bis zur Brust. Sein Bart ist gestutzt und gepflegt. Seine Stirn ist gelb bemalt mit einem roten Strich vom Scheitel bis zur Nasenwurzel. Irgendwie erinnert er mich an bildliche Darstellungen von Gott. Ich verneige mich für das Foto, und auch er tut es mit vor der Brust zusammengelegten Händen. Das ist doch was Genaues, und er erscheint mir weniger theatralisch als die anderen beiden Kauze.

Wir gehen weiter und biegen um eine Häuserecke. Wieder hält Manni und zeigt uns einen „echten“ Sadhu, den Milch-Baba. Ein hagerer, weißhaariger kleiner Mann mit Turban und langem Gewand steht vor einem Haus, in dem er zu wohnen scheint. Er war bereits in Deutschland, Amerika, Österreich, der Schweiz und am Kailasch. Er ist wirklich ein großer Baba, trinkt und ernährt sich nur von Milch. Ich will Susanne fotografieren und zeige ihm meinen Fotoapparat. Er nickt freundlich, und ich fotografiere Susanne nun mit einem echten Sadhu und dann sie mich mit
Bilder von Pashupatinath Tempel, Kathmandu
  • Pashupatinath Tempel, Kathmandu Pashupati
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Pashupatinath Tempel, Kathmandu Pashupati
Hier gemeinsam mit dem Milk-Baba, der sich nicht für das Foto bezahlen ließ.
ihm. Er lässt sich fotografieren ohne Geld.

Wir gehen weiter, und ich nehme einen üblen Geruch wahr. Susanne rümpft ebenfalls die Nase. Einige Meter weiter sitzt eine Straßenband auf dem Erdboden und macht Musik, hört sich nicht schlecht an. Zwei von ihnen könnten auch zu den Sadhus gehören, weil sie lange Haare und Bärte haben, ihr Gesicht grau von Asche ist. Allerdings tragen sie auf dem Kopf so was wie einen Turban aus gelbem Stoff.

Dann stehen wir an einer Mauer. Manni wartet, bis alle ran sind. Manfred fotografiert die Musiker noch. Wir stehen an einem Flussufer, wie ich das sehe. Der Fluss und das ganze Gelände liegen etliches tiefer zu unseren Füßen. Wir schauen praktisch hinunter auf die breiten Flussufer, die mal breit und mal nur sehr wenig eingefasst sind. Auf der gegenüberliegenden Seite führen Stufen vom Wasser hinauf zu langgezogenen, flachen Gebäuden. Etwas weiter oberhalb von unserem Standplatz führen Brücken hinüber zur anderen Seite. Die Mauer vor uns ist mehr als zehn Meter hoch. Unten am Wasser tummeln sich Affen. Kühe weiden neben dem Fluss.

Wir befinden uns am heiligen Platz Pashupati, der Verbrennungsstätte am Fluss Bagmati, der in den heiligen Fluss Ganges führt. Tote werden sofort verbrannt. Nur die Männer dürfen an dieser Zeremonie teilnehmen. Auf Nachfrage von Anette erklärt Manni, dass es früher mal die Witwenverbrennung gab, die allerdings schon lange nicht mehr durchgeführt wird. Frauen bleiben zu Hause. Stirbt eine Mutter, so muss der jüngste Sohn und für den Vater der älteste Sohn das Feuer entzünden. Gibt es keinen Sohn, übernimmt ein Priester diese Aufgabe. Reiche Leute müssen das Holz zum Verbrennen bezahlen, arme Menschen nicht, sie bekommen es geschenkt. Wir sind alle nackt auf die Welt gekommen, und so sollen wir auch wieder gehen, so sagt ihr Glaube. Darum werden alle Leichen nackt verbrannt. Weil sie allerdings keine Geschlechtsteile sehen wollen, wird ein weißes oder gelbes Seidentuch über den Leichnam gelegt. Damit dieses Tuch nun wiederum nicht so schnell verbrennt, wird noch nasses Stroh drauf gelegt. Die anderen Kleider werden in den Fluss geworfen, ebenso die Reste, wenn alles nach ca. 3-5 Stunden abgebrannt ist. Die Kleidung und die Holzreste werden weiter unten am Fluss von Angehörigen der vierten Kaste rausgefischt. Damit verdienen sie ihren Lebensunterhalt.

