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Pro Eine Stadt, die immer wieder einen Besuch lohnt
Kontra natürlich zu viele Touristen :-)
Detailbewertung
| Preis-/Leistungsverhältnis | |
|---|---|
| Anbindung | |
| Sehenswürdigkeiten | |
| Sicherheit | |
| Gastfreundlichkeit |
Über kaum eine Stadt der Welt ist so viel geschrieben worden wie über Paris. Aber über kaum eine andere Stadt gibt es so viel zu berichten wie über die Metropole an der Seine. Selbst Hemingway hat es schon getan. Soll ich mich da auch noch einreihen? Nun ja, es muss ja nicht gleich ein Buch sein. Und vielleicht gefallen Ihnen meine Impressionen ja trotzdem, selbst wenn Sie lieber Hemingway lesen.
Am besten beginne ich gleich mal damit festzuhalten, was wir in der letzten Woche erlebt haben, bevor es der Halbwertszeit der Vergessenheit unterliegt. Wir, das sind natürlich wie immer Mrs. Dice und meine Wenigkeit.Die Pfingstferien nahten und in meinem Besitz befand sich immer noch ein ganzer Haufen an Flugmeilen, die ich in den letzten Jahren bei Air France gesammelt habe. Was liegt näher als sie für eine Reise nach Paris zu nutzen, bevor sie irgendwann wertlos werden? Dennoch würden wir nicht umsonst nach Paris kommen. Denn Sie wissen schon, die Flughafen-Gebühren sind besonders in München sehr hoch, so dass wir für die Anreise doch jeder um die 80€ los werden.
Unser Flug verläuft reibungslos, so dass wir am Nachmittag des Pfingstmontags pünktlich auf "Se-De-Je-Dö" landen. Gemeint ist damit das Terminal 2 des großen Pariser Flughafens, der nach dem großen Staatsmann General Charles de Gaulle benannt wurde. Wir sind also von FJS nach CDG gereist.Vorab hatte ich mich bereits informiert, wie wir am besten vom Flughafen zu unserem Hotel kommen würden. Da sich unser Gepäck für ein paar Tage im Rahmen hält, können wir uns ein Taxi sparen, das aus früherer Erfahrung mindestens 50€ kosten würde. Somit entscheiden wir uns, den S-Bahn-ähnlichen Regionalzug RER zu nehmen. Eine Alternative wäre auch der Air France-Bus gewesen. Fahrkarten für den RER kann man zwar an Automaten kaufen. Allerdings werden dort keine Euro-Banknoten akzeptiert, sondern nur Kleingeld oder Kreditkarten. Nicht nur hier muss ich feststellen, dass meine VISA-Karte an Automaten im Gegensatz zur bargeldlosen Bezahlung in Restaurants zurückgewiesen wird. Deshalb begeben wir uns an einen Schalter. Das hat zudem den Vorteil, dass ich mich dort erkundigen kann, ob das RER-Ticket auch anschließend in der Métro gelten würde und ob ich schon die Tickets für die Rückreise kaufen könnte. Beides ist der Fall. Die Fahrt mit dem RER kostet ca. 8,50€ einfach pro Person. Für die Fahrt zum Münchner Flughafen zahlt man ähnlich viel. Der Zug fährt auf der Hinfahrt von CDG zum Gare du Nord ohne Anzuhalten in einem durch. Dort müssen wir in die Métro (U-Bahn) umsteigen, mit der wir aber nur noch 4 Stationen fahren müssen, bis wir die Haltestelle Blanche erreichen. Von dort sind es maximal 5 Minuten bis zu unserem Hotel "Royal Fromentin", das Sie mir erlauben, extra zu beschreiben.
Bei unserer Ankunft ist es ca. 16 Uhr. Wir packen schnell unsere wenigen Sachen aus. Denn unser Aufenthalt wird nicht mehr als 5 Tage betragen. Nach meiner Erfahrung eine angemessene Aufenthaltsdauer für Paris und ähnliche Großstädte.Natürlich kann man in Paris ein ganzes Leben verbringen, ohne jemals diese Stadt vollständig zu ergründen. Aber es kommt mir niemals darauf an, alles oder möglichst viel in begrenzter Zeit zu sehen. Wichtiger ist es mir, eine Stadt entspannt zu genießen und in Ruhe auf mich einwirken zu lassen. Gerade bei Paris empfehle ich das jedem.
