Deir Yassin: Auftakt der Massenvertreibung 1948

2  14.01.2007 (15.07.2007)

Pro:
Deir Yassin war die Tat von terrorist .  Paramilitärs (Stern, Etzel), keine der offiziellen Armee

Kontra:
Mitglieder jüd .  Glaubens bei Ciao scheinen  diesen Bericht zu ignorieren, die umfangreichste Studie über Deir Yassin stammt von einem israelischen Autor

Empfehlenswert: Nein 

silbertanne3

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Israel hat schon 1948 bei Staatsgründung mit der offenbar bewusst geplanten Nicht- Integration der Palästinenser und der Massenvertreibung sich ein Eigentor geschossen. Mit Aktionen, wo Deir Yassin den traurigen Auftakt machte. Da mein Bericht neutral ist, möchte ich anmerken, daß das allererste Massaker von der Seite der Palästinenser begangen wurde, 1928 in Hebron. Dieses singuläre Ereignis steht mit jenen Kettenreaktionen von Deir Yassin 20 Jahre später allerdings in keinem Zusammenhang.

ZU BEGINN ...
Deir Yassin war einst eine kleine Ortschaft, ungefähr fünf Kilometer westlich von Jerusalem entfernt. Auf sie stiess ich vor kurzem durch einen Artikel von Königin Noor aus Jordanien. Mir war bisher der Ortsname unbekannt, obwohl ich nach meiner Schulzeit einige Monate in einem israelischen Kibbutz Orangen und Bananen gepflückt hatte und mir einbildete, die geschichtlichen Grundzüge des Staates etwas zu kennen. Bei der Recherche nach Deir Yassin war ich erstaunt, daß die folgenträchtigen Ereignisse des April 1948 bei uns nicht bekannter sind. Deir Yassin ist nur ein singuläres Ereignis im Zuge der Massenvertreibung der Araber aus ca. 400 Ortschaften während des Bürgerkrieges 1947 /48. Allerdings ist auch erwähnenswert, daß die Araber den Bürgerkrieg begannen, und ihn letztendlich verloren ... . Deir Yassin wurde bekannt durch die Übergriffe an Zivilbevölkerung, daher steht der Name nun bei Wikipedia in der gleichen Liste "Massacres during armed conflicts" wie Katyn oder My Lai ... Ein kluger Gewinner eines (Bürger-)Krieges macht so etwas nicht, das ist nicht ritterlich ....
Wenn man in Betracht zieht, daß es 160 Nationen gibt, so fällt auf, das die meisten Nationen unter "Massaker" nicht verzeichnet sind. Ca. ein Drittel der Staaten dafür oft gleich mehrfach. Übrigens auch Deutschland (also bitte keinen moralischen Zeigefinger!) in mehreren Fällen, allerdings ausschliesslich in der Epoche der bekannten (handlungsunfreien ... ?) Tausend Jahre.

Israel verspielte früh Sympathien als es noch vor der Staatsgründung fast die gesamte palästinenische Bevölkerung gewaltsam aus ihren Gebieten vertrieb. Unter den Augen einer britischen Besatzung, der in den letzten beiden Monaten vor ihrem Abzug offenbar alles wurscht geworden war. Der arabische Teil des Gebietes - der die UNO-Resolutionen vom November 1947 niemals akzeptierte - hatte zwar mit dem Bürgerkrieg offiziell begonnen. Aber Israel wählte den falschen Weg mit dem unangemessenen Gegen-Rundumschlag einer aggressiven Vertreibung der Araber aus ihren wie deren Gebieten, anstatt in der Defensive zu bleiben oder die Uno zu konsultieren.
Die Folge war eine Kette von gegenseitigem Unrecht bis heute, was einen Dialog auf Jahrzehnte theoretisch unmöglich gemacht hatte. Der Status Quo von Israel war schon ab April 1948 nur mit militärischen Mitteln aufrecht zu erhalten. Deir Yassin war in diesem Bürgerkrieg leider das erste zivile Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, ähnliche zivile Gegenschläge der arabischen Seiten liesen nicht lange auf sich warten ...

Mein Bericht ist keinesfalls aus Antipathie gegen Israel geschrieben. Es hätte genauso gut ein Bericht über eine Untat der Palästinenser sein können. Da Deir Yassin in westlichen Medien bei weitem nicht so bekannt ist wie My Lai, Nanking, Katyn, die palästinensischen Selbstmordattentate oder Lidice, wollte ich mal spontan über diesen traurigen Vorfall berichten ...

Deir Yassin ist in Wikipedia in vielen Sprachen unter Massakern objektiv verzeichnet
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_massacres#Massacres_durin g_armed_conflicts

Vielleicht kennt der eine oder andere den Film "Exodus" (1960) mit Paul Newman. Ausgezeichnet gespielt, doch ziemlich aus der israelischen Sichtweise gezeigt, was natürlich kurz nach den Holocaust-Ereignissen durchaus die Aufmerksamkeit der Welt verdient hatte und verständlich ist. Da bekommt sogar die Irgun noch einen "Befreiungskämpfer"-Touch und wird mit den schlimmen europäischen Vorkommnissen der nationalsoz. Massenvernichtung in einem Ursache-Wirkung Atemzug präsentiert ...
Das ist historisch falsch ! Die Irgun hatte schon während des Zweiten Weltkrieges mit Terror-Aktionen gegen Briten von sich Reden gemacht .... kein einziges Mal unternahm Irgun eine mutig-riskante Aktion wie der Mossad, als er z.B. Eichmann seinem Prozess und seiner gerechten Strafe zuführte. Daher bekam der Mossad viel gute Pressestimmen damals, die Irgun dagegen nicht ...
In "Exodus" wird die knappe Mehrheitsentscheidung der Uno für Israels Staatsgründung wie ein erster Lichtblick eines gebeutelten und in seinem neuen Gebiet noch völlig schüchternen Volkes präsentiert. Ich hätte (bis vor kurzem) niemals für möglich gehalten, daß in den Vormonaten der Staatsgründung durch Irgun und Haganah bereits die gesamte palästinensische Bevölkerung (Schätzungen lauten zwischen 500.000 und 1 Mio.) mit Gewalt bzw. Androhung solcher bereits aus ihren ursprünglichen Gebieten vertrieben worden war ...

