Ciao - für Leute mit eigener Meinung
Neueste Erfahrungsberichte
|
Neue Fragen
|
Erfahrungsbericht schreiben
|
Produktvideos
|
Pro ein exotisches Land reich an Naturschönheiten
Kontra red tape bei den Grenzkontrollen
Detailbewertung
| Preis-/Leistungsverhältnis | |
|---|---|
| Anbindung | |
| Sehenswürdigkeiten | |
| Sicherheit | |
| Gastfreundlichkeit |
*===Nemza=== ist der omanische Begriff für Österreicher, dies ist die Schilderung einer privaten Omanrundfahrt im Jänner 2012:
Auf der Fahrt nach Al Ain erzählt er von seiner Familie, der Vater war General von Sultan Qabus' Leibgarde, seine Mutter hat neben ihm, Hamed, noch ein Dutzend Geschwister geboren, wir tun entsprechend beeindruckt. Er ist 22, studiert noch Buchhaltung und fährt daneben im Auftrag eines staatlichen Büros Touristen wie uns im brandneuen geländegängigen Toyota Landcruiser durch seine dünnbesiedelte exotische Heimat zwischen dem "Leeren Viertel" der Sahara und den Gestaden am Indischen Ozean.
Am Grenzübergang Hafit erledigt er die langwierige Einreiseprozedur und beglückwünscht uns zu unserer Entscheidung, nach der Rundfahrt per Flugzeug in die an der Strasse von Hormuz liegende Enklave Musandam zu reisen, hätten wir dies auf dem Landweg gemacht, wären durch die Lage des Emirats Fujairah noch vier weitere Ein-und Ausreisestempel mit den entsprechenden Gebühren zu besorgen gewesen.Unser Hotel in Nizwa ist das "Falaj Daris", es hat schöne, große Zimmer und in den zwei Höfen jeweils einen mit 25º gleich wie die Lufttemperatur warmen Pool. Abends essen wir in einem von Hamed empfohlenen Restaurant Shamsküche, die die kulinarischen Traditionen der Halbmondänder Libanon, Syrien und Jordanien vereint: es gibt pikant gewürzten Hummus mit im Ofen gebackenen Brotfladen, dann einen Grillteller mit Shwarmafleisch vom Lamm, Salat und als Getränk - klares Quellwasser aus dem nahen Tanouf. Wir essen nach Landessitte mit den Fingern und es schmeckt ausgezeichnet, als ich später für uns drei bezahle, staune ich über den sehr kulanten Preis von dreikommaachttausend - die omanische Währung Rial hat Tausendstel Baizas hinter dem Komma, das entspricht etwa acht Euro.
Der Grand Canyon des Oman am Jebel Shams beeindruckt uns durch seine Tiefe, die sehr nah ans Vorbild am Colorado River herankommt. Wieder fahren wir in ein schottriges Flusstal ein, das Wadi Ghul, danach passieren wir auf dem Weg nach Al Hamra ausgedehnte Palmenoasen, die mit einem seit Urzeiten effektiven Kanalsystem bewässert werden.
Fort Jabrin ist der Schlusspunkt des Besichtigungsprogramms, dann sehen wir bei der Rückfahrt nach Nizwa noch die bröckelnde Stadtmauer von Bahla, dessen respektables Fort wird seit Jahren restauriert und ist trotz wiederholter Neueröffnungsankündigung noch immer nicht zu besichtigen.
Am Abend entführt uns Hamed in ein türkisches Lokal, das Adana Kebap von neuseeländischem (!) Lamm schmeckt vorzüglich, das Hendl meines liebend Weibes ist zwar gut gewürzt, aber viel zu trocken, dafür die Rechnung für uns drei genauso niedrig wie tags zuvor. Überhaupt ist das Essen in den heimischen Restaurants um 50 -80 Prozent billiger als in den Hotels, allerdings muss man sich mit Tee, Softdrinks oder Wasser begnügen, der Alkoholkonsum in den Hotelrestaurants ist nur Nichtmuslimen gestattet und dementsprechend teuer. Die Hygienestandards sind hoch, auch Salat kann bedenkenlos konsumiert werden.
