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Millenium Peace Ride (Teil 5)Pakistan individuell

4  16.10.2001 (21.09.2002)

Pro:
L A N D S C H A F T im Himelaya

Kontra:
staubige Zugfahrt

Empfehlenswert: Ja 

Struff

Über sich:

Mitglied seit:05.08.2000

Erfahrungsberichte:121

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wie Ihr vieleicht aus meinen vorigen Berichten erfahren habt war ich lange Zeit vor der Gruppe (siehe hierzu Teil 1 meines Berichtes unter Offene Kategorie alles mit M). Das hatte sich an der Grenze geändert:

Jetzt musste ich aufholen, denn ich hatte mittlerweile erfahren, das mich die Gruppe im Bus (vermutlich Nachts) überholt hatte.. Auf pakistanischer Seite gab es eine Nachricht vom GMPR beim Grenzposten, das ich in Quetta bei der Polizei die nächste Nachricht erhalten solle. Die hatte aber angeblich keine. Also immer noch alleine weiter per Zug nach Multan. Das Rad einfach reingestellt und im überfüllten Zug daneben auf dem Boden die etwa 24 stündige heiße Wüstenstaubfahrt mit offenen Türen verbracht. Die Gruppe muss währenddessen per Rad über die Berge gefahren sein und ich wollte Ihr entgegengesetzt entgegenfahren..

In Multan gab es dann am letzten Tag der Monsunzeit selbigen als ich gerade ankam.. Doch schon bald war Multan wider die staubigste Stadt auf der Welt. Ein Schmelztiegel. Auf dem Riesegroßen Souk hab ich mich verlaufen und dünnen Draht mit bunten angeklebten Lamettastreifen gekauft, die seitdem meine Vorderradspeichen schmücken. (Siehe Bilder auf www.biketheworld.de) Von einem deutschen Ingenieur erfuhr ich das gerade 1.000 Dörfer mit mitteln der EU elektrifiziert würden.

Ich fuhr per Rad soweit Richtung Berge, bis ich erfuhr, das der GMPR offenbar schon durch war. Jetzt langte es mir!

Mir war es hier zu staubig und zu heiß. Nach einer Nacht auf dem (intersanten) Friedhof begann ich meine Heimreise zu organisieren. Doch just bevor ich Nägel mit Köpfen machte, rief da jemand in gebrochenem English „Do you search for PeaceRide?!“. JAAAA! Sie hatten mich gefunden und schliefen in einem Hotel ganz in der Nähe! Und das im Getümmel diese Schmelztiegels..

Und so kam es das wir doch noch eine Woche zusammen über Faisalabad nach Lahore nahe der Indischen Grenze fuhren! Einer der Teilnehmer hängte sich gerne an vorbeifahrende LKW dran.. Übernachtet haben wir bei Polizeistationen. Das versuch auch mal hier!..
Sogar eine Anbindung an´s Internet eröglichte uns der Polizeipräsident in einem Ort. Am nächsten Tag wurden wir offizell mit Blumenketten aus Plastik verabschiedet und aus dem Ort begleitet unter Anteilnahme der Bevölkerung. Einerseits eine Ehre, die ein kribbelndes Gefühl erzeugt, aber andererseits schäm ich mich auch dafür ein klein wenig, denn ich fahr ja nur Rad..

In einem Ort lockte man mich zu einer Koran-Schule und wollte mich gar nicht mehr weg lassen, sondern bekehren..

Die durchschnittlichen Tagesetappen sollten ursprünglich bei 80 km liegen steigerten sich aber trotz der Hitze in der man schon im stehen schwitzt auf 100-150 km. Einmal wurde es dunkel vor uns: Statt Regen gab es einen Staubsturm. Vorbei ging es meist an Reisfeldern und den landestypischen Töff-Töff-Wasserpumpen. Das Wasser ist salzig, da es zuwenig regnet.

Eine Woche war es nur, da mir in Lahore Pass und Schuhe geklaut worden, da ich das unvernünftigerweise vor meinem Zelt abgestellt hatte. Ein Angestellter des deutschen Konsulats half mir noch neue Schuhe und Passbilder zu bekommen. Für eine neuen Pass musste ich aber nach Islamabad zum deutschen Konsulat. Die verzichteten sogar auf die Passgebühr und erstellten mir noch kostenlos ein sonst ebenfalls kostenpflichtiges Empfehlungsschreiben für das High Court of India. Nach Islamabad ging es per Zug nach Rawalpindi und dann per Rad weiter. Komische Atmosphäre im nächtlichen Rawalpindi..

Das High Court of India wollte dann aber eine Visagebühr von mir. Ich wäre also der einzige aus der Gruppe gewesen, der für das Indien-Visa hätte zahlen müssen. Das hab ich dann nicht mehr eingesehen. In einer Gruppe muss es für alle gleiche Bedingungen geben. Und so entging mir der interessanteste Teil der Reise, der aber zugleich auch ein sehr schrecklicher war, aber dazu mehr unter Indien..