Man wird im Gegenzug keinen bekannten Kino- oder Spielfilm zu sehen bekommen, wo das Thema der Massenvertreibung mal aus mit einer subjektiven Solidaritätserklärung für das palästinensische Leid damals dargestellt würde, was ja das gute Recht eines Regisseurs auf freie Meinungsäußerung wäre.
Die Amerikanerin Königin Noor schreibt, daß in Amerika die Filmindustrie einseitig die jüd. Sichtweise zeigt. Arabische Menschen kommen allgemein nicht gut in Filmen weg, entweder in Rollen als machtgierige Ölscheichs oder als vertrottelte (natürlich auf westliche Hilfe angewiesene Leute, z.B. in "Lawrence von Arabien" oder "Tod am Nil") ... Nach Königin Noor`s Ansicht ist das keine zutreffende und realistische Schilderung der arabischen Bevölkerung, auch wenn diese (wie Israel auch) ihre Ecken und Kanten hat ...
Als in den Achtziger Jahren die brit. Schauspielerin Vanessa Redgrave einmal wagte, die Massaker bei Beirut (was als erwiesen galt und in den Nachrichten häufig berichtet wurde) zu einem Filmstoff zu verarbeiten, da gab es wüste Beschimpfungen und Bedrohungen von jüd. Seite in Amerika. Also das ist nicht gerecht und objektiv ... So wird sich Israel auch niemals selbst kennenlernen können, was für eine friedliche Zukunft irgendwann im Nahen Osten notwenig wäre ...


DIE PALÄSTINENSISCHE MASSENVERTREIBUNG
Im November 1947 gab es im sog. Heiligen Land 1,3 Millionen palästinensische Araber und 600.000 Juden.
Am Tag der Staatsgründung von Isral (14. Mai 1948) gab es in der Region nur noch einen Rest von 156.000 paläst. Araber, also 90 % waren plötzlich weg.
Selten hat es in der modernen Geschichte eine derartige Vertreibung von ca. 1.000.000 Menschen in ca. 2 Monaten gegeben. Warum flohen so viele Menschen "freiwillig" aus ihren Gebieten?
In meinen Augen war jene Vertreibung der Araber ein immenser politischer Fehler für Israel und ein negativer Keim, den Israel seinen späteren Generationen kommentarlos weiterreichte. Selbst wenn man die arabische Bürgerkriegserklärung im ersten Schritt vor Augen hat, d.h. die Tatsache, daß die Palästinenser die ersten waren, die zu den Waffen griffen ...


DEIR YASSIN UND DER FATALE MONAT APRIL 1948
Selbst wenn man die Einnahme der arabischen Städte und Dörfer noch als "militärische Aktionen" durchgehen lassen würde ...
Der Fall Deir Yassin ist etwas anderes ...
Dies war keine unbedingt notwendige Operation, selbst wenn dies von einer unabhängigen Splittergruppe ausgeübt wurde, auf welche das offizielle Israel angeblich keinen Einfluss ausüben konnte.
Ein Massaker ist die bewusste Tötung von Frauen, Kindern und älteren Menschen, während der Kampfhandlungen und vor allem nach der Kapitulation. Ein Gegensatz zu "normalen" Kampfhandlungen, die in diesem Gebiet im März / April auf beiden Seiten an der Tagesordnung waren.

Der Hintergrund im März / April war die umkämpfte Bundesstraße Tel Aviv - Jerusalem, deren Verkehrsfluss die Araber versuchten abzuschneiden. Convois mit Lieferungen in den jüdischen Teil von Jerusalem kamen meist nicht an ...

Die jüdische Seite hatte vor der Staatsgründung drei verschiedene militärische Organisationen:
a) die Haganah war die bedeutendste. Aus ihr ging alsbald im Mai 48 die offizielle Armee Israels hervor. Haganah (unter dem Oberbefehl von Ben-Gurion) galt als schlagkräftig, war aber ideologisch weit davon entfernt Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung zu begehen. Haganah hatte einen Seitenarm mit dem Namen Palmah.
Die Haganah-Truppen beschlossen am 2. April, das Dorf Kastal (al-Quastal) anzugreifen, welches strategisch wichtig auf der Straße kurz vor Jerusalem lag. Diese Operation erhielt den Namen "Nahshon".
Leider gab es auf israelischer Seite noch zwei eigenhändig agierende paramilitärische Organisationen:
b) Einmal die Irgun (auch "Etzel" genannt, unter dem Oberbefehl von Menachem Begin), welche bis dato eine Vielzahl von Anschlägen gegen die Briten verübt hatte. Dabei nahm sie offenbar auch wahllose Opfer der Zivilbevölkerung in Kauf. Stets behauptete Irgun "danach", daß sie angeblich mehrfache Warnungen zur Räumung vor der Explosion der Gebäude gegeben hätte ... die Gegenseite (z.B. die Leute im Hotel "King David") äußerten anschliessend, daß sie angeblich keine Warnung bekämen hätten. Was bei der Sprengung des King David Hotels 91 Todesopfer (Araber, Juden, Briten) forderte.
c) Es gab neben Irgun noch eine dritte (illegale) Partisaneneinheit. Die "Lehi", nach ihrem Gründer auch

Bilder von Palästina, Allgemeines
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Arabische Flüchtlinge um 1948
"Stern" genannt unter der Leitung von Jitzhad Schamir, welche der Irgun an Rücksichtslosigkeit nicht nachstand.

