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Erfahrungsbericht

für Papstpalast, Avignon
5 Sterne Wohnen wie der Papst in Frankreich Bericht mit Bildern
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Empfehlenswert: Ja

Pro Beeindruckendes Bauwerk in Avignon

Kontra Dem ein oder anderem mag der Palast düster erscheinen

In meinem Bericht über die Pont St. Bénezet habe ich mehrmals den Papstpalast in Avignon erwähnt. In diesem Bericht möchte ich nun besagten Palast vorstellen und die Frage klären: Warum steht ein Papstpalast in Avignon? Sollte er nicht im Vatikan sein?

Die Geschichte des Papstpalastes in Avignon


Die meisten von euch werden es wissen: Der Papst residiert im Vatikan in Rom. Doch das war nicht immer so.

Avignon in Frankreich war bis zum Jahr 1308 eine beschauliche, kleine Stadt, die wahrscheinlich niemand kannte. Dann kam der Papst Clemens V und damit änderte sich die Stadt beträchtlich. Aber was tat der Papst in Frankreich?

Clemens V stand vollständig unter dem Einfluss des französischen Königs Phillip IV. Vorherige Päpste haben sich gegen die steigende Macht des Königs aufgelehnt, aber Clemens war der Erzbischof von Bordeaux und somit direkt im Einflussbereich des französischen Königs. Er kam nicht einmal für seine Weihe nach Rom, sondern blieb direkt in Frankreich. Stattdessen wurde er in Lyon geweiht.

Da der Vatikan nun einmal nicht in Frankreich war, ging der neue Papst auf die Suche nach einem Ort für seine Residenz. Er empfand Avignon als würdig für eine Papststadt. Somit wurde die beschauliche Provinzstadt zur größten Baustelle des Jahrhunderts.

Das in zwei Bauphasen entstandene und immer wieder veränderte Bauwerk sieht von außen aus wie eine Festung. Hier residierten nach Clemens V sechs weitere, von der Kirche offiziell anerkannte Päpste und fünf Gegenpäpste, die von den französischen Kardinälen gewählt worden waren. Diese erkannten die Autorität des Papstes, der 1377 nach Rom zurückkehrte, nicht an und machten in Avignon ihr eigenes Papsttum auf. Diese Spaltung dauerte bis zum Konzil von Konstanz 1417 an.

Besichtigung des Papstpalastes


Als erstes sollte der Papstpalast von außen erkundet werden. Vom Vorplatz aus kann er wunderbar bestaunt werden, dann könnt ihr um das beeindruckende Bauwerk herumgehen und es auch von allen Seiten anschauen. Vom 27. Juni bis 7. November 2010 findet im Palast eine Ausstellung des katalanischen Künstlers Miquel Barceló statt. Auf dem Vorplatz kann auch schon eine seiner Skulpturen bestaunt werden, nämlich ein auf dem Rüssel balancierender Elefant.

Alleine schon bei der Betrachtung von außen lässt sich so manches Detail erkennen. Insgesamt wirkt der Palast mehr als beeindruckend, vor allem, wenn man um die Ecke biegt und auf einmal vor diesem Ding steht. Wenn man um den Palast herumgeht, fällt einem erst so richtig auf, wie groß und facettenreich das Bauwerk ist.

Wir finden hier alles, was eine Festung haben sollte. Schießscharten (kreuzförmig, damit sie für Gewehre benutzt werden konnten), Pechnasen, der Baugrund besteht aus massivem Felsgestein (damit die Burg nicht durch unterirdische Gänge erobert werden konnte) usw.

Wem die Betrachtung von außen nicht ausreicht, der sollte den Palast auch von innen erkunden. Es gibt einen Rundgang, der aus ungefähr 30 Stationen besteht. Der im Eintrittspreis und absolut zu empfehlende Audioführer hat bei jeder Station sehr umfangreiche Erklärungen parat. Hier sei erwähnt, dass der Audioführer für den ein oder anderen Besucher vielleicht ein bisschen zu ausführlich ist, denn wir erfahren jede Menge Details über die Räume.