Unser Hotel liegt in einer Seitenstraße zwischen Pigalle ("♪....das ist die große Mausefalle mitten in Paris♪") und Moulin Rouge. Mit anderen Worten, wir wohnen quasi auf der Reeperbahn. Das klingt zunächst etwas widersprüchlich, was den Anspruch auf Entspannung angeht. Hier stehen schon am frühen Nachmittag Damen an der Ecke, die ihre besten Zeiten schon längst hinter sich haben. Kein schönes Leben. Wir überqueren den Boulevard de Clichy und gehen dann über Querstraßen zum Montmartre hinauf, da wo wir von der berühmten Kirche Sacré-Cœur einen hervorragenden Blick über Paris haben, das jetzt unter uns liegt. Natürlich sind wir hier längst nicht allein. Das ist man bei Sacré-Cœur nie. Die Ferienzeit und der Pfingstmontag, der auch in Frankreich ein Feiertag ist, tun ihr übriges. Wir schlendern zurück über die Place du Tertre, das Zentrum des Montmartre, das von Bars, Cafés und Brasseries umzingelt ist. Und mittendrin sind all die Künstler und Bildermaler, die ihr Glück bei Touristen erhoffen. Die Versuchung, hier ein Bild zu erstehen, ist sicher groß. Die Preise halten uns aber von einem übereilten Kauf ab. Vielleicht würden wir in den nächsten Tagen noch mal wieder kommen. Stattdessen erhaschen wir zwei frei werdende Plätze in einem der umliegenden Straßen-Cafés, wo ich mir einen ersten Pastis gönne. Schon bei solch kurzen Rasten kann man relativ viel Geld los werden. Getränke sind in Frankreich im allgemeinen sehr teuer, was vor allem für Bier gilt. Ein kleines Glas mit 0,25l Inhalt steht in Paris meist mit 5-6€ zu Buche. In jedem Fall sollte man sich vor jeder Bestellung die Karte zeigen lassen, um nicht böse Überraschungen zu erleben. Gerade über Paris habe ich schon häufig von dreisten Nepp-Versuchen gelesen, wo man Touristen das etwa Zehnfache der für Paris normalen Preise abknöpfen wollte.Auf dem Weg hinauf war uns schon das kleine Restaurant "Le Dürer" aufgefallen, wo wir gegen 18Uhr einkehren. Auch hierzu werde ich mich an anderer Stelle auslassen.
Es mag Leute geben, die jede Reise akribisch planen und eine lange Liste von Sehenswürdigkeiten aufstellen, die es dann abzuarbeiten gilt. Gerade für Paris halte ich das für unangemessen. Hier gilt es doch eher, sich von seinen Gefühlen und Stimmungen treiben zu lassen. Was man sich vornimmt, dürfte auch sehr vom Wetter abhängen. Aber Paris bietet ja für jedes Wetter genug. In den ersten beiden Tagen unseres Aufenthalts ist es für meinen Geschmack schon fast zu heiß zum Herumlaufen. Aber ins Museum zieht es einen doch eher bei schlechterem Wetter. Das erste Ziel dürfte für fast jeden Paris-Besucher der Eiffel-Turm sein. Mrs.Dice war noch nie oben, ich hingegen schon 3-4mal.Um dorthin zu kommen, nehmen wir die Métro. Wir kaufen uns der Einfachheit halber gleich eine 3-Tageskarte für bis zu 3 Zonen zum Preis von 19€ pro Person. 3 Zonen umfassen aber weit mehr als die Innenstadt. Lohnen tut sich diese "Visite Paris"-Karte somit nur für Leute, die wenigstens 5mal pro Tag mit der Métro fahren, was in unserem Fall nicht zutrifft. Ich empfehle daher eher, 10 Einzelfahrscheine auf einmal zu kaufen (am Automaten oder am Schalter). Das Métro-Fahren ist in Paris nicht kompliziert. Man sollte auch nicht dabei hetzen, denn tagsüber verkehren die Züge aller Linien i.d.R. alle 2 Minuten, so dass kaum Wartezeiten entstehen. Bequem ist das Métro-Fahren aber nur bedingt. Wer schlecht zu Fuß oder gar auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist hier aufgeschmissen. Denn zum einen sind die Züge sehr eng und zu Stoßzeiten trotz der hohen Frequenz meist überfüllt, zum anderen ist die Pariser Métro sehr alt, so dass die wenigsten Bahnhöfe über Rolltreppen verfügen, und wenn, sind diese oft außer Betrieb. Sowohl beim Zugang zu den Stationen wie auch beim Umsteigen muss man zahlreiche Treppen auf und absteigen. Eine Alternative wären hier die auch in anderen Städten herumfahrenden Sightseeing-Busse, die man mit einem Tages-Ticket beliebig oft nutzen kann. Man fährt zu einer Sehenswürdigkeit, steigt dort aus und fährt später mit einem der Folgebusse weiter. Das würde zumindest das Treppensteigen reduzieren. Im Gegensatz zu deutschen U-Bahn-Stationen sind Métro-Station meist nicht von weitem zu erkennen, da die Eingänge oft versteckt liegen und unauffällig gekennzeichnet sind.