Am 07. April trafen sich Irgun und Lehi in Jerusalem und planten das erste Mal eine gemeinsame Aktion gegen die arabische Seite. Zur Verwunderung der eigenen Offiziere wählte die Leitung ausgerechnet das arabische Dorf Deir Yassin als Angriffsziel aus. Wie das?
Etliche Anwesende glaubten sich verhört zu haben, da Deir Yassin für seine Neutralität und freundschaftlichen Kontakte zu den israelisch bewohnten Nachbardörfern bekannt war. Deir Yassin war bisher militärisch nicht aufgefallen, hatte sich seit der arabischen Bürgerkriegs-Erklärung sogar mit Erfolg dagegen gewehrt, den arabischen Truppen Unterschlupf zu gewähren. Darüber hinaus wäre von der strategischen und personellen Notwendigkeit eher eine Unterstützung der Haganah-Einheiten sinnvoll gewesen, in deren Operation "Nahshon" um die Befreiung der Straße nach Jerusalem, was bisher noch nicht gelungen war. Dennoch bestand die Führung der Stern / Etzel-Paramilitärs auf Deir Yassin. Beide Organisationen stellten jeweils 70 Leute für den Angriff auf das friedliche und unvorbereitete Dorf zur Verfügung.

Irgun wandte sich wegen Deir Yassin sogar noch an die Haganah, obwohl Irgun dort wegen ihrer fehlenden Diskussionsbereitschaft unbeliebt war und Haganah mit der ihren Befreiungsversuchen der Bundesstraße bereits genug zu tun hatte ...
Bei den Gesprächen waren die Haganah Vertreter ebenfalls sehr verblüfft, daß Menachem Begin und die Irgun ausgerchnet Deir Assin als Ziel eines Angriffs gewählt hatten. Hagana distanzierte sich von dem Ziel, fand es gesetzwidrig und darüberhinaus strategisch nicht von Belang für Operation "Nahshon". Die Militärs trennten sich im Streit, da Irgun und Lehi sich von ihrer eigenen Aktion keinesfalls abbringen lassen wollten. Dennoch stellte die Haganah für Deir Yassin einige Beobachter zur Verfügung, welche aus der Entfernung Beobachtungsposten und Verwundetentransport übernehmen sollten.


DER ANGRIFF AUF DAS DORF am 09.04.1948 um 5.00 Uhr
In den Morgenstunden begann der Angriff auf die 750 Einwohner zählende Ortschaft. Angeblich wurde ein Lastwagen mit Megaphon vorgefahren, der die Bewohner auffordern sollte, sofort das Dorf zu verlassen. Da dieser ausserhalb in einem Straßengraben stecken blieb, wird wohl kaum jemand diese Aufforderung gehört haben. Weiterhin wird wohl kaum ein Einwohner des neutralen Dorfes irgendeinen Angriff erwartet haben, da man ja einen offiziellen Nichtangriffspakt vorliegen hatte ...
Doch der Widerstand in den Häusern von Deir Yassin war heftiger als erwartet, innerhalb kurzer Zeit hatten Irgun / Lehi mehrere Tote und ca. 40 Verwundete. Da das Feuergefecht zu Gunsten vder Araber ausging änderten die Angreifer ihre Taktik. Und orderten per Autokurier Handgranaten, die sie dann in die einzelnen Häuser warfen. Jetzt flohen viele Einwohner, bzw. Gaben sich in Gefangenschaft und die Kämpfe waren mit einem Sieg der überlegenen Angreifer entschieden ... Die fernen Beobachter der Haganah bemerkten das Ende der Kämpfe, sie wurden nicht mehr gebraucht und verliesen das Gebiet. Später sagten Haganah-Soldaten aus, daß sie während ihres Abzuges im Traum nicht daran gedacht hatten, daß sich nach der Kapitulion noch ein Blutbad ereignen könnte. Die offiziellen Kämpfe waren ja nach 6 Stunden Dauer gegen 11.00 vormittags entschieden.
Zeugen zufolge sollen um diese Zeit Bemerkungen nach "Rache" von einigen Irgun-/Lehi-Kämpfern geäußert worden sein. Angeblich wegen der hohen eigenen Verluste. Obwohl der ursprüngliche Befehl auf Schonung der Zivilbevölkerung (minus der anfangs nicht geflohenen wehrfähigen Männer) gelautet haben soll, sagten Augenzeugen aus, daß dieser Befehl am frühen nachmittag geändert worden war, d.h. kein noch anwesender Dorfbewohner sollte am Leben bleiben.
Eine andere Version sagt, daß die Situation der Irgun-Führung aus den Händen geglitten war und viele Kämpfer im Anschluss an die Kapitulation noch etliche Stunden auf eigene Faust handelten ...

Einige Stunden später gegen 15.00 Uhr, versuchten Personen des Roten Kreuzes, Journalisten und Soldaten der Haganah Einlass in das Dorf Einlass zu bekommen, daß noch immer von den Paramilitärs abgeriegelt war. Ausserdem kamen einige orthodoxe Juden entsetzt aus den benachbarten Dörfern (Givat Shaul u.a.) gelaufen und konnten nicht glauben, daß die paramilitärischen Einheiten das Friedensabkommen mit ihrem Nachbarort Deir Yassin gebrochen hatten. Auch diese jüdischen Nachbar forderten Irgun und Lehi auf, sofort mit ihren Aktionen aufzuhören und Deir Yassin zu räumen. Als Irgun und Lehi merkten, daß ihre unselige Mission von verschiedenen Seiten nicht umbemerkt geblieben war zogen sie ab.
Ab 16.00 / 17.00 Uhr gab es unterschiedlicher / z.T. widersprüchliche Aussagen, doch mehrere (allesamt jüdische) Beobachter äußerten ähnlich das nun Folgende. Verwunderlich ist allerdings, daß es bis heute keine bekannten Fotografien der Toten gibt.

