Pakistan, Allgemeines

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Reiseziel Karachi...

3  14.01.2002

Pro:
gute Infrastruktur, bedingt sehenswürdig

Kontra:
derzeit kein gutes Reiseziel, teilweise Hochmut

Empfehlenswert: Nein 

JuergenGolz

Über sich:

Mitglied seit:05.07.2001

Erfahrungsberichte:118

Vertrauende:87

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 108 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Allgemein:

Wieder einmal war der Anlaß der Reise beruflicher Natur. Das Interesse galt den Umschlag von Überseecontainern, den Verzollungsmodalitäten und den Weitertransport in und um Karachi, der größten pakistanischen Stadt, welches auch gleichzeitig wirtschaftliches Zentrum Pakistans darstellt. Die ehemalige Hauptstadt Karachi liegt am arabischen Meer, genauer gesagt, nahe der Indus-Mündung und ist gleichzeitig auch die Hauptstadt der Provinz "Sind".

Karachi:

Am Flughafen Quaid-e-Azam, dem internationalen Flughafen von Karachi, werde ich von unserem Vertreter Ahmed Nawaz und seinem Kollegen Arif Irfanul Huq abgeholt. Sprach ich mit beiden immer auf englisch, so unterhielten sich die beiden untereinander auf Urdu und dank Hindi-Kenntnisse konnte ich den Inhalt verstehen, ich wurde aber belehrt andere Begrüßungsformen zu wählen, obwohl das gute, alte "Namaste" hier wohl verstanden wird.

Nach einem Begrüßungstrunk im Al-Saeed Centre besuchen wir den Containerhafen, sowie den Fischereihafen. Erstaunlich groß und modern ist der Hafen und mit moderner Entladetechnik bestückt. Aber mich zieht es mehr zum Fischereihafen. Hier mietete ich am nächsten Tag am Paradiese Point ein Kamel und beobachtete bei untergehender Sonne die zum Krebsfang ausziehenden Boote.

Baulich zieht mich der weiße Marmor des wohl schönsten Gebäudes der Umgebung in seinen Bann. Es handelt sich um das Mausoleum des Gründers von Pakistan und hat den schönen namen Quaiz-e Azam´s Mazar. Etwas belustigend wirkt die dreimal täglich stattfindende Wachablösung.

Mein Quartier habe ich im Hotel YMCA bezogen. Merkwürdiger Name für diese Region, aber hier konnte man anständig, sicher und sauber leben und das zu EUR 75,00 die Nacht. Ein kleines Restaurant mit schwarzen Reisspezialitäten ist im Hotel integriert und hier kann man günstig und gut essen.

Ahmeda Nawaz führt mich durch das National Museum und hier finde ich viel Propaganda, wenn auch versteckt in freundlicher Moderation. Hier lerne ich aber auch einiges über Karachi, so daß z.B. 60% der Steuereinnahmen des Landes gerade hier erzielt werden und 70% Steuern der Provinz Sind.

So wundert es mich auch nicht, daß zumindest in Karachi nicht die von mir erwartete Armut vorherrscht, sondern hier herrscht geschäftige Betriebsamkeit, aber auch Eitelkeit. Keiner auf der Straße, der nicht bedeutsam sein handy bedient und lautstark hineinbrüllt, seinen goldenen Kugelschreiber dreht, oder auf seine goldene Uhr schaut. Da haben mir die Armen der Vorstadt besser gefallen, denn hier lacht man noch und das trotz der Armut, aber die Reichen verstecken sich hinter einer geradezu lächerlichen Maskerade aus Anmaßung, Herablassung und Überschätzung, wenngleich sie bestimmt gute Schulbildung genossen haben.

So ist man hier stolz auf Karachi und bezeichnet diese Stadt als die reichste Pakistans, gar Südwestasiens. Tatsächlich ist zumindest das Pro-Kopf-Einkommen hier 4-5 höher, als im Landesdurchschnitt. Stolz ist man auch auf die Alphabetisierung, die man ihnen wirklich hoch anrechnen kann. Auch die Gesundheitsversorgung ist nicht die Schlechteste und es prangt nicht überall wie in Indien ein Namensschild mit Preferierung auf die Krankheitsbehandlung mit genügend Eigenwerbung hin.

Manchmal fühle ich mich an Mitteleuropa erinnert und wandele bei ca. 35 Grad Lufttemperatur unter hohen, grünen Bäumen, die für Abkühlung im Schatten sorgen und es wirkt wie ein deutscher Sommer. Selbst die Gerüche sind nicht die, wie sie z.B. für Indien eigentümlich sind, z.B. die Geruchsmischung aus Stoff, Schweiß und Reinigungsmitteln. Aber warum sind die Menschen hier trotzdem so verschieden zu den indischen Nachbarn? Warum lachen die Inder mehr? Beide Länder haben diesselben Probleme und ethnische Kulturen haben in der Vergangenheit gemeinsame Wurzeln.

Was die Sprache anbelangt, so spiegelt die Amtssprache Urdu, welche eine indoarische Sprache ist und sich aus dem Aufeinandertreffen des Arabischen und Persischen entwickelte, eine Sprache, die nur noch für ca. 8% der Bevölkerung Muttersprache ist und so hört man gerade in Karachi die Reste der Sprache der aus Indien immigrierten Muslime und ihre Nachfahren, der Mohajirs, denn in Pakistan werden mehr als 20 Sprachen gesprochen, aber ausgerechnet Urdu muß Amtssprache sein, obgleich man sich doch gerne von seinem indischen Nachbarn unterscheiden will.

Fazit:

Eine unerwartet bedeutsame Stadt, für Pakistan selbst und für seine Besucher, sowie für die Wirtschaft. Karachi, das ist eine wirtschaftliche "Metropole", die ihren Ausnahmestatus hat, wie früher Hongkong für China. Leider sind die Leute nicht so offen, wie man es sonst auf dem Subkontinent vorfindet. Eine eigentümliche Mischung aus Stolz, Separationsbestrebungen und Kultur hat hier wohl ihren Stempel aufgedrückt, wobei ich die Ausnahme bei der "normalen Bevölkerung" sehe, denn diese haben von ihrem Charme noch nichts verloren und müssen sich nicht wichtigtuerisch darstellen, wie es leider gerade hier in Karachi oft der Fall war. Eine Einladung zu einem Essen im Privathaushalt entbindet auch dieser Empfindungen, muß man doch zu Hause nicht die Rolle spielen, die man auf der Straße oder im Business spielt.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
LoMei

LoMei

30.04.2002 20:20

Ich wurde an einen Aufenthalt als Seemann vor 20-25 Jahren erinnert. Da sah vieles anders aus. Gruß, LoMei.

Winfried Koelsch

Winfried Koelsch

16.02.2002 14:04

Welchen Beruf hast Du bloss, das Du da auch hinkommst?

HilkMAN

HilkMAN

18.01.2002 13:37

Ich habe Pakistan damals als echte Erholung von Indien empfunden, nicht nur, weil mir endlich ein Doktor die Amoebenruhr aus dem Koerper giftete. Allerdings war ich nur in Lahore und Quetta, und die unterscheiden sich von Deiner Beschreibung doch ganz erheblich. Viele Gruesse von HilkMAN

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