Und in diesem Palast gibt es zahlreiche Räume und Säle. Ich möchte nicht jeden einzelnen hier aufführen (wäre Quatsch), sondern nur ein paar exemplarisch aufzählen, damit ihr einen Eindruck davon habt, was man hier zu sehen bekommt.

Der Rundgang beginnt im Innenhof, führt über die Schatzkammer zu den Speise- und Festsälen, dem Gemächern des Papstes und schließlich aufs Dach, wo der Besucher einen spektakulären Ausblick auf den Palast, Avignon selbst und die Umgebung genießen kann. Wir bekommen verschiedene Kapellen zu sehen, die Räume der Mitarbeiter des Papstes, die Ehrentreppe usw. Der Papstpalast von Avignon hat einiges zu bieten.

Und zu jedem Raum erfahren wir durch die Audioführer mehr über das Leben und Wirken der Bewohner des Palastes. Wir erfahren, wie die Räume ausgestattet waren (so weit bekannt), wofür sie benutzt wurden, welche architektonischen Besonderheiten es gibt, ob der Raum umgebaut worden ist usw. Ihr seht, was ich mit detailliert meine. Meiner Meinung nach geht der Audioführer teilweise wirklich zu sehr ins Detail, denn man kann sich sowieso nur einen kleinen Teil merken.

Die Erklärungen des Audioführers werden in vielen Räumen noch durch Modelle oder Tafeln mit Bildern und Texten weiter vertieft. Leider sind die Texte ausnahmslos auf Französisch, so dass man etwas aufgeschmissen ist, wenn man dieser Sprache nicht mächtig ist. Aber keine Angist: der Audioführer erklärt alles noch einmal - daher braucht man die Tafeln nicht unbedingt.

Einige Räume weisen wunderschöne Fresken und Malereien auf. In diesen Räumen ist das Fotografieren nicht erlaubt. Der Palast ist ziemlich leer: Es gibt keine Möbel oder andere Einrichtungsgegenstände zu sehen. Dies könnt ihr aber alles mit Hilfe des Audioführers und ein bisschen Fantasie nachholen, denn der Audioführer beschreibt genau, wie in den Räumen gelebt wurde und wie sie eingerichtet waren (so weit bekannt).

Der Palast, der von außen wie eine Festung wirkt, erinnert im Innern eher an ein Schloss, was von den Päpsten auch gewünscht war. Die Räume sind meistens sehr groß und hoch und reich geschmückt. Allerdings wurde ein großer Teil des Schmucks während der Französischen Revolution zerstört. Ab 1810 wurde der Palast als Kaserne verwendet, was das Todesurteil für die restlichen Verzierungen bedeutete. Dennoch kann man immer noch die einstige Pracht des Gebäudes erahnen, denn in einigen Räumen sind die Fresken und Bilder noch teilweise erhalten.

Der größte Raum des Palastes mit einer Länge von 48 Metern und einer Breite von 10 Metern ist der Speisesaal. Dass der Speisesaal des Papstes der größte Saal im Palast ist, kann man wohl als bezeichnend für den Klerus dieser Zeit bezeichnen.

Wer sich für Kunst interessiert, wird das Hirschzimmer besonders lieben, den dieses ist mit wunderschönen Bildern mit Jagdszenen aus dem Jahr 1343 (Künstler unbekannt) verziert.

Barrierefreiheit


Für Behinderte, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist die Besichtigung des Papstpalastes nur bedingt möglich, da man sehr viele enge Treppen hinauf und hinunter steigen muss. In dem Fall rate ich von einer Besichtigung eher ab. Im 14. Jahrhundert wurde eben leider noch nicht für Rollstuhlfahrer gebaut.

Das Personal


Im gesamten Palast ist Sicherheitspersonal verteilt, das die Besucher genau im Auge behält. Allerdings sind die Damen und Herren recht freundlich und geben auch gerne Auskunft, so dass ich mich nicht über alle Maßen beobachtet gefühlt habe. Dass man diese Leute braucht, sehe ich bei einem solchen Bauwerk auch ein.

