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Thommy im Schnee
Pro tolle Gegend, relativ schneesicher
Kontra viele Leute, ein wenig teuer
Irgendwie ist der Name Oberwiesenthal für mich immer mit einem gewissen Mysterium verbunden und eigentlich immer mit Schnee.
Damit ich mir die zumindest theoretische Chance auf eine Prämierung erhalte, möchte ich ganz entgegen meiner losen Art den erlauchten Leser zunächst mit einigen Sachinformationen langweilen.
Sachinfos:
Oberwiesenthal ist die am höchsten gelegene deutsche Stadt, da staunt der Alpinist und der Yeti wundert sich, es ist aber so. Die Stadt hat eine Mindesthöhe von 914 m und liegt der höchsten Erhebung des Erzgebirges, dem Fichtelberg zu Füßen. Dieser wiederum ist um exakt 300 m höher als der Ort bzw. dessen tiefster Punkt. Die Gegend um Oberwiesenthal ist landschaftlich äußerst reizvoll und was den passionierten Wintersportler besonders freut auch relativ schneesicher. Kilometerlange Skiwanderungen sind auch grenzüberschreitend möglich, also am besten immer mit Pass skaten. Zum nahegelegenen Tschechien kommt man entweder über den Pkw- oder den Fußgängergrenzübergang, mit Wartezeiten (Pkw) muss man nicht oft rechnen.
Am Fichtelberg selbst gibt es Abfahrten verschiedenster Schwierigkeitsstufen und dort tobt auch das Leben, es gibt u.a. ein Eisstadion, eine auch im Winter betriebene Sommerrodelbahn, ein modernes Sportzentrum mit Bowling- und Kegelbahnen, Fitnesscenter, Tennis- und Squashplätzen und einer Indoor-Golfanlage und natürlich jede Menge Schischulen und Verleihstationen und Lifte und und und.
Seit nunmehr 4 Jahren verbringen wir über den Jahreswechsel ein paar Tage im wunderschönen Erzgebirge und jedes mal verbringen wir einen Tag am, auf und neben dem Fichtelberg. Und immer gab es an diesem Berg auch Schnee, mal mehr und mal weniger. Aber auch da hat der sehr rührige Tourismusverband vorgesorgt, allein im Jahr 2000 wurden 100 Schneelanzen installiert, so dass es nun nur noch kalt sein muss.
Und jedes Jahr gab es bisher ein Erlebnis am Berg, welches uns in ewiger Erinnerung gemeißelt bleibt. Vier Jahre, vier Erlebnisse und wie ich Euch kenne, wollt Ihr die auch hören, also los.
Grundsätzlich muss ich sagen, ich fahre IMMER ohne die SM dorthin, das lohnt nicht, da gibt es keine Lawinen. Außerdem passt an meine Reisschüssel nicht dieser Dachgepäckträger für die SM (manche transportieren auch ihre Ski dort drin....).
Tour 1: Thommy auf Abwegen
Es geschah beim Abstieg vom Gipfel, ein Höhenunterschied von ca. 200 m ist zu überwinden und das teilweise recht plötzlich. Ein Hauptweg war gesperrt, weil da ständig die Snowboarder die Fußgänger mit ins Tal geschleift haben und die Ausweichstrecke hat mir überhaupt nicht zugesagt. Also nimmt Thommy eine Abkürzung, es war tatsächlich eine, ich war als erster unten, mit den Füßen voraus und das Gesäß mit ständigem Bodenkontakt. Eigentlich wird das rein wissenschaftlich gesehen durch das Ungleichgewicht der Erdanziehung und der Gravitation bewirkt. Denn was nützt es einem, wenn einen die Erde anzieht, die sich aber gleichzeitig so schnell dreht, dass man einfach ins Leere treten muss. Allen Zuschauern hat es jedenfalls sehr gut gefallen, denn Schadenfreude ist die ehrlichste Form von Mitleid..... bg
Tour 2 : Thommy hängt fest
Mein Sohn wollte unbedingt auf die Sommerrodelbahn und ein kampfesmüder Vater lies sich breitschlagen. Gerodelt wurde im Doppeldecker, also zwei auf einen Schlitten, der Stiftikus vor mir. Nun weiß jeder erprobte Rodler, man muss erst nach oben, um nach unten zu kommen.... Das geschieht, indem der besetzte Schlitten eine schiefe Ebene hochgezogen wird (ca. 30°). Nun sitzt man in dieser Hanglage wie der buchstäbliche Affe auf dem Schleifstein und als wir den Gipfel schon fast erreicht hatten, blieb die Seilwinde stehen. In dieser rückenverachtenden Haltung saßen wir ca. 10 Minuten fest, es waren fast die längsten meines Lebens und wie immer in solchen Fällen, keine Krankenschwester in der Nähe.