Tag 3 beginnt früh am Markt von Nizwa. Jeden Freitag findet hier ein Ziegenmarkt statt und obwohl wir um acht Uhr erscheinen, sind die Parkplätze bereits rar, das illustre Treiben der Händler ist jedenfalls eine Show für sich. Auf einem kreisrunden Podest mit 10 Metern Durchmesser hat sich die Kundschaft versammelt, verkaufswillige Ziegenbesitzer führen oder tragen Tiere aller Altersklassen herum, wer Interesse bekundet, greift auf das Fell und erhält prompt einen Preisvorschlag zugerufen, dabei wird heftigst diskutiert und wild fuchtelnd die Qualität zwecks Preisnachlasses in Abrede gestellt, wir werden Zeugen eines teuren Deals, bei dem eine wertvolle schwarzfellige Bergziege um fast fünfhundert € den Besitzer wechselt, Hamed betont aber, dass Durchschnittsware nur etwa 100 € bringt.
Irgendwann verschwinden die Ziegenverkäufer und ein paar winzige Kälber werden angeboten, das Interesse der Kunden ist gleich null und schon löst sich der Tiermarkt in Minutenschnelle auf. Wir gehen die paar Meter zum Souk, bestaunen dort filigrane Silberarbeiten, die aus feinen Stoffen geschneiderten Gewänder der Abayas und Dishdashas, traditionelle Krummdolche und beschnüffeln neben Weihrauchkristallen die prallen Gewürzsäcke mit all ihren intensiven Düften des Morgenlandes. Wir kaufen reife Minibananen, die eine sehr dünne Schale haben, aber einen sensationellen Geschmack, gegen den United Fruits Produkte wie Schwester Chiquita ordentlich abstinken...
Tag 4 führt nach Osten in die Wahiba Desert, einer relativ kleinen, aber wegen ihres feinpulvrigen Sandes bekannten Sicheldünenwüste etwa 150 km südlich von Muscat gelegen. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch das Wadi Bani Khalid mit den berühmten Felsenpools, die von den Einheimischen in den sehr heißen Sommermonaten besonders gern aufgesucht werden.
Bevor wir uns auf die 34 Kilometer Piste begeben wird noch der Reifendruck um 0,2 bar reduziert, dann geht es abschnittsweise mit 90 kmh dahin, Hamed kann nun sein Fahrtalent unter Beweis stellen, das bei den jüngeren Omanis so beliebte Dunebashing beherrscht er aus dem Effeff, es geht auf und ab und seitwärts, mulmiges Gefühl kommt nicht auf, aber das Video davon, das ich mit meiner kompakten Panasonic mitfilme, vermittelt einen guten Eindruck dieses wilden Ritts...
Tag 5 weckt uns mit einem prachtvollen Sonnenaufgang, den wir dank riesiger Panoramafenster direkt vom Bett aus bewundern dürfen, wir bereuen sofort, dass wir diesen zauberhaften Platz nur für eine Nacht gebucht haben.
Nach dem Erreichen der Asphaltstraße halten wir wieder beim Reifenschuster, wo die nun fehlenden Zehntel Reifendruck ergänzt werden. Nun sind wir auf dem Weg in die Hauptstadt Muscat, wobei wir erstmals auf dieser Rundreise den Indischen Ozean bei der Abfahrt nach Sur zu Gesicht bekommen. Hier steht die letzte Werft für die traditionelle Dhau, mit der die Omanis auf ihren Handelsreisen bis nach Sansibar und China gesegelt sind.
Tag 6 und ein neuer Superlativ beim Frühstück im "Sultanah" Restaurant des Shangri La: wir bekommen gleich drei Smoothies um den Magen einzustimmen, die Omelette ist sowas von flaumig und der Patisseur des Hauses verdient für seine Kreationen ein Sonderlob, so lässt sich ein guter Tag beginnen.