Als die Aussenstehenden das Dorf betraten und die Häuser inspizierten bot sich ihnen ein Bild des Schreckens: Überall lagen Tote, die offenbar aus nächster Nähe erschossen worden waren, meist Frauen, Kinder und ältere Menschen. Es wurden nur noch zwei Lebende gefunden, die sofort in ein Lazarett gefahren wurden. Heute wird die Anzahl der Toten auf 110 geschätzt, damals wurde aus die Zahl von den Verantwortlichen sogar noch übertrieben.

Die Tat ist gerade aus militär-ethischen Aspekten verabscheuenswert: Es wird ganz bewusst ein Angriff auf ein friedliches Dorf geplant mit welchem ein Nichtangriffspakt bestand ... Man stößt in Deir Yassin auf eine verständliche Gegenwehr ... man besiegt es nach langen Kämpfen (und mehrfacher Anforderung von Verstärkung der eigenen Einheiten) natürlich letztendlich doch ... Und statt dem Gegner bei Gefangennahme für seine Gegenwehr ein paar anerkennende ehrende Sätze zu sagen ("wacker geschlagen, war knapp, aber ihr seid Gefangene" ...) bemitleiden sich die Terror-Organisationen für ihre eigenen Verluste, obwohl Irgun / Lehi doch die Angreifer waren. Wegen der eigenen Verwundeten und Toten wollen sich die Paramilitärs nach der Kapitulation im Nachhinein an den übriggebliebenen sich versteckenden Frauen, Kinder und Alten angeblich noch "rächen" ...

- Die Haganah (im Namen von Ben-Gurion), die "Jewish Agency" sowie ein Grossteil der jüdischen Bevölkerung verurteilte die sinnlose Bluttat sofort in Pressemitteilungen als barbarischen Akt.
- Irgun und Lehi selbst machten jeenfalls keinen Hehl daraus und gaben sogar 254 Tote an. Dies sollte die arabische Bevölkerung in den anderen Dörfern abschrecken und zur Flucht animieren. Da das Friedensabkommen von Deir Yassin allgemein bekannt war, war dies (zur kaltblütigen Abschreckung) wohl bereits bei der Planung bewusst in Kauf genommen. Ob das Massaker an der Zivilbevölkerung schon im Voraus geplant war ist historisch umstritten, aber nicht unwahrscheinlich. Jedenfalls ging diese Rechnung auf: Die Vorkommnisse um Yassin Deir löste in den Folgewochen eine Massenflucht der arabischen Palästinenser aus. ...
- Haganah berichtete ebenfalls ausführlich über ihre Beobachtungen in Deir Yassin. Schon um den beiden verhassten Splitterorganisationen (mit ihren uneinsichtigen Eigenaktionen) einen Denkzettel zu verpassen. Die eigene Rolle am Rande spielte Haganah natürlich herunter, auch die Tatsache, daß man es selbst nicht verhindern oder voraussehen konnte.
- Die arabische Bevölkerung war durch das Ereignis traumatisiert und berichtete in den Folgewochen in den Medien häufig darüber. Teilweise sogar noch in übertriebener Berichterstattung. Dies sollte veranlassen, daß benachbarte arabische Staaten ihnen zu Hilfe kommen sollten. Die unmittelbare Wirkung war allerdings eine nichtgewünschte: eine weitere Massenflucht der Palästinenser aus vielen Dörfern begann, die in ihren Ortschaften ein ähnliches Erlebnis wie Deir Yassin befürchteten.
- Die noch anwesenden Briten berichteten natürlich gerne über den Vorfall, schon weil die ihnen verhasste Irgun erst vor ein paar Monaten ein Bombenattentat auf die britische Zentrale in Jerusalem (Kind David Hotel) verübt hatte, wobei 91 Menschen umgekommen waren.

NACHWEHEN VON DEIR YASSIN
Eine Revancheaktion der Gegenseite lies nicht lange auf sich warten: am 11.April griffen arabische (Para-)Militärs einen israelischen Krankenwagen-Convoi an, bei dem 76 Menschen im Kugelhagel starben.
- Noch vor der offiziellen Staatsgründung Israels (Mitte Mai) verliessen Hunderttausende Palästinenser fluchtartig ihr Zuhause und hinterliesen ca. vierhundert ihrer Dörfer.
- In all jene zurückgelassenen Ortschaften zogen sofort neue jüdische Siedler ein ... Etliche dieser Dörfer befanden sich auf Gebieten (auch Deir Yassin), die Israel nicht von der UNO als Terrain bereitgestellt bekommen hatte. Dies war ein klarer Bruch der UNO-Resolution vom November 1947, ganz egal wie die Sicht- und Handelsweise der Palästinenser im Vorfeld gewesen sein mag ! Ein Intervenieren der UNO oder anderer westl. Staaten blieb aus.

All diese Geschehnisse im Frühjahr 48 deuten darauf hin, daß die Regierung unter Ben-Gurion bereits vor der Staatsgründung keine Integration der Palästinenser in ihre Gebiete plante. Und die gross angelegte Vertreibung sich nicht als zufälliges Produkt des Bürgerkrieges deuten läßt sondern eher als lange vorbereitete Strategie.
In diesem Zusammenhang sei allerdings bemerkt, daß es die arabische Seite war, welche bereits im November 1947 (als Protest gegen die UNO-Entscheidung) zu den Waffen griff. Das erste Massaker während dieses Bürgerkrieges bleibt historisch allerdings Deir Yassin.

- Hagannah-Armee / israelische Streitkräfte: Daß diese durchaus militärische Schläge gegen Irgun und Stern erfolgreich ausüben konnte bewies Ben Gurion im Juni 1948: Als er den Befehl gab, das Irgun-Schiff "Altalena" (mit einer Waffenlieferung) zu versenken und damit diese illegale Organisation gewaltsam auflöste. Nach der Staatsgründung sollte es nur noch eine Armee im Lande geben ...