Am Eiffelturm angekommen sehen wir die Menschen an den Kassen Schlange stehen. Auch muss man sich hier einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Bis man sein Ticket hat, kann es daher schon mal 30-60 Minuten dauern. Bei uns geht es schließlich dann aber doch schneller als zunächst befürchtet. Der Eintritt beträgt bis zu 12€ pro Person, je nachdem wie hoch man hinaus will (3 Level). Die meisten Besucher wollen natürlich ganz hoch hinauf. So auch einer meiner Schüler, der plötzlich hinter mir steht und artig grüßt. An den Fahrstühlen bilden sich natürlich wieder lange Schlangen. Aber irgendwann gelangen wir sanft nach oben. Muss ich den Blick über Paris beschreiben?Nachdem wir insgesamt 2-3 Stunden am und auf dem Eiffelturm verbracht haben, nehmen wir uns als nächstes eine Fahrt auf der Seine vor. Ausflugs- und Transportboote dafür gibt es genug. Auch ein Mittag- oder Abendessen auf der Seine wird angeboten. Wir wählen eine ca. 60-minütige Fahrt ab Tour Eiffel bis Notre Dame und wieder zurück. Die Kosten schlagen wieder mit rund 10€ pro Person zu Buche. Inklusive ist ein Gerät mit der Form eines übergroßen Handys, wo man die gewünschte Sprache einstellen kann, mit der einem die Erklärungen ins Ohr geflüstert werden. Manchmal singt auch Edith Piaf. Die Fahrt geht vorbei an mehreren Museen (u.a. Louvre), dem Justizpalast und Notre Dame. Ein Foto, das man bei Beginn der Fahrt gemacht hat, können wir hinterher zum Preis von 10€ erwerben. Da gemeinsame Bilder von Mr. Und Mrs. Dice eher selten sind, können wir nicht widerstehen. Nach einem kleinen Imbiss fahren wir zum Cimetière de Montmartre. Auf diesem berühmten Friedhof liegt u.a. Heinrich Heine begraben. An seinem Grabmal hinterlassen manche Besucher auf kleinen Schriftstücken ihre Gedanken, wenn sie an Deutschland denken. Schließlich sind wir von der Hitze und dem vielen Herumlaufen so geschafft, dass wir beschließen, zum Hotel zurückzugehen, um uns vor dem Abendessen noch etwas auszuruhen.
Den Abend verbringen wir in der Brasserie Houdon, einem Lokal, das auch wieder in Gehdistanz von unserem Hotel im Montmartre-Viertel liegt. Das schöne Wetter lädt dazu ein, draußen zu sitzen, was hier quasi auf dem Gehweg bedeutet. Aber gerade das gehört zu Paris und vor allem dem Montmartre-Viertel einfach dazu, um den Charme und das Flair der Stadt zu inhalieren. Mrs. Dice gefällt besonders der Kellner, weil er sie an den Butler aus "Dinner vor One" erinnert. Aufgrund seiner vorgebeugten Haltung ist er in der Tat durchaus dafür geeignet, regelmäßig über ein Tigerfell zu stolpern. Allerdings habe ich heute keines dabei. Er will uns unbedingt einen Rinderbraten für 2 Personen aufschwatzen. Natürlich ist hier alles "Specialité" genauso wie das "Escalope de Veau" (Kalbsschnitzel), für das wir uns entscheiden. Und die Pommes Frites, die dabei sind, sind nun mal in Frankreich unvermeidlich gut. Die Portionen, die in Brasserien wie hier angeboten werden, sind meist sehr groß, so dass man eine Vorspeise nur bei sehr großem Hunger in Betracht ziehen sollte. Alles in allem kostet uns das Abendessen in diesem nicht gerade vornehmen, aber guten Lokal um die 85€. Nicht gerade wenig, aber doch in etwa das, was wir im Schnitt auch an den anderen Tagen bezahlen. Paris hat halt seinen Preis. Wer nicht gerade in einer Jugendherberge übernachten oder sich ausschließlich bei McDonalds verköstigen lassen möchte, sollte für einen Paris-Aufenthalt mindestens 150€ pro Person und Tag für Unterkunft, Verpflegung und Sightseeing veranschlagen, Luxus und Anreise nicht inklusive. Wer dazu neigt, laufend zu lamentieren, dass alles so teuer sei, und jeden Preis zu vergleichen, sollte besser zu Hause bleiben oder in den Harz fahren.Am nächsten Tag brechen wir nach dem Frühstück zur Place de la Concorde auf, wo einstmals manches Haupt von der Guillotine zu Boden fiel. Von hier gehen wir