Tour 3 : auch Thommy kann nur billig
Es begab sich an einem sonnenüberströmten Neujahrstag, ich hatte meinen ersten Höhepunkt (den Gipfel...) schon hinter mir, die Stadt Oberwiesenthal vor und ein Hungergefühl in mir. Wir steuern also das erste Haus am Platz an, den Namen werde ich selbstverständlich wegen einer möglichen Strafverfolgung nicht nennen. Es war bereits etwas spät, so gegen dreiviertel zwei. Für die, die mit einer solchen Zeitangabe nichts anfangen können, eine kurze Erläuterung. Die zweite Stunde ist schon zu drei Vierteln geschafft, also bedeutet dreiviertel zwei nichts anderes als 13.45 Uhr, ist doch logisch. Also rein in das gastliche Haus und die Möglichkeit einer eventuellen Bewirtung überprüft, es gab einen Neujahrsbrunch. Da es doch einige Menschen gibt, die damit nichts anfangen können, das Wort Brunch ist ein Kunstwort und setzt sich aus BReakfast und lUNCH zusammen, also Frühstück und Mittag gemeinsam. Wir schnabulieren also nach Herzenslust, wobei es mir immer das Dessert-Buffet besonders angetan hat und ich bei solchen Gelegenheiten problemlos das Fassungsvermögen meines Magens verdreifachen kann. Und als die Rechnung kam (wieso geht eigentlich nie ein Kellner darauf ein, wenn ich die Rechnung flambiert haben möchte??), war das Neue Jahr gerettet, ich musste nur die Getränke zahlen. War doch nett, oder???
Tour 4 : Thommy am Abgrund
Beim ersten Besuch lag nur auf dem Gipfel des Fichtelberges ausreichend Schnee, was meinen Sohn und mich aber nicht von einer Schussfahrt abhalten konnte. Der Abhang war durch verschiedene schneefreie Stellen kenntlich gemacht, die man aber ohne große Probleme überfahren konnte, wenn man nur genug Schwung hatte. Aber auf einmal, plötzlich und unerwartet, war ein solches Stückchen Wiese zu groß, was den Schlitten dazu bewog, ebenso plötzlich und unerwartet auf der Stelle zu verharren. Nun haben sich die Physiker ja bei der Erfindung der Kräfte ein bisschen was gedacht, auf das Massenträgheitsmoment hätte ich an dieser Stelle aber liebend gern verzichtet. Der Schlitten blieb aufgrund der Haftreibung stehen, er war der Leichteste von uns Dreien. In dieser internen Reihenfolge kam dann mein Sohn, der nach einem Salto kopfüber dem Schlitten auf dem nächsten Schneerest zu liegen kam,völlig unverletzt. Da ich der mit Abstand Schwerste war (und bin) und bei mir demzufolge dieses Masseträgheitsmoment am größten ist, verbrüderte sich dieses noch mit der besonders im Gebirge auftretenden Hangabtriebskraft und ich wurde mit einer bewundernswerten Flugbahn über den Schlitten katapultiert.
Dummerweise war ich so in Schwung, dass ich auch nach dem Aufprall (auf beiden Beinen, als Löwe ist man schließlich auch Katze) nicht zur Ruhe kam. Unglücklicherweise war der Rodelhang hier aber zu Ende und ging in einen Übersteilhang über, Winkel nahe 90° und ca. 3-4 Meter steil nach unten. Ich segle also auf diesen schrecklichen Schlund zu, schließe mit meinen jungen Leben ab, als sich wieder plötzlich und unerwartet ein rettender Baum vor mir aufbaut. In inniger Umarmung habe ich seine Äste und den Stamm umschlungen und wenig sanft nach unten gerutscht. Als ich mich mit nahezu artistischem Geschick wieder nach oben gekämpft hatte, brandete heftiger Beifall von allen Seiten auf und beinahe einhellig bekam ich Haltungsnoten von 6,0 zugesprochen.
Mein Sohn lag immer noch im Schnee, aber nicht vor Schmerzen, nein vor Lachen kringelte er sich.
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