Deir Yassin ist meines Wissens der einzige Fall, wo ein eigenes Kriegsverbrechen in Israel offen diskutiert und auch von vielen zugegeben wurde. Natürlich gezwungenermaßen und ungern, da Israels Streitkräfte der Mythos der fairen Kampfführung umgibt. Die Tatsache, daß es sich um eine eigens operierende Splittergruppe gehandelt hatte, lies dann ein kollektives Schuldbewusstsein freilich nicht aufkommen. Auf einem anderen Blatt steht, daß die Oberfefehlshaber der Gruppen Etzel und Stern (Jahrzehnte) später Ministerpräsidenten wurden: Menachem Begin & Jitzhad Schamir !

- Die israelische Bevölkerung sprach von verabscheuenswert etc. Sie war sich aber nicht bewusst, daß sie mit Deir Yassin Herrn Begin einen Eintrag unter "Kriegsverbrechen und Massaker" verdankte.
Und 1977 wird Menachem Begin auch noch als Staatsoberhaupt gewählt. Neuere Forschungen bringen weiteres Licht in die Psyche des ehemaligen Irgun-Kommandanten: Er war auch gegen eine neue Freundschaft mit Deutschland und versuchte Konrad Adenauer mit einer Paketbombe zu töten, zumindest behaupten dies einige Journalisten. Auch hier wieder diese Mischung aus Überraschungseffekt, Anonymität, Unlogik und Risikoscheu. Wieder die seltsame Wahl eines Politikers, der als nicht-aggressiv galt, und auf welchen ein Anschlag nicht für möglich gehalten wurde: ausgerechnet Konrad Adenauer, welcher als Gegner der Nationalsozialisten (und Kommunisten) bekannt war und wegen den Anfeindungen der Radikalen Rechten und Linken schon in den Dreissigern sein Amt als Bürgermeister hinlegen musste.
Wie kritiklos manchmal Friedensnobelpreise vergeben werden, das zeigte sich 1978 als Menachem Begin einen solchen verliehen bekam. Mich würde in diesem Kontext nicht wundern, wenn Benito Mussolini, Pol Pott oder Idi Amin posthum noch einen Friedensnobelpreis nachträglich verliehen bekämen.

In der Amtszeit von M. Begin ereigneten sich 1982 z.B. die Vorfälle in den Lagern Sabra und Schatila, in der Folge des israel. Einmarsches in Beirut. Die Vorgehensweise weist Parallelen zu Deir Yassin auf: Wieder war es eine externe Gruppe (diesmal Milizen aus dem Libanon), welche die Greuel anrichtete ("die Anderen" waren es gewesen), und wiederum griff die israelische Armee nicht ein.
- Dagegen steht aber die anständige und mutige Haltung sehr vieler Israelis, die wegen Sabra und Schatila mit 400.000 (!) Demonstranten auf die Straße gingen und damit den Sturz Menachem Begins einleiteten, sogar führende Militärs haben öffentlich gegen die Methoden der Staatsführung vor laufender Kamera opponiert ...

Um auf Deir Yassin zurückzukommen: seit jenen Tagen im Frühling 1948 existiert das arabische Dorf (wie hunderte andere ebenfalls) auf der Landkarte nicht mehr. Das Gebiet gehört heute zu einem Stadtteil von Jerusalem, wo sich ein psychiatrisches Krankenhausgelände befindet.

Seit 1948 hat sich keine offizielle Regierung in Israel mehr für die Vorkommnisse entschuldigt. Die Beileidstelegramme der "Jewish Agency" und die von Ben Gurion erfolgten noch vor der Staatsgründung, kurz nach dem Massaker.
Allerdings haben mehrere bekannte jüdische Historiker den Fall eingehend recherchiert (besonders Benny Morris, Professor an der Ben Gurion-Universität) und für wahr befunden.
Von den Regierungen in der Folgezeit wurde der Vorfall verschwiegen oder heruntergespielt. Ich hoffe, daß sich dies in der Zukunft (zu Israels eigener Glaubwürdigkeit) ändern wird ...


FAZIT UND EIN VORSCHLAG EINER PROBLEMLÖSUNG
Wegen 1948:
Es wäre schön, wenn sich Israel zu einer offiziellen Gedenkstätte zu Deir Yassin entschliessen könnte und den zivilen Opfern eine Entschädigung zukommen lassen würde. In einem Filmbericht hatte ich diesen Wunsch aus dem Munde von mehreren interviewten Israelis vernommen, die natürlich sowenig zu dem Ereignis können wie die späteren Generationen in Deutschland zu Lidice (1942).


Anmerkungen

GESCHICHTLICHER HINTERGRUND VOR DER STAATSGRÜNDUNG ISRAELS
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Bewegung des Zionismus. Das war eine verständliche Entwicklung, da die Juden in der Diaspora zu der Sichtweise kamen, daß man in den Gastländern stets auf Schwierigkeiten stossen würde. Egal wie man sich verhielt oder versuchte sich positiv anzupassen, man konnte jederzeit der Sündenbock für die politischen Probleme des Gastlandes sein. Eine Reihe von Progromen der Zaren in Russland sowie in Polen zeigten eine deutliche Sprache. Der Gedanke nach einem eigenen Staatsgebiet war ein legitimer Wunsch. In der ersten Zeit waren die geistigen Väter des Zionismus noch keineswegs auf das Gebiet Palästina beschränkt. Es waren andere Länder, wie z.B. Teile von Argentinien oder afrikanische Staaten in der Diskussion. Ich wage hier an dieser Stelle subjektiv zu äußern, daß so etwas die bessere Alternative zu Palästina gewesen wäre ...