die Champs Elysées hinauf, nicht ohne einen Blick in manches Geschäft zu werfen. Unser Geld nehmen wir allerdings wieder mit hinaus. Apropos Geld: In Paris wird überall vor Taschendieben gewarnt. Wir können diesbezüglich über nichts Negatives berichten. Verdächtige Gestalten sind uns nicht aufgefallen. Wenn man ein paar grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beachtet, ist das Risiko, Opfer eines Verbrechens zu werden, ziemlich gering. Dass man seine Handtasche nicht offen herumträgt oder neben dem Stuhl auf dem Bürgersteig abstellt, dürfte selbstverständlich sein. Dennoch habe ich so etwas gesehen, ebenso wie Geldbeutel in der hinteren Gesäßtasche. Von Rucksäcken würde ich abraten. Die meisten Franzosen sieht man in Paris mit eng anliegenden geschulterten Umhängetaschen, wo das chique Aussehen auch schon mal nicht vorrangig ist. Und natürlich gibt es auch hier Stadtviertel, die man besonders bei Dunkelheit meiden sollte. Am anderen Ende der Champs Elysées liegt die Place d'Étoile, die mittlerweile in Place Charles de Gaulle umgenannt wurde. Hat ihm der Flughafen etwa nicht gereicht? Hier steht, wie die meisten von Ihnen sicher wissen, der Arc de Triomphe. Obligatorisch dürfte auch hier ein Besteigen sein, für das man 9€ berappen muss. Dass man da zu Fuß hinauf muss, ist mir nach 30 Jahren entfallen, so dass Mrs. Dice mir nicht mal vorwerfen kann, ich hätte ihr wichtige Informationen verheimlicht. Zwar gibt es einen Fahrstuhl, aber der ist nur dem Personal und Rollstuhlfahrern vorbehalten. Ich habe die Stufen nicht gezählt, aber bei einer Höhe von gerade mal 50m werden es nicht mehr als 200-300 gewesen sein. Mrs. Dice schafft es jedenfalls ohne größere Schwächesymptome. Besonders schön ist hier der Blick von oben auf die Dachgärten der umliegenden Häuser, den Straßenverkehr, sowie auf die sternförmig zusammenlaufenden Alleen, die dem Platz seinen ursprünglichen Namen gaben.
Auch an diesem Tag wollen wir wieder einigen derjenigen einen Besuch abstatten, die in Paris für immer eine Ruhestätte gefunden haben. Dazu fahren wir mit der Métro zu Paris' größtem Friedhof Père-Lachaise. Am Eingang werden Pläne verkauft, die es erleichtern, sich auf dem riesigen Gelände zurecht zu finden. Als erstes führt unser Weg bei Frederic Chopin vorbei, wo jedoch gerade eine polnische Schülergruppe am Grabe ihres Landsmanns weilt. Auch als wir bei James Douglas Morrison, dem legendären Sänger der Doors, ankommen, sind wieder Schüler vor uns da. Dieses Mal sind sie aus Holland. In dem Moment, wo ich mich frage, ob Jim Morrison der heutigen Jugend überhaupt noch ein Begriff ist, schlägt einer der jungen Leute vor, sie könnten ja eine Kerze anzünden und dazu "Light my fire" singen. Während Morrison in einer kleinen Ecke liegt, fällt das Grab von Gilbert Bécaud schon von weitem auf. Natürlich kann man hier einen ganzen Tag verbringen, um alle hier behausten bekannten Persönlichkeiten zu besuchen. Unbedingt zieht es mich jedoch ans andere Ende des Friedhofs, denn hier liegt seit mittlerweile 45 Jahren Edith Piaf, die Frau, deren Leben längst nicht so rosig war, wie sie es besungen hat. Dennoch geht mir "La vie en rose" für heute nicht mehr aus dem Kopf. Es entsetzt bin ich über das Grab Oscar Wildes, wo der riesige Grabstein mit viel Graffiti bemalt ist. Die Hitze, die an diesem Tag besonders drückend ist, treibt uns anschließend wieder zur Ruhepause ins Hotel.An diesem Abend erkunden wir das Stadtviertel, das südlich von der Place Pigalle liegt. Ein Restaurant war uns schon am Vortag aufgefallen. Es machte eine guten Eindruck und wurde von vielen Gästen besucht, die nicht unbedingt wie Touristen aussahen. Deshalb wollen wir heute dorthin. Allerdings sind wir eine halbe Stunde zu früh da, denn die Auberge du Clou öffnet erst um 19Uhr. Obwohl das Personal schon anwesend ist, bittet man uns, später noch mal vorbei zu