Wir sehen auf der gegenüberliegenden Flussseite eine Leiche brennen, eine zweite liegt auf einem anderen Podest, mit einem gelben Tuch abgedeckt. Einige Männer in weißen Gewändern sitzen oder stehen dabei. Von der ersten Leiche steigt dicker Qualm auf, und der Geruch ist einfach nur widerlich. Unter uns, entlang der Mauer sitzen auf Stufen viele einheimische Männer schwatzend beieinander, die das Ganze beobachten.

Manni erklärt, dass viele Regeln eingehalten werden müssen. Alle Söhne müssen zur Zeremonie der Verbrennung anwesend sein, ihren Kopf und den Bart rasieren, 13 Tage lang jeden Tag im weißen Gewand eine Zeremonie mit einem Priester abhalten und ein Jahr lang Weiß tragen. Nach einem Jahr findet wieder eine große Feier statt, mit der dann die Trauerzeit abgeschlossen ist. Die Zeremonien müssen sehr gut abgehalten werden, damit die Seele ins Nirwana eingehen kann. Sonst spukt die Seele im Haus rum, die Kinder werden krank und all so’n Zeug. Wenn die Mutter gestorben ist, dürfen sie ein Jahr lang keine Milch trinken, und ist es der Vater, dürfen sie ein Jahr keinen Reis essen. Seltsame Sitten. Am besten nicht drüber nachdenken.
Manni muss lachen, weil nicht nur ich den Mund verziehe. Er sagt, dass es im Hinduismus 3,33 Millionen Götter gibt, so viele, wie die Kuh Haare hat. Jeder Grashalm, jeder Stern, alles ist Gott.

Er wandert mit uns weiter, flussaufwärts, und erzählt dabei, dass hier unten nur die Menschen der zweiten, dritten und vierten Kaste verbrannt werden, die der ersten Kaste weiter oben am Fluss. Wir biegen um eine Ecke nach rechts und stehen vor einer Steinplatte mit dem Gott Ganesh (oder Ganesha), dem Sohn von Vishnu und Shiva. Er hat einen Elefantenkopf und einen dicken Bauch. Die Statue ist aus dem 16. Jahrhundert und darum hat er uns hierher geführt. Die Geschichte von dieser Gottheit hat uns Phu schon am Anfang am Tempelberg erzählt. Ich war damals allerdings nicht so schnell und konnte mir dazu nichts aufschreiben. Heute mache ich flink Notizen:
Um seinen Elefantenkopf ranken sich zahlreiche Legenden, welche ihm die Bedeutungen als Gott der Weisheit und des Glücks und des Beseitigers aller Hindernisse zukommen lassen. Eine Legende sagt, dass dem jungen Ganesh der Kopf abgeschlagen wurde. Warum und von wem, das ist mir entgangen. Als man der Mutter den Leichnam ihres Sohnes brachte, war Vishnu untröstlich. Sie schickte ihre Diener aus, dem ersten Lebewesen, das ihnen begegnete, den Kopf abzuschlagen und ihr zu bringen. Dies war ein Elefant und so brachten die Diener ihr einen Elefantenkopf. Vishnu setzte diesen Kopf auf den Körper ihres Sohnes, um ihn ins Leben zurückzuholen. Ganesh verkörpert Weisheit und Intelligenz und wird als Herr über die Wissenschaft angesehen. Außerdem war seine Liebe zum Essen bekannt, vor allem eine besondere Art von Süßigkeiten. Das machten sich Studenten zum Nutzen, die ihre Zeit lieber mit was Anderem als mit Lernen verbrachten. Um aber trotzdem gute Leistungen zu erbringen, besuchten sie oft Ganesh, brachten ihm Süßigkeiten und baten um seinen Segen. Dieser ließ sich das gerne gefallen und die Zahl der Studenten nahm zu. Ganesh hatte alsbald Sorge zu platzen. Darum band er eine Schlange als Gürtel um seinen dicken Bauch. Sein Leittier ist die Ratte, ebenfalls ein Symbol für Intelligenz. Unterschiedliche Beigaben auf den Darstellungen zeigen die verschiedenen Mythen, die sich um diese Gottheit ranken. Mal hat er ein Buch, mal eine Lotosblüte, mal eine Gebetskette oder aber eine Schale mit Süßigkeiten und nur einen Stoßzahn. Ich schreibe das auf und denke an Mannis Hinweis: wir sollten uns keine Mühe machen, das mit den vielen Gottheiten zu verstehen.