Auch die Mitarbeiter an den Kassen sind freundlich und hilfsbereit und geben gerne Auskunft.

Erreichbarkeit


Der Papstpalast befindet sich in der Altstadt von Avignon. Parkplätze sind zahlreich in der ganzen Altstadt vorhanden; sie sind allerdings kostenpflichtig. Die günstigsten liegen ein paar Minuten außerhalb des Stadtkerns und sind mit "Zone Bleue" bezeichent. Man geht dann vielleicht zehn bis fünfzehn Minuten durch das schöne Avignon, was natürlich durchaus zumutbar ist.

Der Palast selbst ist einigermaßen gut zu finden, wobei die Ausschilderung an der ein oder anderen Stelle doch ein bisschen zu wünschen übrig lässt.

Öffnungszeiten


Die Öffnungszeiten sind je nach Monat unterschiedlich.

1. bis 14. März: 9 - 18:30 Uhr
15. März bis 30. Juni: 9 bis 19 Uhr
1. bis 31. Juli: 9 bis 20 Uhr
1. bis 31. August: 9 bis 21 Uhr
1. bis 15. September: 9 bis 20 Uhr
16. September bis 1. November: 9 bis 19 Uhr
2. November bis 28. Februar: 9:30 bis 17:45 Uhr

Die Kassen schließen eine Stunde vor Ende der Öffnungszeiten.

Preise


Auch die Eintrittspreise sind unterschiedlich je nach Saison.

Nebensaison: 16. November bis 28. Februar
Hauptsaison: 1. März bis 15 November

Normaler Preis: 8,50 € (Nebensaison), 10,50 € (Hauptsaison)
Reduzierter Preis: 7 € (Nebensaison), 8,50 € (Hauptsaison)

Neben den normalen Eintrittskarten für die Brücke könnt ihr auch Kombikarten für die Brücke und den Papstpalast kaufen. Preise sind wie folgt:

Normaler Preis: 11 € (Nebensaison), 13 € (Hauptsaison)
Reduzierter Preis: 8,50 € (Nebensaison), 10 € (Hauptsaison)

Fazit


Ich fand den Papstpalast sehr beeindruckend und trauere den investierten Euros mit Sicherheit nicht nach. Aber ich möchte euch noch eine andere Meinung zukommen lassen: Ich habe auch mit Leuten gesprochen, die den Palast geradezu deprimierend fanden.

Ja, er wirkt von außen schon ein bisschen düster. Auch bei schönem Wetter habe ich an die Burg eines bösen Magiers denken müssen. Wenn man sich dunkle Wolken vorstellt und einige krächzende Raben, die um die Türme herumfliegen, kann diese Festung direkt aus einem Fantasyfilm entsprungen sein.

Nichtsdestotrotz habe ich persönlich den Besuch genossen und kann ihn nur weiterempfehlen. Wer sich für Burgen und Festungen interessiert, muss den Papstpalast auf jeden Fall sehen. Wer gerade in Avignon ist, muss ihn sich von außen ansehen (Pflichtprogramm!). Dem ein oder anderen mag der Preis zu hoch erscheinen. Andererseits muss man natürlich bedenken, dass dieses Ding auch enorme Kosten verursacht.

Also von mir eine dicke Empfehlung und fünf Sterne.

Bilder

für Papstpalast, Avignon
bild1 - Papstpalast, Avignon
Papstpalast von außen mit dem Elefanten von Miquel Barceló
von Cuchulainn1981 Cuchulainn1981
bild1 - Papstpalast, Avignon

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Kommentare

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  • manuelmama 17.03.2012 20:16
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Hach da war ich vor Jahren auch schon... LG Sabine

  • belli4charlotte 19.02.2012 08:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Syriah 05.02.2012 00:42
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • schlagergalaxie 20.01.2012 13:47
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • antjemue 17.01.2012 15:28
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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