schauen, so dass wir eine Straße weiter noch einen Drink nehmen. Den hätte uns man ja auch in der Auberge du Clou anbieten können. Aber manchmal erscheinen mir Franzosen etwas unflexibel. Die Auswahl ist auch nicht so groß wie wir zunächst dachten. Nun gut, das ist auch kein Qualitätsmerkmal. Sind die meisten Restaurants und Brasserien in Paris etwas fleischlastig, freue ich mich, dass die Menüs auch Optionen auf Fisch bieten. Die Paté de Campagne ist hier auch nicht aus Fleisch, sondern aus Gemüse. Sie schmeckt nicht schlecht, aber vegetarische Gerichte schmecken mir sonst besser. Als Hauptgericht bekomme ich eine Lotte (Seeteufel) auf Polenta mit Tintenfischstückchen. Wieder nicht zu verachten, aber auch nicht so überragend wie ich es von einem guten französischen Restaurant erwartet hätte. Mrs. Dice wirkt mit ihrem Fisch auf Gemüse auch nicht sehr glücklich. Der Chardonnay, den wir bestellt haben, kommt zwar in einem Weinkühler. Für das Nachschenken sind wir aber offenbar selbst zuständig. Überhaupt empfinde ich die Bedienung als unaufmerksam und mäßig freundlich. Es kommt sehr selten vor, dass ich mir in einem Restaurant das Trinkgeld ganz verkneife. Aber heute ist mir einfach danach. Unsere Rechnung liegt mit 95€ leicht über dem Schnitt der anderen Abende. In alle anderen besuchten Restaurants würde ich wieder gehen, in dieses jedoch nicht.
Mittlerweile hat es sich leicht in Paris abgekühlt. Ab und zu fallen auch ein paar Regentropfen. Insgesamt ist das Klima etwas erträglicher. Wir denken heute an einen Museumsbesuch. In Paris fällt einem dazu natürlich als erstes der Louvre ein, wo man Tage verbringen kann. Ich war zuletzt vor 30 Jahren drin, und mittlerweile wurde er zum größten Museum der Welt ausgebaut. Der Louvre erstreckt sich über eine Länge von insgesamt 700m. Da muss man eine Vorauswahl treffen. Und allein wegen der Mona Lisa zieht es mich nicht in den Louvre. Ich konnte dem Bild noch nie viel abgewinnen. Das Lächeln von Mrs. Dice gefällt mir alle Male besser. Da ich viel mehr an Impressionisten interessiert bin, schlage ich vor, zunächst das Musée d'Orsay zu besuchen, das in einem ehemaligen Bahnhof liegt. Auch hier herrscht ziemlicher Andrang. Das Museum öffnet an diesem Tag aus unbekanntem Grund statt um 9Uhr30 erst um 10Uhr, so dass wir längere Zeit anstehen müssen. Doch dann kommen wir für 9€ Eintritt voll auf unsere Kosten. Es gibt wunderschöne Bilder von Toulouse-Latrec, Cézanne, Renoir, Monet, Manet, van Gogh und vielen anderen Malern des Impressionismus und Neo-Impressionismus (Punktmalerei) zu sehen. Viele der hier gezeigten Gemälde sind auch sehr bekannt. Nach gut 2 Stunden ist auch hier unser Auge gesättigt. Diese Bilderausstellung kann ich jedem empfehlen. Auch die riesige Bahnhofshalle mit ihren vielen Nebenflügeln bietet einen schönen Rahmen.Dann gehen wir nach einem Imbiss die Seine hinunter zur Île de la Cité mit der berühmten Notre Dame-Kirche. Obwohl hier gerade ein Gottesdienst stattfindet, ist es erlaubt, die Kirche zu betreten. Wir halten uns jedoch nur kurz in den riesigen Gewölben auf. Eigentlich obligatorisch ist ein Besteigen der Türme, um sich als Glöckner von Notre Dame zu fühlen und sich zwischen den ganzen skurrilen Figuren zu bewegen, die die Türme schmücken. Mrs. Dice fühlt sich heute jedoch für die über 420 Stufen nicht mehr fit genug, so dass wir den Aufstieg für einen Tag zurückstellen. Vielleicht würden wir am nächsten und letzten Tag auch noch den Louvre besichtigen. Denn sonst haben wir nichts mehr, wo wir unbedingt noch hin müssten. Den Nachmittag beschließen wir mit einem Bummel durch das am südlichen Seine-Ufer gelegene Quartier Latin. Hier handelt es sich nicht etwa um ein Wohngebiet von Latinos. Der Name stammt aus einer Zeit, wo hier ausschließlich auf Latein gelehrt wurde. Der Spaziergang durch die malerischen engen Gassen ist sehr lohnenswert.