Daß viele Juden sich schon bald in Richtung des "Heiligen Landes" bewegten ist natürlich nicht verwunderlich: "Man" hatte ja irgendwann früher schon mal dort gewohnt. Zum Teil ist diese Entwicklung aber auch recht irrational, neu und seltsam gewesen: Weil damals viele Juden sich seit Generationen kaum mehr die alte Geschichte interessierten, keine (oder eine andere) Religion ausübten und häufig in ihrem Bewusstsein ganz dem jeweiligen Gastland angehörten. Vor allem jene Juden der westeuropäischen Länder. Ferner dürfte es Ahnenforschern schwerfallen, eine direkte Verbindung der Juden des 20. Jahrhunderts zu jenem Volk zu Zeiten Abrahams herzustellen, ohne daß andere ethnische Gruppen ebenfalls einen Anspruch auf diese Linie geltend machen würden ...

Anfangs bekamen die jüdischen Auswanderer im Heiligen Land eine recht gastfreundliche Aufnahme von Seiten der Araber. Daß Juden, Araber und Christen jahrhundertelang friedlich miteinander leben konnten zeigten auch benachbarte Gebiete wie z.B. der Libanon ...
Die Bevölkerung zählte im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. 685.000 Einwohner, davon waren 600.000 palästinensische Araber und 85.000 Juden. Offiziell regierten die Briten von 1917-48 das Land, da sie diese Region als wichtigen Achsenpunkt für ihre Kolonie Indien ansahen.
Die Briten spielten mit Arabern und Juden ein doppeltes Spiel: Sie wollten sich niemanden zum Feind machen und gaben regionale Versprechungen an beide Seiten.
Als die jüdischen Einwander immer zahlreicher kamen, wurde dies der arabischen Bevölkerung langsam unheimlich. Gastfreundschaft ja, aber Überfremdung nein ! Obwohl der arabischen Bevölkerung das Land ebenfalls nicht offiziell gehörte: die Palästinenser lebten mit ihren Familien schon seit Generationen hier, die Juden doch erst seit 1 Generation ...


DIE SITUATION KURZ VOR DER ISRAELISCHEN STAATSGRÜNDUNG
Warum die Briten langsam das Interesse an der Region verloren und sich zurückzogen ist historisch umstritten, die Unabhängigkeit von Indien dürfte einer der Gründe gewesen sein. Jedenfalls gab England im November 1947 das Gebiet in die Hände der UNO. Mit den komplizierten Verhältnissen in Nahost waren die Vereinten Nationen damals überfordert gewesen. D.h. die Kunst, eine weise Entscheidung zu fällen, welche eine friedliche Zukunft verhiessen hätte. Der Band "Asterix im Morgenland" gibt den schwer zu durchschaubaren - geschichtlichen, ethnischen und gebietsbeanspruchenden - Aspekten des Nahen Ostens sogar eine humoristische Note: Mit einem Obelix, der von den Verhaltensweisen der Bevölkerung dort gar nichts kapiert und sich mit einem grossen Fragezeigen ständig an die Stirn tippt ("die spinnen, die ...") Allerdings kann bei den tragischen Ereignissen des Frühjahrs 1948 für Humor hier kein Platz sein ...
Der rasante Anstieg der jüdischen Bevölkerung beruhte fast ausschliesslich auf Einwanderung, nicht zuletzt durch die Ereignisse des Holocaust.
Ende November 1947 fällte die UNO mit knapper Zweidrittel-Mehrheit die Entscheidung einer Teilung des (noch-) britischen Gebietes: In eine jüdische & in eine arabische Zone. Mit dieser UNO-Entscheidung war der arabische Bevölkerungsanteil von anfang an nicht einverstanden. Man fühlte sich von aussenstehenden Staaten überrumpelt und leitete sogleich militärische Schritte ein. Die Juden dagegen nahmen offiziell jene UNO-Entscheidung an, beschwerten sich aber über das angeblich zu kleine "Luxembourg", das man ihnen gab. In dieser Bürgerkriegs-Situation bereiteten sich die Briten langsam darauf vor abzuziehen. Anschliessend hielten sich beide Teile nicht an die Abmachungen der UNO, d.h. streng genommen wurde das Gebiet niemals mit geltendem Recht erworben.

ESSAY

Fürst Otto von Bismarck hatte einmal einen klugen Satz gesagt: "Sei lieber der Angegriffene und nicht der Angreifer. So wirst Du einen taktischen Vorteil haben und die Welt wird Dich mögen und den Angreifer verachten ...". Das Deutsche Reich z.B. verlor im August 1914 schlagartig die Sympathien der Welt (und in Folge auch den Krieg), da es unbedingt der erste Angreifer sein wollte mit dem unbesonnenen Belgien- und Frankreich-Einmarsch. Obwohl die Gegenseite (Russland, Frankreich) eigentlich zuerst den Krieg erklärt hatte.
Obwohl die Palästinenser zuerst den Bürgerkrieg begannen, verspielte mit der Massenvertreibung 1948 Israel seine Sympathien ähnlich.

Ich schätze israelische Kultur durchaus und bin natürlich kein Gegner des Landes. Ich schrieb diesen Bericht teilweise während der Kishon Komödie / DVD "Der Blaumilchkanal", die wirklich gar zu komisch ist ....
Da gelingt einem Irren - der früher mal Bauarbeiter war - unbemerkt aus aus seiner psychiatrischen Betreuung zu entfliehen. Er fährt in die Innenstadt von Tel Aviv besorgt sich von einer Baustelle einen Presslufthammer. Ab 5.00 h morgens beginnt er damit die Hauptstraße von Tel-Aviv aufzureissen. Polizei und Stadtverwaltung glauben an einen offiziellen Ausbesserungs-Auftrag des Bürgermeister-Amtes. Die Ordnungshüter errichten ihm Straßensperren und senden darüber hinaus zu seiner Unterstützung weitere Baukolonnen hinzu. Die im Laufe des Filmes der gesamten Hauptstraße von Tel Aviv völlig den Garaus machen ...
Als nach einigen Tagen endlich das Missverständnis aufgedeckt wird, darf dieses nicht publik werden ! Im Gegenteil: Es werden noch zusätzliche Straßen, die zum Strand / Meer führen mit Dutzenden von Presslufthämmern (nun unter der Leitung des Irren, der zum Ehrenbürger der Stadt avanciert) aufgerissen. Und am Ende entsteht dabei ein neuer Kanal ohne Zweck, der die vordere Stadt überflutet. Wegen des 90-minütigen Dauergeknatters fiel während des Films ein Glas von meinem Fernseher *gr* ... Israel hat offenbar durchaus Selbstironie ...