Soviel zu Mannis Erklärungen zu Ganesh. Wir bleiben auf dieser Seite des Flusses und gehen einen Berg hinauf, der wie eine Tribüne treppenförmig angelegt ist. Viele kleine Stupas, alle von gleicher Größe und Form, nur mit unterschiedlichen Fresken, stehen endlos aufgereiht links von uns und thronen hier oben wie Zuschauer auf den Rängen eines Stadions. Ungefähr zehn dieser Reihen sind es nach oben hin, wobei wir gar nicht ganz bis hinauf gehen. Der seitliche Abstand nach oben und zur nächsten Stupa beträgt ca. 2m. An jeder Seite haben die Stupas eine Tür mit Torbogen darüber, so dass man von der ersten bis zur letzten durchschauen kann, seitlich wie nach oben oder unten. Und mittig im Inneren haben sie einen Stein. Es ist die Symbolik für Mann und Frau. Den oberen Abschluss bildet eine Halbkugel, der männliche Teil von Shiva, und darunter ist der weibliche Teil von Vishnu. Der Mann bekommt die Kraft von der Frau und die Frau vom Mann. Wenn sie allein sind, haben sie keine Kraft. Na was sag ich: Nur gemeinsam sind wir stark!

Ich haste hinter den anderen her die Stufen hinauf. Rechts von mir kann ich hinunter auf einen Innenhof schauen. Ein Mann steht dort und rührt über einem offenen Feuer in einem riesigen Tiegel. Zwei Frauen und ein Mädchen sitzen auf Steinen und bereiten augenscheinlich noch was fürs Essen vor. Ich rufe Manni und frage, was da abgeht. Er erklärt uns, dass sie hier Essen kochen für die Sadus. Manchmal kommen Leute, die den Heiligen Männern etwas Gutes tun wollen und Essen spendieren. Sie können es hier holen. Auf die Frage, was das ist, was gerade zubereitet wird, sagt er, dass es heute Polenta mit Butter und Gemüse gibt.

Wir gehen zwischen den Stupas wieder hinab, bleiben aber individuell stehen, um Fotos zu machen. In der vorletzten Reihe hält Manni wieder an und wartet, bis alle zusammen sind. Jetzt stehen wir oberhalb der Verbrennungsstätte der 2.-4. Kaste, die durch zwei Fußgängerbrücken räumlich wie auch sichtlich von der Verbrennungsstätte für die 1.Kaste getrennt sind. Wir erkennen schon an den Betontischen, was hier abgeht und sehen natürlich den Unterschied zu den niederen Kasten. Hier ist das Flussbett schmal, sauber von Steinen eingefasst, keine Kuhweide daneben und alles rundum gepflegt und sauber. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Plätze zum Verbrennen. Der erste und oberste Platz am Fluss, also von uns aus rechts gelegen, ist der für das Königshaus, der zweite, weiter links ist für alle anderen Angehörigen der 1. Kaste.

Manni erzählt uns von der letzten Verbrennung auf dem Platz des Königshauses und von dem Familiendrama, das uns Shashi Mala schon erzählt hatte. Schön, wenn man schon was weiß und dann auch den Bezug dazu hat. Übrigens wird hier vor und nach der Verbrennungszeremonie immer geläutet. An dem anderen Verbrennungsplatz macht sich ein weiß gekleideter Mann in langen weißem Gewand zu schaffen. Reste von verbranntem Holz liegen noch auf dem Betontisch. Er schaut in den Fluss und geht dort auf und ab. Aber auch hier oben halten sich die Rhesusaffen auf.