Am letzten Tag stellt Mrs. Dice fest, dass sie Opfer der Rache Quasimodos wurde, weil sie ihn nicht gleich besuchen wollte. Jedenfalls ist Anstrengung heute erst recht nicht angesagt. Für mich kein Problem, denn beim Glöckner war ich schon vor 30 Jahren. Auch den Louvre müssen wir nicht unbedingt haben. Stattdessen fahren wir zum Parc de la Villete, einem Freizeitpark, der auf einem Gelände liegt, der eigentlich einen Schlachthof beheimaten sollte. Aber dann hat man umdisponiert, und einen futuristischen Park mit vielen wissenschaftlichen Ausstellungen gemacht. Die Ausstellungen besuchen wir entgegen anfänglicher Absicht nicht, weil ein Franzose mir keine Eintrittskarten verkaufen will, weil ich mich angeblich in einer falschen Schlange angestellt hätte. Wie gesagt, manche Franzosen haben eine etwas unflexible Beamtenmentalität. Sodann gehen wir nur noch in ein IMAX-Kino, das dort in einer riesigen außen verspiegelten Kugel untergebracht ist. Heute im Programm: Deep Sea.Oftmals wird Franzosen von meinen Landsleuten vorgeworfen, sie seien arrogant und würden stets erwarten, dass man ihre Sprache spreche. Ich teile diese Ansicht nicht. Sind es nicht die Deutschen, die stets und überall erwarten, dass man sie versteht? Ich selbst spreche Französisch mehr schlecht als recht, aber ich bin in Frankreich stets bemüht, französisch zu reden. Oft antwortet man mir auf Englisch, was mir gar nicht recht ist. Aber in Paris spricht fast jeder Franzose, der mit Touristen zu tun hat, wenigstens etwas Englisch. Das war nicht immer so.
Auch in Paris geht es mir nach 3-4 Tagen Aufenthalt so, wie es mir nach etwa gleich langer Zeit auch schon in London oder New York gegangen ist. Obwohl es noch sehr vieles zu sehen und zu erleben gibt, will ich nach ein paar Tagen immer weg, auch wenn es mir noch so gut gefallen hat. Es hätte auch dieses Mal eher ein Tag weniger als ein Tag mehr sein können. Aber insgesamt war unsere Aufenthaltsdauer gut bemessen, so dass wir nicht in Sightseeing-Stress geraten sind. Und wir haben uns sehr wohl gefühlt und die Stadt einmal mehr genossen.Ich hoffe, ich habe nichts Wesentliches vergessen.
Non, je n'ai rien oublié..... (Charles Aznavour).
die Kirche Sacré-Coeur
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jockel2001 27.04.2011 11:42
A-i-c-h-i 27.09.2010 17:23
Unsere Abschlussfahrt war auch in Paris... und zwar genau mit den Eindrücken, wie von dir beschrieben... Großartig... Glg Aichiii
Sydneysider47 07.02.2010 21:00
GerhardReus 01.08.2009 09:37
klasse Bericht...
hubbie 09.07.2009 08:24
ich werde im Frühjahr 2010 wieder das Vergnügen haben - diesmal als Reisleiter für ein älteres Paar.........auch mir ist die Sache mit dem bekannten Schüler immer unheimlich gewesen, da sitzen wir in einem Jumbo der Singapore und es steigt beim Stopp in Male ein Schüler meiner Maturaklasse ein und setzt sich auf den letzten freien Platz im Jumbo, natürlich genau neben uns