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Wandern auf Paros

5  04.06.2002 (08.06.2002)

Pro:
Ruhig, Authentisch, Grün,Preiswert  -  Einfach schöN !

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

pepe76

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Erfahrungsberichte:31

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Paros – das ist eine grüne, im Zentrum der Kykladen liegende Insel, welche für Ihren Wein und weißen Marmor schon in der Antike bekannt war.
Der malerische Fischerort Naóussa, die schönen Strände im Osten und Süden der Inseln und die sehr gute Erreichbarkeit von Paros mit Fähren und über den kleinen Flughafen haben Paros hinter Mykonos und Santorin zu einem Magneten für Touristen werden lassen.

Ich möchte Euch heute aber von den Touristenorten weg in das noch unberührte Inselinnere entführen und mitnehmen zu der Wanderung vom Hauptort Páros (Paríkia) nach Naóussa – über die alten Marmorbrüche von Marathi*.
Es ist Anfang Mai, noch wenige Touristen sind hier unterwegs und die ganze Insel ist voller bunter Blumen ...

Die Wanderung ist im Wanderführer mit einer Dauer von 6 Stunden angesetzt, aber wie immer schaffen wir es nicht, vor 10 Uhr aufzubrechen. Nun gut – wir werden also den ganzen Tag unterwegs sein. Ausgangspunkt ist in Paríkia die Konstantin-Kirche, welche am anderen Ende des Ortes wie unser Hotel liegt. Somit beginnen wir den Tag mit einem Bummel an der Hafenstraße entlang vorbei an den Fischern, welche noch den Fang der Nacht verkaufen, vorbei an den auf die Fähre wartenden Urlaubern und den vielen, jetzt im Mai noch leeren Tavernen.
Aus dem Ort führt uns ein gut begehbarer Weg vorbei an Wohnhäusern, an welchen lautes Hundegebell unser Vorübergehen begleitet. Nach wenigen Schritten bereits sind wir allein und durch den steiler werdenden Bauernpfad auch ganz mit uns, dem Aufstieg und der Natur beschäftigt. Es ist heute ein wunderschöner Tag – blauer Himmel ohne eine Wolke und die Sonne brennt ...
Je höher wir kommen, desto atemberaubender wird der Blick zurück – auf das Meer, die kleine Nachbarinsel Antiparos und dem immer mehr entfernenden Paríkia. Nach der Überquerung der Hügelkuppe müssen wir uns leider vom Anblick des Meeres trennen, werden aber von der völligen Einsamkeit und Ruhe inmitten der kargen, aber grünen Vegetation entschädigt.
Einige hundert Meter weiter erwartetet uns ein einsamer, wunderschöner Olivenhain, in welchem Mohn, Margeriten und Ginster blühen. Dieser Anblick muss natürlich für uns und unsere Nachwelt festgehalten werden, was bei meinem Freund und Begleiter mit einem mittelgroßen Aufwand verbunden ist. Daher bleibt mir genügend Zeit, um im Schatten einige Minuten zu entspannen ....
Die Wanderung führt uns weiter durch ein Bachbett vorbei „an einem armseligen Waschplatz eines armseligen Weiher“ * - welchen wir leider nicht als solchen erkannt haben.
Allerdings war am Berg gegenüber, durch lautes Hundegebell nicht zu verfehlen, ein sehr armselig aussehendes Bauernhaus zu sehen ... aber auch hier ist wieder kein Mensch außer uns weit und breit.
Beschwerlich wird auch diese Wanderung durch das Benutzen der alten Monopáti, das sind die alten Maultierpfade, welche durch den starken Bewuchs unbenutzt wirken. Sie sind wahrlich schön anzusehen – mit all den Blumen und Disteln darin – allerdings hinterlassen sie weniger schöne Andenken auf unseren Armen und Beinen ... Vorbei an dem noch immer noch bewohnten Nonnenkloster Moni Thapsanon, zu welchem mein Freund als Mann und ich als Frau in Hose kein Zutritt erwarten dürfen, wandern wir durch Monopátis und Bachbetten im Schatten weiter zu dem Dorf Vounia, von welchem aus man dann endlich auch das Kloster Agios Minas bereits sehen kann. Endlich, denn laut Führer sollte es bereits seit einer Weile das Bild der Ebene beherrschen ... Uns zieht es aber auch hier weiter zu den Steinbrüchen von Marathi. Hier wurde in der Antike, schon vor mehr als 5000 Jahren, der außergewöhnlich helle Marmor gebrochen, welcher Grundmaterial für Götter- und Heldenstaturen in ganz Griechenland war. Der parische Marmor galt weltweit als der beste, da der durchkristallisierte Kalkstein noch bei einer Dicke von 35 mm Licht durchdringen läßt.
Auf der Suche nach den antiken Brüchen stolpern wir als erstes über eine schöne Höhle mit viel Marmor an den Wänden, welcher aber aus den Abbau aus jüngerer Zeit resultieren zu scheint. Am Fuße des Berges finden wir dann die antiken Brüche – zu erkennen an den gemauerten Rampen die in einer Breite von ungefähr 4 Metern in den Berg führen. Diesen folgen wir natürlich auch in das dunkle der Marmorbrüche – wollen aber aus Sicherheitsgründen nicht den erlaubten Abstieg allein wagen, obwohl wir mit unseren Wanderschuhen und einer Taschenlampe bestens gerüstet sind – aber mir ist es einfach zu dunkel ... also dringen wir nur wenige Meter in die Brüche ein und suchen uns jeder ein kleines Stück des Steines, um einmal die Lichtdurchlässigkeit mit Hilfe unserer Taschenlampe zu testen und ein Andenken für zu Hause zu haben.
Auf einer kleiner Mauer in der Nähe der Steinbrüche rasten wir und lassen uns unser Brot , die Tintenfische in Büchsen und Äpfel schmecken ...
Weiter geht’s von den Steinbrüchen aus über eine Marmorstraße zur Hauptstraße, welche nach Lefkes führt, vorbei an einem Betonwerk zu einem Bachbett, welches in Richtung Meer uns Naóussa führen soll. Oberhalb der antiken Marmorbrüche ist ein Tagebau zu erkennen, in dem noch heute Marmor gebrochen wird – welcher allerdings nicht mehr die Qualität des der alten Griechen haben soll.
Auch dieses Bachbett ist schon ausgetrocknet und in der Nähe des Betonwerks völlig staubig, so das unsere Schuhe sich bald nicht mehr vom Weg farblich abheben. Es führt uns durch das Tal vorbei an kleineren von Hunden bewachten Olivenhainen und Schaf- und Ziegenweiden, welche durch den Klang der kleinen Glocken der Ziegen eher zu hören als zu sehen sind. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf die erste von vielen folgenden Staustufen, welche meinen Freund aber in helle Begeisterung versetzt: vor der Staustufe sind als Zeugen des letzten Regens der trockene Boden in viele Schollen gebrochen, welche in den Bruchstellen den Blick auf mehrere immer feuchter werdende Erdschichten preisgibt. Ein seltsames Bild was sich uns da bietet!
Der weitere Weg geht vorbei an verkohlten Büschen, welche den ganzen Berg trostlos erscheinen lassen bis sich das Tal zum Meer hin öffnet und den Blick auf den malerischen Fischerort Naóussa freigibt.
Naóussa ist ein malerischer Fischerort im kykladischen Stil mit vielen engen, verwinkelten Gassen und schöne (aber sehr teure) Tavernen rund um den Hafen, an dem man noch heute bei einem Glas Wein den Fischern bei der Arbeit zu schauen kann.
Aber uns zieht es direkt zu einem der Busse, welcher uns preisgünstig und schnell (1,60€ für zwei Personen) zurück nach Paríkia, in unser Hotel und somit zu einer Dusche bringt, denn die habe ich nun dringend nötig!