Tag 7 sieht uns in einer ATR-42 der Oman Air nach Khasab, dem Zentrum der Musandam Region, an der gerade wieder politisch brisanten Straße von Hormuz, am Vortag ist der amerikanische Flugzeugträger "Abraham Lincoln" mit einer Eskorte aus dem Indischen Ozean in den Golf eingelaufen. Wir checken im "Golden Tulip" ein, am frühen Nachmittag unternehmen wir eine "Safari" im Konvoi, die wohl besser Hochgebirgsarchäologietour benannt werden sollte. Dabei geht es zuerst mit den schon bekannten Allradlern von Toyota zum Aussichtspunkt Sall Ala. Von da oben haben wir einen fantastischen Blick auf die weit verzweigte Halbinsel und die dahinter liegende Meerenge, wo ein vollbeladener Supertanker nach dem anderen den Golf verlässt, um seine heikle Fracht weltweit an Raffinerien abzuliefern. Bevor wir auf gut gepflegten Pisten vom Meeresniveau bis auf fast 1700 Meter Seehöhe kurven, besichtigen wir noch eine aus unbehauenen Steinen gefertigte Wohnstätte aus dem Frühmittelalter. 400 Meter unter dem Gipfel des 2078 Meter hohen Jebel Harim beginnt eine militärische Sperrzone wegen des da oben installierten Überwachungsradars, wir marschieren aber in eine Gegend, wo fossile Funde gemacht wurden, auch den Fußabdruck eines Velociraptors kann man hervorragend erkennen, zuletzt sehen wir noch Felsmalereien, die einen Reiter und eine tanzende Gruppe zeigen. Es ist saukalt da oben, die Temperatur von den 23° in Khasab auf nur 5° gefallen, sodass sofort nach der Heimkehr eine heiße Dusche fällig ist, abends essen wir im Hotel.
Am neunten und letzten Tag im Oman fahren wir zum Grenzübergang Tibat und erreichen nach den Formalitäten bald unser "Banyan Tree" Resort im Emirat Ras al Khaima. Hier schließen wir in einer "Tented Pool Villa" noch zwei Tage Erholung an, bevor es nach Dubai in die Emirates Mall geht, schließlich sind die Preise während des gerade stattfindenden Shoppingfestivals besonders attraktiv, weniger für Elektronik als für Textilien - ein Polo von Ralph Lauren geht da gleich einmal mit 66% Nachlass über den Ladentisch. Auch sollte man die EU Zollfreigrenze von € 470 für Mitgebrachtes nicht überschreiten, der Zoll in MUC zum Beispiel hat einem gewissen Ollie Kahn wegen einiger Armanianzüge zuviel im Gepäck eine einkommensrelevante Strafe im sechsstelligen Bereich aufgebrummt!
Ein Abendessen nehmen wir im schon bekannten "Al Mahara" im Burj al Arab ein, das letzte als dinner with a view auf die spektakulär choreographierte Lichtkaskadenshow vom 442 m hoch gelegenen "Atmosphere" des Burj Khalifa - wie so oft das Beste zuletzt....Wir haben diese Individualreise beim Allgäuer Spezialisten Rose Travel gebucht, mit dem wir schon bei früheren Reisen gute Erfahrungen gemacht haben. Gewiss nicht ganz billig - aber sehr gute Beratung, exzellente Organisation, die bestmöglichen Hotels und Transporte sowie qualifizierte Mitarbeiter vor Ort haben eben ihren Preis.
Offizielle Webseite: www.omantourism.gov.com
Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors
Anstatt dem Mitglied eine negative Bewertung zu geben, bitte daran denken:

Helfe diesem Mitglied durch nützliche Tipps

Melde einen Missbrauch wegen unerlaubter Kopie oder anderer Gründe an das Ciao Support Team.
Kommentar schreiben
Whitesnake83 21.05.2012 06:44
Ich musste mich beim Lesen deines Berichtes wirklich geistig mal lösen und mich in die Situation hineinversetzen. So anders ist es dort. Auch wenn mich meine Urlaubsreisen in absolute Touristenkommerzländer führen, fand ich es doch interessant die landestypischen Alltagsgeschichten zu lesen (Ziegenverkauf). Ein bisschen seltsam muss es sich dann für euch doch angefühlt haben als ihr dann bei einem Pizza Hut reinspaziert. Gibt es das Video des Ritts irgendwo im Netz zu bewundern? Ich kann mir nämlich nicht vorstellen dass hier überhaupt eine halbwegs ruhige Kameraführung möglich ist. Als Fotograf ist mir der Hinweis auf eine Schutzlinse nicht entgangen, auch dafür einen Pluspunkt. Ich wüsste an diesem Berichts nichts auszusetzen außer wie du Blu Ray geschrieben hast (fehlt ein Player hintennach). Fotos vermitteln die Stimmung sehr gut und alles andere als ein BH wäre glatt eine Frechheit :)
mr.matze 17.05.2012 18:26
blonde_lady 08.05.2012 17:06
beeindruckend....ich kenne Al Ain
Lakisha_1 07.05.2012 19:14
bh
bh