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Erfahrungsbericht

für Ostseehotel Dierhagen, Dierhagen
Nächsten Bericht ansehen "Urlaubsfeeling an einem..."
2 Sterne Wellness ist mehr als Zimmer mit Frühstück
38 von 38 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Nein

Pro gute Lage in Deichnähe

Kontra Klinikambiente nicht beseitigt

"Ostseehotel Dierhagen - gebaut zum Wohlfühlen. Die natürlichen Materialien Stein und Holz harmonieren mit der Natur an der Ostsee und der klaren Architektur des Hauses. Neu eröffnet am 01. April 2005 und nur 200 m zu Fuß zum Strand der Ostseeküste! Wir freuen uns auf Sie!

Das Hotel bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Entspannung wie z.B. • ein großes Schwimmbad • 2 Saunen • ein Dampfbad • mehrere Solarien • 6 Sonnenterrassen • 1 Kunstatelier • Sporthalle für Badminton, Tischtennis und Basketball • ein Fitnessraum • ein Fahrradverleih • Beauty Farm Darüber hinaus verfügt das Hotel über Konferenzräumlichkeiten bis zu 90 qm. Bitte erfragen Sie nähere Details." Soweit die Werbung!

Wir alle wissen ja, Werbung die nicht übertreibt, hat keine Wirkung. Wie ist es aber mit der Werbung, die Erwartungen weckt, die in keiner Weise erfüllt werden können?

*Das Hotel*
liegt allein und ruhig auf einem großen zum Teil mit Büschen und Bäumen bepflanzten Grundstück an einer Stichstraße Richtung Deich. Es war früher eine Klinik und das merkt man immer noch sehr deutlich. Das Betongebäude wurde außenherum durch Holzverkleidung und verschiebbare Holzwände zu einem "Designhotel". Innen hat man recht wenig verändert. Hübsch ist der vorgelagerte Teich, leider ist er aber auf einer niedrigeren Ebene, als die Hotelhalle, was auf den Bildern im Internet nicht unbedingt erkennbar ist. Hier stehen auf einer Holzterrasse auch einige Parkbänke.

Vom wunderbar weißen Ostseestrand trennen den Hotelgast nur etwa 500 gefühlte Meter (es kann tatsächlich näher sein, wir hatten Fahrräder gemietet). Leider kommt man auf dem Weg dahin an alten Ruinen vorbei, die auf dem Hotelgelände vergessen worden sind.

*Der Empfang*
An der Türe hängt ein Schild an dem zu lesen ist, dass man ein 3*Superior Hotel betritt. Man betritt das Hotel vom Parkplatz aus kommend über eine Auto-Rampe oder muss viele Stufen überwinden, deshalb halten die meisten zum Gepäckausladen erstmal direkt vor der Hoteltür. Das wird auch geduldet, sofern man das Auto dann schnell wieder wegfährt. Die recht große Eingangshalle wird an der rechten Seite durch einen langen Empfangstresen begrenzt, links stehen eine Stühle und Regale mit Prospekten, geradeaus geht man zum Restaurant mit Bar und zu den Zimmerfluren. Geschmückt ist die Halle mit einem Strandkorb, der aber nicht zu einer Sitzprobe einlädt sondern nur Deko ist.

Die Flure sind mit geräuschminderndem Kunststoffbelag versehen und hier fängt es schon an. Deutlicher Krankenhausmief nach Desinfektion und Bohnerwachs, jeder hat ihn schon mal gerochen, der jemals eine Klinik betreten hat. Es ist recht duster, Fenster sind jeweils nur am Ende der ewig langen Gänge und die Beleuchtung ist recht sparsam. Gegenüber unserem Zimmer lag eine ehemalige Lehrküche oder ähnliches, man hörte jedenfalls vor und nach den Mahlzeiten lautes Geschirrgeklapper und auch Essensgeruch ergänzte die Desinfektionsmittel um eine weitere Komponente.

*Das Zimmer*
ist auf den ersten Blick ganz nett. Ein großes Doppelbett mit Leseleiste am Kopfende. Dass es sich hierbei um eine Neonröhre handelt merkt man ja erst am Abend, wenn einer noch lesen, der andere aber schlafen möchte oder der Fernseher nicht die einzige Beleuchtung des Zimmers sein soll. Am Fußende großzügig etwa 150 cm Platz bis zum an der Wand befestigten etwa 3 m langen Ablage mit Spiegel drüber. Hier steht auch der kleine Fernseher, davor ein Stuhl.