Manni ist extra so erhöht stehen geblieben, um uns von hier aus noch andere interessante Gebäude an dem gegenüberliegenden Flussufer zu zeigen. Den Verbrennungsplatz der 1.Kaste begrenzen zwei langgestreckte Häuser, das eine ist rot gestrichen, das andere weiß getüncht. Hierbei handelt es sich um eine Art Hospiz für Sterbende, wobei das linke rote Gebäude für die Ärmeren und das rechte weiße Gebäude für die gut Betuchten ist. Wenn kranke Menschen gesagt bekommen, dass die Hoffnung auf Gesundung aussichtslos ist, können sie hier kurz vor dem Tod ihr Dasein fristen und hier in Ruhe sterben, um ihren Angehörigen keine Last zu sein. Die Ärmeren müssen Decken, Essen und Medikamente mitbringen, sofern vorhanden. Die Reichen gehen in das weiße Haus und bekommen alles gestellt. An dem weißen Haus kann ich auch ein kleines Fähnchen mit einem roten Kreuz auf weißem Grund erkennen. Praktische Idee, somit sind sie gleich da, wo sie auch verbrannt werden.

Dann zeigt er uns ein Gebäude dahinter, das ich erst gar nicht richtig ausmachen kann. Es ist der berühmte hinduistische Tempel Pashupatinath mit den Silbertoren an allen vier Seiten. Das Dach ist vergoldet und daran ist es letztendlich zu erkennen. Wir werden dann noch hinüber gehen.
Bereits im 4.Jahrhundert hat hier ein kleiner Tempel gestanden, der im 12. und 17.Jahrhundert restauriert worden ist. Im 19.Jahrhundert wurde dann das Dach vergoldet. Drinnen hat er viele Plätze zum Sitzen und Schlafen. Im Tempel lebt der Pashupati-Baba, der Aufseher oder Beschützer des Tempels. Er steht früh’s um 5.00 Uhr auf, nimmt im Fluss sein religiöses Bad, hält seine Gebete, und dann öffnet er den Tempel für alle Besucher. Er überwacht den ganzen Tag den Ablauf und hat sonst nichts weiter zu tun, als zu beten.

Manni zeigt auf ein Haus in der Ferne, etwas links vom Tempel. Mehrere kleine Türme mit goldenen Kuppeln und Kugeln ragen über die anderen Dächer. Das ist ein Haus für alte Leute, das Mutter Teresa hat bauen lassen. Also ein Altenheim, übrigens das einzige in ganz Nepal. Es hat 364 Plätze und beherbergt hauptsächlich Frauen, weil die im Alter in dieser Gesellschaft große Probleme haben. Ich bin fasziniert von diesem Gedanken, dort mal zu schauen, lasse ihn aber vorerst wieder fallen, weil ich sicher enttäuscht sein würde, von dem, was ich da vorfinde.

Wir folgen Manni hinunter zur oberen Fußgängerbrücke, die nicht sehr lang ist, weil hier der Flusslauf nicht breit ist. Ein Blick nach rechts und ein Foto von der reichen Seite, ein Blick nach links, dem Bereich der armen Seite, wenn man das so nennen will. Die Brücke trennt Welten!