Aber warum hat Israel keine Selbstkritik für Deir Yassin und den groben taktischen Fehler der Massenvertreibung. Eine Einsicht wäre ein Vorteil für Israls Zukunft meine ich ...

Selbst ein ehemaliges Mitglied der Irgun (Uri Avnery) schreibt in seinem interessanten Nahost-Buch, daß man durch einen gewonnenen Bügerkrieg 1948 mit der Vertreibung der Palästinenser keinen Frieden sichern konnte. Er kann die Motivation der PLO gut verstehen. Denn jedes Schicksal in den Flüchtlings-Lagern bis heute ist eine Quelle für spätere Revanche, selbst wenn die Flüchtlingslager in weit entferten Gebieten (Jordanien, Libanon, Ägypten ...) sich befinden sollten. Die anfängliche Ignoranz, daß es eine palästinensiche Bevölkerung noch gibt (Golda Meir, Ben Gurion) ist nicht eine kluge Einschätzung der Lage ... Be wise .. Israel.

Freunde:
Israel braucht Freunde, schrieb ein Ciao-Mitglied.
Das sehe ich auch so ! Doch es sollten keine völlig kritiklosen Freunde sein. Ich denke da im Moment an frühere deutsche Aussenminister, die jeder Partei nach dem Mund redeten. Deren Essays zum "Fall Israel" lasen sich nett und unverbindlich, doch das war eher was fürs Poesie-Album, denn ein realistischer Vorschlag, der in der verhärteten Situation des Nahen Ostens von irgendeinem Nutzen hätte sein können.

Das erinnert mich an ein Märchen. Von einem König, der glaubte, er wäre weise. Seine beiden Söhne hatten häufig Streit und Meinungsverschiedenheiten.
Wenn sein Sohn1 zu ihm kam und seine Sichtweise vortrug, dann sagte er zu diesem "Da hast Du schon irgendwie recht !"
Wenn Sohn2 kam und seinen Vater seine konträre Version vortrug, sagte ihm der Vater ebenfalls: "Von dieser Warte aus gesehen hast Du eigentlich genauso recht !"
Ein Beobachter sagte dem König: "Eure Majestät können doch nicht sowohl dem einen Sohn wie auch dem anderen Recht geben, wo doch beide jeweils das Gegenteil voneinander behaupten !!".
Diesem Beobachter gab der König zur Antwort: "Ja, irgendwie haben Sie damit auch wieder recht !"

Anmerkungen wegen KOMMENTARE :

Das Thema lautete April 1948, ich hatte die Freiheit, darüber zu schreiben ...

Nationalsozialismus: Ich hatte eigentlich kaum erwartet, daß das Thema im Zusammenhang Palästinenser - Israelis 1948 hier erwähnt wird. Geschah aber in Kommentaren und wird wahrscheinlich noch häufiger erwähnt.
In diesem Kontext möchte ich auf meine Anti-Nazi Berichte als "Riederwald" (ich glaube es waren 3, meist Bücher von Sebastian Haffner) hinweisen ... Sonst denke ich, ist unter vernünftigen Menschen wohl kaum ein Kommentar nötig zu jenen schändlichen Ereignissen ...

DEUTSCHE UND JUDEN:
Israels Schicksal und Wohlergehen (inkl. das seiner Landsleute den Palästinensern) interessiert mich. Wenn dem nicht so wäre, dann hätte ich keinen Bericht über die innenpolitischen Probleme in Palästina geschrieben und dieser Angelegenheit Zeit gewidmet. Eher einen lustig-spassigen über die Sieben Zwerge, die Presslufthammer-DVD Blaumilchkanal oder Mister Bean.
Ich bin Israel aus diversen Gründen emotional verbunden, das Interesse kam ganz von selber im Laufe der Zeit und wurde mir nicht aufgedrängt:

Nun, ich meine die Juden waren vor dem ersten Weltkrieg und in den Zwanziger Jahren die besten, typischsten und kreativsten Deutschen, die man sich nur vorstellen konnte !!
Ein Glücksfall für ein Gebiet, daß solch kreative, loayale, fleissige und wohlgesonnene Menschen bekommt !!!
Die Semiten waren in das Land Deutschland geradezu verliebt und dienten gerne als in Militär, Unternehmer, Maler, Künster, Handwerker, als Arbeiter oder Angestellte. Gegenüber vielen Gerüchten waren die meisten alles andere als wohlhabend und in den Fällen wenn, dann verdientermassen.
Etwa die Comedian Harmonists (guter Film !!) waren die Deutschen schlechthin und beliebt und lebten vor ihren Erfolgen mit Deutschsprachigen Evergreens alles andere als reich gewesen. Berliner mit ihren Existenzproblemen wie andere auch. Keinen Menschen interessierte es vor 1933, woher sie stammten. Oder Fritz Langs Filme (Metropolis,Nibelungen), Max Reinharts Theater, Albert Einstein, die alte Frankfurter Familie Frank (inkl. Anne).
Oder Charlie Chaplins umjubelter Besuch in Berlin 1932 (wo die Nazis bereits Gegenpropaganda probierte, was den Erfolg des Tramp-Schauspielers in der Stadt nicht trüben konnte. Sie wollten ihn sehen und sie liebten ihn ... Die Nazis (besonders Adolf Hitler) hassten Charlie Chaplin eben aus diesem Grunde, d.h. weil er geliebt wurde und weil die stets miesgelaunten Nazis (oder Hitler) kein Mensch liebte, selbst wenn sie bald eine Menge irrational motivierte Wählerstimmen bekommen sollten.