Großes Fenster mit niedriger, breiter Fensterbank in Hockerhöhe, auf der man auch sitzen könnte, wenn ein Kissen draufläge. Gegen die Sonne soll das außen angebrachte verschiebbare Holzpanel dienen, dass aber leider verklemmt ist. Na gut, wird man früh von der Sonne geweckt, das verlängert den Urlaubstag. Einen Vorhang gibt es nicht, nur eine staubigeTüll-Gardine, die man allerdings zur Seite schieben kann. Vom Fenster lässt sich nur ein schmales Teil öffnen (etwa 30 cm breit), der Rest ist feststehend oder abgeschlossen. (Naja, nicht jeder liebt die Beseitigung von Selbstmördern, die sich aus dem 2. Stock fallen lassen.) Das Mückengitter hat ein großes Loch.

Auf der dem Fenster gegenüber liegenden Seite ist ein wandbreiter und hoher Einbauschrank mit genügend Hängemöglichkeiten und Fächern. Leider gibt es nur 2 Metall-Kleiderbügel aus der Reinigung.

In Richtung Eingangstüre auf der rechten Seite liegt das sehr geräumige Duschbad, vom Zimmer getrennt durch eine breite Schiebetüre. Also ideal für Rollstuhlfahrer geeignet. Der Fußboden ist mittelgrau gefliest und die nicht vorhandene Duschtasse führt in Verbindung mit dem zu kurzen Duschvorhang zu regelmäßigen Überschwemmungen bis vor das Waschbecken. Das Bad macht einen schmuddeligen Eindruck, weil hier scheinbar kalkhaltiges Wasser zu möglicherweise nicht mehr entfernbaren Kalkrändern wird, vielleicht ist auch die Putzkolonne einfach nachlässig. Dusch- und Handtücher sind ausreichend vorhanden und werden auch getauscht, wenn man sie auf den Boden wirft. Sie sind allerdings recht dünn und einige auch verschlissen.

Es gibt kein Telefon (wohl auch keinen Zimmerservice) und keinen Kühlschrank.

Das ganze Zimmer ist trotz der Holzmöbel recht nüchtern und ungemütlich und … es riecht nach Klinik. Bei Aufenthalten länger als 15 Minuten gewöhnt man sich allerdings daran.

Einen Billig-Fön kann man sich an der Rezeption ausleihen gegen Pfandgebühr.

*Das Restaurant*
Die Einrichtung erinnert an eine Kantine, der Lautstärkepegel ist entsprechend. Es gibt überwiegend große Tische, wer nicht schon um 7 Uhr am Frühstückstisch hockt, sitzt mit lauter fremden Menschen zusammen, denen das auch unangenehm ist. Wer später kommt, muss warten, bis jemand seinen Stuhl räumt. Das Frühstücksbüfett selbst ist nicht übel. Es gibt verschiedene Brotsorten, diverse Aufschnittplatten, Waffelautomaten (ständig umlagert), Marmelade. Kaffee wird in Thermoskannen auf den Tisch gestellt, Tee kann man bei der Küchenmannschaft bestellen, die aber recht überfordert ist ob der vielen Menschen, die gleichzeitig frühstücken möchten.

Auf die Einnahme anderer Mahlzeiten haben wir verzichtet, nachdem wir den Halbpensionsgästen auf die Teller geschaut hatten. Kantine habe ich schon außerhalb des Urlaubs und das Essen dort ist besser und preiswerter als hier.

*Die Bar*
Betritt man zwangsläufig auf dem Weg ins Restaurant. Sie ist mit einer langen Theke ausgestattet und mit einer Reihe kleiner Tischchen mit Sesselchen. Leider verhindert auch hier die Neonbeleuchtung, dass man sich hier wohlfühlt. Die Qualität der Getränke lässt deutlich zu wünschen übrig. Für 5 Euro habe ich einen Longdrink erhalten, der aus Orangensaft von Aldi mit Likör bestand und im Colaglas zusammengegossen wurde, nur der Name war fantastisch. Kein Eis, kein Strohhalm, kein freundliches Lächeln des Personals. Hier waren wir also gleich zwei Mal, nämlich das erste und das letzte Mal.

*Die Außenterrasse vor Bar und Restaurant an der Ostseite*
Hier fanden wir es am schönsten, man konnte sein Frühstück mit rausnehmen und saß an der frischen Luft. Die Tische waren allerdings schmutzig und man musste sie auch selbst decken, außerdem gab es eindeutig nicht ausreichend Sonnenschirme.

