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Sanitäter! Herr M. ist in Ohnmacht gefallen!

5  20.04.2003

Pro:
Ein Pannenmanagement, das zu Tränen rührt .

Kontra:
Von mir heute keins .

Empfehlenswert: Ja 

HilkMAN

Über sich: HP: http://lidude.net - Hier: Spieleberichte ohne Angabe der Packungsgröße! -- Gegenlesungen? Son Qu...

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Ich bin jetzt mal ein wenig unfair. Seit Jahrzehnten fahre ich in Deutschland Zug und habe vielerlei Grund zu meckern. Seit einigen Tagen fahre ich in Österreich Zug und schreibe ausgerechnet dazu einen Erfahrungsbericht. Ich bitte diejenigen um Entschuldigung, die vielleicht seit Jahren von der österreichischen Bahn genervt sind – meine Erfahrungen waren derart positiv, dass ich die ÖBB einfach mal loben muss.

Bekanntlich kennt ja die die Deutsche Bahn zwei Arten, mit Problemen umzugehen: Erstens das gezielte Verschweigen, zweitens die Fahrgastbeschimpfung. Die Vorstellung, dass sich Probleme manchmal einfach lösen ließen, ist Herrn Mehdorn und Konsorten jedenfalls ziemlich fremd. Dass es auch anders gehen kann, zeigte bei unserer kürzlichen Reise von Göttingen nach Graz die ÖBB.

Dass unser ICE bei der Einfahrt nach Göttingen bereits eine Viertelstunde Verspätung hatte, schockte uns zunächst wenig. Schließlich hatten wir in Linz satte vierzig Minuten zum Umsteigen, und das sollte schließlich auf alle Fälle reichen. Aber leider verzögerte sich irgendwo in Süddeutschland die Weiterfahrt, weil es einen Böschungsbrand gab (keine der üblichen Standardpannen immerhin...). Die Löscharbeiten zogen sich eine ganze Weile hin, und so war unsere Verspätung bei der Einreise nach Österreich auf eine satte Stunde angewachsen. Dass wir unseren Anschlusszug nicht erreichen würden, war uns damit klar. Aber es war gerade mal Nachmittag, als wir in Linz waren, und so dachten wir uns, dass es da ja wohl noch andere Möglichkeiten geben würde, nach Graz weiterzukommen. Der österreichische Schaffner versprach uns, vor der Einfahrt nach Linz die Möglichkeiten für die Weiterfahrt durchzugeben.

Kurz vor Linz wurde dann durchgesagt, dass sich alle Reisenden in Richtung Graz nach dem Aussteigen vor Wagen 12 treffen sollten. Also pilgerten wir dorthin. Auf dem Bahnsteig stand ein Gepäckwagen mit Fahrer, der uns aufforderte, unser schweres Gepäck aufzuladen. Wir würden per Bus nach Graz weiterbefördert. Immerhin waren so etwa 25 Reisende betroffen.

Wir wurden dann von einem anderen Mann auf den Bahnhofsvorplatz geführt, während ein dritter einen Rollstuhlfahrer auf einem Umweg hinterherbrachte. Nach etwas Wartezeit wurde dann ein eilig gecharterter Bus herangebracht, unser Gepäck wurde verladen (wir mussten keinen Handschlag tun) und wir nahmen Platz. Es wurden kostenlose Getränke verteilt und die Bahnangestellten stellten ein Handy zur Verfügung, mit denen eventuelle Abholungen etc. umorganisiert werden konnten. Für eine taubstumme Frau, die von einem taubstummen Freund abgeholt werden sollte, versprach einer der Bahnleute gar, ein Fax zu schicken (ein Anruf hätte ja nichts gebracht). Und ab ging die Fahrt. Wir kamen dann etwas über eineinhalb Stunden später als planmäßig in Graz an.

Nun ist das ja ohnehin schon ein Beispiel für gelungenes Pannenmanagement. Aber zwei Dinge beeindruckten mich noch zusätzlich. Erstens hatte die österreichische Bahn mit der Verspätung ja überhaupt nichts zu tun – trotzdem fühlte sie sich netterweise zuständig (auf meine Frage, ob sie sich die Mehrkosten bitte von der DB erstatten lassen könnten, lachten die Helfer nur). Zweitens aber, und das begriff ich erst später so richtig, hätte es am gleichen Tag noch diverse Möglichkeiten gegeben, mit der Bahn nach Graz zu reisen. Mit diesen wären wir auch nicht erheblich später angekommen als mit dem Bus – aber wir hätten ein bis dreimal umsteigen müssen. Das erschien den Bahnverantwortlichen offensichtlich unzumutbar – mich hätte es nahezu nicht gestört.

Nun ist es natürlich eine gute Frage, ob dieser einzelne Fall repräsentativ für die ÖBB stehen kann. Mich hat er jedenfalls sehr gefreut, denn er zeigt, dass ich mit meinem Gemecker über die Deutsche Bahn offensichtlich doch nicht so ganz unrecht habe. Bei der Vorstellung, dass sich in Deutschland drei Leute um ein kleines Grüppchen gestrandeter Reisender kümmern würde, ihnen eine bequeme Ersatzverbindung, ein Telefon und Fax und gar noch Getränke zur Verfügung stellt, und das ganz ohne den Leuten dabei die Schuld für die eigentliche Panne in die Schuhe zu schieben, würde Herr Mehdorn vermutlich einen Herzinfarkt bekommen. Hoffentlich fährt er nie nach Österreich und muss sowas miterleben.

Übrigens bin ich seit jener Fahrt noch mehrmals in Österreich unterwegs gewesen, zugegebenerweise auf Hauptstrecken, aber ohne Pannen und mit absolut hinreichendem Komfort (lustigerweise war ich, als ich heute unsere Fahrkarten nach Tschechien kaufte, so darauf gefasst, dass das wie in Deutschland mindestens eine Viertelstunde dauern würde, dass ich gar nicht richtig kapiert habe, dass das wirklich nach einer Minute erledigt war...). Ich vergebe also meine Höchstwertung mit Freuden.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mariosedlak

mariosedlak

03.12.2005 20:07

Sehr interessanter Vergleichs-Bericht! Gruß, Mario

Sunny81281

Sunny81281

02.05.2003 20:06

hey, da bekommt man ja glatt mal Lust, in Österreich Bahn zu fahren! ;-)

tepu

tepu

26.04.2003 22:56

Finde deinen bericht einfach echt nett, weil so vieles fakt ist. In deutschland schrérte sich bislang kaum jemand drum, ich fahre auch viel mit der bahn und regelmässg, was ich schon erlebt habe, das war nahezu unmöglich..In Österreich war uich auch des Öfteren unterwegs, meist über salburg richtung graz, freundliche menshcen, seltener Verspätungen+ eine freundliche Stimme bei der Auskunft. Der Service ist ein Service und heisst dort nicht nur so! Finde ich gut, dass du den bericht geschrieben hast, vielleicht liest ihn ja ein bahnangestellter aus Ösiland und freut sich;) gruß von Sonja

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