Nun noch einiges Allgemeines zu Paros:
Ein einfachen und preiswertes Hotel im Mai auf Paros zu finden ist sehr einfach, da die Insel zu dieser Zeit noch wenig besucht ist. Wir haben 40€ pro Nacht für zwei Personen bezahlt für ein Hotel in Paríkia in der Nähe des Strandes. Einziger Minuspunkt war das kalte Wasser morgens ... *grrrrrr*!!!
Die Hotelsuche in der Hauptsaison dürfte sich schwieriger gestalten – auch erhöhen sich die Preise da auf ca. 200%, so dass ich Besuchern da entweder zu einem Pauschalangebot oder eine Vorabbuchung über Internet raten würde.
Uns haben die sehr preiswerten Tavernen auf Paros sehr gefreut – so konnten wir zu zweit inklusive Vor- und Nachspeisen und einer Flasche Retsina uns für ganze 34€ an Fisch und Meeresgetier satt essen ... Einfach unschlagbar! Und sehr lecker ....


*Geführt wurden wir während der Wanderung durch unseren wichtigsten Begleiter – dem Buch „Wandern in den Kykladen“ von Dieter Graff, welches ich Euch aber in einem (wahrlich verdienten) eigenen Bericht noch vorstellen möchte.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Cygni

Cygni

05.06.2003 15:12

jetzt hab ich richtig Fernweh....

otto0816

otto0816

04.06.2002 21:10

bedanke mich für diesen schönen Wanderausflug, Grüße Jörg

Sonnenbrand

Sonnenbrand

04.06.2002 16:30

Mal ein etwas anderer Reisebericht - super!Will auch in Urlaub....

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