Gerade weil ich die Deutschen für kein explizit antisemitsches Volk halte, ist es ist für mich schwer zu begreifen, wie überhaupt solche antisemitischen Gedanken bei einem Herrn Hitler in diesem Ausmasse keimen konnten. Die Historiker stehen da weiterhin vor einem ungelösten Rätsel, eine nichtgeschaffte Aufnahmeprüfung dürfte als "Grund" nicht ausreichen ...
Und wie er überhaupt Leute finden konnte, die seine destruktiven sinnlosen Befehle ausführen wollten. Das seltsame dabei ist, daß es sich (z.B. bei Goebbels) fast ausschliesslich um Gefolgs-Leute handelte, die vorher noch nie einen Konflikt mit Juden gehabt hatten, sogar gute Kontakte zu solchen, auch Verlobungen. Man hätte diesen Leuten auch einen Befehl zur Tötung aller Leute geben können, die mit Vornamen Ludwig oder Erika hiessen. Jene gesinnungs- und traditionslose Leute um Himmler hätten es genauso getan. Sie töteten ohne Grund und ohne Aggression gegen ihre wahllosen und zufälligen Opfer. Das wird jeden Historiker in 300 Jahren verständnisloses Kopfschütteln verursachen.
Man lese nur den Unsinn über die sog. "Rassen" in "mein Kampf". So unlogisch, daß man eigentlich mit dem Autor Mitleid haben müsste, ob dieser Dürftigkeit. Die Juden sind keinesfalls eine Rasse, sie sind eine lose ethnische Gemeinschaft. Selbst in der Führungsriege der Nazis wurden diese Kapitel nicht ernst genommen und kaum gelesen. Eigentlich konnte der Antisemitismus in dieser Gestalt niemals "freiwillig" in Deutschland Fuss fassen, er wurde in einer perfekt organisierten Diktatur mit Zwang befohlen und den Leutem "als Meinung" mit Gewalt aufgedrängt ... Oder Profiteure ohne Gesinnung saugten sie von einem Tag auf den anderen auf, um Karriere zu machen. Nach 1945 hatten diese sog. Gefolgsleute damit niemals was zu tun gehabt und sprangen von dem Zug wieder ab ...

Die späteren Auswüchse hätte die jüdische Bevölkerung damals in Deutschland auch selbst nicht für möglich gehalten. Ansonsten hätten sie bestimmt schon vor 1933 freiwillig das Land verlassen, wenn sie das Land als potentiell antisemitisch brodelnden Herd empfunden hätten.
Da sich die Juden gegenüber Deutschland früher so anständig und anhänglich verhalten hatten, finde ich ihre Verfolgung unter Hitler besonders traurig und ungerecht ... Soweit zu diesem Thema, das nicht jenes meines Berichtes war ...

Selbstverständlich hatten die Juden ein eigenes Land verdient nach 1945 ... und auch schon vorher.
Aber die schwierige Frage wo, wann, wie ...?? war keine einfache gewesen. Daß sie nicht richtig gelöst wurde (von allen Seiten) zeigt die Geschichte von 1947 bis heute ! Da erlaube man mir doch bitte mal einen unverbindlichen Kommentar wie "ein anderes Land wäre vielleicht besser gewesen" für alle Beteiligten ...

Doch ab 1946 musste sich Israel in dem neuen Gebiet - noch kein eigenes Staatsgebiet - diplomatisch verhalten und die dortigen Gewohnheiten akzeptieren, sich auf evtl. Schwierigkeiten und Widerstände einstellen ...
Und jener Hammerkeulen-Gegenschlag im April 48, jene Massenvertreibung der Palästinenser war wahrhaft kein diplomatisches Meisterwerk von Israel gewesen !!! Noch bevor es das offizielle Israel überhaupt gab. Das kann weder mit Grossmufti noch mit der späteren Hamas aufgewogen werden.

Israel sollte zu diesem schweren Fehlern stehen und mit Gedenkstätten für Deir Yassin und andere Dörfer langsam beginnen, sich die Sympathie der Menschen freiwillig in kleinen Schritten zurückzuholen. Ein Frieden, der nur mit den eigenen (überlegenen) Waffen erhalten werden kann, der wird nicht Jahrhunderte andauern können. Und Frieden ist wohl ein grosser Wunsch der jungen israelischen Generation.

.streng genommen muesste ich auch noch einen Bericht über arabische Untaten schreiben, z.B. jenen des Grossmufti Husseini, der einen üblen Antisemitismus zeitlebens verbreitete ... und das Massaker von 1928 in Hebron, das lag schon vor Deir Yassin ...

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Kruemelchen2007

Kruemelchen2007

09.12.2007 11:07

super Bericht. Ich finde diese "Massenvernichtungen" grausam. Überhaupt: Es sind menschen wie du und ich! Warum tötet man einen Menschen. Niemand ist minderwertig. Wir sind nur alle verschieden! Warum sieht das nur keiner!

Sigrun131

Sigrun131

16.10.2007 15:03

toller Bericht

Kentsui303

Kentsui303

02.09.2007 21:36

Ein sehr heikles Thema, welches Du hier anreisst. Auch, wenn ich mit Deiner Meinung nicht in allen Belangen konform gehe, so finde ich es dennoch sehr respektabel, sich diesem Thema überhaupt zu widmen. Sehr gerne hätte ich für diesen Bericht ein BH vergeben, doch habe ich diese für heute leider bereits alle verbraten. Doch ich hole dieses gerne nach, wenn Du mich kurz daran erinnern magst. LG, Markus

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