*Die Entspannungsmöglichkeiten*
Sonnenterrasse:
Das recht heiße Wetter ließ in mir den Wunsch aufkommen, schön im Schatten liegend mit einem kühlen Getränk eine der 6 Sonnenterrassen aufzusuchen, nachdem es am Strand einfach zu heiß war. Wir haben alle aufgesucht und fanden nur auf einer einzigen Terrasse 2 Holzliegen ohne Auflagen vor. Die anderen 5 Terrassen waren nicht mal mit einem Stuhl bestückt. An der Rezeption hat man uns 4 Tage lang zugesagt, dass die Auflagen und weitere Liegen heute verteilt werden. Wir haben es nicht mehr erlebt.

Schwimmbad, Saunen, Dampfbad:
Im Schwimmbad dolle Hitze und Chlorgestank, das Becken ein Bewegungsbad mit Hebelift und am Rand 4 Plastikliegen, die Saunen klein und dunkel, das Dampfbad habe ich mir dann geschenkt. Alle gesehenen Räume mit strahlend weißen hygienischen Kacheln, keine Pflanze hilft beim Wohlfühlen.

Sporthalle für Badminton, Tischtennis und Basketball, sowie Fitnessraum:
Die Sporthalle erinnerte sehr an den vergangenen Schulsport, an den Wänden Sprossenwand und alte Fahrradergometer auf dem Boden.

Beautyfarm + Kunstatelier:
Habe ich beides so nicht gefunden. Es gibt einen "Reha-Bereich" in dem sich Personal in weißen Kitteln rumtreibt. Termin nicht schon bei der Buchung gemacht? Dann gibt es keine Möglichkeiten zur Massage, wir haben nur eine Masseurin!

Der Fahrradverleih:
Jau, den gibt es tatsächlich. Wer nachmittags ankommt, wie die meisten Gäste, muss allerdings warten, bis der Fahrradverleiher aus dem Ort mit Fahrrädern rauskommt. Dann hat man allerdings sogar die Möglichkeit, sich größenmäßig beim Fahrradhändler ein Rad auszuwählen. So lange man Hotelgast ist, kann das Fahrrad im Keller eingeschlossen werden. Wenn man abfährt, gibt man einfach den Schlüssel an der Rezeption ab.

*Das Personal*
Die Empfangsdamen finden die Belästigung durch die Gäste recht lästig, häufig ist auch gar niemand zu sehen, man sollte deshalb seinen Zimmerschlüssel nicht dort abhängen, er ist nicht sicher. Auch sonst ist das Personal häufig überfordert und hat sich noch nicht von der planmäßigen Verteilung auf die kapitalistische Zugewandtheit umgestellt.

Die Frühstückskräfte waren sehr bemüht, aber sind wohl zu wenige in der Küche. Im Service waren sichtbar zu wenige Kräfte eingesetzt, deshalb schmutzige Tische und trotz Platzmangels nicht abgeräumte Tische zur Hauptfrühstückszeit.

Die Barkeeper waren vermutlich noch nie in einer Bar.

Die Wellnesskräfte hatten einen recht barschen Ton drauf. Da könnte einem der Verdacht kommen, sie waren mal medizinisches Personal planwirtschaftlich eingesetzt in staatlichen DDR-Kliniken.


*Fazit*
Die "klare Architektur des Hauses" resultiert aus der in der DDR üblichen Plattenbauweise, nicht auf der überlegten Planung eines neuzeitlichen Hotelarchitekten. Das Hotel mag erst 2005 eröffnet worden sein, verschwiegen wird dabei, dass sowohl Gebäude wie Einrichtung wesentlich älter und entsprechend abgewohnt sind. Das Zimmer ist so gerade noch akzeptabel, der Geruch allerdings eine Zumutung. Der Wellness-Bereich ist aus meiner Sicht keiner, das Restaurant ebenso, Frühstück kann man einnehmen, wenn ein Tischchen auf der Terrasse frei ist, sonst recht unangenehm.


Wer ein echtes 3*+ Wellnesshotel, in dem man sich verwöhnen lassen kann, am Ostseestrand erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Wir haben in der Vorsaison pro Nacht und DZ mit Frühstück (auf den ersten Blick günstige) 80 Euro gezahlt, zzgl. Fahrrad und mögen das dennochnicht wiederholen, trotz der guten Lage zur Ostsee. Dann lieber ein bisschen mehr ausgeben und wirklich Urlaub machen und verwöhnt werden.

*Dieser Bericht wurde von mir auch bei dooyoo eingestellt*

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Kommentare

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  • grosser1 10.08.2009 19:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Mousebear 13.06.2009 22:26
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • DucaJess 20.05.2009 10:50
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Guter Bericht. Habe mir ein Video dazu angeschaut. Werde mir auch überlegen, dort mal hinzufahren.

  • Dr.WeissViel 03.03.2009 10:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • deep-clash 04.02.2009 14:03
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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