Ich hatte gerade noch bei der Citybank Geld von meiner Postbankkarte abgehoben. Am nächsten Tag ging das nicht., da am Vorabend der jüngste Millitärputch stattfand, hinter dem die Bevölkerung stand, der aber zur Sperrung aller ausländischer Konten für einen Tag führte. Selbst in Islamabad war aber alles ruhig wie gewohnt. Keine Veränderung war zu erkennen. Auch nicht bei Regierungsgebäuden oder in der Diplomatic Enclave. Es gibt auch eine Bank of America..

Ich entschloss mich nun mein Rad im Gelände zu verstecken und den Himlaya per Landestypischer Beförderung (Trampen/Bus/Jeep/MilitärLKW/Van) zu erkunden. Das teuerste war natürlich die Jeep-Etappe hoch in den Schnee rüber nach Gilgit. Dabei mussten wir sogar eine bereits abgebaute Brücke nochmals aufbauen, da die Saison am Vortag offiziell zu Ende war. Geschlafen habe ich eine Nacht bei einem Pfarrer, der darauf bestand, das unbedingt meine Eltern ihn mal besuchen müssten.. Meist darf man oben auf dem Bus oder Lastwagen (diese sind toll handbemalt und das Führerhaus manchmal noch aus Holz) fahren. Prima Aussicht. Eine Nacht hab ich da oben auch geschlafen..

In der Nähe von Peshawar lies man mich nicht drausen Schlafen. Die Polizei verwies darauf das es gefährlich sei und in der Ferne ja auch leise Schüsse zu hören seien. Ich musste bis zu einem einfachen Hotel (manchmal stehen die Bettgestelle gar draußen) weiterfahren. Zahlen musste ich aber nix. Wenn ich mich recht erinnere gab es sogar noch ein kostenloses Futter dazu!

Von Peshawar aus wäre ich gerne hoch zum Kaiber-Paß gefahren. Doch es war schon damals so, dass Ausländern ein Betreten des Landes nur mit Ausnahmegenehmigung und Bodygard und Fahrer gestattet war. Da ich politische Grenzen nicht akzeptiere und die schöne Landschaft des Kaiber-Paßes sehen wollte versuchte ich es mit dem Bus. Am ersten Kontrollpunkt kam ich noch unentdeckt vorbei, doch am 2. wurde ich dann von der Taliban aus dem Bus geholt und in einen Bus zurück nach Peshawar gesteckt. An beiden Posten warnen auch große Schilder, das Ausländer hinter diesem Punkt verboten sind.

Ich versuchte noch an 2 Stellen eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten, aber dafür wollte ich auch nicht mehr wie einen Tag opfern.

So beschloss ich die Rückfahrt anzutreten. In einem Reisebüro Nahe des Bahnhofs an dem die Züge nach Karachi abfahren erstand ich ein One-Way-Ticket der Gulf Air zurück nach Frankfurt. Ein paar fehlende Rupien wurden mir sogar noch erlassen.

Der Zug fährt fast mit Blumen-Pflück-Geschwindigkeit und es dauert 1,5 Tage. Geschlafen habe ich vor dem Klo.
Die Lok geht öfter mal kaputt unterwegs und Ersatz muss her. Die deutsche antiqitierte Stellwerktechnik läst Eisenbahnerherzen höher schlagen.
Zum Flughafen Karachi muss man nicht ganz bis zur Endstation durchfahren. Die letzten km leg ich dann wieder mit dem rad zurück. Es gibt ein Nationales, ein Fracht und ein Internationales Terminal. In meinem Pass fehlte ja der Einreise-Stempel und das Visa. Aber das machte kaum Probleme, und so erreichte ich Deutschland über den Oman.

Bei einem Bericht über diese derzeitige Krisenregion komm ich nicht umhin kurz was aktuelles zu schreiben:
Nach einigen ZDF-Berichten über die Taliban habe ich meine Meinung zum Krieg etwas revidiert. Bis heute hatte ich Petitionen gegen Krieg in meinem Profil. Jetzt sind diese nur noch auf meiner Homepage zu finden. Es ist Haarsträubend, welche Verbrechen die Taliban begeht. Man muss etwas tun gegen die Taliban. Nur Krieg trifft leider auch die Zivilbevölkerung, die schon vor Oktober 01 genug zu leiden hatte..

Teil 2 meines Berichtes findet Ihr unter Syrien. Teil 3 unter Türkei und Teil 4 unter Iran!!..

Man liest sich

STRUFF

Nachtrag:
--------
In Lahore, nur wenige km zur Grenze zu Indien/Wagna, erstand ich für etwa 15.-DM einen Weltempfänger, der bei uns ein vielfaches kosten würde.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Angelito24

Angelito24

12.09.2002 12:54

Das nenne ich einen wirklichen Adventure-Urlaub!! Wow! Grüße von Angelito24!!

Magistix

Magistix

12.09.2002 09:46

Kann man in einem Bericht all die EIndrücke wiedergeben?! - NEIN.

Struff

Struff

16.10.2001 21:42

Eine Soap wollte ich ja nicht Schreiben. Das Anliegen des Great Millenium Peace Ride war schon ernst gemeint.. Bitte lest Teil 1 in meinem Profil!!!

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