Wir biegen um mehrere Häuserecken, und es bietet sich uns ein erschreckendes Bild. Waren linker Hand erst noch einige ordentliche Stände mit Blumenketten, Räucherstäbchen und Reisopfern, die man sich hier kaufen kann für den Tempelgang, so tut sich uns um die nächste Ecke ein erschreckender Anblick auf. Ich kann nur sagen: wie nach einem Bombenangriff. Eingefallene, verfallene Häuser, Steinhaufen, Unrat und Trümmerhaufen wechseln sich ab. Ein mit Marmorplatten frisch angelegter Weg führt mitten durch das Chaos, dem wir folgen, bis wir vor dem Heiligen Tempel stehen. Taubenschwärme fliegen kreischend auf, überall Tauben und die dazugehörige Scheiße.
Das hätte mich ja nicht mal so gestört, aber der Schuttplatz und der heilige Tempel nebeneinander, das passt einfach nicht. Manni erklärt: Pashupatinath gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Jahre hat man es verkommen lassen, bis dann die UNESCO angedroht hat, ihnen den Titel abzuerkennen. Das will Nepal nun doch nicht riskieren. Deswegen herrscht seit einem Jahr hier eine rege Bautätigkeit. Wurde höchste Zeit, kann man da nur sagen.

Der Tempel ist Shiva geweiht, der den Bullen als Leittier hat und hier mit einem Dreizack dargestellt ist. Durch das offene Silbertor sehen wir die riesige goldene Statue eines Bullen. In diesem Heiligtum wird Shiva als Herr der Tiere verehrt. Der Tempel darf nur von Hinduisten betreten werden, alle anderen dürfen von draußen gucken. Manni erklärt uns auch noch die Skulpturen, die in fensterartigen Nischen überm Tor und auf beiden Seiten zu sehen sind und die Bedeutung auf den Darstellungen. Ich merke mir nur, dass links Ganesh, der erste Sohn von Shiva und Paravati und rechts Komara, der zweite Sohn der beiden dargestellt ist. Shiva steht als blaue Gestalt mit vier Armen. Hinter ihm sind die fruchtbare Landschaft und die Bergwelt zu sehen. Ganesh mit seinem Elefantenkopf ist eine sitzende weiße Skulptur mit vier Armen und den dazugehörigen Attributen wie Beil und Kette. Darüber der liegende Halbmond mit der Sonne, so wie in der Flagge Nepals. Komara dagegen ist braun und sitzt wie Ganesh im Lotossitz mit seinen Attributen in den vier Händen. Über seinem Kopf prangt eine Sonne mit Gesicht und Strahlenkranz. Ich fotografiere derweil außerdem noch die Wüstenei. Wir gehen nicht drumherum, um in die anderen Tore rein zu schauen. Warum eigentlich nicht?

Dann gehen wir denselben Weg zurück, nehmen aber diesmal die andere Fußgängerbrücke. Wahnsinnig viele Menschen, marschierende Soldaten und zu allem Überfluss noch eine Kuh mit einem verletzten, eitrigen Hinterhuf mitten auf dem Aufgang zur Brücke. Kühe sind ja heilig, und deswegen kommt niemand auf die Idee, sie hier wegzuscheuchen. Ein Foto gefällig?
Wir schlängeln uns drumherum. Mittlerweile ist es sehr heiß. Viel Gestank und viele Leute. Die Feuer schwelen und ich werfe einen letzten Blick zurück.

~~~~~~~~~~~~~~~~~
=== Fazit ===

Wir haben danach noch viele andere Sehenswürdigkeiten besichtigt, die ich sicher an anderer Stelle noch beschreiben werde. Das Land ist bunt und schmutzig, aber die Menschen sind aufrichtig, freundlich und herzlich.
Man muss diese Stadt einfach gesehen haben, sonst kann man nicht mitreden!

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Vorgeschmack zur Einstimmung geben.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
suffocat

suffocat

21.10.2010 12:09

Hochinteressant, ein toller Bericht! Dazu noch als Erstbericht> Wow :)! Und BH natürlich :))! LG Helmut

blonde_lady

blonde_lady

25.01.2010 19:02

Wow....dort hätte ich sicher einen Kulturschock bekommen...dein Bericht hat einen richtig guten Einblick in die Kultur von Nepal gegeben....solche Erinnerungen verblassen sicher nie....LG

schmusenase

schmusenase

26.10.2009 01:50

Sprachlos und beeidruckt, das trifft meinen Zustand nach der Lektüre dieses in jeder Hinsicht faszinierenden Berichtes!

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